Dem Bienen-Virus auf der Spur

Als Bestäuber von Ernte- und Wildpflanzen haben Bienen eine herausragende Funktion bei der Nahrungsproduktion und bei der Erhaltung der Biodiversität. Doch die Bienenbestände sind weltweit bedroht: unter anderem erhöht der Flügeldeformationsvirus die Sterblichkeit der Honigbienenvölker. Wurde der Virus ursprünglich oral übertragen, hat sich der Verbreitungsweg durch das Aufkommen der Varroamilbe grundlegend verändert. Als so genannter Vektor injiziert die Milbe den Erreger direkt in den Körper der Biene, wodurch Abwehrmechanismen umgangen werden. Daher dürfte die Übertragungsrate steigen und die Krankheit aufgrund einer höheren Virenlast schwerer verlaufen.

Im Zuge ihres Projekts „BeePath“ will Professorin Lena Wilfert die Auswirkungen des neuen Vektors Varroamilbe auf die Verbreitung des Flügeldeformationsviruses bei Honig- und Wildbienen untersuchen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Evolution des Erregers: Inwiefern haben sich seine Ansteckungskraft und die Symptome beim Wirt durch den zusätzlichen Übertragungsweg verändert? Bei erwachsenen Bienen führt die Krankheit zu verformten Flügeln und weiteren körperlichen Einschränkungen. Betroffene Larven versterben meist direkt nach dem Schlüpfen. Um die Auswirkungen des neuen, vektorbasierten Übertragungswegs auf die Bienenpopulation und auf die Entwicklung des Flügeldeformationsviruses zu erforschen, steht Lena Wilfert ein besonderes natürliches Labor zur Verfügung: Die ökologisch vergleichbaren Kanalinseln sind nicht alle von der Varroamilbe befallen. Auf den verschiedenen Inseln wird Wilfert Honig- und Wildbienen auf den Flügeldeformationsvirus testen und ihre Viruslast bestimmen. Durch Erbgutuntersuchungen der Viren lassen sich sogar Ansteckungswege nachvollziehen.

Welche genetischen Eigenschaften des Viruses die Übertragung durch die Varroamilbe ermöglicht haben, ist bisher unbekannt. Dieser Frage wird Lena Wilfert im Labor nachgehen. Mit molekularbiologischen Methoden will sie untersuchen, inwiefern sich der Erreger durch den neuen Ansteckungsweg verändert hat. Hierzu vergleicht die Biologin das Viren-Erbgut von varroafreien und befallenen Kanalinseln. Um die Virenevolution zu verstehen, können die Forschenden um Wilfert zudem Beispiele früherer Varianten des Flügeldeformationserregers mit der Genschere herstellen. „Durch die Kombination von Untersuchungen im Feld und im Labor wollen wir grundlegende Mechanismen und Auswirkungen der vektorbasierten Virenübertragung nachvollziehen. So erhoffen wir uns Ansätze zur Kontrolle und Prävention des ursprünglich als harmlos geltenden Flügeldeformationsviruses“, so Wilfert. Die Forschungsergebnisse lassen sich womöglich auf vergleichbare Erkrankungen wie die Schweinegrippe oder die Zikavirus-Infektion übertragen.

Quelle: Universität Ulm

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