5 Jahre Initiative Tierwohl – immer bekannter und konstant beliebt

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• Initiative Tierwohl (ITW) seit fünf Jahren erfolgreich aktiv
• 104 Mio. Schweine sowie über 2 Mrd. Hähnchen und Puten haben seit Gründung profitiert
• 66 Prozent der deutschen Verbraucher kennen inzwischen die Initiative Tierwohl
• 92 Prozent finden das Konzept der ITW gut oder sehr gut

Die Initiative Tierwohl (ITW) blickt auf fünf Jahre ihres Bestehens zurück. Seit ihrem Start haben 104 Millionen Schweine und über 2 Milliarden Hähnchen und Puten von den Maßnahmen profitiert, die von den an der ITW teilnehmenden Landwirten umgesetzt werden. Dazu gehören zum Beispiel mehr Platz im Stall, zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten und Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit der Tiere. Inzwischen stammen rund 70 Prozent der in Deutschland geschlachteten Hähnchen und Puten und 24 Prozent der in Deutschland erzeugten Mastschweine von Landwirten, die an der ITW teilnehmen. Darüber hinaus nehmen auch Sauen- und Ferkelaufzuchtbetriebe teil. Von 2015 bis Ende 2019 hat die ITW teilnehmende Betriebe bislang 38.892 Mal kontrolliert. In jedem der rund 6.700 in der ITW engagierten Betriebe wird zweimal jährlich von unabhängigen Auditoren geprüft, ob alle Tierwohl-Maßnahmen aus dem ITW-Kriterienkatalog umgesetzt werden.

Diese Leistungen wissen die Verbraucher zu schätzen. Laut einer aktuellen forsa-Umfrage wird die ITW immer bekannter und bleibt konstant beliebt bei deutschen Verbrauchern. 66 Prozent der über 1.000 Befragten kennen die ITW. 92 Prozent finden das Konzept der ITW gut oder sehr gut. Das Produktsiegel der ITW, das besagt, dass das jeweilige Produkt ausschließlich Fleisch von teilnehmenden Betrieben der ITW enthält, haben inzwischen 30 Prozent der Verbraucher bewusst auf Verpackungen wahrgenommen.

„Wir freuen uns sehr darüber, dass die Leistungen, die Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und Lebensmitteleinzelhandel in den vergangenen fünf Jahren für mehr Tierwohl erbracht haben, auch von den Verbrauchern anerkannt werden“, sagt Dr. Alexander Hinrichs, Geschäftsführer der Initiative Tierwohl. „Jenseits von Umfragen sind aber die Erfolge im Markt für uns sehr wichtig. Und hier zeigt sich, dass der evolutionäre Ansatz kleiner, nachhaltiger Schritte, den die ITW verfolgt, wirklich breitenwirksam ist. Es geht uns darum, vielen Betrieben und vielen Tieren mehr Tierwohl zu ermöglichen. Dafür wird es in Zukunft auch notwendig sein, dass sich weitere Branchen wie beispielsweise die Großgastronomie wirksam für mehr Tierwohl einbringen.“
Den Branchen Großgastronomie und Gemeinschaftsverpflegung attestieren laut der forsa-Befragung auch die deutschen Verbraucher ein mangelndes Engagement beim Tierwohl. 75 Prozent der deutschen Verbraucher sind davon überzeugt, dass die Unternehmen dieser Branchen das Tierwohl nicht genug berücksichtigen. 86 Prozent wünschen sich auch hier eine Kennzeichnung wie die Haltungsform-Kennzeichnung des Lebensmitteleinzelhandels.

Die Initiative Tierwohl beauftragt die forsa Politik- und Sozialforschung GmbH seit 2017 regelmäßig mit der Durchführung repräsentativer Befragungen rund um den Themenkomplex „Tierwohl“. Seit der ersten Befragung aus Dezember 2017 hat sich der Fleischkonsum quantitativ kaum verändert. 2017 aßen laut Befragung 57 Prozent der Verbraucher mehrmals in der Woche Fleisch, seltener als ein Mal pro Monat bzw. gar kein Fleisch aßen lediglich 6 Prozent. Zwei Jahre später essen 59 Prozent mehrmals in der Woche Fleisch, während der Anteil derer, die auf Fleisch verzichten oder seltener als ein Mal im Monat Fleisch essen, unverändert geblieben ist.

Im Rahmen der forsa-Untersuchung wurden insgesamt 1.008 nach einem systematischen Zufallsverfahren ausgewählte Bürgerinnen und Bürger ab 18 Jahren in der Bundesrepublik Deutschland befragt. Die Erhebung wurde vom 2. bis 6. Dezember 2019 mithilfe des Befragungspanels forsa.omninet durchgeführt.

Link zur Studie

Quelle: Gesellschaft zur Förderung des Tierwohls in der Nutztierhaltung mbH

Atemwegserkrankungen bei Kälbern: Welche Rolle spielen Mykoplasmen?

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Von Dr. Hans-Jürgen Kunz, Christian-Albrechts-Universität Kiel

Kälber leiden häufig an Atemwegserkrankungen. Auslöser sind Viren und Bakterien. Zu letzteren zählen auch die Mykoplasmen. Welche Rolle spielen sie im Bestand und wie kann ihnen vorgebeugt werden?

Die Liste der möglichen Erreger von Atemwegsinfektionen ist sehr lang. Die alte Lehrmeinung besagt, dass in der Regel virale Erreger Wegbereiter für bakterielle Sekundärinfektionen sind (Übersicht 1 und 2). Antibiotisch lassen sich nur bakterielle Erreger behandeln. Um viral bedingte Infektionen vorzubeugen, müsste geimpft werden. Diese Möglichkeit gibt es auch, um Infektionen mit Mannheimia haemolytica vorzubeugen. Das alles ist aber leichter gesagt als getan, denn es sollen nur gesunde Tiere geimpft werden, und wer kann dafür garantieren? Darum haben sich lokale Impfungen, wie die intranasale BRSV/PI3-Impfung, bewährt, die aber keinen Langzeitschutz versprechen. In diesem Fall müsste mindestens ein zweites Mal systemisch nachgeimpft werden.

Diagnosen häufig schwierig
Bei Durchfallerregern liefert in vielen Fällen bereits ein immunochromatographischer Schnelltest ein durchaus brauchbares Ergebnis, und das innerhalb von fünf bis zehn Minuten. Für den Nachweis von Atemwegserregern gibt es solche Diagnosemöglichkeiten nicht. Untersuchungen von Nasentupferproben sind häufig nicht aussagekräftig genug, da sich in den oberen Atemwegen möglicherweise Erreger tummeln, die nicht zwangsläufig auch für eine zu diagnostizierende Infektion in der Lunge verantwortlich sind. Hierfür eignen sich Lungenspülproben besser, die heute auch endoskopisch entnommen werden. Eingeschränkt wird die Aussagekraft solcher Proben aufgrund der starken Segmentierung der Rinderlunge. Sie besteht aus 71 Segmenten, die durch Bindegewebe voneinander getrennt sind, jeweils nur einen zuführenden Bronchus besitzen und keine Verbindung untereinander haben. Deshalb kann es durchaus vorkommen, dass die Lungenspülprobe aus einem nicht von der Infektion betroffenen Segment genommen wird und Erreger, die sich in andere Segmente eingenistet haben, nicht diagnostiziert werden. Das heißt, wenn die Spülprobe zu keinem positivem Ergebnis geführt hat, heißt das nicht, dass bei dem untersuchten Kalb keine erregerbedingte Infektion vorliegt.

Welche Rolle spielen Mykoplasmen?
Die Rolle der Mykoplasmen ist in vielerlei Hinsicht eine sehr besondere. Es sind Bakterien die anstelle einer Zellwand nur eine Zellmembran besitzen. Sie sind mit 0,3 bis 0,8 µm etwa 14 Mal kleiner als E-Coli-Bakterien und damit so klein, dass man sie noch am Ende des 19. Jahrhunderts den Viren (0,02 bis 0,2 µm) zugeordnet hat, später einer Zwischenform. Mykoplasmen besitzen jedoch alle Eigenschaften von Bakterien, können sich selbst vermehren und werden darum heute zu den Bakterien gezählt. Da sie, wie zuvor beschrieben, nur schwer nachzuweisen sind, wird ihre Bedeutung bei der Entstehung von Atemwegserkrankungen eventuell unterschätzt.


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Noch mehr Reproduktionsschutz von Boehringer Ingelheim: Neuer Parvo-Impfstoff für Sauen

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Seit kurzem gibt es von Boehringer Ingelheim einen neuen gut wirksamen Impfstoff zur Kontrolle des porzinen Parvovirus (PPV). Die Infektion der Sau mit PPV vor dem 70. Trächtigkeitstag gilt als die wichtigste Ursache des SMEDI-Syndroms (Totgeburt, Mumifikation, embryonaler Tod, Unfruchtbarkeit). In früher Trächtigkeit infizierte Sauen rauschen gehäuft um.

Der neue Impfstoff schützt aktiv Jungsauen ab 5 Monate sowie Muttersauen und bewahrt die Ferkel vor einer transplazentaren Infektion mit dem porzinen Parvovirus. Der Landwirt hat mehr Ferkel zum Verkaufen.
Die Grundimmunisierung beinhaltet zwei Injektionen im Abstand von drei Wochen, die Bestandsimpfung erfolgt alle 6 Monate. Bei Jungsauen sollte die Impfung vor der Eingliederung erfolgen.

Der im Impfstoff enthaltene Virusstamm PPV 27a kommt aus Deutschland und wurde ausgewählt, weil er bereits weltweit verbreitet ist. Zudem weist er eine gute Kreuzimmunisierung gegenüber aktuellen Feldstämmen auf. Das bereits bekannte sowie bewährte Adjuvans ImpranFLEX ist sehr gut verträglich und gewährleistet einen sicheren Einsatz in der Bestandsimpfung.

Praktisch und arbeitssparend: Die zeitgleich zugelassene Mischung mit dem PRRS-EU-Impfstoff von Boehringer Ingelheim ermöglicht in einer Dosis von nur 2 ml den Schutz gegen gleich zwei wichtige Krankheitserreger im Reproduktionsgeschehen der Sau.

Weitere Informationen erhalten Sie bei Boehringer Ingelheim Vetmedica GmbH unter Tel.: 06132-77-5725.

Verbraucher-Einstellungen zu gentechnischen Veränderungen beim Milchvieh

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Dr. Caroline Ritter, UBC

Eine Forschungsgruppe um Dr. Daniel Weary, Dr. Marina von Keyserlingk und der Erstautorin Dr. Caroline Ritter (University of British Columbia) hat fast 1.000 US-Amerikaner nach ihrer Einstellung zu bestimmten gentechnischen Eingriffen beim Milchvieh befragt. Die Studie sollte Aufschluss geben, ob bestimmte Gründe für spezifische Eingriffe akzeptabler sind als andere.

Generell ist die Einstellung der Amerikaner zu gentechnischen Veränderungen bei Pflanzen weniger kritisch als in Europa, der Anwendung entsprechender Techniken beim Tier stehen sie jedoch reservierter gegenüber. Etliche Pflanzen denen mittels Gentechnik Krankheits- und Herbizid-Resistenzen verliehen wurden, sind in den USA bereits auf dem Markt, jedoch ist bisher nur ein einziger gentechnisch veränderter Lachs (AquAdvantage Salmon) von den US-Behörden als sicher eingestuft, und könnte ab 2020 dort auf den Markt kommen.

Dr. Daniel Weary und Dr. Marina von Keyserlingk, UBC

Mithilfe von genetischen Modifikationen konnten Wissenschaftler jedoch vor Kurzem hornlose Rinder erzeugen und Kühen Resistenzen gegen bestimmte Krankheiten verleihen (Mastitis und Rindertuberkulose).

Zunächst sollten die Probanden für die Studie fünf allgemeine Wissensfragen zur Gentechnik beantworten, was ihnen im Durchschnitt auch recht gut gelang (3,9 von 5 richtige Antworten):

• Gentechnisch veränderte Kühe enthalten Gene, normale Kühe nicht (richtige Antwort: falsch)
• Gentechnisch veränderte Tiere sind immer größer als gewöhnliche Tiere (falsch)
• Mit Genen eines Welses modifizierte Kühe würden wahrscheinlich fischig schmecken (falsch)
• Durch den Verzehr eines gentechnisch veränderten Produkts können auch die Gene eines Menschen verändert werden (falsch)
• Es ist möglich Pflanzengene auf Tiere zu übertragen (richtig)

Anschließend wurden sie zu jeder Frage gefragt: Wie sicher sind Sie sich Ihrer Antwort? (1 = überhaupt nicht sicher, 5 = sehr sicher) und haben sich hier durchschnittlich mit 3,5 von 6 Punkten eingestuft.

Frühere Studien haben bereits gezeigt, dass Modifikationen, die in erster Linie einen wirtschaftlichen Vorteil haben (z. B. höhere Wachstumsraten) negativer wahrgenommen werden als solche, die allgemeinere gesellschaftliche Vorteile wie verbesserte Ernährung und geringeren Einsatz von Chemikalien aufweisen oder die Notwendigkeit schmerzhafter Verfahren bei Tier vermindern. Dem konnte die neueste Studie von Ritter et al. neue Erkenntnisse hinzufügen.

Hier wurden zufällig zusammengewürfelte Gruppen gebeten, verschiedene Begründungen für gentechnische Eingriffe bei Rindern zu bewerten. Eine Gruppe wurde hier zu „Hornlosigkeit“, die zweite zu „Krankheitsresistenz“ befragt. Ihnen wurden jeweils fünf verschiedene Zwecke für den gentechnischen Eingriff genannt: Verbesserung des Tierschutzes, Senkung der Kosten für den Landwirt, Erhöhung der Arbeitssicherheit, alle vorherigen Zwecke zusammen oder kein Zweck. (Tabelle 1).

Tabelle 1

Teilnehmer, die der Gruppe „Krankheitsresistenzen“ zugeordnet waren, zeigten eine positivere Einstellung als Teilnehmer der Gruppe „Hornlosigkeit“ (4,5 vs. 3,7 auf einer Skala von 1 bis 7). In der Gruppe „Krankheitsresistenz“ war die Einstellung gegenüber GVO am geringsten, wenn als Zweck angegeben war, Kosten zu senken und am höchsten das Wohlergehen der Tiere genannt wurde.

In der Gruppe „Hornlosigkeit“ war die Zustimmung am höchsten, wenn als Zweck Tierwohl genannt war oder wenn alle drei Zwecke erfüllt wurden. Wurden alle Begründungen zusammen genannt, war die Zustimmung höher als zum Zweck der Kostenreduzierung oder wenn gar kein Zweck angegeben wurde.

Zu den einzelnen Zwecken wurde nach assoziativen Begriffen gefragt und diese schließlich in einer Wortwolke dargestellt (s. o.). Den Teilnehmer wurde einer von zwei Anwendungen (Krankheitsresistente oder Hornlosigkeit) und einer von fünf verschiedenen Zwecken genannt (Verbesserung des Tierschutzes, Senkung der Kosten für den Landwirt, Erhöhung der Arbeitssicherheit, alle Zwecke oder kein Zweck). Die Wortwolke enthält Wörter, die aussagekräftigen Inhalt lieferten und mindestens viermal erwähnt wurden. Größere Wörter stehen dort für häufigere Antworten.

Die kanadischen Forscherinnen und Forscher heben hervor, dass es scheine, die Teilnehmer der Gruppe „Krankheitsresistenzen“ seien in der Lage gewesen, sich die Vorteile der Krankheitsresistenz vorzustellen, selbst wenn kein Zweck angegeben wurde. Aber nur wenige wussten, wie man enthornt oder erkannten die potenziellen Probleme, die damit verbunden sind.

Die Studie liefert nicht nur wertvolle Hilfen für die Verbraucher-Kommunikation von Nutztierhaltern, sondern „legt auch nahe, dass Gentechnik eher akzeptiert wird, wenn sie dem Gemeinwohl dient“, schlussfolgern die Autorinnen.

Ritter C, Shriver A, McConnachie E, Robbins J, von Keyserlingk MAG, Weary DM (2019) Public attitudes toward genetic modification in dairy cattle. PLoS ONE 14(12): e0225372.

Link zur Studie

Dem Bienen-Virus auf der Spur

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Als Bestäuber von Ernte- und Wildpflanzen haben Bienen eine herausragende Funktion bei der Nahrungsproduktion und bei der Erhaltung der Biodiversität. Doch die Bienenbestände sind weltweit bedroht: unter anderem erhöht der Flügeldeformationsvirus die Sterblichkeit der Honigbienenvölker. Wurde der Virus ursprünglich oral übertragen, hat sich der Verbreitungsweg durch das Aufkommen der Varroamilbe grundlegend verändert. Als so genannter Vektor injiziert die Milbe den Erreger direkt in den Körper der Biene, wodurch Abwehrmechanismen umgangen werden. Daher dürfte die Übertragungsrate steigen und die Krankheit aufgrund einer höheren Virenlast schwerer verlaufen.

Im Zuge ihres Projekts „BeePath“ will Professorin Lena Wilfert die Auswirkungen des neuen Vektors Varroamilbe auf die Verbreitung des Flügeldeformationsviruses bei Honig- und Wildbienen untersuchen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Evolution des Erregers: Inwiefern haben sich seine Ansteckungskraft und die Symptome beim Wirt durch den zusätzlichen Übertragungsweg verändert? Bei erwachsenen Bienen führt die Krankheit zu verformten Flügeln und weiteren körperlichen Einschränkungen. Betroffene Larven versterben meist direkt nach dem Schlüpfen. Um die Auswirkungen des neuen, vektorbasierten Übertragungswegs auf die Bienenpopulation und auf die Entwicklung des Flügeldeformationsviruses zu erforschen, steht Lena Wilfert ein besonderes natürliches Labor zur Verfügung: Die ökologisch vergleichbaren Kanalinseln sind nicht alle von der Varroamilbe befallen. Auf den verschiedenen Inseln wird Wilfert Honig- und Wildbienen auf den Flügeldeformationsvirus testen und ihre Viruslast bestimmen. Durch Erbgutuntersuchungen der Viren lassen sich sogar Ansteckungswege nachvollziehen.

Welche genetischen Eigenschaften des Viruses die Übertragung durch die Varroamilbe ermöglicht haben, ist bisher unbekannt. Dieser Frage wird Lena Wilfert im Labor nachgehen. Mit molekularbiologischen Methoden will sie untersuchen, inwiefern sich der Erreger durch den neuen Ansteckungsweg verändert hat. Hierzu vergleicht die Biologin das Viren-Erbgut von varroafreien und befallenen Kanalinseln. Um die Virenevolution zu verstehen, können die Forschenden um Wilfert zudem Beispiele früherer Varianten des Flügeldeformationserregers mit der Genschere herstellen. „Durch die Kombination von Untersuchungen im Feld und im Labor wollen wir grundlegende Mechanismen und Auswirkungen der vektorbasierten Virenübertragung nachvollziehen. So erhoffen wir uns Ansätze zur Kontrolle und Prävention des ursprünglich als harmlos geltenden Flügeldeformationsviruses“, so Wilfert. Die Forschungsergebnisse lassen sich womöglich auf vergleichbare Erkrankungen wie die Schweinegrippe oder die Zikavirus-Infektion übertragen.

Quelle: Universität Ulm

HANSA-Rinderfachtagung 2019 Teil II: Ziele setzen und erreichen

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Von Dr. Heike Engels

Ziele setzen und erreichen
Hilmar Zarwel, Herdenmanager der Versuchsstation Iden, stellte sein System für eine hohe Lebenstagsleistung vor. Dieser Parameter stellt die gesamte erbrachte Milchleistung je Kuh in Bezug auf ihr Alter dar und kann auch als Indikator für die Tiergesundheit gelten, da nur gesunde Tiere lange im Bestand gehalten werden und entsprechende Milchmengen produzieren.

Derzeit liegt die Idener Herde bei rund 12.300 Liter Milch je Kuh und Jahr bei dreimaligem Melken. „Damit sind wir sehr zufrieden. Daher ist unser Ziel schon länger nicht noch mehr Milch aus der einzelnen Kuh zu melken, sondern wir wollen Fütterung und Haltung so optimieren, dass die Kühe ihr Leistungspotential über eine längere Zeit voll ausschöpfen können“, so der Herdenmanager. Für eine längere Nutzungsdauer müsse man sich zuerst fragen: Warum gehen Kühe vorzeitig ab und dann die Gründe minimieren. In Iden waren es im Jahr 2002 die Problemfelder Unfruchtbarkeit (6,8 %), Mastitis (5,7 %), Klauen und Gliedmaße (5,5 %), Stoffwechsel (4,4 %) und Melkbarkeit (1,6 %). Die Merzungsrate lag mit über 38 % zu hoch. Daraufhin hat sich Zarwel Ziele gesetzt, um die Merzungsrate auf 20 % zu senken, was ihm auch gelungen ist. „Wir kämpfen um jedes Tier, um dieses Ziel weiter zu halten“, so Zarwel.

Stoffwechsel in Gang halten
Die wiederkäuergerechte Fütterung mit bedarfsgerechten Energiegehalten je Laktationsabschnitt ist sehr wichtig, um Stoffwechselprobleme wie Ketose, Azidose oder Milchfieber zu vermeiden. Denn gerät der Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht, schwächt dies das Immunsystem, was wiederum Krankheiten wie Metritis, Mastitis und Lahmheiten begünstigt. Für Zarwel ist der wichtigste Bereich im Stall die Bucht mit den frisch abgekalbten Kühen. „Wir nennen diesen Bereich die 6-Tage-Gruppe, weil die Kühe bei uns bis 6 Tage nach der Geburt intensiv überwacht werden. Der Bereich muss sauber und tief eingestreut sein. Die Kühe müssen vor und nach der Kalbung genug fressen, dafür prüfen wir die Füllung der Hungergrube sowie die Pansenmotorik bzw. Wiederkauaktivität. Direkt nach der Geburt geben wir 20 bis 40 l eines Energietrunks, zur Not auch per Drench. Wir messen täglich Fieber, damit erkennen wir Krankheiten frühzeitig. Zur Milchfiebervorbeugung geben wir zusätzlich zu einer Vorbereitungsfütterung Calciumboli und Vitamin D3 ab der 3. Laktation. Ist nach 6 Stunden die Nachgeburt noch nicht abgegangen, stimmt etwas nicht und wir geben dem Tierarzt Bescheid.“ Sehr gute Erfahrungen hat Zarwel bei Stoffwechselproblemen mit der Pansensaftübertragung gemacht. „Das Futter im Pansen wird von Pansenbakterien zersetzt. Stoffwechselstörungen reduzieren die Pansenaktivität. Über eine Sonde, die durch das Maul in den Pansen geschoben wird, pumpt man Pansensaft gesunder Kühe ab und überträgt diesen auf die kranke Kuh. Das hilft, die Pansenbakterien wieder aufzubauen, und das Futter kann wieder verdaut werden.“

Die seiner Meinung nach wichtigste Investition für das Wohlbefinden seiner Kühe waren allerdings neue Lüfter im Stall. Seitdem herrscht bessere Luft im Stall und die sensorgesteuerte Luftbewegung kühlt die Tiere bei Hitze, denn Hitzestress ist absolut schädlich für die Kühe. Milchmenge und Fruchtbarkeit sind deutlich angestiegen seit Einbau der Lüfter. Und ein wichtiger Tipp zum Schluss: Sich nicht auf Erfolgen ausruhen, sondern regelmäßig betriebliche Abläufe evaluieren, sich dabei einen Bereich nach dem anderen vornehmen. Die Forschung bringt ständig neue Erkenntnisse, diese sollten auch auf dem eigenen Betrieb umgesetzt werden!

HANSA-Rinderfachtagung 2019 Teil I: Viel Milch UND ein langes Kuhleben

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Von Dr. Heike Engels

Klimaerwärmung, Ertragsschwankungen und ständig höhere Auflagen machen den Milchviehhaltern zu schaffen. Umso wichtiger ist es da, die eigene Milchviehherde so optimal wie möglich zu managen. Dabei will der HANSA Landhandel mit seiner alljährlichen Rinderfachtagung helfen: Zwei Topreferenten gaben Tipps zu Jungtieraufzucht und hoher Lebenstagsleistung.

„Die Aufzuchtphase bis zur Pubertät dauert ca. 240 Tage und beeinflusst das Kuhleben nachhaltig, das müssen wir uns einfach noch mehr vor Augen führen“, so Axel Pfundheller vom Agrarservice Jade. Der Agrarexperte betonte, dass viele Betriebe es schon sehr viel richtig machen. Aber oft fehle die Zeit zum Nachdenken, die Arbeitsfalle schlage zu. Doch ein regelmäßiges Reflektieren des eigenen Tuns sei sehr hilfreich, um Schwachstellen aufzudecken. „Den Idealzustand für Kühe im Stall hinsichtlich Fütterung und Management schaffen wir nicht, aber wir wollen es so gut machen wie möglich.“ Zur Orientierung nannte er folgende Punkte, auf die ein erfolgreicher Milchviehhalter achten sollte:

• Die Rinder wiegen zur Besamung 420 kg und sind 14 / 15 Monate alt.
• Die Trockensteher sind die wichtigsten Tiere im Betrieb
• Der Futtermischwagen ist die wichtigste Maschine im Betrieb
• Sehr gute Silagen sind das Ziel
• Das Fruchtbarkeitsmanagement bedarf fester Abläufe
• Die Toleranz für lahme Kühe sinkt stetig
• Der Kuhkomfort wird täglich sichergestellt
• Die Mitarbeiter haben einen Arbeitsplan

Kühe lieben Langeweile
Wichtig ist für ihn, nicht mehr nur die 10.000 Liter Milch pro Kuh und Jahr anzupeilen, sondern auch die Nutzungsdauer im Blick zu haben. Kritische Phasen im Leben einer Kuh seien immer die Transitphasen, denn diese bedeuten Stress. Dazu zählen nicht nur die Trockenstehphase, sondern auch die eigene Geburt, die Umstellung von Milch auf festes Futter, die Pubertät, die Erstbesamung, die Hochträchtigkeit sowie die Geburt des Kalbes mit den nachfolgenden Laktationsphasen. „Die Kuh ist das langweiligste Tier, das ich kenne. Sie mag keine Veränderungen, doch diese passieren ständig, weil die Kuh für viele Lebensphasen im Betrieb die Gruppe oder sogar den Stall sowie das Futter wechselt. Für uns heißt das, diese Übergänge so stressfrei wie möglich zu gestalten“, so der Agrarexperte. Auch Hitzestress ist so gut wie möglich zu vermeiden. Eigene Studien haben ergeben, dass Kälber, deren Mütter in der Hochträchtigkeit bei kühlen 9 °C gehalten wurden, länger und gesünder leben als Kälber, deren Mütter in der Hochträchtigkeit bei 21 °C gehalten wurden.

Kälber nicht groß hungern
Einflüsse auf die Lebensdauer einer Kuh haben daneben vor allem, ob die Kuh als Kalb schnell genügend Kolostrum von guter Qualität erhalten hat und ob sie im 1. Lebensjahr intensiv bzw. am besten in den ersten drei Lebenswochen ad libitum gefüttert wurden. Hintergrund dafür ist, dass im 1. Lebensjahr die Organe inklusive des Eutergewebes wachsen, und das muss so optimal wie möglich geschehen. Die Kälber groß hungern war gestern, heute wird ad libitum gefüttert, damit die Tiere kontinuierlich wachsen können. Mit Eintritt der Pubertät muss die Fütterung dann restriktiver sein, damit die Tiere nicht verfetten. Als Maßstab gilt: Am 35. Tag ist das Zielgewicht des Jungtiers 70 kg, am 90. Lebenstag sollte es nicht mehr als 120 kg und am 180. Lebenstag über 220 kg wiegen. „Um diese Ziele auch zu erreichen, ist ein verstärktes Messen, Zählen und Wiegen wichtig, denn nur mit handfesten Fakten kann man die richtigen Dinge auch richtig tun. Bitte nicht nur auf das Augenmaß verlassen, sondern in eine gute Tierwaage investieren. Ausgewachsen ist eine Kuh erst mit 4,5 Jahren“, erinnerte Pfundheller. Weiterhin wichtig für Kälber ist viel Licht und frische Luft.

Mehrzahlungsbereitschaften – Befragungsergebnisse und die Einkaufsrealität

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Im Oktober fand an der Uni Götingen die 2. Tierwohltagung statt, unter dem Titel „Transformationsprozesse der intensiven Nutztierhaltung – was wollen, können und müssen wir ändern?“

Dort hielt Prof. Dr. Ulrich Enneking (Hochschule Osnabrück) einen Vortrag zu „Mehrzahlungsbereitschaften – Befragungsergebnisse und die Einkaufsrealität“. Anlass Ernährungsreport des BMEL, nach dem jeder 2. Deutsche 20 bis 50 % mehr für Fleisch bezahlen würde, wenn es aus einer besonders tierfreundlichen Haltung stammt.

Der Wissenschaftler führte dazu bei EDEKA Verkaufsexperimente mit drei Produkt-Kategorien und drei Marken durch. Insgesamt wurden so neun verschiedene Produkt-Konzepte getestet. Zwischen „Gut & Günstig“ und „Bio“ wurde eine neue Marke „Tierwohl“ platziert. Unterstützt mit einem Flyer und einem Aufsteller, in denen die drei verschiedenen Haltungskonzepte visualisiert wurden.

Das Neu-Produkt erreichte im Test einen Verkaufs-Anteil von 16%. Kein überwältigendes, aber auch schlechtes Ergebnis, meinte der Professor, dafür dass es weder TV- noch Radiowerbung gab.

Befragungsergebnisse und Einkaufsrealität
In Befragungen würde das zu erforschende Kriterium ständig wiederholt und ins Zentrum gestellt. In der Realität spielten dann aber andere Faktoren (z. B. die Gewohnheit) eine größere Rolle, sagte der Referent. Auch führten Befragungen zu einer Überinformiertheit, die im Alltag im Informations-Overload untergehe. Ganz allgemein, weil der Konsument schlicht andere Dinge im Kopf habe, als ausgerechnet „Tierwohl“. Wenn er oder sie aber tatsächlich mit dem Vorsatz einkaufen geht, dieses Mal speziell aufs Tierwohl zu achten, helfen die bisherigen Label nicht unbedingt bei der Kaufentscheidung. Weil keine Detail-Informationen am Point of Sale zur Verfügung stehe und; Wer scannt schon am Fleischregal einen QR-Code und studiert dann die entsprechende Website?

Die Vielzahl der technischen Rahmenbedingungen in ein Produkt-Konzept zu überführen sei hier das Problem. Nötig wäre eine „Informations-Plus-Strategie“, die Information emotional erfahrbar macht und Marken, die das Belohnungssystem im menschlichen Hirn ansprechen und weniger den Verstand. Also z. B. „Strohschwein“ statt „Tierwohl“ aufs Label. Es gälte also den Inhalten der Marke „Tierwohl“ ein passendes Marken-Image zu verschaffen, das Konsumenten emotional anspricht.

Diesem Fazit kann natürlich jeder Marketing-Fachmann nur zustimmen: genau so funktioniert Werbung. Allerdings ist die mit einigem Aufwand verbunden – zeitlich wie finanziell. Als einmal bei einer Tierwohl-Veranstaltung des „agrar + ernährungsforum Oldenburger Münsterland“, ein Teilnehmer Peter Wesjohann aufforderte, „halt mal 10 Millionen in die Hand zu nehmen“, um ein Tierwohl-Siegel im Markt zu etablieren, antwortet der Vorstandsvorsitzender der PHW-Gruppe lapidar „mit 10 Millionen erreichen Sie gar nichts“. Der Weg zum wirksamen Label dürfte also noch ein ziemlich weiter sein.

In Wachs gepackt: Uni Graz entwickelt Technologie gegen Bienenseuche

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Unsere Bienen sind vielfachen Stressfaktoren ausgesetzt: Neben Pestiziden, vermindertem Nahrungsangebot durch Monokulturen und der Varroa-Milbe setzen ihnen auch eine Reihe von Krankheiten zu. Eine besonders schwerwiegende ist die weltweit auftretende Amerikanische Faulbrut, die die junge Brut befällt. Infizierte Bienenvölker müssen in Europa verbrannt werden, um ein Ausbreiten des Erregers zu verhindern. ForscherInnen der Universität Graz haben nun eine einfache und effektive Methode entwickelt, Larven vor der Erkrankung zu schützen: mit einem Naturstoff, der in das Wachs der Bienenstöcke eingebracht wird. Die Erfindung ist bereits patentiert und soll nun zur Marktreife gebracht werden.

„Erwachsene Bienen haben in ihrem Darm eine lecithinähnliche Substanz, die sie gegen die Faulbrut resistent macht“, erklärt Wolfgang Schühly, Leiter der Arbeitsgruppe Bienengesundheit an der Universität Graz. Gemeinsam mit Ulrike Riessberger-Gallé und Javier Hernández López hat er diesen Stoff – das sogenannte Lysophosphatidylcholin oder kurz LPC – isoliert und auf seine Wirksamkeit bei Larven getestet. In umfangreichen Forschungen hat das Trio schließlich einen Weg gefunden, wie die Substanz an die Larven verabreicht werden kann: „Wir arbeiten das LPC in das Wachs ein, aus dem die Bienen dann im Stock die Waben bauen“, schildert Schühly. Der Wirkstoff gelangt von dort über den Futtersaft, in dem die Larven liegen, in die Tiere. Auf diese Art und Weise wird die Konzentration dieses körpereigenen Stoffs erhöht und die natürliche Immunabwehr unterstützt.

Die ForscherInnen testen ihre Technologie nun in Feldversuchen in Spanien und im Süden der USA, wo die Bienen auch im Winter brüten und Faulbrut gehäuft auftritt.
Im Rahmen des von der Forschungsförderungsgesellschaft FFG mit gut 350.000 Euro finanzierten „Spin-off-Fellowship“ wollen sie die Praxistauglichkeit der Technologie unter Realbedingungen demonstrieren und ein Unternehmen gründen, das die angereicherten Wachswaben herstellt und vertreibt. „Die Amerikanische Faulbrut betrifft schließlich infolge der reduzierten Bestäubungsleistung die gesamte Landwirtschaft“, unterstreicht Schühly die Bedeutung einer erfolgreichen Schutzmaßnahme.

Quelle: Karl-Franzens-Universität Graz

10 Tipps zum guten Ferkelstart

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Ferkel kommen schutzlos und empfindlich auf die Welt. Sie brauchen viel Fürsorge und Unterstützung, um gesund aufwachsen zu können. Wir haben 10 Tipps für Sie zusammengestellt, die helfen, dass Ferkel gut starten können:

• Ferkelwache: Die Ferkelwache ist ratsam, weil der Tierbetreuer helfend eingreifen kann, falls es bei der Geburt Probleme gibt oder wenn ein Neugeborenes nicht die Zitzen und/oder das Ferkelnest findet. Sauen ferkeln bevorzugt in ruhigen Tagesperioden, also abends oder nachts, so dass bis zu viele Abferkelungen betreut werden können, wenn zwischen 6 und 22 Uhr Personal zugegen ist. Jedes Ferkel sollte trockengerieben werden, damit wird der Kreislauf angeregt. Trocknungspulver binden Feuchtigkeit rund um die Geburt, sie verhindern glitschige Böden und helfen den ferkelnden Sauen beim verletzungsfreien Aufstehen und Hinlegen. Der Nabel sollte desinfiziert und ein absterbender Nabel auf etwa 10 cm eingekürzt werden, damit er nicht in der Gülle hängt (Streptokokkengefahr!)

• Beifütterung: Eine sinnvolle Beifütterung unterstützt Sau und Ferkel beim Start ins Leben. Die Sau ist nach der Säugezeit besser konditioniert und die Ferkel nehmen schneller und gleichmäßiger zu. Die Ferkel können bei der Mutter bleiben und durch die kontinuierliche Versorgung mit hochwertigem Beifutter werden höhere Absetz- und Verkaufsgewichte erreicht. Man vermeidet zurückbleibende Ferkel durch fehlende Zitzenplätze.

• Ferkelstarter: Innerhalb der verschiedenen Futtermittel kommt dem Ferkelstarter eine besondere Bedeutung vor. Denn mit der Auswahl und optimalen Fütterung des Ferkelstarters stellt der Landwirt die Weichen für die Entwicklung gesunder und leistungsfähiger Schweine. Mehlige Ferkelstarterprodukte eignen sich sehr gut als Alleinnahrung bereits in den ersten Tagen nach der Geburt oder als Futtermittel neben der Muttermilch. Sie können von den Ferkeln leicht aufgenommen werden und sind besonders gut verträglich. Pelletierte und gekrümelte Ferkelstarter kommen vor allem in den ersten Lebenswochen zum Einsatz und versorgen die Tiere mit dem für eine optimale Entwicklung nötigen Eiweiß.


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ZDG-Mitgliederversammlung verabschiedet Resolution für „mehr Rückgrat und mehr Realismus in der Politik“

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Bei seiner Mitgliederversammlung in dieser Woche in Stuttgart hat der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft e. V. (ZDG) das Miteinander von Politik und Landwirtschaft in das Zentrum seiner Beratungen gerückt. Einstimmig haben die Mitglieder eine Resolution mit Kernforderungen für den realen Weg in eine sichere Zukunft der deut-schen Geflügelhaltung und Nutztierhaltung verabschiedet. Als „Weckruf an die Politik“ bezeichnete ZDG-Präsident Friedrich-Otto Ripke die Resolution, die als aktiver Diskussi-onsbeitrag der deutschen Geflügelwirtschaft zum „Landwirtschaftsdialog“ am 2. De-zember zu verstehen ist, zu dem Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel und Landwirt-schaftsministerin Julia Klöckner ins Bundeskanzleramt eingeladen haben. „Wir brauchen mehr Rückgrat und mehr Realismus in der deutschen Landwirtschaftspolitik“, fordert ZDG-Präsident Ripke einen Paradigmenwechsel in der Politik und deutlich mehr Unter-stützung für die Landwirtschaft ein. „Wenn sich die Politik nicht nachhaltig ändert, sehen wir den Geflügel-Standort Deutschland in großer Gefahr.“

„Mehr Wertschätzung und Weitsicht, mehr Sachlichkeit statt Ideologie“
Die Forderungen der Gemeinschaft der deutschen Geflügelwirtschaft an die Politik um-fassen:
• mehr Wertschätzung für die deutschen Geflügelhalter und Nutztierhalter
• mehr Weitsicht in politischen Entscheidungen, auch für ökonomische Folgen und den ländlichen Raum
• mehr Rückgrat, wenn es darum geht, die richtigen politischen Entscheidun-gen mit Augenmaß zu treffen
• mehr Realismus und einen stärkeren Bezug zu wissenschaftlichen Daten und Fakten
• mehr Sachlichkeit statt Ideologie

In der Resolution benennt der ZDG mit dem Ausstieg aus dem Töten männlicher Ein-tagsküken, der Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes und dem Verzicht auf das Schna-belkürzen bei Puten konkrete Themenfelder, in denen es aus Sicht der Branche einen stärker faktenorientierten Realismus und einen ehrlichen Lösungswillen der Politik braucht. „Wir leisten damit gerne unseren aktiven Beitrag zu einem konstruktiven Landwirtschaftsdialog am kommenden Montag“, sagt ZDG-Präsident Ripke. „Bei den aktuellen Beratungen im Rahmen der Nationalen Nutztierstrategie erkennen wir als deutsche Geflügelwirtschaft Möglichkeiten, diesem von uns formulierten Anspruch kon-sequent gerecht zu werden.“

Nachwahlen zum Präsidium: Stefan Teepker neuer ZDG-Vizepräsident
Die Mitgliederversammlung des ZDG hat auch drei neue Mitglieder ins Präsidium ge-wählt. Einstimmig zu einem der fünf ZDG-Vizepräsidenten gewählt wurde Stefan Teepker, Hähnchenhalter aus Niedersachsen, der seit Mai an der Spitze des Bundesver-bandes bäuerlicher Hähnchenerzeuger e. V. (BVH) steht. Gleichfalls einstimmig in das 15-köpfige ZDG-Präsidium berufen wurden Bettina Gräfin von Spee, Putenhalterin aus Nordrhein-Westfalen und stellvertretende Vorsitzende des Verbandes Deutscher Puten-erzeuger e. V. (VDP), und Thomas Korte, Hähnchenhalter aus Niedersachsen und stell-vertretender BVH-Vorsitzender.

(Vollständiger Resolutionstext in eigener Meldung)

Quelle: ZDG Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft e.V.

ZDG-Resolution 27. November 2019: Mehr Rückgrat. Mehr Realismus.

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Der reale Weg in eine sichere Zukunft der deutschen Geflügelwirtschaft und der deutschen Nutztierhaltung – Ein Weckruf an Politik, Medien und Gesellschaft anlässlich des von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel undB Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner initiierten Landwirtschaftsdialogs am 2. Dezember 2019.

Die deutsche Geflügelwirtschaft als fortschrittliche und leistungsstarke Branche steht für eine tierwohlorientierte und nachhaltige Erzeugung von Geflügelfleisch und Eiern. Wir bekennen uns zum Standort Deutschland und zu unseren hohen Erzeugungsstandards. Auch in Zukunft wollen wir einen wichtigen Beitrag zur Versorgung der Menschen mit sicheren und qualitativ hochwertigen Lebensmitteln leisten.

Ausdrücklich begrüßen wir die Initiative von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel und Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner zu einem Landwirtschaftsdialog. Wir müssen reden. Denn für unsere Arbeit sind wir auf einen leistungsfähigen und zukunfts-orientierten Geflügel-Standort Deutschland angewiesen, der unseren landwirtschaftli-chen Familienbetrieben ebenso wie den international agierenden Unternehmen der Branche Planungssicherheit und Entwicklungsperspektiven bietet. Diesen Geflügel-Standort Deutschland aber sehen wir in großer Gefahr, wenn sich die Politik nicht nach-haltig ändert.

Die deutsche Geflügelwirtschaft stellt fest:

• Die deutsche Politik arbeitet im europäischen Kontext nicht engagiert genug daran, die hohen deutschen Standards auch auf EU-Ebene zu etablieren und so einheitliche Wettbewerbsvoraussetzungen zu schaffen.
• Zugleich fokussiert sich die Politik in Deutschland auf immer wieder einseiti-ge Verschärfungen nationaler Vorschriften, auch bürokratischer Vorgaben, welche der Branche die Luft zum Atmen nehmen.
• Und wir erleben heute eine Politik, die sich von einer ideologisch geprägten gesellschaftspolitischen Diskussion treiben lässt und dabei wissenschaftliche Fakten oft außer Acht lässt.

Damit der Geflügel-Standort Deutschland Zukunft hat, brauchen wir die Unterstützung der Politik und einen Paradigmenwechsel im Politikstil. Wir fordern:

• mehr Wertschätzung für die deutschen Geflügelhalter und Nutztierhalter
• mehr Weitsicht in politischen Entscheidungen, auch für ökonomische Folgen und den ländlichen Raum
• mehr Rückgrat, wenn es darum geht, die richtigen politischen Entscheidun-gen mit Augenmaß zu treffen
• mehr Realismus und einen stärkeren Bezug zu wissenschaftlichen Daten und Fakten
• mehr Sachlichkeit statt Ideologie

1. Unsere Verantwortung
Die deutsche Geflügelwirtschaft übernimmt Verantwortung, hat hohe Eigenansprüche und setzt laufend Verbesserungen um.

• Wir sind die Geflügelrepublik Deutschland. Wir wollen das beste Geflügel-land der Welt sein.
Auf diesen hohen Anspruch haben wir uns mit der Geflügel-Charta verpflichtet. Dieses Selbstverständnis leben wir täglich. Und auf diesem Weg haben wir schon viel erreicht: Bereits heute arbeitet die deutsche Geflügelwirtschaft laut einer Studie des Handelsblatt Research Institutes nach weltweit höchsten Standards.

• Um dem Ziel „Bestes Geflügelland“ gerecht zu werden, haben wir in den ver-gangenen Jahren aus eigenem Antrieb zahlreiche Verbesserungen für mehr Tierschutz und Verbraucherschutz angestoßen und umgesetzt. Dazu zählen:

• Freiwilliger Ausstieg aus dem Kürzen der Schnäbel bei Legehennen seit Anfang 2017
• Aktives Engagement bei der Initiative Tierwohl zur Komplettumstellung des deutschen Geflügelfleisch-Sortiments im beteiligten Lebensmittelein-zelhandel auf die Standards der Initiative Tierwohl (Nämlichkeit)
• Umsetzung einer deutlich geringeren Besatzdichte im Rahmen der Initia-tive Tierwohl, beispielhaft für Hähnchen:
Durch die Breitenwirkung der ITW sind in Deutschland mittlerweile 35 kg/m2 Branchenstandard, was deutlich über gesetzliche nationale Vorgaben (39 kg/m2) und EU-Vorgaben (42 kg/m2) hinausgeht.
• Initiierung eines Antibiotikamonitorings auf QS-Ebene bereits im Jahr 2012
• Umsetzung eines breit angelegten Forschungsverbundes zur stufenüber-greifenden Minimierung von Antibiotikaresistenzen beim Mastgeflügel als Hauptwirtschaftspartner (EsRAM)
• Deutschlandweit einheitliche Regeln für die Putenhaltung durch die „Bundeseinheitlichen Eckwerte für eine freiwillige Vereinbarung zur Hal-tung von Mastputen“ im Zusammenwirken mit Wissenschaft, Behörden und Tierschutz
• Erzeugung von Geflügelfleisch und Eier mit nicht gentechnisch veränder-tem Futter (GVO-frei)
• Etablierung von tierwohlgerechten Geflügelzuchtprogrammen mit Fokus auf Fitness, Robustheit und Vitalität der Tiere

• Ein kontinuierlich gelebter Fortschrittsgedanke ist im Selbstverständnis der deutschen Geflügelwirtschaft fest verankert. Auf dem Erreichten ausruhen werden wir uns nicht! Derzeit arbeiten wir an einem Aktionsplan zur Mini-mierung des Antibiotikaeinsatzes und zum Verzicht auf Reserveantibiotika und an einem Stufenplan zum praktikablen Ausstieg aus dem Töten männli-cher Eintagsküken.

2. Unsere Forderungen
Statt Ideologie und Zeitgeist mehr Realismus und Sachlichkeit in der Politik – damit die deutsche Geflügelwirtschaft Zukunft hat.
• Fortschritt im Tierschutz ist eine permanente und komplexe Aufgabe. Dieser Aufgabe nimmt sich die deutsche Geflügelwirtschaft proaktiv an.

• Wir brauchen mehr Realismus und mehr Ehrlichkeit in der Politik.
Um echte Fortschritte in der Breite umsetzen zu können, brauchen wir Partner in der Politik, die einen faktenorientierten Realismus und einen ehrlichen Lösungs-willen mitbringen. Eine ideologisch begründete Zeitgeist-Orientierung auf ver-meintlich schnelle Erfolge ohne wissenschaftliche Basis ist gefährlich!

• Das gilt für die aktuell diskutierten Themen, konkret den Ausstieg aus dem Töten männlicher Eintagsküken und die Reduzierung des Antibi-otikaeinsatzes.
Es braucht einen realen Zeitplan mit praktikabler Umsetzung. Ein gesetz-liches Verbot des Kükentötens allein in Deutschland würde völlig ins Lee-re laufen. Es braucht eine europäische Regelung und bis dahin einen Stu-fenplan auf nationaler Ebene.

• Auch bei der Diskussion um einen Ausstieg aus dem Schnabelkürzen bei Puten müssen wissenschaftliche Erkenntnisse Grundlage für die politische Entscheidung sein.
Die derzeit vorliegenden Erkenntnisse, unter anderem auf Basis der mit dem Bundeslandwirtschaftsministerium getroffenen Vereinbarung zum Verzicht auf das Schnabelkürzen, geben Hinweise, dass ein zeitnaher Aus-stieg aus derzeitiger Perspektive nicht machbar erscheint.

• Diesem Anspruch muss auch die Nationale Nutztierstrategie konse-quent gerecht werden.
Dazu gehört eine angemessene Honorierung der Tierwohlleistungen. Oh-ne eine Tierwohlprämie, die den Haltern auf 10 bis 15 Jahre Planungssi-cherheit bietet, und eine Lösung der Zielkonflikte im Bereich des Bau- und Immissionsschutzrechts kann es kein Tierwohlkennzeichen geben. Und wir brauchen eine realistische Ausgestaltung des Tierwohlkennzei-chens mit Kriterien, die für Tierhalter kurzfristig praktikabel und für Ver-braucher bezahlbar sind. Die Kriterien der Initiative müssen zur Eingangs-stufe eines staatlichen Tierwohlkennzeichens werden.

• Die deutsche Politik muss konsequent EU-Rechtsvorgaben in nationales Recht überführen und stärker auf EU-weit einheitliche Vorgaben hinwirken. Hier sollte die Politik die deutsche EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halb-jahr 2020 aktiv nutzen:

• Putenhaltung: Deutsche Eckwerte als Vorbild für EU-weite Regelung!
Die deutsche Geflügelwirtschaft fordert die Politik auf, für die Etablie-rung EU-weiter Regelungen für die Putenhaltung im Rahmen der europä-ischen Tierschutzpolitik nach dem Vorbild der deutschen Puten-Eckwerte zu sorgen.

• Herkunftskennzeichnung von Geflügelfleisch auch in der Gastronomie – damit hohe Standards nicht durch Billigimporte unterlaufen werden
Rund 65 Prozent des deutschen Geflügelfleisches werden über den Groß-verbrauchermarkt abgesetzt – anders als Lebensmitteleinzelhandel fehlt hier aber eine Kennzeichnung zur Herkunft der Ware. Wir brauchen eine Herkunftskennzeichnung, damit Billigimporte aus Osteuropa nicht die ho-hen Standards der heimischen Erzeugung unterlaufen! Und eine ver-pflichtende Herkunftskennzeichnung entspricht dem klaren Verbraucher-willen: 86 Prozent der Deutschen wollen wissen, woher das Geflügel-fleisch in der Gastronomie kommt.

• Die Politik muss den Unternehmen der deutschen Geflügelwirtschaft Luft zum Atmen lassen:

• Auflagenflut beeinträchtigt aktuell massiv die Wettbewerbsfähigkeit und Investitionsbereitschaft
• Verunsicherung statt Planungssicherheit führt zum verstärkten Höfester-ben und zum nicht gewollten Strukturwandel
• Der von der Bundesregierung eingeschlagene Weg zur Lösung der Ziel-konflikte zwischen Tierwohl und Umweltschutz muss mit Nachdruck zum Erfolg geführt werden. Die TA Luft braucht eine Öffnungsklausel, damit Tierwohlverbesserungsgenehmigungen für Stallumbauten und -neubauten möglich werden.
• Das Agrarpaket ist ganzheitlich zu sehen. Ackerbau und Nutztierhaltung sind Teil der einen Landwirtschaft und gehören zusammen.
• Es braucht die politische Anerkennung, dass der Export von Geflügelpro-dukten wichtiger Bestandteil des Wirtschaftens der deutschen Geflügel-wirtschaft ist.

Verabschiedet von der Mitgliederversammlung des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft e. V. am 27. November 2019 in Stuttgart. Unterzeichnet von den Mitgliedern des Vorstandes des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft e. V.

Bienenforschung der Uni Ulm ausgezeichnet: BienABest ist Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt

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Das Bienenschutzvorhaben BienABest ist als Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet worden. Die Projektpartner Professor Manfred Ayasse von der Universität Ulm und Kolleginnen des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) nahmen die Auszeichnung in dieser Woche entgegen. Im Projekt erforschen die Biologinnen und Biologen den idealtypischen Lebensraum für Wildbienen und sie erfassen die Entwicklung der Bienenpopulation mit bestandschonenden Verfahren. Ihre Erkenntnisse zu den gefährdeten Bestäubern werden in VDI-Richtlinien umgesetzt.

Hohe Auszeichnung für das Insektenschutzprojekt „BienABest“: Das Forschungsvorhaben der Universität Ulm und des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) ist als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgewählt worden. Seit 2017 ergründen Ulmer Forschende um Professor Manfred Ayasse die genauen Ursachen des Bienensterbens. Darüber hinaus legen sie Wildbienenweiden und Nistgelegenheiten an, um ideale Lebensbedingungen für Wildbienen zu schaffen und letztlich Bestände zu sichern.

Denn nach wie vor wird den Bestäubern das Überleben auf dem Land und in der Stadt nicht leicht gemacht: Trotz zahlreicher Schlagzeilen und Petitionen sind die Insekten nach wie vor Pestiziden auf Agrarflächen ausgesetzt. Weiterhin erschweren ihnen Monokulturen oder städtische Steingärten die Nahrungssuche. Dabei erfüllen Wildbienen eine wichtige Rolle im Ökosystem und bei der Erzeugung landwirtschaftlicher Produkte: Wird dem Sterben der Bestäuber kein Einhalt geboten, müssen wir künftig auf viele Obst- und Gemüsesorten verzichten.

Damit es nicht so weit kommt, erforschen die Biologinnen und Biologen im Projekt BienABest idealtypische Bienenhabitate und Blühstreifen. Auf Untersuchungsflächen im ländlichen Raum erfassen und bestimmen sie die Insekten mit bestandschonenden Verfahren und können so die Entwicklung der Bienenpopulation nachvollziehen. Zu diesem Zweck werden Wildbienensachverständige ausgebildet und Projektergebnisse in so genannte VDI-Richtlinien übersetzt.

Die Vereinten Nationen haben 2011 bis 2020 zur UN-Dekade für die Biologische Vielfalt erklärt. Ziel der Dekade ist es, den Rückgang der Biodiversität zu stoppen. Vorbildliche Forschungsvorhaben oder weitere Beiträge werden als Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt gewürdigt. In den Jahren 2019 und 2020 liegt der Schwerpunkt auf dem Thema „Insekten schützen – gemeinsam für die Vielfalt der Natur“.

Quelle: Universität Ulm

Die Chemie: ein aktiver Klimaschützer

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Der Klimawandel erfordert über alle Wirtschaftsbereiche hinweg Maßnahmen zum Klimaschutz. Die deutsche Chemieindustrie hat ihren Treibhausgasausstoß seit 1990 trotz erheblicher Produktionssteigerungen bereits massiv reduziert. Noch wichtiger: Mit ihren innovativen Lösungen ermöglicht es die Chemie auch anderen Branchen, ihre CO2-Emissionen zu senken. Dies gilt nicht nur für die Entwicklung neuer Energietechnologien oder beim Fahrzeugbau, sondern auch für den Agrarsektor.

Die chemisch pharmazeutische Industrie entwickelt Tierarzneimittel für die landwirtschaftliche Nutztierhaltung, die als klimaschädlich kritisiert wird. Tierarzneimittel unterstützen nicht nur die Landwirte dabei, sichere und hochwertige Lebensmittel zu erzeugen. Sie helfen, die Tiere gesund zu erhalten. Gesunde Tiere verbrauchen weniger Ressourcen wie Futter, Wasser und damit Fläche mit der Folge, dass weniger Gülle und Emissionen anfallen. Je intensiver die Haltung und je gesünder die Tiere, desto stärker werden die Einspareffekte.

Das macht ein Beispiel deutlich: Anfang des Jahrhunderts benötigte ein Schwein fast eine halbe Tonne Futter, um 125 Kilogramm zuzunehmen. Ein modernes, gesundes Tier braucht dazu heute nur noch die Hälfte (der Menge). Durch die Intensivierung verringerte sich der Viehbestand insgesamt, bezogen auf das Lebendgewicht, in Deutschland von 1913 bis heute ebenfalls um die Hälfte.

Tierkrankheiten vermeiden
Laut der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE), führen Krankheiten in Nutztierbeständen noch immer zu großen Verlusten. Die OIE beziffert diese mit bis zu 20 Prozent. Verbesserungen im Gesundheitsbereich, entwickelt von der chemischen Industrie, senken die Verluste, erfüllen somit in besonderem Maße die Anforderungen einer nachhaltigen Wirtschaftsweise und dienen außerdem dem Tierschutz.

Quelle: Bundesverband für Tiergesundheit e.V. (BfT)

Ketose: Der Stoffwechsel streikt

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Nach der Kalbung steigt die Futteraufnahme nicht der Milchleistung entsprechend an, eine negative Energiebilanz ist die Folge. Jetzt sind Hochleistungskühe besonders anfällig für Ketose. Nicht immer zeigt sich die Ketose mit klinischen Symptomen, meistens tritt sie subklinisch als Bestandsproblem auf. Ketosekühe bauen aufgrund ihres Energiemangels verstärkt Körperfett ab, wodurch freie Fettsäuren und Ketonkörper in die Blutbahn gelangen. Als Folge dessen wird die Futteraufnahme gebremst. Bei sehr intensivem Abbau von Körperfettreserven folgt eine massive Auffüllung der Leberzellen mit Fett (Fettlebersyndrom). Eine verfettete Leber kann ihrer Funktion als Entgiftungsorgan nicht mehr gerecht werden: die körpereigenen Abwehrkräfte nehmen ab und die Anfälligkeit der Tiere für Infektionen und für nachfolgende Fruchtbarkeitsstörungen nimmt zu. Zur Vorbeugung vor Ketose sollte schon im letzten Drittel der Laktation und in der frühen Trockenstehphase das Haltungs- und Fütterungsmanagement der Kuh angepasst werden, um eine Verfettung zu vermeiden. Die erste und wichtigste Maßnahme ist daher die Stabilisierung des Energiestoffwechsels. Dies wird erreicht durch die Gabe von konzentrierten Energieträgern wie Propylenglycol oder Propionat. Unter deren Einfluss – in der ersten Woche nach der Geburt verabreicht – werden nicht nur die Bildung von Ketonkörpern wirksam reduziert, sondern auch der Fettabbau gebremst und dadurch ein Anstieg der Leberverfettung verhindert. Mit den Ketoseschnelltests kann selbst subklinische Ketose schnell erkannt und behandelt werden.

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Weiterhin hohe Campylobacter-Raten bei Masthähnchen

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Prozesshygienekriterium zeigt noch nicht erhoffte Wirkung
Die Nachweisraten von Campylobacter spp. bei Masthähnchen liegen unverändert auf einen hohem Niveau. Knapp die Hälfte der Halshautproben von Masthähnchenschlachtkörpern (46,3 %) und der Proben von frischem Hähnchenfleisch (47,8 %) wurde im Rahmen des Zoonosen-Monitoring 2018 positiv auf Campylobacter getestet. Knapp ein Viertel der Schlachtkörper wies Campylobacter-Keimzahlen von über 1.000 KbE/g auf. Das zum vergangenen Jahr eingeführte Prozesshygienekriterium hat somit noch nicht zu einer nennenswerten Senkung der Campylobacter-Belastung bei Masthähnchen geführt, wie das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in Berlin mitteilte.
Das Prozesshygienekriterium von 1.000 koloniebildenden Einheiten pro Gramm (KbE/g) für Schlachtkörper von Masthähnchen wurde EU-weit eingeführt, um das Vorkommen von Campylobacter spp. in der Geflügelfleischkette zu senken. Seit 1. Januar 2018 müssen Betriebe, die die Anforderungen der EU-Verordnung nicht erfüllen, geeignete Maßnahmen zur Sicherstellung der Prozesshygiene einleiten.

2017, vor Einführung des Prozesshygienekriteriums, hatten 22,7 % der Schlachtkörper den besagten Wert überschritten. Im vergangenen Jahr blieb die Quote mit 22,6 % nahezu unverändert. Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, dass in diesem Bereich weitere Anstrengungen unternommen werden müssen, um die Schlachthygiene zu verbessern.
Salmonellen

In Halshautproben von Mastputenschlachtkörpern wurden Salmonellen zu 22,7 % und damit fast doppelt so häufig nachgewiesen wie im Zoonosen-Monitoring 2016 (11,9 % positive Proben). Die Tiere selbst waren dagegen nur selten Träger von Salmonellen (0,2 % positive Proben von Blinddarminhalt). Die Nachweisrate von Salmonellen in Proben von frischem konventionell erzeugtem Putenfleisch lag bei 4,0 % und damit ebenfalls etwas höher als im vorherigen Untersuchungsjahr (2,6 %). Steigende Kontaminationsraten von Schlachtkörpern bei geringer Belastung der Tiere verdeutlichen, dass Verbesserungen der Hygienepraktiken bei der Geflügelschlachtung notwendig sind, da es offenbar zu Kreuzkontaminationen bzw. einer Verschleppung von Keimen aus der Schlachtumgebung auf die Schlachtkörper kommt.

Listeria monocytogenes
In 3,4 % der Proben von streichfähigen oder schnittfesten Rohwürsten aus Hähnchen- und/oder Putenfleisch wurden Listeria monocytogenes nachgewiesen. Allerdings waren die Keimzahlen gering, da in keiner Probe Listerien oberhalb der Nachweisgrenze von 10 KbE/g mit der quantitativen Methode nachgewiesen wurden. Im Vergleich hierzu wurden in streichfähigen Rohwürsten aus Schweinefleisch im Zoonosen-Monitoring 2017 in einzelnen Proben Keimgehalte an L. monocytogenes gemessen, die eine potenzielle Gesundheitsgefahr für den Menschen darstellen (220 KbE/g und 550 KbE/g).

ESBL/AmpC-bildende E. coli
ESBL/AmpC-bildende E. coli wurden in etwa der Hälfte der untersuchten Kotproben aus konventionellen Mastputenbetrieben (51,8 % positive Proben) und in 37,6 % der Proben von konventionell erzeugtem Putenfleisch nachgewiesen. Im Vergleich hierzu waren Kotproben aus ökologisch wirtschaftenden Mastputenbetrieben und insbesondere Proben von ökologisch erzeugtem Putenfleisch mit Nachweisraten von 36,8 % bzw. 12,2 % deutlich seltener positiv für ESBL/AmpC-bildende E. coli. ESBL/AmpC-bildende Bakterien zeichnen sich dadurch aus, dass sie Enzyme bilden, die die Wirksamkeit von Penicillinen und Cephalosporinen herabsetzen bzw. aufheben können, sodass die Bakterien unempfindlich gegenüber diesen Antibiotika sind. Der häufige Nachweis von ESBL/AmpC-bildenden E. coli bei Nutztieren ist aufgrund der besonderen Bedeutung der Cephalosporine der 3. und 4. Generation für die Therapie des Menschen besorgniserregend, zumal nach derzeitigem wissenschaftlichen Kenntnisstand davon auszugehen ist, dass diese resistenten Keime auch über Lebensmittel auf den Menschen übertragen werden können.
Antibiotika-Resistenzlage

Die Ergebnisse der Antibiotikaresistenzuntersuchungen zeigen, dass die Resistenzraten in den Lebensmittelketten Masthähnchen und Mastpute unter den Nutztieren am höchsten sind, was den im Vergleich zu Rindern und Schweinen häufigeren Einsatz von Antibiotika bei dieser Tiergruppe widerspiegelt. Auffallend ist, dass E.-coli-Isolate aus ökologischen Mastputenbetrieben und aus ökologisch erzeugtem Putenfleisch insgesamt deutlich niedrigere Resistenzraten (48,2 %) aufwiesen als die entsprechenden Isolate aus der konventionellen Produktion (77,3 %). Außerdem traten bei Isolaten aus der ökologischen Produktion seltener Multiresistenzen gegen drei oder mehr Substanzklassen auf als bei Isolaten aus Mastputenbetrieben und Putenfleisch der konventionellen Produktionsform (17,7 % vs. 42,9 %). Diese Unterschiede, die bereits im Zoonosen-Monitoring 2016 bei den Untersuchungen von konventionellen und ökologischen Masthähnchenbetrieben beobachtet wurden, stehen vermutlich mit der im Vergleich zu konventionellen Tierhaltungen geringeren Therapiehäufigkeit mit Antibiotika in ökologischen Betrieben im Zusammenhang. Die hohen Resistenzraten von zum Teil über 50 % der Bakterien-Isolate von Masthähnchen und Mastputen gegenüber Fluorchinolonen verdeutlichen, dass insbesondere der Einsatz dieser Antibiotikaklasse beim Geflügel reduziert werden muss, da sie als besonders wichtig für die antibiotische Behandlung beim Menschen gilt.

Bei der Interpretation der Ergebnisse der Resistenzuntersuchungen muss beachtet werden, dass die minimalen Hemmkonzentrationen (MHK) anhand der epidemiologischen Cut-Off-Werte bewertet wurden. Diese bestimmen den Anteil mikrobiologisch resistenter Isolate und geben frühzeitig Hinweise auf eine beginnende Resistenzentwicklung, erlauben aber keine unmittelbare Aussage über die Wahrscheinlichkeit eines Therapieerfolges mit einem Antibiotikum.

Zoonosen-Monitoring 2018
Für das Zoonosen-Monitorings 2018 haben die Überwachungsbehörden der Bundesländer insgesamt 5.974 Proben auf allen Ebenen der Lebensmittelkette genommen und auf das Vorkommen der wichtigsten über Lebensmittel übertragbaren Erreger untersucht. Dabei wurden 3.356 Bakterien-Isolate gewonnen und in den Nationalen Referenzlaboratorien am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weitergehend charakterisiert und auf ihre Resistenz gegen ausgewählte Antibiotika untersucht.
Der vollständige Bericht zum Zoonosen-Monitoring 2018 ist online abrufbar unter: http://www.bvl.bund.de/ZoonosenMonitoring

Verbrauchertipps zum Schutz gegen lebensmittelbedingte Infektionen sind dargestellt unter: http://www.bvl.bund.de/lebensmittelhygiene

Hintergrund
Zoonosen sind Krankheiten bzw. Infektionen, die auf natürlichem Weg direkt oder indirekt zwischen Tieren und Menschen übertragen werden können. Zoonoseerreger können von Nutztieren zum Beispiel während der Schlachtung und Weiterverarbeitung auf das Fleisch übertragen werden. Mit Zoonoseerregern kontaminierte Lebensmittel stellen eine wichtige Infektionsquelle für den Menschen dar. Häufige Erreger lebensmittelbedingter Infektionen sind Campylobacter spp. und Salmonella spp. Infektionen mit Listeria monocytogenes oder verotoxinbildende E. coli (VTEC) treten seltener auf. Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) und ESBL/AmpC-bildende E. coli sind weltweit verbreitete Erreger von zum Teil schwerwiegenden Krankenhausinfektionen. Bei Nutztieren hat sich ein spezifischer Typ von MRSA ausgebreitet. Eine Besiedlung des Menschen mit diesen „Nutztier-assoziierten“ MRSA-Stämmen scheint jedoch nur in seltenen Fällen zu schweren Krankheitserscheinungen führen.

Basierend auf der Richtlinie 2003/99/EG zur Überwachung von Zoonosen und Zoonoseerregern, sind alle EU-Mitgliedstaaten verpflichtet, repräsentative und vergleichbare Daten über das Auftreten von Zoonosen und Zoonoseerregern sowie diesbezüglicher Antibiotikaresistenzen in Lebensmitteln, Futtermitteln und lebenden Tieren zu erfassen, auszuwerten und zu veröffentlichen, um so Aufschluss über Entwicklungstendenzen und Quellen von Zoonosen und Zoonoseerregern zu erhalten. Dabei werden vor allem diejenigen Zoonoseerreger überwacht, die eine besondere Gefahr für die menschliche Gesundheit darstellen. Das Zoonosen-Monitoring wird von den Ländern seit dem Jahr 2009 auf Grundlage einer Verwaltungsvorschrift bundesweit einheitlich jährlich im Rahmen der amtlichen Lebensmittel- und Veterinärüberwachung durchgeführt. Die von den Ländern erhobenen Untersuchungsergebnisse werden vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) gesammelt, ausgewertet und zusammen mit den Ergebnissen der Typisierung und Resistenztestung sowie der Bewertung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) im Bericht über die Ergebnisse des jährlichen Zoonosen-Monitorings veröffentlicht. Das BfR übermittelt die Ergebnisse gemäß den Bestimmungen des Artikels 9 der Richtlinie 2003/99/EG an die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA).

Im Zoonosen-Monitoring werden repräsentative Daten zum Vorkommen von Zoonoseerregern bei den wichtigsten Lebensmittel liefernden Tierarten und ihren Produkten sowie anderen Lebensmitteln und Futtermitteln gewonnen. Diese ermöglichen es, die Exposition der Verbraucher gegenüber den Zoonoseerregern abzuschätzen. Die Resistenzuntersuchungen tragen dazu bei, Beziehungen zwischen dem Antibiotikaeinsatz in der Tierproduktion und der Entwicklung von Antibiotikaresistenzen besser analysieren zu können.

Quelle: Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)

WEDA errichtet innovatives Buchtenkonzept für Ökobetrieb

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Der niedersächsische Spezialist für die Schweinehaltung WEDA hat den ‚Arche Wilhelminenhof‘ mit neuen Be.Well-Buchten ausgerüstet. Das Be.WellKonzept steht für Produkte, die das Wohlbefinden und die Gesundheit der Schweine in den Fokus rücken und zugleich ein wirtschaftliches und sicheres Arbeiten ermöglichen. Der Auftrag für den Ökobetrieb aus Bakum umfasst den Neubau der Buchten in einem offenen Holzstall mit Außenauslauf.

Höchste Hygienestandards
„Die einzelnen Buchten sind durch Gatter getrennt. Für deren Reinigung haben wir sie so konstruiert, dass man die Gatter seitlich öffnen und an der Wand befestigen kann“, erläutert WEDAEntwicklungsleiter Ralf Meyer. „Mit einer speziellen Türangel lassen sich die Türen leicht aus dem Stroh heben und in beide Richtungen öffnen und schließen. Anschließend kann der Mist in einem Rutsch abgeschoben werden“, ergänzt Meyer. Der Tierbereich ist aus Edelstahl und Kunststoff, sodass die Bucht gut zu reinigen ist und höchsten Hygienestandards entspricht.

Offene, übersichtliche Gestaltung
Die Abferkelbucht ist offen und übersichtlich gestaltet, mit Ferkelnest und Trog am Gang. Wenn nötig, kann die Sau zu Behandlungszwecken kurzzeitig fixiert werden, ohne dass die Mitarbeiter den Sauenbereich betreten müssen. Das Gitter, mit dem die Sau kurzzeitig fixiert werden kann, dient im geöffneten Zustand zur Abtrennung des Ferkelnests. Weiterhin ermöglicht die Bucht auch eine kurzzeitige Festsetzung der Sau, um die Ferkel versorgen zu können. Der Clou: Die Sau kann trotzdem den Außenauslauf und den Fressbereich nutzen.

Trog in Bodennähe
Der Futtertrog ist so konstruiert, daß er im Notfall sogar als Wassertränke genutzt werden kann. Er ist auf dem Boden installiert, damit auch die Ferkel ihr Futter dort aufnehmen können. „Unsere Tiere haben sich sofort wohl gefühlt, und wir können sehr gut in der Bucht arbeiten“, sagt Angelika Balz vom Wilhelminenhof. „Vor allem lassen sich die Tiere umwelt- und artgerecht halten, sodass wir unseren Werten und Prinzipien treu bleiben“, bilanziert sie.

Für alle Haltungsformen geeignet
Mit dem neuen Be.Well-Konzept reagiert WEDA auf die Forderungen der Branche nach Produktlösungen, die das Tierwohl und den Tierschutz sicherstellen. Entsprechend eignen sich die Produkte gleichermaßen gut für die konventionelle und ökologische Tierhaltung. Der ‚Arche Wilhelminenhof‘ wird nach Demeter-Richtlinien und dem Prinzip der solidarischen Landwirtschaft (SoLaWi) betrieben. Neben der Schweinezucht unterhält der Familienbetrieb einen eigenen Hofladen und baut zudem Obst und Gemüse an.

Quelle: WEDA Dammann & Westerkamp GmbH

Aquakultur: Neues Analyseinstrument für mehr Tierwohl

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Mithilfe einer Excel-Anwendung können Fischhalter künftig betriebsindividuell einen Tierwohlindex mit Indikatoren wie Ernährungszustand, Schwimmverhalten oder Sauerstoffgehalt im Wasser ermitteln. Anwendbar ist das neue Instrument für die Regenbogenforelle und den europäischen Zander.

Umwelt, Individuum und Fischbestand: Diese drei Kategorien können Fischhalter ab sofort mit einem neuen Excel-Tool bewerten, das Wissenschaftler vom Institut für Binnenfischerei e.V., Potsdam-Sacrow, in Zusammenarbeit mit dem Landwirtschaftlichen Zentrum Baden-Württemberg, Fischereiforschungsstelle (FFS) Langenargen, unter Praxisbedingungen entwickelt haben.

Mit überschaubarem zeitlichem Aufwand werden je Kategorie Werte für einzelne Indikatoren eingetragen und anhand der wissenschaftlichen Referenzwerte Indizes ermittelt. „Der Fischhalter sieht damit sofort, an welcher Stelle noch optimiert werden kann“, so Dr. Andreas Müller-Belecke. Unter den „Umweltbedingungen“ lassen sich beispielsweise der pH-Wert oder der Ammoniakanteil im Wasser bewerten. Im Bereich „Individuum“ können Ernährungs-, Kiemen- oder Flossenzustand untersucht werden. Die Kategorie „Fischbestand“ gibt Auskunft über Futteraufnahme, Schwimmverhalten oder Mortalität.

Das Analyseinstrument bietet für den Fischhalter selbst, aber auch für Fischerei- und Veterinärbehörden sowie Verbraucherinnen und Verbrauchern eine Möglichkeit zur Beurteilung der Tiergerechtheit in der Fischhaltung, die auf einer international eingesetzten, methodisch einheitlichen, objektiv erfassten Datengrundlage fußt. Damit lässt sich die Berücksichtigung von Tierwohlaspekten bei der Fischhaltung in Deutschland zukünftig weiter fördern. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung hat das Projekt im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums als Projektträger betreut.

Das Analysetool kann beim Institut für Binnenfischerei e.V. angefordert werden (Kontakt: Dr. Andreas Müller-Belecke; 033201 406-13

Quelle: BLE

ZDG zum Kükentöten: „Die Debatte braucht mehr Ehrlichkeit, mehr Realismus – und weniger populistische Forderungen“

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In der Diskussion um den Ausstieg aus dem Töten männlicher Eintagsküken mahnt die deutsche Geflügelwirtschaft „mehr Ehrlichkeit, mehr Realismus, mehr echten Lösungs-willen“ aller Beteiligten an und fordert im Sinne des Tierschutzes eine gesamteuropäi-sche Regelung. „Wir brauchen in der Debatte um den von allen Beteiligten gewollten Ausstieg viel mehr Ehrlichkeit und viel weniger populistische Forderungen“, sagt Fried-rich-Otto Ripke, Präsident des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG). Zwei zentrale Aspekte stellt er klar:

• „Ein sofortiger Ausstieg ist nicht machbar, weder in Deutschland noch sonstwo auf der Welt. Wer den sofortigen Ausstieg fordert, handelt unver-antwortlich, unehrlich und verkennt bewusst die Tatsachen.“

• „Ein rein deutsches Gesetz würde die bloße Verlagerung des Tierschutz-Problems ins Ausland bedeuten. Durch ein solches Gesetz würde nicht ein einziges Küken weniger getötet.“

„Unser Bekenntnis gilt: Wir wollen aus dem Kükentöten aussteigen – und zwar so schnell wie möglich“, betont ZDG-Präsident Ripke. Das Problem in der öffentlichen Diskussion sei aber, dass beim Bekenntnis „so schnell wie möglich“ allzu oft nur das „schnell“ ge-sehen werde, nicht das „möglich“. Ripke fordert eine lösungsorientierte Rückbesinnung auf die wissenschaftlich belegten Fakten zur Machbarkeit und weist Vorwürfe, die Ge-flügelwirtschaft spiele auf Zeit, mit Entschiedenheit zurück. „Wir haben dem Ministeri-um konkrete Lösungsansätze unterbreitet, die eine klare Perspektive auf dem Weg zum Ausstieg aus dem Kükentöten aufzeigen“, sagt er. Durch eine Kombination verschiede-ner Ansätze – konkret durch die Geschlechtsbestimmung im Ei mittels Hyperspektral- und Hormonanalyse, durch die Aufzucht der Bruderhähne und durch die Haltung von Zweinutzungshühnern – sei es das ambitionierte, aber machbare Ziel der Branche, die Anzahl getöteter Hahnenküken bis 2022 um die Hälfte zu verringern.

Rein deutsches Gesetz würde nur Brüterei-Standort Deutschland abwickeln
„Einen anderen Weg als die Zusammenarbeit mit Wirtschaft und Wissenschaft gibt es nicht“; betont Ripke. Ein rein deutsches Gesetz mit einem Verbot des Kükentötens in Deutschland hätte nicht zur Folge, dass auch nur ein einziges Küken weniger getötet würde – die weiblichen Legehennenküken oder Junghennen kämen dann einfach aus dem Ausland, wo deren Brüder weiter getötet würden. Ripke: „Ein solches Gesetz würde komplett ins Leere laufen und nur den Brüterei-Standort Deutschland abwickeln. Wir brauchen hier eine europaweite Regelung.“
„Realpolitik mit realistischen Umsetzungsplänen ist gefragt!“

Aus Sicht der deutschen Geflügelwirtschaft müssen alle Verantwortungsbereiten ge-meinsam umsetzbare Lösungen zügig vorantreiben. Dazu gehören die Geflügelwirt-schaft, die Wissenschaft, der Markt bzw. die Verbraucher mit einer nötigen höheren Akzeptanz für „Bruderhahn“-Erzeugnisse – und schließlich und vor allem auch die Poli-tik. „Realpolitik mit realistischen Umsetzungsplänen ist gefragt!“, fordert Ripke. „Die von Bundesministerin Klöckner angekündigte Zusammenarbeit mit Frankreich wäre ein guter Schritt und könnte am Ende ganz Europa mitnehmen.“

Quelle: ZDG Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft e. V.

Antibiotika: „Die Veterinärmedizin hat viel erreicht“

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Im Sommer hat die Bundesregierung den Evaluierungsbericht zum Antibiotikaminimierungskonzept der 16. Arzneimittel-Novelle (AMG-Novelle) vorgelegt. Das Konzept ging im Jahr 2014 mit drei Zielen an den Start: Der Antibiotikaeinsatz bei Masttieren sollte reduziert, die sorgfältigere Anwendung mit Blick auf das Resistenzrisiko gefördert und die effektive Kontrolle der einzelbetrieblichen Verbrauchsmengen ermöglicht werden. Die Erfolgsbilanz in deutschen Ställen kann sich sehen lassen.

Mit der 16. AMG-Novelle wurde das Bundeslandwirtschaftsministerium verpflichtet, die Wirksamkeit der getroffenen Maßnahmen fünf Jahre nach ihrem Inkrafttreten zu evaluieren. Der Evaluierungsbericht liegt nun vor. Er zeigt, dass die mit der Novelle eingeführte Bestimmung des Therapiehäufigkeitsindex die seit einigen Jahren bereits rückläufige Anwendung von Antibiotika bei Nutztieren noch einmal deutlich forciert hat. Im Jahr 2014 allein kam es zu einem Rückgang der oralen Verabreichung um fast 30 Prozent. Seit 2011 ging laut der offiziellen Mengenerfassung die Anwendung von Antibiotika insgesamt um fast 60 Prozent zurück.

Reduktion über alle Wirkstoffklassen …
Der Rückgang konnte über alle Wirkstoffklassen erreicht werden. Die humanmedizinisch als wichtig eingestuften Stoffklassen Fluorchinolone und Cephalosporine der 3. und 4. Generation haben nur einen geringen Anteil an der Gesamtverbrauchsmenge. Auch die Menge der lang wirkenden Präparate liegt bei lediglich unter einem Prozent des Gesamtverbrauchs. Da der Evaluierungsbericht nur die Datenlage bis zur 2. Hälfte 2017 erfasst, sind Effekte weiterer Maßnahmen zur Antibiogrammpflicht und zulassungskonformen Anwendung von Antibiotika beim Tier, die mit der Anpassung der Tierärztlichen Hausapothekenverordnung zu Beginn 2018 eingeführt wurden, noch nicht berücksichtigt. Neue Zahlen zu den Abgabemengen an Tierärzte für 2018 zeigen, dass sich die sinkenden Trends fortsetzen.

… und bei allen Tierarten
Der Einsatz von Antibiotika konnte bei allen erfassten Tierarten (Mastschweine, Masthühner, Mastputen, Mastkälber und Mastrinder) reduziert werden. Die Kennzahlen (Therapiehäufigkeit, Therapieindex) sind mit Ausnahme bei Masthühnern kontinuierlich rückläufig oder stagnieren. Die Geflügelbranche will eine Strategie erarbeiten, um die Anwendung von Antibiotika deutlich weiter zu reduzieren. In einem Forschungsvorhaben hatte der Sektor gemeinsam mit der Wissenschaft in den vergangenen drei Jahren mögliche Ansätze (insbesondere zur Stabilisierung der Geflügeldarmflora) untersucht.

Zu berücksichtigen ist, dass ein bestimmtes Maß der Antibiotikaanwendung auch aus tierschutzrechtlichen Gründen zur Sicherung der Tiergesundheit nicht unterschritten werden kann.

Verschiedene Antibiotikaklassen sind erforderlich, um das ganze Spektrum bakterieller Krankheitserreger bei den einzelnen Tierarten auch künftig effektiv bekämpfen zu können. Dies ist auch wichtig, um Resistenzen zu vermeiden.

Für die Zukunft wird es darauf ankommen, durch verbessertes Haltungsmanagement und mit Konzepten zur Krankheitsvorbeuge die Tiergesundheit in den Betrieben langfristig abzusichern. Zu erwarten ist, dass zunehmend investitionsintensive Lösungen auf den Betrieben oder strukturelle Maßnahmen erforderlich werden.

Quelle: Bundesverband für Tiergesundheit