Umsetzung der Tierschutznutztier-Haltungsverordnung in der Kaninchenhaltung #TiHo-Tierschutztagung 2020 – Teil 4

© Dr. Michaela Fels

Bisher wurden Kaninchen in Gruppen (Mast) oder einzeln (Zuchthäsinen) in einstreulosen Käfigsystemen, auf perforierten Böden gehalten. Dr. Michaela Fels (TiHo) erläuterte auf der Tierschutztagung 2020, welche Auswirkungen die Umsetzung der TierSchNutztV auf künftige Stallbauten für Kaninchen hat.

Vor allem aber stellte die Mitarbeiterin des Instituts für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie ein neu entwickeltes Kombi-Haltungssystem für Aufzucht und Mast vor (Hyplus PS 19 der französischen Firma Hypharma). Es wurde in einem Praxisbetrieb mit 677 Häsinnen/160 Junghäsinnen und 5.000 Mastplätzen getestet.

Anlage 1 für die Einzelhaltung von Häsinnen und Mast in Gruppen, bestand aus 24 Einzelbuchten für Häsinnen mit Jungtieren; Spaltenmaß 11 mm. Nach dem Absetzen nach 31 Tagen wurden je sechs Buchten verbunden und so Gruppen von 55-65 Mastkaninchen geschaffen.

Anlage 2 für die Gruppenhaltung von Häsinnen (ohne Mast) bestand aus 36 Einzelbuchten mit Verbindungstüren, die Zuchthäsinnen wurden in 3er und 5er Gruppen gehalten (Trennung zur Geburt) und die Jungtiere beim Absetzen umgestallt (Häsinnen verblieben in der Anlage).

© Dr. Michaela Fels
Im Praxistest wurden dann Hautverletzungen, Verschmutzungsgrad von Hinterläufen und Bodenfläche sowie Pododermatitis bonitiert. Die Tiere wurden gewogen, Krankheiten und Verluste erfasst und Verhaltensanalysen mittels Videokamera erstellt. Zusätzlich wurde ein bisher übliches Haltungssystem zur Kontrolle herangezogen.

Im Verhalten zeigten die Tiere im neuen System deutlich mehr Lokomotion und Erkundungsverhalten, dafür deutlich weniger Gitternagen als typische Verhaltensstörung. Bei der Ganzkörperbonitur zeigten sich in Anlage 1 keine übermäßigen Unterschiede zur Kontrollgruppe. Die Verschmutzung der Bodenfläche in Anlage 1 war allerdings wesentlich und auch in Anlage 2 noch merklich höher als bei der Kontrolle. Auch der Anteil an Pododermatitis bei den Zuchttieren, war in den beiden neuartigen Anlagen deutlich höher.

Zwar verletzten sich die Tiere während der Mast weniger als in den herkömmlichen Drahtgitterkäfigen und auch hohe Tageszunahmen sprächen für die neuen Systeme. Aber die hygienischen Probleme überlagerten leider diese Vorteile und häufige Zwischenreinigung z. B. sei unter Praxisbedingungen kaum durchführbar und aus Tierschutzsicht problematisch, da jedes Mal mit dem Herausfangen von Tieren verbunden.

Bei der Bodengestaltung bestehe also noch Handlungsbedarf, sagte Frau Dr. Fels zum Schluss ihres Vortrags. Weitere Untersuchungen seien hierfür dringend nötig. Ebenso müsse die Übertragbarkeit der Vorgaben der TierSchNutztV auf die Rassekaninchenhaltung geprüft werden.

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