Kälberflechte ernst nehmen

Die Kälberflechte zählt zu der häufigsten Hauterkrankung des Rindes. Sie ist in ganz Deutschland in vielen Laufställen verbreitet. Obwohl sie nicht lebensbedrohlich ist und deshalb schnell unterschätzt wird, sollte man die Tiere und damit auch sich selbst schützen.

Die ersten klinischen Erscheinungen treten drei bis vier Wochen nach der Infektion auf und sind eher unauffällig: Es entwickeln sich auf der Haut des infizierten Rindes kleine Knoten, die durch einen Pilz (vor allem Trichophyton verrucosum) entstehen, der die Haarfollikel befällt und in die Haarzwiebel einwächst. Die Haare sträuben sich an dieser Stelle. Wenig später bilden sich dort Borken mit abgebrochenen Haaren. Sie können jucken und im frischen Stadium auch nässen und blutig sein.

Schnelle Ausbreitung im Bestand
Rinder erkranken meistens am Kopf und Hals. In der Regel heilen diese Veränderungen nach 3 bis 6 Monaten ab. Es kann jedoch zu bakteriellen Sekundärinfektionen kommen. Außerdem sind die Sporen der Fadenpilze sehr langlebig, sie können unter günstigen Bedingungen jahrelang infektiös bleiben. Deshalb kommt es in Betrieben, die einmal den Erreger der Kälberflechte im Bestand haben, immer wieder zu Reinfektionen, meistens in den Wintermonaten. Im Sommer sind Erkrankungen seltener, zumindest die Weidetiere sind davon selten betroffen, weil die UV-Strahlung die meisten Pilze abtötet. Meistens erfolgt die Einschleppung der Hautinfektion über zugekaufte Tiere. Aber auch Hunde, Katzen und Pferde können an Trichophythie erkranken und als Überträger in Frage kommen. Im Stall breitet sich die Infektion dann in der Regel ganz schnell aus. Die Übertragung erfolgt entweder durch den direkten Kontakt von Tier zu Tier oder auch über Stallgeräte, beispielsweise die Kuhputzbürste. Auch Fliegen, Läuse und Haarlinge können die Erreger von einem Tier zum anderen tragen.

Auf Menschen übertragbar
Es kommt zu Leistungseinbußen bei der Milchleistung und in der Mast. Ist das Immunsystem der Tiere geschwächt, sind sie anfälliger für Trichophytie und andere Erkrankungen. Und nicht zuletzt schädigt die Kälberflechte durch die Narben in der Haut das Leder, was dann nicht mehr verwertet werden kann und der Handel mit den Tieren ist erschwert. Aber der wichtigste Grund für eine wirksame Bekämpfung ist die Übertragbarkeit auf den Menschen. Die Infektion mit dem Erreger der Kälberflechte verläuft beim Menschen häufig schwerer und langwieriger als beim Rind, wenn sie zu spät erkannt und behandelt wird. Er hält sich in tieferen Hautschichten auf, was bei der Abheilung zu Narbenbildung führen kann. Besonders betroffen sind die Hände und Unterarme, gelegentlich auch die Gesichtshaut. Vor allem Kinder und immunschwache Menschen sind gefährdet.

Impfung zur Vorbeugung
Gegen die Kälberflechte gibt es eine Impfung. Diese wirkt nicht nur vorbeugend, sondern auch therapeutisch und sorgt dafür, dass die Hautveränderungen schneller wieder abheilen. Bereits drei Wochen nach der Impfung wrd der Erfolg der Maßnahme sichtbar: Die krustigen Stellen heilen ab, die Haare beginnen wieder zu wachsen. Da meistens der gesamte Bestand betroffen ist, bietet sich eine Impfung zur Bekämpfung an. Der gesamte Bestand wird im Abstand von 14 Tagen zweimal geimpft bis auf die Kälber unter einem Monat. Begleitende Maßnahmen wie beispielsweise Waschungen mit einem fungizidhaltigen Produkt können ebenfalls helfen. Es gibt Hinweise, dass die Ausbreitung der Kälberflechte durch einen Mangel in der Vitamin-A und Spurenelementversorgung begünstigt wird. Deshalb sollten Fütterung und Haltung überprüft werden. Da sich die Pilzsporen sehr lange in der Stallumgebung aufhalten können, sind gründliche Reinigungs- und Hygienemaßnahmen empfehlenswert. Vor allem die Kuhbürste sollte gereinigt und desinfiziert werden. Es gibt mehrere Impfstoffe gegen Kälberflechte: Der Tierarzt weiß je nach Bestandssituation, welcher jeweils eingesetzt werden sollte.

Quelle: Dr. Heike Engels

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