Mobile Hühnerställe auf dem Vormarsch – Seminar zur artgerechten Fütterung unterstützt Neueinsteiger

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Von Patricia Lößner, Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern (LFA MV)

Die Haltung von Legehennen in Mobilställen ist längst mehr als nur ein Nischentrend: In den letzten Jahren erfreut sich dieses Haltungskonzept wachsender Beliebtheit. Die steigende Zahl mobiler Stallsysteme zeigt deutlich, dass sie sowohl den Erwartungen vieler Verbraucher an eine tiergerechte Haltung entsprechen als auch landwirtschaftlichen Betrieben neue Perspektiven in der Direktvermarktung eröffnen.

Wer als Landwirt neu in dieses System einsteigen möchte, sollte sich jedoch im Vorfeld intensiv mit den Anforderungen an das Tierwohl befassen, besonders im Bereich der artgerechten Fütterung, die eine zentrale Rolle spielt.

Um hier praxisnahe Unterstützung zu bieten, lud die Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern (LFA MV) am 18. März 2025 zu einem Fachseminar mit dem Schwerpunkt „Artgerechte Fütterung“ ein. Die Veranstaltung fand im Rahmen des Projekts Netzwerk Fokus Tierwohl statt und wurde durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gefördert.

Zu Beginn präsentierte Patricia Lößner (LFA MV) Ergebnisse einer Umfrage, die das Institut für Tierproduktion der LFA MV im Jahr 2024 durchgeführt hat. Dabei beantworteten 15 Betriebe mit Mobilstallhaltung verschiedene Fragestellungen rund um dieses Haltungsverfahren. Zur Thematik Fütterung und Wasserversorgung zeigte sich, dass die meisten Betriebe eine Fütterungstechnik mit automatischer Fütterung einsetzen. Nur drei Betriebe gaben an, dass die Fütterung noch manuell durchgeführt wird. Es zeigt sich, dass die Futtermittel fast ausschließlich über Futtermittelfirmen bezogen werden. Ein Teil der landwirtschaftlichen Betriebe könnte sich perspektivisch jedoch vorstellen, betriebseigene Futtermittel in den Rationen einzusetzen oder Futterrationen selber zu mischen. Dabei teilten 33 % der befragten Betriebe mit, in Zukunft einheimische Eiweißfuttermittel wie Erbsen oder Ackerbohnen einzusetzen. Auch die Erforschung und Verwendung neuer Proteinquellen wie Hanfsamen oder Insekten könnten neue Möglichkeiten bieten. Zu beachten ist, dass nicht nur die Futtermittel, sondern auch das Wasser eine sehr gute Qualität haben sollte, da es sonst zu Leistungsminderungen und Krankheiten kommen kann. Je nach betrieblichen Gegebenheiten und Mobilstalltyp erfolgte die Wasserversorgung über einen integrierten Tank im Mobilstall oder über einen externen Anschluss. Das Wasser hierfür stammte bei 73 % der befragten Betriebe aus dem kommunalen Leitungsnetz und bei 27 % aus einer eigenen Brunnenanlage. Die Frequenz, mit der die Tränksysteme gereinigt werden, zeigte von einmal täglich bis einmal jährlich eine weite Bandbreite.

Welche Nährstoffe benötigt das Huhn im Freiland?
Mit der Frage: „Was nimmt das Huhn durch den Schnabel auf, wenn ich es im Freiland halte?“, begrüßte Carsten Pohl von der Bio Eichenmühle GmbH & Co. KG die Zuhörer. Ausgehend von den bloßen Futtermitteln bleibt ein großer Teil unbeachtet. Das Huhn macht bis zu 15.000 Pickschläge pro Tag und nimmt so im Auslauf auch Würmer, Gras, Steine, Parasiten, Boden und/oder Beschäftigungsmaterial auf.

Umso wichtiger ist es, dass die vorgelegte Ration die bedarfsgerechten Nährstoffmengen enthält.


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Kühe mit Wahlfreiheit: „Milchviehstall der Zukunft“ jetzt wissenschaftlich veröffentlicht

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Was passiert, wenn Kühe selbst entscheiden dürfen, ob sie drinnen oder draußen sein wollen? Wenn Kälber bei ihren Müttern aufwachsen und Besucher:innen die Tiere, den Stallalltag und die Forschung beobachten können ohne sie zu stören? Die Antwort liefert das soeben im renommierten Journal of Dairy Science veröffentlichte Invited Review (eingeladene Rezension) zum „Milchviehstall der Zukunft“. Das Konzept setzt auf eine Familienherde mit Kuh-Kalb-Kontakt, eine große freie Liegefläche, Weide- bzw. Paddockzugang rund ums Jahr, Automatisierung & Sensortechnik und einen Besucherkorridor für sicheren Einblick in den Stall-Alltag.

„Mit der Veröffentlichung stellen wir das Konzept umfassend wissenschaftlich dar und zeigen die Chancen für Forschung zu Tierwohl, Ressourceneffizienz, Biosicherheit sowie für die Umsetzung neuer Konzepte in die Praxis.: Wir zeigen, wie Tierwohl und moderne Landwirtschaft zusammengehen. Dummerstorf ist dafür ideal, denn hier liegen viele Forschungseinrichtungen, die sich mit Tierwohl beschäftigen, Tür an Tür, Weideflächen grenzen an den Campus, und wir haben die Baugenehmigung. Die digitale Stall-Simulation steht, jetzt wollen wir den Stall als Reallabor gemeinsam mit Partnern bauen,“ sagt Prof. Dr. Lisa Bachmann, Professorin an der Hochschule Neubrandenburg und wissenschaftliche Mitarbeiterin am FBN (Projektleitung).

Frei wählen, besser leben: So funktioniert der „Milchviehstall der Zukunft“
Der „Milchviehstall der Zukunft“ stellt Kühe und Kälber als Familienherde in den Mittelpunkt, ohne ständiges Umgruppieren, mit stabilen Sozialkontakten und ruhiger Herdendynamik. Die Tiere haben Wahlfreiheit: Sie entscheiden selbst zwischen Stall, Weide und Winter-Paddock. Im Inneren sorgt eine großzügige freie Liegefläche mit weicher, belüfteter Einstreu und Bäumen für Komfort, Klimagewinn und gutes Liegeverhalten. Automatisches Melken und Smarte Fütterungstechnik entlasten die Mitarbeitenden, erlauben individuelle Fütterung und liefern kontinuierlich Gesundheits- und Verhaltensdaten. Ein umlaufender Besucherkorridor macht Forschung und Praxis sichtbar – Führungen, Lehre und Dialog gelingen, ohne die Biosicherheit zu kompromittieren. So entsteht ein praxistaugliches, datengestütztes System, das Tierwohl, Arbeitsalltag und Transparenz zusammenbringt und zugleich Langzeitstudien unter realen Bedingungen ermöglicht.

Dummerstorf: Kompetenzcampus mit Weideanschluss
Dummerstorf vereint auf engem Raum, was dieses Reallabor braucht: Am Forschungsstandort liegen FBN, Landesforschung, Friedrich-Loeffler-Institut, Universität Rostock und die Hochschule Neubrandenburg in unmittelbarer Nähe. Verhaltens-, Tierwohl-, Veterinär-/Epidemiologie- und Agrartechnik-Expertise greifen hier direkt ineinander. Weideflächen grenzen an den Campus, echte Wahlfreiheit für die Kühe ist dadurch ohne lange Treibwege möglich. Zudem ist das Projektteam baurechtlich bereit: Die Baugenehmigung liegt vor, die digitale Stall-Simulation ist abgeschlossen, der Bau ist detailliert durchgeplant. Bestehende Herden, Labore und Datenschnittstellen sichern eine schnelle Inbetriebnahme und verlässliche Forschung. Kurz: Dummerstorf bietet kurze Wege, verlässliche Infrastruktur und ein einzigartiges Kompetenzbündel. Die Voraussetzungen, um den „Milchviehstall der Zukunft“ gemeinsam mit Praxis- und Transferpartnern zu realisieren, sind erfüllt. Nachdem der Bund die Förderung des Baus gestrichen hat, soll nun eine alternative Finanzierungsmöglichkeit gefunden werden.

Play. Test. Build.: Der „Milchviehstall der Zukunft“ als Simulation
Die interaktive Stallsimulation ist fertig: ein digitaler Probelauf, mit dem Abläufe, Platzangebot, Fütterung, Melkwege und Besucherführung realitätsnah durchgespielt werden können. Wie bei einem „spielbaren Prototyp“ lassen sich Varianten testen, Engpässe erkennen und Verbesserungen sofort ausprobieren, bevor ein einziger Spatenstich erfolgt. Die Planung ist bau- und betriebsnah durchdacht. Derzeit sucht das Projektteam Partner aus Praxis, Politik und Gesellschaft, die den Schritt vom digitalen Zwilling in die Realität mitgehen. Im geplanten Demonstrations- und Forschungsstall sollen Langzeitstudien unter Praxisbedingungen durchgeführt werden zu Tiergesundheit und Verhalten, Emissionen, Arbeitsorganisation und gesellschaftlicher Akzeptanz. Damit wird die Grundlage für messbaren Fortschritt für Tier, Mensch und Umwelt gelegt.

Förderhinweis: Die Entwicklung des „Milchviehstalls der Zukunft“ war Teil des Projekts „Innovationen für gesunde und ‚glückliche‘ Kühe“ (06/2021 – 05/2025) und wurde gefördert durch das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages. Projektträger ist die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE).

Quelle: Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN)

E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 5/2025 erschienen!

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„Der Hoftierarzt“ Ausgabe 5/2025 steht für Sie zum Abruf bereit und bietet folgende Themen:

  • Rindergrippe – sind Impfungen die Lösung?
  • Mastitisbehandlung – sinnvoll oder überflüssig?
  • Fit durch den Winter: So schützen Sie Ihre Kälber vor den Herausforderungen der kalten Jahreszeit
  • Fibrinöse Pleuropneumonie bei Milchkühen
  • Mykotoxine im Schweinefutter: Latente Gefahr
  • Modifikation des Mikrobioms mit Postbiotika
  • Mobile Hühnerställe auf dem Vormarsch
  • Salmonellen: Thymolbasierter Futterzusatz als Antibiotikaalternative
  • AHV Qure Liquid: Unterstützung für gesunde Ferkel
  • DESICAL® plus: Keime reduzieren
  • Kalbi TMR Nova: Hochverdauliche Kälber-TMR
  • Lely Zeta: Künstliche Intelligenz im Stallmanagement
  • MS Schippers: Intelligente Fütterung
  • Softbed LongLine: Komfortabel Liegen

Das Tiergesundheits-Magazin für Nutztierhalter erscheint alle zwei Monate im praktischen PDF-Format. Jetzt 1 x registrieren, 1 x in der Bestätigungs-Mail „OK“ klicken und gleich kostenfrei downloaden und lesen!

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Neu: Handlich und praktisch einstreuen mit DESICAL®

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DESICAL® bringt einen eigenen Streuer auf den Markt. Der neu entwickelte DESICAL® Acero ersetzt bisherige Kunststoffstreuer innerhalb und außerhalb des Stalls und ist zum Patent angemeldet. Der Clou: Er passt an jeden Akkuschrauber.

Optimal zu bedienen – für einfache tägliche Stallhygiene
Der Acero wird von der Seite befüllt und fasst etwa 11 Liter, die für etwa 120 Boxen ausreichen. Beim täglichen Einstreuen zeigen sich schnell die Vorteile der Neuentwicklung: Mit wenigen Handgriffen rastet ein beliebiger Akkuschrauber in der Halterung ein. Dieser dient als Griff und treibt über die 6-kant Welle die Wurfschaufeln im Streuer an. So ist der Acero für Rechts- und Linkshänder optimal zu bedienen und verteilt die Einstreu mit perfekter Streubreite. Dabei lässt sich die Menge von außen mit einer Rädelschraube einstellen. Weiter lässt sich durch die Laufgeschwindigkeit und die Schrauberdrehzahl die Menge und die Einstreutiefe zusätzlich steuern.

Foto: © DESICAL Der robuste Streuer besitzt eine passende Halterung für Akkuschrauber, die zugleich als Griff und Antrieb funktionieren.

Der Acero wird von einem deutschen Partner-Unternehmen aus Edelstahl und Aluminium gefertigt. Das Material ist langlebig und leicht. So wiegt der Streuer – ohne Akkuschrauber und Füllung – etwa 2,5 kg. Der mitgelieferte Rucksack-Tragegurt entlastet zusätzlich.

Mit dem Acero lassen sich neben vielen gängigen Einstreupulvern natürlich in erster Linie DESICAL® plus und DESICAL® plus ODORO perfekt im Liegebereich der Tiere ausbringen! Die hochalkalischen und zugleich hautverträglichen Einstreu-Produkte von DESICAL® kommen hauptsächlich in Milchviehställen zum Einsatz. Sie helfen die Keimbelastung der Tiere zu reduzieren, z.B. auch für Geflügel in mobiler Haltung, Mastschweine, Mastkälber, Schafe und Ziegen. Tipp: Der DESICAL® Acero ist auch zum Ausstreuen von Bindemittel und anderen fließfähigen Produkten wie z.B. Fliegenlarven-Feingranulat geeignet!

Weitere Informationen unter www.desical.de

Quelle: Hufgard GmbH

Starke Sauen – starke Ferkel: Mit Fütterung und Monitoring zum optimalen Mikrobiom

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Von Dr. Ariane von Mallinckrodt, Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein

Die zweite Veranstaltung der Seminarreihe „Magen-Darmgesundheit beim Schwein“ im Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp hatte zum Ziel, dieses Thema mehr in den Fokus der Schweinehaltung zu stellen. Verantwortlich dafür zeichnete die Arbeitsgruppe „Schwein“ des Runden Tisches Tierschutz. Organisiert und finanziert wurde dieser Veranstaltungstag durch das Verbundprojekt Netzwerk Fokus Tierwohl und der Schweinespezialberatung Schleswig-Holstein.

Einfluss der Sau auf die Magen-Darmgesundheit der Saugferkel
Die Magen-Darmgesundheit von Saugferkeln wird maßgeblich durch die Fütterung und den Gesundheitsstatus der Sau beeinflusst. Tierärztin Patricia Beckers (Provimi-Cargill), seit 25 Jahren in der Schweinefütterung tätig, fasste die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zusammen und gab spannende Hinweise für die Betriebe.

Beckers erklärte, dass in der Sau um die Abferkelung herum bedeutende Stoffwechselveränderungen stattfinden. Beispielsweise verbleibt Glucose nach dem Fressen deutlich länger im Blutkreislauf als außerhalb dieser Produktionsphase. Dies deutet darauf hin, dass Sauen rund um die Geburtsphase eine Insulinresistenz aufweisen können. Zudem verändert sich die Zusammensetzung des Mikrobioms im Darm der Sau – es wird weniger Buttersäure gebildet, die aber für die Darmzotten essentiell für die Aufnahme der Nährstoffe in den Blutkreislauf ist. Als Folge verändert sich die Darmintegrität und das Risiko für Darmleckagen sowie eine Anflutung von Endotoxinen rund um die Abferkelung steigt. Diese Stoffwechselveränderungen können abhängig von der Kondition der Sau stärker oder schwächer ausgeprägt sein.

Eine Studie zeigte, dass Ferkel von Sauen mit deutlicher Insulinresistenz zwar ein normales Geburtsgewicht aufwiesen, dass der Magen aber deutlich leichter und die Darmzotten kürzer waren als in der Vergleichsgruppe. Durch die verkürzten Darmzotten war auch die Laktaseproduktion stark reduziert. Die Tierärztin betonte, dass eine Überkonditionierung der Sau zur Abferkelung hin vermieden werden muss, um den erhöhten Blutzuckerspiegel der Sau so gering wie möglich zu halten. Fütterungskonzepte mit fermentierter Rohfaser in der Transitphase (ab Tag 80) zeigten positive Effekte auf das Mikrobiom der Sau. Die Tierärztin erklärte nachfolgend die Unterschiede sowie Vor- und Nachteile einer Sauenfütterung mit fermentierbarer und rein struktureller Rohfaser auf die Darmgesundheit von Saugferkeln.

Warum haben Saugferkel oft Darmprobleme?
Saugferkel sind besonders anfällig für Magen-Darm-Erkrankungen, die gravierende Folgen für ihre Entwicklung haben können. Tierarzt Fabio Bagó (Vet-Team Schleswig-Holstein) erklärte in seinem Vortrag die häufigsten Magen-Darm-Probleme in den ersten vier Lebenswochen eines Saugferkels, deren Ursachen und zeigte praktikable Präventions- und Therapiemaßnahmen auf.

Anders als beim Menschen erfolgt die Übertragung von Antikörpern über die Plazenta beim Schwein nicht. Dies führt dazu, dass Saugferkel in den ersten Lebensstunden besonders anfällig sind. Vor allem Rotavirus A+C, E. coli und Clostridien Durchfälle sind laut Begó in deutschen Ferkelerzeugerbetrieben keine Seltenheit mehr. Für immunschwache Ferkel steigt außerdem das Risiko für PCV2 und PRRS. Hier ist die Kolostrumaufnahme entscheidend für die Gesundheit der Ferkel. Laut Literatur benötigen Saugferkel etwa 200 g Kolostrum in den ersten 6-12 Stunden nach der Geburt, was allerdings häufig eine Herausforderung darstellt, da nicht jede Sau diese Menge bereitstellen kann.

Während der zweiten Lebenswoche bleibt das Spektrum potentieller Erreger ähnlich, wobei Kokzidien mehr in den Fokus rücken. Ferkel können sich bereits in der ersten Woche damit anstecken. Die einzelligen Parasiten befallen den Magen-Darmtrakt und durchlaufen zuerst eine Entwicklungsphase, ehe das infektiöse Stadium beginnt. Eine Metaphylaxe gegen Kokzidien (Toltrazuril + Eisen per Injektion oder Toltrazuril als Drench) zahlt sich nur aus, wenn sie innerhalb der ersten 3-4 Lebenstage durchgeführt wird.

In den Lebenswochen drei bis vier nehmen die viralen Infektionen ab, während E. coli, Clostridien und Kokzidien ein Problem bleiben können. In dieser Phase beginnt sich das Immunsystem des Darms auszubilden. Eine schwere Durchfallerkrankung kann diesen Entwicklungsprozess stark verzögern und die Gesundheit des Tieres langfristig beeinträchtigen. Der Tierarzt wies auf zwei Studien hin, welche positive Effekte auf die Ausbildung des Immunsystems durch einer verlängerte Säugezeit bzw. eine verlängerte Tageslichtlänge nachweisen konnten.

Neben den potentiellen Erregern in der Haltungsumwelt können Endotoxine, die bei Mastitis-Metritis-Agalaktie (MMA) produziert werden, über die Milch in die Ferkel gelangen und negative Effekte auf die Darmgesundheit ausüben. Ein effektives MMA-Management und die Optimierung der Geburtshygiene sind entscheidend.

Die Magen-Darmgesundheit der Saugferkel stellt keine isolierte Herausforderung dar, sondern ist oft eng mit dem Management der Sauen und der Hygiene im Stall verbunden. Mutterschutzimpfungen, gezielte Fütterung, optimale Geburtshygiene und bestandsspezifische Impfstrategien sind entscheidende Ansatzpunkte. Die Rolle des Kolostrums für das Immunsystem der Ferkel sollte nicht unterschätzt werden. Der Tierarzt betonte, dass ein Austausch zwischen Bestandstierarzt und Berater auf Betrieben mit Durchfallproblematik häufig die nachhaltigsten Lösungen hervorbringen.

Saugferkelmanagement im Betrieb Hasenkrug
Im ITW-Betrieb Hasenkrug haben sich Jürgen Hammerich und Marcel Langmesser auf ein effektives Saugferkelmanagement spezialisiert. Der Standort Hasenkrug wurde 2005 durch Hammerich übernommen. Der Betrieb hat sich über die Jahre von 280 auf 415 Sauen (PIC) mit Wechselkreuzung entwickelt, inklusive Ferkelaufzucht.

Im Jahr 2006 erfolgte die Umstellung auf einen vierwöchigen Abferkelrhythmus. Der Betrieb verzichtet bewusst auf hormonelle Einsatz zum Rauschemanagement und stellt die Einhaltung des Rhythmus rein durch Tierbeobachtung sicher. Für eine Nachtwache während der Abferkelung fehlt leider das Personal. Die Abferkelrate liegt aktuell bei 85,1 % mit durchschnittlich 14,2 lebend geborenen Ferkeln pro Wurf. Pro Sau und Jahr liegt der Betrieb bei 2,5 Würfen mit 31,8 abgesetzten Ferkeln.

Der Fokus liegt bei einer möglichst effektiven Milchaufnahme aller Ferkel. So setzten die beiden Landwirte auf Tierbeobachtung und Erfahrung. Vor allen an den Jungsauen sollten zeitnah nach der Geburt 14-15 Ferkel liegen, um den Milchfluss anzuregen und stabil zu halten. Dafür setzt der Betrieb bei Bedarf auch Ferkel von Schlachtsauen oder leichte Ferkel aus der Ferkelaufzucht zu. In den ersten 8 Lebenstagen wird sich jedes Ferkel einmal täglich genau angeschaut und gegebenenfalls Managementmaßnahmen durchgeführt. Wer am Tag 4 lebensschwache Ferkel hat, hat in den ersten drei Tagen keine sorgfältige Tierkontrolle gemacht und nicht entsprechend gehandelt, so die Ansicht der beiden Landwirte.

Hammerich und Langmesser führen ein besonderes Management bei leichten und schwachen Ferkeln. Beispielsweise werden ausgekühlte Ferkel in Kunststoffboxen unter Wärmelampen aufgewärmt und anschließend ans Gesäuge gesetzt. Das kann je nach Gegebenheit auch bei einer anderen Sau sein. Ziel ist, die schwachen Tiere dorthin zu setzten, wo sie sich wenig durchkämpfen und leicht trinken können. „Sie dürfen nicht viel Kraft brauchen, um säugen zu können.“, so Hammerich. Auch die Zähne von schwachen Ferkeln werden in dem Betrieb nicht geschliffen.

Für das Saugferkelmanagement im Betrieb Hasenkrug ist eine detaillierte Tierbeobachtung und Betreuung elementar. Für die beiden Landwirte hat jedes Ferkel das Recht auf Leben – ihnen ist bewusst, dass sie dafür sehr individuelle Managementmaßnahmen nutzen, die in anderen Betriebsstrukturen kaum oder nicht umsetzbar sind. Hasenkrug zeigt, wie betriebsspezifisch ein Saugferkelmanagement sein kann und dass es nicht immer Standardwege sind, die zu einer hohen Tiergesundheit und guten Leistung führen.

Zuerst erschienen im E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 4-2025

Studien machen deutlich: Schweine mit Schmerzsymptomen brauchen Schmerztherapie

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Schweine können aufgrund spontan auftretender Krankheiten, Wunden, Verletzungen, Traumata und physiologischer Zustände wie dem Abferkelprozess unter Schmerzen leiden. Diese Schmerzen werden jedoch oft vernachlässigt. Um das Wissen und das Bewusstsein für dieses Phänomen zu stärken, haben Wissenschaftler*innen eine umfassende Übersichtsarbeit über grundlegende und neue Ansätze zur Erkennung, Bewertung und Behandlung von Schmerzen bei Schweinen erstellt.

Es wurde ein Scoping-Review mit den Ergebnissen einer Recherche in den elektronischen Datenbanken VetSearch und CABI durchgeführt. Im Hinblick auf die Eignungskriterien wurden 49 von 725 Publikationen zwischen 2015 und Ende März 2023 berücksichtigt. Die Ergebnisse wurden zusammengefasst und orientierten sich an der PRISMA-Leitlinie.

Die Ergebnisse dieser Studie* zeigen, dass Tierärzte Schmerzen nicht nur als Krankheitssymptom, sondern auch als wichtigen Aspekt des Tierwohls betrachten müssen. Schweine können zweifellos Schmerzen empfinden. Bleiben sowohl die Schmerzsymptome als auch die zugrunde liegenden Ursachen unbeachtet, können Langlebigkeit und Wohlbefinden der Schweine gefährdet sein. Daher sind Tierärzte verpflichtet, die Komplexität von Schmerzen und Schmerzmechanismen zu kennen und ihre Patienten angemessen zu behandeln.

Tierärzte sind für die bestmögliche Behandlung verantwortlich. Daher muss die Behandlung, ungeachtet der Herausforderungen der klinischen Schmerzdiagnostik, auch eine Schmerzlinderung beinhalten. Die Liste der verfügbaren Medikamente zur Schmerzbehandlung bei Schweinen ist kurz, und Schmerzen stellen keine abgegrenzte Indikation dar. In diesem Zusammenhang sollen die folgenden Überlegungen dazu beitragen, ein Behandlungsprotokoll für Schmerzen bei Schweinen aufgrund spontan auftretender Erkrankungen und Verletzungen zu erstellen.

Unter den Medikamenten für Schweine werden häufig NSAIDs (engl. = nonsteroidal antiinflammatory drugs) eingesetzt. Ihre Auswahl sollte unter Berücksichtigung der Indikation, Lokalisation, des nozizeptiven Signalwegs (System, das Schmerzreize vom Körper zum Gehirn leitet) und des jeweiligen Erregers erfolgen. Am häufigsten werden Meloxicam und Ketoprofen als entzündungshemmende und schmerzstillende Medikamente bei Nutztieren eingesetzt. NSAIDs haben sich als wirksam bei der Linderung von Entzündungen erwiesen, nicht jedoch bei neuropathischen Schmerzen (Erkrankungen der peripheren Nerven, die nicht durch Verletzungen verursacht werden).

Unabhängig von der Erkrankung oder Verletzung erfordert die Halbwertszeit von NSAIDs bei Schweinen von wenigen Stunden die Verabreichung von mehr als einer Dosis pro Tag. Trotz dieser Einschränkung gilt der Einsatz von entzündungshemmenden und schmerzstillenden Mitteln als die wirksamste Methode zur Schmerzlinderung bei Tieren, und zahlreiche Studien haben ihre Wirksamkeit in der Schmerzbehandlung bei Schweinen bewiesen. Die meisten NSAIDs sind jedoch zur Kontrolle von Fieber zugelassen und nur wenige Studien haben die wirksame Dosis für andere Indikationen untersucht. Daher ist eine weitere Zusammenarbeit zwischen Forschern und Praktikern hinsichtlich häufiger Nebenwirkungen auf die Heilung oder sogar Langzeitwirkungen erforderlich.

Empfehlungen für die Praxis:

+ Ein Schwein, bei dem Schmerzen bestätigt wurden, sollte angemessen behandelt werden.

+ Selbst ein wahrscheinlich schmerzhafter Zustand ist Grund genug, ein Schwein gegen Schmerzen zu behandeln.

+ Die Tatsache, dass Medikamente knapp sind und die Schmerzerkennung schwierig ist, rechtfertigt nicht, ein Schwein in einem schmerzhaften Zustand leiden zu lassen.

+ Um Schmerzen bei Schweinen zu erkennen, benötigen Tierärzte und Tierpfleger fundierte Kenntnisse über die Grundlagen der Schmerzmechanismen.

+ Es gibt zwar Skalen und Scores zur Schmerzerkennung bei Schweinen, diese müssen jedoch im klinischen Umfeld noch weiter validiert werden. Darüber hinaus ist das aktuelle Wissen ausreichend valide, um unnötige Schmerzen bei Schweinen zu vermeiden.

Eine zweite Studie** beschäftigte sich den Erkrankungen der Schweine, die Schmerzen verursachen können. Dazu zählen u.a.: Lahmheit, Druckstellen, externe Hernie (Nabelbruch), Vulvabeißen, Meningitis, Atemwegs- und Darmerkrankungen, Harnwegsinfekte, Mastitis und Gesäugeverletzungen. Systematisches Wissen zu diesem Thema ist jedoch rar. Insbesondere bei seltenen Erkrankungen (wie Harnwegsinfekten) ist weitere Forschung erforderlich. Die Forscher*innen schlagen vor, zum Thema Schmerzen bei Schweinen standardisierte Protokolle zu entwickeln, um die Ergebnisse der Schmerzerkennung über den Projektzeitraum hinaus zu dokumentieren, zu analysieren und zu teilen. Die Ergebnisse dieser Studie legen nahe, dass ein solches Protokoll validierte Maßnahmen zur Schmerzerkennung im Zeitverlauf und in Bezug auf die verabreichte Schmerzbehandlung umfassen würde.

Die Ergebnisse der Studie unterstreichen, dass Schweine aufgrund spontan auftretender Krankheiten und Verletzungen Schmerzen empfinden, systematisches Wissen zu diesem Thema jedoch rar ist. Eine zentrale Schlussfolgerung der Studie ist daher, dass systematischere Forschung zu Schmerzen bei Schweinen erforderlich ist, insbesondere auch zu Themen, die hier nicht berücksichtigt wurden, wie z. B. der Abferkelung von Sauen (Schwerpunkt Reproduktionsmanagement). Basierend auf einer Reihe vergleichbarer Studien wird es möglich sein, diese Annahmen zu validieren und die Evidenz zum Thema Schmerzen bei Schweinen zukünftig zu verbessern.

Für Tierärzte und Landwirte ist es unerlässlich, sicherzustellen, dass Schweine nicht unter unnötigen Schmerzen leiden, die gelindert werden können. Die Ergebnisse dieser Studie regen dazu an, bei jedem Patienten zu prüfen, ob Schmerzen und damit verbundene Indikatoren vorhanden sind und wie der Zustand zum Wohle des einzelnen Schweins behoben werden kann.

Studie*: Julia Kschonek et al. (2025): Part I: understanding pain in pigs—basic knowledge about pain assessment, measures and therapy. Porcine Health Management 11:12, p 1-18.
Studie**: Julia Kschonek et al. (2025): Part II: understanding pain in pigs—pain assessment in pigs with spontaneously occurring diseases or injuries. Porcine Health Management 11:13, p 1-17.

Quelle: Dr. Heike Engels – Zuerst erschienen im E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 4-2025

Tierschutz für Rinder verbessert: Kälber unter vier Wochen dürfen nur noch sediert und mit Schmerzmitteln kastriert werden

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Niedersachsen geht einen weiteren Schritt für mehr Tierschutz in der Nutztierhaltung. Die nach dem bundesweiten Tierschutzgesetz aktuell ohne Betäubung zulässige Kastration von unter vier Wochen alten männlichen Kälbern darf in Niedersachsen ab sofort nur noch unter Gabe eines Beruhigungsmittels (Sedierung) und eines mindestens 24 Stunden wirkenden Schmerzmittels durchgeführt werden.

Möglich wird die Initiative des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums durch eine Regelung im Bundesgesetz. Danach sind alle Möglichkeiten auszuschöpfen, die Schmerzen oder Leiden während und nach dem Kastrieren sachgerecht zu minimieren. Darüber hinaus empfiehlt Niedersachsen den Betrieben auf Grundlage der sogenannten „Europaratsempfehlung für das Halten von Rindern des Europäischen Übereinkommens zum Schutz von Tieren in landwirtschaftlichen Tierhaltungen“, das Kastrieren männlicher Rinder jeden Alters ausschließlich mit Betäubung durchzuführen. Mit einer Sedation und Schmerzmittelgabe soll zum einen das Tierleid reduziert werden und zum anderem auch die Sicherheit während des Eingriffs erhöht werden, da das Tier ruhiggestellt ist und keine schmerzbedingten Abwehrreaktionen zeigt.

Landwirtschafts- und Tierschutzministerin Miriam Staudte: „Es gibt immer noch Stimmen, die behaupten, ein junges bis zu vier Wochen altes Kalb würde keine Schmerzen empfinden, wenn ihm die Hoden ohne Betäubung entfernt werden. Das ist mir absolut unverständlich. Warum soll für Kälber etwas anderes gelten, als für Ferkel, die ja seit 2021 nur noch betäubt kastriert werden dürfen? Nicht nur der gesunde Menschenverstand lässt das anzweifeln. Selbst die Wissenschaft sagt mittlerweile, dass eine Kastration unabhängig vom Alter einen schmerzhaften, belastenden Eingriff darstellt. Auch wenn ich mir eine bundesweite Lösung gewünscht hätte, die die betäubungslose Kastration männlicher Kälber verbietet, ist das für den Tierschutz in Niedersachsen ein Schritt nach vorn. Das bestätigen auch landwirtschaftliche Praktiker, die unseren Schritt befürworten.“

Die in der letzten Legislatur begonnene Überarbeitung des Bundestierschutzgesetzes sah vor, diese Ausnameregelung für junge Kälber zu streichen. Aufgrund der vorgezogenen Neuwahlen kam es allerdings nicht mehr dazu.

„In ganz Deutschland ist dieser schmerzhafte und leidvolle Eingriff immer noch gängige Praxis. Das Verbot der betäubungslosen Kastration männlicher Kälber war einer von vielen guten Vorschlägen bei der Überarbeitung des Bundestierschutzgesetzes“, betont Staudte „Mir ist es unverständlich, warum weder der Bundeslandwirtschaftsminister noch seine parlamentarische Staatssekretärin und neue Bundestierschutzbeauftragte immer noch keinerlei Initiative entwickelt haben, die so dringend notwendige, begonnene Novelle wieder aufzunehmen. Hierum habe ich die Bundesebene jetzt noch einmal eindringlich persönlich gebeten.“

Die betäubungslose Kastration unter vier Wochen alter männlicher Kälber sowie die damit verbundene Sedation und Schmerzmittelgabe dürfen auch durch eine andere Person (als einen Tierarzt bzw. eine Tierärztin) vorgenommen werden, die die dazu notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten hat (§ 6 Abs. 1 Satz 4 Nr. 1 TierSchG). Die zuständige Behörde hat nach Prüfung im Einzelfall und unter Berücksichtigung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit festzulegen, welche Nachweise sie dafür fordert. Die sachkundige Person sollte ihre fachliche Einweisung in diese Tätigkeiten durch eine tierärztliche Bestätigung nachweisen können.

Quelle: Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Alternativen zum Kupieren gesucht

Von Fides Marie Lenz, LWK Nordrhein-Westfalen

Probleme durch einen vollgekoteten oder vollurinierten Schwanz können tierschutzrelevant werden, sei es durch Entzündungen oder den Befall durch Fliegenmaden und -larven. Gleichzeitig beobachten Praktiker bei langen Schwänzen die für das Tier schmerzhafte Problematik von Schwanzbrüchen.

In Deutschland sah der letzte Entwurf zur Novellierung des Tierschutzgesetzes ein Kupierverbot innerhalb der nächsten 8 Jahre vor. Wie es hier nun weitergeht ist noch offen. Aktuell ist in Deutschland das Schwanzkürzen bei Lämmern via Ausnahmeregelung bis zum 8. Lebenstag erlaubt. Während in Deutschland das Kupierverbot noch nicht erlassen ist, hat zum Beispiel die Schweiz schon einen Stichtag festgelegt. Ab dem 1. Februar 2040 soll es ein Kupierverbot geben.

So oder so ist es jedoch sinnvoll, Alternativen zum Kupieren des Schwanzes zu etablieren. Das Tierwohlkompetenzzentrum (TWZ) Schaf hat drei Jahre mit 25 Betriebe und 12 Schafrassen intensiv an der Thematik gearbeitet. Die Projektleitung liegt beim Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen.

Das TWZ Schaf hat die Tiergesundheit bei unkupierten Schafen genauestens erfasst und auf einem Infotag in Haus Düsse vorgestellt. Kernthemen waren die enge Zusammenarbeit mit dem bestandsbetreuenden Tierarzt und eine bedarfsgerechte Schwanzschur sowie die Ausrichtung des Managements ganz klar auf Durchfallprophylaxe.

Die Auswertungen der Vagintaltupfer zeigen weniger Vaginalkeime bei Tieren mit unkupierten Schwänzen. Ein langer Schwanz hat also keine negative Auswirkung auf die Fruchtbarkeit der Schafe, sondern schützt den Vaginalbereich selbst im verschmutzten Zustand vor dem Eindringen von Keimen.

Für Tierhalter von Schafen mit langen und bewollten Schwänzen ist das Vermeiden von Durchfällen essentiell. Dazu muss der Schäfer die Fütterung, die Parasitenbekämpfung, das Weidemanagement und die Pflege der Schafe sowie eine eventuell nötige Impfprophylaxe intensiv aufeinander abstimmen.

Eine weitere Schwierigkeit für die Schafhalter ist die Schwanzschur: Viele Betriebe haben keine passende Technik und müssen Akku- Schermaschinen für eine bedarfsgerechte Schwanzschur anschaffen. Die Maschinen sind allerdings bisher fast nur im Ausland erhältlich.

Die Schafbranche muss neben den Anpassungen in der Haltung auch die Zucht auf kürzere Schwänze vorantreiben. Zwei für die Zucht relevante Parameter sehen günstig aus: Die Heritabilität – also die Erblichkeit – ist hoch und wurde je nach Rasse mit etwa 0,6 nachgewiesen. Gleichzeitig ist die phänotypische Varianz auch innerhalb der Schafrassen hoch. Dies ist eine gute Ausgangsbasis für die züchterische Bearbeitung. Eine Korrelation zwischen Körpergewicht und Schwanzlänge scheint zu bestehen, auch weitere Korrelationen zu anderen Merkmalen können nicht ausgeschlossen werden. Züchter müssen die züchterische Bearbeitung genau überwachen und begleiteten, damit sie nicht gleichzeitig negative Merkmale verstärken. Daten zu erfassen ist dabei essentiell: Jeder Züchter ist angehalten, Geburtsgewicht und Schwanzlänge zu notieren. Gebrauchshalter können dafür in Zukunft das neue Herdenmanagementtool von vit Verden nutzen, welches das TWZ Schaf entwickelt hat. Da die Rassen ohnehin schon nur in geringen Populationen vorkommen, müssen Schafhalter auch einen genetischen Verlust verhindern. In ersten Versuchen zeigte sich bereits, dass durch gezielte Anpaarung von Tieren mit kürzeren Schwänzen – verglichen mit den anderen Tieren der Herde – eine Verschiebung zum vorherigen Mittelwert nach einer Generation möglich ist. Bei einem Versuch am Oberen Hardthof in Hessen ließ sich dadurch bei Merinolandschafen schon ein im Durchschnitt 1 cm kürzerer Schwanz erreichen.

Zuerst erschienen im E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 4-2025

BTK warnt vor dramatischer Lage bei Geflügelpestausbrüchen

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Veterinärwesen ist systemrelevant, Labore und Behörden müssen gestärkt werden

Angesichts der aktuellen Geflügelpestsituation wiederholt die Bundestierärztekammer (BTK) ihre Forderung an Bund und Länder, unverzüglich die erforderlichen Mittel bereitzustellen und bürokratische Hürden abzubauen. In den letzten Wochen wurden in mehreren Bundesländern hochpathogene H5N1-Ausbrüche sowohl bei gehaltenem Geflügel als auch bei Wildvögeln festgestellt. In Norddeutschland mussten in dieser Woche bereits große Tierbestände gekeult werden. Bei Wildvögeln sind laut Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) erstmals Kraniche betroffen.

Dieses akute Seuchengeschehen zeigt wieder deutlich, wie wichtig eine unverzügliche Stärkung und verlässliche Finanzierung der Veterinärverwaltungen auf kommunaler, Landes- und Bundesebene sowie der Untersuchungslabore und der nationalen Referenzlabore ist. Nur durch ausreichende personelle Kapazitäten, moderne Diagnostik und kurzfristig verfügbare Finanzmittel können Seucheneinsätze schnell, koordiniert und fachgerecht durchgeführt werden. Tierseuchenausbrüche verlangen den Veterinärämtern und beteiligten Laboren höchste Einsatzbereitschaft ab: Kontaktermittlung, Probenahme, schnelle Labordiagnostik, Errichtung von Sperrzonen, Beratung der Tierhaltenden und Durchführung notwendiger Seuchenbekämpfungsmaßnahmen – all das erfordert Personal, Schutz- und Diagnostikausstattung sowie schnelle finanzielle Mittel für Entschädigungen und Einsatzkosten. Nicht nur die mittlerweile regelmäßig auftretenden Ausbrüche der hochpathogenen Aviären Influenza (HPAI) stellen die Veterinärverwaltungen vor Herausforderungen. Auch die Afrikanische Schweinepest, Blauzungenkrankheit, der Ausbruch von Maul- und Klauenseuche Anfang des Jahres, Ausbrüche von Lumpy Skin Disease in Frankreich und Italien sind Mahnung für erhöhte Aufmerksamkeit und schnelles Reaktionsvermögen.

„Die Veterinärverwaltungen sind auf allen Ebenen unverzichtbar für den Schutz der Tiergesundheit und der öffentlichen Gesundheit. Jetzt kommt es darauf an, den Seuchenausbruch konsequent zu beherrschen, die Weiterverbreitung zu minimieren und die Folgen für Handel und Wirtschaft so gering wie möglich zu halten. Zugleich gilt es, unnötiges Tierleid zu verhindern“, sagt BTK-Präsident Ltd. VD Dr. Holger Vogel. Die BTK fordert Politik und Verwaltung zu einem raschen, koordinierten Handeln auf: Stabile Finanzierungszusagen, auskömmlich ausgestattete Untersuchungslabore und eine dauerhafte Stärkung der veterinärmedizinischen Infrastruktur sind notwendig, um aktuelle und zukünftige Tierseuchen wirksam zu bekämpfen.

Quelle: Bundestierärztekammer

Mit Maschinellem Lernen Ausbrüche der Vogelgrippe in Europa vorhersagen

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Lokale Faktoren wie saisonale Temperatur, der jahresabhängige Wasser- und Vegetationsindex oder Daten zur Tierdichte können genutzt werden, um regionale Ausbrüche der Vogelgrippe in Europa vorherzusagen. Das zeigen die Arbeiten eines Forschungsteams unter Leitung des Epidemiologen, Mathematikers und Statistikers Prof. Dr. Joacim Rocklöv. Die Forscherinnen und Forscher der Universität Heidelberg entwickelten ein auf Maschinellem Lernen basierendes Modell, das anhand verschiedener Indikatoren Ausbruchsmuster der hochpathogenen aviären Influenza in Europa mit hoher Genauigkeit voraussagen kann. Der Modellierungsansatz und eine gezielte Datenerhebung könnten so einen Beitrag zu proaktiven Präventionsmaßnahmen leisten.

Die hochpathogene aviäre Influenza-Virus-Infektion – umgangssprachlich als Vogelgrippe oder Geflügelpest bezeichnet – betrifft in erster Linie Vögel. Vermehrt kommt es aber auch zu Infektionen bei Säugetieren. Dadurch steigt nach Angaben der Wissenschaftler die Wahrscheinlichkeit, dass das Virus auf den Menschen überspringt. Um Ausbrüche der Vogelgrippe besser vorhersagen und ihnen frühzeitig entgegenwirken zu können, entwickelte das Team von Prof. Rocklöv am Interdisziplinären Zentrum für Wissenschaftliches Rechnen und am Heidelberger Institut für Global Health ein Modell, das verschiedene Indikatoren für einen möglichen Ausbruch zusammenführt und für die Modellierung Methoden des Maschinellen Lernens nutzt.

Trainiert wurde das Modell mit Daten zu Ausbrüchen der Vogelgrippe, die zwischen 2006 und 2021 für Europa dokumentiert sind. Als potentielle Ausbruchs-Indikatoren identifizierten die Heidelberger Wissenschaftler dabei lokale Faktoren wie die Temperatur- und Niederschlagsbedingungen, die Wildvogelarten, die Dichte der Geflügelhaltung, die Beschaffenheit der Vegetation und die Wasserstände. Durch die Zusammenführung dieser komplexen, in Abhängigkeit von Jahreszeit und Region miteinander wechselwirkenden Variablen konnten die Forscherinnen und Forscher Ausbruchsmuster mit einer Genauigkeit von bis zu 94 Prozent modellieren.

„Die Kombination unseres Modellierungsansatzes mit einer gezielten Datenerhebung kann dazu beitragen, Hochrisikogebiete und Jahreszeiten, zu denen Ausbrüche der Vogelgrippe wahrscheinlich sind, genauer zu kartieren“, betont Joacim Rocklöv. Der Wissenschaftler forscht als Alexander von Humboldt-Professor in einer Reihe von Projekten an der Universität und am Universitätsklinikum Heidelberg zu Auswirkungen von Klima- und Umweltveränderungen auf die öffentliche Gesundheit. Die Forschungsergebnisse könnten nach Angaben von Prof. Rocklöv dazu genutzt werden, regionale Überwachungsprogramme in ganz Europa neu auszurichten und die Früherkennung zu verbessern.

Die Forschungsarbeiten wurden von der Alexander von Humboldt-Stiftung und der Europäischen Union im Rahmen des „Horizon Europe“-Programms gefördert. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift „Scientific Reports“ erschienen.

Quelle: Universität Heidelberg

One Health: Fliegen bedrohen Hausschweine mit Staphylococcus aureus

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Das Bakterium Staphylococcus aureus ist allgegenwärtig und in der Regel harmlos. Allerdings kann das Bakterium auch pathogen sein und seine resistenten Formen sind als „Krankenhauskeim“ bekannt. Mitverantwortlich für die Resistenzen sind Viehzucht und Landwirtschaft – ein klassisches Szenario von One Health, wo die Gesundheit von Umwelt, Tier und Mensch im Zusammenhang gesehen wird. Eine aktuelle Studie der Veterinärmedizinischen Universität Wien zeigt nun, dass Fliegen bei der Entwicklung der Resistenzen eine wichtige Rolle spielen. Sie fungieren bei Hausschweinen als Überträger.

Das Bakterium Staphylococcus aureus, insbesondere seine Methicillin-resistente Form (MRSA), stellt aufgrund seiner Resistenz gegen β-Lactam-Antibiotika und seiner häufigen Multiresistenz eine erhebliche Herausforderung für die öffentliche Gesundheit dar. MRSA aus der Tierhaltung (LA-MRSA), insbesondere der klonale Komplex 398 (CC398), ist in der Schweinehaltung zu einem mehr oder weniger fixen Bestandteil des Keimspektrums geworden.

Neue Erkenntnisse deuten darauf hin, dass Fliegen als Überträger fungieren könnten. „Wir untersuchten deshalb das Vorkommen und die molekulare Charakterisierung von MRSA bei Stubenfliegen (Musca domestica) und Stechfliegen (Stomoxys calcitrans) in österreichischen Schweinezucht-Betrieben. Uns ging es darum, mehr über ihre Rolle bei der Übertragung von MRSA und der Verbreitung von Resistenzen zu erfahren“, umreißt Studien-Letztautor Lukas Schwarz vom Klinischen Zentrum für Populationsmedizin bei Fisch, Schwein und Geflügel der Vetmeduni.

Hoher Anteil von Multiresistenzen in MRSA aus Schweinebetrieben
MRSA wurde in 41,7 % der 24 untersuchten Schweinezuchtbetriebe nachgewiesen, wobei Isolate in Stubenfliegen (53,2 %), Stechfliegen (19,1 %), Stiefelstrumpfproben (17,0 %) und Staubwischproben (10,6 %) identifiziert wurden. „Alle Isolate waren Cefoxitin-resistent und gehörten zu CC398, wobei sie verschiedene Resistenzgene trugen“, erklärt Studien-Erstautorin Flora Hamar.

Die Resistenz beschränkte sich nicht auf β-Lactame. Die Forscher:innen wiesen eine Resistenz gegen Tetracyclin (100 %), Erythromycin (74 %), Clindamycin (74 %) und Ciprofloxacin (32 %) sowie Trimethoprim-Sulfamethoxazol (17 %) nach. Bei 94 % der Isolate wurde eine Multiresistenz (MDR) festgestellt. Über die Ursache des Erwerbs der Multiresistenz kann nur gemutmaßt werden, soll aber in einem Folgeprojekt näher untersucht werden.

Stubenfliegen gefährlicher als Stechfliegen, One-Health-Maßnahmen gefordert
Stubenfliegen (26 %) waren häufiger Überträger von MRSA als Stechfliegen (9,4 %), was auf ihr Potenzial als bedeutende Vektoren hinweist. Umweltproben (Stiefelstrumpf- und Staubwischproben) bestätigten die weit verbreitete Kontamination in Ställen. „Unsere Studie belegt die hohe Prävalenz von LA-MRSA in österreichischen Schweineproduktionsbetrieben und identifiziert Fliegen als Vektoren, die zu seiner Verbreitung beitragen“, betont Lukas Schwarz. „Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung robuster Biosicherheitsmaßnahmen, einschließlich einer wirksamen Fliegenbekämpfung und strenger Hygieneprotokolle, um MRSA-Risiken in landwirtschaftlichen Umgebungen zu mindern.“ Strategien im Bereich der öffentlichen Gesundheit sollten sich laut den Wissenschafter:innen auf einen sorgsamen Einsatz von Antibiotika und einen One-Health-Ansatz konzentrieren, um die Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen bei Menschen, Tieren und in der Umwelt merklich einzudämmen. Dafür gibt es integrierte Kontrollmaßnahmen um beispielsweise Stubenfliegen- und Wadenstecherpopulationen in Viehställen zu kontrollieren und somit die Verbreitung von Resistenzen über den Vektor Fliege zu anderen Ställen und/oder in die Umwelt zu reduzieren.

Quelle: Veterinärmedizinische Universität Wien

Mastitis: Wie ziehe ich richtig Milchproben?

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Ein wirksames Vorgehen gegen Mastitis beginnt mit einer sauberen und gezielten Diagnostik. Nur wer weiß, welche Erreger im Betrieb Probleme bereiten, kann passende Behandlungen und vorbeugende Maßnahmen ergreifen. Ein zentraler Bestandteil dabei ist die korrekte Entnahme von Viertelgemelksproben zur bakteriologischen Untersuchung.

Warum Milchproben untersuchen?
Euterentzündungen treten häufig auf und oft steigt gleichzeitig der Zellgehalt der Tankmilch. Eine fundierte Diagnostik beantwortet Fragen wie: Welche Erreger sind beteiligt? Soll behandelt werden und wenn ja, womit? Besonders bei erhöhten Zellzahlen, akuten Euterentzündungen oder ausbleibendem Behandlungserfolg ist eine Laboranalyse zielführend.

Milchproben richtig entnehmen – der Schlüssel zur Diagnose
Die Aussagekraft jeder Untersuchung steht und fällt mit der korrekten Probenentnahme. Optimal geeignet sind Anfangsgemelksproben aus jedem der vier Euterviertel eines Tieres. Auch wenn nur ein Viertel klinisch auffällig ist, sollten alle Viertel beprobt werden. Das erlaubt dem Labor den Vergleich gesunder und infizierter Viertel und das Aufdecken subklinischer Infektionen.

Ablauf der korrekten Probennahme:

• Vorbereitung: Probenröhrchen, 70 % Alkohol, Euterpapier oder saubere Watte bereithalten.

• Vormelken: Die ersten Strahlen jedes Viertels in einen Vormelkbecher geben, um Keime aus dem Strichkanal auszuspülen.

• Reinigung: Die Zitze mit Euterpapier säubern.

• Desinfektion: Die Zitzenkuppe mit Alkohol gründlich desinfizieren. Zuerst die am weitesten vom Melker entfernte Zitze, zuletzt die nächstgelegene Zitze desinfizieren.

• Probenentnahme: Ohne die Röhrchenöffnung zu berühren, die Probe direkt in das sterile Röhrchen melken. Zuerst die am nächsten zum Melker befindlichen Zitzen beproben, danach die entfernteren Zitzen.

• Lagerung: Proben rasch kühlen (Kühlschrank oder Gefrierfach) und zügig ins Labor schicken.

Wird dieser Ablauf nicht eingehalten, besteht das Risiko, dass Kontaminanten (z. B. Hautkeime) das eigentliche Erregerbild überlagern. Die Folge sind falsche oder unbrauchbare Ergebnisse.

In akuten Fällen: Behandeln und Beproben
Bei schweren Mastitisfällen darf die Therapie nicht verzögert werden. Trotzdem sollte die Milchprobe vor der ersten Antibiotikagabe entnommen werden. Falls dies nicht möglich war, kann auch parallel zur laufenden Behandlung beprobt werden. Bleibt der Therapieerfolg aus, hilft die Erregerbestimmung bei der Anpassung der Behandlung.

Subklinische Mastitis erkennen
Bei chronisch erhöhter Zellzahl ohne sichtbare Entzündung ist die gezielte Beprobung besonders sinnvoll. Es empfiehlt sich, mindestens zehn zellzahlauffällige Tiere (bzw. 10 % der Herde) mit Viertelgemelksproben zu untersuchen. So lassen sich subklinische Infektionen und deren Erreger gezielt identifizieren.

Antibiotikaeinsatz gezielt absichern
Die Auswahl der eingesetzten Antibiotika – auch bei Trockenstellern – sollte auf Laborergebnissen beruhen. Dies ist nicht nur therapeutisch sinnvoll, sondern auch arzneimittelrechtlich vorgeschrieben. Eine fundierte Diagnostik schützt vor unnötigem Antibiotikaeinsatz und hilft, Resistenzen zu vermeiden.

Erreger- und Resistenzbestimmung
Im Labor erfolgt die Identifikation der Erreger sowie deren Antibiotikaempfindlichkeit (z. B. mittels Plättchentest). Hierbei werden Hemmhöfe um antibiotikahaltige Testplättchen auf einem Nährboden ausgewertet. Wichtig: Die Erreger müssen vorab isoliert werden, um eine aussagekräftige Resistenzprüfung durchzuführen. Eine direkte Ausbringung der Milch auf Nährboden ist nicht zielführend, da oft Kontaminanten schneller wachsen als die Mastitis-Erreger.

Keine Behandlung ohne Diagnostik?
Ein Antibiogramm ist kein Therapieauftrag, sondern ein diagnostisches Hilfsmittel. Es zeigt, welche Wirkstoffe nicht eingesetzt werden sollten. Ob eine Behandlung notwendig ist – und wenn ja, mit welchem Präparat – muss im Einzelfall entschieden werden, idealerweise in Abstimmung mit dem Hoftierarzt.

Fazit
Eine gezielte Mastitisbehandlung beginnt im Melkstand: Nur korrekt gewonnene Milchproben erlauben eine fundierte Erregerdiagnose und ermöglichen eine verantwortungsvolle, rechtssichere und wirksame Therapie. Unsaubere Probennahmen gefährden nicht nur das Untersuchungsergebnis, sondern im schlimmsten Fall auch die Tiergesundheit. Deshalb gilt: Diagnostik beginnt mit der sauberen Probenentnahme.

Kontakt: https://www.tiergesundheitundmehr.de/ansprechpartner
Mehr zur Eutergesundheit www.ubrocare.de

Nanoplastik in Tierzellen nachgewiesen – FBN-Studie warnt vor möglichen Folgen

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Forschende am Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf und der Universität Udine haben die Aufnahme von Nanoplastik in Nutztierzellkulturen nachgewiesen. Die Ergebnisse liefern Hinweise auf mögliche Risiken für Tiergesundheit, Fleischerzeugung und auch für die Ernährungssicherheit des Menschen.

Plastiktüten, Verpackungen, Joghurtdeckel – was achtlos weggeworfen wird, zerfällt über Jahre zu winzigen Plastikteilchen. Sie landen in Böden, Gewässern und schließlich in unserer Nahrungskette. Zwar haben zahlreiche Studien bereits gezeigt, dass Mikroplastik Meerestiere, Vögel und Insekten schädigen kann, doch die Auswirkungen von Nanoplastik auf Nutztiere sind bislang kaum erforscht.

Im Unterschied zu Mikroplastik (1 µm – 5 mm) gibt es derzeit kaum adäquate Analysemethoden zum Nachweis von Nanoplastik (< 1 µm) in Mensch und Tier. Forschende gehen jedoch davon aus, dass sich auch diese kleinen Partikel in Geweben anreichern können.

FBN-Studie: Nanoplastik dringt in Nutztierzellkulturen ein
In der gemeinsamen Studie haben Forschende des FBN und der Universität Udine nachgewiesen, dass Nanoplastikpartikel aus Polystyrol in Zellkulturen von Rindern und Schweinen aufgenommen werden. Diese Aufnahme führte zu Veränderungen, die langfristig die Zellfunktion und Gesundheit der Tiere beeinträchtigen könnten.

„Da wir über Nanoplastik noch viel zu wenig wissen und der Nachweis schwierig ist, sind unsere Ergebnisse besonders wichtig, um die Risiken besser abschätzen zu können“, erläutert Dr. Anja Baufeld von der Arbeitsgruppe Zellphysiologie und Reproduktion am FBN. „Als wir sahen, dass Nanoplastik in die Zellen eindringt, wussten wir, dass dies weitreichende Folgen haben könnte“, so Baufeld weiter.

Folgen für Fruchtbarkeit und Fleischerzeugung möglich
Untersucht wurden Granulosazellen von Rindern, die eine wichtige Rolle bei der Fortpflanzung spielen, sowie Myoblasten von Schweinen, aus denen Muskelgewebe gebildet wird. Bereits geringe Konzentrationen führten zu mikroskopisch sichtbaren Einlagerungen. Diese könnten die Fruchtbarkeit der Tiere sowie deren Produkte beeinträchtigen.

Risiken für den Menschen nicht ausgeschlossen
Nutztiere sind Teil der menschlichen Nahrungskette. Direkte gesundheitliche Risiken für Verbraucher lassen sich derzeit nicht ableiten. Dennoch mahnen die Forschenden, die langfristigen Folgen von Mikro- und Nanoplastik genauer zu untersuchen.

„Unsere Forschung zeigt, dass Nanoplastik nicht nur ein Umweltproblem ist, sondern potenziell auch direkte Folgen für die Gesundheit von Nutztieren haben könnte. Diese ersten Hinweise machen deutlich, wie wichtig es ist, Plastikverschmutzung noch intensiver zu erforschen, um mögliche Risiken sowohl für Tiere als auch für Menschen frühzeitig einschätzen zu können“, sagt Baufeld.

Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Science of The Total Environment veröffentlicht. Sie bildet eine wichtige Grundlage, um die Auswirkungen von Nanoplastik auf Tiere besser zu verstehen – und mögliche Risiken für Umwelt und Mensch zu minimieren. Auch in weiteren Arbeiten hat Dr. Anja Baufeld die Effekte von Mikro- und Nanoplastik untersucht, unter anderem in einer Übersichtsarbeit zu möglichen Risiken für Wiederkäuer als wichtiger Bestandteil der menschlichen Ernährung (Animals 2024, 14(2), 350; https://doi.org/10.3390/ani14020350) sowie zu deren Auswirkungen auf die Reproduktion und Tiergesundheit insgesamt (Animals 2023, 13(7), 1132; https://doi.org/10.3390/ani13071132).

Am Forschungsinstitut für Nutztierbiologie wird das Thema Plastikverschmutzung und ihre Auswirkungen auf Nutztiere auch künftig weiter intensiv erforscht.

Quelle: Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN)

Webinar „Wasserlinse: Futtermittel der Zukunft?“ 14. 11. 2025

Der Verbund Transformationsforschung agrar Niedersachsen lädt ein zum
Webinar „Wasserlinse: Futtermittel der Zukunft? – Potenziale und Herausforderungen“ für die Agrar- und Ernährungswirtschaft: Freitag 14. November 2025, von 09:00 bis 11:00 Uhr.

trafo:agrar schreibt dazu: „Auf Grundlage der Ergebnisse des EIP geförderten Projektes Rewali („Reduktion des Nährstoffeintrages in Gewässer sowie Produktion von Futtermittel durch Wasserlinsen“) diskutieren wir gemeinsam mit landwirtschaftlicher Praxis, den Forschenden der Universität Göttingen und vielen weiteren Akteuren aus Wirtschaft und weiteren Projekten Nutzen, Aufwand und Herausforderungen bei Anbau, Futterpotenzial und Nachhaltigkeit der eiweißreichen kleinen Wasserpflanze mit Filterpotenzial.

Nutzen Sie die Gelegenheit, sich mit Expert:innen und Projektpartner:innen zu vernetzen und im Rahmen inspirierender Vorträge neue Impulse für Ihre Arbeit zu gewinnen. Das detaillierte Programm folgt in Kürze.“

Anmeldung unter: www.trafo-agrar.de/anmeldung

Den Link zum Webinar erhalten Sie nach Anmeldung kurz vor Veranstaltung.

Tierschutz in der Nutztierhaltung: kleine Wiederkäuer – 30. Deutscher Tierärztetag in Dortmund

Beim 30. Deutschen Tierärztetag in Dortmund befasste sich ein Arbeitskreis mit dem Thema „Tierschutz in der Nutztierhaltung“ und hier speziell mit den kleinen Wiederkäuern. Dr. Henrik Wagner (JLU Gießen) fasste im Anschluss eine ganze Reihe von Forderungen Schafe, Ziegen und Neuweltkameliden (NWK) betreffend zusammen.

Zuallererst forderten die Tierärzte den Gesetzgeber auf, bürokratische Hürden für die Zulassung von Medikamenten abzubauen und dem Therapienotstand bei den kleinen Wiederkäuern entgegenzuwirken.

Es komme etwa bei Geburten häufig zu gestörten Verläufen, sog. Dystokien. Dann bräuchten Tierärzte eigentlich ein Präparat, das die Gebärmutter zum Erschlaffen bringt, um Lämmer sicher ans Licht der Welt zu bringen. Clenbuterol aber sei nur für Rinder und Pferde zugelassen.

Ein Lamm zu extrahieren ginge meist noch, berichtete Dr. Wagner aus eigener Praxis. Aber bei Neuwelt-Crias, mit ihren sehr langen Hälsen und sehr langen Extremitäten, sei es höchst schwierig Verletzungen bei der Geburtshilfe zu vermeiden.

Ähnliches gelte für NSAIDs (nichtsteroidale Antirheumatika) bei der Schmerzbehandlung. Hier gebe es für die kleinen Wiederkäuer kaum zugelassene Präparate. Deshalb müssten Tierärzte Medikamente, die eigentlich nur für andere Tierarten zugelassen sind, umwidmen.

In solchen Fällen verhielten sich jedoch Tierhalter oft zögerlich, weil dann eine entsprechende Wartezeit einzuhalten sei. Insbesondere
Bio-Tierhalter überlegten oft zweimal, ob sie solche Medikamente anwenden wollen oder nicht, weil sich nach den Richtlinien ihrer Verbände die vorgeschriebenen Wartezeiten verdoppeln.

Auch seien in den letzten Jahren immer wieder gewisse Impfstoffe, etwa gegen Clostridien, gar nicht lieferbar gewesen. Sehe ein Impfplan diese aber in bestimmten Intervallen vor, könne es zu einer „Impflücke“ und damit zu vermeidbaren Verlusten kommen. Und das obwohl es innerhalb der EU andere vergleichbare Impfstoffe gibt, die in Deutschland aber aus gesetzlichen Gründen nicht verwendet werden dürfen.

Des Weiteren fordere die Tierärzteschaft einen Sachkundenachweis, bevor die Haltung von kleinen Wiederkäuern überhaupt aufgenommen wird, sowie verpflichtende jährliche Fortbildungen und dies auch für nicht gewerbsmäßige Haltungen. Auch gebe es gar keine Leitlinien oder Haltungsempfehlungen für Neuweltkameliden. Hier solle schnellstens Abhilfe geschaffen werden.

Weiter führte Dr. Wagner aus, es existiere zwar eine gesetzliche Vorgabe zur Einzeltierkennzeichnung von NWK, diese werde aber noch nicht umgesetzt. Auch sollten die Tiere in der HIT-Datenbank erfasst und in die Tierseuchenkasse aufgenommen werden. Ein NWK-Pass analog zum Equidenpass sei ebenfalls wünschenswert. Schließich fehlten Forschungsgelder für Schaf, Ziege und NWK um, einheitliche Zucht-Programme auf Gesundheitsmerkmale etablieren zu können.

Bundesländer in denen es noch keinen Tiergesundheitsdienst gibt, werden aufgefordert solche Stellen zu schaffen und mit qualifiziertem Personal – auch für kleine Wiederkäuer – auszustatten.

Es bräuchte darüber hinaus einen „Fachtierarzt für kleine Wiederkäuer“ und Weiterbildungsangebote nach einheitlichen Leitlinien. Hier seien die Tierärztekammern gefordert.

“Last but not least“ müssten die Organisationen der Tierärzteschafft zur Bedrohung von Nutztieren durch Wölfe und Luchse Stellung beziehen, um Nutztierhaltung in Deutschland auch für die Zukunft zu sichern.

Antibiotikaabgabe in Tiermedizin leicht gestiegen

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Polypeptidantibiotika auf niedrigstem Wert seit 2011, leichter Anstieg bei Fluorchinolonen und Cephalosporinen der 3. und 4. Generation

Die Menge der in der Tiermedizin abgegebenen Antibiotika ist in Deutschland im Jahr 2024 leicht gestiegen. Laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) wurden insgesamt 562 Tonnen Antibiotika an Tierärzte und weitere Empfänger abgegeben. Das ist ein Plus von 34 Tonnen (6,4 %) gegenüber dem Vorjahr. Im Vergleich zu 2011, dem ersten Jahr der Erfassung, beträgt der Rückgang 67 Prozent.

Von den 562 Tonnen (t) Antibiotika, die 2024 abgegeben wurden, entfallen wie in den Vorjahren die größten Mengen auf Penicilline (222 t) und Tetrazykline (113 t). Es folgen Sulfonamide (62 t), Makrolide (53 t), Aminoglykoside (37 t) und Polypeptidantibiotika (31 t).

© BVL
Von den Antibiotika, die von der Weltgesundheitsorganisation WHO als Wirkstoffe mit besonderer Bedeutung für die Therapie beim Menschen eingestuft werden (Highest Priority Critically Important Antimicrobials for Human Medicine), sind für Polypeptidantibiotika erneut geringere Mengen abgegeben worden als im Vorjahr (Colistin; 31 t; -7,4 %). Damit erreichten diese ihren bisher niedrigsten Wert seit dem Jahr 2011. Für die Fluorchinolone wurde ein leichter Anstieg der Abgabemengen um 0,2 t verzeichnet (+3,5 %). Auch die Abgabemenge von Cephalosporinen der 3. und 4. Generation stieg leicht um 0,1 t im Vergleich zum Vorjahr (+4,4 %).

„Trotz des geringen Anstiegs bewegen sich die Antibiotikaabgabemengen auf einem im Vergleich zum Jahr 2011 sehr niedrigen Niveau und haben sich stabilisiert. Die in Deutschland getroffenen Maßnahmen zum verantwortungsvollen Antibiotikaeinsatz sind wirksam und für die Human- und Veterinärmedizin von Bedeutung“, erklärt Prof. Dr. Gaby-Fleur Böl, Präsidentin des BVL.

Die gemeldeten Wirkstoffmengen lassen sich nicht einzelnen Tierarten zuordnen, da die Mehrzahl der Tierarzneimittel, welche diese Wirkstoffe enthalten, für die Anwendung bei verschiedenen Tierarten zugelassen ist.

Aufgrund gesetzlicher Änderungen werden seit dem Jahr 2023 nicht nur Antibiotika erfasst, die von pharmazeutischen Unternehmen und Großhändlern an Tierärzte abgegeben werden, sondern zum Beispiel auch an Apotheken, Veterinärbehörden und Hochschulen. Bedingt durch die Änderungen sind die erfassten Zahlen deshalb nur eingeschränkt mit denen der vorherigen Jahre (2011-2022) vergleichbar. Ein zuverlässiger Trend ist erst wieder in zukünftigen Jahren ableitbar.

Hintergrundinformation
Die Entwicklung und die Verbreitung von Antibiotikaresistenzen stellen eine globale Herausforderung in der Human- und Veterinärmedizin dar. Der Transfer von antibiotikaresistenten Bakterien und Resistenzgenen ist wechselseitig zwischen Mensch, Tier und Umwelt möglich.

Seit dem Jahr 2011 sind pharmazeutische Hersteller und Inhaber einer Großhandelsvertriebserlaubnis gesetzlich dazu verpflichtet, die Mengen an Antibiotika, die jährlich an Tierärztinnen und Tierärzte, sowie seit 2023 auch an weitere Empfänger gemäß § 45 Abs. 6 Nr. 1 Tierarzneimittelgesetz, in Deutschland abgegeben werden, zu melden. Diese Daten werden im Tierarzneimittel-Abgabemengen-Register (TAR) erfasst und durch das BVL validiert, ausgewertet und veröffentlicht.

Quelle: Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)

Epizootische Hämorrhagische Krankheit (EHD) in Europa – Überblick und Impfsituation

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Die Epizootische Hämorrhagische Krankheit (EHD) ist eine durch Mücken übertragene Viruserkrankung, die Rinder betrifft und der Blauzungenkrankheit (BTV) virologisch und symptomatisch stark ähnelt. Beide Erkrankungen gehören zur Familie der Reoviridae und zur Gattung Orbivirus. In der EU wurde EHD erstmals 2022 in Italien nachgewiesen, gefolgt von Ausbrüchen in Spanien und Portugal im November desselben Jahres. Im Herbst 2023 erreichte das Virus Frankreich. Zwischen Juni 2024 und Mai 2025 wurden über 3.800 Ausbrüche registriert.

Die Übertragung erfolgt durch verschiedene Culicoides-Mückenarten, von denen etwa zehn als potenzielle Vektoren gelten. Besonders relevant ist Culicoides obsoletus, die auch in Nordeuropa weit verbreitet ist. Mücken legen täglich Distanzen von etwa 5 Kilometern zurück, können mit Rückenwind jedoch über 100 Kilometer fliegen und somit zur raschen Verbreitung des Virus beitragen, sogar über Meeresflächen, wie beispielsweise von Sizilien nach Spanien. Die Hauptaktivität der Mücken liegt in den wärmeren Monaten; im Süden Frankreichs reicht sie von Ende Januar bis in den späten Dezember.

Das Virus weist derzeit sieben bekannte Serotypen auf. In der EU ist aktuell Serotyp 8 aktiv, der vor allem bei adulten Rindern Krankheitserscheinungen verursacht. Zwischen den Serotypen besteht nur eine limitierte Kreuzimmunität. Die Inkubationszeit beträgt durchschnittlich fünf Tage (Spanne: 2 bis 10 Tage). Die klinische Ausprägung ist hochvariabel und reicht von subklinischen bis hin zu schweren Verläufen. Die Morbidität liegt bei etwa 10 %, die Mortalität bei etwa 1 %.

Klinisch ist EHD schwer von der Blauzungenkrankheit zu unterscheiden, da viele Symptome überlappen. Diese reichen von unspezifischen Allgemeinerscheinungen wie Fieber, Lethargie, Inappetenz und Milchleistungsabfall bis zu ausgeprägten Ödemen, Ulzerationen in Maul, Nase und Verdauungstrakt, Hyperämie der Konjunktiven und Schleimhäute, starkem Nasen- und Augenausfluss sowie Lungenödemen, Pleuraergüssen und hämorrhagischen Veränderungen in verschiedenen Organen. Eine Diagnose allein anhand der klinischen Symptome ist daher nicht möglich. Differentialdiagnosen umfassen unter anderem BTV, Maul- und Klauenseuche, infektiöse bovine Rhinotracheitis (BHV-1), Bovine Virusdiarrhöe/Mucosal Disease (BVD) sowie das bösartige Katarrhalfieber (OHV-2).

Die Diagnostik ist anhand der Klinik nicht möglich. Sie erfolgt über den direkten Erregernachweis, beispielsweise durch Virusanzucht oder PCR aus Blut- und Gewebeproben. Die Serotypisierung ist möglich, und PCR-Tests sind spezifisch für EHD, sodass keine Kreuzreaktionen mit BTV auftreten, das ist ein wichtiger Aspekt, insbesondere im Kontext von Exportuntersuchungen.

Zur Bekämpfung des EHD-Virus steht nun ein neuer Impfstoff zur Verfügung. Dieser wird Rindern ab einem Alter von zwei Monaten in zwei Dosen (je 4 ml, subkutan) im Abstand von drei Wochen verabreicht. Die Immunität beginnt 21 Tage nach Abschluss der Grundimmunisierung. Die Dauer der Immunität ist derzeit noch nicht bekannt. Der Impfstoff ist 18 Monate haltbar und kann nach Anbruch noch 10 Stunden verwendet werden. Es bestehen keine Wartezeiten für Milch oder Fleisch. Die Verpackungseinheit umfasst 25 Dosen (100 ml).

Die Impfsituation in Europa ist heterogen:
In Spanien, Portugal, den Niederlanden, der Schweiz sowie auf Guernsey und Jersey ist die Impfung freiwillig. Auch in Frankreich ist die Impfung freiwillig, wobei in bestimmten Regionen ein sogenannter Impfgürtel als Schutzzone eingerichtet wurde. Innerhalb dieser Zone werden die Impfkosten finanziell ausgeglichen. In Belgien besteht eine Impfpflicht für Rinder ab sechs Monaten, die bis September 2025 gilt; die Regierung übernimmt einen Teil der Kosten. Luxemburg setzt auf eine freiwillige, aber staatlich finanzierte Impfung als präventive Strategie. In Deutschland und Österreich ist die Impfung aktuell ebenfalls freiwillig.

Quelle: Der Hoftierarzt (auf Basis von Pressekonferenz-Unterlagen der Ceva Tiergesundheit GmbH)

Impfkonzept Prime-Boost von Boehringer Ingelheim verbessert Kälbergesundheit nachhaltig

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Trotz standardmäßiger intranasaler Impfung gegen Atemwegserkrankungen erkrankten Kälber in einem staatlichen Versuchsbetrieb regelmäßig an enzootischer Bronchopneumonie (EBP). Die betroffenen Tiere zeigten teils schwere Verläufe, lange Behandlungen und eine verzögerte Entwicklung.

Ein neuer Impfansatz brachte nun den Durchbruch: Im Rahmen eines Praxisversuchs wurde ein erweitertes Impfkonzept („Prime-Boost“) mit Impfstoffen der Firma Boehringer Ingelheim getestet. Die Kälber der Versuchsgruppe erhielten zunächst – wie bisher – bis zur 2. Lebenswoche eine intranasale Impfung gegen BRSV (Bovine Respiratory Synzytial-Virus) und das PI3-Virus (Bovine Parainfluenza 3). Zusätzlich folgten ca. in der 5. und 8. Lebenswoche zwei subkutane Injektionen mit einem inaktivierten Impfstoff, der dieselben Virusstämme sowie Mannheimia haemolytica enthält.

Das Ergebnis: Eine im Vergleich zur Kontrollgruppe – die nur die intranasale Impfung erhielt – signifikant höhere Gewichtszunahme von 7,9 kg bis zum Alter von fünf Monaten! Dies verdeutlicht die Wirksamkeit des erweiterten Impfkonzepts.

Der Versuch bestätigt eindrucksvoll den Nutzen der modernen Impfstrategie „Prime-Boost“ und zeigt: Die Kombination der intranasalen Impfung für schnellen Schutz und die Injektion für langanhaltenden Schutz bieten eine nachhaltige Immunisierung gegen die wichtigsten Erreger des Bovine Respiratory Disease (BRD)-Komplexes.

Weitere Informationen unter: https://www.vetmedica.de/atemwegserkrankungen

oder Dr. Andreas Steinbeck, Tel.: +49 – 151 68946711

Lumpy Skin Disease (LSD) in Europa – Die aktuelle Lage

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Die Lumpy Skin Disease (LSD) oder auch Knötchenkrankheit ist eine anzeigepflichtige Viruserkrankung bei Rindern, die durch Capripoxviren verursacht wird. Ursprünglich in Afrika und dem Nahen Osten endemisch, hat sich die Krankheit in den letzten Jahren zunehmend auch in Europa und Südostasien ausgebreitet. Die Übertragung erfolgt vor allem mechanisch durch blutsaugende Insekten (z. B. Stechmücken oder Bremsen), was insbesondere in den warmen Monaten ein erhöhtes Risiko für Ausbrüche bedeutet, da die Vektoren dann besonders aktiv sind.

Erste Fälle in der Region traten 2012 im Mittleren Osten auf, gefolgt von einem Ausbruch in Griechenland im Jahr 2015. Ein Jahr später, 2016, kam es zu einem großflächigen Seuchenzug in Südosteuropa. Von dort breitete sich LSD entlang des Balkans in nordwestliche Richtung aus. Durch umfassende Impfmaßnahmen in betroffenen Ländern wie Griechenland, Bulgarien, Nordmazedonien, Kosovo, Montenegro und Albanien konnte die Seuche bis Ende 2017 weitgehend unter Kontrolle gebracht werden. Auch in den Folgejahren wurden Impfprogramme fortgeführt, sodass nach dem letzten gemeldeten Ausbruch in der Türkei im Jahr 2021 vorübergehend keine weiteren Fälle in Südosteuropa auftraten, bis zum Mai 2025.

Parallel dazu kam es in mehreren südostasiatischen Ländern zu einem Anstieg der LSD-Fälle, was die zunehmende globale Ausbreitung des Virus unterstreicht. Am 23. Juni 2025 wurde schließlich der erste Fall in Italien (Sardinien) gemeldet, gefolgt von einem weiteren Ausbruch am 25. Juni in Norditalien (Mantua, Lombardei). Nur wenige Tage später, am 30. Juni 2025, meldete Frankreich seinen ersten LSD-Fall in der Region Savoie, nahe der Schweizer Grenze. Am 2. Juli 2025 folgten zusätzliche Ausbrüche auf Sardinien. Diese Entwicklungen deuten auf eine erneute, ernstzunehmende Ausbreitung in Südeuropa hin.

Typische Symptome bei infizierten Rindern sind Fieber und charakteristische knotige Hautveränderungen (Noduli), die meist an Kopf, Hals, Rücken sowie an Euter und Zitzen auftreten. Diese Hautveränderungen können auch unauffällig sein und nur durch Abtasten erkannt werden. Begleitend werden häufig Lymphknotenschwellungen, Nasen- und Augenausfluss sowie allgemeine Schwäche und Leistungseinbußen beobachtet. Besonders problematisch ist auch die Gefahr von Aborten bei tragenden Tieren. In vielen Fällen verläuft die Infektion jedoch auch subklinisch oder asymptomatisch, was die Diagnosestellung zusätzlich erschwert.

Bei Verdacht auf LSD ist sofort das zuständige Veterinäramt zu benachrichtigen. Verdachtsfälle sollten schnellstmöglich abgeklärt werden, um eine Weiterverbreitung zu verhindern. Für den direkten Erregernachweis eignen sich insbesondere Proben von betroffenen Hautstellen – etwa Krusten, Noduli, Hautstanzen oder Geschabsel. Ergänzend können Blutproben sowie Nasen- und Speicheltupfer verwendet werden. Alle Proben sind an das Nationale Referenzlabor (NRL) für LSD am Friedrich-Loeffler-Institut (Insel Riems, Greifswald) zu senden. Eine rasche Diagnostik und entschlossenes Handeln sind entscheidend, um die Ausbreitung dieser Tierseuche in Europa einzudämmen.

Die aktuellen Ausbrüche der LSD sind ca. 200 km von der deutschen Grenze entfernt. Das FLI schätzt das Risiko einer Einschleppung von LSD nach Deutschland derzeit noch als gering ein, sofern die Schutzmaßnahmen in den bisher betroffenen Ländern greifen. Hier der Link zur Risikoeinschätzung:

Quelle: Der Hoftierarzt, mit Informationen des Friedrich-Löffler-Institutes (FLI)

Zuerst erschienen im E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 4/2025

Vielfältige Weiden – mehr Milch und weniger Methan?

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Weidemilch steht für artgerechte Tierhaltung und nachhaltige Landwirtschaft. Die Kühe verbringen den Großteil des Jahres auf der Weide und fressen vor allem frisches Gras oder Heu. Das hat auch Vorteile für die Umwelt: Dauergrünland fördert Biodiversität, schützt den Boden und bindet Kohlenstoffdioxid. Stark abhängig von Wetter und Vegetationsperiode, stehen Betriebe gleichzeitig vor Herausforderungen.

Produktiver soll die Haltung sein, wenn Weideland eine große Vielfalt an Gräsern, Kräutern sowie Leguminosen wie Klee und Lupinen aufweist. Mit einer Meta-Analyse auf der Grundlage verschiedener Studien hat ein Forschungsteam der Universität Göttingen diese Strategie überprüft. Das Ergebnis: Wie vielfältig das Weideland ist, wirkt sich laut Studie nicht auf die Milchproduktion aus und auch nicht auf die Emissionen des Treibhausgases Methan, das Kühe vor allem beim Rülpsen ausstoßen. Ein höherer Anteil an Leguminosen kann hingegen die Milchproduktion fördern. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Food and Energy Security veröffentlicht.

In der Meta-Analyse über 16 Studien verglichen die Forschenden Grasflächen mit vielfältiger Vegetation und weniger artenreiches Weideland im Hinblick auf die Milchproduktion und Methan-Emissionen der Kühe sowie den Nährwert des Futters. Dass dabei keine eindeutigen Zusammenhänge nachweisbar waren, kann auch methodische Gründe haben, wie Erstautor Dr. Martin Komainda aus der Abteilung Graslandwissenschaft der Universität Göttingen erklärt: „Zehn der Studien dauerten zehn Tage oder weniger. Die Primärproduktivität und der Nährwert von Grünlandflächen schwanken jedoch innerhalb von Jahreszeiten und zwischen Jahren. Um das besser zu berücksichtigen, braucht es mehr ganzjährige und mehrjährige Studien.“ Pflanzenarten, die sich auf die Methan-Emissionen auswirken könnten, kamen auf den untersuchten Flächen zudem kaum vor.

Einen Trend zeigt die Studie dennoch auf: Je mehr Leguminosen auf den Weideflächen wuchsen, desto höher war die Milchleistung der Kühe. Die artenreichen Weideflächen wiesen allerdings nicht deutlich höhere Anteile dieser Pflanzen auf als die Vergleichsflächen. Doch Artenvielfalt im Weideland lohnt sich, betonen die Forschenden: „Betriebe sollten die Vorteile vielfältiger Grünlandflächen im Hinblick auf die Gesamtproduktivität und Ökosystemleistungen berücksichtigen, anstatt unmittelbare Verbesserungen bei der Milchproduktion oder Methan-Reduktion zu erwarten.“

Die Studie wurde vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Heimat gefördert.

Quelle: Georg-August-Universität Göttingen