Ceva Pressekonferenz: Atemwegsgesundheit beim Schwein

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Kürzlich fand eine Pressekonferenz der Ceva Tiergesundheit zum Thema Atemwegsgesundheit bei Schweinen statt. Verschiedene Themen wurden angesprochen, von denen wir hier die Wichtigsten vorstellen:

Ceva Lung Program – Aktuelle Erkenntnisse
Seit einigen Monaten gibt es Corona-bedingte Schlachthof-Schließungen und neue Sicherheitsbedingungen am Schlachthof. Das bekannte Schlachtlungenscoring am Schlachtband war nur noch vereinzelnd möglich. Die Ceva Tiergesundheit hat sich in dieser Zeit überlegt, wie sie den Service für die Schweinehalter aufrechterhalten kann. Die Lösung sind nun Schlachtlungen Scorings in Sektionsräumen. Dafür werden von der gewünschten Schlachtpartie circa 30 Lungen vom Schlachthof zum Scoring zur Verfügung gestellt, können dann in ruhiger Atmosphäre nach der Methodik des Ceva Lung Programs gescort und direkt in die Ceva Lung Program App eingetragen werden. Insgesamt konnten so schon circa 60 Scorings durchgeführt werden. Mit dem Ceva Lung Program (CLP) können am Schlachthof Atemwegserkrankungen erkannt und genau nach Schweregrad beurteilt werden. Der Fokus liegt hier auf den beiden Erregern Mykoplasmen und APP. So können mit dem anschließenden anschaulichen Ceva Lung Program Report die durchgeführten Ferkel-Schutzimpfungen bewertet werden.

Influenza – Aktuelle Erkenntnisse
Influenza A Viren zählen zu den wichtigsten Krankheitserregern in den Schweinebeständen, wobei die einhergehenden Krankheitsbilder sich sehr unterschiedlich darstellen können. Die „klassische“ Influenza geht mit hohen Erkrankungsraten auf den Beständen, hochgradigen Atemwegssymptomen, wie Husten, Nasenausfluss, pumpender Atmung, Inappetenz und hohem Fieber einher. Nach fünf bis sieben Tagen klingen die Symptome ab. Daneben zeigt sich die persistierende „endemische“ Form mit ähnlichen, allerdings unterschwelligeren Symptomen. Zusätzlich können in beiden Fällen auch Reproduktionsstörungen auftreten. Diese Erkrankungsformen werden durch die Virus-Subtypen H1N1, H1N2 und H3N2 hervorgerufen, welche schon lange in den europäischen Schweinepopulationen kursieren und ganzjährig auftreten können (1).

Im Jahr 2009 ist durch die Vermischung des Erbgutes europäischer und nordamerikanischer Influenzaviren ein neuer Subtyp entstanden: das pandemische H1N1 Virus. „Pandemisch“ steht für das Länder- und Kontinent-übergreifende Vorkommen. Mittlerweile ist dieses Virus, welches sich sehr leicht von Schwein zu Schwein, aber auch von Mensch zu Schwein und umgekehrt, verbreitet, in vielen Ländern ganzjährig zu finden. Die ersten Nachweise in Deutschland gelangen schon 2010. Dabei sind die Symptome deutlich unspezifischer und weniger „Influenza-typisch“ als bei den schon lange bekannten Subtypen. In vielen Fällen erkranken die Tiere parallel in den einzelnen Produktionseinheiten; dabei kann der Ausprägungsgrad der Symptome von ganz schwach bis sehr stark variieren. Fieber kann auftreten, muss aber nicht. Zum Teil gibt es Atemwegsprobleme wie Husten, Schniefen, Pumpen. In vielen Fällen treten auch Reproduktionstörungen(2) auf. Diese reichen von gering gestiegenen Umrauschquoten bis hin zu etlichen Aborten oder vermehrt totgeborenen Ferkeln. Auch plötzliche Todesfälle bei den Sauen können auftreten.

Influenzatypisch ist die erhöhte Infektanfälligkeit der Tiere gegenüber anderen Krankheitserregern. So können zum Beispiel in einer mit pandemischen Influenzaviren infizierten Ferkelaufzucht vermehrte Streptokokken- oder Glaesserella parasuis-Infektionen beobachtet werden.

Eine überstandene Infektion mit pandemischen Influenzaviren hinterlässt bei den betroffenen Tieren keine belastbare Immunität, das heißt, sie können immer wieder erkranken. Somit hält sich das häufig unterschwellige Krankheitsgeschehen über viele Monate auf den Betrieben und in den einzelnen Produktionseinheiten treten immer wieder Tiere mit Krankheitssymptomen auf.

Im Rahmen der Influenzaprophylaxe ist die Impfung sowohl gegen die “klassischen” als auch „pandemischen“ Influenzaviren ein wichtiger Schritt zur Erhaltung der Schweinegesundheit und einer positiven ökonomischen Bilanz für den Landwirt.

(1)Henritzi, Dinah: Epidemiology of swine influenza viruses in Europe. Surveillance
of domestic pig populations in several European countries 2015 – 2017. Hannover 2018.
Tierärztliche Hoochschule Hannover.

(2)S. Gumbert et al, Porc Health Manag 6, 4 (2020): Reproductive performance of pandemic influenza A virus infected sow herds before and after implementation of a vaccine against the influenza A (H1N1)pdm09 virus

Quelle: Der Hoftierarzt / Ceva Tiergesundheit GmbH

Pressekonferenz Kaesler Nutrition: Aromatisierte Futtermittel für weniger Stress

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Schweine sind neugierig, intelligent und sie haben eine exzellente Nase. Diese Fähigkeiten lassen sich gerade in Stressphasen nutzen, um hohe Tageszunahmen zu erreichen. Aromastoffe sind bereits ein etabliertes Mittel zur Steigerung der Futteraufnahme bei Schweinen. Gerade in Stressphasen der Ferkel entwickeln sie ihre größten Potenziale. Dies bestätigen aktuelle Untersuchungen der Hochschule Osnabrück, so das Unternehmen Kaesler Nutrition kürzlich auf einer Pressekonferenz.

In den ersten Lebenstagen führen hohe Tageszunahmen zu vitaleren und fitteren Tieren in der gesamten Mast. In dieser kritischen Phase kommt es für die Tiere aber zwangsläufig zu Stresssituationen, wie bei der Trennung von der Sau und den Wurfgeschwistern, dem Umstallen oder beim Transport. Die Folge ist häufig eine verminderte Futteraufnahme. Dabei geht es gerade jetzt darum, den Bedarf an Nährstoffen zu decken, das Immunsystem aufrecht zu erhalten und Krankheiten vorzubeugen. Wenn hier bei den Schweinen die notwendige Nährstoffversorgung sichergestellt ist, nimmt dies positiven Einfluss auf Tiergesundheit und Betriebswirtschaftlichkeit.

Verschiedene Studien zeigen, dass Schweine sich gut an Gerüche und Geschmack erinnern können und sie Präferenzen für Aromen entwickeln. Lässt man ihnen die Wahl, bevorzugen sie fruchtige Aromen oder Futter mit einem Vanillegeschmack. Und sie wissen genau, an welcher Stelle im Stall es das leckere Futter gab. Stallt man sie um, bevorzugen sie das Futter, an das sie sich positiv erinnern.

Junge Ferkel lernen den Übergang von der flüssigen Milch hin zu festem Futter nach dem trial-and-error Prinzip. Der Geruch ist dabei ein wichtiger Indikator, um „gutes“ Futter von „giftigem“ zu unterscheiden. Aromen erleichtern jungen Ferkeln nicht nur den Übergang zu festem Futter, sondern helfen ihnen auch in Stresssituationen. Die positive Erinnerung an ihr Futter senkt das Stresslevel. Damit steht mehr Energie für den Fleischansatz zur Verfügung, was zu besseren Tageszunahmen führt.

In einem aktuellen Versuch der Hochschule Osnabrück bekamen Ferkel über die gesamte Aufzuchtphase ihr Futter mit dem gleichen Frucht-Vanille Aroma. Das gleiche Aroma wurde in der Anfangsmast für sieben Tage gegeben. Die Tiere hatten in den ersten sieben Tagen nach dem Umstallen signifikant höhere Zunahmen als die Tiere aus dem gleichen Stall, die ein Futter ohne Aroma bekamen. Entscheidend waren die Schmackhaftigkeit des Futters und eine entsprechend lange Gewöhnung, damit es zu einer Wiedererkennung kommt.

Neben der eigenen aktiven Prägung auf einen Geruch kann dies auch bereits passiv über das Muttertier erfolgen. Dieses Phänomen ist vor allem für pflanzliche Substanzen bekannt. In einem aktuellen Versuch konnte gezeigt werden, dass Ferkel, deren Müttern ein Kräuterprodukt (Spicemaster GH 512) zugefüttert wurde, nach dem Absetzen dieses Futter bevorzugen.Sie erzielten direkt in den ersten kritischen 14 Tagen höhere Tageszunahmen. Dabei zeigten die Ferkel während der gesamten Absetzphase deutlich weniger Aggressionen.

Die Forscher interpretieren dass als ein Zeichen für ein reduziertes Stresslevel.Geruch und Geschmack durch optimierte Aromen und Kräuter sind damit entscheidend für einen stressfreien Übergang, ist Kaesler Nutrition überzeugt. Die Tiere erinnern sich an das Futter, haben weniger Stress und können die Nährstoffe optimal in höhere Tageszunahmen umsetzen.

Quelle: Der Hoftierarzt / Kaesler Nutrition GmbH

„AutoWohl“: Automatisierte Erfassung von Tierwohlindikatoren beim Geflügel #TiHo-Tierschutztagung 2020 – Teil 6

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Dr. Birgit Spindler, Geflügelspezialistin am ITTN der TiHo, hielt auf der Tierschutztagung 2020 einen Vortrag über das Forschungsprojekt „AutoWohl“, zur kameragestützten Erfassung von Fuß-, Bein- und Brustverletzungen beim Geflügel.

Automatisierte Systeme sollen, vor allem am Schlachthof, objektiv bewerten, möglichst alle Tiere einer Herde erfassen und den personellen Aufwand reduzieren. Insbesondere die Standardisierung der Schlachthofbefunde sei wichtig, sagte Frau Dr. Spindler gleich zu Beginn. Zwar sei die Betrachtung am Schlachthof immer retrospektiv, könne aber betriebsindividuelle Probleme aufzeigen, dazu beitragen die Situation dort zu verbessern und ermögliche außerdem den Vergleich mit anderen Betrieben.

Wünschenswert sei, dass visuelle Bewertungen durch Fachleute vergleichbare Ergebnisse zu kamerabasierten Systemen am Schlachthof liefern sowie valide und wiederholbare Ergebnisse produzieren. Eine regelmäßige Überprüfung der Technik (Verschmutzung, Lichtverhältnisse) sei deshalb unerlässlich.

Bei Masthühnern und Puten sei bereits ein kameragestütztes System zur Erfassung und Bewertung der Fußballengesundheit etabliert und seit einiger Zeit gäbe es auch Erfahrungen mit Fersenhöckerveränderungen bei Masthühnern (Hock Burn, HB).

Die sog. „Foot Pad Dermatitis (FPD)“ kommt bei Masthühnern und Puten sehr häufig vor. Viele große Schlachthöfe in Deutschland nutzen bereits ein Kamerasystem zur Bewertung und der QS-Leitfaden fordert dies sogar, ab einer Schlachtkapazität von 500 Tieren pro Stunde. Bei Puten ist GKP als Benchmarking-System etabliert.

Im Prinzip wird immer eine Referenzfläche, die den Fußballen repräsentieren soll, per Kamera erfasst und der prozentuale Anteil der Veränderungen nach verschiedenen Schweregraden bewertet. Von über 90% der Tiere einer Herde wird üblicherweise ein Fuß des Fußpaares bonitiert (erkennt das System den ersten Fuß nicht, weil er etwa schief eingehängt ist, weicht es auf den zweiten Fuß aus).

Das Projekt „AutoWohl“ hatte zum Ziel die vorhandenen Systeme zu validieren und zu optimieren. Dazu wurden die Ergebnisse der automatischen, mit denen der manuellen Beurteilung verglichen. Anschließend wurden Schwere und Tiefe der Läsionen histologisch ermittelt. Bei Puten gab es ca. 40% Abweichungen um eine, bei ca. 6% um mehr als eine Note.

Oft unterschätzte das System die Schweregrade, weil kleine, dunkle Veränderungen nicht erkannt wurden, was sich allerdings per Software-Anpassung minimieren lässt. Schwierig ist die genaue Abgrenzung des Mittelfußballens als Referenzfläche, die häufig als zu groß erfasst wird. Eine regelmäßige Validierung und Wartung des Systems sei deshalb unabdingbar, riet Birgit Spindler.

Die Histologie zeigte, dass bei Masthühnern ab Boniturnote 2 mit 57,5% die höchste Wahrscheinlichkeit eine Ulzeration zu finden vorlag. Ab Note 3 wurden nahezu 100% Ulzerationen gefunden. Bei den Puten hatten über 50% der mit 1 bonitierten Fußballen Geschwürbildungen, ab Note 2 waren es 100% (oftmals hochgradig).

HB Grad 1 – © TiHo Spindler

„Hock Burn“ oder Kontaktdermatitis am Fersenhöcker kommt vor allem bei Masthühnern vor, mit Prävalenzen teilweise über 80%. Es gibt aktuell keine rechtlichen Vorgaben für die Erfassung und nur einzelne Schlachthöfe setzen ein automatisiertes Erkennungssystem zur ein. Bei der kameragestützten Bewertung werden auch bei HB veränderte, dunkle Stellen in Relation zu einem Referenzbereich des Fersenhöckers gesetzt. Mit einem 5-stufigen Score können mehr als 90% einer Herde erfasst werden.

HB Grad 4 – © TiHo Spindler

Auch beim „Hock Burn“ sollten im Rahmen von „AutoWohl“ kameragestützte Systeme validiert und optimiert werden. Auch hier zeigten sich Unterschiede zwischen manueller und automatischer Erfassung, auch hier wurde der Referenzbereich teilweise sehr groß angesetzt und entsprechend niedrigere Prozentwerte an Läsionen registriert. Die manuell als schwerwiegend beurteilten Läsionen wurden auch histologisch als höhergradig eingestuft, aber auch optisch kleine Läsionen erwiesen sich bereits als Ulzerationen.

Bei Brusthautveränderungen der Pute liegt die Prävalenz in einem breiten Bereich zwischen 1,7% und 15,4 %. Hähne sind dabei öfter als Hennen von „Breast Buttons“ (nekrotischen Veränderungen der Brusthaut) und Brustblasen (flüssigkeitsgefüllte Umfangsvermehrungen) betroffen. „Breast Buttons“ kommen dabei wesentlich häufiger als Brustblasen vor.

Seit Anfang 2020 ist die Erfassung in Betrieben mit QS-Zertifikat Pflicht, allerdings gibt es bisher kein marktfähiges System zur automatischen Erfassung. Ein Prototyp Firma CLK erkannte zwar „Breast Buttons“ gut, lieferte aber bei Brustblasen noch keine befriedigenden Ergebnisse.

Ach zur automatischen Erfassung von Brustbeinschäden bei Legehennen existiert ein kameragestütztes System als Prototyp, dessen Zuverlässigkeit durch Beobachter-Abgleiche bestätigt werde konnte. Allerdings erkennt das System auch in diesem Fall i. d. R. weniger Schäden, als der Mensch.

Dr. Spindlers Fazit lautete, dass so am Schlachthof gewonnene Daten wertvolle Hinweise auf Tiergesundheit, Haltung und Management der jeweiligen Herde gäben, deren Rückmeldung an den Halter dann zu Verbesserungen beim Tierwohl beitrüge.

Beim Einsatz automatisierter Systeme am Schlachthof sollte deren Standort und die dortigen Lichtverhältnisse ein besonderes Augenmerk gelten. Regelmäßige Wartung und Kontrolle sowie ebenso regelmäßige Beurteiler-Abgleiche seien unabdingbar. Das gewählte Bonitur-Schema solle durch geschultes Personal dieselben Ergebnisse liefern.

Bei der Interpretation der Daten schließlich sei zu berücksichtigen, dass die System-Einstellungen betriebsindividuell vorgenommen werden können und so unterschiedliche Befundung zwischen Schlachthöfen vorkommen könnten. Für die Vergleichbarkeit zwischen Schlachthöfen sei eine Standardisierung der automatisierten Systeme daher zwingend erforderlich.

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Afrikanische Schweinepest jetzt auch in Deutschland

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Die afrikanische Schweinepest (ASP) ist nun doch nach Deutschland gekommen: In Brandenburg ist das Virus bei einem toten Wildschwein festgestellt worden. Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) auf der Insel Riems bei Greifswald als nationales Referenzlabor hat den ASP-Verdacht mittlerweile bestätigt. Der Kadaver ist wenige Kilometer von der deutsch-polnischen Grenze im Spree-Neiße-Kreis in Brandenburg gefunden worden, berichtet der NDR.

Obwohl an der Grenze zu Polen in der betroffenen Region bereits ein mobiler Zaun steht, um vor einwandernden Wildschweinen zu schützen – ein fester Schutzzaun ist in Planung, konnte die ASP Deutschland erreichen. Ein Krisenstab soll nun alle notwendigen Maßnahmen für die betroffene Region Kreis Spree-Neiße beschließen.

„Höchste Alarmbereitschaft“ in Niedersachsen

Auch in Niedersachsen sind die zuständigen Behörden alarmiert. Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast: „Das ist eine schlechte Nachricht für unsere Schweine haltenden Betriebe. Wir sind in höchster Alarmbereitschaft und müssen nun noch wachsamer sein, um zu verhindern, dass sich die Afrikanische Schweinepest nach Niedersachsen ausbreitet.“ Gleichzeitig macht die Ministerin deutlich: „Niedersachsen ist auf den Ernstfall gut vorbereitet!“

Niedersachsen hat diverse Maßnahmen umgesetzt, um eine Einschleppung der ASP zu verhindern und im Fall eines Ausbruchs bestmöglich vorbereitet zu sein. Dazu gehört die Sensibilisierung von Schweinehaltern, Jägern, Viehhändlern und Transportunternehmen, unter anderem mit Merkblättern und Infoveranstaltungen. Auch regionale und landesweite Übungen werden regelmäßig durchgeführt, um die Abläufe bei einem Seuchenfall einzuüben und zu verbessern. Eine Arbeitsgruppe entwickelt die landesweite Bekämpfungs- und Prophylaxe-Strategie kontinuierlich weiter. Im Rahmen der Prävention hat außerdem die Reduktion der Schwarzwildbestände eine hohe Bedeutung, um die Infektionskette zu unterbrechen. Im abgelaufenen Jagdjahr 2019/2020 wurden in Niedersachsen deshalb erstmalig mehr als 70.000 Wildschweine erlegt. Die jagdrechtlichen Bestimmungen wurden für eine wirkungsvolle Prävention und eine effektive Seuchenbekämpfung angepasst Außerdem werden im Rahmen des niedersächsischen Wildschweinmonitorings erlegte Wildschweine und gefundenes Fallwild auf ASP untersucht. Die Veterinärbehörden wurden hierzu mit Probenmaterial ausgestattet, das an die Jäger weitergegeben wird. Die Jäger erhalten für ihre Mithilfe – bei der Prävention sowie im Ausbruchsfall – eine Aufwandsentschädigung für das Auffinden von toten Wildschweinen sowie für die vermehrte Bejagung des Schwarzwildes.

Die wirtschaftlichen Konsequenzen für die rund 5.300 Schweine haltenden Betriebe in Niedersachsen, in deren Ställen etwa 8,3 Millionen Tiere stehen, lassen sich zum derzeitigen Zeitpunkt schwer abschätzen. Es besteht allerdings die berechtigte Sorge, dass bestimmte Drittländer außerhalb der EU aufgrund der erstmaligen Feststellung von ASP Handelsbeschränkungen für Schweinefleisch aus Deutschland verhängen.

In diesem Zusammenhang macht das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (ML) darauf aufmerksam, dass die größte Gefahr für Wild- und Hausschweine vom Menschen selbst ausgeht. Deshalb ist es wichtig, keine fleischhaltigen Lebensmittel aus dem Ausland mitzubringen und Speisereste unbedingt nur in dafür vorgesehene Behälter zu entsorgen. Schweine haltende Betriebe müssen die Biosicherheitsmaßnahmen strikt einhalten.

Das ML weist zudem noch einmal darauf hin, dass für Transporteure Infoblätter in verschiedenen Sprachen zur Verfügung stehen. Diese können unter folgendem Link heruntergeladen und gerne weiterverteilt werden:

Quelle: Der Hoftierarzt mit Material des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Isofluran-Betäubung von Ferkeln in der Praxis #TiHo-Tierschutztagung 2020 – Teil 5

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Inge Böhne, Fachtierärztin für Schweine, referierte in Hannover über die Isofluran-Betäubung von Ferkeln aus Sicht einer tierärztlichen Praxis. Ferkelerzeuger, die sich für diese Methode entschieden haben oder ihren Einsatz erwägen, sollten sich der Komplexität des Themas bewusst sein. Was im Einzelnen und vor allem zu beachten ist.

§ 2 der „Ferkelbetäubungssachkundeverordnung“ erlaubt es sachkundigen Personen die Betäubung von unter acht Tage alten Ferkeln bei der Kastration vorzunehmen. Anwärter müssen mindestens 18 Jahre alt, zuverlässig (in Niedersachsen ist ein Führungszeugnis erforderlich) und erfahren im Umgang mit Ferkeln sein, um für eine entsprechende Schulung zugelassen zu werden. Frau Böhne hob zusätzlich hervor, dass solide Kenntnisse der deutschen Sprache nötig seien, um den Schulungsinhalt zu verstehen.

Eine anerkannte Schulung besteht aus mindestens 12 Theoriestunden mit praktischer Unterweisung. Danach stehen eine schriftliche Multiple-Choice-Prüfung sowie eine mündliche Prüfung von anderthalb Stunden Dauer an (zwei Prüfer, davon ein Tierarzt).

Auf die bestandene Prüfung folgt eine Praxisphase mit Unterweisung durch einen Tierarzt/eine Tierärztin, die sich über 2 Monate erstreckt oder so lange, bis mindestens 200 Ferkel kastriert wurden. Die Verantwortung für die insgesamt fachgerechte Umsetzung der Kastrationen liegt während dieser Phase beim Tierarzt/der Tierärztin.

Im Anschluss an die Praxisphase steht eine praktische Prüfung (durch einen wirtschaftlich unabhängigen Tierarzt) an: Vorbereitung der Ferkel, Umgang mit den Geräten, Narkoseüberwachung, Reinigung und Desinfektion.

In der betrieblichen Praxis gilt dann im Rahmen der Dokumentationspflicht, die arbeitstägliche Aufzeichnung von Komplikationen bei der Narkose

– Wachzustände
– Störungen von Atmung, Herz-Kreislauf
– allergische Reaktionen
– Tod des Tieres während oder nach der Narkose
– Auslesen das Geräteaufzeichnungen (Anzahl und Datum der Anwendungen)
– Aufbewahrung für 3 Jahre

Im Rahmen der „Tierhalter-Arzneimittel-Anwendungs- und Nachweisverordnung“ müssen im Bestandbuch erfasst werden:

– Anzahl, Art und Identität der behandelten Tiere (Standort, sofern zur Identifikation erforderlich)
– Bezeichnung des angewendeten Arzneimittels
– Nummer des Anwendungs- und Abgabebelegs
– verabreichte Menge
– Datum
– Wartezeit
– Name des Anwenders

Für den eigentlichen Ablauf der Kastration unter Isofluran gilt u. a.:

– beim Aufbau des Inhalationsgerätes auf Umgebungstemperatur, Zu- und Abluft, Staubbelastung, Frischluftzufuhr (auch im Winter) achten
– Schmerzbehandlung mindestens 20 Minuten vor der geplanten Narkoseeinleitung
– Nach vorgegebener Inhalationszeit (70, besser 90 Sekunden) Narkosetiefe kontrollieren (bei festen Einleitungszeiten ggf. Ferkel entnehmen und neu einspannen)
– Reinigung und Desinfektion des Inhalationsgerätes (ebenso der Instrumente)

Die Referentin wies speziell darauf hin, dass Isofluran nur eine schwache analgetische Wirkung habe und deswegen eher die Gefahr zu flacher, als zu tiefer Narkose bestehe. Die Narkosetiefe reiche aus, wenn keine Reflexe und keine oder nur geringe Lautäußerungen und Abwehrbewegungen aufträten. Cornelia Schwennen habe allerdings schon 2015 eine Doktorarbeit an der TiHo vorgelegt, für die bei 1.156 Ferkeln die Narkosetiefe beobachtet wurde: nur 77% der Tiere zeigten hier eine ausreichende Narkosetiefe!

Nicht zuletzt müssen auch Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz beachtet werden:

Isofluran reizt die Atemwege, z. B. beim Befüllen des Verdampfers, die Raumluftbelastung ist lüftungsabhängig. Isofluran darf nicht von schwangeren oder stillenden Frauen angewandt werden und Männer, die Kinder zeugen wollen, sollten nicht unbedingt über einen längeren Zeitraum mit Isofluran arbeiten.

Umsetzung der Tierschutznutztier-Haltungsverordnung in der Kaninchenhaltung #TiHo-Tierschutztagung 2020 – Teil 4

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Bisher wurden Kaninchen in Gruppen (Mast) oder einzeln (Zuchthäsinen) in einstreulosen Käfigsystemen, auf perforierten Böden gehalten. Dr. Michaela Fels (TiHo) erläuterte auf der Tierschutztagung 2020, welche Auswirkungen die Umsetzung der TierSchNutztV auf künftige Stallbauten für Kaninchen hat.

Vor allem aber stellte die Mitarbeiterin des Instituts für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie ein neu entwickeltes Kombi-Haltungssystem für Aufzucht und Mast vor (Hyplus PS 19 der französischen Firma Hypharma). Es wurde in einem Praxisbetrieb mit 677 Häsinnen/160 Junghäsinnen und 5.000 Mastplätzen getestet.

Anlage 1 für die Einzelhaltung von Häsinnen und Mast in Gruppen, bestand aus 24 Einzelbuchten für Häsinnen mit Jungtieren; Spaltenmaß 11 mm. Nach dem Absetzen nach 31 Tagen wurden je sechs Buchten verbunden und so Gruppen von 55-65 Mastkaninchen geschaffen.

Anlage 2 für die Gruppenhaltung von Häsinnen (ohne Mast) bestand aus 36 Einzelbuchten mit Verbindungstüren, die Zuchthäsinnen wurden in 3er und 5er Gruppen gehalten (Trennung zur Geburt) und die Jungtiere beim Absetzen umgestallt (Häsinnen verblieben in der Anlage).

© Dr. Michaela Fels
Im Praxistest wurden dann Hautverletzungen, Verschmutzungsgrad von Hinterläufen und Bodenfläche sowie Pododermatitis bonitiert. Die Tiere wurden gewogen, Krankheiten und Verluste erfasst und Verhaltensanalysen mittels Videokamera erstellt. Zusätzlich wurde ein bisher übliches Haltungssystem zur Kontrolle herangezogen.

Im Verhalten zeigten die Tiere im neuen System deutlich mehr Lokomotion und Erkundungsverhalten, dafür deutlich weniger Gitternagen als typische Verhaltensstörung. Bei der Ganzkörperbonitur zeigten sich in Anlage 1 keine übermäßigen Unterschiede zur Kontrollgruppe. Die Verschmutzung der Bodenfläche in Anlage 1 war allerdings wesentlich und auch in Anlage 2 noch merklich höher als bei der Kontrolle. Auch der Anteil an Pododermatitis bei den Zuchttieren, war in den beiden neuartigen Anlagen deutlich höher.

Zwar verletzten sich die Tiere während der Mast weniger als in den herkömmlichen Drahtgitterkäfigen und auch hohe Tageszunahmen sprächen für die neuen Systeme. Aber die hygienischen Probleme überlagerten leider diese Vorteile und häufige Zwischenreinigung z. B. sei unter Praxisbedingungen kaum durchführbar und aus Tierschutzsicht problematisch, da jedes Mal mit dem Herausfangen von Tieren verbunden.

Bei der Bodengestaltung bestehe also noch Handlungsbedarf, sagte Frau Dr. Fels zum Schluss ihres Vortrags. Weitere Untersuchungen seien hierfür dringend nötig. Ebenso müsse die Übertragbarkeit der Vorgaben der TierSchNutztV auf die Rassekaninchenhaltung geprüft werden.

Niedersächsische Gänsehaltungsvereinbarung #TiHo-Tierschutztagung 2020 – Teil 3

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Zur Konkretisierung der Europaratsempfehlungen hat das Land Niedersachsen die erste Gänsehaltungsvereinbarung Deutschlands erarbeitet, die im März 2020 in Kraft getreten ist. Dr. Ulrike Adrian stellt sie anlässlich der diesjährigen Tierschutztagung vor. Ziel war es gesellschaftlich akzeptierte und für den Tierhalter leistbare Haltungsbedingungen zu etablieren. Die Vereinbarung gilt für Aufzucht und Mast von mehr als 100 Tieren.

Zu den wichtigsten Inhalten zählen die Sachkundeanforderung an alle Tierhalter, Tierbetreuung, Pflege, Haltungsverfahren, Versorgungseinrichtungen und -sicherheit, Stallbodenbeschaffenheit, Besatzdichte, Beschäftigungsmaterial, Klima, Beleuchtung und zusätzliches Wasserangebot sowie Freiland und Schutzeinrichtungen, Verladung, Transport, Aufstallungsgebot im Tierseuchenfall und ein Tierseuchen-Krisenplan.

Gänsetränke © Nds. Gänsevereinbarung

Ganz wichtig seien auch die Anlagen, hob die Referentin hervor:
– Managementempfehlungen für den Umgang mit Hausgänsen
– Stallkarte – Muster
– Betriebsausstattung – Muster
– Managementempfehlungen für Verladung zur Schlachtung
– Empfehlungen für die Erstellung eines individuellen Tierseuchen-Krisenplans.

Jeder Gänsehalter sei zur Eigenkontrolle verpflichtet (§ 11, Abs. 8 TierSchG):
– Verhaltensänderungen der Tiere
– Gefiederzustand
– Auffälligkeiten an Augen und Nasenöffnungen
– Gehfähigkeit und Beinschäden
– Paddelgesundheit
– Verhalten im Freiland und im Stall
– Verteilung im Stall
– Mortalität (unter 5%)
– Transporttote (unter 0,5%)
– Gewichtsentwicklung
– Uniformität der Herde
– Ganzkörperverwurf (unter 5%)
– Futter- und Wasserverbrauch in der Aufzucht

Zwar sei die Dokumentation dieser Punkte nicht vorgeschrieben, aber auf jeden Fall empfehlenswert, rät Frau Dr. Adrian!

Wenn das Gefieder voll entwickelt ist, können die Gänse im Freiland gehalten werden. Dort muss aber für Sonnenschutz und Schattenplätze gesorgt werden. Trockener Untergrund für Nacht-Ruhezonen, ein Wildschutzzaun gegen Raubwild sowie Unterstand/Deckung gegen Greif- und Raubvögel müssen vorhanden sein.

Stehender Mais eigne sich gut als Sonnenschutz – aber eben nur stehend. Bei der Wasserversorgung wäre Oberflächenwasser zwar am besten für die Gans, im Hinblick auf die Tierseuchengefahr allerdings nicht empfehlenswert. Die Lösung böte eine Tränke, bei der die Tiere ihre Köpfe eintauchen und Wasser über den Körper rieseln lassen können.

© Nds. Gänsevereinbarung

Da im Tierseuchenfall ein Aufstallungsgebot erlassen wird, sei mit tierschutzrelevanten Problemen zu rechnen! Dies könnten sein:

– Mehrtägige Futter- und Wasserverweigerung, Apathie
– Zusammenballen (Erdrückung!)
– Federpicken und Kannibalismus (im Freiland unbekannt)
– stressbedingte Mauser
– erhöhte Krankheitsanfälligkeit und Mortalität
– erhöhter Stress durch intensiveren Personenkontakt bei täglichen Versorgungsarbeiten

Die Gänsehaltungsvereinbarung kann nur jedem Gänsehalter (nicht nur in Niedersachsen) zur gründlichen Lektüre empfohlen werden. Sie steht hier zum Download bereit (rechts oben auf der Seite).

Mobilställe in der Legehennenhaltung #TiHo-Tierschutztagung 2020 – Teil 2

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Seit der Jahrtausendwende steigt in Niedersachsen die Nachfrage für mobile Hühnerställe, wie Dr. Eva Moors vom LAVES Tierschutzdienst in Ihrem Vortrag anlässlich der Tierschutztagung 2020 ausführte. Gab es anfänglich nur Bio-Ställe, überwiegt heute die Zahl konventioneller Mobilställe deutlich (ca. 100 zu fast 400). Insbesondere Direktvermarkter nutzen den Werbeeffekt bei Hofladenkunden.

Im Auslauf lebten die Hühner ihr spezifisches Verhalten aus wie Scharren, Picken, Kratzen, Staub- und Sonnenbaden sagte die Tierärztin. Aussenklimareize hätten einen positiven Einfluss auf die Tiergesundheit, ebenso wie die Unterbrechung der Entwicklungsstadien von Endoparasiten beim Umzug. Dieser vermeide auch den punktuellen Nähstoffeintrag in den Boden im stallnahen Bereich.

Infolge der gestiegenen Nachfrage, auch durch viele Neueinsteiger in die Hennenhaltung, kommt es aber auch zu Problemen mit den tierschutzrechtlichen Mindestanforderungen. Teilweise sind diese bei Stallbaufirmen und Tierhaltern nicht wirklich bekannt oder werden „kreativ“ ausgelegt. Doch die tierschutzrechtlichen Grundlagen der Hennenhaltung gelten grundsätzlich auch für Mobilställe!

Insbesondere wer plant einen Mobilstall „Marke Eigenbau“ zu verwenden, sollte sich eingehend mit den rechtlichen Vorgaben beschäftigen. So müssen mehrere Zugänge ins Freie vorhanden sein, mit mindestens 35 cm Höhe und 40 cm Breite, verteilt über die gesamte Länge der Außenwand. Für jeweils 500 Legehennen müssen Zugangsöffnungen von zusammen mindestens 100 cm Breite zur Verfügung stehen. Diese Mindestanforderungen gelten auch für den Zugang zu einem Kaltscharraum.

Ranghohe Hennen versperren gerne mal Ein- und Ausgänge, bei Gefahr müssen alle Hühner schnell ins Innere des Stalles flüchten können und auch der Erdrückungsgefahr beim morgendlichen Öffnen wirken ausreichend große Öffnungen entgegen. In Österreich werden z. B. Luken mit 60-90 cm Breite empfohlen.

Einige Hersteller empfehlen steile Rampen zum Schutz vor Beutegreifern. Allerdings müssen diese den schnellen Zugang nicht behindern und, wenn sie in geschlossenem Zustand Bestandteil des Stallbodens sind, können sie nur als nutzbare Fläche angerechnet werden, wenn sie beim Öffnen u. a. ein maximales Gefälle von 14 % haben.

Gut durchdacht sollte auch die Gestaltung des Innenbereichs (Mindesthöhe 2 m) und des Einstreubereich (nicht unter dem Stall und während der gesamten Hellphase zugänglich, falls er der nutzbaren Fläche angerechnet werden soll). Sitzstangen dürfen nicht parallel übereinander, sondern nur diagonal angebracht werden.

Kontrolle und Versorgung der Tiere sowie das Ein- und Ausstallen erfordern auch eine gewisse Gangbreite im Stall. Es gäbe zwar aktuell keine spezielle Regelung für Mobilställe, sagte Moors, für bestehende Kleingruppenhaltungen gälten aber 90 cm Gangbreite als Mindestmaß.

Speziell bei Eigenbauten sollte auf hohe Stabilität der gesamten Konstruktion geachtet werden und z. B. darauf, dass die Außenhülle beim Versetzen des Stalles nicht flattert und die Hühner erschreckt. Stallklima, Futter- und Wasserversorgung, Hygiene und Tierkontrolle sollten ebenso im Fokus stehen.

Die fachliche und tierschutzrechtliche Beurteilung des Mobilstalls obliegt der Veterinärbehörde und nicht nur deshalb riet Frau Dr. Moors zum Schluss ihres Vortrags zu rechtzeitiger Absprache mit den zuständigen Behörden und der Teilnahme an speziellen Schulungen.

Aktuelle Tierschutzthemen aus Sicht des BMEL #TiHo-Tierschutztagung 2020 – Teil 1

Die diesjährige Tierschutztagung fand, Corona-bedingt, erstmals online statt. Zum 40. Jubiläum hätten sich die Veranstalter sicher etwas anderes gewünscht, dafür dürfte es dieses Jahr aber kaum Probleme bei später Anmeldung gegeben haben. In der Vergangenheit war die Teilnehmerzahl aus Platzgründen immer auf etwa 200 Personen begrenzt und die Warteliste der Zu-spät-Anmelder lang.

Sauenhaltung
Als erste Referentin sprach Dr. Katharina Kluge, Referatsleiterin Tierschutz im BMEL, über aktuelle Tierschutzthemen aus Sicht des Ministeriums. Die Neuregelungen in der Sauenhaltung sollte jeder Sauenhalter mittlerweile kennen. In Deckzentrum und Abferkelbereich müssen sich die Tierhalter auf erhebliche Veränderungen einstellen.

Bemerkenswert waren Frau Dr. Kluges Antworten auf zwei Nachfragen: Wie lang wird die Fixierung der Sau während der Besamung sein dürfen? Antwort: „Das dürfte schwer zu kontrollieren sein und wir müssen dann in der Praxis sehen, ob es eine, anderthalb oder zwei Stunden werden.“

Und: Wie hoch schätzt das BMEL die Quote der Betriebsaufgaben unter den Sauenhaltern ein? Antwort: „Eine konkrete Schätzung ist schwierig, aber der Strukturwandel wird sich fortsetzen. Vermutlich werden wir eine starke Abnahme sehen, weil z. B. für die kommenden 10 Jahre ohnehin geplante Betriebsaufgaben vorgezogen werden dürften. Die Tierzahl insgesamt dürfte allerdings nicht so stark sinken, weil andere, größere Betriebe dies auffangen werden.“

Dass ein drastischer Strukturwandel bevorsteht, ist natürlich auch dem Ministerium klar. Damit umstellungswillige Betriebe den Rückgang bei der Zahl der Sauen aber wenigstens teilweise auffangen können, müssen auch entsprechende Baugenehmigungen zur Stall-Erweiterung erteilt werden. In diesem Punkt dürfen wir gespannt sein.

Ferkelkastration
Ab dem 1. Januar 2021 ist die betäubungslose Ferkelkastration in Deutschland verboten. Wer sich in Zukunft für Kastration unter Narkose (insbesondere Isofluran) entscheidet, sollte schnellstens an einem Lehrgang teilnehmen, den erforderlichen Sachkundenachweis erwerben und sich auf regelmäßige Fortbildungen einstellen. Zum ersten Mal nach drei, später dann nach jeweils fünf Jahren.

Gemäß der neuesten EU-Ökoverordnung ist die Immunokastration für Bio-Sauen in Zukunft verboten. Es finden zwar im Moment noch Gespräche zwischen BMEL und den zuständigen Stellen der Europäischen Union statt, aber da die EU-Öko-Verordnung nun gerade erst geändert wurde, bestehe wenig Hoffnung, dass die EU hier nochmals korrigiert, sagte Kluge.

Tierschutz beim Transport
Beim Tiertransport stehen Änderungen in Bezug auf Temperaturüberschreitungen (Ordnungswidrigkeit) an. Bei langer Beförderung nicht-abgesetzter Kälber nach Spanien, stellt sich für das BMEL die Frage nach der Eignung von Tränkevorrichtungen. Und auch die Versorgungsstellen in Drittländern nimmt das Ministerium ins Visier. Deren Verfügbarkeit soll validiert und in einer Internet-Datenbank erfasst werden. Hier findet ein Austausch sowohl mit anderen EU-Staaten, als auch Drittländern statt.
Auf eine erste offizielle Anfrage in Russland nach der Anzahl geeigneter Versorgungsstationen, kam die Antwort: keine vorhanden. Auf eine zweite Anfrage wurde gemeldet, es gäbe sechs Stationen im ganzen Land.

Herdenschutzhunde
Auch die Tierschutz-Hundeverordnung wurde geändert, u. a. auch für Herdenschutzhunde. Präzisiert wurde, dass für sie keine Schutzhütte vorgeschrieben ist, aber ausreichender Witterungsschutz. Und auch, dass die Haltung von Herdenschutzhunden auf der Weide keine Zwingerhaltung ist, aber ausreichend Abstand zu stromführenden Zäunen möglich sein muss.

Mastputen, Junghennen, Geflügelelterntiere und Rinder
In Vorbereitung sind Ergänzungen der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung für Mastputen, Junghennen, Geflügelelterntiere und zur Anbindehaltung von Rindern. Diese Themen sollen noch in der laufenden Legislaturperiode angegangen werden.

Bewerbungsphase beim „Preis der Tiergesundheit“ von MSD Tiergesundheit läuft

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• Erste Bewerbungen sind erfolgsversprechend
• Bewerbungsschluss ist der 31. Oktober 2020
• 90.000 Euro für innovative Tierhaltung

Der „Preis der Tiergesundheit“ ist in die nächste Runde gestartet. Die ersten vielversprechenden Bewerbungen sind bereits eingetroffen. „Das hohe Niveau der Bewerbungen sowie die unglaubliche Vielfalt und der Ideenreichtum, das Herdenmanagement zu optimieren und damit das Wohl der Tiere zu verbessern, begeistert uns auch im zweiten Jahr des ‚Preis der Tiergesundheit‘. Gleichzeitig hören wir immer wieder, dass das Bedürfnis unter engagierten Landwirtinnen und Landwirten nach Austausch sehr hoch ist. Wir können nur Jeden motivieren, seine kleinen und großen Erfolgskonzepte mit uns und damit mit Kolleginnen und Kollegen in der Branche zum Wohl der Tiere zu teilen.“ so Dr. Daniel Sicher, Geschäftsführer von MSD Tiergesundheit.

Diesjährige Preiskategorien
In diesem Jahr richtet sich der „Preis der Tiergesundheit“ an rinder- wie auch schweinehaltende Betriebe in Deutschland und Österreich. Die erste Kategorie prämiert Milchviehbetriebe mit innovativen Ideen zur Verbesserung der Eutergesundheit. In der zweiten Kategorie können sich Landwirtinnen und Landwirte bewerben, die mit verschiedenen Maßnahmen die Gesundheit ihrer Mastrinder verbessern. Für die dritte Kategorie werden Betriebe mit nachhaltigen Konzepten für ihr Saugferkelmanagement gesucht. Auf die ersten drei Plätze jeder Kategorie wartet ein zweckgebundenes Preisgeld für Maßnahmen zur Verbesserung von Tierwohl Tiergesundheit von insgesamt 90.000 Euro.

Bewerbungsaufruf
Betriebe aus den oben genannten Bereichen sind aufgerufen, sich zu bewerben und ihre praxisorientierten Lösungen branchenweit auszeichnen zu lassen. Die Bandbreite an Möglichkeiten, die zum Wohle der Tiere eingesetzt werden können, ist groß. MSD Tiergesundheit freut sich auf Ideen und spannende Erfahrungen der Betriebe. Bewerbungen sind unter www.preisdertiergesundheit.com bis zum 31. Oktober 2020 möglich.

Ablauf des Bewerbungsverfahrens
Nach Bewerbungsschluss besucht ein Jurymitglied die teilnehmenden Betriebe, um anhand objektiver Kriterien die Erstbewertung durchzuführen. Auf dieser Grundlage werden die Gewinnerbetriebe des „Preis der Tiergesundheit“ ausgewählt. Die unabhängige Jury jeder Kategorie besteht aus sechs Expertinnen und Experten. Allesamt renommierte Fachleute von Wissenschafts- und Bildungseinrichtungen sowie von Verbänden aus dem veterinärmedizinischen und landwirtschaftlichen Bereich. Die Gewinner werden im April nächsten Jahres ausgezeichnet.

Quelle: MSD

Neuer IGB Policy Brief: Hat die Nachhaltige Aquakultur in Deutschland eine Zukunft?

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Die Aquakultur gilt als der am schnellsten wachsende Zweig der Lebensmittelproduktion weltweit – in Deutschland fristet sie ein Nischendasein. Unter 3 Prozent des Fischkonsums werden zurzeit durch heimische Aquakultur abgedeckt. Dabei könnte das Potenzial für eine stärkere Eigenversorgung und für den Export von Fisch mit nachhaltigen Verfahren entwickelt werden, statt den Nutzungsdruck auf aquatische Ökosysteme und mögliche Umweltfolgen ins Ausland zu verlagern. Zu dieser Einschätzung kommen Forschende des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) im heute veröffentlichten IGB Policy Brief „Nachhaltige Aquakultur in Deutschland – Chancen und Herausforderungen“.

„In Deutschland sind Nahrungsmittel im Vergleich zu anderen Ländern sowohl in Quantität als auch Qualität gut verfügbar. Es ist daher zunächst eine freie und individuelle Entscheidung, ob Verbraucher*innen sich grundsätzlich für den Verzehr von Fisch als tierisches Produkt entscheiden“, betont Prof. Werner Kloas, Leiter der Abteilung Ökophysiologie und Aquakultur am IGB und Mitautor des Policy Briefs. Die Marktzahlen zeigten aber, dass Fisch kontinuierlich nachgefragt werde. Gleichzeitig sei klar, dass sich der Wildfang aus den Ozeanen nicht mehr steigern lasse, obwohl die Nachfrage weltweit steige.

„Die Aquakultur kann dazu beitragen, diesen Herausforderungen zu begegnen“, ergänzt IGB-Forscher Dr. Fabian Schäfer, Mitautor des IGB Policy Briefs. Laut Welternährungsorganisation (FAO) der Vereinten Nationen stamme schon jetzt über die Hälfte der weltweit konsumierten Fischprodukte aus der Aquakultur – Tendenz steigend. „Dieser Ausbau muss aber dringend nachhaltig gestaltet werden, um der weiteren Übernutzung natürlicher Ressourcen entgegenzuwirken – sonst ist wenig gewonnen“, unterstreicht Fabian Schäfer.

Chancen: Die Nachhaltige Aquakultur hat in Deutschland Potenzial
Insgesamt kommen die IGB-Forschenden zum Schluss, dass Deutschland bezüglich Wasser, Fläche, Technik, Know-how und Kaufkraft prinzipiell über genügend Ressourcen verfügt, um die eigene Produktion von Speisefischarten für den Binnen- und Exportmarkt mit nachhaltigen Verfahren deutlich zu erhöhen. Potenzial wird insbesondere bei landbasierten (teil-)geschlossenen Kreislaufanlagen (KLA) gesehen, die auch in andere bestehende Produktionskreisläufe integriert werden können. So lassen sich Synergieeffekte bei Energie-, Wasser-, Wärme- und Kälteversorgung nutzen oder anfallende Nährstoffe recyceln.

Durch die Regionalisierung der Aquakultur und vergleichsweise hohe Umweltstandards können die Qualität von Tierhaltung, Tierwohl und Produkt sowie die Versorgungssicherheit und die örtliche Wertschöpfung in Deutschland bei gutem Management grundsätzlich gesteigert werden, erläutern die Wissenschaftler.

Herausforderungen: Höhere Produktionskosten und Verbraucher*innen-Akzeptanz
Neben den genannten Chancen muss allerdings auch transparent über die bestehenden Herausforderungen gesprochen werden, halten die Autoren fest. Dies betrifft zum Beispiel die höheren Produktionskosten in KLA: Investitions-, Energie- und Fachpersonalkosten schlagen sich in einem teureren Produkt nieder, das mit günstigen Importen, bei denen auch die Umweltkosten ins Ausland verlagert wurden, kaum konkurrieren kann. „Aber nachhaltiger Fisch aus KLA-Produktion hat seinen Preis. Ohne höhere tatsächliche Zahlungsbereitschaft von Handel und Konsument*innen wird sich diese Form der Aquakultur voraussichtlich nicht flächendeckend in Deutschland durchsetzen können“, erklärt Fabian Schäfer.

Eine weitere Herausforderung für die Branche besteht laut der IGB-Analyse darin, das Verständnis der Verbraucher*innen für Fischhaltung in technischen Systemen zu erlangen. Denn naturnahe bzw. in die Natur eingebettete Produktionssysteme werden von Menschen emotional häufig als „stimmiger“ beurteilt, technische Kreislaufsysteme dagegen wirken eher abschreckend. Dieses Phänomen ist auch aus anderen Konsumbereichen bekannt, oft im Kontext einer relativ idealisierten und romantisierten Vorstellung von moderner Nahrungsmittelproduktion. Viele Verbraucher*innen kennen Fisch nur als verarbeitetes und verzehrfertiges Produkt im Warenregal, das in den meisten Fällen importiert wurde. Häufig findet die Aquakultur-Produktion im Ausland unter geringeren Sozial- oder Umweltstandards statt. Diese vorgelagerten Produktionsbedingungen und die mit ihnen verbundenen Umwelteffekte bleiben jedoch weitgehend unbekannt – oder werden ausgeblendet.

Hat die Nachhaltige Aquakultur in Deutschland eine Zukunft? Politik und Gesellschaft müssen entscheiden
„Insgesamt zeigt die Situation, dass eine öffentliche und politische Diskussion über die Ansprüche an und Vorstellungen von moderner und nachhaltiger Aquakultur geführt werden muss. Dabei sollten jedoch keine einseitig werbenden Marketingbotschaften für die Aquakultur verbreitet werden, sondern Vorbehalte und Anregungen aus der Gesellschaft aufgenommen werden“, betont Werner Kloas. „Als öffentliches und unabhängiges Forschungsinstitut unterstützen wir diesen Prozess mit faktenbasiertem Forschungswissen. Aber ob Aquakultur grundsätzlich erwünscht ist und wie diese sich entwickeln sollte, ist das Resultat von politischen und gesellschaftlichen Entscheidungen.“

Quelle: Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Die Immunokastration von Mastschweinen als Methode der Wahl für den Tierschutz auch im ökologischen Landbau ermöglichen

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Die Tierschutzbeauftragten der Bundesländer und die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. zur Immunokastration in der Ökobranche:

Die EU-Kommission vertritt die Auffassung, dass die Immunokastration mit den Prinzipien der ökologischen Erzeugung nicht vereinbar wäre. Leider folgt dieser Fehleinschätzung der EU-Kommission auch die Länderarbeitsgemeinschaft ökologischer Landbau (LÖK). Damit würde ökologisch arbeitenden Schweinebetrieben als Alternative zur Ebermast nur eine chirurgische Kastration zur Verfügung stehen.

Die Tierschutzbeauftragten der Bundesländer und die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. fordern auf, gerade ökologisch erzeugenden Betrieben nicht die tierschonendste Methode zur Verhinderung des Geschlechtsgeruchs des Fleisches von männlichen Schweinen zu verwehren.

Die EU-Kommission gibt an, dass die Immunokastration nicht mit den Regeln zur ökologischen Erzeugung vereinbar sei, eine weiterführende Erläuterung bleibt sie schuldig. An diesem Standpunkt hält sie auch fest, nachdem der Sachverhalt bei der Implementierung der neuen EU-Ökoverordnung VO (EU) 2018/848 umfangreich debattiert worden ist. Ein möglicher Ablehnungsgrund könnte sein, dass bei ökologischer Erzeugung der Einsatz von externen Produktionsmitteln auf natürliche oder naturgemäß gewonnene Stoffe zu beschränken ist. Dass bei ökologischer Erzeugung eine chirurgische Kastration mit Schmerz- und/oder Betäubungsmitteln zulässig ist, entkräftet diese Argumentation, da auch Schmerzmittel wie Meloxicam oder Betäubungsmittel wie Isofluran keinesfalls natürlich oder naturgemäß gewonnen werden. Als weiterer Ablehnungsgrund steht im Raum, dass bei der ökologischen Erzeugung immunologische Arzneimittel nur im Rahmen der Krankheitsvorsorge und einer tierärztlichen Behandlung zulässig sind. Dem ist das Gebot der Leidensminimierung, welches auch bei der ökologischen Erzeugung rechtlich verankert ist, entgegenzusetzen. Dieses gebietet, stets die tierschonendste Methode zu verwenden – dies ist nach übereinstimmender Auffassung aber die Immunokastration, da hier der chirurgische Eingriff am Tier ausbleibt.

Die Tierschutzbeauftragten der Bundesländer und die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. appellieren deshalb – auch im Hinblick auf das in Deutschland im Grundgesetz verankerte Staatsziel Tierschutz –, die Abwägung zu Gunsten des Tierschutzes zu treffen und die Anwendung der Immunokastration auch für ökologisch arbeitende Betriebe zu ermöglichen. Denn sie sind sich einig: „Es kann nicht sein, dass ausgerechnet der Biobranche die Immunokastration als Alternative zur chirurgischen Kastration verwehrt wird. Denn damit würde man ökologisch erzeugende Betriebe dazu zwingen, Methoden einzusetzen, die aufgrund des Tierschutzes aber auch des Umweltschutzes weniger geeignet sind, wie die Isoflurannarkose.“

So fordern die Tierschutzbeauftragten der Bundesländer und die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. die Bundesländer dazu auf, von ihren Möglichkeiten zur Auslegung Gebrauch zu machen, um die Immunokastration in der Biobranche zu ermöglichen und sich also nicht der Auffassung der EU-Kommission anzuschließen, da diese auch nicht rechtlich bindend ist.

Quelle: Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V.,

Hühner auf der Stange: Holzbau als Beitrag zum Tierwohl

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Es gibt Studien die belegen, dass Räume mit hohem Holzanteil einen positiven Einfluss auf das Wohlbefinden des Menschen haben. Die Frage ist, ob dies bei Hühnern genauso ist? Ein Forschungsteam an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) untersucht erstmals, ob es einen Zusammenhang zwischen dem in Ställen verbauten Material und der Tiergesundheit und dem Tierwohl gibt.

Holz wird in Hühnerställen vor allem zum Bau von Sitzstangen eingesetzt. Der überwiegende Teil der Haltungseinrichtungen besteht mittlerweile aus Kunststoff und Metall. Die Frage ist, warum ist das so? „Oft wird angeführt, dass Holz schlechter zu reinigen ist, schneller verschleißt und daher öfter ausgetauscht werden muss. Zusätzlich sind Kunststoffe und Metalle mittlerweile günstiger in der Fertigung und im Einkauf“, beobachtet Anja Kampe, akademische Mitarbeiterin an der HNEE. Bislang fehlen jedoch Daten, sodass ein Vergleich der verschiedenen Materialien nicht möglich ist. „Wir wollen daher verschiedene native Holzarten und Holz-Modifikationen miteinander auf ihre Beständigkeit in diesem Zusammenhang überprüfen. Dabei soll unter anderem geschaut werden, ob eine Holzart eventuell gegen Parasiten zum Beispiel der Roten Vogelmilbe hilft, ähnlich wie Zirbenholz gegen Motten“, sagt Gerriet Trei, akademischer Mitarbeiter am Fachbereich Landschaftsnutzung und Naturschutz der HNEE. Ziel des Projekts sei eine Verbesserung des Tierwohls von Hühnern und anderem Geflügel durch gezielte Substitution von erdölbasierten Materialien (Kunststoffen) durch biobasierte-nachwachsende Rohstoffe.

Das Forschungsteam untersucht unterschiedliche Holzarten, Material- und Modifikationskombinationen, neue Konstruktionen und ökologische Beschichtungen. Auch der Einsatz von alternativen biobasierten Rohstoffen in festen und mobilen Hühnerställen an exemplarischen Stallkomponenten wird hierbei erforscht. „Bei den Beschichtungen wollen wir schauen, ob sich beispielsweise die Reinigungsmöglichkeit von Holz verbessern lässt“, ergänzt Anja Kampe.

Inwieweit sich durch den Einsatz von Holz langfristig auch Kosten für den Stallbau reduzieren lassen, ist noch nicht abschätzbar und eher schwierig zu kalkulieren. „Häufig werden Berechnungen nur für gesamte Ställe, also inklusive Außenhülle durchgeführt. In unserem Projekt konzentrieren wir uns jedoch auf die Einrichtung, vor allem der Aspekt der Haltbarkeit der Materialien spielt eine große Rolle“, meint Gerriet Trei.

Das HNEE-Team erhofft sich, dass neben der Verbesserung des Tierwohls, auch ein Beitrag für das Klima geleistet werden kann, wenn wieder mehr Stalleinrichtungen aus Holz gebaut werden.

Quelle: Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde

Aerosol-Impfung in der Hähnchenmast

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Wenn viele Tiere auf einmal geimpft werden sollen, sind Injektionen mit der Spritze wenig praktikabel. Beim Geflügel setzen Tierärzte deswegen auf eine Sprüh-Impfung. Wie das im Stall funktioniert, erklärt Dr. Andreas Wilms-Schulze Kump im Video.

Corona beflügelt regionale Eier-Erzeugung

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Deutschlandweit knapp 2,5 Millionen Legehennen in mobilen Ställen

Wie der Bundesverband mobile Geflügelhaltung e. V. – BVMG (Modautal/Hessen) mitteilt, leben in Deutschland nach aktuellen Markterhebungen* mittlerweile knapp 2,5 Millionen Legehennen in über 2000 Betrieben in mobilen Geflügelställen.

Die Nachfrage nach regional erzeugten Lebensmitteln und Tierwohl hat sich in der Corona-Pandemie weiter verstärkt. „Die Verbraucher möchten vermehrt gute Lebensmittel aus der eigenen Region, wo sie sehen, dass es den Tieren gut geht“ sagt der Vorsitzende Dennis Hartmann. „Auch das Vertrauen zum landwirtschaftlichen Erzeugerbetrieb, den man persönlich kennt, spielt eine Rolle. Aus einem anfänglichen Trend wurde mittlerweile eine nachhaltige Entwicklung“ so Hartmann weiter.

Um wirtschaftlich arbeiten zu können, war in der Geflügelbranche in den letzten Jahrzehnten die Marschrichtung Zentralisierung und der Bau immer größerer Stallanlagen. Mit der verstärkten Nachfrage von regionalen Lebensmitteln stärken die Verbraucher die regionale Erzeugung vor Ort. Wo früher die Tierhaltung nach und nach verschwunden ist oder in Großbetrieben zentralisiert wurde, kehrt diese heute in Form von mobilen, kleinbäuerlichen Stallanlagen wieder zurück.

Was ist ein mobiler Geflügelstall?
In den letzten Jahren hat sich gerade im Bereich der regionalen, bäuerlichen Eiererzeugung eine neue Mobilstall-Szene entwickelt. Die Tierhaltung findet dort transparent, regional und zumeist in kleinbäuerlichen Strukturen statt. Die Hühner leben in – für die heutige Zeit relativ kleinen Tiergruppen – in mobilen Ställen, die regelmäßig auf frische Wiese umziehen. Der Verbraucher hat oft einen direkten Bezug zu „seinem Bauern“ und sieht, dass es den Tieren dort gut geht.

PLZ-Suche für Verbraucher unter www.mein-mobil-ei.de

Der BVMG hat auf seiner Internetseite eine PLZ-Suche eingerichtet, wo die Menschen in Deutschland einfach und unkompliziert den nächsten Mitgliedsbetrieb mit mobiler Haltung finden können.

Quelle: Bundesverband Mobile Geflügelhaltung e. V.

Macht das Stadtleben Hummeln größer?

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Treiben Städte die Evolution von Hummeln voran? Einen ersten Hinweis dafür liefern Befunde einer neuen Studie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig: Demnach sind die Insekten in Städten größer und dadurch sogar produktiver als Vertreterinnen derselben Art auf dem Land. Die Unterschiede in der Körpergröße könnten eine Folge der zunehmend zerstückelten Lebensräume in Städten sein, wie das Forschungsteam in der Fachzeitschrift „Evolutionary Applications“ schreibt.

In den letzten 200 Jahren hat sich der Lebensraum von Hummeln und anderen Insekten stark verändert: Sie leben seltener in ländlichen Regionen und auf Wiesen, sondern häufig umringt von Straßen und Betonwänden. „Städte haben für Hummeln Vor- und Nachteile: Einerseits gibt es durch private und botanische Gärten, Stadtparks und mit Blumen bestückte Balkone ein reichhaltiges Nahrungsangebot. Andererseits ist es in Städten deutlich wärmer als im Umland. Zudem entstehen durch Straßen und große Gebäude deutlich kleinere, voneinander mehr oder weniger stark getrennte Lebensräume“, sagt Dr. Panagiotis Theodorou vom Institut für Biologie der MLU, der die Studie als Wissenschaftler an der MLU und bei iDiv geleitet hat.

Das Team von Biologinnen und Biologen der MLU wollte herausfinden, ob die Verstädterung Folgen für die Evolution von Hummeln haben könnte und ob sich diese möglicherweise daran anpassen können. Dafür sammelten sie mehr als 1.800 Hummeln in neun Großstädten und deren ländlicher Umgebung. Die Arbeit konzentrierte sich auf drei in Deutschland häufig vorkommende Arten: die Steinhummel (Bombus lapidarius), die Ackerhummel (Bombus pascuorum) und die Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris). Jede gefangene Hummel wurde vermessen. Außerdem beobachteten die Forscherinnen und Forscher an jedem der insgesamt 18 Standorte, wie oft Hummeln eigens gezüchtete und vor Ort ausgesetzte Rotkleepflanzen besuchten. Daraus wurde im Anschluss die Bestäubungsleistung berechnet. Dabei zeigte sich: „Tatsächlich waren die Hummeln aus urbanen, stärker fragmentierten Gebieten im Durchschnitt deutlich größer als ihre Artgenossinnen auf dem Land, um etwa vier Prozent“, sagt die Biologin Dr. Antonella Soro von der MLU. Die Ergebnisse waren für alle drei Hummelarten gleich.

Die Körpergröße steht im Zusammenhang mit dem Stoffwechsel eines Organismus und ist auch ein Indikator für Lebensdauer und Leistungsfähigkeit von Lebewesen. „Größere Hummeln können besser sehen, besser lernen und haben ein größeres Erinnerungsvermögen. Sie werden auch seltener von Fressfeinden attackiert und können weitere Distanzen zurücklegen. Das bedeutet, dass sie pro Flug mehr Blumen anfliegen können, mehr Pollen transportieren und so bessere Bestäuber sind“, sagt Soro. Das haben auch die weiteren Analysen der Forscherinnen und Forscher bestätigt. Die Studie gebe einen ersten Hinweis darauf, dass vor allem der Grad der Fragmentierung des Lebensraums einen Einfluss auf die Körpergröße und damit auch indirekt auf die Bestäubungsleistung von Hummeln haben könnte. Generell wisse man aber noch zu wenig über die Auswirkungen von Umweltveränderungen in Städten auf individuelle Hummel- und Bienenarten und ihre Bestäubungsleistung, so die Wissenschaftlerin. Das Team plädiert deshalb dafür, die evolutionären Anpassungen von Tieren an ihr städtisches Umfeld noch besser zu erforschen. Das könne auch eine bessere Stadtplanung ermöglichen, die die Natur stärker berücksichtigt.

Die Arbeit wurde über iDiv von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.

Quelle: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Rotaviren aus Geflügelbeständen können Gene mit Rotaviren aus Säugetieren austauschen –

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Infektionsrisiko für den Menschen gering Zusammenfassender Forschungsbericht zum BfR-Forschungsprojekt „Charakterisierung des zoonotischen Potenzials von Rotaviren des Geflügels“ des BfR vom 17. August 2020

Rotaviren der Vögel sind in Geflügelbeständen für die Lebensmittelgewinnung weit verbreitet. Sie sind jedoch nur entfernt mit den Rotaviren verwandt, die bei Säugetieren und dem Menschen vorkommen und dort zu Erkrankungen führen. Im von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten BfR Forschungsprojekt „Charakterisierung des zoonotischen Potenzials von Rotaviren des Geflügels“ zeigten Professor Dr. Reimar Johne und seine Forschungsgruppe, dass Rotaviren der Vögel mit Rotaviren der Säuger genetisches Material austauschen können, was zur Entstehung neuartiger Rotaviren führen kann. Das Risiko der Bildung derartiger, Ressortanten* genannter Virustypen in der Natur wird von den Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen allerdings als gering eingeschätzt. Denn vermehrungsfähige neuartige Viren traten unter Laborbedingungen nur in wenigen Fällen auf. Sie konnten sich auch nur schlecht weiter vermehren. Das Infektionsrisiko für den Menschen wird daher als relativ gering eingeschätzt. Dennoch sollten Untersuchungen zur Rotavirus-Vielfalt beim Menschen zukünftig auch weniger verwandte Rotaviren wie die der Vögel einschließen, um das Auftreten neuartiger Typen früh feststellen zu können.

Im Gegensatz zu den Rotaviren der Säugetiere waren die Rotaviren der Vögel bisher nur wenig untersucht worden. Ziel des BfR war es, die genetische Vielfalt der Rotaviren vor allem bei Vögeln zu analysieren und deren Potential zur Übertragung auf und Anpassung an Säugetiere und den Menschen zu ermitteln. Eine wichtige Frage war dabei, ob die Rotaviren der Vögel mit denen der Säugetiere genetisches Material austauschen, wobei eventuell neuartige Rotaviren entstehen könnten. Im Projekt wurde eine breite Vielfalt verschiedener bekannter sowie bisher unbekannter Rotavirus-Arten und -Typen sowohl in Vögeln als auch in Säugetieren identifiziert. Das Erbgut dieser Viren wurde mit neu entwickelten Methoden meistens vollständig sequenziert, wodurch eine genaue Charakterisierung ihrer Eigenschaften und ihrer Verwandtschaft mit bekannten Rotaviren möglich wurde. Insgesamt weisen die Analysen darauf hin, dass mit einem breiten Repertoire divergenter Rotavirus-Stämme im Tierreich gerechnet werden muss, die eventuell direkt auf den Menschen übertragen werden können oder durch den Austausch von Genomsegmenten zur Ausbildung neuer Rotaviren führen könnten. Für die Rotaviren der Vögel scheint dies allerdings nur sehr selten vorzukommen.

Rotaviren gehören zu den häufigsten Erregern von Magen-Darm-Erkrankungen beim Menschen und bei zahlreichen Tierarten. Es existieren viele unterschiedliche Rotavirus-Typen, die sich durch Mutationen und den Austausch von Genomsegmenten ständig weiterentwickeln. Erkrankungen beim Menschen werden vor allem durch humane Rotaviren hervorgerufen. Bekannt ist aber auch, dass bestimmte Rotaviren von Tieren auf den Menschen übertragen werden können und umgekehrt. Seit 2006 gibt es Impfstoffe gegen humane Rotavirus-Erkrankungen, die generell gut wirksam sind. Wenn sich jedoch neue Rotaviren ausbilden, die genetisches Material von Tieren enthalten, könnte die durch die Impfung erworbene Immunität gegenüber einer solchen Infektion unwirksam werden.

Der ausführliche Bericht ist hier zu finden

* Reassortanten sind neue Virustypen, die durch Austausch von Genomsegmenten verschiedener Ausgangsviren der gleichen Spezies entstehen.

Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

Der Anfang entscheidet: Erfolgreiche Kitz- und Jungtieraufzucht

Von Andreas Kern, Bioland e.V., Fachberatung Schaf- und Ziegenhaltung

Das Einkommen eines Ziegenhalter-Betriebs wird zum großen Teil von der Milch- und Lebensleistung seiner Tiere beeinflusst. Dementsprechend wird ihnen besonders viel Aufmerksamkeit gewidmet. Die Lämmeraufzucht läuft teilweise eher nebenher. Diese Einstellung ist aber zu kurzfristig gedacht, denn was man anfangs bei der neuen Generation versäumt, kann später nur schwer nachgeholt werden. Die Ziegenlämmeraufzucht ist für den langfristigen Betriebserfolg entscheidend.

Gleich nach der Geburt und in den ersten Lebenswochen wird die Grundlage für die Zellausstattung der Organe gelegt. Die Entwicklung der Kitze in dieser Zeit ist entscheidend für die spätere Leistungsveranlagung und Wachstumskapazität. Eine unzureichende Fütterung oder Krankheiten in den ersten Lebenswochen haben einen lebenslangen negativen Effekt auf die Leistung der Tiere. Die Tiere können zwar eine unzureichende körperliche Entwicklung im Laufe der Zeit ausgleichen. Aber dieses ausgleichende Wachstum erhöht die Veranlagung zur Speicherung von Körperfett und daraus folgend zu Stoffwechselproblemen. Darum sollte man in diesem Zeitraum alles daran legen, das volle Wachstumspotential des Lamms auszuschöpfen.

Immunschutz durch Biestmilch
Für den besten Start ins Ziegenleben ist die Versorgung mit Biestmilch ausschlaggebend. Die Schlagworte sind dabei „schnell“, „viel“ und „gut“, im Englischen auch als 3Q-Regel bekannt: „Quality, Quantity, Quickly“.

Allgemein bekannt ist, dass die Biestmilch schnell verabreicht werden muss, um eine größtmögliche Aufnahme von Immunglobuli zu gewährleisten. Neben einer schnellen Versorgung hat hierfür Qualität und Quantität der Biestmilch eine wichtige Bedeutung: Je mehr aufgenommen wird, und je besser die Qualität ist, desto länger hält der passive Schutz vor und umso geringer fällt die Lücke bis zum Aufbau des aktiven Immunschutzes aus. Qualität und Quantität der Biestmilch werden vor allem durch die Fütterung der Milchziegen vom Decken bis zum Ablammen beeinflusst.
Lämmer kommen ohne Immunsystem zur Welt. Deswegen ist die maternale Immunität so wichtig, die relativ schnell über die Biestmilch aufgebaut wird. Das Lamm beginnt zwar sofort sich aktiv mit seiner Umwelt auseinanderzusetzen und ein eigenes, aktives Immunsystem aufzubauen, aber dieser Prozess braucht seine Zeit. Wenn die maternale Immunität nachlässt und der aktive Immunschutz noch nicht völlig aufgebaut ist, kann eventuell einige Wochen nach der Ablammung eine Lücke im Immunschutz entstehen. Fällt diese Lücke auf den gleichen Zeitpunkt wie das Absetzen der Kitze von der Milch, bzw. der Mütter, bedeutet dies zusätzlichen Stress für die Milchziegenlämmer, vor allem dann, wenn die Nährstoffversorgung der Kitze nach dem Absetzen nicht gesichert und altersgerecht gestaltet ist. Dies kann zu Problemen wie z.B. Kokzidien führen.

Aus diesem Grund ist die Qualität und Quantität der Biestmilchversorgung so wichtig: Je besser diese ist, desto länger hält der passive Schutz vor und umso geringer fällt die Lücke aus. Wer in seinem Stall mit Kokzidien und Lungenerkrankungen bei den Lämmern zu kämpfen hat, sollte daher nicht nur die Symptome mit Medikamenten behandeln, sondern auch überprüfen, wo die Ursachen liegen, z.B. ob die Tiere ausreichend mit Biestmilch versorgt wurden.

Bedarfsgerecht füttern
Die Lämmeraufzucht beginnt bereits beim Decken der Muttertiere. Diese müssen in der optimalen Kondition zum Decken sein: Nicht zu mager und nicht zu fett, mit wenig Kraftfutter in der Ration. In dieser Zeit sollten die Tiere trainiert werden, ihren Bedarf hauptsächlich aus dem Grundfutter zu decken. Die Milchleistung ist zu diesem Zeitpunkt schon zurückgegangen. Um eine Verfettung vor der Deckzeit zu vermeiden, ist es sinnvoll, nur sehr verhalten Kraftfutter zu füttern, um eine energetische Überversorgung zu vermeiden und die Nährstoffe aus dem Grundfutter bestmöglich zu nutzen.

In der Niederträchtigkeit ist der Energiebedarf noch nicht besonders erhöht. Deswegen sollte zu diesem Zeitpunkt hauptsächlich Grundfutter zum Einsatz kommen. Eine ausreichende Eiweißversorgung ist sicherzustellen, damit die Milchleistung nicht negativ beeinflusst wird.

Die Trockenstehperiode beginnt im Optimalfall am Ende des dritten, zu Beginn des vierten Trächtigkeitsmonat. Die Trockenstehzeit sollte mindestens sechs bis acht Wochen andauern. Eine ausreichende Trockenstehdauer beeinflusst auch die Biestmilchqualität, ebenso wie eine ausreichende Nährstoffversorgung in der Hochträchtigkeit.


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Impfung gegen Ebergeruch muss auch in ökologischer Landwirtschaft möglich sein!

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Bundestierärztekammer schließt sich den FVE-Forderungen vollumfänglich an

Ausgerechnet in der Biobranche soll es ein Aus für die tierschonendste Alternative zur betäubungslosen Ferkelkastration geben: Die Länderarbeitsgemeinschaft ökologischer Landbau (LÖK) hat beschlossen, die Impfung gegen Ebergeruch (Immunokastration) nicht mehr zu akzeptieren. Sie folgt damit einer (Fehl-)Einschätzung der EU-Kommission.

Ein fatales Signal an Handel, Verarbeiter, Verbraucher und die konventionelle Schweinehaltung: „Die Impfung ist die tierschutzfachlich beste Methode zur Vermeidung von Ebergeruch“, betont Dr. Uwe Tiedemann, was der BTK-Präsident auch in einem Schreiben an die Agrarminister der Länder und die LÖK deutlich gemacht hat.

Die Unvereinbarkeit der Immunokastration mit dem biologischen Landbau wird insbesondere damit begründet, dass diese Methode den Hormonhaushalt eines Tieres verändere.

Dabei bleibt aus fachlicher Sicht jedoch unbeachtet, dass die im ökologischen Landbau erlaubte chirurgische Entfernung der Hoden in ähnlicher Weise die Produktion der Fortpflanzungshormone des Schweins beeinträchtigt, um dem Ebergeruch vorzubeugen.

Inzwischen hat auch der europäische Tierärzteverband (Federation of Veterinarians of Europe – FVE), der etwa 300.000 Tierärztinnen und Tierärzte in 40 europäischen Ländern vertritt, ein Statement abgegeben und die EU-Kommission aufgefordert, ihre Meinung zu überdenken: „Die FVE ist der festen Überzeugung, dass die Immunokastration von Ferkeln zu den Bedingungen der ökologischen Landwirtschaft und ihren Zielen passt“, führt der Verband aus.

Die FVE fordert den Ständigen Ausschuss für biologischen Landbau der EU-Kommission auf, seine Meinung zu überdenken und anzuerkennen, dass die Impfung mit den Prinzipien der ökologischen Schweinehaltung übereinstimmt. Die biologische Landwirtschaft werde von vielen Verbrauchern als die nachhaltigste und tierfreundlichste Produktionsmethode angesehen. Um diesem Ruf gerecht zu werden, müsse innerhalb der ökologischen Produktion die Impfung als Alternative zur chirurgischen Kastration zugelassen werden.

Die BTK schließt sich den Forderungen der FVE vollumfänglich an. Es darf nicht sein, dass aufgrund einer fachlich falschen Meinung aus der EU-Kommission ausgerechnet der Biobranche die Impfung als Alternative zur blutigen Kastration verwehrt wird. Die BTK fordert die Entscheidungsträger auf, ökologisch wirtschaftende Betriebe nicht dazu zu zwingen, zur Vermeidung von Ebergeruch Methoden einzusetzen, die aus Tierschutz- und Umweltschutzgründen weniger geeignet sind, wie die Isoflurannarkose.

Quelle: Bundestierärztekammer e. V.