Fünf Jahre Saugferkelfütterung Nutrix

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Viele Schweinezuchtbetriebe kennen die Herausforderung: Aufgrund steigender Ferkelzahl¬en reicht die Sauenmilch alleine nicht mehr aus, um die Ferkel optimal zu versorgen. Exakt für diese Anwendung bewährt sich seit nunmehr fünf Jahren weltweit die Saugferkelfütter¬ung Nutrix des niedersächsischen Stallausrüsters WEDA Dammann & Westerkamp.

Mit der Saugferkelfütterung Nutrix haben die Spezialisten aus Lutten vor fünf Jahren eine Welt-neuheit entwickelt. Die Leistungen von Sauen und Ferkeln werden dank dieser vollautomatischen Beifütterung deutlich verbessert. Im Ergebnis nehmen die Sauen während der Säugezeit weniger ab und die Ferkel nehmen effizienter an Gewicht zu.

Ferkel deutlich schwerer
Die Ergebnisse im Betriebsalltag sprechen für sich: „Ein Kunde aus Ungarn berichtet uns etwa, dass seine Ferkel seit der Installation der Saugferkelfütterung Nutrix bis zu 1,5 Kilogramm schwerer sind“, erläutert der Bereichsleiter Entwicklung bei WEDA, Ralf Meyer. Auch die Ergebnisse einer Bachelorarbeit, angefertigt an der Fachhochschule Südwestfalen, Fachbereich Agrarwirtschaft, in Soest, dokumentieren: Bei nahezu gleichem Futterverbrauch konnten mit Nutrix im Vergleich zu ei-nem anderen Fütterungssystem signifikantere Zunahmen pro Ferkel festgestellt werden. Der durch die höheren Absatzgewichte erzielte Mehrerlös pro Ferkel lag im Schnitt bei 2,04 Euro.

Sensor erfasst Füllstand
Dabei sind das Handling und die Funktionsweise des Systems Nutrix ganz einfach: Über eine Futterschale, die in die Buchtenwand zwischen zwei Buchten eingebaut wird und somit von beiden Buchten zu erreichen ist, wird das flüssige Futter automatisch dosiert. Ein wesentlicher Punkt dabei ist, dass der Füllstand über den Tag permanent überwacht wird und nur dann frische Kleinstmengen (minimal 30 Gramm) in den Trog dosiert werden, wenn dieser von den Ferkeln geleert wurde.

Multiphasenfütterung
„Bereits am Tag nach der Geburt können die Ferkel zusätzlich über den Trog mit Milch gefüttert werden. Schon nach kurzer Zeit nehmen alle Ferkel das System so gut an, dass die Milchmengen langsam erhöht und anschließend mit Pre-Starterfutter gemischt gefüttert werden können“, bilan-ziert Ralf Meyer. Eine kontinuierliche Anpassung der Rezepturen, je nach Wachstumsphase, spart nicht nur Futterkosten, sondern vermindert auch deutlich mögliche Durchfallerkrankungen.

Besseres Dashboard, neue Berichte und Pläne
Anlässlich des fünften Geburtstags hat WEDA die Nutrix nun mit einer optimierten Rechnergen-eration ausgestattet. „Das positive Ergebnis: Mit dem neuen Rechner Excellent können infolge unkomplizierter Bedienung kleine als auch große Anlagen noch einfacher gehändelt werden“, weiß Entwicklungschef Meyer. Darüber hinaus hält der neue Rechner nun sehr viele nützliche Features bereit, die sich bereits in der Flüssigfütterung bewährt haben. So wurde etwa das Dashboard verbessert sowie Berichte und Wartungsplan hinzugefügt. Überdies ist ein automatischer Versand
dieser Formulare per E-Mail nun leicht möglich.

Weitere Vorteile von Nutrix auf einen Blick:
– Enzymtraining für den Verdauungstrakt der Tiere – von der Milch zum Getreide. Wenn Ferkel gewohnt sind, im Abferkelbereich Getreide zu fressen, ist im Flatdeck die Futteraufnahme deutlich höher.
– neue Entwicklungsstufe mit dem Einsatz von Ferment: weiter erhöhte Reduktion von Durchfall-erkrankungen, deutlich niedriger Einsatz von Medikamenten, geringere Sterblichkeit und weniger Absatzstress.

Quelle: WEDA Dammann & Westerkamp GmbH

Starke Gemeinschaft: Bundesverband Ei e. V. (BVEi) bündelt Interessen der Eierwirtschaft

Gemeinsam ist man stärker. Das ist das Credo für den Bundesverband Ei e. V. (BVEi), in dem sich ab sofort alle Kräfte für eine starke berufsständische Vertretung der an der Eierwirtschaft in Deutschland Beteiligten bündeln. Entstanden ist diese schlagkräftige Gemeinschaft durch die Verschmelzung des „Zentralverband Eier (ZVE) European Egg Commerce (EEC) e.V.“ auf den Bundesverband Deutsches Ei e. V. (BDE), der seine seit 2001 aktive Verbandsarbeit unter dem neuen Namen Bundesverband Ei e. V. (BVEi) fortsetzt. Mit der Eintragung ins Vereinsregister beim Amtsgericht Charlottenburg (Berlin) ist die Verschmelzung in dieser Woche rechtswirksam abgeschlossen worden.

Neues Logo bildet Selbstverständnis ab: Modern, stark, sympathisch
„Mit dem BVEi als starker Einheit zur Vertretung einer modernen Branche sind wir optimal aufgestellt“, sagt Vorsitzender Henner Schönecke. Der BVEi bildet unter dem Dach des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft e. V. (ZDG) die gesamte Erzeugungskette von Eiern ab: Ordentliche Mitglieder sind Junghennenaufzuchtbetriebe, Legehennenhalter, Packstellen/Eierhandel sowie als weitere Gruppe die Koch-, Schäl- und Färbebetriebe, die in Fachbeiräten mit beratender Funktion organisiert sind. Mit der Eintragung ins Vereinsregister hat sich der BVEi auch ein neues Logo gegeben. „Unser Logo spiegelt auf sehr schöne Weise unser Selbstverständnis als Branche wider“, sagt BVEi-Vorsitzender Henner Schönecke: „Es ist modern, stark, sympathisch, ein Symbol der Einheit – und im Zentrum steht natürlich immer das Ei.“

Aufbruch in Sachen Image: Branchenkommunikation Legehenne läuft an
Parallel läuft in diesem Sommer auch die Branchenkommunikation Legehenne der im BVEi organisierten Eierwirtschaft in Deutschland mit Unterstützung der im ZDG vertretenen Landesverbände an. „Wir stehen vor einem Aufbruch, was unser Image angeht“, sagt BVEi-Vorsitzender Henner Schönecke. „Mit unserer professionellen Branchenkommunikation wollen wir die Öffentlichkeit aktiv über unsere Arbeit als Legehennenhalter informieren – damit wir in Zukunft als genau die leistungsstarke, fortschrittliche, dem Tierwohl verpflichtete Branche wahrgenommen werden, die wir sind.“ Als erste Projekte der Branchenkommunikation sind unter anderem eine informative Website, sympathisch-authentische Porträts von Legehennenhaltern und eine aktive Pressearbeit geplant.

Mitgliederversammlung mit Vorstandswahl am 5. November 2020
Einen neuen Vorstand wird der BVEi bei seiner ersten Mitgliederversammlung am Donnerstag, 5. November 2020, wählen. Wegen der Corona-Pandemie war der ursprünglich fürs Frühjahr vorgesehene Termin auf den Spätherbst verschoben worden.
Bis zur Neuwahl des Vorstandes im November bleibt der BVEi-Interimsvorstand mit den Mitgliedern der gewählten Vorstände des BVEi und des ZVE im Amt.

Quelle: ZDG

„BVDzero Case Awards“ 2020: die Gewinner

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Boehringer Ingelheim vergibt ein Preisgeld von insgesamt 15.000 € an die zehn relevantesten klinischen Fälle – Mit der Auszeichnung will das Unternehmen das Bewusstsein für Bovine Virusdiarrhoe (BVD) stärken.

Boehringer Ingelheim hat die Gewinner der „BVDzero Case Awards“ 2020 verkündet. Mit der Auszeichnung, die alle zwei Jahre verliehen wird, engagiert sich Boehringer Ingelheim dafür, die Gesundheit und das Wohlbefinden von Nutztieren zu verbessern.

„Die Bovine Virusdiarrhoe (BVD) ist eine der weltweit am weitesten verbreiteten Krankheiten bei Rindern und führt in der Rinderhaltung zu großem gesundheitlichen und wirtschaftlichen Schaden. Wir haben uns dem Kampf gegen BVDV verschrieben und unterstützen Tierärzte und Landwirte mit neuartigen präventiven Gesundheitslösungen“, so Steve Williams, Leiter des Bereichs Global Strategic Marketing für Wiederkäuer in der Boehringer Ingelheim Tiergesundheit.

Die diesjährige BVDzero-Pressekonferenz und Preisverleihung fand online am 25. Mai 2020 statt. Die Gewinner wurden im Rahmen eines Online-Meetings vom BVDzero-Komitee ausgewählt, das sich aus renommierten unabhängigen Experten aus dem Gebiet der Rindergesundheit zusammensetzt.

Boehringer Ingelheim hat ein Gesamtpreisgeld von 15.000 € an die zehn aussagekräftigsten eingereichten klinischen Fälle vergeben. Die rund 20 Einreichungen kamen unter anderem aus dem Vereinigten Königreich, Spanien, den Niederlanden, Frankreich, Jordanien, der Türkei und Südkorea.

Die Autoren der relevantesten fünf Fälle konnten ihre Einreichungen im Rahmen der Online-Pressekonferenz vorstellen. Prof. Volker Moennig, Leiter des BVDzero-Komitees, verlieh die Preise an die Gewinner.

Mithilfe der „BVDzero Case Awards“ verfolgt Boehringer Ingelheim weiterhin das Ziel, die Suche sowohl nach klinischen als auch nach subklinischen Fällen von Bovine Virusdiarrhoe (BVD) in Rinderherden zu fördern. Das Unternehmen möchte so das Bewusstsein für BVD stärken und dadurch zu einer Reduzierung der Prävalenz beitragen.

Die aussagekräftigsten zehn Fälle wurden eingereicht von:

1 Magdalini Sioukiouroglou (UK)
2 Paul Crawford (UK)
3 Laura Donovan (UK)
4 Hans Verweij (NL)
5 Laura-May Canonne (FR)
6 Nikki Moore (UK)
7 Niels Geurts (NL)
8 Sameeh Abutarbush (JO)
9 Rebecca Gay (UK)
10 Anne-Cécile Thirion (FR)

Herzlichen Glückwunsch!

Das Boehringer Ingelheim BVDzero-Team plant, diese Initiative auch in Zukunft fortzusetzen. Weitergehende Informationen hier

Quelle: Boehringer Ingelheim

Veterinär-Labor testet Erntehelfer und Schlachthof-Mitarbeiter auf Covid-19

Früh hatten die tierärztlichen Verbände Test-Kapazitäten veterinärmedizinischer Labore zur Bewältigung der Corona-Krise angeboten. Nach einigem Zögern wurde dies von Seiten der Politik auch begrüßt, dann aber im entsprechenden Gesetzentwurf wieder gestrichen. Dabei gibt es durchaus Erfolgsgeschichten, die auf privater Initiative beruhen.

Anja Edzards, WEK Visbek

Das Labor der Gemeinschaftspraxis WEK in Visbek testet z. B. schon seit Mitte März Human-Proben auf Covid-19. Angefangen haben die Geflügel- und Schweine-Spezialisten mit den eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, schon kurz darauf kamen ausländische Erntearbeiter hinzu, die in der Region rund um Vechta etwa zur Spargel- oder Erdbeer-Ernte angeworben wurden. Inzwischen werden auch Schlachthofmitarbeiter deutscher und niederländischer Betriebe beprobt.

Aufgrund der großen Probenzahl, bis zu 3.000 Proben pro Woche, ist es möglich sehr kostengünstig zu arbeiten. Hierzu werden je 10 Proben gebündelt und auf einmal untersucht. Nur wenn das Ergebnis „positiv“ lautet, werden diese 10 Proben nochmals einzeln untersucht. Mit solchen „Pools“ als validierter Labormethode zu arbeiten, wird heute auch von Humanmedizinern und Virologen empfohlen. Tiermedizinische Labore wie jenes in Visbek machen das bereits seit Mitte März.

Wiebke Wilms-Schulze Kump, WEK Visbek

Gemeinsam mit einem Erdbeer-Betrieb aus der Region haben die Tierärzte sogar einen Express-Service installiert. Und der funktioniert so: Erntehelfer aus Rumänien, Bulgarien oder der Ukraine landen abends auf einem deutschen Flughafen, werden dort sofort beprobt und starten anschließend per Bus Richtung Vechta. Die Proben allerdings werden mit einem flotten PKW vorausgeschickt. Kommt der Reisebus einige Stunden später an, ist die Laboranalyse schon fast abgeschlossen. Für die Erntehelfer steht am Ziel ein Catering bereit und wenn sie ihr Frühstück beendet haben, liegen auch schon die Testergebnisse vor.

Elisa-Test: positiv

Trägt keiner der Erntehelfer das Virus in sich, steht der Erdbeerernte nichts mehr im Wege. Gibt es dagegen einen positiven Befund, kommt der Infizierte in Einzel-Quarantäne (und, falls sich ernstere Symptome einstellen, ins Krankenhaus). Für alle anderen Bus-Insassen wird eine Arbeits-Quarantäne eingerichtet, d. h. sie bleiben als Gruppe in einer Gemeinschaftsunterkunft getrennt von allen anderen, arbeiten als Gruppe auch auf separaten Feldern und werden natürlich weiterhin regelmäßig beprobt. So ist das ganze Prozedere auch mit dem örtlichen Gesundheitsamt abgestimmt.

Studie: Die Letzten ihrer Art? Über die Zukunft der Veterinärmedizin im Kontext der Nutztierhaltung in Deutschland.

Christian Dürnberger, Philosoph am Messerli Forschungsinstitut, Abteilung Ethik der Mensch-Tier-Beziehung an der Vetmeduni Vienna untersuchte in einer Studie, wie deutsche TierärztInnen, die im Bereich der Nutztierhaltung arbeiten, die Zukunft ihres Berufs sehen. Ein Teilbereich der Studie erschien nun als Open-Access-Artikel unter dem Titel „The last of us?“ im „International Journal of Livestock Production“. (Erscheinungsdatum der Print-Version: 30. Juni 2020)

Ausgangspunkt der Studie
NutztierpraktikerInnen erledigen einen bedeutsamen Job in einem emotional diskutierten Arbeitsfeld – sie selbst aber werden in gesellschaftlichen Debatten kaum gehört. Was sollte in der Nutztierhaltung grundsätzlich dringend geändert werden? Welche Inhalte sollten in der veterinärmedizinischen Ausbildung eine wichtigere Rolle spielen, um angehende TierärztInnen besser auf den Arbeitsbereich „Nutztierhaltung“ vorzubereiten? Würden sie ihren Beruf noch einmal ergreifen? Und raten sie der Jugend, dies zu tun? Fragen wie diese standen im Mittelpunkt der Studie, die im Sommer 2019 durchgeführt wurde. Die Umfrage richtete sich an Tierärztinnen und Tierärzte, die (ganz oder teilweise) im Bereich der Nutzierhaltung in Deutschland tätig sind. Insgesamt nahmen 123 Tierärztinnen und Tierärzte an der Studie teil. Die Studie ist nicht repräsentativ. Sie fokussierte auf offene Fragestellungen.

Zufrieden mit dem Job…
Die Studie legt nahe, dass die allermeisten Teilnehmenden mit ihrer Berufswahl weitgehend zufrieden sind. Eine Mehrheit würde sich wieder für diesen Beruf entscheiden. Als Gründe hierfür nennen die Studienteilnehmenden die Vielfältigkeit der Arbeit selbst, diese wird als abwechslungsreich, herausfordernd, spannend und bereichernd beschrieben; die TierärztInnen mögen den Austausch mit den LandwirtInnen, den Umgang mit den Tieren und die Möglichkeit, diesen helfen zu können; geschätzt wird die wirtschaftliche Sicherheit des Jobs wie auch die Bedeutsamkeit der Arbeit, da die Produktion von Lebensmitteln als essentielle und daher sinnvolle Tätigkeit empfunden wird.

… aber ein düsterer Blick in die Zukunft
Abgesehen davon, dass bestimmte Teilnehmenden durchaus davor warnen, diesen Beruf zu ergreifen, ist festzuhalten: Auch bei jenen TierärztInnen, die mit ihrem Job zufrieden sind und diesen als wunderbare und schöne Tätigkeit beschreiben, zeigt sich gemeinhin eine düstere Stimmung, was die Zukunft der Profession bzw. der Nutztierhaltung allgemein angeht. Die vorliegende Studie beschreibt dieses Stimmungsbild als einer Arbeit in der „Abenddämmerung des Berufs“: Manche NutztierpraktikerInnen sehen sich als Teil einer Welt, die sich im Niedergang befindet. Sie sprechen von ihrer Arbeit als einem Auslaufmodell, als etwas, das in Deutschland nicht mehr gewollt ist und das eventuell ganz aus diesem Land verschwinden wird. Die Antworten erzählen von Misstrauen und Anprangern. Die NutztierpraktikerInnen fühlen sich von der Gesellschaft teilweise auch im Stich gelassen. Dies zeigt sich u.a. in der hohen Zustimmungsrate zur Aussage, die Arbeit kann mit dem Beruf einer Soldatin, eines Soldaten verglichen werden: Man macht einen Job, der für die Gesellschaft wichtig ist, aber von dem sie lieber keine Bilder sehen will. Ca. 21% stimmen dieser voll und ganz zu, ca. 30% stimmen ihr zu.

Der manchmal niedrige Verdienst, die vielen Arbeitsstunden, die schwierige Work-Life-Balance, die kaum einzuhaltenden Gesetze, die limitierten Möglichkeiten, Tieren zu helfen…… all das scheint im Vergleich zu dieser düsteren Prognose sekundär zu sein. Sie ist der entscheidende Grund ist, wenn man der Jugend nicht zu diesem Beruf raten kann. Diese „Abenddämmerung“ kann als ein drängendes Thema und ein Stressfaktor identifiziert werden.

Zitate
Um diese teilweise düstere Stimmung zu illustrieren, werden im Folgenden Zitate aus der Umfrage gebracht:

Der „Druck aus der Politik und bestimmten Kreisen der Gesellschaft auf die Landwirtschaft und somit auf die Tierärzte wird in Zukunft noch steigen, das Verhältnis ist bereits heute von Misstrauen und Sprachlosigkeit geprägt.“ Es „werden zwar Nutztierpraktiker gesucht, doch die Tierproduktion ist in Deutschland nicht mehr erwünscht und wird sich zwangsläufig ins Ausland verlagern. Die bäuerliche Landwirtschaft wird hier zu Lande sterben.“ Die „Nutztier-Sparte (ist) mehr oder weniger ein Auslaufmodell durch die aktuelle politische Situation.“ Man kann nicht zu dem Beruf raten, „da die Perspektiven der Nutztierhaltung in Deutschland nicht kalkulierbar sind und von vielen unbekannten Variablen abhängen.“ Die Sparte hat „keine Zukunft“. Es ist zwar ein „wunderbarer Beruf, aber gesellschaftlicher Anspruch, Ansehen, Veränderungen in der Tierhaltung, überbordende Bürokratie, führen zu ständiger Frustration, die ohne intakte Familie oder Freundeskreis durchaus im Suizid endet.“ In einer Antwort steht zu lesen: „Ich gehe davon aus, dass aufgrund der gesellschaftlichen Anforderungen an die Landwirtschaft diese in den nächsten 25 Jahren aus den mitteleuropäischen Ländern weitestgehend verschwinden wird. Die pauschale Schuldzuweisung der jüngeren Menschen, perpetuiert durch die quotenorientierten Medien zermürben die Bauern. Das allgegenwärtige ‚Bauern-Bashing‘ trägt in meinem Umfeld dazu bei, dass die Höfe aussterben.“ Die „Nutztierhaltung steht (…) momentan am Scheideweg, auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig zu sein oder für den lokalen Markt nachhaltig zu produzieren. Diese Richtung wird allerdings politisch nicht unterstützt, so dass die Nutztierhaltung in Deutschland auf die Dauer eine sehr untergeordnete Rolle spielen wird.“ Man kann den Beruf nicht empfehlen, „da das Spannungsfeld zwischen ‚Weltverbesserern‘ und Realisten militant geworden ist!“

Ratschläge für Berufseinsteiger
Berufseinsteigern wird vor allem eines empfohlen: Man sollte genau wissen, worauf man sich einlässt und genau darauf achten, wo man beruflich zu stehen kommt. Dies erfordert zum einen direkten Kontakt mit dem Job, zum Beispiel durch Praktika, vor der endgültigen Berufswahl. Zum anderen kommt es letztendlich auf das konkrete Umfeld an: Welche Praxis? Welche Arbeitszeiten? Welcher Chef? Welches Team? Diese Empfehlungen zeigen, was auch andere Studien nahelegen: Die Rolle des Teams wie auch und besonders des Vorgesetzten ist nicht zu vernachlässigen, wenn es um die Arbeitszufriedenheit von Veterinärmedizinerinnen und Veterinärmedizinern geht.

Neue Ausbildungsthemen
Die Studie gibt Hinweise darauf, wie aus Sicht der NutztierpraktikerInnen die Ausbildung bzw. Fortbildung verbessert werden könnte. Diese geforderten Ausbildungsthemen zeigen dabei auch verschiedene Rollen des Berufs. Gefordert wird vor allem mehr betriebswirtschaftliches Wissen (TierärztInnen als UnternehmerInnen) und mehr Wissenstransfer rund um die Bestandsbetreuung (TierärztInnen als GesundheitsmanagerInnen, die nicht nur kurativ tätig werden, wenn ein einzelnes Tier erkrankt, sondern die das große Ganze eines Betriebs im Blick haben). Da nicht alles, was in diesem Berufsfeld entscheidend ist, an der Universität gelehrt werden kann, fordern die Teilnehmenden auch eine praxisnähere Vorbereitung (TierärztInnen als HandwerkerInnen, sprich: Ein Nutztierpraktiker, eine Nutztierpraktikerin zu sein bedeutet mehr als nur theoretische Kenntnisse zu haben, es bedeutet auch, bestimmte praktische Fähigkeiten aufweisen, wie dieses Wissen anzuwenden ist. Diese praktischen Skills können nur durch Übung und Anwendung erlernt werden.)

Was sollte sich in der Nutztierhaltung grundsätzlich ändern?
Neben konkreten Vorschlägen fordern die Teilnehmenden vor allem Veränderungen des Systems.

(a) In Bezug auf die Tierhaltung wünschen sie sich mehr finanziellen Spielraum für die Landwirtschaft. Den Bäuerinnen und Bauern fehlt schlicht das Geld. Dieser wirtschaftliche Druck wirkt sich auf die Situation der Tiere aus – und damit auch auf den veterinärmedizinischen Beruf in diesem Kontext. Hier zeigt sich eine entscheidende Herausforderung des Berufsstandes: Oft würde man die Tiere gerne anders behandeln, aber man wird durch äußere Hindernisse – vor allem durch die geringen finanziellen Mittel der TierhalterInnen – daran gehindert. Mit Blick auf eine finanzielle Umstrukturierung sehen die Teilnehmenden vor allem die VerbraucherInnen, den Handel wie die Politik in der Pflicht. Alle drei genannten Akteure werden hierbei eher negativ beschrieben: Sie kommen ihrer Verantwortung nicht nach bzw. handeln nur in ihrem eigenen Interesse.

(b) Die TierärztInnen fordern jedoch ebenso eine Veränderung der gesellschaftspolitischen Debatte über die Nutztierhaltung. Aus Sicht der NutztierpraktikerInnen existiert wenig gesellschaftliches Wissen über die Realitäten der Tierhaltung, der Kontakt zur Lebensmittelproduktion ging über die Jahrzehnte verloren. Darüber hinaus wird die gesellschaftliche Debatte aus Sicht vieler TierärztInnen von anderen Akteuren geprägt, beispielsweise von NGOs oder Politikerinnen und Politikern. Ihre eigene Expertise wird in den entsprechenden Debatten kaum oder gar nicht wahrgenommen, so ihre Perspektive. Und genau dagegen begehren sie auf: Sie sind der Meinung, dass die Akteure der Landwirtschaft – sie selbst – als eine der wichtigsten Stimmen in jeder gesellschaftlichen Debatte über die Nutztierhaltung Gehör finden sollten.

Neben Vorschlägen zu einem (c) verbesserten Kontrollsystem von Tierschutzaspekten in der Landwirtschaft fordern nicht wenige Teilnehmende schließlich (d) ein kritisches Hinterfragen des Leistungsgedankens: Die Zucht fokussiert auf mehr und mehr Output. Diese permanente Optimierung wird von bestimmten TierärztInnen als Sackgasse empfunden. Die Leistungsgrenze der Tiere ist überschritten, so manche Teilnehmenden. Es braucht ein grundsätzliches Umdenken.

Dr. Christian Dürnberger, Messerli Forschungsinstitut

Artikel
Dürnberger, C. (2020). The last of us? An online survey among German farm veterinarians about the future of veterinary training, livestock farming and the profession in general. International Journal of Livestock Production, 11(2), 72-83.

Link zum Download der Studie

Für Leistung & Wohlbefinden: Projekt erforscht warum manche Milchkühe robuster sind

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Forschungsteams der Uni Hohenheim vermuten den Schlüssel für Krankheitsanfälligkeit von Milchkühen in den Kraftwerken der Zelle / Ergebnisse könnten Zucht verbessern

Manche sind von Natur aus robuster, andere zeigen sich krankheitsanfällig: in ein und derselben Herde reagieren Milchkühe ganz unterschiedlich auf körperliche Belastungen, wie sie die Geburt eines Kalbes, die anschließende Milchproduktion oder auch Infektionen mit sich bringen. Der Grund dafür ist, wie anpassungsfähig ihr Stoffwechsel an die veränderten Anforderungen an den Körper ist. Die Ursache für die unterschiedliche individuelle Anpassungsfähigkeit ist allerdings noch unklar. Der Schlüssel dazu könnte im Innenleben ihrer Zellen zu finden sein, genauer gesagt in den Mitochondrien, den Kraftwerken der Zellen. Aber auch die Interaktion zwischen Kuh und Darmbakterien spielt eine Rolle. Details dazu untersuchen derzeit zwei Arbeitsgruppen der Universität Hohenheim in Stuttgart. Die Ergebnisse könnten helfen, durch Zucht vor allem Tiere zu gewinnen, bei denen sich Leistung mit Wohlbefinden kombiniert. Die beiden Teilprojekte werden von der Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) mit einer Gesamtsumme von fast 520.000 Euro gefördert und zählen somit zu den Schwergewichten der Forschung.

Um ausreichend Milch bilden zu können, muss sich der Stoffwechsel von Kühen während der Trächtigkeit und nach der Geburt des Kalbes drastisch umstellen. Für die Milchproduktion muss in kurzer Zeit viel Energie bereitgestellt werden. Zugleich müssen aber auch die lebenswichtigen physiologischen Prozesse weiterhin aufrechterhalten werden.

Die dafür erforderliche Energie wird in speziellen Organellen der Zelle, den Mitochondrien, erzeugt. Diese „Zellkraftwerke“ wandeln über komplexe Kettenreaktionen Sauerstoff und Zucker oder Fettsäuren in energiereiche Moleküle um, die von der Zelle für andere Stoffwechselvorgänge, wie z. B. die Produktion von Milchbestandteilen, genutzt werden können.

Einfluss von Mitochondrien auf die Stoffwechselstabilität
Allerdings kann sich nicht bei allen Kühen der Stoffwechsel ausreichend an die veränderte Situation anpassen, was oftmals zu Gesundheitsstörungen führt. Dabei gibt es von Natur aus sowohl robuste als auch anfällige Tiere in einer Herde.

Das Kooperationsprojekt „Mitochondriale Funktionalität bei der Milchkuh“ geht jetzt der Frage nach, inwieweit die Mitochondrien für die Stoffwechselstabilität verantwortlich sind. In einem multidisziplinären Ansatz arbeiten Prof. Dr. Korinna Huber vom Fachgebiet Funktionelle Anatomie der Nutztiere und Prof. Dr. Jana Seifert vom Fachgebiet Feed-Gut Microbiota Interaction an der Universität Hohenheim dazu mit Wissenschaftlern von der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und dem Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) in Braunschweig zusammen.

Am FLI lebt auch die Herde mit ca. 60 Holstein-Rindern, die für das Projekt untersucht wurden. Dabei arbeiten alle vier Arbeitsgruppen mit den Daten aus einem zentralen Experiment. „Ohne diese Kooperation könnten wir die Versuche in ihrer Komplexität gar nicht durchführen.“ betont die Sprecherin des Projektes Prof. Dr. Huber.

Wechselwirkungen zwischen Mikrobiom und Mitochondrien
In ihrem Teilprojekt widmet sich Prof. Dr. Seifert unter anderem der Frage, welche Rolle die Bakterienbesiedlung, das Mikrobiom, des Magen-Darm-Traktes auf die Funktion der Mitochondrien hat: „Wir wissen, dass es Wechselwirkungen gibt. Aber wir wissen noch nicht, ob das Mikrobiom die Mitochondrienfunktion beeinflusst oder umgekehrt.“

Aus Pansen, Dünndarm und Kot wurden mehrfach Proben genommen, um Veränderungen in der Bakterienzusammensetzung erfassen zu können. Dank eines fixen Zugangs bei den Kühen des FLI in Braunschweig ist es für die Wissenschaftlerinnen einfach, an den benötigten Pansen- und Dünndarminhalt heranzukommen. „Im Gegensatz zu anderen Methoden zur Probenentnahme, wie z. B. mit Hilfe einer Schlundsonde, verursacht dies den Kühen keinen Stress“, ist Prof. Dr. Seifert wichtig.

Erste Ergebnisse zeigen laut Prof. Dr. Seifert, dass „vor allem die Kühe die größten gesundheitlichen Probleme aufwiesen, deren Mikrobiom sich über den Untersuchungszeitraum hinweg am wenigsten veränderte, während diejenigen am besten mit den Belastungen zurechtkamen, deren Bakterienbesiedlung flexibel reagierte.“

Auch Konsequenzen für die Humanmedizin
Das Teilprojekt von Prof. Dr. Huber untersucht unter anderem, ob sich geeignete Biomarker identifizieren lassen, die auf einen stabilen und anpassungsfähigen Stoffwechsel hindeuten. Dazu wird z. B. die Veränderung von über 180 verschiedenen Metaboliten (gerichteter Metabolomics-Ansatz) im Blut und Milch der Kühe analysiert, nachdem eine künstliche Entzündung gesetzt wurde.

Verwendung findet dabei ein Set, dass auch für die Erfassung des Entzündungsgeschehens beim Menschen eingesetzt wird. „Auch wenn die Auswertungen noch laufen, zeichnet sich jetzt schon ab, dass eine Handvoll Metabolite als Indikatoren für Entzündung fungieren, die bisher bei der Milchkuh noch nicht betrachtet wurden und die sich anders als beim Menschen verhalten“, sagt Prof. Dr. Huber und verweist auf die Konsequenzen, die sich daraus für die Humanmedizin ableiten lassen: „Wahrscheinlich wird man sich die Abläufe beim Menschen auch nochmal genau anschauen müssen.“

Suche nach Kriterien für eine gezielte Selektion bei der Zucht
Ein weiterer Aspekt des Teilprojektes von Prof. Dr. Huber beschäftigt sich mit dem Einfluss des mitochondrialen Erbgutes auf den Stoffwechsel. Mitochondrien verfügen über eigenes Genmaterial, das ausschließlich über die mütterliche Keimbahn weitergegeben wird. Die Proteine, die aus diesem mitochondrialen Genmaterial abgelesen werden, stehen in engem Wechselspiel mit den Proteinen, die aus dem Erbgut des Kernes abgelesen werden, das von beiden Elterntieren stammt. Damit tragen Erbmaterial des Bullen und der Kuh dazu bei, eine optimale Zellumgebung für leistungsfähige Mitochondrien zu schaffen, so die Arbeitshypothese des Projektes.

Die Wissenschaftlerinnern erhoffen sich, dass sich aus diesen Erkenntnissen einmal Vorgaben für die Selektion von Bullen und Kühen bei der Milchviehzucht ableiten lassen: „Es könnte sein, dass wir bei der Milchviehzucht in Zukunft verstärkt auch darauf achten müssen, dass die genetischen Eigenschaften des Bullen zum mitochondrialen Erbgut der Kuh passen“, meint Prof. Dr. Huber.

Solche Zuchtprogramme sollten nicht nur auf die Milchleistung, sondern auch auf das Wohlergehen der Tiere abzielen. Denn „viel Milchleistung heißt nicht automatisch, dass das Tier gesund ist. Wir vergessen viel zu oft, dass das Wohlbefinden der Tiere nicht nur von den Haltungsbedingungen abhängt, sondern auch von ihrer Stoffwechselgesundheit“, betont Prof. Dr. Huber.

HINTERGRUND: Projekt „Mitochondriale Funktionalität bei der Milchkuh“
Ziel des Vorhabens ist die tierindividuelle Variation in der Anpassung an Stoffwechselbelastungen besser zu erfassen, die Rolle der mitochondrialen Funktionalität dabei einzugrenzen und das Netzwerk physiologischer Prozesse in der hochleistenden Milchkuh besser zu verstehen.

Kooperationspartner sind die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI). Die Versuche wurden am Institut für Tierernährung des FLI in Braunschweig durchgeführt. Das Projekt startete am 1. Juli 2017 und war auf drei Jahre ausgelegt. Es wurde jedoch aufgrund der großen Datenmenge, die ausgewertet werden muss, kostenneutral bis Mitte des Jahres 2021 verlängert.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Projekt mit insgesamt über 1 Mio. Euro, davon entfallen fast 520.000 € auf das Institut für Nutztierwissenschaften der Universität Hohenheim. Damit zählt das Projekt zu einem der Schwergewichte der Forschung an der Universität Hohenheim.

HINTERGRUND zu den Proben aus Braunschweig:
Im Rahmen des Forschungsprojektes wurden 60 Holstein-Rinder beprobt, die am Friedrich-Loeffler-Institut Braunschweig (FLI) in einer Herde mit Weidegang leben. Acht der Tiere tragen Fisteln, also dauerhafte Zugänge über Kunststoffröhren zu Pansen und Dünndarm, die eine schmerz- und stressfreie Probenahme ermöglichen. Für Untersuchungen zum Leberstoffwechsel, wurde unter Lokalanästhesie Stanzbiopsien von ca. 20 mg Gewicht durchgeführt. Ca. 150 Tage nach dem Abkalben wurde bei den Muttertieren durch Injektion von LPS (Lipopolysacchariden) eine leichte Infektion ausgelöst. In regelmäßigen Abständen wurden Blut- und Milchproben genommen.

HINTERGRUND: Schwergewichte der Forschung
33,9 Millionen Euro an Drittmitteln akquirierten Wissenschaftler der Universität Hohenheim 2019 für Forschung und Lehre. In loser Folge präsentiert die Reihe „Schwergewichte der Forschung“ herausragende Forschungsprojekte mit einem finanziellen Volumen von mindestens 350.000 Euro für apparative Forschung bzw. 150.000 Euro für nicht-apparative Forschung.

Quelle: Universität Hohenheim

Geflügel: Antibiotikareduktion und Alternativen

Von Luisa Watzer, Tierärztin, Praxis am Bergweg in Lohne

In der Politik, den Medien und sozialen Netzwerken stehen heutzutage Tierärzte, die landwirtschaftliche Nutztiere betreuen, durchgehend in der Kritik. Dank sozialer Medien darf nicht nur jeder seine Meinung kundtun, jeder tut es auch. Leider häufig unabhängig davon, wie intensiv sich vorher mit einem Thema auseinandergesetzt wurde. So entstehen nur zu gerne Aussagen wie: „Wenn ich krank bin esse ich Geflügel, da ist so viel Antibiotikum drin, davon werde ich wieder gesund, ohne zum Arzt gehen zu müssen.“ (Tiermedizinstudentin im 5. Semester).
Doch wie viel Antibiotika werden tatsächlich eingesetzt und welche Alternativen stehen den Nutztierpraktikern im Bereich Geflügel zur Verfügung?
Im Jahr 2011 wurden von deutschen Tierärzten bei allen Tierarten, sowohl Nutztiere als auch Klein- und Heimtiere, 1.706 Tonnen Antibiotika eingesetzt. Im Jahr 2018 konnte diese Zahl auf 722 Tonnen reduziert werden. Die Reduktion innerhalb von 7 Jahren beträgt damit 58 %. Allerdings nur, wenn ausschließlich die Antibiotikazahlen in Betracht gezogen werden. Was man nicht vergessen darf: Die Fleischproduktion bei Schwein und Geflügel ist in diesem Zeitraum gestiegen. Alleine der Geflügelbereich hat in diesem Zeitraum ein Wachstum um 8 % erreicht. Zudem hat auch die Anzahl der Haustiere in der Bundesrepublik deutlich zugenommen. Wird die erhöhte Fleischproduktion, sowie die vermehrte Anzahl an Haustieren mit einbezogen, handelt es sich also um eine höhere Reduktion als 58 %.

Durch welche Veränderungen konnte die Reduktion im Bereich der Nutztiere erreicht werden?
Die erste Veränderung, die bei den Tierärzten und den Tierhaltern stattgefunden hat, ist die Entwicklung eines Bewusstseins für das Problem. Nur wenn ich erkenne, dass es ein Problem gibt, mit der Art wie ich handle, kann ich eine Veränderung bewirken. Im Anschluss wurden die Bemühungen intensiviert, Keimeinträge zu verhindern und vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen. Das Management im Stall tritt immer weiter in den Fokus. Wenn hier Fehler gemacht werden, zum Beispiel bei der Reinigung und Desinfektion des Stalls oder der Klimaeinstellung, kann dies zu einer schwerwiegenden Erkrankung führen, die sich nur mit einer antibiotischen Behandlung in den Griff bekommen lässt. In 2015 wurde die „Initiative Tierwohl“ (ITW) gegründet, sie setzt sich für eine tiergerechtere und nachhaltigere Fleischproduktion ein. Mehr als 70 % aller Geflügelmastbetriebe in Deutschland nehmen zurzeit daran teil. Neben der Reduktion der Besatzdichte schreibt die Initiative Tierwohl einen jährlichen Klimacheck, sowie eine Wasserprobe vor. Die Tränkewasserprobe wird im Durchgang genommen, sprich wenn sich Tiere im Stall befinden. Die Probe wird in jedem Fall auf ihren Keimgehalt bei Umgebungstemperatur, sowie Körpertemperatur überprüft und es findet eine mikrobiologische Anzucht statt, bei der spezifische Keime, wie zum Beispiel Campylobacter, nachgewiesen werden können. Wenn sich nun herausstellt, dass die Tiere Wasser trinken, das krankmachende Bakterien enthält, hat sich eine Erklärung gefunden, wieso die Tiere wiederholt erkranken. Natürlich vorausgesetzt, es wurden keine Fehler in der Klimasteuerung begangen. Neben ITW gibt es noch ein holländisches Qualitätssicherungssystem, an dem sich Mäster orientieren müssen, die nach Holland vermarkten. Es heißt „Integrierte Kettenüberwachung“, kurz IKB. Die IKB schreibt eine Tränkewasserprobe im Kalenderjahr sowie eine Erfolgskontrolle der Serviceperiode vor. Die Hygienekontrolle wird innerhalb einer Serviceperiode, also im leeren Stall, durchgeführt, nachdem dieser gereinigt und desinfiziert wurde. Es werden unter anderem der Boden, die Wände, Futter- und Tränkebahn, sowie der Vorraum beprobt. Im Labor wird ausgewertet, wie viele Bakterienkolonien trotz Reinigung und Desinfektion noch im Stall nachgewiesen werden konnten. Wenn ein Stall wiederholt Probleme mit einem Keim hatte und die Hygienekontrolle ergibt, dass die beprobten Flächen eine Vielzahl an Erregern enthalten, könnte die Ursache eine nicht ausreichende Reinigung und Desinfektion sein.

Was bedeutet ein Colistin-Verbot für den Sektor Geflügel?
Das Antibiotikum, das zurzeit die größte Kritik bekommt, ist Colistin. Colistin aus der Gruppe der Polypeptide ist ein Reserveantibiotikum aus der Humanmedizin und wird dort hauptsächlich zur oberflächlichen Anwendung bei Bauchspülungen nach Darmrupturen eingesetzt. Eine systemische Anwendung wird um jeden Preis vermieden, da Colistin eine starke schädigende Wirkung auf die Niere besitzt, die von Dauer ist. Nun mögen sich viele fragen, wieso es überhaupt im Geflügelbereich genutzt wird, wenn es ein solches schädigendes Potential besitzt. Die Antwort ist simpel:


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Können Rinder lernen eine Toilette zu benutzen?

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In Zusammenarbeit mit Psychologen von The University of Auckland (NZ) sowie Kollegen des zum Friedrich‐Löffler‐Institut gehörenden Institut für Tierschutz und Tierhaltung in Celle, haben Wissenschaftler aus dem Institut für Verhaltensphysiologie des FBN kürzlich einen Artikel in der renommierten Fachzeitschrift „Neuroscience and Biobehavioral Reviews“ veröffentlicht. Die Arbeit mit dem Titel: „Conditionability of ‚voluntary‘ and ‚reflexive‐like‘ behaviors, with special reference to elimination behavior in cattle” charakterisiert die neurophysiologischen Grundlagen des Ausscheidungsverhaltens bei Säugetieren und mögliche Lernprozesse, die speziell bei Rindern zu einer tierseitigen Kontrollierbarkeit ihres Verhaltens hinsichtlich der Nutzung einer Latrine im Stall erschlossen werden können.

Typischerweise urinieren und koten Rinder mit wenig oder keiner Kontrolle über ihr Ausscheidungsverhalten; das ha t negativen Folgen für die Umwelt und die Tiere selbst. Die dabei entstehenden schädlichen Ammoniak‐Emissionen könnten durch die Nutzung einer Latrine und die Trennung von Kot und Harn deutlich vermindert werden. Die vorgestellte Übersichtsstudie kommt zu dem Schluss, dass mithilfe assoziativer Lernmethoden wie der operanten Konditionierung ein erfolgreiches Latrinentraining bei Rindern möglich sein sollte. Diesen Ansatz in einem Pilotprojekt auch praktisch zu realisieren, wird zurzeit mit den oben genannten Partnern in einem von der VolkswagenStiftung geförderten Projekt am FBN untersucht.

Originalartikel ist online verfügbar

Quelle: Leibniz-Institut für Nutztierbiologie

Tödliche Bakterieninfektion bei Schweinen entschlüsselt

Neugeborene Ferkel sterben oft qualvoll an einer Infektion mit einem Darmbakterium. Ein Team von Forschenden aus drei Fakultäten der Universität Bern hat nun herausgefunden, wie das Bakterium tödliche Darmblutungen auslöst. Damit ist ihnen ein Durchbruch in der tiermedizinischen Forschung gelungen. Jetzt öffnen sich vielversprechende Aussichten für Impfstoffe und Medikamente auch für Anwendung beim Menschen.

Das Bakterium Clostridium perfringens gehört zur großen Gruppe der Clostridien, die verschiedene tödliche Erkrankungen bei Tieren und Menschen verursachen können. Clostridieninfektionen sind weit verbreitet. Gefährlich werden diese Bakterien dadurch, dass sie extrem starke Gifte (Toxine) produzieren, die gezielt Zellen des Wirtes schädigen. Gefürchtete Krankheiten, die durch Clostridien ausgelöst werden, sind beispielsweise Botulismus, Wundstarrkrampf, Gasbrand und Darminfektionen.

Die Gruppe um Horst Posthaus am Institut für Tierpathologie der Universität Bern erforscht eine Darminfektion bei Schweinen, die durch Clostridium perfringens ausgelöst wird. Bereits vor 10 Jahren konnten sie zeigen, dass das von den Bakterien gebildete Gift, das sogenannte Beta-Toxin, Blutgefäßzellen zerstört und so zu den Blutungen im Darm der Ferkel führt. Bislang war jedoch ungeklärt, warum das Toxin genau diese Zellen und nicht andere angreift. Nun ist es Julia Bruggisser, Biochemikerin und Doktorandin am Institut für Tierpathologie, in einer interdisziplinären Zusammenarbeit über drei Fakultäten hinweg gelungen, das Rätsel um diesen Mechanismus zu lösen. Die Erkenntnisse der Studie wurden im Fachjournal «Cell Host & Microbe» publiziert.

Ein Schlüssel-Molekül
Vor rund fünf Jahren stieß die Laborantin Marianne Wyder vom Institut für Tierpathologie auf ein Molekül mit dem Namen Platelet-Endothelial Cell Adhesion Molecule-1 (abgekürzt PECAM-1 oder auch CD31). Es befindet sich auf der Oberfläche von verschiedenen Zellen und spielt eine zentrale Rolle bei den Darmblutungen der Ferkel. Die eigentliche Aufgabe des CD31-Moleküls ist es, das Zusammenspiel zwischen Entzündungszellen und den Blutgefäßen zu regeln. Es kommt vor allem auf Zellen vor, die sich auf der Innenseite von Blutgefäßen befinden (sogenannte Endothelzellen).

Bei Experimenten fiel auf, dass sich CD31 und das Beta-Toxin fast identisch auf diesen Zellen verteilen. «Aus dieser ersten Beobachtung entstand unser Projekt», so Horst Posthaus. Julia Bruggisser vom Institut für Tierpathologie fand heraus, dass das von den Bakterien im Darm freigesetzte Gift an das CD31 andockt. Da das Beta-Toxin zu den Poren-bildenden Toxinen gehört, durchlöchert es in der Folge die Zellmembran und tötet die Endothelzellen. Dies führt zur Schädigung der Gefäße und den Blutungen im Darm.

Forscherinnen der Uni Bern schließen sich zusammen
Wichtig für das Gelingen des Projektes war die Zusammenarbeit mehrerer Forschungsgruppen an der Universität Bern. «Für meine Forschung arbeite ich in drei Laboren an der Universität. Das ist zwar anspruchsvoll, aber ich lerne viel und vor allem macht es Spaß», sagt Julia Bruggisser. Außer in der Tierpathologie arbeitete sie auch mit der Gruppe von Britta Engelhardt (Theodor-Kocher Institut) sowie Christoph von Ballmoos (Departement für Biochemie) zusammen. «Sie hatten die richtigen Fragen und Ideen. Wir konnten unser Know-how über CD31 und bei uns entwickelte Methoden und Reagenzien in die Studie einbringen» so Britta Engelhardt. «Das hat perfekt gepasst», ergänzt Christoph von Ballmoos.

Bessere Vorbeugung und Medikamente
Die Entdeckung erlaubt es, bessere Impfstoffe zu entwickeln um die tödliche Erkrankung beim Schwein zu verhindern. «Wir wollen aber auch untersuchen, ob sich aus der Bindung des Beta-Toxins an das CD31 auf den Endothelzellen neue Therapieformen, zum Beispiel für Gefäßerkrankungen bei Menschen entwickeln lassen. Hierfür haben wir bereits weitere Zusammenarbeiten innerhalb der Universität Bern gestartet», sagt Horst Posthaus.

Diese Studie wurde unterstützt vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) und durch ein Stipendium für internationale Studierende der Universität Bern.

Quelle: Universität Bern

„Preis der Tiergesundheit“ geht in die nächste Runde Bewerbungsstart im Juni

MSD Tiergesundheit erweitert Wettbewerb auf drei Kategorien
Premiere für schweinehaltende Betriebe
Rinderhalter können sich in zwei Kategorien bewerben

Nach der erfolgreichen Premiere 2019 setzt MSD Tiergesundheit den „Preis der Tiergesundheit“ nicht nur fort, sondern erweitert ihn auf drei Kategorien.

Diesmal mit zwei neuen Schwerpunkten beim Rind: „Rindermast“ und „Eutergesundheit“ sowie einer weiteren Tierart: Schwein. Hier werden innovative Konzepte zur Verbesserung der Ferkelgesundheit prämiert.

In der Kategorie „Eutergesundheit“ sucht MSD Tiergesundheit nach vielversprechenden Maßnahmen, die nachweislich mit Erfolg umgesetzt wurden. Dabei muss es sich nicht immer um die ganz großen Investitionen handeln. Manchmal reicht eine Reihe von kleinen Einzelschritten, die zusammengefügt das große Ganze ergeben. Daher möchte MSD Tiergesundheit auch kleinere Betriebe ermutigen, sich mit ihren Erfolgsgeschichten zu bewerben.

Um den Anforderungen und besonderen Gegebenheiten in Rindermastbeständen Rechnung zu tragen, hat MSD Tiergesundheit für diese Betriebe eine eigene Kategorie eingerichtet. Auch hier werden Gesundheitskonzepte prämiert, die mit Erfolg umgesetzt wurden und so die Tiergesundheit nachhaltig verbessert haben.

Die ganz Kleinen stehen im Mittelpunkt der Kategorie „Innovatives Saugferkelmanagement“. Bereits in den ersten Tagen werden die Weichen für leistungsstarke und frohwüchsige Schweine gestellt. MSD Tiergesundheit sucht Maßnahmen, die sich in der Praxis bewährt und eine erfolgreiche Aufzucht ermöglicht haben.

In jeder Kategorie werden jeweils drei Betriebe mit einem zweckgebundenen Preisgeld ausgezeichnet. Die Bewerbung ist ab dem 01.06.2020 unter www.preisdertiergesundheit.com möglich.

Der „Preis der Tiergesundheit“ wurde 2019 von MSD Tiergesundheit ins Leben gerufen, um Erfolgsgeschichten zur Verbesserung des Tierwohls ins Rampenlicht zu rücken und zu teilen. Der Erfahrungsaustausch zwischen Landwirtinnen und Landwirten über neue Ideen, Gesundheitsmaßnahmen oder Impfkonzepte steigert langfristig die Tiergesundheit und wirkt sich zudem wirtschaftlich positiv auf die Betriebe aus. Das können auch die Gewinnerbetriebe bestätigen. Insbesondere die Top 3 Betriebe von 2019 konnten durch ihre Auszeichnung dazu beitragen, in der Öffentlichkeit ein positives Bild der Landwirtschaft zu vermitteln und dadurch die Wertschätzung ihrer Arbeit zu verbessern.

Der kollegiale Erfahrungsaustausch der Teilnehmer von 2019 wird durch eine neuinitierte Netzwerkplattform von MSD Tiergesundheit noch intensiviert. Im Rahmen der „Innovationsschmiede“ haben die Landwirtinnen und Landwirte Gelegenheit, weiter voneinander zu lernen und ihre Beziehungen zu vertiefen.

Quelle: MSD Tiergesundheit

Saugferkeldurchfälle – Es muss nicht immer Coli sein

Von Dr. Hendrik Nienhoff, Dipl. ECPHM, Fachtierarzt für Schweine, Landwirtschaftskammer Niedersachsen

Durchfälle stehen trotz verbesserten Managements immer noch auf Platz eins in der Liste der Erkrankungen beim Saugferkel und verursachen große Verluste. Gerade bei gestiegenen Wurfgrößen stehen selbst gut geführte Betriebe zum Teil vor Problemen. Im Folgenden werden die wirtschaftlich bedeutsamsten Erkrankungen erläutert und Strategien zu ihrer Bekämpfung im Betrieb aufgezeigt.

Eine Reihe von verschiedenen bakteriellen, viralen, aber auch parasitären Erregern kann die Ursache für Durchfallerkrankungen sein. Während in den letzten Jahrzehnten immer die Coli-Durchfälle auf Platz eins der Liste standen, hat sich das Bild mittlerweile etwas verschoben. Viele Betriebe haben kommerzielle Mutterschutzvakzine im Einsatz und beherrschen damit einen Großteil der vorkommenden Stämme. Anders sieht es z.B. bei den viralen Erregern aus. Hier gibt es keine kommerziellen Impfstoffe.

E-Coli Diarrhoe:
Die Coli-bedingte Durchfallerkrankung ist mittlerweile abgelöster Spitzenreiter von Geburt bis zum Absetzen. Vom Erreger Escherichia Coli gibt es mehrere Tausend Serotypen, von denen aber die meisten fürs Schwein nicht krankmachend sind. Insbesondere hämolysierende E.coli-Stämme lösen aber schwere Durchfälle aus. Typische Vertreter sind z.B. die Colistämme mit den Fimbrientypen F4, F5, F6, F41. Die Coli-Keime haben an Oberflächen und Kapseln sogenannte O- und K-Antigene, die auch für ihre Unterscheidung (Typisierung, Serotyp) genutzt werden, mit denen sie sich im Darm an bestimmten Rezeptoren anheften können und dann verschiedene Durchfall-auslösende Gifte (Toxine) freisetzen können. Voraussetzung hierfür ist das Fehlen von maternalen Antikörpern aus der Biestmilch, z.B. bei Jungsauen, bei MMA, oder um die 3. Lebenswoche herum. Die Coliruhr tritt sowohl als Neugeborenen-, Dreiwochendurchfall und nach dem Absetzen auf. Besonders bei Neugeborenen sind die Verluste sehr hoch (bis zu 100 % der Ferkel eines betroffenen Wurfes). Sie zeigen einen gelblich-wässrigen Durchfall (häufig ist der After verschmiert und gerötet, was eine Austrocknung nach sich zieht (Haut waschbrettartig). Beim Dreiwochendurchfall zeigt sich ein eher gelblich-cremiger Durchfall und die Verluste sind geringer. Nach dem Absetzen spielen insbesondere Colis vom Typ F18 und F4 eine Rolle. Einige Stämme produzieren das Shiga-Toxin, das zur Ödemkrankheit führt, andere produzieren Toxine, die zu Durchfall oder auch zum plötzlichen Tod der Ferkel führen. Zu behandeln sind Coli-Durchfälle mit verschiedenen Antibiotika, die bei Saugferkeln meist mit einem Doser (verschiedene Präparate) über das Maul behandelt werden. Da Resistenzen möglich sind und andere Durchfallerreger eine Rolle spielen können, ist es wichtig, frisch erkrankte Ferkel untersuchen zu lassen, damit erstens der Serotyp des Coli-Keims und die Toxine des Erregers ermittelt werden können und zweitens eine Ausage zu den wirksamen Antibiotika getroffen werden kann. So ein Resistenztest ist bei bestimmten Präparaten mittlerweile vorgeschrieben.

Die Ermittlung des Serotyps und der Toxine ist auch wichtig, wenn man zur Prophylaxe des Neugeborenendurchfalls eine Mutterschutzimpfung installieren will, da es bei den Impfstoffen unterschiedliche Angriffspunkte gibt (Zellwandantigen, Toxin und Fimbrien). Gute Impfstoffe haben mehrere Angriffspunkte. Neben den klassischen Mutterschutzvakzinen gibt es mittlerweile auch Ferkelimpfstoffe, die sich gegen das Shiga-Toxin und F4 /F18-Colis richten, um Absetzdurchfall und Ödemkrankheit in den Griff zu bekommen. Auch eine Mutterschutzvakzine ist auf dem Markt, mit der neben den Saugferkel-Durchfällen auch die Absetzdurchfälle unter Kontrolle gebracht werden sollen. Nachdem in den letzten Jahren die Typisierungen der Durchfall verursachenden E. Coli-Stämme gezeigt hat, dass viele Probleme aus betroffenen Betrieben nicht gelöst werden konnten, werden im Augenblick neue Faktoren untersucht, um auch hier die Problemkeime besser einschätzen zu können.


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Können Kälber Empathie empfinden?

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Im Rahmen des Animal Welfare Programms der Faculty of Land and Food Systems untersuchten Wissenschaftler der University of British Columbia (Vancouver), ob Kälber fähig sind Empathie zu empfinden. Wir sprachen mit dem Erstautor Thomas Ede über die Studienergebnisse:

Thomas Ede

Herr Ede, Sie haben die erste Empathiestudie mit Rindern überhaupt durchgeführt. Wie definieren Sie eigentlich Empathie bei Tieren?
Es gibt keine eindeutige Definition von Empathie bei Tieren (oder beim Menschen), sie wird meist als Spektrum angesehen, das viele Prozesse unterschiedlicher Komplexität umfasst. In unserer Studie haben wir Empathie in ihrer grundlegendsten Form definiert: Sensibilität für den emotionalen Zustand eines anderen.

Was waren die Hauptziele der Studie?
Unser Programm interessiert sich seit einiger Zeit für die Schmerzen, die Kälber nach dem Enthornen haben. Diese Studie war ein erster Schritt zur Erforschung der Rolle des sozialen Kontakts bei der Schmerzerfahrung von Kälbern. Insbesondere wollten wir herausfinden, ob Kälber anders auf ein anderes Kalb reagierten, das sich vom Enthornen erholte, als auf ein Scheinverfahren.

Wie sah das experimentelle Design aus?
Unser Versuchsaufbau war eine Bucht, die in drei Fächer unterteilt war. Die Trennwände ermöglichten es den Kälbern, einander zu sehen und miteinander zu interagieren. Ein „Beobachter“ -Kalb befand sich im mittleren Abteil, und zwei „Demonstrator“ -Kälber befanden sich in den Seitenabteilen (jeweils ein Kalb). Ein Demonstrator erholte sich von der Enthornung, während der andere sich von einem Scheinverfahren (nur Sedation ohne anschließende Enthornung) erholte.

Beobachter konnten nur das Enthornungsgerät sehen, nicht aber das Enthornen der anderen Kälber. Aber sie waren vor ein paar Tagen selbst enthornt worden?
Das ist richtig, Beobachter wurden nach der Enthornung hinzugezogen, sodass sie nur die Erholung von dem Eingriff sehen konnten. Die Beobachter wurden zwei Tage vor dem Experiment enthornt. Wir glauben, dass frühere Schmerzerfahrungen zur Empathie für Schmerzen beitragen können, aber dies wurde bei Kälbern nicht untersucht.

Wie drücken Kälber Schmerzen genau aus?
Dies kann ein komplexes Thema sein, da der Ausdruck von Schmerz von der Art des erlebten Schmerzes abhängt und Rinder im Allgemeinen ziemlich stoisch sind. Im Falle einer Enthornung sind Ohrenschmerzen, Kopfschütteln und Kopfreiben das häufigste Schmerzverhalten. Wenn keine Lokalanästhesie vorgesehen ist, reagieren die Kälber intensiv auf das Verfahren, wie z. B. Lautäußerungen und Fluchtversuche.

Was waren die wichtigsten Ergebnisse der Studie?
Ein Hauptergebnis der Studie war, dass Kälber mehr Zeit verbrachten mit Kälbern, die sich von einem schmerzhaften Eingriff erholten, ihnen mehr Aufmerksamkeit schenkten als beim Scheinverfahren. Ein weiteres interessantes (wenn auch weniger starkes) Ergebnis war, dass Beobachter während eines der Tests dazu neigten, die Bucht zu meiden, in dem sie Kälber mit Schmerzen sahen.

Im Diskussions-Abschnitt Ihrer Studie schreiben Sie, dass Kälber eigentlich den Ganzkörperkontakt bevorzugen. In den Experimenten war jedoch zunächst nur Kopfkontakt möglich. Gibt es andere Faktoren, die in zukünftigen Studien geändert werden könnten?
Ja, es bleiben viele interessante Fragen offen. Wie bereits erwähnt, könnte die Erfahrung mit Schmerzen ein wichtiger Faktor sein: Wenn Kälber selbst keine Schmerzen hatten, können sie dann Empathie dafür haben? In dieser Studie haben wir uns auch auf junge, nicht verwandte Kälber konzentriert, aber es wäre interessant, die empathische Reaktion einer Mutter auf ihr Kalb zu untersuchen (die wir als stark erwarten).

Möchten Sie weiter über Empathie forschen? Vielleicht mit ausgewahsenen Rindern oder anderen Nutztieren?
Tierisches Einfühlungsvermögen ist ein absolut spannendes Feld. Wir führen derzeit weitere Untersuchungen zur Bedeutung von Sozialpartnern bei der Schmerzlinderung bei Kälbern durch, aber ich hoffe, diese Forschungsrichtung mit anderen Arten fortzusetzen, wobei ich persönlich Schweine und ihr komplexes soziales Leben bevorzugt würde.

Herr Ede, herzlichen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg bei Ihrer Arbeit!

Social approach and place aversion in relation to conspecific pain in dairy calves
Thomas Ede, Marina A. G. von Keyserlingk, Daniel M. Weary
Animal Welfare Program, Faculty of Land and Food Systems,
University of British Columbia, Vancouver, B.C., Canada

Link zur Studie

Boehringer Ingelheim bietet Expertenwissen: Kostenloses und praxisnahes Webinar zu ASP

Auch wenn derzeit alle Augen auf die Ausbreitung von Covid-19 gerichtet sind, bleibt die Afrikanische Schweinepest (ASP) das beherrschende Thema in der Schweineproduktion. Veranstaltungen sind derzeit nicht möglich, trotzdem möchte der Impfstoffspezialist Boehringer Ingelheim weiterhin Expertenwissen vermitteln: In einem Webinar gibt der Tierarzt Dr. Tomasz Trela wertvolle Tipps im Umgang mit der ASP und berichtet von seinen Erfahrungen in betroffenen Beständen, denn er hat als ASP-Experte viele Betriebe in China und Osteuropa betreut. Die schwierige Diagnostik, Verwechslung mit PRRS oder Influenza sowie die Wahrheit über die wirklichen Fallzahlen – aufgrund vieler internationaler Kontakte mit Tierärzten und Produzenten sowie auch durch die Zusammenarbeit mit lokalen Veterinärbehörden konnte der Technical Manager für Schweine bei Boehringer Ingelheim praktische Erfahrungen über die weltweite ASP-Situation sammeln.
Das praxisnahe und gut besuchte Webinar, ursprünglich am 7. Mai 2020 veranstaltet, ist speziell an Betriebsleiter, Mitarbeiter in den Betrieben sowie Berater gerichtet. Unter diesem Link steht es jederzeit abrufbereit auf der Homepage von Boehringer Ingelheim.

Bei Fragen zum Webinar und auch zu allen anderen Themen rund um das Schwein helfen Ihnen sehr gerne unsere landwirtschaftlichen Fachberater weiter. Sie sind Ansprechpartner für landwirtschaftliche Organisationen, Berater, Betriebe sowie Schüler und Studenten in Ihrer Region. Nutzen Sie gerne diesen Service:

Im Norden:
Herbert Heger
Tel: 06132-77-182182
Herbert.heger@boehringer-ingelheim.com

Im Osten:
Doreen Schillkamp
Tel: 06132-77-171045
Doreen.schillkamp@boehringer-ingelheim.com

Im Süden:
Markus Hellenschmidt
Tel: 06132-77-171175
Markus.hellenschmidt@boehringer-ingelheim.com

Quelle: Boehringer Ingelheim

Winterliches Bienensterben: Zucker aus Waldhonig gefährdet Überleben der Völker

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Studie der Uni Hohenheim: spezieller Zucker im Waldhonig reduziert Lebensdauer von Bienen und führt zu starken Ertragsverlusten / Gegenmaßnahmen nur rechtzeitig möglich

Imker kennen das Problem, wenn der Honig beim Schleudern wie Zement in den Waben klebt. Ursache ist ein hoher Gehalt eines besonderen Zuckers, der Melezitose. Er ist verantwortlich dafür, dass der Honig schon in den Waben auskristallisiert und nicht mehr herausgeschleudert werden kann. Die Folge sind nicht nur massive Ertragsverluste. Die sogenannte Waldtrachtkrankheit steht auch im Verdacht, ganze Bienenvölker in Gefahr zu bringen. Eine Vermutung, die jetzt erstmals von Wissenschaftlern der Universität Hohenheim in Stuttgart anhand von Laborexperimenten bestätigt wurde. Demnach führt der spezielle Zucker zur Schädigung der Darmbakterien der Bienen und reduziert so ihre Lebensdauer. Details berichten Victoria Charlotte Seeburger von der Landesanstalt für Bienenkunde und ihre Kollegen in ihrer aktuellen Publikation im Journal PloS ONE

Honigbienen ernähren sich im Frühjahr überwiegend von Honig, den sie aus Blütennektar herstellen. Im Sommer nehmen nektarliefernde Blüten ab und der Honigtau wird attraktiver und stellt oft die Hauptnahrungsquelle dar.

Was so appetitlich klingt sind nichts anderes als die Ausscheidungen von verschiedenen Lausarten, die sich von dem Pflanzensaft vor allem von Nadelbäumen ernähren. Das Ergebnis ist zwar ein wohlschmeckender Waldhonig, Imkern ist aber bekannt, dass dieser Honigtauhonig vor allem zu Beginn des Winters bei ihren Honigbienen zur so genannten Waldtrachtkrankheit führen kann.

Die Hinterleiber der betroffenen Bienen sind angeschwollen oder sie erleiden einen massiven Haarausfall. Oft zeigen sie auch ein verändertes Verhalten: Viele Bienen bleiben am Eingang des Bienenstocks, anstatt auszufliegen. Dieser Zustand kann sich soweit verschlechtern, dass ganze Stöcke innerhalb kurzer Zeit eingehen. Allerdings wurde als Ursache für die Waldtrachtkrankheit bislang der hohe Mineralstoffgehalt im Waldhonig vermutet.

Melezitose-Zucker als Ursache erstmals bestätigt
Honigtau enthält im Vergleich zu Blütennektar eine größere Zahl von speziellen Zuckern, die von den Läusen produziert werden. Dazu gehört auch die Melezitose. Sie ist in Blütennektar nicht zu finden, kann aber im Honigtau von Läusen, die auf Fichten leben, bis zu 70 % des Zuckeranteils ausmachen. Sie steht schon lange im Verdacht für die Erkrankung der Bienen verantwortlich zu sein.

Um diese Vermutung zu überprüfen, führte Victoria Seeburger im Rahmen ihrer Doktorarbeit in drei aufeinanderfolgenden Jahren Fütterungsexperimente mit Honigbienen durch. Dabei zeigt sich, dass mit Melezitose gefütterte Bienen deutlich mehr im Vergleich zu Bienen fraßen, denen eine Kontrolldiät verabreicht wurde.

Darüber hinaus wiesen die mit Melezitose gefütterten Bienen schwere Krankheitssymptome auf, wie ein geschwollener Hinterleib, das Tippen mit dem Hinterleib auf den Boden und Bewegungsstörungen bis hin zur kompletten Lähmung. Schließlich starben auch viele von ihnen. Dies bestätigt zum ersten Mal, dass Melezitose die Symptome der Waldtrachtkrankheit auslösen kann.

Die Analyse ihrer Darmbakterien (Mikrobiota) mit Hilfe der Hochdurchsatzsequenzierung zeigte, dass sich bei den Bienen, die mit Melezitose gefüttert wurden, das Artenspektrum der Milchsäurebakterien verändert hat. „Wir gehen deshalb davon aus, dass Melezitose von den Bienen nicht gut verdaut werden kann und sich im Darm ansammelt“, sagt Victoria Seeburger. Die Bienen sind offenbar mangelhaft ernährt, obwohl sie eigentlich ausreichend fressen. „Die geschwächten Tiere sind zudem auch anfälliger für Krankheitserreger, was die Sache noch verschlimmert.“

Imker sollten rechtzeitig reagieren
Für Imker hat Victoria Seeburger die Empfehlung, Honigtau mit einem hohen Gehalt an Melezitose zu vermeiden: „Sie sollten ihre Kolonien aus den Wäldern entfernen, wenn die Umweltbedingungen die Melezitoseproduktion begünstigen.“ Dies sei beispielsweise bei Honigtau der von Imkern gefürchteten großen schwarzen Fichtenrindenlaus der Fall.

Aber auch im Winter kann es zu Problemen kommen: „Bienen sind sehr saubere Tiere, die nur außerhalb des Stockes abkoten. Wenn sie im Winter den Stock nicht verlassen, kann sich die Melezitose im Darm anreichern.“ Deswegen sollten mit Melezitosehonig gefüllte Waben möglichst aus den Stöcken entfernt werden, so dass sie den Tieren nicht mehr als – kaum zu verdauendes – Futter zur Verfügung stehen.

Eine Gefahr für Menschen sieht Seeburger übrigens nicht, auch wenn es dazu keine Untersuchungen gibt: „Flüssiger Waldhonig hat nur einen niedrigen Melezitosegehalt und mit diesen geringen Mengen sollte das menschliche Verdauungssystem gut klarkommen.“

Quelle: Universität Hohenheim

Internationales Projekt zur Stärkung der Aquakultur im südbaltischen Raum gestartet

Zum 1. Januar 2020 wurde das Interreg-Projekt AquaVIP (Aquaculture virtual career development platform for the South Baltic Region) ins Leben gerufen, das auf eine Entwicklung des Aquakultursektors und eine Verlagerung des Schwerpunkts in den südöstlichen Ostseeraum zielt. Das dreijährige Vorhaben wird vom Klaipeda Science and Technology Park in Litauen geleitet und von der Universität Rostock (Deutschland), der Universität Gdańsk (Polen) und der Universität Klaipeda (Litauen) begleitet. Das Projekt wird aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung gefördert.

Ziel der langfristigen Strategie „Blaues Wachstum“ der Europäischen Kommission ist es, das nachhaltige Wachstum in allen marinen und maritimen Wirtschaftszweigen zu unterstützen. Die Aquakultur gehört dabei zu einem der vielversprechendsten Sektoren der maritimen Wirtschaft bezüglich des Wachstums- und Arbeitsplatzpotenzials. Im südlichen Ostseeraum ist die Aquakultur bisher jedoch noch kein weit verbreiteter Wirtschaftszweig. Der Bedarf an hochqualifiziertem Personal und Wissen in der modernen Aquakultur ist sehr hoch. Hier wird das Projekt „AquaVIP“ ein Aktionsfeld haben. Das Vorhaben konzentriert sich auf die Förderung der Ausbildung durch die Förderung von Studierenden und Fachkräften in diesem Sektor mit dem Ziel, gut vorbereitete Arbeitskräfte sowie eine Ausweitung des Aquakulturmarktes im südlichen Ostseeraum zu erreichen. Die AquaVIP-Partner verfügen über langjährige Erfahrung und Kompetenzen im Bereich der Aquakultur.

Besonderes Augenmerk wird das Projekt auf die Untersuchung bewährter Praktiken und den Austausch von Wissen und Erfahrungen in Bezug auf das bereits vorhandene und zukünftige Personal für die blaue und grüne Wirtschaft des Aquakultursektors legen. Darüber hinaus wird in Zusammenarbeit mit assoziierten Partnern und weiteren Akteuren an gemeinsamen Entwicklungen maßgeschneiderter Lösungen zur Verbesserung der Personalsituation sowie der Erprobung innovativer Methoden und Instrumente gearbeitet. AquaVIP wird internationale Netzwerke mit Organisationen bilden, welche die gleichen Ziele verfolgen und sektorübergreifende Kooperationsmöglichkeiten untersuchen.

„Im Rahmen dieses Projekts werden wir eine starke Basis für die Stärkung von Aquakulturprogrammen an den Universitäten schaffen, praktische Erfahrungen für akademische Gemeinschaften bereitstellen und Bedingungen für Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt schaffen. Die innovative Aquakultur wird den Unternehmen in unserer Region und der Gesellschaft im Allgemeinen zugutekommen, da sie gesunde, sichere und regional produzierte Lebensmittel von hoher Qualität liefern wird. Der Einsatz innovativer umweltfreundlicher Produktionstechnologien wird auch neue und internationale Märkte eröffnen und damit weitere neue Arbeitsplätze und ein blau-grünes Wachstum im südlichen Ostseeraum schaffen“, betont Andrius Sutnikas, Projektleiter und Entwicklungsmanager im Wissenschafts- und Technologiepark Klaipeda.

Verschiedene Experimente, mit unterschiedlichen Schwerpunkten werden in den Einrichtungen der Partner durchgeführt und sind als Kernaktivitäten für die Ausbildung und Vernetzung der Partnerländer und des Aquakulturpersonals vorgesehen. Die Forschungsaktivitäten werden beispielsweise die Verbesserung künstlicher Nahrungsketten für die Zucht empfindlicher Fischlarven, das Thema Aquaponik, unter anderem mit der Weißfußgarnele Litopenaeus vannamei und Mikroalgen, Anwendung von Brackwasser bei der Kultur von Süßwasserfischen, geothermische Sole zum Aufsalzen des Wassers bei der RAS-Kultivierung von Meeresfischen umfassen.

Quelle: Universität Rostock

Schlupf im Stall: Raus aus der Nische?

Von Thomas Wengenroth, Dr. Heike Engels

Während das noch recht neue Verfahren „Schlupf im Stall“ für Masthähnchen in den Niederlanden und weiteren europäischen Ländern schon seit einigen Jahren praktiziert wird, ist es in Deutschland bisher noch nicht so verbreitet. Doch vielleicht wird sich das bald ändern, denn die Erfahrungen sind durchweg positiv. Wir haben uns das Verfahren der Firma NestBorn einmal genauer angeschaut.

In den vergangenen Jahren wurden Forderungen nach mehr Tierwohl immer lauter, auch und speziell für die Hähnchenmast. Im Jahr 2016 machte sich die Firma NestBorn deshalb daran, Tierwohl vom Anfang her zu denken. Entwicklungschef Erik Hoeven und sein Team entwickelten ein System für den Kükenschlupf direkt im Stall. Heute liefern Partner-Brütereien des belgischen Unternehmens Bruteier nach Deutschland, England, Frankreich, in die Niederlande und natürlich an belgische Mäster. Wöchentlich werden heute bereits 400.000-500.000 Eier ausgeliefert und die Nachfrage steigt.

Bei einer Eiauslieferung im Januar waren wir vor Ort beim Landwirt Ludger Schröer in Spelle, Emsland in Niedersachsen. Dort trafen wir Erik Hoeven von NestBorn und Anton de Jong von der niederländischen Brüterei van Hulst. Für Hähnchenmäster Ludger Schröer war es bereits die achte Brutei-Lieferung und besonders auf seine Erfahrungen waren wir gespannt. Er betreibt einen Hähnchenmaststall mit 29.000 Plätzen, daneben hält er noch Mastschweine und Mastbullen und bewirtschaftet einige Hektar Ackerland. Die Hähnchen liefert er an die holländische „De Heus Voeders B.V.“ an die Schlachterei „GPS Gecombineerde Pluimvee Schlachterijen B.V.“. Diese arbeitet nach dem Konzept Royal Top, wo die frühe Fütterung der Küken Pflicht ist. Ausschlaggebend für den Umstieg auf „Schlupf im Stall“ waren für ihn mehr Nachhaltigkeit und die Antibiotikareduktion.

Schlupf im Stall in jedem Maststall möglich
Große Vorbereitungen sind nicht nötig, wenn Eier statt Eintagsküken geliefert werden. Nur zwei Bahnen Holzspäne müssen ausgelegt und der Stall auf etwa 34 Grad Celsius vorgeheizt sein, die Bodenplatte auf maximal 28 Grad Celsius. Umbauten oder spezielle Technik sind nicht von Nöten, der Kükenschlupf kann praktisch in jedem gewöhnlichen Maststall geschehen.

Reifendesinfektion am Lege-Roboter

Die Eiablage übernimmt bei NestBorn der Lege-Roboter. Dies ist eine Maschine, die auf profillosen Reifen vom LKW rollt und 60.000 Eier pro Stunde schafft. Das bedeutet, dass das Legen der Eier im Stall von Landwirt Schröer innerhalb von einer Stunde erledigt ist. Das Bestücken der Maschine mit den bebrüteten Eiern ist Handarbeit, die Platzierung der Eier im Holzspänebett übernimmt dann der Roboter. Diese Legemaschine wird nach jedem Einsatz innen sowie außen gereinigt und desinfiziert. Spezielle Desinfektionsdüsen säubern die profillosen Reifen, während der Legeroboter vom Lastwagen in den Stall fährt und ebenso auf dem Rückweg. Für die Laborkontrolle auf Salmonellen wird eine repräsentative Anzahl Eier abgezweigt: pro Stall immer 80 Stück, deren Eierschalen auf Salmonellen beprobt werden.

Zur Überwachung von Eitemperatur, Luftfeuchtigkeit, Stalltemperatur und Kohlendioxidgehalt der Stallluft werden in regelmäßigen Abständen je vier Eier in spezielle drahtlos arbeitende Sensor-Schalen (Ovo-Scans) gelegt.

Im „Geflügel Spezial“ finden Sie den Rest der Reportage, zusammen mit weiteren spannenden Themen. Kostenfreier Sofort-Download hier.

Wo liegen die Herausforderungen in der Geflügelhaltung? Interview mit Prof. Robby Andersson

Geflügel boomt – sowohl die Nachfrage nach Eiern als auch nach Geflügelfleisch ist seit langem ungebrochen stark. Doch die Diskussionen um Klimawandel, Tierwohl und Antibiotikareduktion machen auch vor der Geflügelhaltung nicht Halt. Welchen Herausforderungen sich die Branche aktuell stellen muss, erklärt Prof. Dr. Robby Andersson. Er ist Professor an der Hochschule Osnabrück am Lehrstuhl Tierhaltung und Produkte, Studienschwerpunkt angewandte Geflügelwissenschaften.

Herr Prof. Andersson: Einer Ihrer großen Forschungsbereiche ist die Digitalisierung. Was können wir heute im Stall alles messen und beobachten?
Wir haben in Niedersachsen das große Glück, dass wir ein großes Digitalisierungsprojekt für fünf Jahre bewilligt bekommen haben. Wir haben zwei Ebenen, die uns zentral beschäftigen: erstens gilt es die Umwelt der Tiere zu erfassen und zwar möglichst detailliert, d. h. wir messen nicht mehr nur Zu- und Abluft und dazwischen ist eine Black-Box. In verschiedenen Stallbereichen werden Schadgaskonzentrationen, vor allem NH3 und auch CO2 erfasst um dann über eine intelligente Lüftung das Stallklima entsprechend zu optimieren. Wir konzentrieren uns stark auf Ammoniak, nicht nur aufgrund politischer Forderungen, die auf Umweltwirkungen abzielen, sondern zentral auch aus Tiergesundheitsgründen.

Die zweite große Baustelle ist die berührungslose Erfassung und Beurteilung der Situation der Tiere, sprich mit Kameratechnik. Wir wollen Haltungssysteme aufgrund tierbezogener Daten erfassen und bewerten, also ein Haltungssystem nicht so bauen, wie es der Mensch für gut befindet, sondern wie es aufgrund der Informationen vom Tier zu beurteilen ist.

Hier geht es u.a. um die Bewegungsaktivität, sind die Tiere altersabhängig mehr oder weniger aktiv, es geht dabei natürlich auch um Verhaltensstörungen und deren Früherkennung. Je früher ich etwas erkenne, desto früher kann ich erfolgreich reagieren: Konkret, die Vermeidung von Federpicken, Kannibalismus und bei Puten Beschädigungspicken.

Und Sie konzentrieren sich in Ihrer Forschung auf Broiler, Hühner und Puten?
Genau, Entenhaltung ist in Deutschland ja ein bisschen schwierig zurzeit. In Ställen von Wassergeflügel sind wir im Moment gar nicht unterwegs.

Noch mal zurück zu den Messungen des Stallklima: Temperatur ist klar, NH3 haben Sie angesprochen, aber auch der CO2-Gehalt der Luft kann eine wichtige Rolle spielen.
Das ist aktuell eine ganz große Herausforderung, wenn Küken schlüpfen. Laut gesetzlicher Vorgaben sind maximal 3.000 ppm in der Stallluft erlaubt, normal sind 400 bis 500 ppm in der Zuluft. Um einen möglichst synchronen Schlupf hinzubekommen, wird die sehr kurzfristige Erhöhung der CO2-Konzentration geprüft. Man möchte so den Küken im Ei mitteilen: alle anderen Küken sind am Schlüpfen, sieh auch du zu aus dem Ei zu kommen, mal etwas platt gesagt. Und dann müssen wir natürlich mit der CO2-Konzentration sehr schnell und radikal wieder runter. Die optimalen Kurven dazu hat wohl noch keiner, aber daran wird gearbeitet.

Es gibt Unterschiede im Verhalten von Hühnern und Puten. Sind die einen einfach ruhiger und die anderen aktiver?
Man findet einige Praktiker, die viel Erfahrung mit Hühnern haben und dann davon ausgehen, eine Pute sei ein zu groß geratenes Huhn. Aber die machen vieles nicht so ganz richtig, denn die Verhaltensmuster sind sehr, sehr unterschiedlich. Sie können das Verhalten von Hühnern nur im weitesten Sinne auf Puten übertragen, aber niemals eins-zu-eins.

Puten haben eine andere Wahrnehmung als Hühner, sie sehen z.B. das Futter anders und damit sind schon viele unserer Erfahrungen vom Huhn nicht übertragbar. Auch das Lernen der Puten ist, da sie ja in anderen Zeitfenstern ihre physiologische Entwicklung durchlaufen, anders als beim Huhn.

Das Verhalten von Puten zu verstehen ist schwierig, über Hühner wissen wir dagegen recht viel. Das macht auch den Verzicht auf das Schnabelkürzen so schwer, denn wenn man das Verhalten der Pute noch nicht richtig versteht, wo will man dann anfangen zu optimieren?

Aber wenn Sie das Verhalten von Hühnern beobachten, gibt es Schwellenwerte bei denen ein Alarm ausgelöst und dem Tierhalter gleich gesagt wird, was passiert ist und an welcher Stellschraube er drehen muss?
Genau so ist das Fernziel, aber die Projekte laufen alle erst an. Wir versuchen die Datenfluten über künstliche Intelligenz zu verdichten um Hinweise zu bekommen, wo man als Erstes und wo als Letztes hingucken sollte. Wir haben manchmal Situationen, mit denen niemand rechnet: die Futterkette ist gerissen oder im Silo hängt das Futter fest oder ganze Tränkelinien funktionieren nicht, weil sich irgendwo ein Pfropfen gebildet hat. So etwas hat natürlich sofort verheerende Folgen, auch das versuchen wir über Alarmsysteme frühzeitig zu erkennen. Bei der Suche nach den Ursachen für Verhaltensstörungen denkt man leider nicht immer an die Basics, die auf jeden Fall funktionieren müssen.

Zu hohe oder niedrige Temperatur im Stall ist ja noch einfach zu erkennen und auch die Lösung ist in dem Fall einfach. Aber können Sie denn tatsächlich aus dem Verhalten der Hühner genau ableiten, wo ein Problem vorliegt, also z.B. wenn es kein Wasser gibt?
Nein, eins-zu-eins wäre toll. Verhaltensstörungen treten überwiegend im Bewegungs- und Nahrungsaufnahmeverhalten auf, die Ursachen können aber überall liegen und deswegen ist deren Identifikation extrem schwer. Wir haben nur einen Alarm und wissen, dass etwas nicht stimmt, aber dann ist das Fachwissen des Tierhalters gefragt, um zu entscheiden was er als erstes überprüft.

Können Sie ihm denn dafür eine Checkliste an die Hand geben?
Ja, davon träumen viele, wir nennen es „Kochbuch“. Aber so weit sind wir noch nicht und ich weiß auch nicht, ob es das jemals geben kann. Jeder Betrieb, jede Herde, jede Region ist anders. Der Tierhalter muss jeweils auf einen digitalen Datenpool, bzw. dessen Informationen zurückgreifen, aber angesichts der Situation im analogen Stall ist zu entscheiden, was zu tun ist.

Der intelligenteste Sensor muss also der Landwirt sein?
Ja, auf jeden Fall!

Und wo kann ich in Deutschland lernen ein guter Vogelhalter zu sein – außer bei Ihnen in Osnabrück?
Das ist mittlerweile ein riesengroßes Problem, weil wir unsere Ausbildungseinheiten alle runterfahren, auch an den Agrarfakultäten. Wir gehören, nach meiner Einschätzung, heute zu den ganz Wenigen, die in Deutschland systematisch und über alle Fachdisziplinen hinweg überhaupt eine Ausbildung im Geflügelbereich anbieten. Und das ist nicht gut.

Wenn man bedenkt, dass die Bedeutung des Geflügelfleischs z. B. stetig wächst, genau das falsche Signal.
Da ist die Politik gefragt und ich weiß nicht, warum die das nicht erkennt und nicht gezielt in Aus- und Fortbildung junger Leute investiert.

Im „Geflügel Spezial“ steht die Fortsetzung des Interviews, zusammen mit weiteren spannenden Themen. Kostenfreier Sofort-Download hier.

Farm-to-Fork-Strategie: Tiergesundheitsverbände unterstützen eine auf Innovation basierende Transformation des EU-Lebensmittelsystems

Der europäische Verband der Tiergesundheitsindustrie, AnimalhealthEurope und der deutsche Bundesverband für Tiergesundheit (BfT) unterstützen das Bestreben der Europäischen Kommission, ein faires, gesundes und umweltfreundliches Lebensmittelsystem zu schaffen, dessen Transformation auf innovativen und die Ziele ermöglichenden Technologien fußt, ohne die biologische Vielfalt und die Umwelt zu vernachlässigen. Innovative digitale Instrumente und Krankheitsvorbeuge für gesunde Tierbestände können dazu beitragen, diesen Übergang zu beschleunigen. Landwirte und Tierärzte sollten dazu durch Zugang zu allen verfügbaren Instrumenten unterstützt werden, um die Gesundheit zu schützen, den Tierschutz zu gewährleisten und schnell auf Krankheitsausbrüche zu reagieren. Damit könnte ein wirksamer Weg zu einer nachhaltigen Lebensmittelproduktion beschritten werden, bei dem die Lebensmittelversorgung und -sicherheit für die EU-Bürger weiterhin im Mittelpunkt steht.

Die aktuelle Krisensituation bei COVID-19 hat gezeigt, dass Gesundheit, Nahrungsmittelversorgung und finanzielle Stabilität nicht als selbstverständlich betrachtet werden können. Eine ausgewogene Transformation sollte ein robustes und belastbares System der Nahrungsmittelgewinnung und -versorgung unterstützen, das unter allen Umständen weiterhin funktioniert. Als solche ergänzt eine Politik, die im Sinne von One-Health die Faktoren Mensch, Tier und Umwelt berücksichtigt, die Strategie vom Hof auf den Tisch (Farm-to-Fork), die Hand in Hand mit dem Schutz der öffentlichen Gesundheit die Lebensmittelsicherheit und -versorgung für alle gewährleisten muss. Tiergesundheit ist in allen verschiedenen Produktionsformen von Bedeutung. Mit Blick darauf sollten Innovationen unterstützt werden, die zur Vorbeugung und Bekämpfung von Tierseuchen beitragen und so eine sichere Versorgung mit qualitativ hochwertigen und nahrhaften Produkten wie Fleisch, Milch, Fisch und Eier gewährleisten.

„Mit jeder Transformation ist eine notwendige Investition verbunden. Die Priorisierung der Finanzierung innovativer Tiergesundheitsforschung auf nationaler und europäischer Ebene durch Programme wie Horizon Europe kann dringend benötigte Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten unterstützen, um neue Generationen von Impfstoffen und andere vorbeugende Instrumente sowie Therapien zu entwickeln. Darüber hinaus kann die Unterstützung der Landwirte bei der Investition in digitale Überwachungsinstrumente eine Echtzeitüberwachung des physischen Zustands des Tieres ermöglichen. Hierdurch können die Landwirte ihre Tier besser vor Krankheiten schützen und gleichzeitig wird das Wohlbefinden von Nutztieren gefördert und eine nachhaltige Nutztierhaltung unterstützt“, sagte Roxane Feller, Generalsekretär von AnimalhealthEurope.

Quelle Bundesverband für Tiergesundheit e.V. (BfT)

Massentierhaltung à la 18. Jhd.

London hatte Mitte des 18. Jhd. 650.000 Einwohner, 1850 waren es bereits 2,3 Mio. Für die Versorgung der englischen Hauptstadt mit Fleisch wurden zu dieser Zeit 277.000 Rinder und 1,6 Mio. Schafe im Jahr benötigt, dazu Schweine und Geflügel aller Art.

Ab Mitte des 19. Jhd., als das Eisenbahnnetz ausreichend ausgebaut war, wurden zerlegte s Fleisch herangeschafft. In den Jahrhunderten zuvor musste das Schlachtvieh nach London getrieben werden. Rinder kamen aus weit entfernten Gegenden wie Schottland und Irland, aber auch aus Norfolk und Wales. Bei 2 Meilen pro Stunde und 12 Stunden Viehtrieb pro Tag, dauerte es 20 bis 25 Tage, walisische Rinder nach London zu treiben. Danach waren die Tiere so abgemagert, dass sie für zwei, drei Wochen auf Weiden vor den Toren der Stadt wieder aufgepäppelt werden mussten.

Um die Distanzen überhaupt bewältigen zu können, wurden die Rinder mit Klaueneisen beschlagen. Schweine, die ebenfalls über große Distanzen getrieben wurden, bekamen teilweise gestrickte Woll-Stiefel mit Ledersohle verpasst. Und Gänse (ja, auch die wurden in Herden geliefert) trieb man vor dem Marsch durch Teer, Sägespäne und Split, um ihre Füße zu „schonen“. Vor allem Mitte August machten sich Gänsehirten aus East Anglia mit ihren Herden auf den Weg. Stoppelfeldern dienten den Gänsen als Futterquelle und rechtzeitig am 29. September kamen sie in London an, um zu Michaelis geschlachtet zu werden (250.000 Tiere nur für diesen Feiertag).

Aber Viehtrieb allein reichte zur Versorgung nicht aus, auch in der Hauptstadt selbst wurde etliches Vieh gehalten. In zahllosen Hinterhöfen und Kellern wurden ein, zwei Schweine mit Essensresten und Abfällen gemästet. In großem Stil taten das aber die zahlreichen Brauereien und Molkereien. Im 18. Jhd. hielt Johnson’s Brennerei 3.000 Schweine, die Konkurrenten Benwell’s und Bush’s verfütterten ihre Koppelprodukte an 4.000 bzw. 2.000 Tiere.

Geflügel gab es in zigtausend Haushalten. Hühner, Gänse und Enten, meist in Käfigen oder Kellern in kompletter Dunkelheit gehalten (einem Zustand, dem sich englische Hühnerhalter teils heute wieder annähern).

Aber auch Milch kauften die Londoner gerne regional und auch lokal: 1794 gab es etwa 8.500 Milchkühe in der City, 1850 waren es 20.000. Meist waren die Bestände in und um die Stadt zwar klein, aber 1810 hielt Richard Laycock schon 500-600 Kühe auf 225 ha Weidefläche.

„Er fütterte seinen Kühen eine gesunde Ration aus Biertreber, Rüben, Kohl, Kartoffeln und Heu; über Nacht wurden die Tiere auf die Weide gelassen. Die Kühe waren jung, nicht älter als drei oder vier Jahre, und wenn ihre Milchleistung abnahm, wurden zur Schlachtung gemästet.“

Und weil noch keine Kühlung zur Verfügung stand, gab es täglich Frischmilch für die Londoner. Am Straßenrand angeboten aus der Kanne und noch euterwarm oder etwas kühler, wenn die Kanne zuerst mit einem Teil Wasser befüllt worden war.

Aus: Hannah Velten, Beastly London – A History of Animals in the City,
Reaktion Books, € 16,95 zzgl. Versandkosten

Leicoma Schwein vor dem Aussterben gerettet

Die am meisten gefährdete, einheimische Schweinerasse erholt sich. Über 60 Schweinezucht-Interessierte folgten einem Aufruf der BLE. Inzwischen gibt es Förderung in mehreren Bundesländern und Zuchtbücher in zwei Schweinezuchtverbänden.

Zum Internationalen Tag der Biologischen Vielfalt am 22. Mai 2020 gibt es eine Erfolgsmeldung aus der Schweinezucht: Von der nach wie vor gefährdetsten einheimischen Schweinerasse existieren heute wieder 83 im Herdbuch eingetragene Sauen und 21 Eber. Ein Erfolg, an dem sowohl Züchter als auch Politik beteiligt sind. Das Fleisch des Leicoma Schweins ist bekannt für seine hohe Qualität – Probieren könnte bald häufiger möglich sein.

Öffentlicher Aufruf erfolgreich
Im Jahr 2012 züchtete nur noch ein Betrieb Leicomas. Damals gab es weniger als 30 Zuchttiere der robusten Schweinerasse. Daraufhin startete das Informations- und Koordinationszentrum Biologische Vielfalt (IBV) einen Aufruf in der Presse nach interessierten Züchtern, um das Aussterben des Leicomas zu verhindern. Über 60 Interessenten konnte das IBV daraufhin an den verbleibenden Leicoma-Zuchtbetrieb vermitteln. Es folgten zahlreiche Aktivitäten in den Bundesländern.

Zum Beispiel wurden in Sachsen-Anhalt Leicoma Sauen erfolgreich mit tiefgefrorenen Spermareserven früherer Leicoma Eber besamt, um die Vielfalt innerhalb der Rasse zu erhalten. Auch half das Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten Anhalt bei der Verteilung der letzten Leicoma Schweine an interessierte Betriebe. Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Sachsen-Anhalt bieten inzwischen eine Förderung für die Zucht von Leicoma Schwei-nen an. Nun zeigt sich der Erfolg mit einem dynamischen Anstieg der Tierzahlen und Zuchtbetriebe, schwerpunktmäßig in Mitteldeutschland. Inzwischen führen zwei Schweinezuchtverbände ein Zuchtbuch für Leicomas.

Hohe Fleischqualität, robuste Tiere
Auf den ersten Blick sieht das Leicoma aus wie ein gewöhnliches Schwein. Das herausragende Merkmal der Rasse ist die hohe Fleischqualität. Weitere Vorzüge sind seine Robustheit und seine ausgeprägte Mütterlichkeit. Derzeit können Erzeugnisse vom Leicoma Schwein meist direkt bei den Zuchtbetrieben gekauft werden. Verbraucherinnen und Verbraucher können mit ihrer Nachfrage den Erhalt des Leicomas in der Landwirtschaft unterstützen.

Weitere Informationen zu gefährdeten Nutztierrassen sind in der Roten Liste einheimischer Nutztierrassen in Deutschland verfügbar. Das IBV in der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung gibt diese Broschüre heraus. Sie kann kostenlos bei ibv@ble.de bestellt oder heruntergeladen werden.

Quelle: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)