Haltungsform veröffentlicht Jahreszahlen: Verschiebung zu höheren Stufen

• Verteilung der Haltungsform-Stufen für 2024 erhoben und mit 2023 verglichen
• Angebot bei Pute verschiebt sich von Stufe 2 hin zu Stufe 3
• Stufe 2 bei Schwein stabil auf hohem Niveau

Die Initiative Tierwohl GmbH (ITW) hat heute aktuelle Zahlen zur Haltungsform-Kennzeichnung veröffentlicht, die die Verteilung des Produktangebots in den fünf Haltungsstufen für verschiedene Tierarten zeigen. Die Daten basieren auf den gemeldeten Verkaufsmengen der teilnehmenden Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) und werden regelmäßig kommuniziert, um transparente Einblicke in die Entwicklung der Tierhaltung in Deutschland zu gewähren. Im Vergleich der Jahre 2023 und 2024 ist eine Verschiebung von Stufe 2 hin zu Stufe 3 erkennbar – insbesondere bei Pute. Diese Entwicklung zugunsten des Tierwohls ist maßgeblich auf Initiativen des Einzelhandels zurückzuführen. Die 2024 neu eingeführte Stufe 5 „Bio“ zeigt bei Rind sowie Milch- und Molkereiprodukten einen stabilen Marktanteil. Die veröffentlichten Zahlen beziehen sich auf das Gesamtjahr 2024.

„Die aktuellen Zahlen belegen deutlich das Engagement des Einzelhandels für mehr Tierwohl und die Bereitschaft der Landwirte diesen Weg im Rahmen ihrer Möglichkeiten mitzugehen. Immer mehr Produkte stammen aus höheren Haltungsstufen, wobei insbesondere Stufe 3 an Bedeutung zunimmt“, erklärt Robert Römer, Geschäftsführer der Initiative Tierwohl GmbH. „Dieses Bestreben, Tierwohl gemeinsam weiter auszubauen, unterstreicht zugleich die Relevanz unserer Pläne, ITW- Programme für die Haltungsform-Stufen 3 und 4 einzuführen – ein wichtiger Schritt, um das Tierwohl nachhaltig zu stärken.“

Frischfleisch und Fleischzubereitungen im SB-Regal – Grafik: ITW

Schweinefleisch: Tierwohlniveau bleibt stabil
Der Großteil des Schweinefleischs stammte 2024 aus der Haltungsstufe 2 „Stall + Platz“ – mit 75,2 % an der Bedientheke und 86,3 % im SB-Regal. In diesem Segment sind kaum Veränderungen im Vergleich zu 2023 zu beobachten. Die 2024 neu eingeführte Haltungsstufe 5 „Bio“ hat bei Schweinefleisch einen Anteil von 4,3 % im SB-Regal und 4,7 % an der Bedientheke. Diese Zahlen waren zu erwarten, da ähnliche Werte in 2023 – als es nur 4 Stufen gab und Bio somit zusammen mit „Auslauf/Weide“ erfasst wurde – für die Stufe 4 gemeldet wurden.

Geflügel: flächendeckende Kennzeichnung mit Haltungsform
Die Verteilung der Haltungsstufen bei Geflügel bleibt im Vergleich 2023/2024 weitgehend stabil. Bei Hähnchen gibt es kaum Veränderungen: Haltungsstufe 2 dominiert mit 88,6 % (2024) gegenüber 89,8 % (2023) das SB-Sortiment. Die neu eingeführte Stufe 5 erreicht 4,8 %. Bei Pute zeigt sich eine etwas stärkere Bewegung: Stufe 2 bleibt mit 78,0 % führend (2023: 91,5 %), während höhere Stufen zulegen – Stufe 3 um +13,3 %, Stufe 5 um +3,0 %. Insgesamt sind Hähnchen und Pute nahezu vollständig mit einer der fünf Haltungsformen gekennzeichnet (weniger als 1 % der Gesamtware wird nicht gekennzeichnet).

Rindfleisch: hohe Anteile in oberen Haltungsstufen
Mit 14,1 % erreicht die Haltungsstufe 5 bei Rindfleisch – sowohl an der Bedientheke als auch im SB-Regal – den höchsten Wert unter allen Fleischsorten. Auch die Haltungsstufe 3 „Frischluftstall“ legt deutlich zu.

Besonders auffällig ist der Rückgang von Haltungsstufe 1 zugunsten höherer Stufen: Im SB-Regal sinkt der Anteil von 75,6 % (2023) auf 62,4 % (2024), während Stufe 3 im gleichen Zeitraum von 5,6 % auf 16,7 % steigt. An der Bedientheke zeigt sich ein ähnliches Bild: Haltungsstufe 1 fällt von 54,4 % auf 42,2 %, Stufe 3 wächst von 27,4 % auf 34,7 %. Diese Entwicklung verdeutlicht, dass Landwirte und Lebensmitteleinzelhandel bereit sind Schritte für mehr Tierwohl zu gehen, wenn die Verbrauchernachfrage dies rechtfertigt.

Milch und Molkereiprodukte – Grafik: ITW

Milch: Haltungsstufe 3 dominiert den Milchmarkt
Der Anteil an Milch ohne Haltungsstufe ist 2024 auf ein Rekordtief gesunken: Während 2023 noch 44,9 % der Milch ohne Kennzeichnung angeboten wurden, waren es 2024 nur noch 5,5 %. Hauptprofiteur dieser Entwicklung ist die Haltungsstufe 3, deren Anteil von 41,3 % (2023) auf 76,6 % (2024) gestiegen ist.

Neu hinzugekommen ist 2024 die Haltungsform 5, die im Milch- und Molkereisegment bereits einen beachtlichen Marktanteil erreicht: 12,8 % bei Milch und 7,7 % bei Molkereiprodukten.
Bei Molkereiprodukten ist die Kennzeichnung jedoch noch nicht flächendeckend umgesetzt: Der Anteil nicht gekennzeichneter Produkte liegt weiterhin bei knapp 87 %.

Über die Haltungsform-Kennzeichnung
Die Haltungsform-Kennzeichnung ist eine fünfstufige Siegel-Klassifikation für tierische Erzeugnisse, die ab Juli 2024 von vier auf fünf Stufen umgestellt wurde. Sie wurde im April 2019 eingeführt. Sie klassifiziert Tierwohl-Siegel und Qualitätssicherungsprogramme entsprechend ihren Anforderungen an die Tierhalter und dem sich daraus ergebenden Tierwohl-Niveau. Die Kennzeichnung finden Verbraucher auf Verpackungen bei ALDI Nord, ALDI SÜD, Bünting Gruppe, EDEKA, Kaufland, LIDL, Netto Marken-Discount, PENNY, REWE und McDonlad‘s. Die „Haltungsform“ steht weiteren Unternehmen offen. Die Initiative Tierwohl GmbH ist Trägerin der Haltungsform-Kennzeichnung. Sie organisiert die korrekte Eingruppierung von Standards und Programmen in die Systematik dieses Haltungskennzeichens, überwacht die korrekte Anwendung und Umsetzung dieser Systematik und unterstützt die teilnehmenden Unternehmen in der Kommunikation gegenüber Öffentlichkeit und Verbrauchern. Vollständige Informationen zu den Kriterien der einzelnen Stufen erhalten Verbraucher auf der Webseite zur Haltungsform unter www.haltungsform.de.

Quelle: Initiative Tierwohl GmbH

Initiative Tierwohl: Nämlichkeit in der Schweinehaltung bald möglich

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• Neue Registrierungsphase Ferkelaufzucht abgeschlossen
• 198 neue Ferkelaufzuchtbetriebe mit 2,7 Mio. Tieren/Jahr zugelassen
• Lücke zwischen Aufzucht und Mast weiter geschlossen
• Ferkelfonds endet mit dem Jahr 2026

Die Initiative Tierwohl (ITW) hat eine weitere Registrierungsphase für die Ferkelaufzucht erfolgreich abgeschlossen. 198 neue Ferkelaufzuchtbetriebe mit insgesamt 2,7 Millionen Tieren pro Jahr wurden aufgenommen. Damit sind aktuell über 9.000 schweinehaltende Betriebe, darunter 1.589 Ferkelaufzüchter und 1.250 Sauenhalter bei der ITW registriert. Insgesamt profitieren nun jährlich rund 22,5 Millionen Mastschweine und rund 19 Millionen Ferkel von den Maßnahmen der ITW-Tierhalter. Die Lücke zwischen Ferkelaufzucht und Schweinemast konnte weiter verkleinert werden. Ziel ist die so genannte Nämlichkeit, die darin besteht, dass alle Schweine im ITW-System von der Geburt bis zur Schlachtung ausschließlich auf an der ITW teilnehmenden Betrieben gehalten werden.

„Mit der erfolgreichen Registrierung der Ferkelaufzuchtbetriebe gelingt ein entscheidender Schritt in Richtung durchgängige Nämlichkeit und mehr Transparenz in der Schweinehaltung. Die hohe Beteiligung zeigt, dass die Branche gemeinsam Verantwortung übernimmt und bereit ist, die Herausforderungen der Zukunft aktiv anzugehen. Unser Ziel bleibt, die Lücke zwischen Aufzucht und Mast vollständig zu schließen und damit das Tierwohl weiter zu stärken“, erklärt Robert Römer, Geschäftsführer der Initiative Tierwohl. „Klar ist aber auch: Noch fehlen faktisch gut 3 Millionen Tiere. Dieses Delta muss bis zum Auslaufen des Ferkelfonds Ende des Jahres vollständig geschlossen werden. Ab 2027 soll die Finanzierung durchgängig über den Markt erfolgen.“

Die neuen Ferkelaufzuchtbetriebe nehmen als „nämliche Ferkelaufzüchter“ an der ITW teil. Das bedeutet, dass die Voraussetzung für die Auszahlung des Tierwohlentgelts an die neuen Ferkelerzeuger daran geknüpft ist, dass die Ferkel an einen ITW-Mäster geliefert werden. Nur für diese Ferkel bekommen die Neuteilnehmer die 4,50 Euro pro Tier aus dem Ferkelfonds.

Quelle: Initiative Tierwohl GmbH

Poultrystart 3.0 – das unterschätzte Potenzial von Wassermanagement in der Kükenphase

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Futterqualität, Stallklima, Lichtsteuerung – in der Aufzucht von Putenküken wird kein Detail dem Zufall überlassen. Und doch kommt es in vielen Betrieben immer wieder zu Problemen mit Verdauungsstörungen, erhöhtem Infektionsdruck oder Leistungseinbußen. Der Grund dafür: Unzureichende Reinigung und Desinfektion der Tränkeleitungen. Putenmäster Benjamin Pohle hat sich der Herausforderung in seinem Betrieb gestellt und zeigt, wie es möglich ist, einer Biofilmbildung mit wenigen Stellschrauben vorzubeugen.

Tatort: Tränkeleitungen
„Ich hatte gar nicht vermutet, dass das Wasser überhaupt das Problem ist“, sagt Benjamin Pohle rückblickend. Gemeinsam mit seinem Vater bewirtschaftet der gelernte Landwirt einen Betrieb mit zwei Standorten im Altenburger Land (Thüringen). Hier mästet er insgesamt 30.000 Putenküken pro Durchgang. Wie viele andere Betriebe setzt er auf antibiotikareduzierte Aufzucht und stieß dabei regelmäßig an Grenzen: „Wir hatten immer wieder schwankende Leistungen in den ersten Tagen: Verdauungsstörungen, Atemwegsreizungen usw. Insbesondere bei hohen Temperaturen hat das noch weiter zugenommen.“

Erst die gezielte Untersuchung von Tränkeleitungen und Tieren – gemeinsam mit Tierarzt und Berater – brachte die Ursache ans Licht: Biofilme in den Leitungen. Hygiene-Berater Matthias Wiecha (Stockmeier) erklärt: „Diese Problematik sehen wir auf ganz vielen Betrieben. Da ist dann zwar die übliche Desinfektion auf Chlor-Basis im Einsatz, aber trotzdem läuft es nicht richtig mit den Küken. Hier steigen wir dann mit der Überprüfung der Leitungen ein. In der Regel finden wir dort einen Biofilm und der bringt eben diverse negative Begleiterscheinungen mit sich.“

Kleine Dosis – große Wirkung
Seitdem setzt Pohle konsequent auf ein abgestimmtes Hygienekonzept inklusive Spülung und gezielter Wasserbehandlung in der Kükenphase. Als Ergänzung zur Tränkwasserdesinfektion auf Chlor-Basis sowie einer zeitgesteuerten Tränkespülung mit hohem Druck kommt bei ihm in der empfindlichen Aufzuchtphase ein Desinfektionsmittel auf Basis von 50,5 g Peroxomonosulfat zum Einsatz,, in niedriger Dosierung, aber mit konstanter Wirkung: „Wir fangen bei den Küken am Tag 0 mit 50 Gramm je 1.000 Liter an und steigern das dann täglich um 50 g bis auf max. 1000 g. Das hat für uns den entscheidenden Vorteil, dass die Schmackhaftigkeit in den ersten Tagen erhalten bleibt, denn hier zeigen sich die Küken sehr wählerisch.“

Der Effekt ist für ihn deutlich spürbar: „Ich merke es einfach an der Einstreu, am Verhalten der Tiere und an der Gesamtentwicklung. Es läuft runder und die typischen Probleme beim Aufstallen haben sichtlich nachgelassen. Deswegen setzen wir das Produkt auch bei den älteren Tieren ein. Hier nutzen wir es gezielt in Stresssituationen oder bei leichten Darminstabilitäten. Zudem können wir bei Temperaturschwankungen sehr schnell reagieren und den Keimdruck frühzeitig senken, ohne direkt auf Vitamin C-Gaben zurückzugreifen.“

Warum Biofilm gerade in der Kükenphase zum Problem wird
Wasser ist das meistgenutzte, aber am wenigsten kontrollierte Futtermittel im Stall. Gerade in der Putenaufzucht kann das fatale Folgen haben, denn in den ersten Tagen nach der Einstallung sind Putenküken besonders sensibel: Ihr Immunsystem ist noch nicht ausgereift, der Darm befindet sich im Aufbau und die Wasseraufnahme ist im Verhältnis zum Körpergewicht extrem hoch.


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Faser: Ein Multitool in der Rationsgestaltung

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Von Prof. Reinhard Puntigam, FH Soest und Dr. Julia Slama, Uni Rostock

Die nachhaltige Tierernährung fußt auf den Säulen der Ökonomie, Ökologie sowie der Gesundheit und des Wohlergehens und hat zum Ziel, diese bestmöglich und gleichermaßen zu berücksichtigen. Dazu stehen eine Vielzahl an Strategien der Rationsgestaltung zu Verfügung, die in den vergangenen Jahren stark im Fokus zahlreicher praktischer und wissenschaftlicher Untersuchungen standen. Dabei soll dem Anspruch der Verbraucher:innen ebenso nachgekommen werden, wie auch rechtlichen Vorgaben um die Eigenversorgung an hochwertigen Lebensmitteln gewährleisten zu können – somit Pflicht und Recht.

Neben dem Aspekt der Umweltwirkung rückt die Konkurrenz zwischen Teller und Trog (= Nahrungsmittelkonkurrenz) immer stärker in den Fokus der gesellschaftlichen Diskussion. Vor allem in Trögen von Schweinen finden sich bis zu zwei Drittel an Futtermittel wieder, die ebenfalls potentiell human verzehrbar wären, somit auch auf unserem Speiseplan stehen könnten. In diesem Zusammenhang leistet der gezielte Einsatz von Nebenprodukten der Lebensmittelbe- und -verarbeitung einen oftmals unterschätzten Wert. Zum einen weisen z.B. Nebenprodukte der Müllerei, Brauerei, Zuckerherstellung (Nachmehle, Kleien und Schalen, Trester und Treber, etc.) keinen oder einen kaum human verwertbaren Anteil auf. Zum zweiten ist es der Mehrwert an Nährwert, den der meist hohe Gehalt an Faser dieser Futtermittel als positiven Effekt auf Tier und Umwelt mit sich bringt. Die vielfältigsten Wirkungsmechanismen der faserreichen Nebenprodukte werden entlang des Verdauungstraktes von Schweinen entfaltet, wobei es kleine Ursachen mit großer Wirkung sind, die folgend näher beleuchtet werden sollen.

Faser physiologisch definiert
Faser (in der Humanernährung als Ballaststoffe bezeichnet) stellt eine heterogene Gruppe von Kohlenhydraten dar, die als Bestandteil eines Futtermittels durch körpereigene Enzyme nicht verdaut werden kann. Diese speziellen Verbindungen können jedoch zum Teil im hinteren Verdauungstrakt von Mikroorganismen „geknackt“ werden, wodurch neben mikrobiellem Wachstum auch Fermentationsprodukte entstehen.

Somit ist vorerst ausschließlich „Ballast“ vorhanden, dessen nährstofflicher / energetischer Nutzen bis zum Ende des Dünndarms, dem Hauptort der Nährstoffverdauung und -aufnahme (Protein, Fett, Stärke…) vernachlässigbar ist. Die im Dickdarm gebildeten Fermentationsprodukte, kurzkettige flüchtige Fettsäuren (FFS), welche im Zuge der Fermentation entstehen, können jedoch als Energiequelle genutzt werden. Neben der Fermentierbarkeit der Faser nimmt dabei speziell die Größe des „Fermenters“ eine entscheidende Rolle ein. Je größer desto mehr – so steigt das Potential zur Bildung von FFS vom Saug- über das Aufzuchtferkel, bis hin zu Mastschwein und der ausgewachsenen Zuchtsau wobei nennenswerte Energiebeiträge auf Grund der Fermentation geleistet werden können. Le Goff und Noblet (2001) haben sich als wenige dieser spannenden Frage gewidmet und die Höhe der energetischen Nutzeffizienz der Faser in Abhängigkeit des Tieralters (bzw. deren Größe) herausgearbeitet. Faser liefert zu unterschiedlichen Zeitpunkten des Lebens einen unterschiedlichen energetischen Beitrag und eröffnet damit ein spannendes Forschungsfeld der Zukunft. Speziell die gebildete Buttersäure (Butyrat) wird als wichtige Energiequelle für die Zellerneuerung im Darm genutzt. Buttersäure fördert die Zellteilung und das Wachstum neuer Zellen und unterstützt damit die Aufrechterhaltung einer gesunden Darmschleimhaut. Darüber hinaus trägt Butyrat zur Stärkung der Darmbarriere bei, wirkt entzündungshemmend und schützt das Darmepithel z.B. vor pathogenen Keimen. Eine Vielzahl an Studien unterstreicht die positive Wirkung. Durch die gezielte „Fütterung“ der Mikrobiota mit Faser, sogenannte Prebiotika, kann ein Darmmillieu geschaffen bzw. aufrechterhalten werden, welches ein ausgewogenes Verhältnis zwischen möglichen pathogenen Keinem und positiven Mikroorganismen hervorruft und somit einer möglichen „Dysbiose“, einem Ungleichgewicht entgegenwirkt. Nicht zuletzt entstehen neben Butter- auch Propion- und Essigsäure, die das Darmmilieu ansäuern und damit das Wachstum pathogener Keime hemmen.

Faser analytisch definiert
Die klassische Bestimmung der oft genannten Rohfaser (XF, damals Holzfaser) geht auf Henneberg und Stohmann (1860) zurück und stellt den „unlöslichen“ (manches geht dennoch in Lösung) Rückstand (Cellulose, Hemicellulose, Lignin) unter Einwirken von Säuren und Laugen im Zuge der Weender Analyse dar. Auch aktuell ist der Gehalt an Rohfaser eines Futtermittels im Zuge der Rationskalkulation und Deklaration das Mittel der Wahl, wenngleich kein direkter Zusammenhang zwischen dem Gehalt an Rohfaser und dem fermentierbaren Anteil an Faser herrscht. Da über den Parameter Rohfaser allein keine ausreichende Bewertung der Faserversorgung von Schweinen gegeben ist, rückt eine genauere Charakterisierung anhand der sogenannten Gerüstsubstanzen (NDF, ADF, ADL) in den Vordergrund.

Damit wird eine Differenzierung in Zellulose, Hemizellulosen und Lignin möglich gemacht und lässt auch erste Rückschlüsse auf die Fermentierbarkeit der Faser zu. Jedoch reichen auch NDF und ADF für entsprechende Empfehlungen zur Versorgung nicht aus, da die Eigenschaften der Faser wesentlich komplexer sind. Die enzymatische Bestimmung der Ballaststoffe (TDF, total dietary fibre oder auch Gesamtfaser), wie sie für die Humanernährung verwendet wird, lässt demgegenüber noch einen tieferen Blick zu. Neben dem Gesamtgehalt an Faser (TDF) kann ebenfalls eine Differenzierung in lösliche (SDF) und unlösliche (IDF) Anteile vorgenommen werden, wodurch eine genauere Abschätzung der Fermentierbarkeit ermöglicht wird. Es gilt: Je löslicher, desto besser fermentierbar. Tabelle 1 stellt die chemische Charakterisierung ausgewählter Faserfuttermittel dar und unterstreicht den Unterschied der jeweiligen Analyse.


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Ökonomische Faktoren für die optimale produktive Lebensdauer von Milchkühen

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Eine neue Schweizer Studie kam zu spannenden Ergebnissen, was Lebensdauer und Produktivität von Milchkühen betrifft. Die Autoren schreiben dazu:

Die kurze Lebensdauer von Milchkühen wirft nicht nur ethische Fragen auf, sondern ist auch Gegenstand ökonomischer Debatten. Die Bestimmung der ökonomisch optimalen Nutzungsdauer (OPL) ist komplex, da ein Großteil der Kühe in den ersten beiden Laktationen gemerzt wird. Ziel dieser Studie war die Schätzung der OPL unter Berücksichtigung relevanter Einflussfaktoren wie Milchverlustrisiken, Kosten für Jungrinder und Zuchtfortschritt. Wir entwickelten ein bioökonomisches Kuhmodell für zwei Produktionssysteme mit unterschiedlichen Milchleistungsniveaus (C_niedrig = 6.194 kg/Jahr, C_hoch = 9.338 kg/Jahr) auf Basis des Nettoertragsansatzes. Das Modell nutzte Buchhaltungsdaten von 189 Familienbetrieben und herdenspezifische Daten von 9.858 Kühen mit zehn abgeschlossenen Laktationen sowie Merzungsstatistiken verschiedener Rassen aus Herdbuchdaten.

Um die Auswirkungen unterschiedlicher Risikoszenarien auf die OPL abzuschätzen, wurde ausgemerzten Kühen ein Milchverlust von 10 % bis 50 % zugewiesen. Die theoretische Nutzungsdauer (OPL) ohne Berücksichtigung von Milchverlustrisiken betrug über 9 Jahre produktiver Lebensdauer, wobei das Grenzeinkommen ab dem vierten Produktionsjahr deutlich sank. Bei einer effektiven Nutzungsdauer von 3,6 Jahren (C_niedrig) bzw. 2,9 Jahren (C_hoch) wurde die zu erwartende Milchverlustrate für den Betrieb auf etwa 25 % geschätzt, wenn die Kühe länger in Produktion blieben.

Die Kosten für Jungrinder hatten einen signifikanten Einfluss auf die Nutzungsdauer: Bei Kosten zwischen 2.700 und 5.000 US-Dollar und einem Risiko von 25 % variierte die Nutzungsdauer zwischen 3 und 7 Jahren. Im Basisszenario mit Kosten von 3.423 US-Dollar für Jungrinder lag die Nutzungsdauer zwischen dem vierten und fünften Produktionsjahr.

Der Einfluss der Milchleistungssteigerung (BP) auf die Nutzungsdauer war gering: Eine angenommene Milchleistungssteigerung von 2 % pro Generation reduzierte die Nutzungsdauer im Vergleich zur Basisannahme identischer Ersatztiere um 6 Monate.

Um das Einkommenspotenzial voll auszuschöpfen, ist es wichtiger denn je, die Produktionssicherheit durch Risikominderung zu verbessern. Dies ist insbesondere für Hochleistungskühe relevant. Dafür ist eine stärkere Fokussierung auf Fitnessmerkmale wie Fruchtbarkeit und Gesundheit erforderlich. Das realistische wirtschaftliche Potenzial einer höheren Nutzungsdauer liegt bei 10 bis 15 % höherem Einkommen pro Kuh. Dieses Potenzial würde bei C_high mit einer durchschnittlichen Nutzungsdauer von 4 Jahren und bei C_low mit 6 Jahren erreicht.

Ergebnisse
Die Gruppe C_low produziert bei ähnlicher Kuhzahl (30,7 vs. 31,5) und ähnlicher Weidefläche (21,5 vs. 19,5 ha) deutlich weniger Milch als die Gruppe C_high. Dies spiegelt sich in den Produktivitätskennzahlen wider. Die verschiedenen Einkommenskennzahlen sind jedoch nur geringfügig niedriger. Dies lässt sich durch die deutlich höheren Ausgaben von C_high für direkte Produktionsmittel und Gemeinkosten und, in geringerem Maße, durch den höheren Milchpreis und die höheren Erträge aus anderen Produkten bei C_low erklären (weitere Details in den Tabellen 5 und 6). Der etwas höhere Milchpreis der Gruppe C_low ist nachvollziehbar, da sie deutlich mehr Betriebe umfasst, die ohne Silage Rohmilchkäse herstellen oder nach ökologischen Richtlinien produzieren. Für das Gesamteinkommen und das Einkommen pro Hektar wurden nur Direktzahlungen berücksichtigt, die direkt dem Milchsektor zugeordnet werden können. Allgemeine betriebsbezogene Direktzahlungen wurden nur für die Arbeitsentlohnung berücksichtigt, die sich aufgrund des geringeren Arbeitsaufwands bei C_low ebenfalls kaum unterscheidet. Unter Berücksichtigung des eigenen Arbeitsaufwands ist die Milchproduktion bei C_high jedoch aufgrund von Skaleneffekten kostengünstiger (Gewinnschwelle 0,84 gegenüber 0,97).

Studie
Ökonomische Faktoren für die optimale produktive Lebensdauer von Milchkühen in zwei verschiedenen Schweizer Milchproduktionssystemen
Gazzarin et al.
Link

Boehringer Ingelheim erhält europäische Zulassungen für zwei Vogelgrippe-Impfstoffe

Boehringer Ingelheim, ein weltweit führender Anbieter von Präventivmedizin für Nutztiere, hat die europäischen Zulassungen für zwei Vogelgrippe-Impfstoffe (VAXXITEK® HVT+IBD+H5 und VAXXINACT® H5) durch die Europäische Kommission erhalten. Beide Impfstoffe immunisieren Hühner und Puten und VAXXINACT® H5 zusätzlich noch Enten gegen das H5-Vogelgrippevirus, das derzeit in ganz Europa zu Ausbrüchen führt.

Wichtiger Schritt zur Bekämpfung von Ausbrüchen in der Europäischen Union
Die Vogelgrippe, auch bekannt als Aviäre Influenza (AI) oder Geflügelpest, ist eine hochansteckende Krankheit, die sowohl Haus- als auch Wildvögel betrifft. Der Virusstamm H5 ist dabei der am weitesten verbreitete Stamm des Vogelgrippevirus. Da es sich um eine in Deutschland anzeigepflichtige Krankheit handelt, wird sie streng überwacht. Um die Ausbreitung der Vogelgrippe einzudämmen, müssen viele Tiere gekeult werden, was erhebliche Verluste für Geflügelproduzenten und mögliche Einschränkungen im internationalen Handel nach sich zieht. Da sich das Virus ständig weiterentwickelt, sind innovative Impfstofflösungen ein wirksames Mittel, um Ausbrüche zu verhindern und zu bekämpfen. Die Entscheidung zur Impfung gegen die Vogelgrippe liegt bei den nationalen Behörden der einzelnen Länder. Internationale Organisationen wie die WOAH (World Organisation for Animal Health) empfehlen, Präventivimpfungen in Strategien zur Bekämpfung der Vogelgrippe zu integrieren.

„Grenzüberschreitende Tierseuchen wie die Vogelgrippe werden weiterhin eine Bedrohung darstellen, daher sind neue Ansätze zur Bekämpfung dieser Infektionskrankheiten bei Tieren, insbesondere bei Nutztieren, zunehmend wichtig. Boehringer Ingelheim investiert weiterhin in Forschung und Innovation und ist bereit, Regierungen, Gesundheitsbehörden und Produzenten mit Impfstoffen und Expertise in der Überwachung sowie beim Aufbau robuster Krankheitsbekämpfungspläne zu unterstützen“, sagt Armin Wiesler, Leiter des Geschäftsbereichs Tiergesundheit und Mitglied des Vorstands.

Seit 2021 hat die hochansteckende Aviäre Influenza H5 weltweit beispiellose Ausbrüche verursacht, die sich über die meisten Kontinente ausgebreitet und massive Verluste in der Geflügelhaltung zur Folge hatten. Die Ausbrüche haben neue Regionen wie Lateinamerika und sogar die Antarktis erreicht. Die wirtschaftlichen Folgen sind gravierend: enorme finanzielle Schäden für die Geflügelindustrie, Störungen in der Verfügbarkeit von Eiern und Geflügelfleisch sowie Handelsbeschränkungen.

DIVA-Impfstoffe ergänzen Biosicherheits- und Überwachungsmaßnahmen
Die neuen Impfstoffe sind sogenannte DIVA-Impfstoffe (Differentiate Infected from Vaccinated Animals), die eine wichtige Rolle bei der Überwachung von Krankheitsausbrüchen spielen können. Sie verfügen über einen Biomarker, der die Immunantwort auf die Impfung von Antikörpern von jenen abgrenzt, die durch eine Infektion verursacht werden. In Kombination mit Überwachungsmaßnahmen sind sie entscheidend, um das Risiko von Handelsbeschränkungen zu verringern, da sie es Exporteuren und Importeuren ermöglichen, zwischen geimpften und infizierten Tieren zu unterscheiden und so Vertrauen in die Sicherheit der gehandelten Tierprodukte zu schaffen.

Exportbeschränkungen, die derzeit in verschiedenen Ländern gelten, erschweren den freien Handel trotz des Einsatzes von DIVA-Impfstoffen. Boehringer Ingelheim bittet die Politik auf nationaler und internationaler Ebene, Exportbeschränkungen zu überprüfen und anzupassen, sodass der Einsatz von DIVA-Impfstoffen als wirksames Instrument zur Krankheitsbekämpfung anerkannt wird, ohne den internationalen Handel unnötig zu beeinträchtigen.

„Indem wir kontinuierlich die Wirksamkeit unserer Impfstoffe überwachen und unsere Technologien weiterentwickeln, stellen wir den richtigen Schutz gegen das sich weiterentwickelnde Vogelgrippevirus sicher. Die DIVA-Funktion ermöglicht es unseren Abnehmern, ihre Überwachungsprogramme umzusetzen und den sicheren Handel zu unterstützen, während gleichzeitig geimpft wird“, sagt Taoufik Rawi, Head of Franchise Geflügel. „Die Zulassungen von Impfstoffen gegen Hochpathogene Aviäre Influenza ist von entscheidender Bedeutung, um die Bereitschaft zur Bekämpfung von Vogelgrippeausbrüchen in Europa zu erhöhen.“

Quellenangaben:
1) Vaxxinact H5 | European Medicines Agency (EMA), Stand: 17.12.2025
2) Vaxxitek HVT+IBD+H5 | European Medicines Agency (EMA), Stand: 17.12.2025

Quelle: Boehringer Ingelheim

Studie: Schwanzbeißen im Fokus

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Schwanzbeißen ist ein anhaltendes Wohlstandsproblem bei Mastschweinen. Die Identifizierung von Schweinen, die mit dem Schwanzbeißen beginnen, und das Verständnis der auslösenden Faktoren bleiben eine Herausforderung. Diese Studie* hatte das Ziel, Schwanzbeißer zu identifizieren und zu charakterisieren sowie das Wachstum, Schwanzverletzungen und das Schwanzbeißen zwischen Schwanzbeißern und Nicht-Schwanzbeißern zu vergleichen.

Es wurden 432 Schweine mit intakten Schwänzen im Alter von 9 Wochen in kleine (9 Schweine/Abteil) oder große (18 Schweine/Abteil) Gruppen eingeteilt. Sie blieben dort bis zum Schlachtgewicht mit 23 Wochen im selben Abteil. Die Wachstumsleistung wurde über einen Zeitraum von 14 Wochen gemessen. Schwanzverletzungen wurden wöchentlich bei allen Schweinen mit einer Skala von 0-4 bewertet (0 = keine Verletzung; 1 = verheilte Verletzung; 2 = sichtbares Blut; 3 = Wunden oder Abszesse; und 4 = Schwanzverlust). Die höchste Bewertung, die jedes Schwein während des Studienzeitraums erhielt, wurde als „Maximale Schwanzbewertung“ (Maximal Tail Score, MTS) definiert. Ein „Schwanzbeißausbruch“ (Tail-Biting Outbreak, TBO) wurde bestätigt, wenn ein Schwein in einem kleinen Abteil oder zwei Schweine in einem großen Abteil eine Bewertung von ≥ 2 erreichten.

Das Verhalten der Schweine wurde über 14 Wochen hinweg kontinuierlich mit dem NUtrack Livestock Monitoring System aufgezeichnet. Das NUtrack-System wurde an der University of Nebraska – Lincoln durch die Zusammenarbeit von Forschern des Fachbereichs Tierwissenschaften und des Fachbereichs Elektrotechnik und Informationstechnik entwickelt. Es ist eine computergestützte Form der Präzisions-Tierhaltungstechnologie, die in der Lage ist, in Gruppen gehaltene Nutztiere genau zu identifizieren, die Identifizierung aufrechtzuerhalten und deren Verhalten kontinuierlich zu verfolgen.

Videos von 08:00 bis 15:00 Uhr am Tag vor dem ersten TBO in jedem Abteil wurden manuell angesehen, um die Identität und das Geschlecht der Schwanzbeißer sowie der von ihnen gebissenen Schweine zu erfassen. Die Schwanzbisse pro Schwein, die Gesamtzahl der Schwanzbisse pro Abteil und die Schwanzbisse pro Schwein als Prozentsatz der Gesamtzahl der Schwanzbisse im Abteil wurden mittels ANOVA (Varianzanalyse) zusammengefasst.

Die 25 % der Schweine mit den meisten Schwanzbissen (# TB) und dem höchsten Anteil an Schwanzbissen (% Gesamt TB) wurden in jeder Gruppengröße als Schwanzbeißer klassifiziert. In kleinen Buchten führten Schwanzbeißer mindestens sechs Schwanzbisse aus und trugen zu mindestens 20,0 % aller Schwanzbisse in der Bucht bei, während Schwanzbeißer in großen Buchten für mindestens vier Schwanzbisse verantwortlich waren und mindestens 10,6 % aller Schwanzbisse in der Bucht ausmachten.

Die Anfangsgewichte unterschieden sich nicht zwischen Beißern und Nicht-Beißern; Beißer hatten jedoch ein geringeres Endgewicht (P = 0,03) und eine niedrigere durchschnittliche tägliche Zunahme (P = 0,02) als Nicht-Beißer. Bei den Beißern handelte es sich überwiegend um Jungsauen, die 70 % der Gruppe ausmachten. Im Durchschnitt wurden Beißer seltener in den Schwanz gebissen als Nicht-Beißer (P = 0,0001). Es wurde kein Unterschied in der maximalen Schwanzbewertung (MTS) zwischen Beißern und Nicht-Beißern festgestellt.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Schwanzbeißer überwiegend Jungsauen waren, eine geringere tägliche Zunahme und ein niedrigeres Endgewicht aufwiesen und seltener Schwanzbisse erlitten als Nicht-Beißer.

*Studie:
Archer, C. A., Forster, S. L., Mote, B. E., Schmidt, T. B., Johnston, L. J., & Li, Y. Z. (2025). Identifying tail-biting pigs in small and large groups of growing-finishing pigs with intact tails. Journal of Animal Science, 103, Supplement 1, Abstract 40. Doi: 10.1093/jas/skaf102.005.
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Studie: Hat Nabeldesinfektion Auswirkungen auf die Gesundheit neugeborener Kälber?

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Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die fehlende Desinfektion der Nabelschnur neugeborener Kälber zu Nabelinfektionen beitragen und potenziell zu Folgeerkrankungen wie Atemwegserkrankungen und Durchfall führen kann.

Diese Pilotstudie* hatte zum Ziel: 1) die Verbreitung der Nabeldesinfektionspraktiken bei neugeborenen Fleischrindkälbern in Kanada zu untersuchen und 2) die Auswirkungen von zwei Nabelbehandlungsmethoden auf Morbidität und sichtbare klinische Ergebnisse zu bewerten, bei denen entweder der Nabel in eine 7%-Jodtinktur getaucht oder mit dieser besprüht wurde. Die Morbidität bezeichnet die Krankheitshäufigkeit in einer Gruppe innerhalb eines bestimmten Zeitraums.

Eine Online-Umfrage wurde über soziale Medien und bei einer Veranstaltung der Fleischrinderindustrie in Alberta im März 2025 verbreitet. Die Morbiditätsdaten von 85 männlichen und weiblichen Angus-Kreuzungskälbern (n = 42–43 pro Behandlung) aus einer Herde in Olds, Alberta, Kanada, wurden bis zum Alter von 40 Tagen erfasst. Eine Teilstichprobe (n = 26 pro Behandlung) wurde innerhalb der ersten 15 Stunden nach der Geburt (Baseline) und anschließend wöchentlich bis zum 28. Lebenstag anhand visueller klinischer Parameter untersucht.

Nach dem Kalben wurden die Mutterkühe mit ihren Kälbern in Außenboxen mit Unterstand, Stroheinstreu und freiem Zugang zu Wasser und Futter untergebracht. Folgende klinische Parameter wurden anhand einer vierstufigen Skala in aufsteigender Reihenfolge des Schweregrades bewertet: Nasen- und Augenausfluss, Husten, Kotkonsistenz und Nabelvergrößerung. Der Zustand der Nabelschnur wurde anhand einer dreistufigen Skala beurteilt, wobei 0 bedeutete, dass die Nabelschnur abgefallen war, 1 Anzeichen von Austrocknung und 2 feuchtes Gewebe anzeigte.

Von den insgesamt 39 Befragten der Umfrage stammten die meisten aus Alberta (36 %) und Ontario (36 %), gefolgt von Manitoba (26 %) und Saskatchewan (3 %). Die Mehrheit (79 %) waren kommerzielle Erzeuger, 8 % hielten reinrassige Tiere und 13 % hielten beide Rassen. Die Kalbeorte variierten: 36 % nutzten Ställe, 36 % Weidehaltung und 23 % Außenboxen oder Mastbetriebe, während die restlichen 5 % der Erzeuger zwischen Stallhaltung und Freilandhaltung wechselten.

Insgesamt behandelten 36 % der Landwirte die Nabel ihrer Kühe, 41 % nicht und 23 % nur gelegentlich. Von denjenigen, die behandelten (23 von 39), verwendeten 52 % 10%ige Jodtinktur, 26 % 7%iges Jod, während die übrigen Jodophor-haltige Produkte (8 %), Povidon-Jod (4 %) oder gar keine Behandlung (8 %) anwendeten. Der Behandlungszeitpunkt variierte: 32 % behandelten innerhalb einer Stunde nach dem Kalben, weitere 32 % zwischen 1 und 6 Stunden, 27 % zwischen 6 und 24 Stunden und die übrigen Landwirte erst mehr als zwei Tage nach dem Kalben. 51 % der Landwirte berichteten von Nabelinfektionen in ihren Herden, während 49 % keinen Fall beobachtet hatten. Insgesamt wurden 40 Krankheitsfälle festgestellt, davon 14 % Lungenentzündung, 18 % Nabelinfektion und 1 % Durchfall. Es wurden jedoch keine Unterschiede hinsichtlich Morbidität oder visueller klinischer Parameter beobachtet. Es zeigte sich eine Variabilität in den Nabeldesinfektionspraktiken kanadischer Rinderzüchter, jedoch ist weitere Forschung erforderlich, um die Wirksamkeit verschiedener Desinfektionsmethoden auf die Gesundheitsergebnisse zu bewerten.

Studie*:
Abbey Kramer et al. (2025): Evaluating navel disinfection practices and health outcomes in newborn beef calves in Canada: A pilot-study. Journal of Animal Science, Volume 103, Issue Supplement_3, October 2025, Pages 332–333
Link

Webinar: „Genetik in der Rinderzucht – Bedeutung für Gesundheit und Fruchtbarkeit“

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Das nächste Webinar des Schweizer Rindergesundheitsdienstes findet am 7. Januar 2026 statt: „Genetik in der Rinderzucht – Bedeutung für Gesundheit und Fruchtbarkeit“ und die Schweizer freuen sich bestimmt auch über deutsche Teilnehmer.

Programm
19.30 – 20.00
Franz Seefried, Genetiker, Qualitas
Fruchtbarkeit beim Rind, die Rolle der Genetik

20.00 – 20:30
Cord Drögemüller, Professor für Nutztiergenetik, Universität Bern
Genetisch bedingte Störungen beim Milchvieh

20:30 – 21.00
Sarah Widmer, Genetikerin, Qualitas
Zuchtwertschätzung Gesundheitsmerkmale mit Fokus auf neue Zuchtwerte Klauengesundheit

21:00 – 21.30
Simon Schlebusch, Agronom ETH, Braunvieh Schweiz
Fitness im Fokus: Ein Zuchtprogramm für langlebige und gesunde Kühe

Die Anmedlung, teilt der RGS mit, ist bis 17:00 am 7. 1.möglich. Die Teilnahme ist kostenlos. Weitere Informationen zu Veranstaltung und Anmeldung finden Sie hier.

E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 6/2025 erschienen!

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„Der Hoftierarzt“ Ausgabe 6/2025 steht für Sie zum Abruf bereit und bietet folgende Themen:

• Neuer Ansatz zum Trockenstellen – Den Milchfluss schneller stoppen

• Schaumann Quattro: Ergänzungsfuttermittel mit Schutz gegen ein breites Erregerspektrum

• X-Dry 8000 – Die ideale Milchfieberprophylaxe für Milchkühe

• Studie: Hat Nabeldesinfektion Auswirkungen auf die Gesundheit neugeborener Kälber?

• DeLaval: Milchzellenanalyse für Melkroboter

• Lallemand: Einstreuen gegen Keimdruck

• Faser: Ein Multitool in der Rationsgestaltung für Schweine

• BioTag+: Die intelligente Ohrmarke für Sauen mit integriertem Temperatur- und Bewegungssensor

• WEDA Opti.Fill: Der Portionszähler für Abrufstation

• Studie: Schwanzbeißen im Fokus

• Poultrystart 3.0 – das unterschätzte Potenzial von Wassermanagement in der Kükenphase

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Afrikanische Schweinepest: Vorbeugen statt bekämpfen

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Aufklärungsvideos zeigen, wie die Viruseinschleppung verhindert werden soll

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) breitet sich weiterhin in Europa aus. Auch Niedersachsen bereitet sich weiterhin intensiv auf mögliche Einträge des ASP-Virus und die daraus resultierenden Konsequenzen vor. Eine von Niedersachsen initiierte, länderübergreifende ASP-Übung entlang der Wertschöpfungskette wurde kürzlich abgeschlossen und wird noch evaluiert.

Der Fokus liegt aber weiterhin auch auf der Prävention. Um auf die Gefahren der Tierseuche hinzuweisen, hat die Niedersächsische ASP-Sachverständigengruppe die Erstellung von Aufklärungsvideos in Auftrag gegeben, um die breite Öffentlichkeit und insbesondere Jägerinnen und Jäger sowie Landwirtinnen und Landwirte für die Thematik zu sensibilisieren und auf präventive Maßnahmen hinzuweisen.

Die drei ASP-Kurzfilme sind auf der Webseite bzw. auf dem YouTube-Kanal des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (ML) abrufbar. Die Filme wurden finanziert vom ML, dem Landvolk Niedersachsen, der Landesjägerschaft Niedersachsen sowie dem Zentralverband der Jagdgenossenschaften und Eigenjagden in Niedersachsen (ZJEN).

Dass das Virus der Afrikanischen Schweinepest „große Sprünge“ vollziehen kann, hat nicht nur die Verschleppung des Virus nach Nordrhein-Westfalen gezeigt, wo aktuell weiterhin Ausbrüche zu verzeichnen sind. Durch genetischen Abgleich wurde dort eine hohe Übereinstimmung mit ASP-Viren aus der italienischen Region Kalabrien nachgewiesen. Zuletzt wurde das ASP-Virus zudem auch bei Wildschweinen in Spanien festgestellt.

Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte: „Die enormen wirtschaftlichen Konsequenzen für die Schweinebranche in den betroffenen Regionen sowie das große Tierleid, das mit einer Infektion mit dem Erreger für jedes einzelne Tier einhergeht, gilt es für Niedersachsen so lange wie möglich abzuwenden. Ich danke allen die mithelfen, die ASP von Niedersachsen fernzuhalten. Die nun veröffentlichten Filme zeigen, was jeder und jede Einzelne beitragen kann. Parallel arbeitet mein Haus fortlaufend an Lösungen, um die Folgen bei einem möglichen erneuten Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Niedersachsen so gut wie möglich abzufedern.“

Unter Vorsitz des Landwirtschaftsministeriums und der Geschäftsführung des LAVES beschäftigt sich die Niedersächsische ASP-Sachverständigengruppe fortlaufend mit Fragen der Prävention und Bekämpfung der ASP. An ihr beteiligen sich unter anderem das Landvolk, die Landesjägerschaft Niedersachsen, der Zentralverband der Jagdgenossenschaften und Eigenjagden in Niedersachsen e.V., kommunale Veterinärbehörden sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Einrichtungen. Die hochinfektiöse Viruserkrankung befällt Haus- und Wildschweine. In der Regel verläuft sie tödlich. Für Menschen und andere Tiere ist das Virus ungefährlich.

Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Schweinemäster profitieren von Zinsvorteilen

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Rentenbank akzeptiert CO2-Berechnung über QS-Klimaplattform

Schweinemäster, die ihre betriebsindividuelle Klimabilanz über die QS-Klimaplattform berechnen, können zukünftig von einem Zinsbonus der Landwirtschaftlichen Rentenbank profitieren. Dieser Bonus wird nach Vorlage des Berechnungsnachweises unabhängig vom Ergebnis der Treibhausgasbilanzierung gewährt. Aktuell beträgt der Zinsbonus 25 Prozentpunkte auf die jeweilige Kondition des Landwirts bei der Rentenbank (Basis/Top/Premium).

Die neue QS-Klimaplattform erfüllt sämtliche Anforderungen der Rentenbank an eine Klimabilanz, die als Grundlage für den Zinsbonus „Klimabilanz“ dient: Sie entspricht dem Berechnungsstandard für einzelbetriebliche Klimabilanzen (BEK) in der Landwirtschaft, umfasst mindestens die Produktionszweigebene und weist den Treibhausgas- Fußabdruck in CO2-Äquivalenten je Einheit aus. Die betriebsindividuellen Ergebnisse werden zudem im Vergleich zu anderen landwirtschaftlichen Betrieben eingeordnet.

„Die Akzeptanz der CO2-Berechnung über die QS-Klimaplattform seitens der Landwirtschaftlichen Rentenbank ist ein entscheidendes Signal an die Tierhalter, wie sinnvoll und wichtig die Treibhausgasbilanzierung sein kann“, betont Dr. Alexander Hinrichs, Geschäftsführer der QS Qualität und Sicherheit GmbH. Erstmals stehen durch die Dateneingabe in der QS-Klimaplattform und der automatischen Berechnung im Klima-Check der LfL Bayern verlässliche und vergleichbare Zahlen aus der Tierhaltung zur Verfügung, die nachhaltiges Wirtschaften der Land- und Fleischwirtschaft unterstützen.

Seit Oktober können Schweinemäster aus ihren Betriebsdaten konkrete CO2-Werte berechnen und diese der Fleischwirtschaft für CSRD-Berichtspflichten zur Einsicht freischalten. Gleichzeitig können die Tierhalter diese Daten auch gegenüber Banken und Versicherungen nutzen, die zunehmend Interesse an der CO2-Bilanz ihrer Kunden zeigen.

Nach dem erfolgreichen Start für die Schweinemast koordiniert QS aktuell die Erweiterung des Angebots für Rinder- und Geflügelbetriebe, den Ackerbau sowie für die Obst-, Gemüse- und Kartoffelbranche. Das Angebot ist freiwillig, offen für alle und kostenfrei für QS-Systempartner.

Quelle: QS Qualität und Sicherheit GmbH

Bundeskabinett beschließt Aufnahme des Wolfs ins Bundesjagdgesetz

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Rechtssichere Entnahme von Wölfen, Herdenschutzmaßnahmen werden gestärkt

Zum Schutz von Weidetieren: Der Wolf wird – wie im Koalitionsvertrag vereinbart – in das Bundesjagdgesetz (BJagdG) aufgenommen. Das sieht der vom Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, Alois Rainer, vorgelegte Gesetzentwurf vor, den das Bundeskabinett heute beschlossen hat. Dabei wird der präventive Herdenschutz als zentral für den Schutz der Weidetiere hervorgehoben: Die Finanzierung von Zäunen oder Herdenschutzhunden wird weiterhin unterstützt. Durch die Gesetzesänderung können die Länder in Regionen mit hoher Wolfsdichte und günstigem Erhaltungszustand ein Bestandsmanagement einführen. Wo Wölfe Herdenschutzmaßnahmen überwinden, können sie rechtssicher entnommen werden. In Gebieten, in denen präventiver Herdenschutz unzumutbar ist – etwa in der alpinen Region – ist eine Entnahme zur Vermeidung von Weidetierrissen ebenfalls möglich.

Dazu sagt Bundesminister Rainer: „Weidetierhaltung ist das Herzstück unserer Kulturlandschaft – sie prägt unsere Heimat von den Deichen im Norden bis zu den Almen im Süden. Doch wo Herden grasen, ist der Wolf längst kein Zaungast mehr, sondern Teil des Alltags. Für viele Tierhalter bedeutet jeder Riss nicht nur einen wirtschaftlichen Verlust, sondern auch emotionale Belastung. Wir halten Wort und sorgen dafür, dass Weidetierhalter nachts endlich ruhig schlafen können. Mit der Aufnahme des Wolfs ins Bundesjagdgesetz kommen klare, praxistaugliche Regeln und Rechtssicherheit. Damit kann dort gehandelt werden, wo Zäune oder Herdenschutzhunde nicht mehr ausreichen – gerade auch in den alpinen Regionen. Wir stehen an der Seite der Tierhalter, verlässlich und mit Respekt für ihre tägliche Arbeit.“

Im Einzelnen sieht der Gesetzentwurf folgende Regelungen vor:

• Regionales Bestandsmanagement: Mit der Aufnahme des Wolfs in das BJagdG wird den Ländern die Möglichkeit eines regionalen Bestandsmanagements gegeben. Das bedeutet: In Regionen mit hohen Wolfszahlen, wo der günstige Erhaltungszustand festgestellt wurde, können Managementpläne aufgestellt und so die Zahl der regional lebenden Wölfe reguliert werden. In diesem Rahmen ist eine Jagdzeit von 1. Juli bis 31. Oktober vorgesehen.

• Entnahme von Wölfen: Haben Wölfe Herdenschutzmaßnahmen überwunden und Weidetiere verletzt oder getötet, ist eine leichtere, rechtssichere Entnahme der Wölfe, unabhängig vom Erhaltungszustand, möglich.

• Ausweisung von Weidegebieten: In einigen Regionen Deutschlands ist präventiver Herdenschutz, zum Beispiel das Aufstellen von Zäunen, aufgrund der geografischen Gegebenheiten, wie Hangneigung, Bodenbeschaffenheit oder Lage an Gewässern nicht möglich. Das ist beispielsweise in den Alpen (Almwiesen) oder an den Küsten (Deiche) der Fall. Die Bundesländer bekommen nun die Möglichkeit, bestimmte Weidegebiete auszuweisen, um hier den Schutz der Weidetiere durch die Entnahme der Wölfe sicherzustellen.

• Finanzierung Herdenschutz: Derzeit ist die Finanzierung von Herdenschutzmaßnahmen über die Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz (GAK) geregelt. Wir überprüfen diese Regelungen mit dem Ziel, Verbesserungen bei der Förderung des Herdenschutzes zu erzielen.

• Bericht an den Bundestag: Nach fünf Jahren berichtet die Bundesregierung dem Deutschen Bundestag, inwieweit sich die Regelungen bewährt haben.

• Kein Handel mit Wolfstrophäen: Die Regeln der EU-Artenschutzverordnung gelten auch weiterhin für den Wolf: Damit sind Zurschaustellung und Handel mit toten Wölfen auch künftig verboten.

Zudem soll ein Runder Tisch „Wald/Wild“ eingerichtet werden, bei dem BMLEH, BMUKN, Länder sowie Wald-, Umwelt- und Jagdverbände bis Ende 2026 Ergebnisse zum Wald-Wild-Konflikt vorlegen wollen.

Hintergrund:
Die Wolfsbestände in Europa sind in den vergangenen zehn Jahren stark gewachsen – von 11.200 Tieren im Jahr 2012 auf über 20.300 im Jahr 2023. In Deutschland leben derzeit 209 Wolfsrudel, vor allem in Brandenburg, Niedersachsen und Sachsen. Parallel dazu steigt die Zahl der Wolfrisse: Im Jahr 2024 wurden rund 4.300 Nutztiere, überwiegend Schafe und Ziegen, von Wölfen gerissen, zum Teil trotz der weiterhin wichtigen Herdenschutzmaßnahmen wie Zäunen und Herdenschutzhunden.

Deutschland hat der EU-Kommission dieses Jahr den „günstigen Erhaltungszustand“ des Wolfs in der atlantischen und der kontinentalen Region gemeldet. Damit sind die Voraussetzungen gegeben, um den Ländern in Regionen mit einem guten Erhaltungszustand die Gelegenheit für ein regionales Wolfsmanagement einzuführen. Mit der Aufnahme des Wolfs in das Bundesjagdgesetz und den entsprechenden Anpassungen im Bundesnaturschutzgesetz ist dafür die rechtliche Grundlage geschaffen. Bereits Anfang des Jahres war der Wolf von „streng geschützt“ auf „geschützt“ in der Berner Konvention herabgestuft worden.

Quelle: BMLEH

GRT X-PRO bietet Topleistung unter anspruchsvollen Bedingungen im Rinderstall

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Wohlbefinden, beugt Parasitenbefall vor und verbessert die Sauberkeit der Tiere. Um die Stresslevel der Tiere während der Schur gering zu halten und dabei trotzdem einen hohen Durchsatz zu gewährleisten, sind leistungsstarke Schermaschinen essenziell. Dort setzt die Neuentwicklung GRT X-PRO an. Die Akkuschermaschine ermöglicht flexibles und effizientes Arbeiten dank starker Akkuleistung. Sie wurde für dichte Fellstrukturen und lange Arbeitstage im Stall entwickelt. Sie bietet einen 14,4-V-Akku mit Ladeanzeige, eine dreistufiger PAN-Steuerung und mit bis zu 2.500 Doppelhüben pro Minute bei rund 70 dB(A) ein angenehmes Handling. Das Modell ist robust gebaut, verfügt über einen wartungsfreien HGW-Exzenter-Antrieb und lässt sich dank werkzeuglos entfernbarem Luftfilter besonders einfach reinigen.

Die Göbel RazorCut Technology (GRT) bringt in Zusammenarbeit mit ihrem langjährigen Partner LISCOP die neuen X-Series Akku- Schermaschinen auf den Markt. Die Produktlinie vereint moderne Antriebstechnik, präzise Schnittleistung und hohen Bedienkomfort. Die vollständig in Deutschland gefertigten Maschinen setzen neue Maßstäbe in den Bereichen Qualität, Langlebigkeit und Tierwohl. So sorgen die neuen GRT Akku-Schermaschinen für einen präzisen Schnitt mit ihren robusten Scherköpfen und einen besonders ruhigen Lauf. Der Fokus liegt dabei auf niedriger Geräuschentwicklung, hoher Leistung und einer Bauweise, die auch bei längerem Einsatz komfortabel bleibt.

Weitere Informationen zum Produktprogramm unter: https://www.grt-shear.de/

Quelle: Fritz Göbel und LISCOP

Typisch Schwein digital 2026: Aktuelles Wissen für mehr Erfolg im Stall

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Auch 2026 lädt Boehringer Ingelheim wieder zu seiner beliebten Online-Seminarreihe „Typisch Schwein digital“ ein. An vier Abenden im Januar erwartet Schweinehalter*innen und Tierärzt*innen aktuelles Fachwissen rund um Fruchtbarkeit, Impfmanagement, Infektionskrankheiten und Darmgesundheit – praxisnah, kompakt und kostenfrei.

Den Auftakt am 8. Januar 2026 bildet das Thema „Typisch Fruchtbarkeit: Neue Erkenntnisse, neue Empfehlungen (Teil 2)” mit Gerd Vahrenhorst (GFS – Genossenschaft zur Förderung der Schweinehaltung eG) und Hebert Heger, die wertvolle Einblicke in das Geburts- und Besamungsmanagement geben.

Am 15. Januar folgen praxisorientierte Vorträge von Sophie Diers (LVZ Futterkamp) und Herbert Heger zu Impfstrategien zur neuen Sauenhaltung mit Auslauf.

Am 22. Januar geht es um PRRS und PCV2 mit spannenden Praxisfällen und deren Aufarbeitung von Markus Hellenschmidt und Dr. Jochen Beckjunker.

Zum Abschluss am 27. Januar widmen sich Prof. Dr. Christian Visscher (TiHo) und Markus Hellenschmidt der Darmgesundheit aus biologischer und ökonomischer Sicht.

Beginn ist jeweils um 19:00 Uhr.

Die Teilnahme ist kostenfrei, ITW-/ATF-Anerkennungen sind beantragt. Anmeldung unter: https://typischschwein.de

Klimaschonende Milchkuhhaltung: ein Gewinn für Umwelt und Betriebe

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Leitfaden für Landwirtschaft – Ziel: weniger Treibhausgase

Mit einem neuen kompakten Leitfaden gibt die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) Betrieben mit Milchkuhhaltung wertvolle Tipps, um klimaschädliche Treibhausgase (THG) wie Methan und Lachgas zu reduzieren – mit geringem Mehraufwand und ohne wesentliche Mehrkosten. Zugleich wird so strikteren Vorgaben zum THG-Ausstoß Rechnung getragen. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) hat das Projekt mit rund 281.000 Euro gefördert. Nun steht der Leitfaden kostenfrei bereit.

Umbau zur klimaschonenden Landwirtschaft muss finanzierbar bleiben
Der Anteil der Landwirtschaft an in Deutschland ausgestoßenen, klimaschädlichen Treibhausgasen beträgt laut Umweltbundesamt 8,2 Prozent. Das entspricht 53,7 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2)-Äquivalenten. Den Großteil davon nehmen Methan, hauptsächlich aus der Tierhaltung (62,1 Prozent), sowie Lachgas meist aus mineralischen und organischen Düngern (33,4 Prozent) ein. DBU-Generalsekretär Alexander Bonde: „Wir brauchen betriebsindividuelle Lösungen zur Reduktion der hohen Treibhausgas-Emissionen. Allerdings müssen die Betriebe diese Veränderungen auch finanziell stemmen können.“ Genau dies ist Ziel des von der DBU geförderten LfL-Forschungsprojekts: Forschende haben seit 2021 einen Leitfaden zur Verbesserung der Treibhausgas-Bilanz von Milchkuh-Betrieben entwickelt. Projektbearbeiterin Diana Schneider: „Neben der Senkung klimaschädlicher Emissionen nimmt der Leitfaden auch Wechselwirkungen mit anderen Nachhaltigkeitsaspekten wie Nahrungskonkurrenz und Flächennutzung in den Blick.“ Auch eine ökonomische Bewertung sei für alle Maßnahmen durchgeführt worden. Die dafür notwendigen Modellierungen wurden Schneider zufolge mit dem Klimarechner der LfL durchgeführt: Dem LfL Klima-Check.

Neun Ansätze zur Reduktion von Treibhausgasen
Insgesamt 30 Landwirtschaftsbetriebe hat das Projekt laut Schneider untersucht – 14 im Östlichen Hügelland Schleswig-Holsteins und 16 im Berchtesgadener Land in Bayern. Kooperationspartner waren die Universität Kiel, die Milchwerke Berchtesgadener Land Chiemgau und die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein. Schneider: „Aus den Erkenntnissen sind neun Ansätze entstanden, wie Milchproduzenten ihre Treibhausgas-Emissionen reduzieren können.“ Dabei ist Schneider wichtig, dass „die Ergebnisse keine Detailanleitung für alle deutschen Betriebe sind – dafür ist die Branche viel zu divers“. Stattdessen diene der Leitfaden als Denkanstoß für die Landwirtschaft sowie für Beraterinnen und Berater. „Mit den Fachleuten muss schließlich die beste Lösung für jeden Betrieb erarbeitet werden“, so Schneider.

Intelligenter Einsatz von Ressourcen spart Geld, schützt das Klima und hält die Tiere gesund
Eine der wichtigsten Erkenntnisse: „Wer Ressourcen intelligent einsetzt, spart selbst bei gleichbleibendem Ertrag Geld und leistet gleichzeitig einen Beitrag zum Klimaschutz“, sagt Schneider. Dies beziehe sich auf viele im Leitfaden detailliert ausgearbeitete Aspekte. Unter anderem kann Schneider zufolge eine Verlängerung der Nutzungsdauer angestrebt werden. Dadurch sinken die Emissionen aus der Bestandsergänzung, denn die Kuh bleibt länger produktiv, gesund und es müssen weniger Kalbinnen – also junge, weibliche Kühe ohne ersten Nachwuchs – aufgezogen werden. „Ein anderer Ansatz ist beispielsweise die Optimierung des Erstkalbealters, denn die Tiere treten eher in ihre produktive Phase ein. Dadurch sinken Emissionen und auch Kosten in der Jungviehaufzucht Solche Synergieeffekte seien Gegenstand der Projektforschung gewesen, so Schneider.

Verlängerte Weidezeit, weniger Emissionen
Beim Anbau von eigenem Futter können Milchkuhbetriebe laut Schneider Überdüngung vermeiden, was wiederum Ressourcen spart und das Ausgasen von Lachgas reduziert. „Ein weiterer Synergieeffekt kann durch eine verlängerte Weidezeit erreicht werden, denn durch die Kot-Harntrennung auf der Weide wird weniger Ammoniak gebildet. Dieses ist zwar selbst nicht klimaschädlich, kann sich aber in das sehr klimaschädliche Lachgas umwandeln.“ Auch die Anpassung der Fütterung, beispielsweise durch die Nutzung von Reststoffen aus der Lebensmittelindustrie wie Biertreber, kann Schneider zufolge die Treibhausgasemissionen senken: „Denn durch die Rest- und Abfallstoffe entstehen kaum zusätzliche Emissionen.“ Die Betriebe müssten dann jeweils die individuell besten Lösungen für ihren Standort finden.

Spürbarer Sinneswandel innerhalb der Branche
Seit Beginn des Projekts stellt Schneider „einen spürbaren Wandel beim Interesse der Branche an der Treibhausgas-Reduktion“ fest. Anfangs hätten nur wenige Betriebe, Beratungsstellen und Molkereien die Entwicklungen verfolgt. Kurz vor Abschluss des Leitfadens sei das Interesse jedoch stark gewachsen. „Da konnten wir uns vor Anfragen kaum retten“, sagt Schneider. Aus ihrer Sicht ein klares Indiz für den Sinneswandel der Branche. Die Betriebe hätten „die Chancen einer Umstellung auf eine Milchproduktion mit geringeren Treibhausgasen erkannt – und suchen nach umsetzbaren, praktischen Lösungen“.

Quelle: Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

Rindergrippe – sind Impfungen die Lösung?

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Von Dr. Ingrid Lorenz, Tiergesundheitsdienst Bayern e.V.

In den letzten beiden Jahren hat sich etwas auf dem Impfstoffmarkt in Sachen Rindergrippe getan. Zunächst kam ein Impfstoff gegen das respiratorische Coronavirus auf den Markt und Anfang des Jahres wurde noch ein Impfstoff gegen Mykoplasma bovis verfügbar, der bereits im Vorjahr zugelassen wurde. Werden dadurch unsere Sorgen mit Bezug auf die Rindergrippe weniger? Um das einschätzen zu können, muss man sich die Hintergründe der Erkrankung genauer anschauen.

Unter dem Begriff Rindergrippe werden Erkrankungen der Atemwege zusammengefasst, die durch verschiedene Viren und Bakterien hervorgerufen werden können. Diese Infektionserreger alleine können allerdings ein abwehrstarkes Rind unter günstigen Haltungsbedingungen in der Regel nicht krank machen. Daher spricht man bei der Rindergrippe, ebenso wie beim Kälberdurchfall, von einer klassischen Faktorenerkrankung. Impfungen sind ein Faktor unter vielen, die bei bestandsweise gehäuft auftretenden Erkrankungen in Betracht gezogen werden müssen.

Welche Infektionserreger sind beteiligt?
In der Regel handelt es sich um Mischinfektionen, wobei die Gruppe der mit der Rindergrippe in Zusammenhang gebrachten Viren am Größten ist. Traditionell wird den Viren eine Art Schrittmacherfunktion (Wegbereiter) für die beteiligten Bakterien nachgesagt. Das bedeutet, dass die Virusinfektion die Abwehrmechanismen des Atmungsapparates schädigt, so dass sich anschließend bakterielle Infektionen leichter ausbreiten können. Mittlerweile wird allerdings auch vermutet, dass unter besonders ungünstigen Bedingungen Bakterien alleine auch Erkrankungen auslösen können. In jedem Fall bestimmen aber die beteiligten Bakterien die Schwere und den Verlauf der Erkrankung. Gegen sie richten sich auch vornehmlich die einzuleitenden Behandlungsmaßnahmen. Die wichtigsten bakteriellen Erreger sind Mannheimia haemolytica und Pasteurella multocida. Sie haben unter anderem die Fähigkeit, Gewebsgifte (Toxine) zu bilden, die das Lungengewebe zum Absterben bringen. Derart zerstörte Lungenbereiche werden schlechter durchblutet und können deshalb von antibakteriellen Medikamenten nur noch eingeschränkt oder überhaupt nicht mehr erreicht werden. Zudem fallen diese Lungenbezirke meist auf Dauer für den Gasaustausch aus. In verschleppten (chronischen) Fällen kommt häufig ein weiteres Bakterium (Trueperella pyogenes) hinzu. Dieser typische Eitererreger findet sich vornehmlich in Abszessen, die in absterbendem Lungengewebe entstehen. Bei derart veränderten Lungen verschlechtern sich die Heilungschancen drastisch. Mykoplasmen spielen eine gewisse Sonderrolle im Rindergrippegeschehen. An diese Erreger muss gedacht werden, wenn Erkrankungen ungewöhnlich schlecht auf die gewohnte Behandlung ansprechen oder wenn auch Ohrentzündungen oder Gelenksentzündungen bei den Patienten auftreten.

Welche Umweltfaktoren haben einen Einfluss?


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Mykotoxine im Schweinefutter: Latente Gefahr mit großen Folgen

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Von Dr. Manfred Weber, Leiter Zentrum für Tierhaltung und Technik, Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau Sachsen-Anhalt, Iden

Fütterungsbedingte Gesundheitsprobleme beim Schwein werden häufig nicht sofort als solche erkannt, insbesondere dann, wenn Mykotoxine die Ursache sind. Denn die durch Pilze gebildeten Gifte treten oft in geringer, aber dauerhaft wirksamer Konzentration auf und entfalten ihre schädliche Wirkung im Verborgenen. Ob Fruchtbarkeitsstörungen, Futterverweigerung oder das zunehmend diskutierte Entzündungs- und Nekrosesyndrom (SINS), die Liste möglicher Auswirkungen ist lang.

Immer wieder führen Fusarientoxine im Schweinefutter zu Problemen, die aber häufig latent verlaufen und so vom Schweinehalter übersehen werden. Je nach Witterungsbedingungen während des Getreidewachstums kommt es zu unterschiedlichem Wachstum der Pilze und damit zu unterschiedlicher Anreicherung der als sekundäre Stoffwechselprodukte gebildeten Pilzgifte. Aber auch Ergotalkaloide bereiten in Jahren mit besonders guten Wachstumsbedingungen für den Pilz Calviceps purpurea Schwierigkeiten. Die sich entwickelnden Mutterkörner sind aber zumindest im nicht geschroteten Getreide recht gut zu erkennen.

Zearalenon (ZEA)
Eine Belastung des Tieres mit Zearalenon wirkt sich in erster Linie auf die Fruchtbarkeit aus. Grund dafür ist die Struktur des ZEA und seiner Metaboliten. Sie ähnelt sehr dem Östrogen und konkurrieren mit den körpereigenen Östrogenen um die Bindung an Östrogenrezeptoren unter anderem an den Eierstöcken, am Hypothalamus und an der Hirnanhangsdrüse. Es greift damit in den regulierten Hormonkreislauf des Östrogens ein und vermittelt Östrogenwirkungen, die sich als Hyperöstrogenismus bei Schweinen manifestieren können. Dabei zeigen die Schweine Vergrößerungen der inneren und äußeren Geschlechtsorgane und Zyklus- und Fruchtbarkeitsstörungen. Aber auch Auswirkungen auf die Würfe in Form von kleineren Würfen und vermehrten Aborten sind zu finden.
Besonders problematisch wird es, wenn Sauen in der Frühträchtigkeit, hier sind die Tage zwischen dem 7. und 10. Trächtigkeitstag besonders im Fokus, einer vermehrten ZEA-Disposition ausgesetzt sind. Die frühembrionalen Verluste sind dann besonders hoch und die Würfe entsprechend kleiner.

Wird über die gesamte Trächtigkeit Futter mit geringen oder mittelgradigen Konzentrationen von ZEA aufgenommen, äußert sich das in erster Linie in kleineren Würfen und größeren Schwankungen der Geburtsgewichte innerhalb eines Wurfes. In sehr schlimmen Fällen kann es zum Tod des gesamten Wurfes führen.
Hinweise bestehen in der Literatur auch auf einen Zusammenhang zwischen ZEA-Disposition und der Anzahl an Spreizern und Grätschern beim Ferkel.


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Aktuelles Interview: Labordiagnostik nach antibiotischer Mastitisbehandlung – sinnvoll oder überflüssig?

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Wenn eine antibiotische Behandlung bei akuter Mastitis nicht den gewünschten Erfolg zeigt, stellt sich vielen Tierhalterinnen und Tierhaltern die Frage: Macht eine labordiagnostische Untersuchung jetzt überhaupt noch Sinn? In diesem Interview erläutert Kristina Kadlec, warum Labordiagnostik auch nach bereits erfolgter Therapie wichtig sein kann, welche Rolle mikrobiologische und klinische Heilung spielen und wann kulturelle Untersuchungen oder PCR-Tests wirklich weiterhelfen. Ein Gespräch über sinnvolle Diagnostik, häufige Irrtümer und die Bedeutung einer sauberen Probennahme.

Liebe Frau Kadlec, gesetzt den Fall eine Kuh mit akuter Mastitis wurde antibiotisch behandelt, aber die Behandlung schlägt anscheinend nicht an. Können dann von dieser Kuh stammende Viertelgemelksproben zwecks Erregernachweis untersucht werden?

Klar, Viertelgemelksproben kann man bei einer laktierenden Kuh tagtäglich gewinnen und diese gewonnenen Proben dann untersuchen. Die Frage ist eher, ob es im jeweiligen Fall sinnvoll oder sogar notwendig ist.

Wenn die bisher gewählte Therapie nicht anschlägt, möchte man in vielen Fällen gerne wissen, woran es liegt. Wenn ich über eine Fortsetzung der Behandlung in anderer Form nachdenke, brauche ich weitere sachdienliche Informationen: Also ganz klar, in einer solchen Situation kann Labordiagnostik sinnvoll sein.

Die Kuh ist aber doch bereits antibiotisch behandelt und die Wartezeit auf Milch läuft noch. Sollte ich mit der Probenuntersuchung nicht warten, bis diese Wartezeit abgelaufen ist?

Ein klares Nein! Wenn der eingesetzte Wirkstoff nicht wirkt, ist der Mastitiserreger doch offensichtlich nicht oder nur wenig beeindruckt. Folglich darf ich erwarten, ihn in der aus dem behandelten Euter stammenden Milch zu finden.

Die Wartezeit auf Milch hat nur etwas damit zu tun, wie lange das Antibiotikum in der Milch in lebensmittelhygienisch betrachtet unerwünscht hoher Konzentration vorhanden ist. Antibiotika sollen weder in der Molkerei zu Problemen bei der Milchverarbeitung führen noch zum Verbraucher gelangen. Aber ein im betreffenden Fall therapeutisch nicht hilfreiches Antibiotikum in der Milch steht einer im Labor erfolgenden Suche nach Erregern nicht im Wege.

Bei den Erregern kann es sich um Keime handeln, die durch Antibiotika gar nicht abzutöten sind. Dabei denke ich an Hefen, an die zu den Algen gezählten Prototheken oder auch an Schimmelpilze. Es können auch bakterielle Erreger vorliegen, die gegen das eingesetzte Antibiotikum resistent sind. Escherichia coli zum Beispiel ist gegen Penicillin intrinsisch resistent, Penicillin-Resistenz ist für E. coli also eine Spezies-spezifische Eigenschaft. Es können aber auch Erreger vorliegen, die eine Resistenz erworben haben. Solche durch Generwerb oder durch Mutation erworbenen Resistenzen meint man in der Regel, wenn man von einem resistenten Erreger spricht. In einem solchen Fall sind andere Erreger derselben Spezies sensibel gegenüber dem Antibiotikum.

Ist wegen des bisher nicht erkennbaren Heilungserfolgs auf jeden Fall schon klar, dass das bisher eingesetzte Antibiotikum falsch gewählt war?

Nicht in jedem Fall war das Antibiotikum wirkungslos: Möglicherweise hat sich bisher keine klinische Heilung eingestellt, obwohl eine mikrobiologische Heilung bereits eingetreten ist.

Was ist der Unterschied zwischen mikrobiologischer und klinischer Heilung?

Ich meine mit mikrobiologischer Heilung, dass die für die Infektionserkrankung ursächlichen Erreger abgetötet wurden. Unter klinischer Heilung verstehe ich das Verschwinden der Krankheitserscheinungen. Bei einer Mastitis also zum Beispiel das Verschwinden der Schwellung des Euterviertels und dass die aus dem Euterviertel zu ermelkende Flüssigkeit wieder normalen Milchcharakter hat: also keine Flocken enthält, nicht ganz wässrig ist und ihr Zellgehalt wieder niedrig ist. Mit der mikrobiologischen Heilung will man der klinischen Heilung den Weg ebnen. Auf eine mikrobiologische Heilung folgt aber nicht immer ganz schnell eine klinische Heilung. Unter Umständen bleibt eine vollständige klinische Heilung sogar aus und der Zellgehalt der Milch bleibt anhaltend erhöht.

Ist jeder Mastitisfall durch eine Untersuchung von Viertelgemelksproben auf deren Zellgehalte und auf Mastitiserreger aufzuklären?


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Mobile Hühnerställe auf dem Vormarsch – Seminar zur artgerechten Fütterung unterstützt Neueinsteiger

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Von Patricia Lößner, Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern (LFA MV)

Die Haltung von Legehennen in Mobilställen ist längst mehr als nur ein Nischentrend: In den letzten Jahren erfreut sich dieses Haltungskonzept wachsender Beliebtheit. Die steigende Zahl mobiler Stallsysteme zeigt deutlich, dass sie sowohl den Erwartungen vieler Verbraucher an eine tiergerechte Haltung entsprechen als auch landwirtschaftlichen Betrieben neue Perspektiven in der Direktvermarktung eröffnen.
Wer als Landwirt neu in dieses System einsteigen möchte, sollte sich jedoch im Vorfeld intensiv mit den Anforderungen an das Tierwohl befassen, besonders im Bereich der artgerechten Fütterung, die eine zentrale Rolle spielt.
Um hier praxisnahe Unterstützung zu bieten, lud die Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern (LFA MV) am 18. März 2025 zu einem Fachseminar mit dem Schwerpunkt „Artgerechte Fütterung“ ein. Die Veranstaltung fand im Rahmen des Projekts Netzwerk Fokus Tierwohl statt und wurde durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gefördert.

Zu Beginn präsentierte Patricia Lößner (LFA MV) Ergebnisse einer Umfrage, die das Institut für Tierproduktion der LFA MV im Jahr 2024 durchgeführt hat. Dabei beantworteten 15 Betriebe mit Mobilstallhaltung verschiedene Fragestellungen rund um dieses Haltungsverfahren. Zur Thematik Fütterung und Wasserversorgung zeigte sich, dass die meisten Betriebe eine Fütterungstechnik mit automatischer Fütterung einsetzen. Nur drei Betriebe gaben an, dass die Fütterung noch manuell durchgeführt wird. Es zeigt sich, dass die Futtermittel fast ausschließlich über Futtermittelfirmen bezogen werden. Ein Teil der landwirtschaftlichen Betriebe könnte sich perspektivisch jedoch vorstellen, betriebseigene Futtermittel in den Rationen einzusetzen oder Futterrationen selber zu mischen. Dabei teilten 33 % der befragten Betriebe mit, in Zukunft einheimische Eiweißfuttermittel wie Erbsen oder Ackerbohnen einzusetzen. Auch die Erforschung und Verwendung neuer Proteinquellen wie Hanfsamen oder Insekten könnten neue Möglichkeiten bieten. Zu beachten ist, dass nicht nur die Futtermittel, sondern auch das Wasser eine sehr gute Qualität haben sollte, da es sonst zu Leistungsminderungen und Krankheiten kommen kann. Je nach betrieblichen Gegebenheiten und Mobilstalltyp erfolgte die Wasserversorgung über einen integrierten Tank im Mobilstall oder über einen externen Anschluss. Das Wasser hierfür stammte bei 73 % der befragten Betriebe aus dem kommunalen Leitungsnetz und bei 27 % aus einer eigenen Brunnenanlage. Die Frequenz, mit der die Tränksysteme gereinigt werden, zeigte von einmal täglich bis einmal jährlich eine weite Bandbreite.

Welche Nährstoffe benötigt das Huhn im Freiland?
Mit der Frage: „Was nimmt das Huhn durch den Schnabel auf, wenn ich es im Freiland halte?“, begrüßte Carsten Pohl von der Bio Eichenmühle GmbH & Co. KG die Zuhörer. Ausgehend von den bloßen Futtermitteln bleibt ein großer Teil unbeachtet. Das Huhn macht bis zu 15.000 Pickschläge pro Tag und nimmt so im Auslauf auch Würmer, Gras, Steine, Parasiten, Boden und/oder Beschäftigungsmaterial auf.


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