Dünger für die Welternährung – #DAF-Tagung 2022 – Teil II

0

Zusammenfassung des Vortrags von Prof. Dr. Achim Dobermann, International Fertilizer Association (IFA), Leipzig

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs hat die Landwirtschaft einen rasanten Anstieg des Düngemitteleinsatzes als eine der wichtigsten Triebkräfte für das Erreichen von Ernährungssicherheit durch gesteigerte Pflanzenproduktivität verfolgt. Rechnerisch ernähren Düngemittel mindestens die Hälfte der Weltbevölkerung und haben vielleicht auch Millionen Hektar Naturland vor der Umwandlung in Ackerflächen bewahrt.

Die IFA rechnet mit erheblich wachsender Nachfrage nach Stickstoffdüngern. Afrikas Bedarf allein wird sich demnach bis 2030 verdoppeln und bis 2040 sogar verdreifachen. Global ist mit jährlichen Steigerungen zu rechnen von

N = +0,7-1,1%
P = +1,0-1,3%
K = +1,1-1,8%

Wie eine Welt ohne Agrochemie und Düngemittel aussähe, verdeutlicht das Beispiel Sri Lankas. Nachdem dort am 6. Mai 2021 deren Import verboten wurde, sanken die Erträge schlagartig und drastisch:

Reis -42%
Mais -40%
Tee -19%

Die Freisetzung von Treibhausgasen und Umweltauswirkungen durch Nährstoffverluste verlangen jedoch nach einem neuen Paradigma für eine verantwortungsvolle Pflanzenernährung. Es muss einem Ernährungssystem- und Kreislaufwirtschaftsansatz folgen, bei dem mehrere sozioökonomische, ökologische und gesundheitliche Ziele erreicht werden müssen.

Die kommenden 10-20 Jahre werden entscheidend sein, für den Übergang zu einer globalen Nährstoffwirtschaft, als integralem Bestandteil einer kohlenstoffarmen, umweltfreundlichen Kreislaufwirtschaft, die den Ernährungsbedarf einer wachsenden Weltbevölkerung deckt.

Zu den wichtigsten Prioritäten zählen: 1) nachhaltigkeitsorientierte Nährstoff-Roadmaps und -Strategien, 2) klimaintelligente Düngemittel, 3) digitale Pflanzenernährungslösungen, 4) Nährstoffrückgewinnung und -recycling und 5) mit Nährstoffen angereicherte Pflanzen.

Die Anforderungen an neuartige Düngemittel lauten:

+ maßgeschneidert mit Mikronährstoffen
+ bioaktiv: langsam zugänglich für Mikroben u/o Nährstofffreisetzung durch die Pflanze
+ biobasiert, vollständig abbaubar
+ wirtschaftlich in Herstellung und Leistung
+ sicher

Eine neue Definition von Pflanzennährstoffen betont die Rolle des Managements zahlreicher mineralischer Elemente für die Pflanzenentwicklung, den Ertrag und die Qualität der Pflanzenprodukte. Die Bodenfruchtbarkeit steht immer noch im Mittelpunkt der Bodengesundheit und sollte nicht vernachlässigt werden, aber die alten Bewertungsmethoden unterliegen zahlreichen Einschränkungen.

Auf Grundlage der tatsächlich erzielten Ergebnisse müssen zukünftig datengesteuerte, selbstlernende Düngemittelempfehlungen für mehrere Nährstoffe entwickelt werden. Die Düngemittel der Zukunft werden einen viel geringeren CO2-Fußabdruck haben, aber sie müssen auch in Bezug auf die durch das Pflanzenwachstum ausgelöste Nährstoff-Freisetzung intelligenter sein. Die Rückgewinnung von Nährstoffen aus zahlreichen Abfallströmen bietet die Chance, Nährstoffkreisläufe zu schließen und die Düngemittelproduktion zu dezentralisieren.

Die Düngemittelindustrie habe sich bereits 2019 dieser neuen Vision verschrieben und befände sich in einem raschen Wandel hin zu einem nachhaltigkeitsorientierten Wirtschaftssektor, sagte Prof. Dobermann.

Ileitis-Schluckimpfung: Die Impfung, die Leistung schafft

0

Mit einem Anteil von 50 % an den Direktkosten je geschlachtetes Schwein hat das Futter neben den Ferkelkosten den größten Einfluss auf eine rentable Schweineproduktion. Deshalb ist die optimale Futterverwertung in Zeiten explodierender Futterkosten wichtiger denn je.

Eine aktuelle Studie belegt erneut, dass die Ileitis-Schluckimpfung, unabhängig von der Verlaufsform der Erkrankung, die Futterverwertung verbessert. Die Studie ermittelte eine Steigerung der täglichen Zunahmen um 74 g/Tag, eine Reduktion der Mortalität von 1,5 % auf 0,5 % durch Beenden der PHE-Klinik, sowie eine 13 Tage kürzere Mastdauer. Der Gesamtnutzen der Impfung betrug 7,64 € pro Schwein (1) . Zusätzlich bewies die Studie die erfolgreiche Impfung übers Trinkwasser durch die Ileitis-Pumpe.

Ein gesunder Darm ist die Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung eines modernen Fütterungskonzeptes. Die Ileitis-Schluckimpfung verbessert signifikant die Darmgesundheit und damit die Rohproteinverdaulichkeit, Tageszunahmen und Futterverwertung. Die Ileitis-Pumpe stellt ein einfaches Werkzeug zur Absicherung der Tiergesundheit und des Tierwohls dar.

Einfach übers Flüssigfutter oder Trinkwasser schnell und stressfrei impfen.

(1) abzüglich Impfstoffkosten

Weitere Informationen gibt Ihnen gerne Kim Schulze, Boehringer Ingelheim Vetmedica, Tel.: +49-6132-77-90218, kim.schulze@boehringer-ingelheim.com.

Quelle: Boehringer Ingelheom

Welternährung: Quo vadis – #DAF-Tagung 2022 – Teil I

0

Am 13. Oktober tagte der „Dachverband wissenschaftlicher Gesellschaften der Agrar-, Forst-, Ernährungs-, Veterinär- und Umweltforschung“ – kurz DAF – zum Thema Zukunft der Welternährung. Der Einführungsvortrag von Frau Prof. Dr. Regina Birner (Universität Hohenheim) ist im Folgenden zusammengefasst.

Bereits seit 2015 steigt der Anteil unterernährter Menschen auf der Welt prozentual und in absoluten Zahlen. 2021 hungerten etwa 828 Mio. oder 10,5% der Menschen, vor allem im globalen Süden. Asien steht an der Spitze der traurigen Statistik mit 425 Mio., gefolgt von Afrika mit 278 Mio. Nur 35% der Weltbevölkerung sind ausgewogen ernährt, 26% leiden unter Mikronähstoffmangel, 25% haben Übergewicht durch Fehlernährung und 11% der Kinder sind unterernährt.

In den letzten 60 Jahren stieg der Getreideertrag um ca. 200 %, dank Pflanzenzüchtung und Pflanzenschutz, Düngung und Mechanisierung. Doch die FAO schätzt, dass die Nahrungsmittelproduktion bis zum Jahr 2050 nochmals um 60-70% gesteigert werden muss, um Ernährungssicherung für dann 9,7 Mrd. Menschen zu erreichen. Vor allem in Afrika und Asien wären hier gewaltige Zuwächse von Nöten.

Zwar stehen vor allem in Latein Amerika und in Afrika südlich der Sahara noch hunderte von Millionen Hektar potentiellen Ackerlandes zur Verfügung, doch wäre dessen Nutzung ökologisch problematisch. In Süd-Asien dagegen gibt es kaum entsprechendes Potential, in Ost-Asien wäre eine Ausweitung um etwa 50% möglich.

Welche Wege aus dem Dilemma führen, ist allerdings umstritten. Sind es Innovationen in der Züchtung à la Borlaug oder ist es allgemeiner Verzicht, vor allem in den entwickelten Ländern und vor allem beim Fleischkonsum? Sind die Positionen der „industriellen“ oder modernen und der ökologischen Landwirtschaft vereinbar oder nicht? Der Weltagrarbericht von 2008 macht hier keine Hoffnung, die „Zukunftskommission Landwirtschaft“ dagegen hat einen Konsens bei Innovation und Konsumverzicht erreicht.

Prinzipiell sind Produktionszuwächse in der Landwirtschaft möglich durch: Ausweitung der Fläche oder der Bewässerung, der Steigerung des Betriebsmitteleinsatzes oder der Effizienz. Hoffnungsvoll stimmt hier, dass der Anteil der Produktivitätssteigerung am Produktionswachstum seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts drastisch zugenommen hat. Zwischen 2,0 % und 2,7 % stieg die Produktivität pro Dekade insgesamt, der Anteil der gestiegenen Produktivität lag dabei zwischen 0,5 % und 2,0 %.

Vergleicht man die Produktivität der Ackerflächen weltweit, so ist sie in Westeuropa und Teilen der USA, Japans und Chinas praktisch „ausgereizt“. In Afrika südlich der Sahara wird das Bodenpotential dagegen nur zu 30-40% genutzt.

Statt „nachhaltige Intensivierung“ und „Agrarökologie“ als Gegensätze zu begreifen, sollten zur Sicherung der Welternährung beide Ansätze verbunden werden: nachhaltige Steigerung der Produktivität und ein Umsteuern im Konsum.

Wird die Afrikanische Schweinepest auch durch Futtermittel übertragen?

0

In einer „Gemeinsamen Mitteilung“ des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) und des Friedrich Loeffler-Instituts (FLI) vom 24. Oktober 2022 schreiben die beiden Institutionen:

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) hat sich in den vergangenen Jahren in Europa und anderen Teilen der Welt ausgebreitet und sich zu einer Panzootie (weltweit auftretende Tierseuche) entwickelt. Da der Erreger in der Umwelt teilweise sehr stabil ist, besteht der Verdacht, dass das Virus auch über Futtermittel, Wasser und andere unbelebte Materialien wie Einstreu in Hausschweinebestände übertragen werden könnte. Empirische Belege dafür gibt es bisher nicht. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) kam aufgrund theoretischer Annahmen zu dem Ergebnis, dass für bestimmte Futtermittel und Feldfrüchte ein geringes Risiko besteht, ASP-Viren zu enthalten. Es bestehen jedoch große Unsicherheiten wegen fehlender wissenschaftlicher Daten. Einige Wissenslücken sollen nun in einem internationalen Forschungsprojekt geschlossen werden.

An dem von der EFSA geförderten Forschungsprojekt beteiligt sind das Friedrich LoefflerInstitut (FLI), das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und die schwedische Statens Veterinärmedicinska Anstalt (SVA). Virologen des FLI und Futtermittelexperten des BfR werden dabei gemeinsam mit den schwedischen Partnern die Stabilität von ASP-Viren auf verschiedenen Futtermitteln und Einstreumaterialien unter praxisnahen Lagerbedingungen untersuchen.

Vor Beginn der Untersuchung haben BfR und FLI gemeinsam in einer Literaturstudie bislang bekannte wissenschaftliche Erkenntnisse zu Futtermitteln als Infektionsquelle ausgewertet. Berücksichtigt wurden dabei auch der Einfluss von Verarbeitung, Transport und Lagerung auf eine mögliche Verunreinigung von Futtermitteln mit dem ASPVirus.

Die Fachleute kamen zu dem Schluss, dass bei verarbeiteten Nebenprodukten, Getreide, Extraktionsschroten und Mischfuttermitteln durch die Verarbeitungsschritte eventuell eingebrachte ASP-Viren weitestgehend inaktiviert werden. Allerdings könnte durch eine unsachgemäße Handhabung der Produkte nach der Herstellung eine erneute Kontamination mit ASPViren erfolgen. Werden die allgemein geltenden Hygienevorschriften und vorbeugende Maßnahmen zum Umgang und zur Produktion von Futtermitteln (HACCP-Konzepte) eingehalten, ist dieser Übertragungsweg jedoch eher unwahrscheinlich. Bei Futtermitteln, die keiner weiteren Behandlung unterzogen und direkt verfüttert werden, ist eine Übertragung der ASP nicht ganz auszuschließen.

Die Untersuchungen, wie sie jetzt im Forschungsprojekt der drei Institutionen FLI, SVA und BfR geplant sind, werden dringend erforderliche Daten zu ASP-Viren während der Verarbeitung und Lagerung in Futtermittelausgangsprodukten für Hausschweine liefern.

Quelle: BfR

Imkertipp: Varroabekämpfung trotz hoher Temperaturen

0

Im vergangenen Somer haben sich viele Imkerinnen und Imker die Frage gestellt, ob es überhaupt möglich ist, eine Sommerbehandlung gegen die Varroamilbe durchzuführen. Auf Grund der hohen Tagestemperaturen, die teilweise weit über 30°C hinausgingen, war es Wochen lang schwierig, mit Ameisensäure oder Thymolprodukten zu arbeiten. Diese Produkte dürfen für einen guten Behandlungserfolg sowie zum Schutz der Bienen nur bei moderaten Temperaturen angewendet werden.

Anwender der biotechnischen Varroabehandlung wie „Komplette Brutentnahme“, „Bannwabenverfahren“ und „Käfigen und Behandeln“ hatten da keine Probleme, schreibt das Fachzentrum für Bienen und Imkerei in Mayen in seinem Infobrief. Sie konnten ungeachtet der hohen Temperaturen schon seit Juni für eine Entlastung der Bienenvölker sorgen.

Wer keine Biotechnik einsetzen möchte, muss eine andere Art der Varroabehandlung wählen. Als die klassische Sommerbehandlungsmethode gilt noch immer das Verdampfen von Ameisensäure. Oberstes Ziel muss es sein, die Bienenvölker mit gesunden, gut gepflegten Winterbienen in den Winter zu bringen. Deshalb sollte man mit der Sommerbehandlung nicht zu lange warten.

Wer im September erst anfängt zu behandeln, ist zu spät dran. Die Bienenvölker können dann zwar von Milben entlastet werden, bei hohem Befall wachsen aber schon viele Winterbienen parasitiert heran und sind dadurch in ihrer Vitalität und Langlebigkeit eingeschränkt. In der Folge können Bienenvölker bis zur Auswinterung sehr schwach werden oder gar schon vorher eingehen.

Wie stark der Befall mit der Varroamilbe ist, kann mit der Bodenschiebermethode ermittelt werden. Sie wird als Diagnosemöglichkeit schon lange eingesetzt. Sie ist in den letzten Jahren am Bieneninstitut Kirchhain weiterentwickelt worden, um die Aussagekraft über den Milbenbefall zu verbessern. Der Bodenschieber wird für drei Tage, beschichtet mit Bio-Sägekettenhaftöl, unter den offenen Gitterboden geschoben und die Varroamilben dann ausgezählt. Durch die Beschichtung erreicht man, dass der Bodenschieber vollflächig mit einem Ölfilm behaftet ist, der Ameisen und Co. davon abhält, Milben wegzutragen bzw. zu fressen. Auch der Wind kann die Milben nicht von der Bodeneinlage blasen. Hier gibt es die Anleitung dazu.

Der Behandlungszeitpunkt richtet sich nach dem Zeitpunkt des Abschleuderns, dem Befallsgrad der Bienenvölker und den Umweltbedingungen. Die Temperaturen sollten 30°C nicht überschreiten, aber durchschnittlich auch nicht unter 10°C liegen. Hohe Luftfeuchtigkeit und Regenwetter beeinträchtigen die Verdampfung der Säure ebenfalls. Sehr hilfreich ist die Beachtung des „Varroawetters“ (www.varroawetter.de). Dort gibt man seine Postleitzahl ein und erhält neben der örtlichen Wetterprognose auch Behandlungsempfehlungen zu verschiedenen Behandlungsmethoden.

Quelle: Dr. Heike Engels, mit Informationen aus Bienen@Imkerei 22/2022 des Fachzentrums für Bienen und Imkerei in Mayen

Zuerst erschienen im E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 4/2022. Zum kostenfreien Abo bitte einfach hier anmelden.

Gene beeinflussen Erkrankungsrisiko bei Mortellaro

0

Zwei Punktmutationen im Erbgut von Rindern führen wahrscheinlich dazu, dass manche Tiere deutlich anfälliger für die Krankheit Dermatitis Digitalis (auch Mortellaro genannt) sind. Sie ist bei Rindern in Stallhaltung weitverbreitet und äußerst schmerzhaft. Die beiden „Kandidatengene“ hat nun ein internationales Forschungsteam der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU), der Universität Göttingen und der University of Wisconsin-Madison in den USA gefunden. Dafür analysierten die Forscherinnen und Forscher die Daten von mehr als 5.000 Milchkühen. Die Erkenntnis könnte dabei helfen, die Züchtung von resistenten Tieren zu verbessern.

Dermatitis Digitalis ist eine von Bakterien der Gattung Treponema ausgelöste Erkrankung bei Rindern. Betroffen ist der Übergang zwischen Klauenhorn und behaartem Teil des Beins an der Rückseite der Füße. „Obwohl die Krankheit erst 1974 in Italien erstmalig beschrieben wurde, hat sie sich derart verbreitet, dass sie heute weltweit in nahezu jedem Rinderstall in unterschiedlichem Ausmaß anzutreffen ist“, sagt Prof. Dr. Hermann Swalve vom Institut für Agrar- und Ernährungswissenschaften der MLU. Er leitete die Arbeit gemeinsam mit Prof. Dr. Bertram Brenig von der Universität Göttingen. Unterstützung erhielten sie von Prof. Dr. Dörte Döpfer aus den USA.

Da nie alle Tiere einer Herde an der Krankheit leiden, geht man davon aus, dass es genetisch resistente Tiere geben muss. Die genetischen Grundlagen dafür untersuchte das Team aus Deutschland und den USA nun anhand von DNA-Daten und Untersuchungsbefunden von rund 5.000 Milchkühen aus 13 ostdeutschen Großbetrieben. Mit Hilfe umfangreicher statistischer Analysen war es so möglich, für die Erkrankung wichtige Bereiche im Erbgut der Kühe zu identifizieren. Als potenzielle Kandidatengene blieben demnach CMPK2 und ASB16. Beide spielen eine wichtige Rolle in Signalwegen immunologischer zellulärer Prozesse, also zum Beispiel bei bakteriellen Infektionen wie Dermatitis Digitalis. Durch weitere Sequenzanalysen der Kandidatengenregionen fand das Team an zwei Stellen Punktmutationen, sogenannte SNP, die beide einen signifikanten Einfluss auf die Erkrankungsanfälligkeit und die Ausbildung eines chronischen Krankheitsverlaufs zeigten.

„Die Ergebnisse waren durchaus überraschend“, so Brenig, „da CMPK2 und ASB16 zwar in vielen Geweben mehr oder weniger stark hergestellt werden, aber gerade in der Haut eher in sehr geringen Konzentrationen anzutreffen sind“. Das Team plant, seine Arbeit mit Untersuchungen mit Zellkulturen fortzusetzen, um die bisherigen Ergebnisse zu untermauern und womöglich auch den Mechanismus zu klären, den die gefundenen Punktmutationen beeinflussen. Bereits heute könnten die Ergebnisse dabei helfen, die Züchtung zu verbessern und durch umfangreiche Tests eine mögliche Anfälligkeit für Dermatitis Digitalis bereits im Vorfeld zu reduzieren.

Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Frontiers in Genetics veröffentlicht.

Die Arbeit wurde teilweise durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie den Förderverein Bioökonomieforschung e.V. gefördert.

Quelle: Georg-August-Universität Göttingen

Zuerst erschienen im E-Magazin „Der Hoftierarzt 4/2022. Hier geht’s zum kostemfreien Abo.

Sollte uns PCV3 Sorge bereiten?

0

Von Dr. Heike Engels

Neben PCV2 gibt es mittlerweile auch schon PCV3 und PCV4, wie Dr. Elisabeth Streckel, Tierärztin bei Boehringer Ingelheim, kürzlich auf einer online-Fortbildungsveranstaltung informierte. „PCV1 war das erste entdeckte porzine Circovirus, es ist aber nicht krankmachend. Gut 20 Jahre später wurde PCV2 entdeckt, mittlerweile sind neun verschiedene Genotypen bekannt (PCV2a-i). In der Praxis häufig zu finden und damit im Feld relevant sind aber nur PCV2a, b und d, vor denen z.B. der bewährte marktführende Impfstoff verlässlich schützt. PCV3 wurde 2015 erstmals beschrieben und konnte mittlerweile schon in vielen Ländern nachgewiesen werden, man kann von einer weltweiten Verbreitung sprechen. Der „Neuling“ PCV4 wurde 2019 in China nachgewiesen, bis jetzt ist über dieses Virus aber wenig bekannt. Ein Nachweis in Europa ist bislang noch nicht gelungen.“

PCV3 stimmt nur gering mit PCV2 überein
Zu PCV3 liegen bereits diverse Veröffentlichungen vor. Es ist in mehrere Genotypen eingeteilt, hat eine geringe Mutationsrate und stimmt mit PCV2 im Kapsidprotein genetisch nur zu 26 % überein. Die beschriebenen Symptome von PCV3 gehen über Fruchtbarkeitsstörungen, eine gestiegene Mortalität bei Sauen und Hautflecken wie bei PDNS bis zu multisystemischen Entzündungen bei Ferkeln. PCV3 ist offenbar weit verbreitet, in vielen Probenmaterialien zu finden und auch bei gesunden Tieren nachzuweisen.

„Es ist noch unklar, ob PCV3 ein relevantes Pathogen ist bzw. ob das Virus ursächlich ist oder assoziiert mit einem anderen Pathogen oder Kofaktor für die Erkrankungen verantwortlich ist. Bisher gibt es noch keine Untersuchung, ob die Impfstoffe wirken. Da PCV3 aber so unähnlich ist zu PCV2, ist eine Kreuzprotektion der bestehenden PCV2-Impfstoffe sehr unwahrscheinlich. Für die Zukunft ist deshalb zu klären, in welcher Art PCV3 tatsächlich Krankheiten auslösen kann“, so Dr. Streckel.

Zuerst erschienen im E-Magazin „Der Hoftierarzt 4/2022. Hier geht’s zum kostemfreien Abo.

Dringender Appell der Initiative Tierwohl

Am morgigen 12. Oktober 2022 soll der Referentenentwurf des Gesetzes zur Einführung einer verbindlichen Tierhaltungskennzeichnung (TierHaltKennzG) im Kabinett beraten werden. Die Initiative Tierwohl appelliert an alle Kabinettsmitglieder, den Entwurf abzulehnen. Das beabsichtigte Gesetz sei „in weiten Teilen lückenhaft, so nicht erforderlich“ und berge „große Risiken für das Tierwohl in Deutschland.“

Rückschritt beim Tierwohl
Der Entwurf erfasst nur frisches, deutsches Schweinefleisch, aber lediglich, wenn es im LEH, Metzgereien oder online verkauft wird. Der Verkauf von Wurst und Schinken sowie die Gastronomie werden nicht berücksichtigt, womit mehr als zwei Drittel des Schweinefleischabsatzes aus Deutschland ohne Kennzeichnung bleiben würden. Zudem wurden nur die Mast, nicht Sauen und Ferkelhaltung gekennzeichnete und auch Rind und Geflügel nicht einbezogen.

Eine Differenzierung zwischen frischem Schweinefleisch (mit staatlicher Kennzeichnung) und Fleisch anderer Tierarten (ohne staatliche Kennzeichnung) führe „zu einer fortschreitenden Verschiebung des Marktes weg vom Schweinefleisch und fügt damit der Schweinehaltung in Deutschland schweren strukturellen Schaden zu.“

Unzureichende Kontrolle
Eine planmäßige, strukturierte und wiederkehrende Überwachung der teilnehmenden Betriebe sieht der Gesetzentwurf nicht vor und bleibt damit deutlich hinter den privatwirtschaftlichen Standards und Systemen, die für regelmäßige neutrale Kontrollen schon vor der Nutzung von Kennzeichen, stehen. Eine derart laxe Überwachungspraxis gefährde die vielfältigen Standards und Systeme der Wirtschaft in ihrem Fortbestand, meint die ITW

Bürokratie-Monster
Das Verfahren zur Anzeige und Registrierung von Betrieben nutze bestehende Kennnummern und Datenbanken nicht. Stattdessen müssten die zuständigen Behörden personell aufgestockt werden, um den Prozess zu bewältigen. „Der sehr begrenzte Nutzen steht in keinem vernünftigen Verhältnis zu dem enormen Aufwand und den hohen Kosten, den diese Systematik auslöst.“

Benachteiligung deutscher Landwirte
Wenn nur ein kleiner Teil der Lebensmittel tierischen Ursprungs nach dem derzeitigen Entwurf gekennzeichnet werden soll, könnte ausländische Ware ggf. unter niedrigeren Standards produziert und ohne Kennzeichnung vermarktet werden. Die Verbraucher erwarte ein „Kennzeichnungs- Flickenteppich“, während gleichzeitig eine steigende Anzahl von Tierhaltern in Deutschland den Betrieb einstellen

Appell: Auf Bewährtes setzen
Über 10.000 landwirtschaftliche Betriebe nehmen bereits an der Initiative Tierwohl teil. Ihre Labels sind bei den Verbrauchern bekannt, umfassen alle gängigen Tierarten sowie die verarbeitete Ware und sind außerdem im In- und Ausland anwendbar.

„Tritt das Gesetz wie geplant in Kraft, sind die Erfolge der vielen privatwirtschaftlichen Standards und Systeme gefährdet. Tierhalter, die bereits seit Jahren durch diese Systeme mehr Tierwohl umsetzen konnten, wären dann die Leidtragenden. Wir appellieren daher an alle Politiker, dieses Gesetz abzulehnen und regen eine stärkere Zusammenarbeit mit bestehenden Systemen der Wirtschaft an, um im Sinne des Tierwohls und der Landwirte an einem Strang zu ziehen. Die Initiative Tierwohl ist dazu bereit!“

Eutergesundheit im Fokus

0

Von Alexandra Koch, LWK Niedersachsen

Für Milchviehhalter sind die wirtschaftlichen Verluste durch eine Erkrankung des Euters enorm: Jede einzelne Euterentzündung belastet das Betriebsergebnis durchschnittlich mit über 400 €. Auch das Tierwohl wird auf Grund der auftretenden Schmerzen beeinträchtigt. Für den Betriebsleiter entsteht außerdem ein zusätzlicher Arbeitsaufwand. Zudem werden die Möglichkeiten der antibiotischen Mastitisbehandlung künftig noch stärker eingeschränkt, denn als Reaktion auf das zunehmende Auftreten resistenter Krankheitserreger strebt die EU eine deutliche Reduktion des Einsatzes von Antibiotika in der Tierhaltung an. Eutererkrankungen müssen daher zukünftig noch stärker durch eine optimale Vorbeugung vermieden werden. Um Landwirte dahingehend fit zu machen, bot die Landwirtschaftskammer Niedersachsen im Rahmen des Projektes Netzwerk Fokus Tierwohl zwei Online Seminare zum Thema „Eutergesundheit im Fokus“ an. Bei beiden referierte Dr. Andreas Steinbeck, Fachreferent für Rindergesundheit bei Boehringer Ingelheim.

Das richtige Trockensteher-Management
Im ersten Teil wurde die Trockenstehphase genauer beleuchtet. Hierzu wurden einleitend die bedeutendsten Erregerstämme vorgestellt sowie auf Risikofaktoren zur Ausbildung einer Mastitis eingegangen. Zum einen spielt dabei die Haltungsumwelt eine entscheidende Rolle, aber auch Parameter wie die Jahreszeit, die Fütterung der Kühe oder die Methode zum Trockenstellen sind einflussgebend. Darüber hinaus gibt es auch Kuh-individuelle Prävalenzen für das Ausbilden einer Euterentzündung. Ausschlaggebend sind dabei unter anderem das Alter, die Erkrankungshistorie, die Höhe der Milchproduktion zum Trockenstellen oder auch die teilweise rassebedingten Unterschiede beim Ausbilden des Keratinpropfes im Strichkanal.

Im weiteren Verlauf ging der Experte auf die verschiedenen Strategien zum Trockenstellen sowie deren Vor- und Nachteile ein. Das generelle antibiotische Trockenstellen stellt dabei die historische Methode dar. Zwar können damit bestehende Infektionen ausheilen und auch das Risiko einer Neuinfektion wird reduziert, allerdings wird der routinemäßige Einsatz von Antibiotika heutzutage gesellschaftlich weitestgehend abgelehnt. Eine Ausbildung von Resistenzen kann begünstigt werden. Darüber hinaus besteht bei gesunden Tieren keine Notwendigkeit für den Einsatz eines Antibiotikums zum Trockenstellen, für einen vorbeugenden Einsatz fehlt die Legitimation. Einzelne Betriebe sowie Lehr- und Forschungseinrichtungen wenden bereits das sogenannte viertelselektive Trockenstellen an, bei dem nur infizierte Viertel antibiotisch behandelt werden. Ein genaues Wissen um die Gesundheit der einzelnen Euterviertel wird hier in der Regel durch Viertelgemelksuntersuchungen im Labor abgesichert. Muss eine antibiotische Trockenstellbehandlung durchgeführt werden, erfolgt die Auswahl des Wirkstoffs nach Antibiogramm (Resistogramm).

Aufpassen bei der Eutertubenspitze


Zuerst erschienen im zweimonatlichen Hoftierarzt E-Magazin an. Zum kostenfreien Abo bitte einfach hier anmelden und dann den Link in der Bestäigungs-Mail anklicken:

 

DLG-Innovation Award in Silber: Clean & Fill Station von Förster Technik

0

Förster Technik GmbH (Stand 13 D35)
Sachgebiet 4: Haltungs- und Fütterungstechnik Rind

Die Erhaltung der Kälbergesundheit hat in der Milchviehhaltung einen hohen Stellenwert. Infektionen durch mangelnde Hygiene müssen konsequent verhindert werden. Seit einigen Jahren setzen sich vor allem aus arbeitswirtschaftlichen Aspekten immer mehr mobile Kälbertränkesysteme mit größerem Milchbehälter durch, die nach der Nutzung von Hand oder mit halbautomatischer Reinigung aufwendig zu reinigen und zu desinfizieren sind.

Bei der Clean & Fill Station der Förster Technik GmbH kann der mobile Milchbehälter nun zur Reinigung mit wenigen Handgriffen angeschlossen werden. Das Reinigungsprogramm läuft vollautomatisch ab und reinigt alle Flächen und auch die sensiblen Bereiche.

Eine weitere Neuheit liegt darin, dass der Behälter über das eingestellte Programm zum benötigten Zeitpunkt automatisch wieder mit Wasser befüllt und auf die vorgegebene Tränketemperatur aufgeheizt wird. Vom Landwirt muss damit nur noch die benötigte Menge Milchaustauscher zugegeben werden und die Kälbertränke ist einsatzbereit.

Die Clean & Fill Station schließt damit Hygienemängel nahezu aus und führt zu einer deutlichen Arbeitszeitersparnis.

Quelle: EuroTier

DLG-Innovation Award in Silber: The Dreamstall von Cowhouse International

0

Cowhouse International B.V. (Stand 12 C57)
Sachgebiet 4: Haltungs- und Fütterungstechnik Rind

Liegen ist wichtig für die Klauen-, Gelenk- und Eutergesundheit der Kuh und fürs Wiederkäuen essenziell – im Normalfall liegt das Tier mehr als zwölf Stunden am Tag. Liegeboxen sollen ein komfortables und störungsfreies Liegen ermöglichen. Dabei haben die verschiedenen Elemente die Aufgabe, die Tiere so zu steuern, dass sich kleine Tiere nicht umdrehen und die Boxen verschmutzen können, gleichzeitig große Tiere aber nicht so sehr eingeschränkt werden, sodass sie die Boxen gar nicht mehr nutzen.

Der Liegeboxenbügel Dreamstall ermöglicht es den Kühen, in den Liegeboxen nahezu frei zu stehen und sich in ihren Bewegungen natürlicher zu verhalten. Die Besonderheit liegt darin, dass bei diesem Liegeboxendesign auf das klassische Nackenrohr und die herkömmlichen, klassischen Trennbügel verzichtet wird. Das Nackenrohr wird durch zwei flexible, kugelförmige Körper ersetzt, die die stehende Kuh im Schulterbereich steuern. Dies ermöglicht es der Kuh, in einer „Lücke“ frei und mit erhobenem Kopf auch in der Liegebox zu stehen. Die herkömmlichen Trennbügel wurden durch zwei horizontale und flexible Führungsrahmen ersetzt, die die stehende Kuh in eine zentrale Standposition führen.

Somit können die Kühe beim Abliegen die Liegefläche vollständig und ungestört nutzen. Beim Aufstehen werden die Kühe nicht durch ein waagerechtes Nackenrohr, sondern durch die nach oben flexiblen Kunststoffkörper in die richtige Standposition geführt. Der Dreamstall fördert so die arttypische Verhaltensweise der Kühe und fördert somit Tierwohl und Tiergesundheit.

Quelle: EuroTier

DLG-Innovation Award in Silber: AKO WolfStop von Kerbl

Albert Kerbl GmbH (Stand 11 C43)
Sachgebiet 13: Transport-, Hof- und Weidetechnik

Für Weidetiere ist ein optimaler Herdenschutz durch ordnungsgemäße Schutzzäune essenziell. Diese müssen einen ausreichenden Schutz sowohl gegenüber einem Untergraben als auch gegenüber einem Überspringen durch Wildtiere, wie z. B. Füchse und Wölfe, bieten. Die zurzeit in der Regel genutzten Netze haben hierbei oft das Problem, dass zum einen die unterste Litze bzw. die Netzkante nicht unter Strom gesetzt werden kann, weil dadurch die Gefahr von Kurzschlüssen besteht und somit die gesamte Netzzaunanlage nicht funktionsfähig ist sowie der Zaun auch untergraben werden kann. Zum anderen verfügen die Netze oft nicht über eine ausreichende Höhe, sodass sie übersprungen werden können.

Genau hier setzt der AKO WolfStop an. Seine Haltestange kann nachträglich und flexibel an bestehende Netzzäune in einem definierten Abstand bzw. einer geeigneten Höhe angebracht werden und kann so als Schutz vor dem Untergraben der Netze beziehungsweise zum Erhöhen der Netze und damit als Überspringschutz dienen. Am Ende der Haltestange befindet sich jeweils ein Litzenhalter, d. h. eine Aufnahme für einen elektrischen Leiterdraht bzw. eine Litze. Einmal angebracht, können die Haltestangen inklusive der Litze auch einfach hochgestellt werden, um das Netz zum Versetzen oder zum Transport so arbeitseffizient wie bisher zusammenrollen zu können.

Mit dem Einsatz des AKO WolfStop ist eine wesentliche Verbesserung der Funktion und des Verfahrens von Schutzzäunen für Weidetiere zu erwarten.

Quelle: EuroTier

DLG-Innovation Award in Silber: Thermochrome Ferkelnestheizung Thermo WE von MIK

0

MIK INTERNATIONAL GmbH & Co. KG (Stand 17 G11)
Sachgebiet 5: Haltungs- und Fütterungstechnik Schwein

Geheizte Ferkelnester sorgen für einen optimalen Liegekomfort der Ferkel und insbesondere während der ersten Lebenstage auch für eine verbesserte Überlebensfähigkeit der Tiere. Die Temperaturüberwachung bzw. -kontrolle von Fußbodenheizungen im Ferkelnest wurde bislang über eine punktuelle Messung per Infrarot-Thermometer oder flächendeckend mithilfe einer Thermografie-Kamera vorgenommen. Eine visuelle Temperaturüberwachung der Ferkelnestheizungen gab es bislang nicht. Daher war es vergleichsweise schwierig, den Ausfall einzelner oder auch mehrerer Heizplatten schnell zu erkennen.

Durch die Firma MIK International GmbH & Co. KG wurde ein neuer innovativer Ansatz gefunden, eine optimierte Ferkelnesttemperatur kurzfristig und unmittelbar visuell zu identifizieren. Hierzu sind die Elemente der Fußbodenheizung an ihrer sichtbaren Oberseite mit reversibel-thermochromatischen Pigmenten beschichtet, die bei vorbestimmten Minimal- bzw. Maximaltemperaturen einen Farbumschlag aufweisen. Über diese neue Möglichkeit der einfachen und visuellen Überwachung der Oberflächentemperatur einer Fußbodenheizung kann der Betreiber sehr schnell bestimmen, ob ein eventueller Fehler vorliegt.

Neben arbeitswirtschaftlichen Vorteilen führt die Innovation auch zu deutlichen Verbesserungen hinsichtlich eines optimierten Liegeverhaltens in der Kleinklimazone Ferkelnest.

Quelle: EuroTier

Die Mauser – was ist aus tierärztlicher Sicht zu beachten?

2

Von Dr. Ferdinand Schmitt, Geflügelgesundheitsdienst Bayern

Das Verbot des Tötens der männlichen Eintagsküken im Legehennensektor hat nicht nur Zoos und Falknereien vor Probleme gestellt, sondern auch die Legehennenhalter. Da bisher keine praxistaugliche Lösung zum Sexen im Ei weitverbreitet ist, werden die männlichen Küken in Deutschland, Österreich und Osteuropa aufgezogen. Da die Aufzucht und Vermarktung der Bruderhähne nicht kostendeckend sind, muss die Legehenne die Bruderhahnhaltung mitfinanzieren. Aus diesem Grund sind die Legehennenpreise in diesem Jahr stark angestiegen und die Landwirte gezwungen – da der Eierpreis zudem niedrig ist – nach Einsparmöglichkeiten und Alternativen zu suchen.

Eine Möglichkeit, die Kosten zu senken, ist die Mauser. Diese wurde aus diversen Gründen in der Vergangenheit immer seltener durchgeführt und war eher im Bereich der Direktvermarkter verbreitet. Nun gerät sie jedoch bei zahlreichen Landwirten wieder in den Fokus. Mit diesem Artikel sollen aus tierärztlicher Sicht die Vor- und Nachteile der Mauser beleuchtet und praxisnahe Ratschläge für eine erfolgreiche Mauser gegeben werden.

Mauser hat viele Vorteile
Schon länger wird von Seiten des Tierschutzes die „kurze“ Lebensdauer der Henne moniert. Durch die Mauser kann diese verlängert werden, was durchaus im Sinne des Tierschutzes ist.

Für den Legehennenhalter hat die Mauser jedoch ebenfalls Vorteile. Hierzu zählt zum einen die Kostenersparnis, da der Junghenneneinkauf entfällt. Zum anderen legen die Hennen nach der Mauser sofort große Eier, was vor allem für die Direktvermarkter von Interesse ist. Auch die Eiqualität verbessert sich deutlich, was sich in einer besseren Eischalenstabilität bemerkbar macht. Bei richtiger Futtermischung wird auch der Dotter wieder dunkler. Zudem erfährt die Legeleistung nach der Mauser zunächst keinen weiteren Abfall wie sonst üblich. Im Gegenteil, die Legeleistung kann sich nach einer gut durchgeführten Mauser sogar um ein bis zwei Prozentpunkte verbessern. Vereinfacht gesprochen, „geht“ die Henne mit der Legeleistung aus der Mauser, mit der sie „hineingegangen“ ist.

Da durch die Mauser zahlreiche Stoffwechselprozesse heruntergefahren werden und dem Körper die Möglichkeit gegeben wird, sich zu erholen, verbessert sich auch die Tiergesundheit. Zusätzlich kann man bei einigen Erkrankungen feststellen, dass die Tiere die Mauser genutzt haben, um eine Immunität aufzubauen. Ein Beispiel hierfür sind Mycoplasma synoviae- und Egg-Drop-Syndrom-Infektionen.

Wo liegen die Stolpersteine?
Die Mauser hat jedoch nicht nur Vorteile, sondern auch einige Nachteile, auf die im Folgenden eingegangen werden soll.


Zuerst erschienen im zweimonatlichen Hoftierarzt E-Magazin an. Zum kostenfreien Abo bitte einfach hier anmelden und dann den Link in der Bestäigungs-Mail anklicken:

 

Ministerin Otte-Kinast: „Durchbruch beim Ausstieg aus dem Kükentöten“

0

Es sei ein wichtiger Schritt für das Forschungsprojekt zur Entwicklung eines Verfahrens zur frühen spektroskopischen Geschlechtsbestimmung im Hühnerei, schreibt das niedesächsische Landwirtschaftsministerium:

Die Methode wird nun vom Projektpartner Agri Advanced Technologies (AAT) aus Visbek in die Praxis überführt. Ziel ist es, die Methode zu automatisieren und bis zur Serienreife weiterzuentwickeln. Dazu sagt Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast: „Das sind sehr gute Nachrichten! Der Einsatz des Verfahrens in der Praxis ist ein Durchbruch beim Ausstieg aus dem Kükentöten. Nun geht es darum, die Abläufe noch weiter zu optimieren, um die Methode möglichst schnell in vielen Brütereien einzusetzen.“ Das Landwirtschaftsministerium hat mit einer Projekt-Förderung von rund 250.000 Euro zum Erfolg des Forschungsprojektes der Technischen Universität (TU) Dresden beigetragen. Den letzten Impuls für die Entscheidung, das Verfahren nun in der Praxis zu testen, gab ein groß angelegter Versuch im Institut für Tierschutz und Tierhaltung des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) in Celle. Von den vielversprechenden Fortschritten hatte sich Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast Anfang Mai dieses Jahres selbst vor Ort überzeugt.

Das Töten von männlichen Küken ist in Deutschland seit dem 1. Januar 2022 – bis auf wenige Ausnahmen – verboten. Ab 2024 sind darüber hinaus Verfahren zur Geschlechtsbestimmung nach dem 7. Bebrütungstag verboten. Die Geschlechtsbestimmung im Ei ermöglicht es, dass männliche Küken – die keine Eier legen und nicht so viel Fleisch ansetzen wie Masthähnchen – dann gar nicht erst schlüpfen. Wissenschaftler gehen heute davon aus, dass die Embryos bis zum 7. Bruttag noch keine Schmerzen empfinden. Die im Forschungsprojekt verwendete so genannte spektroskopische in-ovo-Geschlechtsbestimmung ist ein optisches Verfahren, das bereits ab dem dritten Bruttag das Geschlecht im Hühnerei detektieren kann. Es ist international das gegenwärtig einzige bekannte Verfahren der in-ovo Geschlechtsbestimmung, das so frühzeitig eingesetzt werden kann. Der gesamte Prozess fand bislang unter Laborbedingungen statt und soll nun als ganzheitliches Verfahren vollautomatisiert erfolgen.

Zum Verfahren:
Bei dem Verfahren wird zuerst die Luftkammer im Ei detektiert, die Schale dann mit einem CO2-Laser perforiert und der Schalendeckel abgehoben. Die Geschlechterbestimmung erfolgt mittels Spektroskopie in den extraembryonalen Blutgefäßen, wodurch die Entwicklung des Embryos nicht negativ beeinträchtigt wird. Die Genauigkeit des Verfahrens liegt bei 96 Prozent. Nachdem das Geschlecht bestimmt ist, erfolgt bei den weiblichen Embryos der Verschluss der Schale. In einem Brutversuch beim FLI Celle im Frühjahr konnte jetzt gezeigt werden, dass das Verfahren die Schlupfraten der weiblichen Tiere nicht beeinträchtigt.

Hintergrund:
In Niedersachsen werden rund 20 Millionen Bruteier für Legehennen – und damit rund die Hälfte Deutschlands – produziert. Damit ist Niedersachsen in einer besonderen Verantwortung. Aus diesem Grund fördert Niedersachsen seit 2020 das Projekt der Technischen Universität (TU) Dresden, mit dem das in einem Verbundprojekt unter Federführung der Universität Leipzig entwickelte frühe spektroskopische Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Hühnerei zur Serienreife weiterentwickelt werden soll. Als Partner aus der Praxis unterstützt die Firma Agri Advanced Technologies (AAT) aus Visbek das Projekt.

Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

„Qualzucht“ beim Nutztier? – #TiHo-Tierschutztagung 2022

0

Bereits 2019 konstituierte sich bei der Bundestierärztekammer eine Arbeitsgruppe „Tierschutz in der Nutztierzucht“, um tierärztliche Positionen im Zusammenhang mit leistungsassoziierten Krankheiten bei Nutztieren zu erarbeiten. Dr. Silvia Heesen (Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz) stellte nun die gemeinsamen Positionen auf der Tierschutztagung 2022 vor.

Weil die Zucht von Milchvieh noch vergleichsweise häufig in Deutschland stattfindet, hat die Arbeitsgruppe sich zunächst mit der Milchviehzucht befasst. Hierzu hat sie eine Dissertation initiiert zum Thema „Tierschutzrelevante Zuchtprobleme beim Milchvieh – Interaktion zwischen dem Zuchtziel „Milchleistung“ und dem vermehrten Auftraten von Produktionskrankheiten, ein systematischer Review“ (Alina Bauer, FU Berlin). Zusätzlich wertete die Arbeitsgruppe statistische Daten aus.

Die Nutzungsdauer einer HF-Kuh liegt in Deutschland zwischen 2 und 3,5 Jahren und ein Großteil der Tiere erreicht so nicht ihr Leistungsoptimum, das ab der 3. oder 5. Laktation zu erwarten ist. Laut BRS-Bericht 2019 lag die Abgangsrate von MLP-Kühen bei 36,2%. Als häufigste Abgangsgründe wurden genannt:

Fruchtbarkeitsstörungen 20,5%
Eutererkrankungen/Mastitis 12,8%
Klauen- und Gliedmaßenerkankungen 11,5%
Sonstige Erkrankungen 6,3%
Stoffwechselstörungen 3,7%

54,5% aller Abgänge (ca. 700.000 MLP-Kühe) schieden demnach wegen sog. „Produktionskrankheiten“ aus, die mit Schmerzen, Leiden oder Schäden für das Einzeltier einhergehen. Managementprobleme und mangelhafte Tierhaltung könnten für diese Zahlen sicher nicht allein verantwortliche gemacht werden, weswegen die Frage nach züchterischen Möglichkeiten zur Verbesserung der Tiergesundheit gestellt werden müsse.

In zahlreichen Studien wurden Korrelationen wischen Milchleistung und Stoffwechselstörungen wir z. B. Ketose, aber auch vermehrtes Auftreten kliinischer Mastitiden, Nachgeburtsverhalten bzw. Fruchtbarkeitsstörungen ermittelt. Die generelle Problematik ließe sich daran verdeutlichen, so Dr. Heesen, dass die Beziehung zwischen steigender Milchleistung und unzureichender Futteraufnahme zu Beginn der Laktation in der Zucht nicht berücksichtigt wurde.

Auch wenn durch die Einführung des Relativzuchtwerts Gesundheit die Möglichkeiten der Zuchtwertschätzung zur Verbesserung der Tiergesundheit deutlich verbessert wurden, sei trotzdem zu befürchten, dass das Verhältnis von RZ-Milch (36%) zu RZ-Gesundheit (18%) weiterhin nicht ausreiche, das genetische Krankheits-Risiko bei HF-Kühen zu verhindern.

Die EU-Tierzuchtverordnung verlange von Züchtern zwar einerseits Tiergesundheit und Robustheit der Tiere zu verbessern, erkenne aber ebenso die Leistungsfähigkeit wegen damit verbundener Wettbewerbsfähigkeit als Zuchtziel an. Tierschutzrechtlich problematisch werde es allerdings, führte die Referentin aus, wenn eine Kuh leistungsbedingt überfordert würde und davon auszugehen sei, dass züchterisch bedingte hohe Milchleistung ursächlich für Stoffwechsel- und Fruchtbarkeitsstörungen, Labmagenverlagerungen, Eutererkrankungen sei. Für diesen Zusammenhang spräche die hohe Krankheits-Inzidenz zu Beginn der Laktation durch den schnellen Leistungsanstieg.

Die Bundestierärztekammer hat ein Positionspapier „Leistungen der Milchkühe und deren Gesundheitsrisiken“ veröffentlicht und einschlägige Organisationen zur Diskussion der tierärztlichen Einschätzungen aufgefordert. Die DGFZ hat bereits eine ausführliche Stellungnahme veröffentlicht und moniert, die züchterischen Bemühungen zur Verbesserung der Tiergesundheit würden nicht ausreichend gewürdigt. Einigkeit besteht aber in der Beurteilung, dass zu viele Kühe zu früh die Betriebe verlassen.

Nach einem Gespräch von Vertretern der DGFZ, des bpt und der Arbeitsgruppe lautete das Fazit: „Auch wenn Tierärzte keinen unmittelbaren Einfluss auf das Zuchtgeschehen nehmen können, wird von allen Beteiligten für erforderlich gehalten, die bundesweite Erfassung von Tiergesundheitsdaten unserer Milchkühe mit tierärztlicher Unterstützung zu optimieren, so dass nicht nur projektbezogen, sondern bundesweit valide Daten zur Tiergesundheit in die Zuchtwertschätzung einfließen können.“

TwistPak®: Mehr Komfort und Zeitersparnis bei der Schweineimpfung

0

TwistPak® beschleunigt das frische Mischen von Ingelvac CircoFLEX® und Ingelvac MycoFLEX® nahezu um das Fünffache.
Innovative Technologie reduziert die Arbeitsbelastung von Schweinehaltern.
Impfstoffflaschen-Design erhielt 2021 den Red Dot Design Award für seine Benutzerfreundlichkeit und hygienische Anwendung.

Boehringer Ingelheim, ein weltweit führendes Unternehmen im Bereich Tiergesundheit, kündigt seine neueste Innovation an: TwistPak®, ein neuartiges System zum frischen Mischen von Impfstoffen. Es ermöglicht Schweinehaltern, zwei Impfstoffe, Ingelvac CircoFLEX® und Ingelvac MycoFLEX®, bequem und schnell zu mischen. TwistPak® wird ab Oktober dieses Jahres deutschlandweit in allen bisherigen Handelsformen von Ingelvac CircoFLEX® und Ingelvac MycoFLEX® verfügbar sein.

Kundinnen und Kunden wollen sich darauf verlassen können, dass Impfstoffe richtig gemischt werden, der Mischprozess einfach, hygienisch, sicher und schnell verläuft (1). Derzeit erfordert das frische Mischen von zwei Impfstoffen eine Transfernadel. Die neuen TwistPak-Impfstoffflaschen® verfügen über ein einzigartiges, hygienisches Verbindungssystem am Boden. Dieses ermöglicht es, zwei Flaschen mit einer einfachen Drehung zu verbinden. Die Produkte können so nach Bedarf flexibel als monovalenten oder frisch gemischten kombinierten Impfstoff verwendet werden.

Optimierter Impfprozess für Schweinebestände
„TwistPak® vereinfacht das frische Mischen von Impfstoffen signifikant“, sagt Dr. Daniel Brüggemann, Head of Marketing Swine in Deutschland bei Boehringer Ingelheim. „Durch die neuen TwistPak®-Flaschen verknüpfen wir die bewährte Qualität und Wirksamkeit von Ingelvac CircoFLEX® und Ingelvac MycoFLEX® mit einem hohen Maß an Komfort beim Mischen beider Impfstoffe. Das ist eine tolle Erweiterung unseres FLEX-Portfolios, denn jeder Schweinebestand ist anders und unsere Kunden benötigen Flexibilität in der Erstellung von Impfprotokollen sowie in der Anwendung der Impfstoffe.“

PCV2-Virus und Porcine Circovirus-assoziierte Erkrankung (PCVAD)
Ingelvac CircoFLEX® immunisiert gegen das PCV2-Virus und Ingelvac MycoFLEX® verhindert, dass Schweine an dem Mycoplasma hyopneumoniae (Mhyo) erkranken. Beide Krankheitserreger kommen deutschlandweit in nahezu allen Betrieben vor und können erhebliche wirtschaftliche Kosten verursachen.

Boehringer Ingelheim war das erste Unternehmen, das 2009 mischbare PCV2- und Mhyo-Schweineimpfstoffe auf den Markt brachte. Ziel des Unternehmens ist es, die Anzahl der Injektionen zu reduzieren. Gleichzeitig wird die Arbeitsbelastung von Schweinehalter verringert, ohne die Wirksamkeit und Sicherheit zu beeinträchtigen.

Red Dot Design Award für innovatives Impfstoffflaschen-Design
Die neuen TwistPak-Impfstoffflaschen® verfügen über ein einzigartiges, hygienisches Verbindungssystem am Boden. Dieses ermöglicht es, zwei Flaschen mit einer einfachen Drehung zu verbinden. Dadurch werden beide Flaschen dauerhaft miteinander verbunden und können in allen gängigen Impfgeräten verwendet werden. Das TwistPak-Konzept® und das ergonomische Design, sind das Ergebnis fortschrittlicher Fertigungstechnologien. Aus diesem Grund wurde TwistPak®, gemeinsam mit dem Industriedesign- und Produktentwicklungsunternehmen DESIGNquadrat, mit dem Red Dot Design Award 2021 in der Kategorie Produktdesign ausgezeichnet.

Referenzen
(1) Bahlmann, J. (2020) Schweineproduzent benötigt vor Ort frisches Mischen von PCV-2 / M.hyo-Impfstoffen in den USA, Deutschland und China. Tagungsband IPVS 2020, Rio de Janeiro. S.680

Quelle: Boehringer Ingelheim

DLG-Innovation Award in Gold: Active Cleaner – Reinigungsroboter von Wasserbauer

0

Sachgebiet 12: Technik für Fest- und Flüssigmist sowie Geflügelkot

Die Emissionsminderung in der Tierhaltung ist eines der zentralen Themen der Zukunft. Wenn dies bereits durch die Entfernung der Emissionsquellen geschieht und damit auch gleichzeitig dem Tierwohl dient, da die Tiere eine saubere Haltungsumgebung bekommen, ist dies eine Win-win-Situation für das Tier, die Umwelt und den Tierhalter zugleich.

Der Active-Cleaner-Reinigungsroboter der Wasserbauer GmbH ist ein vollautomatisches, auf KI-Technologie basiertes, revolutionäres System für Pferdeställe, das genau diese Eigenschaften erfüllt. Die kamerageführte KI-Technik analysiert in Echtzeit die gesammelten Daten und erkennt das zu entsorgende Mistmaterial (Pferdeäpfel). Hat das Gerät mehrere Mistansammlungen identifiziert, errechnet es automatisch die optimale Streckenführung, sammelt vollautomatisiert das Material, wertet die Größe und Menge aus und entlädt den Mist an einer entsprechenden Stelle wieder.

So werden die Mistansammlungen und damit Emissionsquellen vollautomatisch aus dem Bereich des Pferdestalles entfernt und damit gleichzeitig die Haltungsumgebung gesäubert. Auf diese Weise wird nicht nur die Luftqualität im Tierbereich verbessert, sondern auch die Sauberkeit der Einstreu und damit des Pferdes erhöht. Dies führt zudem zu erheblichen Arbeitszeiteinsparungen bei einer eher unbeliebten Tätigkeit in der Pferdehaltung.

Quelle: EuroTier

DLG-Innovation Award in Gold: Stimulor® StressLess von Siliconform

0

Sachgebiet 10: Melk- und Kühltechnik

Technische Lösungen im Stall sind immer ein Kompromiss, der möglichst alle tierindividuellen Eigenschaften umfassen sollte. Dies gilt auch für unterschiedliche Zitzengrößen, mit dem Problem, dass die Zitzengummis bei großen Zitzen oft zu dicht abschließen und das Gewebe belasten, während es bei kleinen Zitzen zu Lufteinbrüchen und Abfallen des Melkzeugs kommt.

Die völlig andere, wellenförmige Konstruktion des Stimulor StressLess unterscheidet diesen Zitzengummi deutlich von herkömmlichen Lösungen. Mit der integrierten adaptiven Lippe können unterschiedliche Zitzengrößen mit dem gleichen Zitzengummi gemolken werden. Die neue wellenartige Konzeption der Lippe reagiert auf die Druckdifferenz im Zitzengummi und lässt wenn nötig Außenluft zum Ausgleich einströmen. Dadurch wird ein überhöhtes Kopfvakuum verhindert, ein Klettern des Melkbechers hinausgezögert und Gewebebelastungen verringert. Auf die gleiche Weise kontrolliert bzw. schließt die wellenförmige Struktur zum richtigen Zeitpunkt wieder und stabilisiert das Kopfvakuum auf idealem Niveau, um den Becher am Euter zu halten. Ungewollte Lufteinbrüche oder ein Abfallen der Becher werden dadurch verhindert.

Aufgrund der wellenförmigen Ausformung seines Kopfes passt sich der Stimulor StressLess den unterschiedlichen Zitzengrößen einer Herde gut an und sichert auf diese Weise eine gleichmäßige Melkung der Kühe.

Quelle: EuroTier

DLG-Innovation Award in Gold für GEA AutoDry

0

Sachgebiet 9: Digitale Lösungen für das Herdenmanagement und die Qualitätssicherung / Smart Farming

Kühe mit hoher Milchleistung trocken zu stellen, birgt einige Risiken für die Gesundheit der Tiere. Hoher Euterinnendruck in den ersten Tagen nach dem Abmelken, fehlender Spüleffekt des Milchstroms während des Melkens und ein belasteter Stoffwechsel der Tiere durch eine drastische Reduktion der Energiezufuhr können Gesundheit und Wohlbefinden der Tiere beeinträchtigen. Um Euterentzündungen vorzubeugen, werden häufig Antibiotika eingesetzt.

Das System AutoDry ist eine innovative Funktion innerhalb der GEA-Herdenmanagementsoftware für konventionelle Melksysteme. Die Funktion lässt sich kuhindividuell aktivieren und bereitet die Kühe schonend und effektiv auf das Trockenstellen vor. AutoDry leitet die automatische Melkzeugabnahme nach Erreichen einer vordefinierten Zielmilchmenge ein. Circa zehn Tage vor dem Trockenstellen startet AutoDry und verringert über einen patentierten Algorithmus mit jedem weiteren Tag in Richtung Trockenstellen schrittweise die Milchproduktion.

Das automatisierte Trockenstellen der Kühe nach einem natürlichen Vorbild ist ein Pluspunkt für jedes wirtschaftliche Betriebskonzept und gleichzeitig ein aktiver Beitrag zur Steigerung der Nachhaltigkeit, gerade in Milchviehbetrieben mit hohen Leistungen. Mit AutoDry kann der Einsatz von Antibiotika reduziert, das Tierwohl gefördert und die Arbeitsbelastung verringert werden.

Quelle: EuroTier