Studie untersucht natürliches Abwehrverhalten gegen Varroamilben bei Honigbienen

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Die Varroamilbe ist weltweit der bedeutendste Parasit der Westlichen Honigbiene. Die Fähigkeit einiger Bienenpopulationen, die Milbenvermehrung bereits in den Brutzellen aktiv zu unterdrücken, wird derzeit in einem Verbundprojekt untersucht, das vom Bundeslandwirtschaftsministerium gefördert und von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) betreut wird. Im ersten Projektjahr wurden bereits über 100 Züchter auf Untersuchungen der Brutproben geschult und mehr als 860 Bienenvölker auf das natürliche Abwehrverhalten hin geprüft.

Mit dem Weltbienentag am 20. Mai unterstreichen die Vereinten Nationen die Bedeutung der Bienen für die Nahrungsmittelproduktion und die Biodiversität. Die Selektion varroaresistenter und leistungsfähiger Honigbienen ist dabei eine bedeutende Strategie zum Bienenschutz. In der Zuchtauslese werden neben den gängigen Kriterien wie Honigertrag, Sanftmut und Wabenfestigkeit deshalb auch zunehmend Resistenzmerkmale der Bienen berücksichtigt, die ein aktives Abwehrverhalten gegen den Parasiten anzeigen.

Untersuchungen zeigen: Bienen räumen milbenbefallene Brutzellen gezielt aus
Einige Bienenpopulationen zeichnen sich durch die Fähigkeit aus, die Milbenvermehrung in den Brutzellen aktiv zu unterdrücken (SMR, suppressed mite reproduction). Diese genetisch bedingte Eigenschaft äußert sich insbesondere in dem gezielten Ausräumen, also dem Öffnen und Wiederverschließen von Varroamilben-befallenen Brutzellen (REC, recapping). Eine umfangreiche Prüfung von Bienenvölkern auf die SMR- sowie REC-Ausprägungen wird im Verbundprojekt „SMR-Selektion“ realisiert mit dem Ziel, varroaresistente Honigbienen zu züchten.

Ziel: Effektive Selektion des Verhaltens – schnelle Verbreitung erwünscht
Im Gegensatz zur normalerweise zufälligen Begattung der Königin durch mehrere Drohnen sollen Bienenköniginnen hier gezielt mit dem Sperma eines einzelnen Drohns besamt werden. So soll eine effektive Selektion der spezifischen Verhaltensanlagen erreicht werden. Darüber hinaus haben die Züchter künftig an mehreren Belegstellen die Möglichkeit, ihre Bienenköniginnen mit SMR-selektierten Völkern, die nur aus Drohnen bestehen, zu verpaaren, um so die gewünschten Verhaltensmerkmale schnell zu verbreiten.

Quelle: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)

DGfZ stellt Positionspapier zur Zukunft einer gesunden Milchkuh vor

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Wie sieht unsere aktuelle Milchviehzucht und -haltung aus? Wo brauchen wir zukunftsweisende Veränderungen? Welche Vorteile und welche Nachteile entstehen bei unterschiedlichen Strategien? Viele Fragen auf die die DGfZ-Projektgruppe Zukunft gesunde Milchkuh in ihrem Positionspapier Antworten liefert.

Die Projektgruppe der Deutsche Gesellschaft für Züchtungskunde (DGfZ) Zukunft gesunde Milchkuh hat ihr Positionspapier Zukunftsfähige Konzepte für die Zucht und Haltung von Milchvieh im Sinne von Tierschutz, Ökologie und Ökonomie veröffentlicht, an dem Landwirte, Wissenschaftler, Züchter und Tierärzte mitgewirkt haben. Das Papier zeigt Strategien für die Zucht, Haltung und Fütterung sowie das dazugehörige Management für eine zukunftsfähige Milchviehhaltung auf. Dabei wurden Möglichkeiten und Grenzen von Maßnahmen wissenschaftlich fundiert erörtert, denn nicht jeder Wunsch der Gesellschaft ist unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen der Produktion umsetzbar. Bestehende Zielkonflikte haben darüber hinaus einen entscheidenden Einfluss darauf, welche betriebsindividuellen Entscheidungen der Landwirt treffen muss. Dies deutlich zu kommunizieren, ist ein Grundbaustein für die Akzeptanz der zukünftigen Milchviehhaltung in Deutschland.

Die Nutztierhaltung spielt zur Bewältigung globaler Herausforderungen wie der Ernährungssicherung und des Klimawandels eine große Rolle. Die Leistung der Nutztiere, Wechselwirkungen zwischen Leistung und Tiergesundheit sowie die Nutzungsdauer der Tiere sorgen immer wieder für gesellschaftliche Diskussionen und leider auch viel zu oft für negative Schlagzeilen, die eine ganze Berufsgruppe diskreditieren und die Verbraucher verunsichern. Die derzeitige große Herausforderung für Wissenschaft, Praxis und Beratung besteht darin, die aktuellen Tierhaltungssysteme so weiterzuentwickeln, dass die Aspekte der Tiergesundheit, der Leistungsfähigkeit, der Ökologie, der Ökonomie und der in der Landwirtschaft arbeitenden Menschen mit dem Ziel der gesellschaftlichen Akzeptanz bestmöglich in Einklang gebracht werden. Dabei müssen die Aspekte interdisziplinär betrachtet und bewertet werden.

Was kann die Zucht leisten?
Genetik, Zucht und Selektion haben seit jeher einen großen Einfluss auf Menge und Qualität tierischer Produkte. Zuchtziele haben sich im Laufe der vergangenen Jahrzehnte verändert und sich oftmals den Bedürfnissen der Gesellschaft angepasst. Neben der Bewältigung globaler Herausforderungen hat die Tierzucht das Ziel, die Genetik stets zu verbessern, um die Wettbewerbsfähigkeit der Milchviehhalter zu sichern. Ziel sollte daher sein, eine gesunde, robuste, thermotolerante Kuh mit einer langen Nutzungsdauer zu züchten. Dafür stehen dem Landwirt verschiedene Instrumente wie zum Beispiel die genomische Zuchtwertschätzung zur Verfügung, die in den letzten Jahrzehnten stets verbessert wurden.

Mit diesen neuen Selektionsinstrumenten sowie der Anwendung neuer Zuchtwerte lassen sich auch betriebsindividuelle Zuchtziele leichter erreichen. Da schon zur Geburt des Kalbes deutlich genauere genomische Zuchtwerte vorliegen, haben Landwirte jetzt die Möglichkeit, bereits frühzeitig Selektionsentscheidungen zu treffen. Idealerweise können die genetisch wertvollsten Tiere mit gesextem Sperma von hochwertigen Bullen belegt werden und die genetisch schwächeren mit Gebrauchskreuzungsbullen. Alternativ können genetisch schwächere Tiere auch als Trägertiere für wertvolle Embryonen von genomisch selektierten Toptieren genutzt werden.

Folglich kann die Anzahl an Rindern für die Remontierung gesenkt und damit die durchschnittliche Nutzungsdauer der Kühe gesteigert werden. Kreuzungskälber erzielen zudem einen besseren Preis, allerdings könnte die Geburt schwieriger verlaufen.

Auch die Anwendung neuer Zuchtwerte kann erheblich zum Tierwohl, zur Ressourcenschonung und zur ökonomischen Stabilität beitragen. Im April 2019 wurde die Zuchtwertschätzung für insgesamt 13 Gesundheitsmerkmale eingeführt (RZGesund), und ab August 2020 soll ein neuer ökonomischer Gesamtzuchtwert etabliert werden. Ab 2021 ist dann geplant, Gesundheitszuchtwerte im Gesamtzuchtwert RZG zu berücksichtigen. Neben diesen Entwicklungen steht in nächster Zukunft die Entwicklung von Zuchtwertschätzsystemen für die Merkmale Futteraufnahmevermögen und Futtereffizienz im Vordergrund.

Führt eine geringere Milchleistung wirklich zu einer Verbesserung der Gesundheit und einer Verlängerung der Nutzungsdauer? Dieses häufig vorgebrachte Argument wurde von der Projektgruppe genauer unter die Lupe genommen. Auswertungen relevanter Kennziffern zeigen für praktische Milchviehbetriebe mit höheren Milchleistungen eine vergleichsweise bessere Gesundheit und Nutzungsdauer bei guter Managementqualität. Diese ist allerdings eine wesentliche Voraussetzung für eine gesunde Herde. Die Projektgruppe hält daher die Einführung von neuen gesundheitsbezogenen Merkmalen sowie die Nutzung genomischer Informationen für einen effektiven Weg, die Nachhaltigkeit der Milchproduktion zu verbessern.

Vorschläge für Verbesserungen des Haltungssystems
Um auch in Zukunft nachhaltig Milch zu produzieren, bedarf es einer intensiveren Kälberaufzucht, einem geringeren Ausscheiden von Jungkühen und somit einer deutlichen Erhöhung der Nutzungsdauer und Verringerung der Reproduktionsraten. Ein Aspekt, der in Zukunft möglicherweise verstärkt in einigen Betrieben der Milchviehhaltung Umsetzung finden wird, ist eine längere Freiwillige Wartezeit von der Kalbung bis zur erneuten Besamung. Untersuchungen der LFA MV ergaben eine deutlich bessere Persistenz der Laktation bei spät besamten Kühen. Die Kühe mit einer Freiwilligen Wartezeit von 180 Tagen hatten wie in den Untersuchungen des LFA MV 1.000 kg mehr Milch in der 305-Tage-Leistung. Zudem wiesen sie mit 50 % den höchsten Erstbesamungserfolg auf. Aufpassen muss man, dass die Kühe zu Laktationsende nicht verfetten. Man muss sie aber wahrscheinlich auch nicht mit 30 kg Milch und mehr trockenstellen und spart ggf. Antibiotikum.

Die technischen Entwicklungen schreiten auch in der Tierhaltung immer weiter voran. Zunehmende Automatisierung und Nutzung von Sensortechniken bieten Vorteile, die sich sowohl positiv auf die Tiergesundheit als auch auf das betriebswirtschaftliche Ergebnis auswirken können. Weitere Aspekte wie das Fütterungsmanagement und die Rationsgestaltung, Besonderheiten in der Transitphase, Emissionsminderung und Klimawandel werden in dem Positionspapier ausführlich behandelt.

Mitglieder der Projektgruppe: Prof. Gerhard Breves (Tierärztliche Hochschule Hannover, Leiter), Thomas Engelhard (LLG Sachsen-Anhalt), Ulrich Westrup (Westrup-Koch GbR Bissendorf, Landwirt), Dr. Otto-Werner Marquardt (DGfZ Bonn), Dr. Johannes Heise (vit Verden), Dr. Bettina Bongartz (DGfZ Bonn), Dr. Jan Hendrik Schneider (Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft), Dr. Anke Römer (LFA MV Dummerstorf), Hans-Willi Warder (Osnabrücker Herdbuch eG), Dr. Reinhard Reents (vit Verden)

Download des Positionspapiers

Quelle: DGfZ

Hitze verlangt Kontrolle – Die Eutergesundheit sichern, bevor es warm wird!

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Von Dr. Joachim Lübbo Kleen, Fachtierarzt für Rinder, CowConsult

Mit dem Euter der Kuh wird das Geld verdient – dementsprechend ist die Bedeutung der Eutergesundheit kaum zu überschätzen. Euterprobleme sind neben Lahmheit und Fruchtbarkeitsproblemen der Hauptabgangsgrund für Milchkühe. Von einer chronisch euterkranken Kuh ist weniger Leistung zu erwarten, und damit sinkt auch der Wert des Tiers. Besonders im Sommer steigt die Anfälligkeit für Euterprobleme. Doch warum eigentlich ist das so?

Akute Mastitiden beeinträchtigen deutlich die aktuelle und zukünftige Milchproduktion, und so wird nach einer schweren Euterentzündung nur mehr 80-95 % der theoretisch möglichen Milchleistung erreicht. Die Kosten eines einzigen Falles von Euterentzündung gehen also über die eigentlichen Behandlungskosten hinaus: Remontierungskosten, Produktionsverluste und zusätzlicher Arbeitsaufwand addieren sich zu einer beträchtlichen Summe.

Gerade im Sommer ist die Eutergesundheit eine Herausforderung für den gesamten Betrieb: Zellzahlen steigen in den warmen Monaten erfahrungsgemäß an und klinische Mastitiden nehmen zu, bzw. haben einen schwereren Verlauf. In den Sommermonaten sind viele Bereiche schwerer unter Kontrolle zu halten. Es gilt also, sich auf möglicherweise entstehende Probleme in den Sommermonaten vorzubereiten und Risiken zu kontrollieren, bevor sich die Eutergesundheit verschlechtert. Sehen wir uns die Kontrollbereiche und ihre mögliche Kontrolle also einmal genauer an.

Bereich 1: Eutergesundheit kontrollieren: Zellzahlberichte nutzen!
Ein zentraler Punkt für die Beurteilung der Eutergesundheit in einer Herde ist nach wie vor die Tankmilchzellzahl. Hierbei ist zu beachten, dass die Zellzahl der abgelieferten Milch sich nicht selten von der tatsächlichen Herdenzellzahl unterscheidet: Je nachdem, wie viele Tiere durch akute oder chronische Eutererkrankungen aus der Tankmilch herausfallen, kann es zu z.T. deutlichen Unterschieden zwischen den Werten kommen. Entscheidend ist also nicht die Zellzahl in der abgelieferten Milch, sondern die Zellzahl in der MLP. Da die Gesamt-Zellzahl nur wenig Auskunft über Veränderungen in der Herde gibt und von wenigen Tieren stark beeinflusst werden kann, sollte …


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Mäuseherzen als Schlüssel für bessere Heilungschancen in der Humanmedizin

Forscherteam aus MV kann erstmals Zellstrukturen des Herzens vollständig darstellen

Einem interdisziplinären Forscherteam, bestehend aus Wissenschaftlern des Leibniz-Institutes für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf und der Universität Rostock, ist es gelungen, die Zellpopulationen und insbesondere die Subpopulationen im Herzen erwachsener Mäuse vollständig zu entschlüsseln und auch die Dynamiken der einzelnen Zellgruppen aufzuzeigen.

„Dabei wurde auch eine Gruppe von Gefäßwandzellen entdeckt, die Eigenschaften von Herzmuskelzellen aufweisen. Da Herzmuskelzellen sich im Allgemeinen nicht mehr teilen können, weshalb es nach einem Infarkt zu bleibenden Schäden kommt, wäre die Entdeckung einer Quelle zur Bildung neuer Herzmuskelzellen vor allem für die regernative Herzmedizin von besonderer Bedeutung“, betonte Dr. Anne-Marie Galow vom Institut für Genombiologie am FBN. Um die zelluläre Zusammensetzung eines kompletten Organs zu erfassen, wurden erstmalig tausende Zellkerne aus dem Herzen ausgewachsener Mäuse sequenziert, bioinformatisch analysiert und so bestimmten Zellpopulationen zugeordnet.

Der Forschungserfolg wurde im Rahmen des Verbundforschungsvorhabens „Programmierte Herzschrittmacherzellen zur in vitro Medikamententestung (iRhythmics)“ erzielt und Anfang des Jahres in „Cells“, einer internationalen Open-Access-Zeitschrift für Zellbiologie, Molekularbiologie und Biophysik veröffentlicht*. Erstautoren sind Dr. Anne-Marie Galow (FBN) sowie Paula Müller (Klinik für Herzmedizin, Universitätsmedizin Rostock) und Markus Wolfien (Lehrstuhl für Systembiologie und Informatik, Universität Rostock).

Das Projekt, das von der EU und der Landesregierung MV mit rund zwei Millionen Euro gefördert wird, läuft seit Oktober 2018. Beteiligt ist unter Federführung der Universitätsmedizin und Universität Rostock (Prof. Dr. Robert David) neben dem Institut für Genombiologie am FBN in Dummerstorf die Universitätsmedizin Greifswald. Ziel des Projektes der Landesexzellenzforschung ist es, aus unreifen Herzmuskel-Vorläuferzellen schlagende Herzmuskelzellen, sogenannte „programmierte Herzschrittmacherzellen“ herzustellen. Diese bieten die Möglichkeit, neuartige Medikamententests für Herz- und Kreislauferkrankungen in der Petrischale und ohne Tierversuche durchzuführen. Das FBN ist in dem Gemeinschaftsprojekt für die umfassenden Genexpressionsanalysen der programmierten Schrittmacherzellen und die Auswertung der Daten zuständig.

Neue Erkenntnisse über die Dynamik und Vernetzung von Herzzellen
Die zelluläre Zusammensetzung einiger anderer Organe konnte bereits zuvor erfasst werden. „Das Herz stellte jedoch eine besondere Herausforderung dar, weil die Herzmuskelzellen aufgrund ihrer Größe, Länge und Form nicht mit den Standard-Systemen bearbeitet werden konnten“, erläuterte Dr. Anne-Marie Galow. „Aus diesem Grund haben wir einen alternativen Ansatz gewählt, der zuvor nur in der Neurologie beschrieben wurde. Nervenzellen können ebenfalls sehr groß werden und sind dazu noch verzweigt. Mit der noch sehr neuen Methodik der Einzelkernsequenzierung haben wir ganze erwachsene Säugetierherzen untersucht und 24 verschiedene Zellcluster identifiziert. Analysen auf zellulärer Ebene sind unabdingbar, um unser Verständnis komplexer Gewebe wie des Säugetierherzens zu erweitern“, so die Humanbiologin.

Die Aufklärung der zellulären Zusammensetzung der einzelnen Organe und das Anlegen von Zellmarkerprofilen der einzelnen Zelltypen ist aufwändige Pionierarbeit in der Grundlagenforschung. Die gewonnenen Daten liefern der Wissenschaft jedoch wertvolle neue Erkenntnisse über die Dynamik und Vernetzung von Herzzellen und helfen, bestimmte molekularbiologische Prozesse besser zu verstehen.

Insbesondere die Ergebnisse zu den erstmals spezifizierten Gefäßwandzellen sind vielversprechend für eine künftige Anwendung in der regenerativen Herzmedizin, zur Wiederherstellung von durch Krankheit oder Unfall geschädigten kardiologischen Zellen, Geweben und Organen. „Auf lange Sicht kann die Sequenzierung auf Einzelzellebene genutzt werden, um krankhafte Veränderungen in Organen bestimmten Zellpopulationen zuzuordnen und so in Zukunft gezieltere Therapieansätze zu ermöglichen“, so die Wissenschaftlerin.

In einem weiteren Schritt sind nun entsprechende Analysen mit Schweineherzen geplant. Diese ähneln dem menschlichen Herzen weitaus stärker. Zudem haben sie als potenzielle Quelle für Xenotransplantate in den letzten Jahrzehnten in der Herz-Kreislauf-Forschung zunehmend an Bedeutung gewonnen.

*Originalpublikation
Single-Nucleus Sequencing of an Entire Mammalian Heart: Cell Type Composition and Velocity
Cells 2020, 9(2), 318; https://doi.org/10.3390/cells9020318, Published: 28 January 2020
www.mdpi.com/2073-4409/9/2/318

Quelle: Leibniz-Institut für Nutztierbiologie (FBN) Bummersdorf

Bienen und Landwirtschaft: Synergien erforschen, Lösungen entwickeln

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Die Forschungsstrategie der Deutschen Agrarforschungsallianz zeigt, wie die Bedingungen für Honig- und Wildbienen und das Zusammenwirken von Bienen, Imkerei und Landwirtschaft verbessert werden können. Damit soll zum Erhalt der biologischen Vielfalt, zur Verbesserung der Erträge durch optimierte Bestäubungsleistung und zur Resilienz von Agrarökosystemen und landwirtschaftlichen Produktionssystemen beigetragen werden. Die Strategie formuliert drei Forschungsfelder: 1. Förderung der Bienen-Vitalität (Gesundheit, Leistung, Fitness), 2. Agrarlandschaften und Anbausysteme entwickeln, 3. Wechselwirkungen zwischen landwirtschaftlichen Praktiken und Bienen verstehen, um Synergien zu erreichen.

Die Empfehlungen beruhen unter anderem auf den Ergebnissen zweier Workshops, an denen insgesamt rund 150 Personen aus Landwirtschaft, Imkerei, Naturschutz, Verwaltung, Wissenschaft und Politik teilgenommen haben. In diesen Veranstaltungen wurden Ist- und Zielzustände verglichen sowie Wege und Forschungsbedarfe für ein synergistisches Zusammenwirken von Bienen und Landwirtschaft diskutiert.

Die Strategie formuliert drei zentrale Forschungsfelder. Dabei steht die Vitalität der Wild- und Honigbienen an erster Stelle, weil diese ihre Rolle im Agrarökosystem bzw. in der Imkerei nur ausfüllen können, wenn sie gesund und leistungsfähig sind. Das zweite Forschungsfeld widmet sich der Frage, wie die Landschaftsstrukturen sowie die Nutzungs- und Bewirtschaftungsformen der Landschaft die Häufigkeit, Diversität und Vitalität der Bienen beeinflussen. Das dritte Forschungsfeld nimmt die Wechselwirkungen zwischen Landwirtschaft, Kulturlandschaft und Bienen in den Blick.

Die Forschung, so eine weitere Forderung, muss flankiert werden durch geeignete Forschungs- und Förderungsstrukturen und eine bessere Kommunikationsstruktur zwischen Forschung, Landwirtschaft, Berufs- und Hobbyimkerei, Amtstierärzten, Beratung und Kommunen. Da neue Erkenntnisse zu Bienengesundheit gegenwärtig über viele verschiedene Einrichtungen, Verbände und Einzelpersonen verbreitet werden müssen, sollte eine zentrale Plattform für Daten-, Wissens- und Kommunikationsmanagement eingerichtet werden.

Ohne eine passende politische Gestaltung kann das Zusammenwirken von Bienen und Landwirtschaft jedoch nicht längerfristig erfolgreich sein. Im marktwirtschaftlichen Wettbewerb können es sich Landwirte in der Regel nicht leisten, ihre Produktionssysteme „betriebswirtschaftlich suboptimal“ auszurichten, indem sie unentgeltlich öffentliche Leistungen erbringen. Die Politik steht somit vor der Herausforderung, den agrar- und ordnungspolitischen Rahmen so zu entwickeln, dass bienenförderndes Handeln für die Landwirte im betriebswirtschaftlichen Interesse liegt oder zumindest keinen Wettbewerbsnachteil darstellt. Dazu müssen geeignete Maßnahmen entwickelt werden, die mit vertretbarem Aufwand rechtssicher kontrollierbar, regional steuerbar und kulturspezifisch ausgearbeitet sind und mögliche Zielkonflikte mit anderen agrarpolitischen Zielen minimieren.

Die 44-seitige Forschungsstrategie kann als gedruckte Broschüre über die Geschäftsstelle der DAFA bestellt oder als PDF vom Internetauftritt der DAFA heruntergeladen werden. Eine englische Übersetzung ist ebenfalls verfügbar.

Die DAFA ist eine Gemeinschaftsinitiative der deutschen Agrar- und Ernährungsforschung. Ihr gehören über 60 deutsche Universitäten, Hochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen sowie Bundes- und Landesforschungsinstitute an. Das Netzwerk verfolgt das Ziel, die Leistungsfähigkeit sowie die nationale und internationale Sichtbarkeit der deutschen Agrar- und Ernährungsforschung zu verbessern und für die Praxis wirksam zu machen.

Quelle: Deutsche Agrarforschungsallianz (DAFA)

Noch zu viele Verluste bei freier Abferkelung (mit Video)

Von Prof. Steffen Hoy, Universität Gießen

Der Kastenstand und die dauerhafte Fixierung der Sauen soll aufhören. Doch die Freie Abferkelung ist mit der aktuellen Sauengenetik noch nicht zu empfehlen, wie eine Studie der Universität Gießen zeigt.

Neben den drei K (Kastration, Kastenstand, Kupierverzicht), der Düngeverordnung und dem Insektensterben wird aktuell auch über Alternativen zur fixierten Haltung der Sauen im Abferkelstall debattiert. Dabei muss zwischen der Freien Abferkelbucht und der Bewegungsbucht unterschieden werden. Bewegungsbuchten besitzen einen Ferkelschutzstand für die zeitweilige Fixierung der Sau (z.B. während der ersten drei bis fünf Tage nach der Abferkelung). Freie Abferkelbuchten haben dagegen keine Möglichkeit einer Fixation der Sau. In mehreren Freien Abferkelbuchten wurden die Ferkelverluste und eine Vielzahl an weiteren Parametern untersucht (siehe Doktorarbeit von Edina Hickl).

Untersuchungen auf dem Eichhof
Die Untersuchungen fanden im Landwirtschaftszentrum Eichhof (Hessen) statt. Von insgesamt 48 Abferkelplätzen wurden vier als Freie Abferkelbuchten (FAB) umgebaut, die anderen blieben als Buchten mit Ferkelschutzkorb (FSK) bestehen. Insgesamt wurden 350 Sauen mit fast 5.400 gesamt geborenen Ferkeln in 36 Durchgängen untersucht. Die Buchten waren 5,9 bis 6,6 m2 groß und besaßen eine Bewegungsfläche für die Sau von 3,3 bis 4,2 m2 (Abb. 1). Alle Buchten waren mit einem Arretiergitter ausgestattet, um bei Bedarf (z.B. bei Behandlungen von Sau oder Ferkeln) die Sau kurzzeitig zu fixieren. Dieses Gitter ist nicht für eine längere Vereinzelung der Sau geeignet. Sämtliche Ferkelverluste wurden registriert. Die Sauen wurden bei Ein- und Ausstallung gewogen. Außerdem erfolgten Bonituren zu möglichen Aufliegeschäden. Die Ferkel wurden ebenso einzeln gewogen (Geburt, am durchschnittlich 24. Lebenstag). Darüber hinaus wurden alle Einzeltierbehandlungen der Sauen und Ferkel sowie die Verschmutzung der Sauen erfasst. Verhaltensuntersuchungen fanden zu den Ursachen von Erdrückungsverlusten statt. Im Projekt wurden darüber hinaus arbeits- und betriebswirtschaftliche Untersuchungen zur Bewirtschaftung von Freien Abferkelbuchten durchgeführt.

Arbeitsschutz ist wichtig
Die Unfallverhütungsvorschrift Tierhaltung (VSG 4.1) der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau vom 11. Januar 2017 fordert eine kurzzeitige Fixierung der Sau z.B. während der Behandlung von Ferkeln oder der Sau selbst. Diese Vorgabe ist berechtigt, denn insgesamt 6% der Sauen in den Freien Abferkelbuchten griffen zum „Schutz der Ferkel“ den Tierbetreuer an. Kein Tierbetreuer wurde verletzt. Die Sauen wurden fixiert, und die Arbeiten konnten durchgeführt werden. Mehrere Sauen gingen aggressiv gegen die eigenen Ferkel vor, was im Extremfall zum Tod durch Beißen von 11 Ferkeln eines Wurfes führte.

Ferkelverluste in den Freien Abferkelbuchten sind viel zu hoch
In den Freien Abferkelbuchten traten bei den über 900 lebend geborenen Ferkeln mit 21,9% fast doppelt so viele Ferkelverluste auf wie in den Buchten mit Ferkelschutzkorb (11,2%, statistisch gesichert). Der Großteil der Verluste resultierte aus Erdrückungsverlusten. Diese betrugen in den FAB 12,9%, in den Buchten mit FSK nur 5,2% (p < 0,01) (Abb. 2). Derartig hohe Ferkelverluste in den Freien Abferkelbuchten sind ethisch und tierschutzrechtlich nicht hinnehmbar und für Betriebsleiter und Mitarbeiter frustrierend und demotivierend.


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Das Mikrobiom reguliert die Fitness des Immunsystems

Sicherlich auch auf Tiere übertragbar: Forschende der Charité – Universitätsmedizin Berlin, des Berlin Institute of Health (BIH) und des Deutschen Rheuma-Forschungszentrums (DRFZ) Berlin konnten in Zusammenarbeit mit Kollegen in Mainz, Bern, Hannover und Bonn aufzeigen, wie das Mikrobiom dazu beiträgt, das Immunsystem in einen Zustand zu versetzen, der es ihm ermöglicht, schnell auf Krankheitserreger zu reagieren. Ist es abwesend, bleibt eine Freisetzung entscheidender Botenstoffe aus und der Stoffwechsel in bestimmten Zellen des Immunsystems wird nicht angeworfen. Wie das Team in der Fachzeitschrift Cell* beschreibt, fehlt dann sozusagen der Treibstoff für eine Immunantwort in den zuständigen Zellen.

Grenzflächen des Körpers zu seiner Umwelt sind Einfallstore für Krankheitserreger. Gleichzeitig sind solche Epithelien von Natur aus dicht besiedelt durch eine komplexe Ansammlung von Bakterien, Viren, Pilzen und Parasiten – das sogenannte Mikrobiom. Die permanente Interaktion mit diesen Mikroorganismen hat vermutlich im Laufe der Evolution zur Ausbildung robuster Signalnetzwerke geführt, die den Organismus schützen. Welche Rolle das Mikrobiom beim Auslösen einer Immunantwort auf schädliche Erreger einnimmt und auf welche Weise es dabei Signalwege beeinflusst, damit haben sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter der Leitung von Prof. Dr. Andreas Diefenbach, Direktor des Instituts für Mikrobiologie und Infektionsimmunologie der Charité, jetzt eingehend beschäftigt.

Wird bei einer Infektion eine Immunantwort ausgelöst, spielen sogenannte konventionelle dendritische Zellen (cDC) eine Schlüsselrolle. Sie gehören dem angeborenen Immunsystem an und sind mit einer Reihe von Mustererkennungs-Rezeptoren ausgestattet, die es ihnen ermöglichen, eindringende Erreger schnell zu erkennen. Die Zellen reagieren zunächst mit der Ausschüttung von Zytokinen – diese Botenstoffe sorgen dafür, weitere Immunzellen an die Stelle der Infektion zu locken. Gleichzeitig phagozytieren sie Krankheitserreger, das heißt, sie nehmen diese auf, zerlegen sie und präsentieren anschließend einzelne Bruchstücke als Antigene an der Zelloberfläche. Das wiederum führt zur Aktivierung von T-Zellen des adaptiven Immunsystems und somit einer gezielten Immunantwort. Eine Aktivierung von T-Zellen durch cDC, die körpereigene Antigene präsentieren, führt dagegen zu einer fehlgeleiteten, unerwünschten Immunantwort, mit der Folge von Autoimmunerkrankungen.

Das Team um Prof. Diefenbach hat jetzt herausgefunden, dass cDC unter keimfreien Bedingungen nicht in der Lage sind, Immunantworten zu starten. Die Forschenden folgern daraus, dass sie Signale im Basiszustand, also einem Zustand, in dem keine Infektion vorliegt, erhalten, die vom Mikrobiom ausgehen. Diese Signale versetzen cDC in einen Zustand der Antwortbereitschaft. „Wir wollten verstehen, welchen Einfluss das Mikrobiom kontinuierlich auf die cDC-Funktion nimmt“, sagt Prof. Diefenbach, der auch Einstein-Professor für Mikrobiologie ist sowie Leiter der Arbeitsgruppe Mukosale Immunologie am DRFZ. „In der aktuellen Untersuchung konnten wir nun nachweisen, dass diese speziellen Immunzellen im Basiszustand ein permanentes Typ-I-Interferon-Signal (IFN-I) erhalten, das von der Mikrobiota reguliert wird.“ Interferone sind Zytokine, also spezielle Botenstoffe, von denen bekannt ist, dass sie vor allem in der antiviralen Abwehr eine Rolle spielen. „Über die Rolle von IFN-I im Basiszustand wusste man bisher wenig. cDC, die ein solches IFN-I-Signal im Basiszustand nicht erhalten, können ihre physiologischen Funktionen in der Abwehr von Krankheitserregern nicht wahrnehmen“, erklärt der Mikrobiologe. Die Studienergebnisse legen nahe, dass das Mikrobiom die Fitness unseres Immunsystems reguliert, indem es dieses in einem „bereiten“ Zustand hält, um schnellstmöglich auf Krankheitserreger reagieren zu können.

Um der Frage näher zu kommen, auf welche Weise das vom Mikrobiom kontrollierte IFN-I im Basiszustand für die Bereitschaft von cCD sorgt, haben die Forschenden verschiedene Tiermodelle eingesetzt. Mittels RNA-Sequenzierung konnten sie das Transkriptom und Epigenom von cDC aus keimfreien Tieren, Kontrolltieren und solchen, die genetisch kein IFN-I Signal wahrnehmen konnten, vergleichen. Was also passiert auf molekularer Ebene in cDC, wenn sie dem IFN-I entzogen werden? „Interessanterweise konnten wir in den cDC von keimfreien Tieren und solchen ohne IFN-I-Signal eine geringere Expression von Genen feststellen, die an der mitochondrialen Atmungskette beteiligt sind“, beschreibt Laura Schaupp, Charité-Wissenschaftlerin und Erstautorin der Studie, die Beobachtungen. „Weitere Analysen zeigten, dass die cDC von keimfreien Tieren einen gestörten Zellstoffwechsel aufweisen und somit nicht in der Lage sind, Immunantworten zu initiieren. Den Zellen fehlte gewissermaßen der Treibstoff für eine Reaktion auf Krankheitserreger.“ Das Mikrobiom ist demnach für das Funktionieren von cDC essentiell notwendig und zwar für eine wirksame Reaktion auf bakterielle oder virale Infektionen, einschließlich der Aktivierung von T-Zell-Antworten.

Die gewonnen Erkenntnisse können Denkanstöße für die Entwicklung neuer Therapieansätze liefern. Viele Autoimmunerkrankungen, beispielsweise der Systemische Lupus Erythematosus, resultieren aus einer verstärkten IFN-I-Produktion. Andere Studien zeigten, dass die Effektivität von Checkpoint-Inhibitoren bei Krebs-Immuntherapien durch das Mikrobiom beeinflusst wird. „Diese Phänomene werden uns weiter interessieren“, sagt Prof. Diefenbach. „Lässt sich beispielsweise die Zusammensetzung des Mikrobioms so verändern, dass wir die Verfügbarkeit von IFN-I reduzieren und damit Autoimmunerkrankungen günstig beeinflussen können? Oder könnte eine positive Beeinflussung der grundlegenden IFN-I-Produktion zu einem besseren Ansprechen auf Immuntherapien gegen Krebs führen?“ Diese Fragen wird das Team in anschließenden Arbeiten beschäftigen.

Quelle: Charité – Universitätsmedizin Berlin

Der Markt in 2019 ist um 3,8% (Schätzung auf den Gesamtmarkt für Deutschland) gegenüber dem Vorjahr gewachsen. Erfreulich entwickelte sich das Impfstoffsegment. Größtes Segment bleiben die pharmazeutischen Spezialitäten. Die Prozentverteilung der Teilmärkte ist unverändert gegenüber dem Vorjahr.

Die aktuelle Versorgung der Tiere verlangt Besonnenheit von Tierhalter und Tierärzten. Die Branche arbeitet intensiv daran, dass trotz der Beschränkungen wichtige Tierarzneimittel die Praxen erreichen und den Tierärzten für notwendige Behandlungen zur Verfügung stehen.

„Die ganze Welt durchlebt derzeit ein beispielloses Ereignis. Ein Virus hat uns fest im Griff. In unserer Branche dachten wir an Herausforderungen wie den Brexit oder die afrikanische Schweinepest. Stattdessen müssen wir uns als Branche, in den Unternehmen, aber auch jeder in seiner persönlichen Situation mit dem neuartigen Corona-Virus, SARS-CoV-2 auseinandersetzen. Das aktuelle Geschehen und seine Folgen werden uns noch lange Zeit beschäftigen“, eröffnete Jörg Hannemann, Vorsitzender des Bundesverbandes für Tiergesundheit e.V. seinen Geschäftsbericht anlässlich der Mitgliederversammlung des Verbandes am 07.05.2020. Die Versammlung wurde aufgrund des Corona-Geschehens als Webkonferenz durchgeführt.

Auch nach ihrem Inkrafttreten ist die neue europäische Tierarzneimittelverordnung mit den zahlreichen Nachfolgerechtsakten ein wichtiges Thema des Verbandes. Der Austritt des Vereinigten Königreiches aus der europäischen Gemeinschaft verlangte viel Vorarbeit. Dies wird nun aber durch die Pandemie überlagert. Die Wahlen zum Europaparlament und die Neuaufstellung der Europäischen Kommission brachten neue Gesichter in die politische Debatte. Diese Veränderungen resultierten auch in einem weiteren neuen Maßnahmenpaket, dem Nachhaltigkeitspakt oder Green Deal. Eine erste Sondierung der fast 50 Legislativ- oder Politikvorschläge erfolgte mit Blick auf Konsequenzen für den Tiergesundheitssektor. Allen voran ist hier die Farm-to-Fork-Strategie im Auge zu behalten. Für die Branche ist es aber auch wichtig, andere Bereiche, die chemisch-pharmazeutische Industrie direkt betreffend, nicht außer Acht zu lassen. Analysiert wurden außerdem die aktuellen Veränderungen in der Tierhaltung und der Veterinärlandschaft auf das Geschäftsumfeld der veterinärpharmazeutischen Industrie.

Die gesellschaftspolitische Kritik an der modernen Landwirtschaft und zahlreiche Belastungen für die Nutztierhalter treffen auch den Tiergesundheitssektor. Demgegenüber wird insbesondere in der aktuellen Situation erwartet, dass die Landwirtschaft Lebensmittel in gleicher Weise wie bisher bereitstellt. Die gewünschte und erforderliche Planungssicherheit für den landwirtschaftlichen Sektor rückt derzeit weiter in die Ferne.

Die Krankheitsvorbeuge nimmt eine immer wichtigere Stellung ein. Die Impfung ist dabei ein unverzichtbares Instrument. Der Verband hat daher im vergangenen Jahr den Austausch auf politischer und ministerialer Ebene zur Tierseuchenbekämpfung im föderalen System verstärkt. Außerdem wurde an Konzepten gearbeitet, um das Thema der Gesundheitsvorsorge, insbesondere durch Impfen, fest beim Kleintierhalter zu verankern.

Marktentwicklung zeigt stabiles Wachstum bei der Krankheitsvorbeuge und Gesundheitsfürsorge
Der Tierarzneimittelmarkt in Deutschland wuchs in 2019 als Schätzung auf den Gesamtmarkt auf 843,9 Mio Euro mit einem Zuwachs von +3,8%. Auf die Teilmärkte entfielen 37% auf Pharmazeutische Spezialitäten, 28 % auf Impfstoffe und auf Antiparasitika 18 % sowie Antiinfektiva 17%. Der Anteil des Kleintiersegmentes macht 55% und der des Nutztiersegmentes 45% aus.

Mit einem Wachstum um 5,3% auf 235,66 Mio Euro entwickelte sich das Impfstoffsegment erfreulich. Neben dem Trend zur Krankheitsvorbeuge bei Nutztieren trugen auch Infektionsgeschehen wie der Blauzungenausbruch in Süddeutschland oder die Impfempfehlung gegen das West-Nil-Virus beim Pferd zu dieser Entwicklung bei. Eine verbesserte Lieferfähigkeit von Impfstoffen gegen das equine Herpesvirus bildet sich ebenfalls in den Marktzahlen ab. Die Impffreudigkeit bei Hunden und Katzen war im vergangenen Jahr nicht unbedingt stärker ausgeprägt, führte Frau Dr. Schüller, Geschäftsführung des Bundesverbandes für Tiergesundheit aus. „In den vergangenen Wochen und auch aktuell sollten Tierhalter besonnen reagieren und sich immer erst telefonisch mit ihrem Tierarzt beraten. Impfschutz aufrecht zu erhalten bleibt aber wichtig,“ so Dr. Schüller. „Wir setzen uns dafür ein, dass trotz der Beschränkungen wichtige Tierarzneimittel die Praxen erreichen und den Tierärzten für notwendige Behandlungen zur Verfügung stehen“, rundet sie ab.

Ebenfalls mit mehr als fünf Prozent auf ein Volumen von 315,19 Mio Euro wuchsen die Pharmazeutischen Spezialitäten. Wachstumstreiber in diesem Segment waren erneut Produkte zur Behandlung von Haut und Ohr. Positiv entwickelte sich der Markt auch durch Zuwächse bei der Reproduktionskontrolle im Kleintiersegment. Auch die zunehmende Umstellung auf die speziell für das Tier entwickelten Präparate zur Behandlung von Störungen des Hormonhaushaltes, wie Diabetes oder der Schilddrüsen-Hormonproduktion, spiegelt sich in der Entwicklung dieses Segmentes wider.

Regelmäßige Floh- und Zeckenbekämpfung und neue speziell für die Katze entwickelte Produkte schlagen sich positiv auf die Entwicklung des Antiparasitika-Segmentes nieder. Dieses wuchs um 2,3% und macht derzeit 149,46 Mio Euro aus. Das Antiinfektiva-Segment wuchs mit 0,3% (143,63 Mio Euro) nur in geringem Umfang. Preisbereinigt ist ein weiterer Mengenrückgang durch die Maßnahmen des Minimierungskonzeptes zu sehen.

Marktaufteilung
„Das Kleintiersegment wuchs im vergangenen Jahr wieder etwas mehr als das Nutztiersegment, so dass das Verhältnis der beiden Produktbereiche mit 55 zu 45 Prozent zum Vorjahr geschätzt wird“, fasste Dr. Sabine Schüller zusammen.

Quelle: Bundesverband für Tiergesundheit e.V. (BfT)

Interview mit ZDG-Präsident Friedrich-Otto Ripke Teil 2: Antibiotika

Herr Ripke: Deutschlands Geflügelhalter haben in den vergangenen Jahren den Einsatz von Antibiotika deutlich vermindert. Aber viele wollen auch in Zukunft Colistin einsetzen dürfen, das aber immer nachdrücklicher als Reserveantibiotikum für die Humanmedizin reklamiert wird. Wie kommen Ihre Mitglieder zukünftig damit zurecht?

Der Druck von Gesellschaft und Bundesregierung hat deutlich zugenommen und deshalb sind wir, nicht erst seit heute, bereit eine Veränderung herbeizuführen. Wir haben im Übrigen auch EU-Verordnungen zu erwarten für Antibiotikaanwendungen, speziell auch für Reserveantibiotika.

Wir werden Mitte 2021 eine Liste der Wirkstoffe bekommen, die nur noch beschränkt angewendet werden dürfen und wir werden zum 1. Januar 2022 eine neue EU-Tierarzneimittelverordnung bekommen. Die ist dann EU-weit verbindlich in nationales Recht umzusetzen. Ich habe Frau Klöckner gesagt: eine nationale Verbotsverordnung lässt sich auch formal-juristisch nur schwer machen, vor allem dann nicht, wenn die EU mit drastischen Beschränkungen arbeiten wird, aber nicht mit Verboten.

Ich glaube, die EU wird deshalb nicht mit Verboten arbeiten, weil es eben auch Rechtsbereiche gibt, in diesem Fall das Tierschutzrecht, welche die Behandlung kranker Tiere vorschreiben. Stellen Sie sich mal vor: ein Tierarzt wird vom Tierhalter beauftragt zu behandeln und er hat nur noch das Colistin als letzten Wirkstoff gegen diese spezielle Erkrankung zur Verfügung. Behandelt er dann nicht, könnte der Tierhalter ihn anzeigen und es würde nicht nur § 17 TSchG greifen, sondern auch § 13 StGB.

Das ist zwar ein wenig formell, ist aber ein Punkt um den sich aktuell viele Tierärzte sorgen. Wir haben das auch mit Herrn Färber vom bpt diskutiert und wir haben auch guten Kontakt zu Herrn Palzer, der ja für den bpt in den Brüsseler Arbeitsgruppen sitzt.

Es gibt in dieser neuen EU-Verordnung Artikel 106 und Artikel 107, die für uns große Bedeutung haben werden. Da steht drin, dass bestimmte Antibiotika nicht routinemäßig angewandt werden dürfen und auch nicht, um unzureichende Betriebsführung auszugleichen.

Wir werden versuchen Regeln daraus zu machen, um ein Antibiotika-Reduzierungsprogramm für die deutsche Geflügelwirtschaft aufzulegen. Daran werden wir alle unsere Tierärzte beteiligen, weil das nur mit Fachleuten gelingen kann. Wir haben sie auch bereits beteiligt, in den zwei Gesprächsrunden die wir kürzlich mit Frau Klöckner hatten.

Wir haben dort zunächst festgestellt: wir brauchen tierarten-spezifische Lösungen, es kann nicht pauschal ums gesamte Geflügel gehen. Schon deshalb nicht, weil wir in der 16 Novelle des TSchG nur die Masttiere erfasst haben, Legehennen sind dort nicht erfasst oder evaluiert worden.

Was dann den Zeitablauf angeht, wird bei Masthähnchen wohl eine frühestmögliche, ziemlich weitgehende Beschränkung – bis zum Totalverzicht- geben kann. Wir sind in die Verhandlungen mit Frau Klöckner gegangen, mit dem Datum 2021 für Masthähnchen, 2023 für Puten und bei Legehennen müssen wir zunächst mal mit einem Antibiotika-Monitoring beginnen. Wir wissen bisher nicht, wieviel von welchem Wirkstoff überhaupt eingesetzt wird.

Uns wird ja immer wieder vorgehalten: warum können andere EU-Länder Reserveantibiotika reduzieren und Deutschland nicht? Da werden z. B. Skandinavien und die Niederlande genannt. Aber in Skandinavien werden Bakteriophagen und „competitive exclusion“ Keime eingesetzt. Die letztgenannten CE-Keime werden einfach dem Futter beigemischt oder – in Holland – auch der Einstreu. Die Tiere nehmen die CE-Keime auf und diese legen sich an die Darmwand, bilden dort einen Schutzfilm und lassen die krankmachenden Keime nicht mehr durch.

In Deutschland gibt es keine Zulassung für solche Anwendungen, aber wenn wir diese Möglichkeiten auch hätten, könnten wir schneller aussteigen. Auch wenn wir einen Gleichstand bei den Arzneimittelzulassungen, z. B. bei Tetrazyklinen hätten, die bei Legehennen häufig eingesetzt werden. Dann haben wir in Deutschland sechs Tage Wartezeit für Eier, in Holland Null. Wenn man uns also die gleichen Rahmenbedingungen schafft sind wir genauso schnell in der Lage auszusteigen, wie die genannten „Vorbildländer“. Darüber verhandeln wir im Moment.

Ich erwarte von der Politik auch Rückgrat. In den Niederlanden werden diese CE-Keime nicht als Arzneimittel, sondern als Biozide angesehen. Das ist ja ein praktikables Verfahren und steht für praktikable Politik

Über die Wirksamkeit dieser beiden Methoden, CE-Keime und Bakteriophagen, hat Herr Prof. Rösler an der FU Berlin im Rahmen der EsRAM-Studie* geforscht und wir wünschen uns eine breite Feldstudie auch für Puten und Legehennen.

Wenn man diese Rahmenbedingungen und gleiche Wettbewerbsbedingungen schafft, dann kämen wir mit einer gesteuerten Minimierungs-Strategie etwa bei Masthähnchen schon 2021, bei Puten 2023 zu vernünftigen Terminen. Bei Legehennen wissen wir das noch nicht ganz genau.

* EsRAM ist das Akronym für „Entwicklung stufenübergreifender Reduktionsmaßnahmen für Antibiotikaresistente Mikroorganismen bei Masthähnchen“.

Teil 1: Hennen und Puten mit ungekürzten Schnäbeln(am 2.5.20)
Teil 3: Zukunft der Geflügelhaltung in Deutschland im E-Magazin “Geflügel Spezial” (Sofort-Download hier)

Neues Update für den Circo-Impfstoff von Boehringer Ingelheim

Der Impfstoff gegen das porzine Circovirus Typ 2 von Boehringer Ingelheim hat ein Update bekommen: Das Produkt hat nun eine kristallklare Farbe und ist in neuer Verpackung erhältlich.

Die Anwendung hat sich jedoch nicht geändert: Der Circo-Impfstoff kann wie gewohnt bei Ferkeln und Sauen eingesetzt werden. Er ist unverändert stark wirksam und verträglich. Auch die frische Mischbarkeit des Circo- und Mycoplasmen-Impfstoffes von Boehringer Ingelheim ist weiterhin möglich und bietet ein hohes Maß an Flexibilität. Dieses praktische und einfache Vorgehen hat sich in vielen Betrieben seit Jahren fest etabliert.

Grund für die neue Produktfarbe und –verpackung ist eine Adaption der Herstellung: Das DiaTEC-Filtrationsverfahren ist jetzt zusätzlicher Bestandteil der Produktion. Dadurch werden verbleibende Zellmedium-Komponenten entfernt und der Impfstoff ist nicht mehr viruzid.

Aktuell kann der Impfstoff wie gewohnt in der Praxis eingesetzt werden. Mit DiaTEC investiert Boehringer Ingelheim in die Weiterentwicklung des Circo-Impfstoffes, um seinen Einsatz zukünftig noch flexibler zu machen. Impfkonzepte können dann maßgeschneidert und für jeden Betrieb individuell gestaltet werden.

Die Circo-Impfung in kristallklarer Farbe und neuer Verpackung ist ab Frühjahr 2020 bei Ihrem Tierarzt erhältlich.

Quelle: Boehringer Ingelheim

Buchtipp: Ethik für die Landwirtschaft

Soeben ist das neueste Buch von Christian Dürnberger erschienen. Befasste sich der Philosoph und Kommunikationswissenschaftler zuletzt mit der „Mensch-Natur-Beziehung in der Kontroverse um die Grüne Gentechnik“ (ausführliche Besprechung hier), richtet sich sein neuestes Werk direkt an Landwirte:

Über das Buch
Die Landwirtschaft sieht sich gegenwärtig vor besondere Herausforderungen gestellt: Bestimmte Praktiken sind umstritten, das gesellschaftliche Wissen ist gering – die Erwartungen sind es jedoch nicht. In diesem Spannungsfeld sollen Landwirtinnen und Landwirte nicht nur ihrer besonderen Verantwortung gerecht werden, mehr als das: Sie sollen in den Debatten Rede und Antwort stehen.

Zum modernen landwirtschaftlichen Berufsbild gehört demnach ethische Reflexionsfähigkeit. Ethik für die Landwirtschaft also. Was aber ist Ethik? Wie lassen sich die neuen gesellschaftlichen Erwartungen beschreiben? Und was bedeutet Verantwortung mit Blick auf Nahrung, Umwelt, Klima und Tiere?

Das vorliegende Buch liefert Antworten. Es ist dabei keine fachphilosophische Arbeit, sondern wendet sich explizit an die Landwirtinnen und Landwirten selbst. Daher taugt es auch als Lehrbuch für die landwirtschaftliche Ausbildung. In 12 leicht verständlichen Kapitel durch das philosophische Bauernjahr.

Über den Autor
Christian Dürnberger, Doktor der Philosophie und Magister der Kommunikationswissenschaften, arbeitet seit über einem Jahrzehnt an verschiedenen Forschungsinstitutionen zu ethischen Fragen in der Landwirtschaft.

Er ist gefragter Referent und Autor von Büchern zu diversen Themen, beispielsweise über Grüne Gentechnik, Bioenergie, Genome Editing oder moralische Herausforderungen im amtstierärztlichen Beruf.

Gegenwärtig arbeitet er als Philosoph am Messerli Forschungsinstitut/Abteilung Ethik der Mensch-Tier-Beziehung an der Veterinärmedizinischen Universität Wien, Medizinischen Universität Wien und Universität Wien sowie am Campus Francisco Josephinum Wieselburg. Frühere Arbeitsstellen waren die Ludwig-Maximilians-Universität München, das Institut TTN sowie die Hochschule für Philosophie München.

Inhaltsverzeichnis
1. Der Streit um die Landwirtschaft. Was hat sich geändert?
2. Die Erwartungen der Gesellschaft an die Landwirtschaft
3. Was bedeutet Ethik?
4. Schutz von Umwelt und Klima – warum eigentlich?
5. Eine kurze Einführung in die Tierethik
6. Kontroversen verstehen. Die Debatte um die Grüne Gentechnik
7. Besser argumentieren?
8. Die Sehnsucht nach dem landwirtschaftlichen Idyll
9. Landwirtschaft 4.0. Ein ethisches Diskussionsmodell
10. Warum essen wir, was wir essen?
11. Mehr Kommunikation – aber wie?
12. Blick in die Zukunft
Selbsttest und weiterführende Reflexionsfragen

Taschenbuch, 192 Seiten, € 19,37
Erhältlich exklusiv über Amazon

Interview mit ZDG-Präsident Friedrich-Otto Ripke Teil 1: Hennen und Puten mit ungekürzten Schnäbeln

Herr Ripke: Legehennen werden heute in Deutschland bereits mit ungekürzten Schnäbeln eingestallt. Bei Puten ist das noch Zukunftsmusik. Sind einzelne Parameter von der einen auf die andere Tierart übertragbar?

Die freiwillige Vereinbarung von 2015 zwischen der Bundesregierung und dem ZDG zum Verzicht auf das Schnabelkürzen bei Legehennen ist erfolgreich und vollständig umgesetzt. Wir haben viel gelernt bei den Hennen: Es muss ein Top-Management geben, einen Top-Stall mit gutem Klima, mit guter Lichtsteuerung und bestem Futter. Und wir haben sogar eine bessere Junghenne nötig, die vital und ruhig in den Legehennenstall kommt.

Ein Beispiel nenne ich Ihnen mal: Da wir die Hennen im Stall beschäftigen müssen, zum Beispiel mit Luzerne oder Picksteinen oder Maissilage, haben wir jetzt schon die Möglichkeit, beim Junghennen-Aufzüchter und schon vorher in der Brüterei zu bestellen, welche Vorprägung die Junghennen mitbringen sollen, also die eben genannten Picksteine etc. Mit dieser Vorprägung können sie sich im Legehennenstall dann schnell an das gewöhnen, was sie aus der Aufzucht bereits kennen.

Bei Puten ist das ungleich schwieriger. Wir haben noch keine Lösung, wir arbeiten daran. In der genannten Vereinbarung mit dem BMEL haben wir bewusst nur von Putenhennen gesprochen, die Putenhähne haben wir bei der Absichtserklärung zunächst ausgenommen. Puten werden länger gehalten in der Mast als zum Beispiel Masthähnchen, die Tiere werden geschlechtsreif, die Hähne kriegen Testosteron in den Stoffwechsel und dann messen sie sich eben auch miteinander. Mit Hähnen können wir derzeit noch keine Fortschritte vermelden.

Bei Putenhennen hat man sogenannte „Modell- und Demonstrations-Betriebe“ geschaffen, und das sind inzwischen sehr viele, in denen von staatlicher Seite begleitet aufgestallt wird. Es werden in diesem Fall auch Hennen mit intakten Schnäbeln eingestallt und man schaut, wie weit man kommt. Wir haben vom FLI in Celle einen Bericht bekommen, der festgestellt hat, dass die Haltung von Puten mit intakten Schnäbeln im Moment unter akzeptablen Bedingungen nicht verantwortungsvoll umzusetzen ist. Weil es, auch bei Hennen, sobald Federpicken einmal ausbricht, sehr schnell zu sehr viel Leid und Blut kommt. Auch die Hennen picken immer weiter, gerade zum Ende der Mastdauer – das ist aus Tierschutzperspektive nicht hinzunehmen.

Es bleibt eine große Herausforderung, der wir uns auch in Zukunft stellen wollen. Es wird vor allem auch die Stalltechnik bei Puten angepasst werden müssen. Wir müssen auch, wie im Legehennenstall, die Möglichkeit der Verdunklung haben – nach tierärztlicher Indikation.

Können Betriebe nicht vielleicht mit Testabteilen und kleinen Gruppen Erfahrungen sammeln?

Wenn Sie 20 oder 30 Tiere absondern, ist deren Verhalten nicht übertragbar auf Ställe mit 3.000 oder 4.000 Tieren. Hier bieten die MuD-Betriebe den richtigen Weg, unter Praxisbedingungen Erfahrungen zu sammeln.

Dann bin ich aber auch wieder bei den Mehrkosten: Das kann ein Tierhalter aus eigener Tasche nicht tragen. Hier bedarf es der staatlichen Förderung, wie bei MuD praktiziert. Deswegen ist MuD für mich ein guter Weg, zumal alle Daten aus den einzelnen Betrieben deutschlandweit zusammengetragen werden sollen. Dann entsteht eine Kompetenz-Datenbank und die soll am Ende ja in ein Bundeskompetenz-Zentrum Geflügel münden, das jedem Geflügelhalter Zugriff gewährt.

Trauen Sie sich einen Zeithorizont für eine Umstellung zu benennen?

Nein. Überhaupt nicht. Wenn ich den FLI-Bericht sehe, der nicht veröffentlicht, aber sehr realistisch ist, traue ich mich nicht, ein Enddatum zu nennen. Das heißt jetzt nicht, dass ich sage: Es wird nichts, und wir machen einfach weiter wie gehabt. Wir wollen eine Lösung! Und es werden jetzt ja auch, vom Bund gefördert, Ställe der Zukunft gebaut und auch sogenannte Experimentierställe in wissenschaftlichen Einrichtungen. Wir werden nicht gleich mit Puten beginnen, aber auch zu Puten werden mehr und mehr Versuche gemacht. Aber es wird noch Jahre dauern.

Puten sind vom Naturell her eben etwas anders gestrickt als Legehennen und wir haben auch Hinweise aus Versuchen, die sich um die Besatzdichte gedreht haben. Die vermeintlichen NGO-Patentrezepte tragen überhaupt nicht, wir haben bei Reduzierung der Besatzdichte (nach dem Tierschutzplan Niedersachsen) bei den Hähnen höhere Aggressivität festgestellt. Mehr Platz zum Kämpfen sozusagen.

Nur Hennen einstallen und einen neuen „Bruderhahn“ wollen wir aber auch nicht oder?

Da würden wir auch gegen den Markt arbeiten. In Deutschland hat sich doch die Hahnenmast bei Puten sehr stark entwickelt, weil Schlachter und Verarbeiter besser damit umgehen können, die Ausbeute ist höher – gerade wenn viel Brustfleisch nachgefragt wird. Hier spielen natürlich Verbraucherwünsche eine Rolle. Uns liegt aber viel daran, auch die Hennenmast zu erhalten! Dazu braucht es aber Gespräche mit der gesamten Kette, bis hin zum LEH. Im Moment werden ja viele Hennenküken ins osteuropäische Ausland, zum Beispiel nach Polen verkauft, weil dort die Hennenmast verbreiteter ist.

Wir hatten hier einen Trend zur Hahnenmast und den müssen wir alle wieder ein bisschen umdrehen, denn: Wenn wir auf Schnabelbehandlung verzichten, werden wir es doch wohl bei Hennen eher hinkriegen als bei Hähnen. Also bedarf es da auch des Umdenkens in der gesamten Kette und beim Verbraucher.

Teil 2: Antibiotika (am 5.5.20)
Teil 3: Zukunft der Geflügelhaltung in Deutschland im E-Magazin „Geflügel Spezial“ (Sofort-Download hier)

Europäischer PRRS-Forschungspreis: Jetzt bewerben – Boehringer Ingelheim stellt drei Fördersummen zu je 25.000 Euro

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Boehringer Ingelheim unterstützt die anwendungsbezogene Forschung zur Bekämpfung der Schweinekrankheit PRRS (Porzines Reproduktives und Respiratorisches Syndrom). Zu diesem Zweck lobt das Unternehmen in diesem Jahr zum 5. Mal den europäischen PRRS-Forschungspreis aus.

Boehringer Ingelheim stellt drei Fördersummen in Höhe von jeweils 25.000 Euro bereit. Das Unternehmen möchte Forschungsbeiträge finanzieren, die neue Daten sammeln und Erkenntnisse zu PRRS generieren. Ziel ist ein besseres Verständnis dieser verheerenden und kostenintensiven Krankheit sowie Lösungen für eine nachhaltige PRRS-Kontrolle zu finden.

Der europäische PRRS-Forschungspreis soll die Entwicklung praktischer Anwendungsstrategien zur PRRS-Kontrolle fördern sowie Forschende und TierärztInnen zu einem engeren Austausch ermutigen. Darüber hinaus möchte Boehringer Ingelheim Forschungsexzellenz belohnen.

Forschungsprojekte sind bis zum 1. Juli 2020 per E-Mail an paulina.hoerstermann@boehringer-ingelheim.com zu senden. Ein unabhängiger Prüfungsausschuss wird jeden Vorschlag im Hinblick auf seine Bedeutung, das Wirkungspotenzial in der Schweinebranche, die Originalität und Neuartigkeit sorgfältig begutachten. Die Mitglieder des Prüfungsausschusses sind anerkannte ExpertInnen der Schweinebranche aus Forschung und Praxis.

Weitere Informationen erhalten Sie unter www.prrs.de

Quelle: Boehringer Ingelheim

Tag des Versuchstiers: Schulungsplattform für Alternativmethoden zum Tierversuch online

Auf der Online-Plattform 3R-SMART finden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler detaillierte Videoanleitungen, mit denen sie neue Methoden erlernen können, Tierversuche in der Forschung zu reduzieren.

Um Tierversuche auf ein unerlässliches Maß zu reduzieren, entwickeln Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit Methoden, die Versuche an Tieren ersetzen können. In einem Kooperationsprojekt haben Forscher des Instituts für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) die Online-Plattform www.3r-smart.de entwickelt. Die Plattform soll die Alternativmethoden bekannter machen und Forscherinnen und Forschern helfen, sie zu lernen. Bisher stehen 17 Videos online. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Projektpartner sind die Philipps-Universität Marburg, BASF SE, die Berlin-Brandenburger Forschungsplattform BB3R an der Freien Universität Berlin sowie das Deutsche Zentrum zum Schutz von Versuchstieren (Bf3R) am Bundesinstitut für Risikobewertung.

„Bevor Medikamente, Impfstoffe oder Implantate an Menschen getestet werden, müssen sie zunächst mehrere Testdurchläufe am Tier bestehen. Wir gehen davon aus, dass die Anzahl dieser Testdurchläufe in vielen Fällen reduziert werden könnte“, erklärt TiHo-Professor Dr. Bernhard Hiebl. Doch selbst, wenn ein Forscher-Team eine neue Ersatzmethode entwickelt hat, wird diese nicht automatisch überall angewandt. Forscherinnen und Forscher in anderen Laboren, die Tierversuche durchführen und sie ersetzen möchten, müssen zunächst über die neuen Methoden informiert werden und sie erlernen.

Hier setzt 3R-SMART an. „SMART“ steht für Schulungsplattform für Methodische Ansätze zur Reduktion von Tierversuchen. „3R“ steht für das 3R-Prinzip. Dessen Ziel ist es, Tierversuche durch alternative Methoden zu ersetzen (Replacement), die Zahl der Tiere für einen Versuch auf das unerlässliche Maß zu senken (Reduction) und den Versuchsaufbau so zu gestalten, dass die Versuchstiere möglichst wenig darunter leiden (Refinement).

Hiebl ist Koordinator des Projektes. Zu seinem Team gehören Christof Mrowietz und der Medienwissenschaftler Christian Nordmann. Sie haben die Plattform konzipiert und erstellt und die bisher verfügbaren Erklärvideos zu Alternativmethoden produziert. Zusätzlich zu den Videos finden sich immer die Publikation, in der die Methode zum ersten Mal beschrieben wurde, und eine detaillierte Anleitung auf der Schulungsplattform.

Die einzelnen Module von 3R-SMART werden so aufgebaut, dass sie an die verschiedenen Bedürfnisse der Nutzer angepasst sind. „Die Zielgruppe besteht nicht nur aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern – auch Studierende und das technische Personal an Hochschulen, in öffentlichen Forschungseinrichtungen und in der Industrie sollen die Plattform nutzen können“, so Hiebl. „Wenn alle europäischen Forscherinnen und Forscher auf professionelles Lernmaterial zu Ersatzmethoden zugreifen könnten, wäre das ein großer Schritt um zukünftig die Tierzahlen in Tierversuchen großflächig weiter zu reduzieren.“

Das 3R-Prinzip
Ziel des 3R-Prinzip ist es, Tierversuche durch alternative Methoden zu ersetzen (Replacement), die Zahl der Tiere für einen Versuch auf das unerlässliche Maß zu senken (Reduction) und den Versuchsaufbau so zu gestalten, dass die Versuchstiere möglichst wenig darunter leiden (Refinement).

www.3r-smart.de/
Quelle: TiHo

Bei der Impfung strategisch denken

Schutzimpfungen nehmen in der Geflügelproduktion einen hohen Stellenwert ein. Sie dienen der Prophylaxe und Bekämpfung von Infektions- und Zoonoseerregern sowie von Tierseuchen. Auch die europäische Gesetzgebung gibt der Krankheitsvorbeuge den Vorrang vor therapeutischen Behandlungen.

Wie Infektionsstudien des Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) gezeigt haben, sind Hühner nicht für das neuartige Corona-Virus empfänglich. In der aktuellen Situation muss der Betriebsleiter die regulären Impfungen seiner Tierbestände sorgfältig planen, damit Impfteams die geplanten Impfungen auch unter Beachtung der Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen gegen SARS-CoV-2 korrekt durchführen können. Oft stehen aktuell auch weniger helfende Hände zur Verfügung als gewohnt.

Vom Tierhalter werden sehr hohe Erwartungen an die Gesunderhaltung seiner Tiere gestellt, entsprechend hoch sind auch die Erwartungen an die Impfung. Impfungen allein bieten allerdings nicht per se einen hundertprozentigen Schutz gegen Krankheiten. Der zu erzielende Impfschutz unterscheidet sich nach Tierart und Infektion. Aber auch Art und Weise der Impfung und Impfstoffapplikation haben einen Einfluss auf die Wirksamkeit.

Entscheidend ist es zudem, geeignete Impfstrategien anzuwenden. Auch müssen Geflügelherden auf ihre Impffähigkeit getestet werden. Eine Voraussetzung für einen erfolgreichen Impfschutz ist, dass die Tiere gesund und frei von Parasiten sind. Von Bedeutung ist auch der richtige Zeitpunkt der Impfung. Gegen frühe Infektionen werden bspw. schon die Küken im Ei geschützt.

Zusammenfassend gilt auch für den Impfschutz in Geflügelherden, dass Impfprophylaxe allein nicht ausreichend ist, Bestandsprobleme zu lösen. Weitere Faktoren wie Fütterung, Haltung, Hygiene und Biosicherheit müssen einer eingehenden Prüfung unterzogen werden.

Quelle: Bundesverband für Tiergesundheit e.V. (BfT)

Gemeinsam die Haltung von Gänsen verbessern

Vereinbarung unterzeichnet – Niedersachsen formuliert Mindestanforderungen

Die Haltung von Gänsen ist in Niedersachsen künftig mit Mindestanforderungen verknüpft. Eine entsprechende Vereinbarung unterzeichneten jetzt Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast und Friedrich-Otto Ripke, Vorsitzender des Landesverbandes der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft (NGW).

Dazu sagt Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast: „Mit der Gänsehaltungsvereinbarung wird unser erfolgreicher ,niedersächsische Weg‘ fortgesetzt. Im gemeinsamen Dialog mit Tierhaltern und Tierschutzorganisationen, Wissenschaftlern und Behördenvertretern haben wir verbindliche Haltungsanforderungen zur Auslegung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung erarbeitet. Die Vereinbarung ist auch ein klares Zeichen an die Verbraucherinnen und Verbraucher: Schauen Sie an der Ladentheke, wo ihr Produkt erzeugt wurde. Gänse aus Niedersachsen kann man mit gutem Gewissen kaufen!“

Friedrich-Otto Ripke ergänzt: „Die niedersächsische Geflügelwirtschaft zeigt auch mit ihren Gänsehaltern einmal mehr ein hohes Maß an Eigenverantwortung für mehr Tierschutz! Die niedersächsische Gänsehaltung geht damit weit über internationale und EU-Standards hinaus und hofft, dass Verbraucherinnen und Verbraucher die heimische Herkunft beim Einkauf entsprechend würdigen.“

In der Gänsehaltungsvereinbarung werden unter anderem Anforderungen an die Sachkunde, eine regelmäßige Fortbildungsverpflichtung des Halters und konkrete Indikatoren für die Eigenkontrolle festgelegt. Anforderungen an Futter- und Wasserversorgung sowie die Unterbringung der Gänse werden ebenfalls verbindlich beschrieben. Zur Vorbeugung vor der so genannten Geflügelpest müssen die Betriebe künftig einen Tierseuchenkrisenplan vorhalten. Die zuständigen Veterinärämter werden die Einhaltung der Anforderungen kontrollieren.

Der Hintergrund:
Mit der so genannten Hähnchenvereinbarung war Niedersachsen bereits 1997 Vorreiter bei der Auslegung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung. Die Niedersächsische Putenvereinbarung war Basis für die so genannten Bundeseinheitlichen Eckwerte von 2013, die noch heute bundesweit einen Standard der Putenhaltung festlegen. Auch beim Wassergeflügel wurden in Niedersachsen mit den Moschusenten- und Pekingentenvereinbarungen bereits wichtige Regelungen in Bezug auf den Tierschutz festgelegt.

Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Regionale Zweinutzungshühner für den Öko-Landbau

Viele alte regionale Hühnerrassen in Deutschland sind vom Aussterben bedroht. Ihre Haltung ist selbst für Öko-Betriebe wirtschaftlich nicht tragfähig, weil der Markt dominiert ist von wenigen modernen Hochleistungsrassen, die speziell für das Eierlegen oder für die Fleischproduktion gezüchtet wurden. Zum damit verbundenen Verlust an biologischer Vielfalt kommt noch das ethische Problem des Tötens der männlichen Küken aus den Legelinien. Einen Ausweg aus diesem Dilemma sucht das neue Projekt „RegioHuhn“.

Im Rahmen des dreijährigen Projekts soll die Nutzbarkeit sechs lokaler und gefährdeter Hühnerrassen wie der Ostfriesischen Möwe oder dem Mechelner Huhn in der ökologischen Landwirtschaft untersucht werden. Mittels Kreuzungszucht sollen auf Basis dieser alten Rassen neue Zweinutzungshühner gezüchtet werden, die für eine auch wirtschaftlich tragfähige Haltung in einer regionalen landwirtschaftlichen Praxis geeignet sind. Auf diese Weise will das Friedrich-Loeffler-Institut für Nutztiergenetik in Mariensee (ING) gemeinsam mit der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL/BaySG Kitzingen), der Universität Bonn und der Fachberatung für Naturland einen neuen Weg für eine nachhaltigere regionale Geflügelproduktion aufzeigen.

Vielfalt regionaler Rassen erhalten – Nachhaltigkeit der Geflügelhaltung sichern
„Die Vielfalt lokaler Hühnerrassen kann am besten durch deren Nutzung erhalten werden“, betont Projektleiter Prof. Dr. Steffen Weigend vom Friedrich-Loeffler-Institut. Im Fokus der Untersuchungen stehen beim ING die lokalen Rassen Ostfriesische Möwen und Ramelsloher Huhn, beim LfL Kitzingen die Altsteirer und Augsburger und bei der Universität Bonn das Bielefelder Kennhuhn und die Mechelner. Private Züchter unterstützen das Projekt mit der Bereitstellung von Bruteiern.

Diese alten Hühnerrassen zeichnen sich vor allem durch ihre größere Robustheit aus, bleiben als traditionelle Zweinutzungshühner in der Leistung jedoch weit hinter den modernen Lege- und Mastlinien zurück. Durch Kreuzung mit Tieren aus Leistungszuchten sollen deshalb so genannte Gebrauchskreuzungen gefunden werden, die sowohl einer Legeleistungsprüfung als auch einer Mast- und Schlachtleistungsprüfung unterzogen werden.

Haltung und regionale Vermarktung in der Praxis erproben
„Wir hoffen Zweinutzungshühner zu finden, die sowohl eine gute Leistung bringen als auch einfach zu halten sind“, erläutert Werner Vogt-Kaute von der Fachberatung für Naturland. Um dabei den Praxisbezug des Projekts sicherzustellen, werden verschiedene Naturland Betriebe mit Geflügelhaltung und Direktvermarktung in das Projekt eingebunden. Die Naturland Betriebe sollen die Leistung der Tiere sowie die Vermarktung der Produkte mit Regionalbezug in der Praxis erproben.

Das Projekt wird gefördert durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft.

Quelle: Friedrich-Loeffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit

Pflanzlichen Phosphor im Tierfutter nutzbar machen

DBU gefördertes Umweltprojekt der TU Hamburg will heimische Futtermittel stärken
„Phosphor ist ein unverzichtbarer Nährstoff für Menschen, Tiere und Pflanzen. Nicht-Wiederkäuer, wie Schweine und Geflügel, können jedoch den in Pflanzen enthaltenen Phosphor zum Beispiel aus Getreide, kaum verdauen. Sie scheiden den größten Teil wieder aus, er landet mit dem Dünger auf dem Acker. Da viele Böden dadurch überversorgt sind, setzen Landwirte unter anderem ganz bewusst pflanzliche Futtermittel mit geringerem Phosphorgehalt ein, auch wenn diese nicht aus heimischem Anbau stammen“, sagt Dr. Susanne Wiese-Willmaring, DBU-Referentin für Lebensmittel. Die Technische Universität (TU) Hamburg will nun die Verdaulichkeit des Phosphors aus Getreidekleie für Nicht-Wiederkäuer verbessern. So soll die Umwelt entlastet und zugleich der Einsatz heimischer Futtermittel gefördert werden. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert das Projekt fachlich und finanziell mit 636.000 Euro.

Eingeführte Futtermittel bevorzugt
Bisher werde oft auf heimische Futtermittel wie Kleie oder Rapsschrot verzichtet, weil diese einen hohen Anteil an pflanzlich gebundenem Phosphor enthielten, erläutert Projektleiter Prof. Dr. Martin Kaltschmitt von der TU Hamburg. Der Anbau und die Einfuhr von Futteralternativen mit geringerem Phosphorgehalt belasteten aber die Umwelt. Zudem müsse der besser verdauliche, mineralische Phosphor, der weltweit nur noch in begrenzter Menge zur Verfügung steht, zugefüttert werden, um die Tiere optimal zu versorgen.

Phosphor aus Pflanzen
Wenn man nun zum Beispiel den in Kleie enthaltenen pflanzlichen Phosphor verwerten könnte, sei eine bedarfsgerechte Versorgung der Tiere auch bei Einsatz heimischer Futtermittel leichter sicherzustellen und der Anteil eingeführter Ware könne verringert werden. Gleichzeitig verringere sich die Menge an ungenutzt ausgeschiedenen pflanzlichen Phosphor. „Wir wollen am Beispiel der heimischen Kleie, die beim Verarbeiten von Getreide als Reststoff übrigbleibt, ein neues Verfahren entwickeln, das den pflanzlich gebundenen Phosphor für Nicht-Wiederkäuer verdaulich macht“, so Kaltschmitt. An diesem Projekt arbeiten vier Partner bestehend aus zwei Instituten der TU Hamburg (Institut für Umwelttechnik und Energiewirtschaft sowie Institut für Technische Biokatalyse), dem Lehrstuhl für Biotechnologie der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen und dem Institut für Tierernährung der Stiftung Tierärztliche Hochschule (TiHo) Hannover.

Enzyme bei der Arbeit
Zunächst solle dafür eine Analysemethode entwickelt werden, mit welcher der Gehalt und die Art der Phosphor-Verbindung sicher bestimmt werden könnten. Im Anschluss solle untersucht werden, welche Möglichkeiten es mittels chemisch-mechanischer Verfahren oder mit Hilfe von Enzymen gebe, um den pflanzlichen Phosphor in eine verdauliche Form zu bringen. Im Labor und in einer modellhaften Bioraffinerie sollen besonders vielversprechende Verfahrensansätze getestet und bewertet werden. Die Tierärztliche Hochschule werde die entwickelten Futtermittel im praktischen Einsatz prüfen und die Ausscheidungen der gefütterten Tiere vorher und nachher auf ihren Phosphor-Gehalt untersuchen. So solle ermittelt werden, ob sich die Phosphorausscheidung verringert.

Verfahren im größeren Maßstab
Erweise sich ein Verfahren aus umwelttechnischer und wirtschaftlicher Sicht als Erfolg versprechend, könne es in größerem Maßstab beim Verarbeiten von Getreide zum Einsatz kommen. So könnten bisherige Rückstände wie Kleie höherwertig genutzt und das Belasten der Ackerböden durch den Überschuss an nicht verwertetem Phosphor verringert werden. Zugleich würde im Sinne der Nachhaltigkeit der Einsatz heimischer Futtermittel gestärkt und der Bedarf an nur endlich verfügbarem, mineralischem Phosphor verringert.

Quelle: Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

„SocialLab“ – Nutztierhaltung im Spiegel der Gesellschaft

Was kritisieren große Teile der Gesellschaft an der heutigen Nutztierhaltung? Wie reagieren Landwirte auf Kritik und wie könnte die Situation verbessert werden? Diesen Fragen ging das „SocialLab“ auf den Grund und lud Verbraucher und Landwirte zur gemeinsamen Diskussion ein. Und tatsächlich: Einstellungen können sich ändern. Und zwar auf beiden Seiten!

Wir sprachen mit Dr. Inken Christoph-Schulz (Johann Heinrich von Thünen-Institut) über das spannende Projekt.

01:32 Projekt-Organisation
03:09 Zusammensetzung der Gesprächsrunden
05:44 Veränderte Einstellungen nach der Diskussion
08:28 Einsatz von Medikamenten im Nutztierstall
10:27 Wer bezahlt für Verbesserungen in der Nutztierhaltung?
14:59 Ist ein Konsens zur zukünftigen Nutztierhaltung möglich?
15:55 Zeitbedarf und Organisation des „SocialLab“
18:57 Wie geht es weiter im Projekt?

Weitere Informationen zum „SocialLab“ gibt es hier

Zoetis-Webinare jederzeit online aufrufbar und kostenfrei

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Zoetis bietet kostenfreie Weiterbildung via Internet zu verschiedenen Themen rund um Kuh und Kalb an. Das nächste Live-Webinar zur Digitalisierung findet am 16.4. ab 19 Uhr 30 statt. Weitere Themen sind jederzeit abrufbar und hier aufgelistet.