Eine Chance für das alte deutsche Sattelschwein – Ökologische Nutztierhaltung stärker im Fokus

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Am 10. August wurde am Leibniz-Institut für Nutztierbiologie Dummerstorf (FBN) der Öko-Erweiterungsanbau an der Experimentalanlage Schwein feierlich eröffnet. Der Anbau wurde nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus konzipiert und sowohl vom Landwirtschaftsministerium MV als auch vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft im Rahmen der Programmbewirtschaftung in Höhe von insgesamt 1,8 Millionen Euro gefördert.

In dem Erweiterungsbau sollen im Interesse einer tier-, umwelt- und klimafreundlichen Nutztierhaltung insbesondere ökologische Aspekte der Tierproduktion stärker in den Forschungsfokus des FBN rücken. Weitere Schwerpunkte liegen in der Erforschung alter und vom Aussterben bedrohter Nutztierrassen sowie in der Entwicklung smarter Lösungen für eine nachhaltige Landwirtschaft.

„Gerade der Blick auf die gesellschaftliche Debatte zur Nutztierhaltung, zu mehr Tierwohl, zu Klimaschutz und klimafreundlicher Tierhaltung, aber auch die globale Herausforderung der Sicherung der Welternährung und Änderung der Humanernährung machen die Notwendigkeit der Forschung in diesen Themenbereichen absolut deutlich“, sagte der Minister für Landwirtschaft und Umwelt MV, Dr. Till Backhaus. „Das FBN adressiert genau diese gesellschaftlich relevanten Aspekte einer nachhaltigen Nutztierhaltung. Diese ist ein elementarer Bestandteil der Landwirtschaft und einer (Nährstoff-)Kreislaufwirtschaft, viele Flächen, z.B. Dauergrünland und Savannen, können nur über die Nutztierhaltung einen Beitrag zur Nahrungsmittelproduktion leisten. Gewisse Formen der Nutztierhaltung sind Landschaftspflege und Grundlage für den Erhalt von Biodiversität.“

Mehr Platz und freier Auslauf
Der neue Versuchsstall mit einer Gesamtnutzungsfläche von rund 780 Quadratmetern ist für 24 Sauen und deren Nachzucht konzipiert. Er enthält jeweils acht Besamungsstände und Abferkelbuchten. Insgesamt ist Platz für 284 Tiere. Darüber hinaus verfügt der Anbau über einen Testraum für Verhaltensbeobachtungen sowie Ausläufe in allen Teilbereichen vom Saugferkel bis zum Mastschwein. In der bereits 1998 eröffneten Experimentalanlage Schwein stehen den Tieren rund 1.140 Quadratmetern zur Verfügung.

Marianne Zenk (li.) und Dr. Corinna Gladbach vom FBN mit Ferkeln aus der gefährdeten Rasse der deutschen Sattelschweine. – Leibnitz-Institut für Nutztierbiologie Dummerstorf (FBN)
Foto: Thomas Häntzschel / nordlicht
www.fotoagenturnordlicht.de

Größte Unterschiede beim Bau nach ökologischen Standards sind der höhere Platzbedarf und die freien Ausläufe für alle Tiere. In eingestreuten Buchten lassen sich die natürlichen Instinkte der Tiere wie Nestbauverhalten und Wühlen besser ausleben. Durch das größere Platzangebot haben die Schweine bessere Möglichkeiten, die Buchten in Fress- und Aktivitätsbereiche sowie Ruhezonen und „Toiletten“ zu strukturieren. Die Tiere bleiben im Familienverbund, die Schwänze werden nicht gekürzt und die männlichen Tiere nicht kastriert.

Haltungsbedingungen im Vergleich
„Unsere Wissenschaftler sind jetzt in der Lage, an einem Standort unter authentischen Bedingungen konventionelle und ökologische Haltungsbedingungen zu vergleichen“, betonte FBN-Vorstand Prof. Dr. Klaus Wimmers. „Dabei steht die Gegenüberstellung der Haltungsformen im Interesse des Tierwohls im Vordergrund.“ Des Weiteren sollen alte Nutztierrassen charakterisiert werden. „Wir planen am Institut ein langfristiges Projekt über mehr als zehn Jahre, in dem wir alte Rassen mit der modernen Deutschen Landrasse in beiden Haltungsumwelten vergleichen“, erläuterte Wimmers.

„Wir wollen wissen, ob die Rassen in unterschiedlicher Weise von den besseren Haltungsbedingungen profitieren. Diese Zusammenhänge zwischen Rassen und Umwelt, sogenannte Genotyp-Umwelt-Interaktionen, sind biologisch interessante Phänomen, die wir erforschen und nutzen wollen, um einen bestmöglichen Einklang zwischen den Bedürfnissen der Tiere und ihrer Umwelt herzustellen. Gestartet werden soll das Programm mit dem deutschen Sattelschwein. Seinen Namen verdankt das Tier mit schwarzer Grundfarbe dem hellen Streifen auf „Sattelhöhe“. Engagierte Züchter haben dafür gesorgt, dass die robuste und sehr fruchtbare Rasse nicht schon ausgestorben ist. Forscher am FBN konnten in der Vergangenheit schon Erfolge beim Erhalt der ungarischen Mangalitza-Schweinerasse erzielen.

„Großes Augenmerk legen wir auch in den Aufbau einer Gewebe- und Zell-BioBank für Schweine“, so der Vorstand weiter. „Mit den langfristig angelegten Untersuchungen wollen wir den Startpunkt dafür setzten, eine BioBank von Geweben und Zellen mit Referenzdaten als wichtige Ressource für die Forschung zu etablieren.“ Als vierten Forschungsschwerpunkt im neuen Öko-Anbau nannte Prof. Dr. Klaus Wimmers das sogenannte „Smart Livestock Farming“, also innovative Lösungen für mehr Tierwohl sowie Umwelt- und Klimaschutz in der Nutztierhaltung. „Dazu wollen wir intelligente digitale Systeme zum Monitoring von Verhalten, Gesundheit und physiologischen Zuständen sowie automatisierte Lernapparaturen für eine individuelle Versorgung der Tiere nutzen und entwickeln.“

Digitalisierung spielt große Rolle
„Die Digitalisierung mit individueller Aufzeichnung von Futteraufnahme(verhalten) sowie Videosysteme zur Analyse des Sozialverhaltens ermöglichen uns eine effiziente Datenerfassung und -analyse im Vergleich konventioneller und ökologischer Haltung mit Tieren verschiedener Herkünfte“, hob der Leiter der Tierexperimentellen Anlagen, Klaus-Dieter Witt, hervor. „So können wir unter anderem direkt den Einfluss der Haltungsbedingungen auf wichtige Indikatoren für das Tierwohl und die Tiergesundheit messen.“

Am Leibniz-Institut laufen aktuell eine Vielzahl von Forschungsprojekten zur Schweinehaltung. Dabei geht es beispielsweise um das Sozialverhalten von Ferkeln und der individuellen Bewertung ihrer Umwelt sowie die Identifizierung von Biomarkern für Tierwohl oder die Optimierung der Versorgung für erhöhte Ressourceneffizienz und bessere Fleischqualität. Ferner erforschen die Wissenschaftler, wie sich alte, robuste Rassen wie das Sattelschwein von modernen Rassen wie der Deutschen Landrasse im Stoffwechsel sowie bei der Fortpflanzung und im Verhalten unterscheiden.

Neben der Experimentalanlage Schwein befinden sich auf dem Gelände der Forschungseinrichtung in Dummerstorf auch Tierexperimentelle Anlagen für Rinder, Geflügel, Zwergziegen, Mäuse, Soldatenfliegen und Aquakulturfische.

Die Leibniz-Gemeinschaft
Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 93 selbständige Forschungseinrichtungen. Ihre Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute widmen sich gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevanten Fragen. Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Forschung, auch in den übergreifenden Leibniz-Forschungsverbünden, sind oder unterhalten wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte Dienstleistungen an. Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer, vor allem mit den Leibniz-Forschungsmuseen. Sie berät und informiert Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Leibniz-Einrichtungen pflegen enge Kooperationen mit den Hochschulen – u.a. in Form der Leibniz-WissenschaftsCampi, mit der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Sie unterliegen einem transparenten und unabhängigen Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 19.100 Personen, darunter 9.900 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,9 Milliarden Euro.
www.leibniz-gemeinschaft.de

Quelle: Leibniz-Institut für Nutztierbiologie (FBN)

Verfolgung neuer Vogelgrippeviren wird durch moderne Analysen der Genomdaten möglich

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Zweite Studie des Globalen H5N8-Konsortiums veröffentlicht

Im Rahmen eines internationalen Konsortiums gelang durch mathematische Analysen die Nachverfolgung der Entstehung und Verbreitung neuer Varianten der Vogelgrippe. Diese groß angelegte internationale Studie wurde nun in der Fachzeitschrift PNAS (Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America) veröffentlicht. Die Arbeit führte das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), gemeinsam mit dem Erasmus University Medical Center und der Universität Edinburgh im „Global Consortium for H5N8 and Related Influenza Viruses“ durch.

Das Team interpretierte eine große Zahl Genomsequenzen aus Virusproben, die während des bisher größten Ausbruchs der hochpathogenen Vogelgrippe in den Jahren 2016/2017 in der ganzen Welt gesammelt wurden. Dabei konnten die Wissenschaftler zahlreiche neue Virusvarianten beschreiben, die durch den Austausch einzelner Abschnitte des Virusgenoms entstanden sind. Sie benutzten dabei mathematische Methoden, mit denen sie abschätzen konnten, wann und wo das Virus bei Wild- oder Hausvögeln genetisches Material mit anderen Viren ausgetauscht hatte. So konnten die Forscher Aussagen darüber treffen, in welcher Vogelgruppe die neuen Varianten entstanden sind und anhand der Genomsequenzen verfolgen, wie sich die Virusstämme von infiziertem Hausgeflügel in Asien über wilde Zugvögel bis nach Europa ausbreiteten.

Untersuchung der kompletten Genomsequenz von zunehmender Bedeutung
Die Studie stützt sich dabei auf vollständige Genomsequenzen, die Mitglieder des Konsortiums in öffentlichen Datenbanken geteilt haben. „Die Aufklärung der Genomsequenzen von Viren ist in den letzten Jahren immer wichtiger geworden.“ so Prof. Martin Beer, Leiter des Instituts für Virusdiagnostik am FLI, das maßgeblich an der Studie beteiligt war. „Durch modernste Sequenziermethoden und neue Auswerteverfahren können wir nicht nur die Entstehung neuer Virusstämme verfolgen, sondern auch Verbreitungswege nachvollziehen und erste Aussagen zur Gefährlichkeit machen.“ Der Ausbruch der hochpathogenen Vogelgrippe 2016/2017 war der bisher größte jemals beschriebene und führte zu hohen Verlusten in der Wildvogelpopulation und großen wirtschaftlichen Schäden bei Hausgeflügel. Die Studie lieferte nun wichtige Erkenntnisse zur Verbesserung der Überwachung möglicher Eintragswege für neue Viren und dient damit dem Schutz von Haus- und Wildvögeln.

Internationale Zusammenarbeit gestärkt
Die Studie unterstreicht die Bedeutung der internationalen Zusammenarbeit bei Virusausbrüchen. Es ist bereits die zweite Studie dieser Art (1. Studie „Role for migratory wild birds in the global spread of avian influenza H5N8“) die das Konsortium vorlegt, in dem über 30 Wissenschaftler aus allen Ländern und Regionen zusammenarbeiten. Sie wurde durch Mittel der Europäischen Kommission im Rahmen des EU Horizon 2020 Program (COMPARE, grant number 643476; DELTA-FLU, grant number 727922) unterstützt.

Studie
„Genesis and spread of multiple reassortants during the 2016/2017 H5 avian influenza epidemic in Eurasia“ Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America (PNAS): DOI: 10.1073/pnas.2001813117

Kontakt
Prof. Dr. Martin Beer
Leiter des Instituts für Virusdiagnostik des FLI
Telefon: 038351 7-1894
Mail: presse@fli.de

Quelle: Friedrich-Loeffler-Institut Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit

Umrauscher-Sauen besser betreuen – was ist zu tun?

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Von Prof. Dr. Steffen Hoy, Universität Gießen

Das Ziel bei der Besamung von Sauen muss es sein, eine hohe Trächtigkeits- und Abferkelrate zu erreichen. Allerdings ist im Mittel jede 14. Sau eine Umrauscher-Sau. Die Frage stellt sich, welche Leistungen erbringen Umrauscher-Sauen? Daher verglichen Wissenschaftler der Uni Gießen bei 160 Betrieben die Umrauscher- und Abferkelrate, die Wurfgröße und werteten den Ferkelindex von Umrauscher-Sauen im Vergleich zu erstbesamten Sauen aus.

Die Auswertungen umfassten die Kalenderjahre (KJ) 2016 und 2017 mit insgesamt 160 Betrieben und ca. 277.000 Erstbelegungen (EB). Etwa 24.000 Umrauscher-Belegungen (UB) wurden einbezogen. Alle Daten wurden dem db-Sauenplaner entnommen. Es wurden Abferkelrate (AFR), Umrauscherrate (UR), Wurfgröße lebend geborener Ferkel (WG lgF) sowie Ferkelindex lgF (FI) sowohl für die Sauen nach der ersten Belegung als auch nach erneuter Belegung der Umrauscher-Sauen berechnet.

Umrauscher-Sauen haben weniger Ferkel
Die Umrauscherrate aus Erstbelegung betrug im Mittel beider Jahre 7,5 %, die Abferkelrate 87,2 %. Bei den erneut belegten Umrauschern war die Umrauscherrate mit 13,0 % viel höher und die Abferkelrate mit 65,0 % erheblich niedriger als bei Sauen aus der Erstbesamung. Die Wurfgröße lebend geborener Ferkel war allerdings bei den Umrauscher-Sauen nur unwesentlich um 0,2 geringer als nach erfolgreicher erster Belegung. Erstbesamte Sauen erzielten im Ferkelindex (Anzahl lebend geborener Ferkel je 100 besamte Sauen) über 300 lebend geborene Ferkel mehr je 100 besamte Sauen als Umrauscher-Sauen (siehe Tabelle). Der Anteil Umrauscher schwankte zwischen den Betrieben zumeist zwischen 2,3 und > 11 %. Einige wenige Betriebe lagen aber sogar über 15 bis 20 %.

Große Unterschiede zwischen den Betrieben
Für die weitere Auswertung wurden 10 erfolgreiche und 10 weniger erfolgreiche Betriebe (bezogen auf die Abferkelrate) ausgewählt, die jeweils mehr als 350 Sauen hatten. Erfolgreiche Betriebe hatten eine Abferkelrate von über 88 %, weniger erfolgreiche Betriebe eine unter 86 %. Bei großen erfolgreichen Betrieben betrug die Differenz in der Abferkelrate zwischen erstbelegten Sauen (89,4 %) und Umrauscher-Sauen (67,4 %) 22 Prozent. Bei großen weniger erfolgreichen Betrieben war der Unterschied in der AFR mit 27,1 % deutlich stärker ausgeprägt (aus EB = 84,3 %, aus UB = 57,2 %). Bei den erfolgreichen Betrieben war die Wurfgröße lebend geborener Ferkel aus EB um 0,8/Wurf höher als aus UB, bei den weniger erfolgreichen Betrieben waren die Wurfgrößen identisch (14,2). Die Differenz im Ferkelindex lebend geborener Ferkel zwischen erstbelegten und erneut belegten Umrauscher-Sauen betrug bei den erfolgreichen Betrieben 403, bei den weniger erfolgreichen Betrieben 385 Ferkel je 100 besamte Sauen zugunsten der Erstbelegungen.

In einer weiteren Auswertung ging es um die Differenzen in der Abferkelrate zwischen Erst- und Umrauscher-Belegungen zwischen den Betrieben. Der geringste Unterschied in der Abferkelrate zwischen EB und UB in einem Betrieb betrug bei den leistungsstarken Betrieben 3,8 %, der größte in einem anderen Betrieb immerhin 42,8 % (Abb. 1). Bei den weniger erfolgreichen Betrieben war die größte Differenz in einem Betrieb zwischen erstbelegten Sauen und Umrauscher-Sauen 33,5 %. Der geringste Unterschied in der Abferkelrate zwischen Sauen mit erster Belegung und solchen mit erneuter Belegung nach Umrauschen wurde in einem anderen Betrieb mit 7 % festgestellt.

Warum fallen die Umrauscher-Sauen so auf?
Bei der Suche nach den Ursachen für die verminderten Leistungen der Umrauscher-Sauen war zunächst auffällig, dass große Differenzen in der Abferkelrate, aber kaum Unterschiede in der Wurfgröße bei Sauen aus Erst- oder Umrauscher-Besamungen bestanden. Teilweise wurden sogar identische Wurfgrößen erzielt. Die Umrauscher-Sauen waren demnach offensichtlich (geschlechts)gesund. Die Ursache kann somit nur in einem nicht korrekten Besamungsmanagement liegen.


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Kühe mit Zebra-Streifen leiden weniger unter Stechmücken

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Für ein Experiment zur Fliegenabwehr, haben japanische Forscher sechs japanische schwarze Kühe mit schwarz-weißen Streifen oder schwarzen Streifen bemalt und zum Vergleich schwarze Kühe ohne Bemalung verwendet. Typische Verhaltensweisen zur Abwehr von Fliegen waren Kopfschütteln, Ohrwackeln, Aufstampfen, Hautzuckungen und Schwanzbewegungen. Die jeweils rechte Seite jeder Kuh wurde fotografiert, um Fliegen auf Körper und Beinen zählen zu können.

© 2019 Kojima et al

Auf japanischen Schwarzkühen, die mit schwarz-weißen Streifen bemalt waren, saßen signifikant weniger Fliegen, als bei nicht bemalten Kühen und Kühen, die nur mit schwarzen Streifen bemalt waren. Auch konnte weniger Abwehrverhalten bei Kühen, die schwarz-weiß bemalt waren beobachtet werden, als bei Kühen, die nicht bemalt oder nur schwarz gestreift waren.

Die Ergebnisse legen nahe, dass die Schwarz-Weiß-Bemalung von Nutztieren wie z. B. Rindern eine Alternative zum Insektizideinsatz in der Tierproduktion darstellen kann.

Studie
Kojima T, Oishi K, Matsubara Y, Uchiyama Y, Fukushima Y, Aoki N, et al. (2019) Cows painted with zebra-like striping can avoid biting fly attack. PLoS ONE 14(10): e0223447. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0223447

Erfolgreiche Kälberaufzucht – was ist auf Basis aktueller Versuche zu beachten?

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Von Dr. Sebastian Hoppe, VBZL Haus Riswick, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen

Leistungsfähige Milchkühe mit gutem Durchhaltevermögen, guter Fruchtbarkeit und Gesundheit und daraus resultierend hohen Lebenstagleistungen sind die Grundlage einer wirtschaftlichen Milchproduktion. Unbestritten aus heutiger Sicht ist, dass der Grundstein hierfür bereits beim Kalb gelegt wird. Aus aktuellen Kälberaufzuchtversuchen im Versuchs- und Bildungszentrum Landwirtschaft Haus Riswick können einige wichtige Konsequenzen für die Praxis abgeleitet werden.

Optimierung der Tränkeintensität
Häufig wird anstelle von Vollmilch eine Milchaustauscher-Tränke (MAT) in der Kälberaufzucht verwendet. Vor dem Hintergrund des auf die Verdauung von Vollmilch ausgerichteten Enzymsystems der Kälber geht die derzeitige Empfehlung hin zum Einsatz von hochwertigen MAT mit etwa 40 % Magermilchpulver-Anteil. Versuche mit Aufzuchtkälbern ab der 2. Lebenswoche in Gruppenhaltung am Tränkeautomaten haben gezeigt, dass eine Anhebung der Tränkekonzentration von 125 g MAT/l Wasser auf 160 g MAT/l Wasser zu einer Steigerung der täglichen Zunahmen um ca. 100 g je Tier führt. Über die 5-wöchige Haupttränkephase (6 Liter Tränke täglich) hinaus war eine bessere Entwicklung der Kälber zu beobachten. Noch deutlicher waren die Effekte einer höheren Tränkemenge von 10 Litern täglich im Vergleich zu 6 Litern, jeweils mit der Konzentration von 160 g MAT/l Wasser. Am Tränkeautomaten konnten hierdurch bei Kälbern von Beginn der 2. Lebenswoche an über 5 Wochen bis zum Beginn des Abtränkens die täglichen Zunahmen um 200 g auf etwa 750 g verbessert werden. Es bleibt also festzustellen, dass eine gesteigerte Versorgung mit MAT zu höheren tierischen Leistungen führt. Von besonderer Bedeutung ist dieser Aspekt immer dann, wenn die Kälber erhöhten Belastungen ausgesetzt sind, wie z.B. einer Umstallung in die Gruppe, einem Wechsel des Tränkesystems oder auch durch das Enthornen. Einige Richtwerte zur Energieversorgung von Aufzuchtkälbern für verschiedene Zunahmeniveaus sind in Tabelle 1 dargestellt.

Beifütterung und Kontrolle des Absetzzeitpunkts
Neben einer optimalen Entwicklung durch passende Tränkeversorgung ist es Ziel der Kälberaufzucht in den ersten Lebenswochen, bei dem Jungtier den Übergang vom Monogastrier zum Wiederkäuer optimal zu fördern. Grundsätzlich muss den Kälbern ab dem 8. Lebenstag nach den Vorgaben der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung Grobfutter oder sonstiges rohfaserreiches, strukturwirksames Futter angeboten werden. Je nach Verfügbarkeit bieten sich im Betrieb verschiedene Futtermittel an. Aufgrund der geringen Futteraufnahmen in den ersten Lebenswochen und der Anfälligkeit für Nacherwärmung sollte mit der Fütterung hygienisch einwandfreier Silagen (Gras und Mais) erst in der zweiten Hälfte der Tränkephase begonnen werden.

Im Versuchsbetrieb Haus Riswick wurden verschiedene Fragestellungen zur Beifütterung der Kälber bearbeitet. In früheren Versuchen erfolgte die Beifütterung in der Regel über Kuhmischrationen, die auf etwa 25 kg Milch ausgelegt waren. Gegenüber dieser Kontrolle wurden wiederholt Trockenmischrationen aus Stroh und pelletiertem Kälberkraftfutter getestet, die nach Volumen im Verhältnis 1:1 gemischt waren. In diesen Mischungen liegt nach Gewicht der Schwerpunkt auf dem Kraftfutter. Die Trockenmischration wurde von jungen Kälbern früher akzeptiert und in höheren Tagesmengen aufgenommen. Bis zum 70. Versuchstag lagen die Trockenmasseaufnahmen aus Trockenmischration um 3 kg je Tier und Tag und damit etwa 0,5 kg höher als bei den mit Kuhration gefütterten Kälbern (Abb. oben).


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Ist eine Teilnahme an der Initiative Tierwohl für Schweinemäster kostendeckend?

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Im aktuellen Band 98 der „Berichte über Landwirtschaft“, einer vom BMEL herausgegebenen Fachzeitschrift, erschien eine Literaturstudie zur „betriebswirtschaftlichen Bewertung von Maßnahmen zur Steigerung des Tierwohls am Beispiel der Initiative Tierwohl aus der Perspektive konventioneller Schweinemäster“. Anhand zahlreicher wissenschaftlicher Quellen bewertet das Autorinnen-Trio Sirkka Schukat, Theresa Ottmann und Heinke Heise, ob sich die ITW für Schweinemäster rechnet. Das Fazit der Forscherinnen von der Universität Göttingen lautet:

„Es konnte festgestellt werden, dass auf Basis der durchschnittlichen Mehrkosten, die anhand der auf Einzelkriterien basierten Kostenangaben der verschiedenen Autoren ermittelt wurden, die Boni der derzeitigen ITW-Kriterien keinen positiven Kostenausgleich schaffen. Dies gilt unabhängig davon, welche Maßnahmenkombinationen gewählt werden. Die Ergebnisse verdeutlichen weiterhin, dass die Kostenwirkung multifaktoriell bedingt ist, was eine angemessene Festsetzung der Vergütungssätze erschwert. Es zeigt sich, dass eine einzelbetriebliche Analyse ausschlaggebend und zugleich unausweichlich ist, um als Landwirt entscheiden zu können, ob sich eine Teilnahme an der ITW ökonomisch rentiert.“

Dementsprechend empfehlen die Autorinnen: „Wenngleich die Literatur gute Anhaltspunkte bietet, sollte ein Schweinemäster die Kosten von und die Erträge für Tierwohlmaßnahmen doch auch selber auf der Grundlage der individuellen Gegebenheiten seines Betriebes ermitteln. Erst damit sichert er seine unternehmerischen Entscheidungen fundiert ab.“

Kontakt:
Sirkka Schukat, Theresa Ottmann und Heinke Heise
M. Sc. Sirkka Schukat
Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung
Georg-August-Universität Göttingen
Platz der Göttinger Sieben 5
37073 Göttingen
E-Mail: sirkka.schukat@uni-goettingen.de

Die vollständige Studie steht hier zum Download bereit.

Abgabe an Antibiotika in der Tiermedizin sinkt weiter

Mengen für Fluorchinolone und Cephalosporine der 3. und 4. Generation auf niedrigstem Wert seit 2011

Die Menge der in der Tiermedizin abgegebenen Antibiotika in Deutschland ist im Jahr 2019 erneut zurückgegangen. Sie sank im Vergleich zum Vorjahr um 52,2 auf 670 Tonnen (minus 7,2 %) und erreichte damit das niedrigste Niveau seit der ersten Erfassung im Jahr 2011 mit 1.706 Tonnen. Das entspricht einem Rückgang in diesem Zeitraum von 60,7 %. Dies teilt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) mit, das die Daten ausgewertet hat. Erfreulich ist vor allem, dass die abgegebenen Mengen der für die Therapie beim Menschen besonders wichtigen Fluorchinolone sowie Cephalosporine der 3. und 4. Generation auf den niedrigsten Wert seit 2011 sanken.

Die Abgabemenge der Fluorchinolone ist im Vergleich zum Vorjahr um ca. 1,7 Tonnen (t) gesunken, die der Cephalosporine der 3. und 4. Generation um 0,5 t. Bei diesen Wirkstoffklassen gab es damit insgesamt eine deutliche Reduzierung. Es kann vermutet werden, dass die Änderungen der Tierärztlichen Hausapothekenverordnung (TÄHAV) hierfür mitverantwortlich sind. Die TÄHAV schreibt seit dem 1. März 2018 vor, dass bei der Anwendung von Fluorchinolonen und Cephalosporinen der 3. und 4. Generation ein Empfindlichkeitstest für Bakterien nach standardisierten Verfahren durchzuführen ist. Dieser Test ermöglicht eine Aussage darüber, ob das vorgesehene Antibiotikum überhaupt wirksam sein kann.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 670 t Antibiotika von pharmazeutischen Unternehmen und Großhändlern an Tierärzte in Deutschland abgegeben. Die Hauptabgabemengen bildeten wie in den Vorjahren Penicilline mit etwa 264 t und Tetrazykline mit etwa 140 t, gefolgt von Polypeptidantibiotika (Colistin) mit 66 t und Sulfonamiden (59 t) sowie Makroliden (57 t). Bei allen von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Wirkstoffe mit besonderer Bedeutung für die Therapie beim Menschen eingestuften Antibiotikaklassen (Highest Priority Critically Important Antimicrobials for Human Medicine) wurde im Vergleich zum Vorjahr eine Reduktion erreicht (Cephalosporine der 3. und 4. Generation: -0,5 t; Fluorchinole: -1,7 t, Makrolide: -2 t; Polypeptide: -8 t).

Die gemeldeten Wirkstoffmengen lassen sich nicht einzelnen Tierarten zuordnen, da die Mehrzahl der Wirkstoffe für die Anwendung bei verschiedenen Tierarten zugelassen ist.

Von 2011 bis 2019 hat die Menge an abgegebenen Antibiotika in fast allen Regionen abgenommen. Absolut gesehen ist in der Postleit-Region 49 weiterhin mit Abstand die höchste Abgabemenge (ca. 276 t) zu verzeichnen. Für den Erfassungszeitraum von neun Jahren wurden für die Postleit-Regionen 01, 03, 07, 08, 09, 14, 16, 17, 18, 19, 23, 25, 27, 29, 31, 32, 33, 34, 36, 37, 38, 39, 44, 46, 48, 49, 56, 59, 77, 86, 89, 93, 94, 97 sowie 99 Abnahmen von 60 % und mehr berechnet.

Der Einsatz von Tierarzneimitteln, zum Beispiel Antibiotika, dient dem Ziel, kranke Tiere zu behandeln und damit die Tiergesundheit und den Tierschutz zu fördern. Der Einsatz ist gleichermaßen auf den Schutz des Verbrauchers vor Zoonosen (auf Menschen übertragbare Tierkrankheiten) und vor gesundheitsgefährdenden Lebensmitteln ausgerichtet.

Die Resistenz von Bakterien gegen Antibiotika stellt eine globale Bedrohung in der Human- und Veterinärmedizin dar. Der Transfer von antibiotikaresistenten Bakterien und/oder der Transfer von Resistenzgenen zwischen Mensch und Tier sind wechselseitig möglich.

Hintergrund
Seit dem Jahr 2011 muss die pharmazeutische Industrie erfassen, welche Mengen an Tierarzneimitteln, insbesondere Antibiotika, sie jährlich an Tierärzte abgeben, und diese Daten an ein zentrales Register melden. Grundlage dafür ist die DIMDI-Arzneimittelverordnung (DIMDI-AMV) vom 24. Februar 2010. Das Register wird seit Mai 2020 beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn geführt, zuvor war das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) zuständig. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in Berlin nimmt die jährliche Auswertung der Daten vor.

Quelle: Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)

Neuheit: Dairy Scratchy – die Kratzmatte von Bioret-Agri für mehr Tierwohl im Stall

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Die Dairy Scratchy von Bioret-Agri steigert nachweislich das Wohlbefinden von Kühen. Die einfache, aber bis ins Detail durchdachte Lösung für das Bedürfnis von Kühen nach Körperpflege bringt maximalen Nutzen in den Stall. Die 1500mm x 500mm große und 32mm starke Gummimatte ist zu zwei Dritteln mit starken Noppen versehen. Das Material, Neugummi SBR mit reißfester Gewebeeinlage, ist qualitätsgeprüft und brandklassifiert.

Die festen Gumminoppen reinigen durch ihr innovatives Design und ihre Anordnung beim Scheuern der Kuh das Fell und lösen auch hartnäckige Verkrustungen von der Körperoberfläche. Sie massieren die Muskulatur und regen damit die für Milchkühe wichtige Durchblutung an. Die Diary Scratchy trägt so insgesamt maßgeblich zur regelmäßigen Fell- und Hautpflege bei und fördert damit die allgemeine Tiergesundheit und das Tierwohl. Durch die flexible Anbringung der Matte, ob flächig an der Wand, zylindrisch oder quadratisch, vertikal oder horizontal, kann die Kuh viele unterschiedliche Körperstellen erreichen.

Je nach Anbringung deckt die Diary Scratchy scharfe Kanten ab und beugt damit Verletzungen der Tiere vor. Gleichzeitig kann sie Gebäude- oder Stalleinrichtungsoberflächen vor Beschädigungen schützen. Die Installation der Kratzmatte ist in allen Gebäuden ohne Aufwand möglich.

Eine Montageanleitung und zwei Befestigungsleisten werden mitgeliefert.
Dairy Scratchy benötigt keinen Strom und dementsprechend keine Wartung.
Sie ist leicht zu reinigen und auch zu desinfizieren.

„Die Wirkung von Diary Scratchy ist immer wieder verblüffend. Mit minimalem Aufwand können Tierhalter ein großes Plus an Tierwohl erzielen. Das hilft den Tieren, aber auch ihnen in ihrer Arbeit“, fasst Uwe von Briel, Verkaufsleiter von Bioret-Agri im deutschsprachigen Raum, zusammen.

Bioret-Agri ist ein französisches Familienunternehmen, das sich auf Kuhkomfort spezialisiert hat. Es wurde 1993 von Milchviehhalter Alain Bioret in der südlichen Bretagne und damit im Zentrum der Milcherzeugung Frankreichs gegründet. Seit 2007 wird das Unternehmen von Jean-Vincent Bioret geführt. Die Innovationen von Bioret-Agri sind preisgekrönt. Allein die Dairy Scratchy wurde schon kurz nach Markteintritt in 2019 mit drei internationalen Messepreisen ausgezeichnet.

Mehr in der interaktiven Website

Kontakt: Uwe von Briel, Leiter Verkauf und Marketing DACH Jahnstraße 13, 34454 Bad Arolsen, +49 163/ 302 11 74 uvonbriel@bioret-agri.com, www.bioret-agri.com

Quelle: Bioret Agri
Zone industrielle de la Sangle
44390 Nord-sur-Erdre
Frankreich

Die Kuh-Klaue, wie ein „Kunstwerk“ hegen und pflegen

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René Pijl, der bekannte Klauenpfleger aus Jever, hat ein Buch geschrieben – natürlich über die Kuhklaue. Von den verschiedenen Klauenkrankheiten, über Management, Weidegang bis zum Stallboden behandelt der Autor alle Faktoren, die die Klauengesundheit beeinflussen können.

Die Hauptaufgabe des Klauenpflegers, schreibt René Pijl im Vorwort, „besteht darin, alles Wissen über Klauengesundheit und Klauenleiden zu sammeln und auf dieser Basis zu versuchen, der Kuh ein gesundes und problemloses Leben zu ermöglichen. Sich vorzustellen, dass sie sich möglichst schmerzfrei bewegen kann, ist doch eine schöne Option. Vergesst nicht, dass wir als Pfleger nur ein kleines Teil vom Rad sind und der Kuh nur einen Schubs geben können in die richtige Richtung gesund zu bleiben. Und mit unserer Hilfe und Unterstützung können wir dazu beitragen, dass dieses Vorhaben gelingt. Wir geben den Anstoß, die Kuh macht als „Künstlerin“ alles Weitere selbst.“

Auf der Homepage des Niederländers sind Inhaltsverzeichnis und Vorwort zu finden. Dort kann das über 300 Seiten starke Werk auch für € 39,90 direkt bestellt werden.

Schweinehaltungen als Reservoir für neue Grippeviren – Studie von FLI und Partnern findet Viren mit präpandemischem Potenzial

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Schweinehaltungen bilden wichtige Reservoire für eine zunehmende Anzahl diverser Influenzaviren, die teilweise auf den Menschen übergehen können und möglicherweise präpandemisches Potenzial besitzen. Dass dies auch auf die Situation in europäischen Haltungen zutrifft, zeigt eine umfangreiche Studie, die das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) und das Universitätsklinikum Freiburg federführend mit weiteren Partnern in einem von der CEVA Tiergesundheit GmbH unterstützten Forschungsprojekt durchführten. Hierzu wurden mehr als 18.000 Einzelproben aus annähernd 2.500 schweinehaltenden Betrieben mit Atemwegserkrankungen bei Schweinen in Europa untersucht. Diese Studie wurde heute im renommierten Fachmagazin „Cell Host & Microbe“ veröffentlicht.

Schweine eignen sich hervorragend für die Vermehrung und Neusortierung von Influenzaviren die vom Mensch, Schwein oder Vogel stammen. Der Erreger der letzten menschlichen Grippepandemie Influenza A(H1N1)/2009 fand bereits 2009 Eingang in die Schweinepopulationen Europas und hat nach den Erkenntnissen der Studie eine herausragende Bedeutung für das stark anwachsende Repertoire neuartiger Virusvarianten im Schwein. Untersucht wurden Schweinehaltungen in Deutschland sowie weiteren 16 europäischen Ländern. In mehr als der Hälfte der untersuchten Betriebe wurden ganzjährig Influenzavirusinfektionen gefunden. Während vier Influenzaviruslinien mit unterschiedlicher geographischer Verteilung in den Schweinepopulationen Europas dominieren, entstehen daraus zunehmend neue Virusvarianten.

Ein Fokus der Studie war die Untersuchung von möglichen zoonotischen Eigenschaften dieser Viren, also deren mögliches Übertragungspotential auf den Menschen: Die detaillierte Analyse der Ähnlichkeiten zu humanen Viren und die Übertragungseigenschaften in Frettchen, einem Tiermodell für humane Influenza, zeigten, dass einige Varianten über zoonotisches Potential verfügen.

Weitere Viren erwiesen sich als resistent gegen einen wichtigen Bestandteil der humanen Virenabwehr: „Einige der Schweine-Influenza-Viren haben bereits eine wichtige Barriere für die Übertragung auf den Menschen überwunden. Das erhöht das Risiko deutlich“, sagt Prof. Dr. Martin Schwemmle vom Universitätsklinikum Freiburg.

Aktuelle Kenntnisse zur Infektionslage, verbesserte Bekämpfungsstrategien sowie die Optimierung von Impfstoffen für Schweine gegen Influenzaviren können wesentlich zu einem gesteigerten Tierwohl beitragen und wirtschaftliche Einbußen in der Schweineproduktion vermindern. Gleichzeitig würde ein Rückgang der Influenzaviren in Schweinebeständen eine Verringerung des Expositionsrisikos von Menschen gegenüber potentiell zoonotischen Influenzaviren aus diesem Reservoir bewirken. „Der vielbeschworene `One Health-Gedanke´ ließe sich gerade hier erfolgversprechend in praktische Projekte zum gegenseitigen Nutzen von Mensch und Tier umsetzen“, sagt Prof. Dr. Timm Harder vom Friedrich-Loeffler-Institut.

Studie
Surveillance of European domestic pig populations identifies an emerging reservoir of potentially zoonotic swine influenza A viruses
Cell Host & Microbe Link

Quelle: Friedrich-Loeffler-Institut

Eutergesundheit: Tier – Mensch – Maschine: Alles im Griff?

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Von Dr. Heike Engels

Auf der Fortbildungsveranstaltung, die Boehringer Ingelheim kurz vor der Corona-Pandemie für Rindertierärzte veranstaltete, gab es ein spannendes Update zum Themenkomplex Mastitis. Da die Veranstaltung aufgrund des sich ausbreitenden Corona-Virus nicht an allen Standorten in Deutschland mehr durchgeführt werden konnte, transportiert „Der Hoftierarzt“ die wichtigsten Informationen an die Rinderhalter und Tierärzte.

Leider tritt die Eutererkrankung Mastitis noch immer sehr häufig in nahezu jedem Milchviehbetrieb weltweit auf und führt zur Beeinträchtigung des Wohlbefindens der Kühe sowie zu wirtschaftlichen Einbußen. Seit einiger Zeit ist aufgrund der globalen Antibiotikaminimierungsstrategie die Vorbeugung und Therapie von Eutererkrankungen neu zu überdenken. Bestimmte Antibiotika dürfen nur noch in Sonderfällen eingesetzt werden, jeder Antibiotikaeinsatz muss gut begründet sein. Neue technische Möglichkeiten, z.B. die steigende Nutzung von Melkrobotern, sollten den Blick nicht weg vom Tier lenken.

Prof. Holm Zerbe, LMU

Es braucht neue Wege zur Therapie und Prophylaxe der Mastitis, wie Prof. Holm Zerbe von der Klinik für Wiederkäuer der LMU München in seinem Vortrag deutlich machte. Impfstrategien zeigten hier bisher leider nicht den erwarteten Erfolg, obwohl die Mastitis-Inzidenz sowie die Milchzellzahlen durchaus mit der Impfung gesenkt werden können. Die Neuinfektionsrate allerdings konnte nicht reduziert werden. Außerdem gilt die Impfung als kompliziert und zeitaufwändig. Das liege daran, dass im Euter die angeborene Immunität dominiere und nicht die adaptive. Systemische oder lokale Immunmodulatoren wären eine gute Möglichkeit, müssten aber auch erst entwickelt werden, denn bestehende Immunstärkungsmittel hätten nicht den erwarteten Erfolg gebracht. Eventuell könnten auch bestimmte Futtermittelzusatzstoffe wie z.B. Hefen, B- und E-Vitamine, Selen, Kieselgur oder Reishülsen bei der Mastitistherapie helfen, auch hier ist aber noch großer Forschungsbedarf nötig.

Mastitisgefahr in Trockenstehzeit
Doch in welchem Laktationsstadium finden sich die meisten Mastitisfälle? Die meisten intramammären Infektionen finden laut Prof. Zerbe rund um das Trockenstellen und um die Geburt statt. Doch leider wurde bisher hauptsächlich das laktierende Euter untersucht, wenn es um das Auftreten von Mastitis und das Immunsystem des Euters geht. Die Kenntnisse zum Immunsystem des trockenstehenden Euters sind dagegen noch sehr begrenzt. Die Milchdrüsenepithelzelle übernimmt neben der Milchproduktion wichtige Abwehrfunktionen: Erregererkennung, Entzündungsmodulation, antimikrobielle Aktivität. Während der Laktation liefere die Milch genügend Nährstoffe für eine starke bakterielle Vermehrung, so Prof. Zerbe. Die Trockenperiode unterstütze durch das Versiegen der Milch demnach die Pathogeneliminierung und Heilung.

Das größte Risiko für Mastitis bestehe kurz nach der Abkalbung, weil sich durch den Milcheinschuss die Zitzen öffnen und so Erreger eindringen können. Der Zitzenkanal spielt eine entscheidende, nicht nur eine mechanische Rolle bei der Abwehr einer Infektion. Gleichzeitig kommen die Erreger wieder hervor, die während der Trockenstehzeit im Euter „überwintert“ haben. Denn während der Trächtigkeit scheint das Immunsystem Erreger im Euter nicht anzugreifen, es wirkt gedämpft und toleriert Erreger. Außerdem fehlt in der Trockenstehzeit der Spüleffekt durch das Melken. Durch die Geburt ist das Immunsystem weiter beansprucht und noch auf „Toleranz“ programmiert – jetzt können über einen lädierten Darm Erreger ins Blut und anschließend auch ins Euter gelangen. Erst nach einer Umstellungsphase ist das Immunsystem im Euter dann wieder auf Erregereliminierung – auch durch Entzündungsreaktionen – eingestellt.

Das Ziel der Trockenstelltherapie müsse es also sein, Neuinfektionen zu vermeiden und die bestehenden intramammären Infektionen zu eliminieren. Wenn man die erkrankten Tiere ganz zu Beginn der Infektion erkennt und behandelt, brauche man oft noch keine Antibiotika. Antiphlogese, also die Linderung von Schmerzen mittels Entzündungshemmern, sei extrem wichtig, manchmal sogar wichtiger als die Antibiose selbst. Denn nicht nur der Kuh gehe es besser, sondern die NSAIDs würden die Zellzahlen senken, weil sie die Entzündungsreaktion abmildern, und in der Folge reduzieren sich Fieber und Schmerzen sowie Gewebeschäden.

Zukünftig mehr individuelle Therapien

Dr. Ulrike Exner, Boehringer Ingelheim

Dr. Ulrike Exner, Tierärztin bei Boehringer Ingelheim, betrachtete die Zukunft der Mastitistherapie. Neue Wirkstoffe bei Antibiotika seien nicht zu erwarten, deshalb sei die Vorbeugung der Erkrankung wichtiger denn je. Eine Möglichkeit sei der Einsatz eines Zitzenversieglers zum Trockenstellen. Neue Studien zum Mikrobiom ließen vermuten, dass die physische Barriere, die durch den Einsatz eines internen Zitzenversieglers entsteht, den Erhalt einer für Kommensalen im Euter vorteilhaften Umgebung unterstützt. Dadurch könne sich das Mikrobiom im Euter über die Trockenstehzeit stabilisieren und sei weniger anfällig für negative Keimverschiebungen. Immer wichtiger werde auch das individuelle Entscheiden abhängig von Zellzahl, Mastitishistorie und beteiligten Erregern, welche Kuh wie behandelt werden müsse. Genauso individuell sei auch die Entscheidung beim Trockenstellen zu treffen, Stichwort selektives Trockenstellen. Tierärzte sollten mit ihren Landwirten über das Trockenstellmanagement sprechen. Ein möglicher Gesprächseinstieg sei hier zum Beispiel die Zellzahl in der Sammelmilch. Hat ein Betrieb über 150.000 Zellen je ml in der Sammelmilch, gelte er als Risikobetrieb für Mastitis. Werden dann noch kontagiöse Erreger wie Staph. aureus, Strep. agalactiae oder Strep. canis in der Herde nachgewiesen, ist eine Sanierungsstrategie mit antibiotischem Trockenstellen inklusive internem Zitzenversiegler für jede Kuh sinnvoll. Niedrigrisiko-Betriebe mit unter 150.000 Zellen je ml Sammelmilch dagegen könnten auf Einzelkuhebene selektiv trockenstellen, das bedeute auf Basis von festzulegender Diagnostik wahrscheinlich infizierte Kühe antibiotisch und mit Zitzenversiegler trocken zu stellen, die nicht infizierten Kühe aber nur mit einem Zitzenversiegler.

Leitkeim bestimmen
Eine Milchprobendiagnostikaktion, die Boehringer Ingelheim 2019 durchführte, ergab bei 1.321 Einsendungen, dass Strep. uberis, E. coli und coliforme Erreger, Staph. aureus, Strep. dysgalactiae und koagulase-negative Staphylokokken (KNS) die fünf wichtigsten Mastitiserreger sind – genauso wie bei einer vergleichbaren Aktion einige Jahre zuvor. Strep. uberis ist unverändert der am häufigsten nachgewiesene Erreger (23,6 %). Neu ist, dass Staph. aureus mit 11,4 % der Nachweise diesmal hinter E. coli und den coliformen Erregern (13,2 %) auf Platz 3 liegt.


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Niedersachsen, NRW und Brandenburg untersagen Langstrecken-Rindertransporte in Drittstaaten

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Das Umwelt- und Landwirtschaftsministerium von NRW verbietet bis auf Weiteres die Abfertigung von langen Rindertransporten in Drittstaaten und von langen Transporten nicht abgesetzter Kälber. Die Ergebnisse amtlicher Tiertransportkontrollen, fehlende valide Informationen über Versorgungsstationen in Drittstaaten, wiederholte Überschreitungen maximaler Transportzeiten und fehlende Tränkmöglichkeiten für Kälber auf Fahrzeugen belegen, dass einige Transporte nicht bis zum Bestimmungsort in Drittstaaten tierschutzkonform durchgeführt werden. Das Ministerium hat die Kreisordnungsbehörden angewiesen, Tiertransporte auf diesen Strecken vorerst nicht mehr zu genehmigen.

Bereits im Jahr 2015 stellte der Europäische Gerichtshof fest, dass die tierschutzrechtlichen Vorgaben der Europäischen Union zum Tiertransport bis zum Bestimmungsort einzuhalten sind, auch wenn dieser in einem Drittstaat liegt. Die Wirtschaft ist nun in der Pflicht, Konzepte für einen tierschutzkonformen Transport entsprechend den europarechtlichen Vorgaben auch in Drittstaaten sicherzustellen. Diese Konzepte müssen Grundlage für die zuständigen Veterinärbehörden sein, rechtskonforme Entscheidungen treffen zu können.

In der Vergangenheit hat das Land Nordrhein-Westfalen bereits konkrete Tierschutzanforderungen an lange Tiertransporte vorgegeben, die von den Veterinärämtern bei der Entscheidung über eine rechtskonforme und tierschutzgerechte Abfertigung von Rindertransporten zu beachten waren. Die Veterinärämter sind aber derzeit nur in der Lage, die Transportrouten und -bedingungen in Staaten innerhalb der EU auf Plausibilität hin zu überprüfen.

Nach aktuellen Erkenntnissen reicht dies nach Einschätzung des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz nicht aus, um die Rechtskonformität langer Transporte von Rindern in Drittstaaten sicherzustellen.

Staatssekretär Dr. Heinrich Bottermann: „Die zuständigen Veterinärämter müssen über validere Erkenntnisse zum konkreten Transport verfügen, um durch ihre Entscheidung einen europarechtskonformen Transport bis zum Bestimmungsort in einem Drittstaat sicherstellen zu können. Eine Transportabfertigung darf nur erfolgen, wenn so gut wie sicher und nachvollziehbar dokumentiert ist, dass die Tierschutzanforderungen auf der gesamten Strecke eingehalten werden.“

Niedersächsische Ministerin Otte-Kinast: „Entscheidung für den Tierschutz“
Das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium (ML) verbietet die Abfertigung von langen Nutztiertransporten in Drittländer. Das Ministerium hat die zuständigen Behörden am 23.7.2020 per Erlass angewiesen, Nutztiertransporte in Drittländer mit sofortiger Wirkung bis auf Weiteres nicht mehr zu genehmigen.

Agrarministerin Barbara Otte-Kinast kommentiert den Erlass: „Das ist eine Entscheidung für den Tierschutz. So lange bei den zuständigen Veterinärämtern zu wenig sichere Informationen vorliegen, dass die Tierschutzanforderungen auf der gesamten Strecke eingehalten werden können, so lange können wir keiner Abfertigung zustimmen.“

„Angesichts coronabedingter, schwer abschätzbarer Einschränkungen an Häfen, Grenzübergängen wie auch in Drittländern selbst kann eine rechtskonforme Durchführung von Straßen- oder Schiffstransporten in Drittländer nicht sichergestellt werden“, heißt es in dem Erlass.
Unter den derzeitigen Witterungsbedingungen und wegen der Coronapandemie geht das Ministerium davon aus, dass Transporte nicht bis zum Bestimmungsort in Drittstaaten tierschutz- und rechtskonform durchgeführt werden können.

Niedersachsen hat insbesondere seit September 2019 Erlasse mit konkreten Tierschutzanforderungen für lange Tiertransporte auf der Ost-Route sowie vor allem in die Maghreb-Staaten vorgeben, die von den Veterinärämtern bei der Entscheidung über eine rechtskonforme und tierschutzgerechte Abfertigung von Rindertransporten zu beachten sind.

Zur Thematik „Tiertransport“ wurde eine eigene Arbeitsgruppe in der „Niedersächsischen Nutztierstrategie – Tierschutzplan 4.0″ eingerichtet. Agrarministerin Barbara Otte-Kinast hat sich in mehreren Gesprächsrunden intensiv mit den niedersächsischen Rinderzuchtverbänden und Transportunternehmen ausgetauscht. Sie sieht die Wirtschaft in der Pflicht, Konzepte für einen tierschutzkonformen Transport mit hohen Standards entsprechend der europarechtlichen Vorgaben und im Sinne des Tierwohls auch darüber hinaus bis zum Bestimmungsort in Drittländern sicherzustellen.

Bereits im Jahr 2015 erklärte der Europäische Gerichtshof, dass die tierschutzrechtlichen Vorgaben der Europäischen Union zum Tiertransport bis zum Bestimmungsort einzuhalten sind, auch wenn dieser in einem Drittland liegt.

Brandenburg setzt Tiertransporte in Drittländer aus
In den Medien und durch Tierschutzorganisationen wurden erneut Missstände bei langen Tiertransporten in Drittstaaten aufgezeigt. Bis zur Klärung der erhobenen Vorwürfe werden die Landkreise Oberspreewald-Lausitz, Teltow-Fläming und Prignitz keine Rinderttiertransporte in Drittstaaten mehr abfertigen. Das wurde mit dem Verbraucherschutzministerium abgestimmt.

Dazu erklärt Verbraucherschutzministerin Ursula Nonnemacher heute: „Wir werden diese Missstände nicht hinnehmen. Tiertransporte können nur in dem Maße durchgeführt werden, in dem diese unbedingt erforderlich sind und wenn sie vollumfänglich nach den Vorgaben des Tiertransportrechts erfolgen. Das Tierleid müssen wir endlich beenden. Transporteure müssen das Tierwohl bei Transporten nachweislich sicherstellen. Ansonsten sind keine Tiertransporte möglich.“

Brandenburg hat bereits im März des Jahres die Anforderung an die Abfertigung von langen, grenzüberschreitenden Tiertransporten verschärft. „Wir werden die Anforderungen an die Plausibilitätsprüfung bei der Abfertigung von Tiertransporten unter den uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, ohne eine Rechtsetzungskompetenz des Landes zu besitzen, weiter erhöhen“, so Nonnemacher.

Unmittelbar nach der Regierungsbildung und darüber hinaus haben wir das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft mehrfach gebeten, die rechtlichen Grundlagen für die Tiertransporte zu verbessern sowie insbesondere die Außenvertretungskompetenz des Bundes wahrzunehmen, und für die Validität und Zuverlässigkeit der Daten für Pausen- und Versorgungsstellen in Drittstaaten Sorge zu tragen.

Auch im Rahmen der diesjährigen Verbraucherschutzministerkonferenz wurde auf Antrag von Brandenburg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Berlin das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft aufgefordert, die rechtlichen Vorgaben zur Durchführung von Tiertransporten zu verbessern. Insbesondere wurden durch die Verbraucherschutzministerinnen und -minister folgende Forderungen beschlossen:

– umfassende Überarbeitung der Tiertransportverordnung
– EU-weite Begrenzung der Schlachttiertransporte auf 8 Stunden
– Einführung von Verpflichtung, dass Tierärzte an Bord der zum Transport lebender Tiere vorgesehenen Schiffe den Transport begleiten
– Einrichtung von Kontaktstellen in Drittstaaten nach dem Vorbild der EU
– Kontrolle und Zertifizierung von Transportrouten einschließlich der Versorgungsstationen in Drittländern durch eine unabhängige Stelle
– Erstellung einer Übersicht über die in Drittstaaten für Tiertransporte erforderliche und geeignete Infrastruktur
-m Vereinbarung mit Drittstaaten, das die Versorgungsstellen von den vor Ort zuständigen Veterinärbehörden zugelassen werden

Quellen: Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen; Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz; Ministerium für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg

Umweltfreundliche Netze für die Fischzucht

Auf Oberflächen im Wasser siedeln sich schnell Organismen an. Gegen das sogenannte Biofouling entwickeln CAU-Forschende eine Schutzbeschichtung, die ohne umweltschädliche Bestandteile auskommt und somit auch in der Aquakultur eingesetzt werden könnte

Weltweit werden immer mehr Süßwasser- und Meeresfische in Teichen, Zuchtbecken und Netzgehegen gezüchtet. Als Alternative zur Überfischung der Meere gestartet, stammt nach Angaben des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen heute jeder zweite Fisch für den Verzehr aus solchen Aquakulturen. Die verwendeten Netze werden häufig mit kupferhaltigen Anstrichen beschichtet, um eine starke Ansiedelung von Algen, Muscheln oder Seepocken zu verhindern. Diese Anstriche geben jedoch schädliche Bestandteile ins Wasser ab. Um das zu vermeiden, entwickeln Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom Institut für Materialwissenschaft der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) eine umweltfreundliche Netzbeschichtung. Die ersten Ergebnisse aus Langzeittests in einer Kieler Fischzuchtanlage zeigen, dass das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) geförderte Projekt einen Beitrag zur nachhaltigeren Aquakultur leisten könnte. Die Beschichtung ist bereits zum Patent angemeldet, mit weiteren Praxispartnern soll das Projekt nun ausgeweitet werden.

Angesiedelte Organsimen mussten bislang aufwendig entfernt werden
In kürzester Zeit siedeln sich auf Netzen, die in der Fischzucht eingesetzt werden, Mikro- und Makroorganismen wie Algen, Muscheln oder Seepocken an. „Dieser Bewuchs ist hartnäckig und macht die Netze schwerer. Dadurch könnten sie reißen und wir unseren Fischbestand verlieren“, erklärt Meeresbiologin Dr. Yvonne Rößner. Nach ihrer Promotion an der CAU übernahm sie zusammen mit Sophie Bodenstein einen Zuchtbetrieb für Lachsforellen in der Kieler Förde. „Außerdem verringern die zugewachsenen Maschen den Nährstoffaustausch, was die Gesundheit unserer Fische gefährdet.“ Deshalb ziehen sie alle paar Tage die Netze aus dem Wasser und lassen sie durch Wind und Sonne trocknen. „Das ist zeitaufwendige und kräftezehrende Handarbeit, aber dadurch können wir komplett auf die chemische Behandlung unserer Netzgehege verzichten“, beschreibt Rößner, wie sie die Risiken des Biofoulings minimieren.

Hartnäckiger Bewuchs verlangsamt auch Schiffe und erhöht Ausstoß klimaschädlicher Abgase
Selbst aus der Wissenschaft stellen die beiden Fischzüchterinnen gerne einen Teil ihrer ungenutzten Netzgehege für das Biofouling-Forschungsprojekt aus der Arbeitsgruppe „Funktionale Nanomaterialien“ der CAU zur Verfügung. Für die Entwicklung einer Netzbeschichtung, die ohne schädliche Bestandteile auskommt, können die Materialwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler auf Erfahrungen mit einem umweltfreundlichen Lacksystem für Schiffe zurückgreifen. Denn mit Biofouling haben weltweit auch Frachter und Sportboote zu kämpfen. Der starke Bewuchs mit Marineorganismen verringert ihre Geschwindigkeit und erhöht die Reinigungskosten sowie den Treibstoffverbrauch und damit auch die Emission klimaschädlicher Abgase.

Dagegen hat das Kieler Forschungsteam bereits einen Anstrich aus einem Polymerkomposit mit speziell geformten Keramikpartikeln entwickelt. Es sorgt für eine extrem glatte Oberfläche, an der Organismen nur schwer haften. Ein zweijähriger, erfolgreicher Praxistest brachte den Schiffsanstrich aus Kiel bis an die Küste von Zentralafrika. „Schon bald wurden wir angesprochen, ob unsere Schiffsbeschichtung nicht auch auf Fischnetzen funktioniert“, sagt die Technische Biologin Dr. Martina Baum, die das Forschungsprojekt leitet.

Kooperationsprojekt bringt Anti-Haft-Beschichtung vom Labor in die Praxis
Seitdem entwickeln sie ihre Schiffsbeschichtung für Fischzuchtnetze weiter. Gemeinsam mit dem Netzhersteller Walter Kremmin GmbH & Co. KG untersuchen sie, wie unterschiedliche Zusammensetzungen ihres Polymerkomposits auf handelsüblichen Netzen wirken und sich dort am besten auftragen lassen. „Durch die Kooperation mit dem Kieler Fischzuchtbetrieb können wir sie jetzt außerdem unter realen Bedingungen wie UV-Einstrahlung und Wasserströmung testen“, sagt Baum. Für Langzeittests beschichteten sie zwei Arten von Netzen mit verschiedenen Materialzusammensetzungen und hängten sie unterschiedlich tief in die Kieler Förde.

Insgesamt rund 400 Proben haben sie bislang getestet, nach einem Jahr liegen nun erste Langzeitergebnisse vor. „Die Organismen auf unseren beschichteten Testnetzen lassen sich sehr leicht mit der Hand abwischen“, erklärt Haoyi Qiu, Projektmitglied und Doktorand am Institut für Materialwissenschaften der CAU. „Das hängt aber auch von der Dicke unserer Beschichtung ab. Tragen wir zu viel auf, werden die Netze zu schwer und könnten reißen“, so ein Zwischenfazit des Materialwissenschaftlers.

Beschichtung soll für internationale Netztypen weiterentwickelt werden
Am Ende soll die Beschichtung in verschiedenen Ökosystemen weltweit gleichgut gegen Bewuchs wirken. Im Idealfall werden die Mikroorganismen und Larven durch die Wasserströmung sofort wieder abgetragen und können sich so gar nicht erst auf den Netzen ansiedeln, so das Ziel. „Mit weiteren Industrie- und Praxispartnern wollen wir unsere Beschichtung für verschiedene nationale und internationale Netztypen und Wasserumgebungen weiterentwickeln“, sagt Baum. Um sie in einem größeren Maßstab für die industrielle Anwendung herzustellen, arbeiten sie mit der Phi-Stone AG, einer Ausgründung der CAU, zusammen. Ein Patent für die Beschichtung hat das Team bereits angemeldet.

Das Projekt „CleaNet – Fouling-Release-Beschichtung für Aquakulturnetze“ wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) im Rahmen des Zentralen Innovationsprogramm Mittelstands (ZiM) gefördert. Die Projektleitung liegt bei der CAU, weiterer Projektpartner ist die Mechanische Netzfabrik Walter Kremmin GmbH & Co. KG aus Oldenburg.

Quelle: Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Gute Nachricht: Wolfsbarsch lagert kaum Mikroplastik im Muskelgewebe ein

Forschende des Alfred-Wegener-Institutes, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) haben in einer neuen Laborstudie getestet, wie viele Mikroplastikpartikel im Muskelgewebe junger Wolfsbarsche eingelagert werden, wenn diese vier Monate lang mit einem Futtermittel gefüttert werden, welches extrem viele Mikroplastik-Teilchen enthält. Die Ergebnisse geben zumindest für diesen Speisefisch Entwarnung: Nur extrem wenige der aufgenommenen Plastikpartikel gelangten tatsächlich in die Fischfilets. Der überwiegende Teil des gefressenen Plastiks wurde von den Wolfsbarschen wieder ausgeschieden. Die Wissenschaftler deuten diese Beobachtungen als erstes Indiz dafür, dass der Verzehr von Fischfilet für Menschen auch dann unbedenklich sein kann, wenn Fische in ihrem Leben einer extremen Mikroplastikverschmutzung ausgesetzt waren. Ihre Studie ist jetzt in der Juli-Ausgabe des Fachmagazins Marine Pollution Bulletin erschienen.

Fische sind mittlerweile in jedem ihrer Lebensräume Mikroplastikpartikeln ausgesetzt – in Seen, Flüssen und Meeren ebenso wie in Aquakulturhaltung. Und man weiß, dass die Tiere die winzigen Kunststoffreste zusammen mit ihrer Nahrung aufnehmen. In der neuen Laborstudie, durchgeführt im Zentrum für Aquakulturforschung des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven, haben Forschende jetzt erstmal untersucht, wie viele der gefressenen Plastikteilchen vom Darm des Wolfsbarschs in den Blutkreislauf gelangen und anschließend im Muskelgewebe eingelagert werden. „Diese Frage ist für uns Menschen vor allem deshalb relevant, weil wir in der Regel nicht den ganzen Fisch einschließlich aller Innereien verzehren, sondern vor allem seine Filets“, sagt Dr. Sinem Zeytin, AWI-Biologin und Erstautorin der neuen Studie.

Für das Laborexperiment wurden junge Europäische Wolfsbarsche (Dicentrarchus labrax) 16 Wochen lang mit Pellets aus Fischmehl, Weizenkleie, Vitaminen und Fischöl gefüttert, denen die Wissenschaftler ein Pulver aus gelb-orangefarbenen fluoreszierenden Mikroplastikpartikeln beigemischt hatten. Die Teilchen besaßen einen Durchmesser von einem bis fünf Mikrometer (der tausendste Teil eines Millimeters) und gehörten damit in die kleinste Größenordnung des Mikroplastiks. Im Laufe des Experiments fraß jeder Wolfsbarsch etwa 163 Millionen dieser mikroskopisch winzigen Kunststoffperlen. Nach Beendigung des Fütterungsexperiments filetierten die Forschenden die Fische, um deren Partikelgehalt zu überprüfen und entnahmen zusätzlich Proben von Blut, Kiemen, Darm und innere Organe wie die Leber für spätere Analysen. Teile der Fischfilets erwärmten sie in Kalilauge, sodass sich das Muskelfleisch darin vollständig auflöste. Die so gewonnene Flüssigkeit pressten die Wissenschaftler durch einen Filter, der alle einst im Filet enthaltenen Kunststoffreste auffing. Wie viele es waren, wurde anschließend unter einem Fluoreszenz-Mikroskop ausgezählt – zunächst manuell, anschließend noch einmal in einem automatisierten Verfahren.

Ein bis zwei Mikroplastik-Teilchen pro fünf Gramm Fischfilet
Die Ergebnisse überraschten die Forschenden positiv. „Obwohl wir die Wolfsbarsche einer im Vergleich zu natürlichen Verhältnissen extrem hohen Mikroplastik-Belastung ausgesetzt haben, fanden sich in ihren Filets am Ende nur 1 bis 2 Partikel pro 5 Gramm Filet“, berichtet Sinem Zeytin. „Die Fische sind auch sehr gut gewachsen und waren gesund, wir schließen daraus, dass es den Fischen anscheinend gelingt, Partikel abzusondern und wieder auszuscheiden, bevor sie im Gewebe eingelagert werden. Das ist für alle Menschen, die gern Wolfsbarsch essen, eine wirklich gute Nachricht“, ergänzt Dr. Matthew Slater, Leiter der Arbeitsgruppe Aquakulturforschung am AWI.

Angesichts des Studienaufbaus könne zudem nicht ausgeschlossen werden, dass die detektierten Mikroplastik-Teilchen gar nicht in den Muskelzellen steckten, sondern sich in dem wenigen Restblut befanden, welches noch in den Fischfilets enthalten war. „Wir haben in unserer Studie tatsächlich so gut wie keine Hinweise darauf gefunden, dass die Kunststoffteilchen vom Blut aus in die Muskelzellen gelangen“, sagt der AWI-Experte. Erste Analysen der anderen Gewebe zeigen jedoch, das Partikel aus dem Verdauungstrakt in den Blutkreislauf gelangen.

Wie aber schafften es die Mikroplastik-Teilchen aus dem Fischdarm in den Blutkreislauf? „Bisher wissen wir von zwei Wegen. Entweder gelangen die mikroskopisch kleinen Kunststofffragmente zwischen zwei Zellen in der Darmwand hindurch oder aber spezielle Transporter-Zellen fischen die Partikel aktiv aus dem Futterbrei und leiten diese dann weiter, so wie sie es auch mit Mineralien und Nährstoffen machen“, erklärt Sinem Zeytin.

Welcher dieser Prozesse überwiegt, ob es weitere gibt und wie der Partikeltransport jeweils im Detail abläuft, wollen die Forschenden in weiteren Untersuchungen des Probenmaterials herausfinden.

Die Studie war ein Kooperationsprojekt von Forschenden des Alfred-Wegener-Instituts, der Universität Bremen sowie der Labor IBEN GmbH aus Bremerhaven. Die Hälterung und Tötung der Wolfsbarsche für Forschungszwecke erfolgten mit Genehmigung des Referats für Verbraucherschutz, Veterinärwesen und Pflanzenschutz in der Senatorischen Behörde für Wissenschaft, Gesundheit und Verbraucherschutz in Bremen.

Quelle: Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Initiative Tierwohl Phase 3: Es wird konkret

– Veröffentlichung der neuen Anforderungen
– Neues Finanzierungsmodell
– Anmeldung teilweise schon ab 15. September 2020
– Appell der ITW an die Tierhalter

Schweine- und Geflügelhalter können sich ab sofort bei ihren Bündlern und auf der Webseite der Initiative Tierwohl (ITW) über die konkreten Anforderungen zur dritten Programmphase der ITW informieren. Diese startet am 1. Januar 2021. Für bereits teilnehmende Geflügel- und Schweinemäster gibt es Übergangsangebote. Bereits ab dem 15. September 2020 ist für einen Teil der Betriebe die Anmeldung für die nächste Programmphase möglich. Alle Infos finden Landwirte auf der ITW-Webseite www.initiative-tierwohl.de und auf der von der ITW eigens zur Verfügung gestellten Kampagnenseite www.zusammentun2021.de.

Neues Finanzierungsmodell: gerechter und offener
Sowohl Geflügel- als auch Schweinemäster erhalten in der neuen Programmphase, die im Januar 2021 startet, einen von der ITW definierten Tierwohlaufpreis. Ab Anfang 2021 soll die Anzahl der Schweinemastbetriebe weiter gesteigert werden. So können zusätzlich zu den bereits teilnehmenden Schweinemästern noch weitere Betriebe mitmachen, die den von der ITW festgelegten Aufpreis bis Ende 2021 zunächst aus einem Fonds, spätestens ab der zweiten Jahreshälfte 2021 dann direkt von den teilnehmenden Schlachtunternehmen bzw. ihren Vermarktern erhalten.

Die Ferkelerzeuger beziehen während der dritten Programmphase ein Tierwohlentgelt aus einem „Übergangsfonds“, den die teilnehmenden Lebensmitteleinzelhändler mit ungefähr 30 Millionen Euro jährlich füllen werden. Ziel des Übergangsfonds ist die Entwicklung geschlossener ITW-Lieferketten in der Ferkelerzeugung – also zwischen Sauenhalter und Ferkelaufzüchter. Dieses neue Finanzierungsmodell folgt dem üblichen Prinzip jeder Marktwirtschaft, nämlich der Bezahlung für eine Leistung – in diesem Fall das Tierwohl-Plus im Stall – aus dem Markt heraus.

Hähnchen- und Putenmäster erhalten von der ITW ein Tierwohlentgelt, welches ebenfalls von der ITW festgelegt wird. Die teilnehmenden Geflügelschlachtereien zahlen eine Vergütung an die ITW, die das an die Geflügelmäster gezahlte Tierwohlentgelt abdeckt.

„Das neue Modell ist gerechter, weil derjenige, der für Tierwohl bezahlt, das jetzt auch nachweislich bekommt und als solches vermarkten kann“, erklärt Dr. Alexander Hinrichs, Geschäftsführer der Initiative Tierwohl. „Darüber hinaus erleichtert die neue marktorientierte Lösung die Teilnahme weiterer Wirtschaftspartner aus anderen Branchen, wie zum Beispiel der Großgastronomie. Ein Wegducken kann es jetzt nicht mehr geben.“

Neue Programmphase – weiterentwickelte Kriterien
Während die Kriterien in der neuen Programmphase ab 2021 für die Geflügelhalter weitgehend bestehen bleiben, hat die ITW für die Schweinehalter wichtige Änderungen vorgenommen.

Erstens ersetzt Raufutter als Kriterium das zusätzliche organische Beschäftigungsmaterial. Das Raufutter muss zusätzlich und separat zum eigentlichen Futter angeboten werden. Es kann auf dem Boden, bodennah, in einer Raufe oder in anderer geeigneter Form (auch über dem Trog) vorgelegt werden. Damit immer wieder ein Anreiz vom Raufutter ausgeht, kann es in Intervallen gefüttert werden. Es muss dabei allerdings sichergestellt werden, dass es in der überwiegenden Zeit des Tages zur Verfügung steht. Weitere Details finden Tierhalter unter anderem auf der Webseite der ITW.

Zweitens müssen Schweinehalter in der ITW ab 2021 mindestens einmal pro Jahr an fachspezifischen Fortbildungsmaßnahmen teilnehmen. Damit gleicht die ITW die Kriterien für Schweine- und Geflügelhalter aneinander an.

Drittens arbeiten Sauenhalter und Ferkelaufzüchter jetzt als Einheit: ITW-Ferkelaufzüchter dürfen ihre ITW-Ferkel nur noch von ITW-Sauenhaltern beziehen.

Übergangslösungen und Neueinstieg
Bereits jetzt bieten rund 25 Prozent der ITW-Schweinemäster ihren Tieren Raufutter an, da sie von den positiven Effekten auf Tiergesundheit bzw. -verhalten überzeugt sind. Damit sich möglichst viele der aktuell teilnehmenden Schweinemäster auf die kommende Programmphase vorbereiten können, gibt es die Möglichkeit, das Kriterium „Raufutter“ bereits ab November 2020 zusätzlich umzusetzen und aus dem aktuellen Fonds ein erhöhtes Tierwohlentgelt zu erhalten. Die Anmeldung kann ab 15. September 2020 über den Bündler erfolgen.

Sowohl neue als auch bereits teilnehmende Schweinemastbetriebe können sich ebenfalls ab September 2020 für die neue Programmphase anmelden. Bis zum 30. Juni 2021 erhalten die dafür zugelassenen Mastbetriebe das Tierwohlentgelt noch aus dem Fonds, anschließend als Aufpreis von ihrem Abnehmer. Neue Mäster, die diese Anmeldephase ab September nicht nutzen, können sich ab 1. Januar 2021 jederzeit anmelden. Sofern noch genügend finanzielle Mittel vorhanden sind, erhalten diese dann ebenfalls den Tierwohlaufpreis bis zum 30. Juni 2021 aus dem Fonds, anschließend vom Abnehmer der Schlachtschweine.

Auch für bereits teilnehmende Ferkelerzeuger (Sauenhalter und Ferkelaufzüchter) startet ab September die Anmeldung für die neue Programmphase. Für neue Ferkelerzeuger startet die Anmeldung voraussichtlich im Februar 2021.

Die ITW rät jedem interessierten Schweinehalter dazu, sich bei seinem Bündler frühzeitig über die Anforderungen, die Umsetzungstermine und den Anmeldezeitraum bezüglich der dritten ITW-Programmphase zu informieren.

Geflügelhalter erfahren über ihre Vermarkter, ob und ab wann sie mitmachen können.

Alle Infos finden Landwirte auf: www.initiative-tierwohl.de

Appell an die Tierhalter
„Wir wollen jetzt Anreize schaffen, dass sich möglichst viele Tierhalter auch in der dritten Programmphase im Rahmen der ITW für mehr Tierwohl engagieren“, erläutert Hinrichs. „Zugleich ist und bleibt die ITW ein Engagement der beteiligten Branchen für mehr Tierwohl. Die ITW hat den Anspruch, für alle Beteiligten Planungssicherheit zu geben und einen realistischen Rahmen jenseits von Ideologien bereit zu stellen. Die ITW will Landwirte dabei unterstützen, in Sachen Tierwohl voranzugehen, um der Gesellschaft zu zeigen: Tierwohl wird von Landwirten gemacht. Die neue Programmphase ist die einmalige Chance, diesen Ansatz nachhaltig im Markt zu etablieren. Es geht um die Frage, ob Landwirte bei Tierwohl Getriebene sein wollen oder mit der ITW das Thema selbst in die Hand nehmen.“

Quelle: Gesellschaft zur Förderung des Tierwohls in der Nutztierhaltung mbH

Vorbeugung subklinischer Klauenrehe – gib Gummi!

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Subklinische Klauenrehe ist die häufigste Reheform beim Milchrind. Besonders im Sommer – bei sinkender Futteraufnahme durch Hitzestress – ist sie in vielen Milchviehherden allgegenwärtig. Obwohl betroffene Tiere vorerst nicht eindeutig lahm sind, schwächen Stoffwechselschieflagen die Lederhaut. Fehlstellungen der Klaue und mechanische Belastung durch harten Untergrund führen zu punktuellen Quetschungen der geschwächten Lederhaut. Dies gilt als Primärursache für Folgeerkrankungen wie Sohlengeschwüre, Doppelsohlenbildung oder Weiße-Linie-Defekte.

Gummiböden von KRAIBURG haben einen positiven Effekt bei subklinischer Klauenrehe. Die Weichheit der Laufgangbeläge ist speziell auf die Anatomie der Rinderklaue abgestimmt. Dies wirkt druckentlastend und verringert punktuelle Quetschungen der Lederhaut. Zudem können sich betroffene Tiere schmerzfrei bewegen und gehen häufiger zum Fressen – das ist entscheidend für einen intakten Stoffwechsel und gesunde Klauen!

Weitere Informationen zu den KRAIBURG Laufgangbelägen finden Sie hier.

Quelle: Gummiwerk KRAIBURG Elastik GmbH & Co. KG

Populationen beliebter Speisefische gehen weltweit zurück

Mit einer neuen, am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel entwickelten Methode haben Forscherinnen und Forscher eine erste globale Abschätzung von Populationen wichtiger Speisefische und anderer kommerziell genutzter Arten im Meer erstellt. Die Studie weist weltweit deutliche Rückgänge in den vergangenen 60 Jahren nach. Eine zweite Studie, die ebenfalls diese Woche unter Beteiligung des GEOMAR veröffentlicht wurde, zeigt gleichzeitig am Beispiel von britischen Fischbeständen, dass die COVID-19-Pandemie Chancen bietet, den Kurs beim Fischereimanagement in Richtung Nachhaltigkeit zu ändern.

Zahlreiche Populationen von auf dem Fischmarkt beliebten Fischen wie Kabeljau, Hering, Seelachs oder Wolfsbarsch gehen zurück. Gleiches gilt für die Populationen von Wirbellosen wie bestimmten Krebs- und Oktopusarten, die ebenfalls für die Fischerei interessant sind. Das geht aus einer Bewertung von mehr als 1300 Fisch- und Wirbellosenpopulationen hervor, die von Forschern der University of British Columbia (UBC; Kanada), des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel und der University of Western Australia (Australien) durchgeführt wurde.

„Dies ist die erste globale Studie über langfristige Trends in der Populationsbiomasse befischter Meeresorganismen inklusive wirbelloser Tiere für alle Küstengebiete der Erde“, sagt Maria ‚Deng‘ Palomares, Managerin der „Sea Around Us“ Initiative am Institut für Ozeane und Fischerei der UBC. Sie ist Hauptautorin der Studie, die jetzt in der internationalen Fachzeitschrift Estuarine, Coastal and Shelf Science erschienen ist. Co-Autor Dr. Rainer Froese vom GEOMAR ergänzt: „Wir haben uns angesehen, wie sich die Populationen der wichtigsten Arten in den vergangenen 60 Jahren entwickelt haben. Die Biomasse der meisten liegt gegenwärtig weit unter dem Niveau, das optimale Fänge ermöglicht.“

Biomasse bedeutet in diesem Zusammenhang das Gewicht der Fische und wirbellosen Meerestiere einer bestimmten Population, die sich noch im Wasser befinden und die mit üblichen Gerätschaften gefangen werden können.

Von den in dieser Studie analysierten Populationen liegen 82 Prozent unterhalb des Niveaus, das maximale nachhaltige Erträge hervorbringen kann. „Das liegt daran, dass mehr Tiere gefangen werden als nachwachsen können. Infolgedessen fangen die Fischer im Laufe der Zeit immer weniger, auch wenn sie länger und härter fischen“, betont Dr. Froese.

Das internationale Team nutzte für die Studie eine neue, computerbasierte Methode zur Bestandsabschätzung, die am GEOMAR entwickelt wurde und die Anfang 2020 mit dem Ocean Award für die einflussreichste Wissenschaft zur Erhaltung der Ozeane ausgezeichnet wurde. Sie ermöglicht erstmals Aussagen über Bestände, für die nur wenige Daten vorliegen.

Die Studie zeigt nur vereinzelt Ausnahmen von dem allgemeinen rückläufigen Trend. So nahm die Populationsbiomasse in der subpolaren Zone des nördlichen Pazifik um etwa 800 Prozent zu, in der gemäßigten Zone um etwa 150 Prozent. „Hier spielt die globale Erwärmung eine Rolle, die das Verbreitungsgebiet mehrerer kommerziell wichtiger Arten in die Polarmeere ausdehnt“, sagt Rainer Froese.

In einer zweiten Studie, die diese Woche in der Fachzeitschrift Marine Policy erschienen ist, haben sich die Autorinnen und Autoren speziell die für die Fischerei wichtigen Populationen rund um die britischen Inseln angesehen. Auch hier sind viele Bestände überfischt. Allerdings sorgt die COVID-19-Pandemie – wie in vielen anderen Meeresregionen auch – für einen deutlichen Rückgang der Fischereiaktivitäten. Vor diesem Hintergrund schlagen die Forscher zukünftige Fangquoten vor, die etwas niedriger liegen als der maximale nachhaltige Ertrag.

„Maximaler nachhaltiger Ertrag ist definiert als der höchste Fang, der einem Bestand unter den bestehenden Umweltbedingungen kontinuierlich entnommen werden kann“, sagt Rainer Froese, der auch bei dieser Studie Co-Autor ist. „Intelligentes Fischereimanagement, wie es in Australien angewandt wird, zielt auf etwas weniger ab. Das verringert das Risiko einer unbeabsichtigten Überfischung. Außerdem werden die Populationen resistenter gegen Umweltveränderungen“.

„Die COVID-19-Pandemie bietet jetzt die Gelegenheit, dieses Ziel im Fischereimanagement umzusetzen. Dann könnte Großbritannien nach dem Brexit in seinen Verhandlungen mit der EU darauf bestehen, dass die von der Wissenschaft empfohlenen Fangquoten nicht überschritten werden“, sagt Daniel Pauly, Mitverfasser der Studie und Leiter der Sea Around Us Initiative an der UBC.

„Auch wenn diese Studie sich speziell um Populationen in der britischen Wirtschaftszone kümmert, zeigt sie doch, dass ein Umsteuern in Richtung Nachhaltigkeit möglich ist. Die ohnehin gebremsten Fischerei-Aktivitäten während der COVID-19-Pandemie wären eine gute Gelegenheit dazu. Wie die globale Populationsabschätzung zeigt, ist dieses Umsteuern dringend notwendig, damit auch kommende Generationen noch reichhaltige Nahrung aus dem Meer gewinnen können“, fasst Dr. Rainer Froese zusammen.

Quelle: GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Der Miststreuer – ein Superspreader?

Erstmals hat ein Wissenschaftler*innen-Team im Rahmen des Projekts SOARiAL untersucht, inwieweit Feinstaub eine Quelle für die Ausbreitung pathogener oder antibiotikaresistenter Keime sein kann, wenn kontaminierter Stallmist aus der Geflügel- und Schweinehaltung auf landwirtschaftliche Felder ausgebracht wird. Die Ergebnisse wurden soeben im Fachblatt „Environment International“ veröffentlicht.

Ein Klassiker der Kreislaufwirtschaft ist es, den Wirtschaftsdünger aus der Tierhaltung zurück aufs Feld zu bringen: Die im Stallmist oder in der Gülle enthaltenen Nährstoffe und organische Substanz erhalten die Bodenfruchtbarkeit und nutzen dem pflanzlichen Wachstum. Allerdings könnten aufgrund des noch immer umfangreichen Einsatzes von Antibiotika in der konventionellen Tierhaltung mit dem Dung auch antibiotikaresistente Bakterien und weitere Pathogene verbreitet werden. Die bei der Dungausbringung teils in großen Wolken emittierten Feinstaubpartikel können die menschliche Gesundheit belasten. Insbesondere sehr kleine Partikel (Durchmesser < 10 μm) werden über die Atemwege leicht aufgenommen. Zudem können die Partikel als Trägerstoffe für potentielle Krankheitserreger bzw. antibiotikaresistente Bakterien fungieren.

„Wir haben uns gefragt, inwieweit sich Pathogene über die windgetriebene Emission von Feinstaubpartikeln auf Feldern verbreiten können und wie überlebensfähig die Mikroorganismen dabei sind“, beschreibt Dr. Tina Kabelitz vom Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie die Forschungsaufgabe. „Letztlich geht es darum, die Aerosol-Emissionen und damit auch die Ausbreitung antibiotikaresistenter Bakterien in der Praxis weitestgehend zu reduzieren.“

Mit Hilfe von Windkanaluntersuchungen hat das Forscherteam die physikalischen Ausbreitungsprozesse von Partikeln gemessen. Untersucht wurde auch, inwieweit der Wassergehalt des Dungs (angegeben als Trockensubstanzgehalt), Vorbehandlungen wie Lagerung, Kompostierung oder Trocknung und die tierartspezifischen Dungeigenschaften einen Einfluss auf die Feinstaubkonzentration und -eigenschaft sowie auf die Vitalität der Mikroorganismen haben.

Die Ergebnisse zeigten, dass Feinstaubkonzentrationen mit einem großen Anteil kleiner Partikel umso stärker auftreten, je trockener das Substrat bei der Ausbringung ist. Allerdings sinkt dabei die Überlebenschance für Pathogene: Im getrockneten Dung und daraus resultierendem Feinstaub waren die pathogenen und antibiotikaresistenten Mikroorganismen im Vergleich zu frischen Proben deutlich reduziert.

Das Potenzial, Feinstaub bestimmter Partikelgröße zu bilden, ist abhängig von den physikalischen und chemischen Eigenschaften des Dungs, die wiederum durch Tierart, Alter der Tiere, Haltungsform und Fütterung bestimmt werden. Für Geflügelmist lag der kritische Wert, ab dem verstärkt inhalierbare Feinstaubpartikel < 10 μm freigesetzt werden, bei 60%, für Schweinemist bei 80% Trockensubstanzgehalt.

„Ein hoher Trockensubstanzgehalt des Dungs verringert die Belastung durch Pathogene, verursacht aber eine erhöhte Menge an Feinstaub-Emissionen und umgekehrt. Letztlich geht es darum, einen Kompromiss zu finden, der gesundheitliche Risiken bei der Ausbringung von Wirtschaftsdüngern bestmöglich reduziert“, räumt Tina Kabelitz ein.

Fasst man die Ergebnisse der Feinstaub-Emissionsmessungen und mikrobiologischen Analysen zusammen, lässt sich ein optimales Intervall für den Trockensubstanzgehalt definieren. Bei Geflügelmist, der von Natur aus einen Trockensubstanzgehalt von ca. 65% aufweist, liegt dieser optimale Bereich zwischen 55% und 70%, während er für Schweinedung zwischen 75% und 85% liegt. Schweinedung ist mit 20% Trockensubstanzgehalt von Natur aus deutlich feuchter als Geflügelmist und emittiert insgesamt größere und schwerere Partikel, die schneller zu Boden sinken und sich damit weniger stark ausbreiten. Allerdings überleben im feuchten Substrat auch deutlich mehr Mikroorganismen. Schweinedung müsste demnach auf etwa 75% bis 85% Trockensubstanzgehalt heruntergetrocknet werden, um eine deutliche Reduktion von krankheitsgefährdenden und antibiotikaresistenten Keimen zu erzielen.

Die Trocknung von mikrobiell belasteten Wirtschaftsdüngern ist derzeit in der Praxis jedoch kaum üblich „Die Technik dafür gibt es. Muss wegen zu hohem Tierbesatz der Dung über weite Strecken in andere Regionen transportiert werden, kann sich eine Trocknung des Dungs unter Umständen rechnen, wenn damit Transportkosten gespart werden“, erläutert Prof. Thomas Amon, Abteilungsleiter Technik in der Tierhaltung am ATB. „Um die Ausbrei-tung pathogener und antibiotikaresistenter Keime künftig deutlich einzudämmen sollten Landwirte im Sinne eines präventiven Wirtschaftsdüngermanagements den Einsatz von Stroh wie in der ökologischen Tierhaltung üblich, eine Verwertung des Dungs in Biogasanlagen mit Feststoffseparierung oder eine Kompostierung in Betracht ziehen. Unsere Ergebnisse aus vorangegangenen Untersuchungen belegen eindeutig, dass Kompostierung die ge-sundheitsgefährdenden Mikroorganismen vollständig abtöten kann.“

Das Projekt SOARiAL (Spread of antibiotic resistance in an agrarian landscape) wird von der Leibniz-Gemeinschaft im Rahmen des Senatsausschusswettbewerbs (SAW) 2017 (För-derkennzeichen: SAW-2017-DSMZ-2) gefördert und vom Leibniz-Forschungsverbund “INFECTIONS‘ 21″ unterstützt.

Quelle: Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie e.V. (ATB)

Mehrwert mit faserreichem Ergänzungsfutter

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Mit tremoVital den Verdauungsprozess von Schweinen optimieren
Das faserreiche Ergänzungsfutter tremoVital stabilisiert den Verdauungsprozess von Schweinen und trägt zur optimierten Darmgesundheit bei.

Naturprodukte stehen hoch im Kurs – auch in der Tierernährung. In dem neuen Ergänzungsfutter tremoVital für Schweine kommen Biertreber, Bierhefe, Karottentrester, Erbsenschalen und ein Hefezellwandprodukt als hochwertige natürliche Faserträger zusammen mit Darmstabilisatoren zum Einsatz. Die wissenschaftlich abgestimmte Wirkstoffmischung trägt zu einer optimierten Darmgesundheit und zu einer regulierten Kotbeschaffenheit bei und schafft so einen Mehrwert bei Aufzucht und Mast. Ein vergleichbares Produkt mit entsprechenden Vorteilen ist jetzt auch für Mastputen verfügbar.

Frühe Ergänzung schon zum Ferkelaufzuchtfutter
In der Zeit der Umstellung von milchbetontem auf getreidereiches Futter reagieren Verdauung und Immunsystem der Ferkel erkennbar positiv auf die frühzeitige Ergänzung des üblichen Ferkelaufzuchtfutters durch eine Gabe von tremoVital. „Der erhöhte Fasergehalt beeinflusst die Schichtung und Passage des Futterbreis im Magen-Darm-Trakt und kann dadurch die Kotkonsistenz und das Sättigungsgefühl gezielt einstellen. Darüber hinaus nähren die verdaulichen Faserstoffe aktiv die gewünschten Darmbakterien“, beschreibt Lotte Giza, Tierärztin und verantwortliche Produktmanagerin bei der Tremonis GmbH, einige der Effekte von tremoVital .

Positive Wirkung während Aufzucht und Mast
Die Entwicklung eines abwehrkräftigen Ferkels kann schon in der ersten Lebensphase durch ein Plus an verdaulichen Fasern in der ersten festen Nahrung begünstigt werden. Die in tremoVital enthaltenen Faserfraktionen ergänzen sich vorteilhaft, wodurch ein ausgewogenes Verhältnis an Ballaststoffen angeboten wird.

Hochwertige und sichere Faserstoffe sowie hochverdauliches Protein unterstützen das Verdauungssystem in einer reibungslosen Ferkelaufzucht und sind wünschenswert in einer darmlabilen Phase. Die verdaulichen Faserstoffe werden im Dickdarm mikrobiell fermentiert. Die Bildung kurzkettiger, gesundheitsfördernder Fettsäuren und „gute“ Darmbakterien werden gefördert, Schadbakterien, Sporen und Wasser dagegen gebunden und mit dem Kot aus dem Körper ausgeschleust.

Verkürzte Aufzuchtdauer, geringere Gesamtmortalität
Fütterungsversuche auf Praxisbetrieben belegen die positive Wirkung von tremoVital : Die um etwa 7 Tage verkürzte Aufzuchtdauer und um ca. 50,8 g höhere Tageszunahmen bei annähernd gleichem Futterverbrauch bedeuten mehr Umtriebe pro Jahr und Platz (+0,7 %) und damit 1,12 % mehr Ferkel im Jahr, auf die die Fixkosten umgelegt werden können.

Neben der geringeren Sterberate aufgrund von Darmerkrankungen (-0,8 %) war die Gesamtmortalitätsrate um 1,5 % geringer und der durchfallbedingte Medikamenteneinsatz konnte bei den Versuchstieren reduziert werden. Das Fazit von Landwirt Antonius Jahn aus Nordrhein-Westfalen ist eindeutig: „Wichtig ist mir, dass die Ferkel die ersten drei Wochen nach dem Absetzen trocken sind. tremoVital im Futter hat das geschafft – was hinten raus in der Leistung schon einen Unterschied macht.“

„Wir richten uns mit den Informationen zu diesem hochwertigen neuen Ergänzungsfutter insbesondere an Tierärzte an und laden sie ein, sich selbst zusammen mit den Betrieben ein Bild von den positiven Wirkungen von tremoVital zu machen und dessen Vorteile zu nutzen“, so Lotte Giza abschließend.

Weitere Informationen online unter www.tremonis.de.

Quelle: T R E M O N I S GmbH

DRV unterstützt Projekt zur Roggenfütterung: Genossenschaften engagieren sich in der Forschung

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Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) unterstützt ein neues Forschungsprojekt, das belegen soll, wie neue Fütterungskonzepte die Tiergesundheit fördern. „Die Studie Rye-SaFe hat besonders für unsere Genossenschaften großes Potential“, stellt DRV-Hauptgeschäftsführer Dr. Henning Ehlers fest. „Schweinehalter stehen derzeit vor großen Herausforderungen. Innovationen wie diese sind daher besonders gefragt. Deshalb sind einige unserer Mitgliedsunternehmen Projektpartner und auch wir als Verband unterstützen gern die Forschung.“ Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hatte jüngst die Zusage für die Förderung des Projekts erteilt.
Beim DRV fand nun ein Auftakttreffen der Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft statt.

Untersucht werden soll im Rahmen von Rye-SaFe, ob sich die Salmonellenbelastung in der Sauenhaltung sowie in der Ferkelproduktion durch eine roggenbetonte Fütterung reduzieren lässt. An dem Forschungsprojekt sind die Viehvermarktung Walsrode und weitere Mitgliedsunternehmen des Deutschen Raiffeisenverbandes ebenso beteiligt wie der Saatgutzüchter KWS, die Tierärztliche Hochschule Hannover sowie weitere Projektpartner (1).

RyeSaFe ist eng verknüpft mit dem 6-R-Projekt (2). Es befasst sich damit, wie Mastschweine von mehr Roggen im Futter profitieren können. Rye-SaFe setzt im Unterschied dazu schon bei Sauen und Ferkeln an. „Wir haben festgestellt, dass bereits viele Ferkel Salmonellen aufweisen, wenn sie auf den Höfen angeliefert werden. Wir müssen also dafür sorgen, dass schon die Sauen und in der Folge natürlich die Ferkel weniger belastet sind“, sagt Willi Behrens von der Viehvermarktung Walsrode.

Wenn weniger Tiere an Salmonellen erkranken, sinkt der Einsatz von Antibiotika in den Ställen. In der Folge hat das auch positive Effekte auf die Nahrungsmittelsicherheit, denn Salmonellen sind vom Tier auf den Menschen übertragbar. Behrens: „Wenn wir all das – mehr Tierwohl, weniger Medikamente und sicherere Lebensmittel – allein durch neue Fütterungskonzepte erreichen, haben alle Seiten viel gewonnen.“ Zusätzlich können roggenbetonte Futtermischungen den CO2-Ausstoß in der Schweinehaltung um mehr als 20 Prozent verringern. Denn Hybridroggen verbraucht im Anbau gegenüber Weizen weniger Dünger, Pflanzenschutz und Wasser. Das wissenschaftliche Projekt Rye-SaFe wird ebenfalls durch großangelegte Feldstudien mit mehr als 3.000 Sauen und mit Daten aus der Praxis begleitet. Die Kombination aus Forschungsprojekt Rye-SaFe und Feldstudie wird durch die enge Kooperation der Viehvermarktung Walsrode mit dem Saatgutzüchter KWS erst möglich.

Der DRV hatte bereits das 6-R-Projekt unterstützt und fungiert auch in Zukunft gern als Plattform für Austausch und Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft.

(1): Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (Projektkoordinator); vertreten durch Prof. Christian Visscher; Universität Rostock, vertreten durch Prof. Petra Wolf; Institut für Umwelttechnik und Energiewirtschaft der technischen Universität Hamburg, vertreten durch Prof. Martin Kaltschmitt; AniCon Labor GmbH

(2): 6-R steht für Regionale Renaissance von Roggen und Raps zur Reduktion von Problemen in Pflanzenbau und Tierproduktion durch Reevaluation der Inhaltsstoffe und deren gezielte Nutzung zur Förderung des Umwelt-, Tier- und Verbraucherschutzes.

Quelle: Deutscher Raiffeisenverband e.V.