Gemeinsam Gesundheit fördern – Symposium am 11. März

Foto (Universität Vechta/Friedrich Schmidt) Die Experten beim Pressegespräch (v.l.): Prof. Dr. Thomas Blaha, Dr.in Barbara Grabkowsky, Prof. Dr.in Isabel Hennig-Pauka, Dr. med. Harald Kuhn, Dr.in Sabine Kurlbaum, Dr. Thorsten Arnold und Dr. Johannes Wilking,

„One Health“-Expertengespräch: Antibiotikaresistenzen in Tier und Humanmedizin
Die Problematik von Antibiotikaresistenzen ist nach wie vor sehr aktuell und stellt weltweit Ärzte, Tierärzte, die landwirtschaftliche Praxis sowie die Veterinär- und Gesundheitsbehörden vor große Herausforderungen. Neben den Zoonosen (zwischen Tieren und Menschen übertragbare Infektionen) wie die jährlich sich veränderte Influenza-Viren oder die aktuelle Coronavirus-Variante, sind die zunehmenden Resistenzen die Auslöser für das von der UNO entwickelte „One Health“-Konzept, das durch inter- und transdisziplinäre koordinierte Aktivitäten auf globaler, regionaler, nationaler und lokaler Ebene das Ziel „gesunde Menschen – gesunde Tiere – gesunde Umwelt“ verfolgt. Der Verbund Transformationsforschung agrar Niedersachsen und die Universität Vechta haben zu dieser Problematik das bereits dritte interdisziplinäre Symposium mit ausgewiesenen Referenten organisiert, das am 11. März 2020 stattfinden wird. Als Mitveranstalter sind das Landesamt für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz (LAVES) Oldenburg, das Landesgesundheitsamt Niedersachsen (NLGA), das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung sowie die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) dabei.

Im Vorfeld informierten Veranstalter, Referenten und Experten*innen zum Thema.
Antibiotika seien eine „der wichtigsten Waffen gegen bakterielle Infektionen“, leitet Dr.in Barbara Grabkowsky ein. Allerdings fördere jeder Einsatz die Entstehung und Vermehrung von resistenten Keimen, erklärt die wissenschaftliche Leiterin der Koordinierungsstelle Transformationsforschung agrar Niedersachsen. Das multidisziplinäre „One Health“-Konzept sei die wichtigste Basis, um die stetig an Bedeutung zunehmende Resistenzproblematik mit kontinuierlichen und koordinierten Maßnahmen in allen Bereichen, in denen antimikrobiellen Substanzen eingesetzt werden, dauerhaft „in den Griff“ zu bekommen. So sei die Veranstaltungsreihe, die am 11. März in der Universität Vechta fortgesetzt wird, wichtig, sagte Thomas Blaha. Gegen das Problem der Antibiotika-Resistenzen von Bakterien vorzugehen, sei essentiell, betonte der Vorsitzende der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz und emeritierte Professor der Tierärztlichen Hochschule Hannover (Tiho). Deutschland sei hier aber im internationalen Vergleich auf einem sehr guten Weg, sagte Blaha.

Den Antibiotika-Einsatz könne man allerdings nicht auf null reduzieren, ergänzte Dr.in Sabine Kurlbaum, vom Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) Dezernat 23 – Tierarzneimittelüberwachung. Denn es gebe immer Infektionen, die mit Antiinfektiva behandelt werden müssten. Hierbei müsse unter anderem auf die Art des Antibiotikums geachtet werden, sagte Geflügelfachtierarzt Dr. Thorsten Arnold. So gebe es unterschiedliche Einstufungen für verschiedene Antibiotika-Arten. Einige davon seien ausschließlich für die Humanmedizin bestimmt, sodass sich gegen diese nicht so schnell Resistenzen bilden könnten. Bei anderen wiederum müsste vor einem Einsatz beim Tier zunächst geprüft werden, ob es nicht alternative Medikamente gebe. Auch der Verbraucher könne etwas zum Thema beitragen: Geflügel, welches langsamer aufwachse, sei potenziell gesünder, sagte Arnold. Das hieße aber auch, dass es für den Züchter teurer wäre. Hier müsse es letztendlich Verbraucher geben, welche diesen Preis bereits sind zu zahlen, oder sich dieses leisten könnten. Auch die Verbesserung des Stallklimas könne zur Gesundheit beitragen, sagte Arnold. Allerdings seien entsprechende Umbaugenehmigungen für Landwirte oft schwer zu bekommen. Praxis und Theorie müssten zusammenpassen, sagte Dr. Johannes Wilking vom Kreislandvolk Vechta und machte neben den Nutztieren auch auf die Haustiere aufmerksam. Diese können ebenso als Keimüberträger fungieren. So sei nicht nur im Krankenhaus, sondern auch im Alltag auf Hygiene achten, ergänzt Humanmediziner Dr. med. Harald Kuhn. Einfaches Händewaschen helfe, sich vor ungewollten Keimen zu schützen.

„One Health“-Symposium am 11. März
Die Veranstaltung trägt den Titel „Antibiotika-Anwendungssituation 2020: One Health – Mensch – Tier – Umwelt“. Sie ist Teil einer LEADER-geförderten Reihe an der Universität Vechta sowie des Verbundes Transformationswissenschaften agrar Niedersachsen.

Beispiele aus der Praxis, Erkenntnisse aus regionalen und internationalen Projekten in Human- und Veterinärmedizin sowie im Umweltmanagement werden vor- und zur Diskussion gestellt. Analysen und Strategien von unterschiedlichen Institutionen und führenden Forschungseinrichtungen runden das Programm ab. Voneinander lernen und Verständnis für den jeweiligen Berufsstand entwickeln, ist ebenfalls Idee des Symposiums, das sich explizit an Praktiker*innen aus dem Bereich Landwirtschaft, Humanmedizin und Umweltschutz wendet.

Das Symposium findet statt am 11. März 2020 von 9.15 bis 17 Uhr im Hörsaal Q 015 der Universität Vechta, Driverstraße 22, 49377 Vechta.

Für die Tagung werden keine Gebühren erhoben. ATF- und Fortbildungs-Stunden nach §7(2) SchwHHygVO sowie CME- Fortbildungspunkte für Ärzt*innen sind beantragt. Um Anmeldung bis zum 9. März wird gebeten. Hier sind darüber hinaus weitere Informationen zu finden.

Quelle: Universität Vechta

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