MSD Tiergesundheit präsentierte neue Daten im Rahmen der Entwicklung einer Behandlung gegen Cryptosporidium parvum

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MSD Tiergesundheit präsentierte neue Daten im Rahmen der Entwicklung eines Impfstoffes zur Reduktion von C. parvum-Infektionen auf dem „European Buiatrics Congress“ und dem „ECBHM Jubilee Symposium 2023“ in Berlin. Der Gp40-Antigen-Impfstoff löst bei trächtigen Kühen eine Immunantwort gegen Cryptosporidium parvum aus, um ihre neugeborenen Kälber durch Antikörper im Kolostrum zu schützen. Die kombinierten Studienergebnisse stellen weltweit den ersten wirksamen maternalen Impfstoff gegen C. parvum dar.

MSD Tiergesundheit stellte auf dem „European Buiatrics Congress“ und dem „ECBHM Jubilee Symposium 2023“ (EBC 2023) neun neue Studien vor, einschließlich entscheidender Feldstudiendaten zur Bewertung der Wirksamkeit eines experimentellen Impfstoffs zum Schutz gegen Cryptosporidium parvum (C. parvum) bei neugeborenen Kälbern.

„Cryptosporidium parvum ist ein hochinfektiöser zoonotischer Parasit, der mit Neugeborenendurchfall bei Kälbern in Verbindung gebracht wird, eine der Hauptursachen für hohe Morbiditäts- und Mortalitätsraten bei Kälbern. Es besteht ein dringender Bedarf, diese gefährliche Infektion zu behandeln und vorzubeugen“, sagt Dr. Geert Vertenten, Global Technical Director of Ruminant Biologicals bei MSD Animal Health. „Die Daten, die wir auf dem European Buiatrics Congress 2023 präsentieren, unterstützen nachdrücklich die Weiterentwicklung eines Gp40-basierten Impfstoffs, der die Entwicklung von C. parvum bei neugeborenen Kälbern hemmt.

Der erste Datensatz, der auf dem EBC 2023 vorgestellt wird, evaluiert einen experimentellen Cryptosporidien-Impfstoff zum Schutz vor C. parvum Infektionen bei neugeborenen Kälbern durch passive Immunisierung. In der Studie erhielten gesunde tragende Färsen im letzten Trächtigkeitstrimester den experimentellen Cryptosporidien-Impfstoff. Nach der Geburt wurde Kolostrum von geimpften Färsen gesammelt und den lebensfähigen neugeborenen Kälbern verabreicht. Das Kolostrum wurde bis zu vier Stunden nach der Geburt verabreicht, bevor die Kälber bis zu vier Stunden später C. parvum-Oozysten ausgesetzt wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass neugeborene Kälber, die mit Kolostrum von mit Cryptosporidien geimpften Färsen gefüttert wurden, ein deutlich geringeres Risiko hatten, an Durchfall zu erkranken, gemessen an den erhobenen Gesundheits- und Durchfallscores.

MSD Tiergesundheit wird demnächst eine zweite Reihe von Untersuchungen vorstellen, die die Antikörperreaktion des gleichen Cryptosporidien-Impfstoffs bei Rindern in Bezug auf parasitäre Infektionsstadien von C. parvum und ein In-vitro-Infektionsmodell untersuchten. Die Ergebnisse zeigen, dass die Titer von In-vitro neutralisierenden Gp40-Antikörpern bei Tieren, denen der Cryptosporidien-Impfstoff verabreicht wurde, im Vergleich zur nicht geimpften Kontrollgruppe, deutlich erhöht war. Diese Daten bestätigen auch, dass Gp40 ein wichtiges Protein ist, das auf der Außenseite verschiedener C. parvum-Infektionsstadien exprimiert wird.

„Wir von MSD Tiergesundheit sind führend beim Schutz von Rindern vor den häufigsten und schwerwiegendsten Krankheitserregern und bieten Lösungen für das gesamte Herdenmanagement an, um das Tierwohl und die betriebliche Effizienz zu verbessern. Diese Verantwortung beginnt damit, dass wir denjenigen, die für das Gesundheitsmanagement von Rinderherden sorgen, die nötigen Instrumente an die Hand geben, um die Tiere gesund zu halten und die Notwendigkeit von Behandlungen zu minimieren“, sagt Dr. Philippe Houffschmitt, Associate Vice President of the Global Ruminant Business bei MSD Animal Health. „Wir freuen uns, unsere neuesten Forschungsergebnisse zur C. parvum-Prävention vorzustellen. Wir hoffen, dass sie den wachsenden Bestand an wissenschaftlichen Erkenntnissen ergänzen und Rinderhaltern dabei helfen, bessere Entscheidungen über Gesundheitsinterventionen für Tiere zu treffen.

Die vollständigen Daten aus beiden C. parvum-Studien werden im Anschluss an den Kongress in der Zeitschrift „Vaccine“ oder „Veterinary Vaccine“ veröffentlicht.
Eine vollständige Liste der Vorträge von MSD Tiergesundheit auf dem EBC 2023 umfasst:

Oral presentations
Donnerstag, 24. August:
• Serologic predictors for pneumonia in male dairy veal calves

Freitag, 25. August:
• Main bovine respiratory infectious agents identified on stethoscopes and boots from 12 rural veterinary clinics
• Effect of on-arrival BRD vaccination on ultrasound confirmed pneumonia and production parameters in male dairy calves: a randomized clinical trial
• Motivation of dairy farmers to engage in primary prevention: current situation, drivers and perceived constraints

Samstag, 26. August:
• The effect of communication training on veterinarians’ communication and motivational interviewing skills assessed by herd health recordings

Poster presentations
• Are Bovine Respiratory Syncytial Virus (BRSV) vaccine strains still aligned with circulating BRSV strains
• Intranasal vaccination of calves at day of birth with a live attenuated vaccine against BRSV and PI3 and a live attenuated vaccine against respiratory coronavirus
• Can serology help to identify the risk of Mannheimia haemolytica outbreaks in adult dairy cows?
• Prevalence of bovine coronavirus on farms with respiratory disease in Northwestern Germany
• Prevalence, Biosecurity and Risk Management of Bovine Coronavirus Infections on Dairy Farms in Europe
• The effect of colostrum supplementation during the first 5 days of life on calf morbidity, enteric pathogens, weight gain and immunological response
• Mannheimia haemolytica vaccination of breeding goats to enhance the transfer of passive immunity against pneumonic pasteurellosis
• The first efficacious cryptosporidium vaccine protecting new-born calves
• Bovine anti-gp40 antibodies neutralize Cryptosporidium infections in-vitro and are reactive with different Cryptosporidium stadia
• Postpartum excretion of internal teat selant after selective dry cow therapy

Quelle: MSD Tiergesundheit

NEU: Das Top-Hygienepulver mit Eukalyptus-Aroma

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Natürliche Reduzierung der Keimbelastung in Schweine- und Kuhställen / Minderung von Eigengerüchen bei unterschiedlichen Herden und Würfen / sehr gute Hautverträglichkeit für Mensch und Tier – trotz hoher Alkalität / behördlich geprüft/*

Die Hufgard GmbH stellt jetzt erstmals mit „DESICAL® plus ODORO“ ein Hygienepulver mit Eukalyptus-Aroma zur Keimreduzierung in Kuh- und Schweineställen vor. Das Produkt ist natürlich trotz hoher Wirksamkeit.

Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK) bestätigt die gute Hautverträglichkeit unter Praxisbedingungen.

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DESICAL® plus ODORO reduziert die Keimbelastung im Kuh- und Schweinestall auf natürliche Weise. Das Biozidprodukt trägt zur Entlastung der Atemwege und zur Geruchsneutralisierung in Ställen bei. So hilft es beispielsweise bei der Reduzierung des Eigengeruches der Ferkel aus unterschiedlichen Würfen oder in der Rinderhaltung. „DESICAL® plus ODORO eignet sich optimal als Hygienestreu in der Bullenmast, wenn unterschiedliche Kälber aus verschiedenen Ställen zusammenkommen“, erläutert Frank Blecher, Vertriebsleiter von DESICAL. Hier bringt DESICAL® plus ODORO gleich mehrere Vorteile: Eine Minderung von Gerüchen, eine positive Hygienewirkung und eine bessere Darmflora der Tiere durch die Reduktion gängiger Darmbakterien. Das neue Hygieneprodukt besteht ausschließlich aus hochwertigen Komponenten, wie beispielsweise Tonmehle aus regionalen Vorkommen. Dabei hat es eine sehr gute Hautverträglichkeit für Mensch und Tier – trotz hoher Alkalität.

Behördlich geprüft
Der Schweinegesundheitsdienst der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK) bestätigt die gute Hautverträglichkeit von DESICAL® plus ODORO. Durch den Schweinegesundheitsdienst erfolgte ein Besuch vor und drei Besuche nach dem Abferkeln der Versuchs- und Kontrollgruppen. Die Sauen und Ferkel wurden anhand eines einheitlichen Erhebungsbogens untersucht und mit einem Scoresystem beurteilt. Bei der vierwöchigen Anwendung von DESICAL® plus ODORO als Hygienestreu im Abferkelstall konnten unter Praxisbedingungen keine negativen Einflüsse auf Haut und Gesäuge von 29 Sauen und 363 neugeborenen Ferkeln festgestellt werden. Kleinere Verletzungen, wie beispielsweise Kratzer am Gesäuge der Sau, heilten zügig ab.

DESICAL® plus ODORO ist ab sofort in 1.000 kg und 400 kg BigBags
erhältlich. Die Anwendungsberatung und der Vertrieb erfolgt über die
Hufgard GmbH in 63768 Rottenberg (Tel.: +49-(0)60 24-67 39-0 und E-Mail:
info@desical.de).

Weitere Informationen auch online unter www.desical.de.

Auf Grund der mangelnden Umsetzung ihrer Empfehlungen seitens der Politik löst sich die Borchert-Kommission auf

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In einem Statement vom 22.08.2023 hat das Kompetenznetzwerk Nutztierhaltung, die sogenannte Borchert-Kommission, bekannt gegeben, ihre Arbeit niederzulegen. Dem Netzwerk war es 2020 gelungen, erstmalig ein Gesamtkonzept für den Umbau der deutschen Tierhaltung hin zu einem höheren Tierwohlniveau vorzulegen.

Die Empfehlungen des Gremiums, bestehend aus Vertretern der konventionellen und ökologischen Landwirtschaft, Umweltverbänden, Wissenschaft und Wertschöpfungsketten, finden seitens der Politik keine Beachtung. Trotz erster Schritte in Bezug auf Änderungen im Bau- und Umweltrecht, sei ein für die Umsetzung notwendiger Durchbruch im Bundeshaushalt 2024 nicht erkennbar, so die Borchert-Kommission im gestern veröffentlichten Statement.

WLV-Präsident Hubertus Beringmeier bedauert die Auflösung:
„Die Borchert-Kommission hat erstmalig ein Gesamtkonzept für einen Umbau der Tierhaltung in Deutschland vorgelegt. Die Entscheidung zur Auflösung des Gremiums bedauere ich sehr, obgleich ich diesen Schritt nachvollziehen kann. Insbesondre die Frage der Finanzierung ist bis heute ungeklärt – besonders der Koalitionspartner FDP muss sich hier bewegen!“

Beringmeier sieht die Änderungen im Bau- und Umweltrecht als erste Schritte in die richtige Richtung – allerdings müsse die Frage der Finanzierung schnellst möglichst geklärt werden. „Als WLV standen wir von Anfang an hinter der ganzheitlichen Umsetzung der Empfehlungen der Borchert-Kommission – die Umsetzung dieser Empfehlungen muss auch nach Auflösung des Gremiums weiterhin verfolgt werden.“, so Beringmeier.

Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, kommentiert:
„Die Ergebnisse der Borchert-Kommission waren ein entscheidender Durchbruch, auch und gerade, weil sie von der gesamten Breite aller gesellschaftlichen Akteure im Agrarsektor getragen und erarbeitet wurden. Alte Gräben wurden überwunden, es wurde verantwortungsvoll um Kompromisse gerungen und ein tragfähiger Konsens zur „Nutztier“-Haltung der Zukunft erarbeitet.

Quellen:
Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband
Deutscher Tierschutzbund e.V.

Kälber haben andere Ansprüche als Jungrinder

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Von Dr. Julia Glatz-Hoppe, Beraterin für Milchrindhaltung, Mecklenburg-Vorpommern

Wird die Milchproduktion in einem Betrieb ausgedehnt, werden in erster Linie Investitionen in neue, komfortable Kuhplätze getätigt und mehr Kühe gehalten. Zum einen werden zusätzliche Liegeboxen oder gar ein neuer Boxenlaufstall gebaut, zum anderen stehen Tiefstreulaufställe als Abkalbe- und Krankenställe zur Erweiterung an. Mit der Vergrößerung der Herde der laktierenden Kühe werden auch mehr Plätze für Trockensteher benötigt. Wird zum Beispiel als Betriebsziel genannt, 150 Kühe zu melken, dann bedeutet das, dass die gesamte Herde in etwa 175 Kühe groß ist, da ca. 13 bis 15 % der Tiere trockenstehen. Mit dem Wachstum der Herde steigt auch die Anzahl der Abkalbungen pro Jahr und in der Regel auch die benötigten Jungtierplätze für die eigene Nachzucht. Die Platzplanung für die Jungrinder und auch die Kälber steht jedoch oftmals hinten an und Handlungsbedarf erscheint erst erforderlich, wenn alle vorhandenen Ställe bereits voll belegt sind und Platzmangel herrscht.

Für die Haltung von Kälbern und Jungrindern lassen sich Altgebäude grundsätzlich gut nutzen, wenn sie auf die Bedürfnisse der jeweiligen Tiergruppe angepasst werden. Während für heranwachsende und adulte Rinder keine detaillierten Haltungsvorschriften existieren, werden Mindestanforderungen an das Halten von Kälbern bis zum Alter von sechs Monaten in der Tierschutznutztierhaltungs-Verordnung (TierSchNutztV) formuliert. Dies resultiert unter anderem daraus, dass Kälber andere Ansprüche an ihre Haltungsumwelt haben als größere Rinder, die bereits vollständige Wiederkäuer sind. Kälber befinden sich zunächst noch in der Immunisierungsphase und werden erst allmählich zum Wiederkäuer.

Eine wichtige Mindestanforderung der TierSchNutztV, die zunächst nicht besonders schwer einzuhalten scheint, kann aber je nach Situation in Altgebäuden zum begrenzenden Faktor werden: Es wird gefordert, dass bei einer möglichst gleichmäßigen Verteilung im gesamten Aufenthaltsbereich der Kälber eine Lichtstärke von mindestens 80 Lux für mindestens zehn Stunden täglich dem Tagesrhythmus angeglichen erreicht wird. Um das zu gewährleisten, sind ausreichende lichtdurchlässige Flächen sowie künstliches Licht für die dunkle Jahreszeit vorzusehen. Diese Forderung ist sicherlich als ein Mindestmaß an zu sehen, da eine Lichtstärke von 80 Lux zum Beispiel für das menschliche Empfinden nicht einmal für längeres Lesen ausreichend ist und eher dämmerig erscheint. Eine erfolgreiche Kälberaufzucht wird in offenen helleren Ställen einfacher, denn Licht hat viele positive Wirkungen und fördert zum Beispiel Aktivität, Wachstum und Futteraufnahme. Zudem ist eine gute Beleuchtung für die Tierkontrolle zwingend.

Aus arbeitswirtschaftlichen und hygienischen Gründen ist die gängige Beratungsempfehlung, Kälber in den ersten 1 bis 2 Lebenswochen einzeln zu halten.


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Precision Livestock Farming in der Milchviehhaltung: Ein Überblick

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Von Dr. Joachim Lübbo Kleen, CowConsult

Digitalisierung, Big Data – das sind Schlagworte, die seit einigen Jahren auch mit der Milchviehhaltung in Verbindung gebracht werden. Nicht nur in der Fachpresse, auch in der allgemeinen Berichterstattung wird die zunehmende Verbreitung von Informationstechnologie auf Betrieben wahrgenommen. Nach einer Umfrage des Branchenverbandes Bitkom (Bitkom e.V. 2020) nutzen etwa 80 % der deutschen Landwirte in irgendeiner Form digitale Technologien. Es ist also angebracht, eine Übersicht über den aktuellen Stand des „Precision Livestock Farming“ in der Milchviehhaltung zu erhalten.

Mit „Digitalisierung“ wird eine Vielzahl unterschiedlicher Vorgänge beschrieben und es lassen sich zahllose Definitionen für diesen Begriff finden. Digitalisierung wird in der Nutztierhaltung häufig im Zusammenhang mit Sensortechnik, elektronischer Datenverarbeitung oder Autonomen Systemen wie Melkrobotern verwendet. Zunehmend wird hierfür der Oberbegriff des „Precision Livestock Farming“ (PLF) (Berckmans 2008) genutzt, der diese und andere Komponenten zusammenfasst. Unter PLF ist zu verstehen, dass Systeme wie Roboter und Sensoren zunehmend Daten erheben, welche durch standardisierte Rechenoperationen (Algorithmen) verarbeitet werden. Die Ergebnisse der Algorithmen deuten auf Veränderungen hin (z.B. sogenannte „Alarme“), diese dienen dann als Grundlage für Entscheidungen. Der Unterschied zur traditionellen, retrospektiven Entscheidungsfindung liegt hierbei in der unmittelbaren Verfügbarkeit und Verarbeitung von Daten, der Integration von Daten verschiedener Quellen und der daraus folgenden unmittelbaren Umsetzung einer Entscheidung.

Sensoren
Ein „Sensor“ ist ein „Messfühler“, der physikalische Werte erfasst und messen kann. Mit „Sensor“ wird im Bereich der Milchviehhaltung vor allem der Bereich der automatischen Brunsterkennung verknüpft; diese Anwendung ist verbreitet und der praktische Nutzen gut belegt. Beispielhaft sei hier die Arbeit von (Kempf 2016) erwähnt, in der von einer Brunsterkennungsrate von 95 % durch das Sensorsystem und einer Überlegenheit gegenüber visueller Brunstbeobachtung berichtet wird. Aber auch andere Parameter können durch Sensoren mittlerweile erfasst werden, auch wenn nicht alle Systeme schon marktreif sind. Ein biologischer Parameter kann hierbei durchaus durch unterschiedliche Sensortypen erfasst werden. Beispielhaft sei hier die Wiederkauaktivität genannt: Um das Wiederkauen der Tiere zu erfassen, können Beschleunigungssensoren (Reiter et al. 2018), Drucksensoren (Shen et al. 2020) oder Mikrofone (Vanrell et al. 2018) verwendet werden. Knight (2020) teilt die verfügbaren Sensorsysteme ein in „Systeme an der Kuh“ (z.B. Beschleunigungssensoren, ruminale pH-Meter), „Kuh-nahe Sensoren“ (z.B. Kameras oder Mikrofone) und „Kuh-ferne Sensoren“ (z.B. Analysevorrichtungen für Biomarker in der Milch).

Die Algorithmen können durch entsprechende Prozesse des sogenannten „machine learning“ schließlich auf Basis von Datenmustern Ereignisse voraussagen, also beispielsweise das Risiko für eine klinische Mastitis errechnen und Risikotiere anzeigen. Die Datenintegration kann aber auch sensor-unabhängige Daten umfassen wie Milchmengenmessung, tierärztlich erhobene Befunde oder wirtschaftliche Rahmendaten. Von der Entscheidungsunterstützung ergebe sich hier der nächste Entwicklungsschritt zur Entscheidungsfindung („decision making“), bei der ein System die sich auf Basis der erhaltenen Informationen anbietenden Optionen wie Separierung, Behandlung, Besamung usw. dem Tierhalter anbiete oder sogar selbst umsetze, beispielsweise indem ein Besamungsauftrag bei festgestellter Brunst automatisch übermittelt oder ein Tier durch Programmierung der Tierseparation in eine andere Gruppe überführt werde. Diese Stufe kann als vollständige Umsetzung des Konzeptes des PLF verstanden werden: Die Sensoren sind hierbei lediglich Lieferanten von Information, welche dann von Algorithmen ausgewertet und mit anderen Informationen verknüpft wird. Es ist aber festzustellen, dass derzeit kein Sensorsystem für sich allein eine volle Ausschöpfung der theoretischen Möglichkeiten erreicht. Anwender sind also vorerst auf eine Kombination von Systemen angewiesen, sollten sie eine vollständige Überwachung und Steuerung der Milchviehherde anstreben.

Algorithmen
Unter „Algorithmus“ wird ein „Rechenvorgang nach einem bestimmten [sich wiederholenden] Schema“ (Duden 2021b) verstanden. Ein Algorithmus ist also ein standardisierter, iterativer Vorgang, der dazu dient, Informationen mittels eines festgelegten Prozesses zu Aussagen zu verarbeiten. Wie bereits erwähnt, dienen Algorithmen im Rahmen des PLF dazu, aus Sensordaten oder anderen Informationen, wie z.B. Lebensereignissen der Kuh, anwendbare Informationen zu schaffen.


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Wie Bürgerbeteiligung (nicht) funktioniert – Bürgerrat Ernährung III

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Über Formen deliberativer Demokratie ist schon viel philosophiert und diskutiert worden. Auch der damalige Wissenschaftliche Beirat des BMEL hat in seinem Gutachten 2015 deliberative Formate zur Ermittlung gesellschaftlich akzeptierter Formen der Nutztierhaltung vorgeschlagen (S. 274 ff.). Als ein Bespielt wird dort Kanada genannt, wo „über 400 Personen in zehn unabhängigen Web-Foren über die Frage der Freilandhaltung von Milchkühen diskutiert“ haben.

Weitere Beteiligungsformen reichen von Townhall-Meetings mit hunderten Personen bis zur „Grand Dèbat“ in Frankreich mit 10.134 lokalen Treffen, 27.374 eingegangenen Briefen und E-Mails und 1.932.884 Online-Beiträgen. In Frankreich ging es allerdings um viele Themen, nicht nur um die Milchkühe.

Im deutschen „Bergerrat Ernährung“ sollen nun 160 Menschen über neun hochkomplexe Themen diskutieren und haben dafür drei Wochenenden und sechs Online-Sitzungen Zeit. Ein mehr als sportliches Programm. Nein, sogar ein in höchstem Maß fahrlässiges Vorhaben.

Zu den bisher beteiligten Beiräten und der Bürgerauswahl habe ich mich bereits hier und hier geäußert. Nachdem nun der Entwurf eines Detailkonzepts vorliegt, muss ich die Kritik auf das gesamte Prozedere ausweiten. Die Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats sollen nämlich nicht nur 2-3 Experten für jedes Thema benennen, sondern es sollen zusätzlich bei allen Sitzungen Faktenchecker anwesend sein.

Diese „beschaffen und erläutern Wissensbestände zu neu entstandenen Informationsbedarfen. Auf Anforderung prüfen sie die sachliche Richtigkeit von Fakten, auf die sich die Argumentationen der Kleingruppen beziehen, und beschaffen sie Informationen zu neu entstandenen Wissensbedarfen.“

Für die Checker-Rolle werden „vorzugsweise fachlich ausgewiesene Angehörige des wissenschaftlichen Mittelbaus von Universitäten bzw. Doktorandinnen und Doktoranden angesprochen. Einzelne Faktencheckerinnen und Faktenchecker sollten zudem einen juristischen Hintergrund mitbringen“.

Nicht genug damit, dass also zwei Dutzend Experten gefunden werden müssen. Es kommt ein weiteres Dutzend Faktenchecker mit Mehrfach-Kompetenzen hinzu.

Alle zusammen sollen dann noch ihr Wissen allgemeinverständlich, ohne Fremdwörter mit didaktischem Talent vermitteln können. Wer – um Himmels Wilen – soll all diese Kriterien bei der Auswahl geeigneter Personen berücksichtigen können?

Noch fragwürdiger wird es dann durch den Verweis auf das „Feedback vorangegangener Bürgerräte, bei denen die Teilnehmenden zum Teil von der Masse und der Flughöhe des Inputs überwältigt waren. Die Prozesse wurden teilweise als verschult empfunden.“

Als Lösung hierfür wird präsentiert: „Die Arbeit am Thema soll daher mit dem Wissen und den Interessen der Teilnehmenden beginnen und nicht mit dem Input durch Expertinnen und Experten.“ Und anschließend eingestanden: „Durch das offene Prozessdesign und die Mitgestaltung der Bürgerinnen und Bürger können möglicherweise nicht alle Fragen, die dem Bürgerrat mit dem Einsetzungsbeschluss gestellt worden sind, beantwortet werden.“

Sollte der gesamte Prozess mit Ernsthaftigkeit durchlaufen werden, ist zumindest Letzteres garantiert!

Von der Komplexität der neun anstehenden General-Themen hat sicher jede und jeder eine gewisse Vorstellung. Im Fall der Nutztierhaltung erlaube ich mir die Schätzung, dass ein Vielfaches der eingeplanten Zeit nötig wäre, um nur diesen einen Bereich zu beleuchten und dass eine Masse Input und eine gewisse Flughöhe ganz unvermeidlich wären. Wie könnte es bei den weiteren acht Bereichen anders sein?

Um Bürgermeinungen zu solch hochkomplexen Dingen wie Umwelt, Klima, Nachhaltigkeit, Preisbildung und Nahrungsmittelproduktion zu ermitteln, bräuchte es mehr als einen Bürgerrat. Ein komplett anderes Konzept wäre vonnöten.

Ein Kommentar von Thomas Wengenroth

Teil I der Kritik (am Wissenschaftlichen Beirat) finden Sie hier und Teil II (an der Auswahl der Kandidaten) hier.

QS-Zahlen belegen sinkende Antibiotikagaben – Rückgang unabhängig von sinkenden Tierzahlen

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Tierärzte und Tierärztinnen verschrieben 2022 in QS-Schweine haltenden Betrieben deutlich weniger Antibiotika als noch im Vorjahr. Dies ergibt die aktuelle Auswertung des Antibiotikamonitorings für Schweine haltende Betriebe im QS-System. Im Vergleich zum Jahr 2021 sank die verabreichte Menge im Jahr 2022 bei Mastschweinen um knapp 14 Prozent, bei Sauen um 9 Prozent, bei Saugferkeln um 8 Prozent und bei Aufzuchtferkeln sogar um 20,5 Prozent.

Der Antibiotika-Therapieindex im QS-System kennzeichnet zweimal jährlich die durchschnittliche Anzahl der Behandlungseinheiten je Tierplatz in einem Halbjahr. „Damit setzen wir die durchschnittliche Anzahl an Tieren auf dem jeweiligen Betrieb ins Verhältnis zur de facto verabreichten Antibiotikamenge“, erläutert Sabrina Heß, Teamleiterin Tiergesundheit bei der QS Qualität und Sicherheit GmbH (QS) den Unterschied zwischen den QS-Daten und den staatlichen Angaben, in denen die Gesamtmenge der verkauften Antibiotika an alle Veterinäre (Groß- und Kleintierpraxen) festgehalten wird. „Die QS-Zahlen aus dem Jahr 2022 zeigen, dass die Rückgänge bei den Antibiotikamengen nicht auf geringere Tierbestände zurückzuführen sind. Diese Zahlen sprechen für die Erfolge bei der Bestandsbetreuung, durch die sich die Antibiotikaabgabe je Tier verringert hat, unabhängig von den Bestandszahlen.“

Seit über zehn Jahren wertet QS die tatsächlich verabreichten Antibiotikamengen in den QS-Betrieben aus. Über die QS-Datenbank stellt QS damit nicht nur dem jeweiligen Betrieb regelmäßig einen validen Überblick über die Tiergesundheit in seinem Bestand zur Verfügung, sondern kann auch allgemeine Tendenzen im Verschreibungsverhalten der Nutztierpraktiker verifizieren: Innerhalb der letzten 10 Jahre hat sich demnach der Einsatz von Antibiotika im QS-System nahezu halbiert und auch die aktuellen Zahlen des Therapieindex Schwein zeigen, dass sich dieser Trend weiter fortsetzt.

Quelle: QS Qualität und Sicherheit GmbH

Veganer und Vegetarier verzweifelt gesucht – Bürgerrat Ernährung II

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Auf der Bundestags-Website zum Bürgerrat „Ernährung im Wandel: Zwischen Privatangelegenheit und staatlichen Aufgaben“ heißt es:

„Die Teilnehmer des Bürgerrats werden per Zufallsprinzip ausgewählt (…). Bei der Zusammensetzung soll darauf geachtet werden, dass die Bürger je nach Alter, Geschlecht, regionaler Herkunft, Gemeindegröße und Bildungshintergrund fair beteiligt werden“.

„Zudem soll der Anteil der sich vegetarisch oder vegan ernährenden Personen an der Bevölkerung im Bürgerrat abgebildet werden“.

Tabellen zum BMEL-Ernährungsreport 2021, Seite 24

In die repräsentativen Samples, die in die Verlosung kamen, wurden dann 2 % Veganer und 10% Vegetarier aufgenommen, d. h. von 160 Bürgerräten sollen sich 19 fleischlos ernähren. Als Quelle für diesen Anteil wird der Ernährungsreport 2021 des BMEL genannt, der 2% Veganer und 10% Vegetarier ermittelt hat. Der Report stammt noch aus der Amtszeit von Julia Klöckner und wurde am 10. 2. 2021 veröffentlicht.

Es gäbe allerdings auch einen Ernährungsreport 2022, der am 4. 4. 2022, also in der Amtszeit von Cem Özdemir, veröffentlicht wurde. Warum wurde dann nicht auf aktuellere Zahlen zurückgegriffen?

Tabellen zum BMEL-Ernährungsreport 2022, Seite 27

Ein Blick auf die Ergebnisse von 2022 hilft weiter: Die Zahl der Veganer hat sich gegenüber dem Vorjahr  halbiert, die der Vegetarier ist um 30% gesunken. In die Samples dürften demnach statt 19 nur 13 Fleischlos-Esser aufgenommen werden.

Wer macht sich hier die Welt wie er sie bestellt?

Den ersten Kommentar zu den Mitgliedern des Wissenschaftichen Beirats finden Sie hier. Teil III der Kritik (am Grund-Konzept) finden Sie hier.

Bürgerrat Ernährung – Ratlosigkeit vorprogrammiert

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Noch vor dem Startschuss für die erste Sitzung des „Bürgerrats Ernährung“ im September produziert das Projekt einen Rohrkrepierer. Eine bemerkenswerte Leistung – aber der Reihe nach.

„Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages haben am Mittwoch, 10. Mai 2023, die Einsetzung eines Bürgerrates zum Schwerpunkt „Ernährung im Wandel: Zwischen Privatangelegenheit und staatlichen Aufgaben“ beschlossen“, heißt es auf der Internetseite des Bundestages

Und weiter: „160 ausgeloste Bürgerinnen und Bürger sollen (…) Fragen zur Umwelt- und Klimaverträglichkeit, Haltungsbedingungen von Nutztieren, Produktion von Produkten, transparente Lebensmittelkennzeichnung und Lebensmittelverschwendung diskutieren. (…) Außerdem stehen Fragen darüber an, welche Rolle der Staat im Hinblick auf Bildungsangebote in Schulen im Hinblick auf Ernährungsthemen spielen soll, ob er steuerliche Vorgaben machen oder bei der Preisbildung eingreifen soll.“

Ein externer Dienstleister soll bei den Sitzungen des Bürgerrates für neutrale Moderation sorgen. Er wird bei der Zusammensetzung eines Experten-Pools sowie bei der Gestaltung des Prozessdesigns beraten von einem „Wissenschaftliche Beirat aus zwölf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern anerkannter Hochschulen und Forschungseinrichtungen“.

So weit so gut. Schaut man sich allerdings die elf (!) Mitglieder dieses wissenschaftlichen Beirats an, muss man konstatieren, dass den meisten Mitgliedern zu den meisten Themen jede Kompetenz für die Auswahl geeigneter Fachleute fehlt. Wenn das Gremium zur Hälfte aus Medizinern besteht, ist auch kaum etwas anderes zu erwarten.

Tabelle 1 listet Namen und Fachgebiete der Beiräte auf (Informationen und Links unten).

Tabelle 2 ordnet allen Personen Kompetenzen für die anstehenden Themen des Bürgerrats zu („x“ für sicher und „?“ für eventuell).

Tabelle 2: Kompetenzen der Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats

 

 

Was sofort ins Auge sticht: Die Grundlagen-Themen „Nutztierhaltung“ und „Urproduktion“ sind völlig unbesetzt! Wie aber soll – ohne jede fachliche Einführung in Pflanzenbau und Tierhaltung – eine sinnvolle Diskussion über Ernährungsfragen überhaupt zustande kommen? Schließlich ist ohne Urproduktion so gut wie gar keine Ernährung möglich – außer für Jäger und Sammler.

Auch zur industriellen Produktion von Lebensmittel besitzt niemand Expertise (in Zeiten von In-vitro-Fleisch und pflanzlicher Ersatzprodukte wäre auch das aber erwägenswert).

Wäre es nicht sinnvoller gewesen, für jedes der neun Themenfelder (mindestes) zwei anerkannte Experten zu berufen? Geeignete Kandidaten sind jedenfalls nicht schwer zu finden, z. B.:

für die Tierhaltung
Prof. Dr. Nicole Kemper, Direktorin des Instituts für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie (Verhaltensforschung) an der Tierärztlichen Hochschule Hannover
Prof. Dr. Steffen Hoy, Professor für Tierhaltung und Haltungsbiologie, Universität Gießen (bis 2017)

für ökonomische Fragen (auch mit Blick auf anderen Weltregionen)
Prof. Dr. Alfons Balmann, Direktor des Leibnitz Instituts für Agrarentwicklung und Transformationsökonomie
Prof. Dr. Matin Qaim, Leiter des Zentrums für Entwicklungsforschung, Universität Bonn

fürs Klima
Prof. Dr. Jochem Marotzke, Direktor des Max-Planck-Instituts für Meteorologie
Prof. Dr. Hans von Storch, bis 2015 Professor am Institut für Meteorologie der Universität Hamburg und Leiter des „Instituts für Küstenforschung“

für den Pflanzenbau
Prof. Dr. Henning Kage, Leiter der Abteilung Acker- und Pflanzenbau, Universität Kiel
Prof. Dr. Sonoko Dorothea Bellingrath-Kimura Fachgebiet Pflanzenbau, Bodenkunde Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF e.V.)

und wenn es spezieller sein soll;
für ökologischen Landbau
Prof. Dr. Kurt-Jürgen Hülsbergen Ökologischer Landbau und Pflanzenbausysteme, TU München

für Pflanzenzüchtung
Dr. Dr. Peter Doleschel, Leiter des Instituts für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft

für Pflanzenschutz
Prof. Dr. Verena Haberlah-Korr, Fachhochschule Südwestfalen, Wissenschaftliche Leitung am Versuchsgut Merklingsen

Schließlich gibt es an der Uni Lüneburg eine eigene „Fakultät Nachhaltigkeit“ mir 25 Professoren. Oder man schaut einfach mal nach „FONA – Forschung für Nachhaltigkeit“ auf der Internetseite des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

„Der Bürgerrat soll dem Deutschen Bundestag bis zum 29. Februar 2024 seine Handlungsempfehlungen in Form eines Bürgergutachtens vorlegen“, ist auf der Bundestags-Website zu lesen. Wie sollen bei solch mangelhaften Startbedingungen die Bürgerräte aber zu Vorschlägen gelangen, wie zukünftige Nahrungsproduktion (und Ernährungssicherung) aussehen könnten?

Wenn schon der Start eines angeblich zukunftsweisenden Projekts derart misslingt, stellt sich die Frage: Sind die versammelten Parlamentarier tatsächlich ahnungslos, was die einschlägige Wissenschaft betrifft – oder einfach nur lustlos? Nachhaltige Ernährung – und um die geht es – bedeutet mehr als nur gesundes Essen. Für grundstürzende Erkenntnisse wie „mehr Gemüse – weniger Fleisch“ brauchen wir wahrlich keinen Bürgerrat. Für drängende Zukunftsfragen wäre echte Expertise dagegen dringend gefragt.

Ein Kommentar von Thomas Wengenroth

Teil II der Kritik am Bürgerrat (an der Kandidatenauswahl) und Teil der III (am Grund-Konzept) finden Sie hier und hier.

Links:

Website des Bundestages zum Bürgerrat

Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats

Prof. Dr. Hans Konrad Biesalski
Ernährungsmedizin, Vitamine, Hidden Hunger

PD Dr. med. Thomas Ellrott
Hauptaufgabe des Instituts ist die interdisziplinäre Forschung über das menschliche Essverhalten zwischen Ernährungswissenschaft, Psychologie, Pädagogik und Medizin. Dabei werden insbesondere die Determinanten menschlicher Essentscheidungen untersucht. Die Frage „Warum essen Menschen anders als sie sich ernähren sollten?“ steht im Zentrum der Forschungsarbeiten.

Prof. Dr. med. Johannes Erdmann
ist Ernährungsmediziner, Internist, Endokrinologe und Diabetologe mit Schwerpunkt auf der Behandlung von Übergewicht und Diabetes Typ 2.

Prof. Dr. jur. Moritz Hagenmeyer
Lehrbeauftragter für Lebensmittelrecht, Mitglied im Rechtsausschuss des Lebensmittelverbandes Deutschland

Prof. Dr. Hermann Lotze-Campen
Potsdam Institut, Hermann Lotze-Campen is an agricultural economist and Head of Research Department 2 „Climate Resilience“. He is also Professor of Sustainable Land Use and Climate Change at Humboldt-Universität zu Berlin.

Prof. Dr. Britta Renner
Our research focuses on two main thematic areas. First, we investigate motives for normal eating behavior and interventions targeting normal eating. Second, we investigate how risks for communicable and non-communicable diseases are perceived and can be communicated effectively.

Jun.-Prof. Dr. Antje Risius
Forschungsschwerpunkte: Behavior change communication (e. g. informative nudging/boosting)

Prof. Dr. Veronika Somoza
beschäftigt sich mit der Isolation und Charakterisierung sowie der Bioaktivität und Bioverfügbarkeit von Lebensmittelinhaltsstoffen

Prof. Dr. Melanie Eva-Maria Speck
Sozioökonomie in Haushalt und Betrieb

Prof. Dr. Achim Spiller
Marketing für Lebensmittel und Agrarprodukte
Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Konsumentenverhalten, Nachhaltigkeitsmanagement, Animal Welfare und Supply Chain Management im Agribusiness.

Prof. Dr. Dr. Wilhelm Windisch
Tierernährung
Wirkungsweise funktioneller Nahrungsinhaltsstoffe, der Nutzung biogener (Rest-) Stoffe neuer Technologien als tierische Nahrung, sowie den physiologischen Gesetzmäßigkeiten und Spielräumen der Nährstofftransformation im Stoffwechsel der Nutztiere bis hin zur den Umweltwirkungen der Nutztierfütterung.

Futterlaub aus Agroforstsystemen – Neues Projekt für eine nachhaltige Ernährung kleiner Wiederkäuer in Zeiten des Klimawandels

Im Rahmen des neuen Agroforst-Demonstrationsvorhabens „FuLaWi“ entwickelt ein multidisziplinäres Konsortium aus Wissenschaft, Praxis und Beratung Nutzungskonzepte für Laub aus Agroforstsystemen. Ziel des Projektes ist es, eine ganzjährige, artgerechte Ernährung für kleine Wiederkäuer zu ermöglichen, um die Verdaulichkeit und Mineralstoffversorgung zu verbessern sowie die Methanemissionen zu reduzieren.

Das Projekt mit dem vollen Titel „Nutzungs- und Konservierungsverfahren für Futterlaub aus Agroforstsystemen zur Verbesserung der Nährstoffversorgung und Reduktion von Methanemissionen bei kleinen Wiederkäuern“ (FuLaWi) verfolgt das Ziel, nachhaltige Tierernährung mit positiven Umwelt- und Klimaauswirkungen zu fördern. Die Agroforstwirtschaft bietet durch ihre multifunktionalen positiven Wirkungen auf die Agrarökosysteme dafür ein großes Potenzial. Sie trägt zur Steigerung der Biodiversität bei, ermöglicht eine Anpassung an den Klimawandel und leistet gleichzeitig aktiven Klimaschutz.

Praxisnahe Forschung in landwirtschaftlichen Betrieben
Das Projekt FuLaWi konzentriert sich nicht nur auf Weidehaltung in Agroforstsystemen, sondern entwickelt auch innovative Ernte- und Konservierungsverfahren für Laubfutter. Diese Verfahren zielen darauf ab, die Verdaulichkeit und Mineralstoffversorgung der Tiere zu verbessern sowie Methanemissionen zu reduzieren. Um diesen Zielen gerecht zu werden, werden neben Labor- und Fütterungsversuchen auch reale Agroforstsysteme auf landwirtschaftlichen Betrieben angelegt. Diese Herangehensweise gewährleistet eine praxisnahe Entwicklung der Konzepte.

Die Datengrundlage für das Projekt wird durch umfangreiche Fütterungs- und Konservierungsversuche im Feld und Labor geschaffen, ebenso wie durch die sorgfältige Erhebung und Analyse betriebswirtschaftlicher und empirischer Daten. Die Erkenntnisse werden für eine breit angelegten Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit genutzt und erweitern den nachhaltigen Mehrwert der Agroforstwirtschaft.

Vier Partner im Netzwerk, Förderung durch das BLE
Das Verbundprojekt FuLaWi wird von vier maßgeblichen Akteuren durchgeführt: dem Forschungsinstitut für Nutztierbiologie Dummerstorf, der Georg-August-Universität Göttingen, Lignovis Hamburg und Triebwerk aus Meißner. Die Projektlaufzeit erstreckt sich von Juni 2023 bis Mai 2026. Das Projekt wird im Rahmen des Forschungs- und Entwicklungsvorhabens zur Sicherung einer nachhaltigen Ernährung landwirtschaftlicher Nutztiere unter sich wandelnden klimatischen Bedingungen im Modul A „Verbesserung der Umwelt- und Klimawirkung der Nutztierhaltung durch eine nachhaltige Tierernährung“ durch die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) in Höhe von 970.000 Euro gefördert.

Das Forschungsinstitut für Nutztierbiologie Dummerstorf (FBN) trägt wesentlich zur Projektumsetzung bei. In Fütterungsversuchen mit verschiedenen Pappel- und Weidearten wird die Verdaulichkeit, das Minderungspotenzial für Methanemissionen und der Mineralstoffhaushalt untersucht. Die Nahrungszusammensetzung für Schafe und Ziegen wird variiert, um optimale Ergebnisse zu erzielen. Diese Versuche inkludieren umfassende Analysen der Trockenmasse, Energie- und Nährstoffgehalte sowie der Mengen- und Spurenelemente. Besondere Aufmerksamkeit gilt den tragenden und laktierenden Tieren, bei denen Calcium- und Selenversorgung sowie antioxidativer Stress untersucht werden. Mittels respiratorischer Messungen werden die individuelle Methanemission und die Stoffwechselwärme erfasst.

FuLaWi Logo

Das FuLaWi-Projekt stellt einen wichtigen Schritt in Richtung nachhaltiger Tierernährung und Agroforstwirtschaft dar. Es verdeutlicht die Chancen einer ausgewogenen Symbiose zwischen Landwirtschaft und Klimaschutz.

Weitere Informationen unter www.futterlaub.de

Quelle: Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN)

Wie halte ich mein Kalb gesund?

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Von Prof. Dr. Norbert Kanswohl, Universität Rostock/ Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei M-V und Dr. Solveig March, Dr. Denny Wiedow, Dr. Jörg Burgstaler Universität Rostock

Die Grundlagen für eine hohe Leistungsfähigkeit und Nutzungsdauer der Milchkühe sowie eine hohe Fruchtbarkeit werden schon in der Kälberaufzucht gelegt. In der Praxis gibt es aber noch eine Vielzahl von Problemen. Die Kälberverluste sind in vielen Milchviehbetrieben zu hoch. In nicht wenigen Betrieben liegen sie weit über 15 %. Atemwegserkrankungen und Darminfektionen zählen zu den Hauptursachen. Wie gelingt eine optimale Kälberaufzucht?

Die Kälberaufzucht ist an sich sehr arbeitsintensiv. Deshalb sollte das Haltungsver-fahren so aufgebaut und die Arbeitsorganisation so gestaltet werden, dass auf der einen Seite eine intensive Tierkontrolle möglich ist, die Gesundheitsgefährdung der Kälber auf ein Minimum reduziert wird und auf der anderen Seite die Fütterung bzw. das Tränken, das Entmisten und die Reinigung mit relativ geringem Arbeits-zeitaufwand effektiv durchgeführt werden können. Eine hohe Mechanisierbarkeit des Verfahrens und gute Kenntnisse der Arbeitsabläufe sind die Grundlage für die Einsparung von Arbeitszeit, denn der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften ist ein Problem. Wer z.B. beim Entmisten und Einstreuen Arbeitszeit einspart, hat mehr Zeit für Tierkontrolle und -betreuung als Grundlage für eine gesunde Aufzucht. Durch intensive Tierkontrolle können auch schon kleinste gesundheitliche Veränderun-gen erkannt und rechtzeitig eine Behandlung angesetzt werden. Damit sinken die Behandlungskosten und die Verlustrate, das Wachstum der Kälber ist intensiver und es ergeben sich daraus auch arbeitswirtschaftliche Vorteile.

Außenklima ist besser
Aus Gründen der besseren Tiergesundheit sollte in der Kälberhaltung die Außen-klimahaltung gegenüber der konventionellen Stallhaltung bevorzugt werden. Unter dem gesundheitsfördernden Außenklima kann das Kalb seine verschiedenen Be-dürfnisse an die Umwelt eher befriedigen als im Stall. Untersuchungen der Sächsi-schen Landesanstalt für Landwirtschaft ergaben …


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Aktuelles Interview: Neuer PRRS-Virustyp Rosalia – Eine große Herausforderung für Spaniens Schweineindustrie

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Seit über 30 Jahren steht die Schweineindustrie vor den Herausforderungen von PRRS. Das Virus ist dafür bekannt, verschiedene Stämme und Varietäten zu haben, da immer wieder Mutationen und Rekombinationen auftreten. Die neue PRRS-Variante Rosalia, die in Spanien vorkommt, ist hochpathogen und führt zu höheren Mortalitäts- und Fertilitätsproblemen bei Sauen, totgeborenen Ferkeln und Mortalität bei Ferkeln sowie Mastschweinen. Dr. Hendrik Nienhoff, Dipl. ECPHM Fachtierarzt für Schweine beim Schweinegesundheitsdienst Niedersachsen, schätzt die Situation für die deutschen Schweinehalter ein.

Dr. Hendrik Nienhoff, Dipl. ECPHM Fachtierarzt für Schweine beim Schweinegesundheitsdienst Niedersachsen

Herr Dr. Nienhoff, bereits seit 2 Jahren gibt es in Spanien eine neue Variante des porcinen reproduktiven und respiratorischen Syndroms (PRRS). Wie stellt sich die Lage aktuell dar?
Nach jahrzehntelanger Erfahrung hat die Branche gelernt, dass das PRRS-Virus schwer zu kontrollieren ist. Abgesehen davon, dass es leicht übertragbar ist, weiß das Virus, wie man das Immunsystem manipuliert. Dadurch dauert es lange, bis das Immunsystem eines Tiers mit dem Virus fertig wird. Darüber hinaus erschweren die hohe Schweinedichte und die große Ausbreitung innerhalb der Schweinepopulation die Bekämpfung des Virus zusätzlich. Deshalb sind verschiedene Arten und Sorten von PRRSv auf der ganzen Welt in vielen Schweinebetrieben zu finden.

Spanien ist nicht das einzige Land, das eine relativ neue PRRS-Sorte meldet. In den USA verursacht der Stamm 1-4-4 auf Farmen viel größere Probleme als frühere Subtypen des Virus. Genauer gesagt wurde festgestellt, dass der 1-4-4-Stamm der Linie 1C der Hauptschuldige war. In Österreich und Deutschland machte vor ein paar Jahren der sogenannte ACRO-Stamm von sich reden. Darüber hinaus tauchte vor etwa zehn Jahren in Weißrussland die Lena-Variante auf, und in China wurden auch hochpathogene Varianten beschrieben.

Sind also alle PRRS-Virusvarianten ähnlich gefährlich?
In der PRRS-Familie gibt es 2 Typen: den europäischen Subtyp (Typ 1) und den amerikanischen Subtyp (Typ 2). Der europäische Subtyp ist milder für die Lungen von Ferkeln und Mastschweinen als sein amerikanisches Gegenstück. Probleme mit Sauen, zum Beispiel vorzeitiges Abferkeln oder schwache Ferkel, sind bei beiden Arten ähnlich.
Innerhalb dieser Typen gibt es viele Varianten, da das Virus weiter mutiert und rekombiniert.


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Hummel-Challenge per App: Hummel-Fotos für die Wissenschaft gesucht

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Nach dem Erfolg der Hummel-Challenge im letzten Jahr heißt es auch 2023 wieder: Wer fotografiert die meisten Hummeln? Naturbegeisterte in ganz Deutschland können vom 24. Juli bis 6. August 2023 mit der Bestimmungs-App ObsIdentify mitmachen.

Das Wildbienen-Team am Thünen-Institut für Biodiversität in Braunschweig ruft gemeinsam mit der Naturbeobachtungsplattform http://Observation.org und dem LWL-Museum für Naturkunde in Münster zu dem Citizen-Science-Wettbewerb auf. Ziel ist es, so viele verschiedene Hummeln auf so vielen verschiedenen Wildpflanzen wie möglich zu fotografieren.

Das Motto der Hummel-Challenge 2023 lautet „Ab in die Natur“, denn in diesem Jahr geht es vor allem darum, Hummeln auf Wildpflanzen außerhalb des eigenen Gartens zu fotografieren. An der Challenge können alle Interessierten teilnehmen, unabhängig von Artenkenntnissen. Benötigt werden lediglich ein Smartphone und die kostenlose Bestimmungs-App „ObsIdentify“. Die Fotos von den Hummeln können dann direkt in die App geladen werden. Diese ermittelt, um welche Art es sich handelt. Wie viele Hummeln und Arten bereits beobachtet wurden und welchen Platz die Teilnehmenden in der Rangliste haben, zeigt die App ebenfalls an. Alternativ können die Hummel-Fotos auch über die Website Observation.org hochgeladen werden.

Gemeinsam für die Wissenschaft
Neben dem Spaß-Faktor hat der Fotowettbewerb auch einen handfesten wissenschaftlichen Hintergrund: Die Wildbienen-Forschenden vom Thünen-Institut testen damit, ob und wie Bestimmungsergebnisse von Gelegenheitsbeobachtungen in ein bundesweites Wildbienen-Monitoring integriert werden können.

Hummeln zählen zu den wichtigsten Bestäubergruppen sowohl für die Landwirtschaft als auch für viele Wildpflanzen. Durch das Fotografieren können Citizen Scientists zum Wissenszuwachs über die Verbreitung der Insekten beitragen. Vergleichbare Wettbewerbe waren bereits sehr erfolgreich: Unter vielen tausend Meldungen gab es auch sogenannte Erstnachweise von Arten außerhalb ihres bisher bekannten Verbreitungsgebietes.

Ehrenamtliche für ein strukturiertes Monitoring gesucht
Wer über die Challenge hinaus Interesse an Wildbienen hat, sich ehrenamtlich in der Wissenschaft engagieren und damit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten will, kann sich für das Wildbienen-Monitoring 2024 am Thünen-Institut unverbindlich voranmelden. Innerhalb des Forschungsprojekts können sich Freiwillige auch ohne Artenkenntnisse auf verschiedene Weise einbringen: Sie können zum Beispiel die Patenschaft für eine Wildbienen-Nisthilfe übernehmen oder in den Sommermonaten regelmäßig an bestimmten Orten für das Zählen und Bestimmen von Hummeln verantwortlich sein.

Das dafür nötige Handwerkszeug und grundlegendes Wissen über die Arten erhalten Interessierte in Bestimmungskursen, die das Thünen-Institut für Teilnehmende regelmäßig und kostenlos anbietet.

Informationen zur Hummel-Challenge 2023
Informationen zum Wildbienen-Monitoring

Quelle: Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei

Mehr Transparenz beim Tierwohl: Informationen helfen, Label zu verstehen

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Die intensive Nutztierhaltung steht in der Kritik. Viele Menschen fordern eine tiergerechtere Haltung und mehr Transparenz beim Thema Tierwohl. Label auf den Verpackungen tierischer Lebensmittel sollen über die Haltungsbedingungen informieren. Im Handel verbreitet ist zum Beispiel das Haltungsform-Label für Fleisch- und Milchprodukte. Es ordnet die Tierhaltung nach bestimmten Kriterien in vier Stufen ein, von Stallhaltung bis Premium. Doch ohne begleitende Informationen verstehen viele Menschen solche Kennzeichnungen nur unzureichend. Forschende der Universität Göttingen haben nun untersucht, inwieweit Informationen helfen können, das Potenzial solcher Label zu steigern.

Vom einfachen Text bis zum 360 Grad-Video vom Stall via Virtual-Reality-Brille (VR-Brille) – alle untersuchten Informationsformen steigern das Verständnis, die Akzeptanz sowie die Kauf- und Zahlungsbereitschaft. Die VR-Brille überzeugt beim Nutzungserlebnis, Text und Bilder eignen sich etwas besser für den Einsatz im Supermarkt. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Journal of Agriculture and Food Research erschienen.

Das Forschungsteam der Abteilung Marketing für Lebensmittel und Agrarprodukte befragte 200 Personen zum Haltungsform-Label der Stufe 3 am Beispiel der Schweinehaltung. Dieses gibt unter anderem vor, dass die Tiere Kontakt mit dem Außenklima haben, etwa durch eine offene Stallseite. Die Forschenden präsentierten in vier Versuchsgruppen mit je 50 Teilnehmenden Informationen zum Label in jeweils einer Form: Text, Text mit Bildern, Text mit 360 Grad-Video via Tablet oder Text mit 360 Grad-Video via VR-Brille. Sie untersuchten, wie sich die Informationsform auf die Verständlichkeit und Bewertung des Labels sowie auf die Kauf- und Zahlungsbereitschaft von damit gekennzeichnetem Schweinehackfleisch auswirkt. Die Befragten bewerteten außerdem Informationswert, Nutzungserlebnis und Nutzungspotenzial der Informationsform.

Die Ergebnisse zeigen, dass alle vier Informationsformen bei den Teilnehmenden nicht nur die zuvor schlechte Verständlichkeit des Labels, sondern auch die Bewertung des Tierwohls und die Akzeptanz der Haltungsform deutlich verbesserten. Darüber hinaus steigerte die Information in allen Versuchsgruppen die Kauf- und Zahlungsbereitschaft. Alle Informationsformen wurden als geeignet empfunden, um über die Haltungsbedingungen der Schweine zu informieren. Im Hinblick auf das Nutzungserlebnis wurde das Video mit VR-Brille besonders positiv bewertet, Text und Bilder wurden hingegen als vorteilhafter für den Einsatz am Verkaufsort eingeschätzt.

„Die anfangs schlechte Verständlichkeit des Labels und der deutliche Effekt aller vier Informationsformen zeigen, dass die Kommunikation des Labels stark verbesserungswürdig ist“, sagt Aurelia Schütz, die Erstautorin der Studie. „Dafür kommt ein breites Spektrum an Informationsformen in Frage. Eine denkbare Option für die Umsetzung im Supermarkt wäre zum Beispiel ein Informationsmix aus Text, Bild und Video, ergänzt um einen QR-Code zum Video für zu Hause.“ So können Menschen individuell entscheiden, wie sie sich informieren. „In einem nächsten Schritt wäre es sinnvoll zu prüfen, inwieweit sich die Ergebnisse auf eine reale Einkaufssituation übertragen lassen und ob in der Praxis bestimmte Informationsformen mehr genutzt werden und sich daher besser eignen als andere“, so Schütz weiter.

Quelle: Georg-August-Universität Göttingen

Entwicklung von Viren zur Bekämpfung bakterieller Infektionen

Multiresistente bakterielle Infektionen sind eines der gravierendsten Probleme in der Medizin, eine Situation, die sich in den kommenden Jahrzehnten nur noch verschlimmern dürfte. Das Problem wird nicht nur durch die Entwicklung neuer Antibiotika angegangen, sondern auch durch die Erforschung von Antibiotika-Alternativen, wie zum Beispiel Phagen. Dazu gehört auch die Forschungsgruppe Mikrobielle Molekulare Evolution am Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön.

Es hat sich gezeigt, dass Phagen – das sind Viren, die nur Bakterien infizieren können – einige bakterielle Infektionen sehr wirksam bekämpfen. Über den langfristigen Erfolg der meisten Phagentherapien ist jedoch nur wenig bekannt. Eine erfolgreiche Phagentherapie muss vor allem garantieren, dass die Bakterien gegen eine Phagenbehandlung nicht resistent werden können, oder, dass die Phagen eine solche Resistenz überwinden können. In ihrer kürzlich veröffentlichten Arbeit zeigen Forscher des Max-Planck-Instituts für Evolutionsbiologie, dass eine bestimmte E. coli-Art leicht gegen den Phagen ΦX174 resistent werden kann. Die Forscher zeigen, dass diese Resistenz durch ΦX174 in bestimmten Evolutionsexperimenten überwunden werden kann. Die Forschungsergebnisse können also dabei helfen, die Entwicklung der bakteriellen Resistenz gegen Phageninfektionen besser zu verstehen, und Phagen zu entwickeln die diese Resistenz überwinden können. Damit sollte es einfacher sein in der Zukunft effizientere Phagentherapien zu entwickeln.

Vorhersage der Resistenzentwicklung durch Experimente
Bakterien entwickeln schnell Resistenzen, wenn sie mit einer Bedrohung konfrontiert werden, sei es durch ein Antibiotikum oder eine Phagenbehandlung. Die Art der Bedrohung bestimmt die Art der Resistenz, die die Bakterien entwickeln. In einer Reihe von Experimenten zeigte die Gruppe unter der Leitung von Dr. Frederic Bertels, dass das E. coli Bakterium gegen eine ΦX174-Infektion resistent wird, indem es seine äußeren Membranmoleküle – Lipopolysaccharide (LPS) – verändert. Sobald sich die äußere Membran von E. coli verändert, können sich die Phagen nicht mehr an die Membran anlagern und somit das Bakterium nicht mehr infizieren. Die Sequenzierung des Genoms und die Phänotypisierung der evolvierten Bakterien zeigten, dass es eine große Vielfalt an LPS-Varianten gibt, die eine Infektion durch Wildtyp-Phagen verhindern.

Überwindung der Phagenresistenz
Damit Phagentherapeutika wirksam sein können, muss die bakterielle Phagenresistenz überwunden werden. Im Gegensatz zu Antibiotika, bei denen die Resistenz in der Regel durch eine Erhöhung der Antibiotikadosis oder einen Wechsel des Antibiotikums überwunden wird, können sich Phagen selbst so entwickeln, dass sie resistente Bakterien infizieren. Die Forschenden zeigen, dass einige Arten von Resistenzen im Laufe von nur wenigen Phagengenerationen überwunden werden können („leichte“ resistente Bakterienstämme). Andere „schwere“ resistente Stämme können nur durch die Rekombination von Phagen infiziert werden, die sich zur Infektion von leicht resistenten Bakterien entwickelt haben.

Evolutionäre Perspektiven der Phagentherapie
Derartige Evolutionsexperimente helfen in Zukunft evolutionssichere Therapien zu entwickeln: Therapien, gegen die Bakterien nicht resistent werden können. Anstatt immer wieder neue und unbekannte Phagen zu isolieren, sollten auch gut untersuchte Phagenmodellsysteme weiterentwickelt werden, um gefährliche bakterielle Krankheitserreger zu infizieren. Modelsysteme sind wesentlich zeit- und kosteneffizienter, da für diese nicht zusätzliche Sicherheitsstudien durchgeführt werden müssen.

Quelle: Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie

Tiermedizin: Antibiotikaabgabe 2022 erneut reduziert

Gesamtmenge der an Tierärztinnen und Tierärzte abgegebenen Antibiotika ist im Vergleich zum Vorjahr um 61 Tonnen gesunken

Die Menge der in der Tiermedizin abgegebenen Antibiotika in Deutschland ist im Jahr 2022 ähnlich wie in den Vorjahren erneut zurückgegangen. Das meldet das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in seiner jährlichen Auswertung. Die Abgabemenge sank im Vergleich zum Vorjahr um 61 Tonnen auf 540 Tonnen (minus 10,1 Prozent). Betrachtet man den Zeitraum seit Beginn der Erfassung, im Jahr 2011, ist die abgegebene Antibiotikamenge um rund 68 Prozent gesunken.

Besonders erfreulich ist, dass die abgegebenen Mengen der für die Therapie beim Menschen kritisch wichtigen Fluorchinolone, Cephalosporine der 3. und 4. Generation und für Colistin erneut gesunken sind. In Zahlen:

• Die Abgabemenge der Fluorchinolone ist im Vergleich zum Vorjahr um ca. 0,6 Tonnen auf 5,0 Tonnen gesunken, das entspricht einer Reduktion von 10,1 Prozent;
• die der Cephalosporine der 3. und 4. Generation auf 1,1 Tonnen (minus 0,1 Tonnen bzw. minus 10,8 Prozent).
• Für Polypeptid-Antibiotika (hierbei handelt es sich überwiegend um Colistin) ist die Abgabemenge ebenfalls gesunken (Gesamtmenge im Jahr 2022 rund 44 Tonnen, minus 6,8 Tonnen bzw. minus 13,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr).

Dazu erklärt die Staatssekretärin im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), Silvia Bender: „Der Rückgang der abgegebenen Antibiotika in der Tiermedizin ist zuerst einmal eine gute Nachricht! Der Trend zur Abnahme der Antibiotikaabgabemengen in der Tierhaltung ist stabil. Die Gesamtabgabemenge im letzten Jahr hat sich im Vergleich zum Beginn der Erfassung im Jahr 2011 auf ein Drittel der damaligen Menge reduziert. Das ist ein beachtlicher Erfolg unserer nationalen Reduktionsmaßnahmen. Als ein weiterer möglicher Einflussfaktor für den Rückgang der abgegebenen Menge Antibiotika ist jedoch auch der zeitgleiche Rückgang der Tierzahlen in der landwirtschaftlichen Tierhaltung, vor allem bei Schweinen, zu berücksichtigen. Der tatsächliche Rückgang kann mit Blick auf die Tierzahlen dementsprechend kleiner ausfallen, als die Gesamtabgabemenge vermuten lässt. Es braucht daher auch weiterhin gemeinsame Anstrengungen, um den Einsatz von Antibiotika tatsächlich dauerhaft zu senken. Ich bin zuversichtlich, dass uns das auch mit Hilfe des von Bundesminister Cem Özdemir vorgelegten und seit dem 1. Januar 2023 in Kraft getretenen Gesetz zur Änderung des Tierarzneimittelgesetzes gelingt. Damit haben wir für Tiermedizin und Tierhaltende das Signal gesetzt, die Anwendung von Antibiotika mit kritischer Bedeutung auf das unvermeidbare Minimum zu reduzieren.“

Wie in den Vorjahren stellen Penicilline und Tetrazykline den Hauptanteil der abgegebenen Antibiotika dar. Bei diesen Wirkstoffklassen ist im Vergleich zum Vorjahr eine Reduktion um rund 7 Tonnen (Penicilline) bzw. um rund 35 Tonnen (Tetrazykline) im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen. Bei den Sulfonamiden beträgt der Rückgang im Vergleich zum Vorjahr 9 Tonnen.

Die Entwicklung und Verbreitung von Antibiotikaresistenzen ist eine globale Bedrohung, in der Human- und in der Veterinärmedizin. Um der Verbreitung von Antibiotikaresistenzen („Stille Pandemie“) entgegenzuwirken, sind angesichts der grenzüberschreitenden Problematik neben nationalen auch europäische Vorschriften dringend notwendig. Das BMEL setzt sich deshalb auch weiterhin auf EU-Ebene dafür ein, dass im europäischen Tierarzneimittelrecht noch ausstehende Regelungen schnellstmöglich auf den Weg gebracht werden, die weitere europaweite Restriktionen für die Antibiotika-Anwendung bei Tieren vorsehen.

Weitergehende Informationen
Seit dem Jahr 2011 sind pharmazeutische Unternehmen und Großhändler gesetzlich dazu verpflichtet, die Mengen an Antibiotika, die jährlich an Tierärztinnen und Tierärzte in Deutschland abgeben werden an das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zu melden. Die Gesamtabgabemenge lässt sich nicht einzelnen Tierarten zuordnen, da die Mehrzahl der betreffenden Tierarzneimittel für mehrere Tierarten zugelassen ist. Inwieweit die Reduktion der Abgabemenge im Jahr 2022 auch auf dem erneuten Rückgang der landwirtschaftlichen Tierhaltung insbesondere bei Schweinen beruht, kann daher nicht sicher eingeschätzt werden. Die Zahl der Schweinehaltungen hat im vergangenen Jahr um 10,1 Prozent abgenommen und sank um 1.910 auf 16.940 Betriebe mit Schweinehaltungen.

Quelle: BMEL

Holt mich hier raus! – Neues Projekt am FBN untersucht das helfende Verhalten bei Schweinen

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Schweine sind bekannt für ihre Intelligenz und soziale Natur. Können sie erkennen, wann ein Artgenosse Hilfe benötigt, und einander aktiv unterstützen? Diesen Fragen wird ein wegweisendes Projekt am Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf nachgehen.

Das Projekt mit dem Titel „Lass mich raus! Proximative Faktoren, die helfendes Verhalten bei Schweinen vermitteln“, wird mithilfe eines innovativen Verfahrens untersuchen, ob Schweine einander aus Empathie oder aus egoistischen Gründen helfen. Es wird in enger Zusammenarbeit mit Forschern der Veterinärmedizinischen Universität Wien durchgeführt und mit Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) am FBN und des Österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF) an der Veterinärmedizinischen Universität Wien finanziert. Die Gesamtfinanzierung beläuft sich auf 736.089 Euro für drei Jahre.

Leibniz-Institut für Nutztierbiologie, Projekt Prosoziale Schweine: Verhaltens- und hormonelle Indikatoren für soziale Beziehungen und Kooperation bei Hausschweinen.
Foto: Frank Hormann / nordlicht
www.fotoagenturnordlicht.de

Dr. Liza R. Moscovice vom FBN und ihr Kollege Prof. Jean-Loup Rault von der Veterinärmedizinischen Universität Wien haben eine neuartige Methode entwickelt, um das Hilfsverhalten der Schweine zu analysieren. Dabei werden Schweine in ihren normalen sozialen Gruppen innerhalb ihrer üblichen Stallumgebung einer für sie neuen Situation ausgesetzt: In ihrem Stall befinden sich zwei identische Abteile. Jedes Abteil hat ein Fenster und eine Tür, die nur von außen geöffnet werden können. Dafür muss ein Griff hoch genug angehoben werden, um einen Riegel zu lösen. Ein Schwein wird kurz aus seiner Bucht genommen und dann in eines der beiden Abteile gesetzt. Die anderen Schweine können dann frei und ohne jegliche Anleitung entscheiden, ob sie eine Tür öffnen wollen, und wenn ja, ob sie die Tür öffnen, um das gefangene Schwein zu befreien, oder ob sie die Tür zum leeren Abteil öffnen.

„Im ersten Teil des Projekts untersuchen wir den Einfluss von Verwandtschaftsbeziehungen, Dominanzverhältnissen und persönlichen Erfahrungen, eingeschlossen zu sein, auf die Entscheidung, zu helfen“, erklärt Dr. Liza R. Moscovice. „So können wir erste Erkenntnisse darüber gewinnen, inwieweit diese Faktoren die Entscheidungen der Schweine beeinflussen. Im zweiten Teil werden wir mit nicht-invasiven Methoden messen, wie sich das Verhalten auf körperlicher Ebene bei den helfenden und nicht-helfenden Schweinen auswirkt. Mittels Speichelproben wird getestet, ob das Stresshormon Cortisol steigt oder sinkt, zudem wird die Herzfrequenz überwacht. So werden Rückschlüsse gezogen, um zu verstehen, wie Entscheidungen über das Helfen die Physiologie der Schweine beeinflussen.“

Leibniz-Institut für Nutztierbiologie, Projekt Prosoziale Schweine: Verhaltens- und hormonelle Indikatoren für soziale Beziehungen und Kooperation bei Hausschweinen. Foto: Frank Hormann / nordlicht www.fotoagenturnordlicht.de

Sind Schweine in ihrem helfenden Verhalten ähnlich wie Menschen?
Bei der Erforschung des Hilfsverhaltens von Tieren werden generell häufig Nagetiere als Modelltiere herangezogen, aber Schweine sind in ihrer Physiologie und ihrer Gehirnstruktur dem Menschen sehr viel ähnlicher. „Unsere Ergebnisse werden uns helfen zu verstehen, ob Schweine empathisch auf den emotionalen Zustand anderer reagieren und ob ihr Hilfsverhalten auf ähnlichen Mechanismen beruht wie beim Menschen“, führt Dr. Liza R. Moscovice aus.

Erste Ergebnisse, die in der renommierten Fachzeitschrift Proceedings of the Royal Society B* veröffentlicht wurden, zeigen, dass Schweine Türen häufiger und schneller öffnen, um gefangenen Gruppenmitgliedern zu helfen, als sie Türen zu leeren Abteilen öffnen. Darüber hinaus wurde gefangenen Schweinen, die mehr Notsignale gaben, schneller geholfen. Dennoch sind weitere Untersuchungen erforderlich, um die Beweggründe für dieses Verhalten zu ermitteln.

Ein tieferes Verständnis des prosozialen Verhaltens von Schweinen sowie ihrer emotionalen Verfassung und Gruppendynamik kann einen bedeutenden Beitrag zum Tierschutz leisten. Schweinehalterinnen und -halter können mithilfe dieser Erkenntnisse ein positives Gruppenverhalten fördern, indem sie den Schweinen beispielsweise mehr Kontrolle über ihre Umgebung geben.

*Originalpublikation
Spontaneous helping in pigs is mediated by helper’s social attention and distress signals of individuals in need
Proceedings of the Royal Society B
Published:02 August 2023https://doi.org/10.1098/rspb.2023.0665

Quelle: Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN)

Geflügelpest: Impfstrategie mit flankierender Überwachung kann den Schutz von Geflügel unterstützen

Eine Gruppe internationaler Wissenschaftler skizziert die Möglichkeiten

Infektionen mit dem hochpathogenen aviären Influenzavirus (HPAIV) des Subtyps H5 haben sich von einem sporadischen saisonalen Geschehen zu einer kontinuierlichen und nahezu weltweiten Panzootie bei Wildvögeln ausgeweitet. Dies erhöht den Druck einer Einschleppung in Geflügelbestände, sowie das Risiko einer sekundären Ausbreitung zwischen Haltungen und der Exposition an der Schnittstelle zwischen Mensch und Geflügel. Die Impfung als zusätzlicher Schutz für Geflügelbestände zielt darauf ab, die klinischen Folgen einer HPAIV-Infektion zu reduzieren, die Übertragung von HPAIV zu unterbinden, wirtschaftliche Verluste und Tierschutzprobleme zu begrenzen sowie das Risiko einer Exposition des Menschen gegenüber zoonotischen HPAIV zu verringern. Eine Gruppe internationaler Wissenschaftler skizziert, wie eine Impfung mit Nulltoleranz für Infektionen erreicht werden kann, indem mehrere Ebenen geeigneter Überwachungsmethoden sinnvoll kombiniert werden.

Jüngste Entwicklungen, die einen massiven Anstieg der HPAIV-Verbreitung bei Wildvögeln und in der Geflügelindustrie in vielen Regionen der Welt zeigen, lassen die Impfung in vielen betroffenen Ländern als ergänzendes Präventionsinstrument in den Mittelpunkt neuer Schutzkonzepte rücken. Die Impfung der Tiere allein hat sich bei der Bekämpfung von Geflügelpest allerdings nie als erfolgreich erwiesen. Biosicherheitsmaßnahmen, eine kontinuierliche Bewertung der Impfschutzes sowie eine angemessene Überwachung geimpfter Bestände, um sicherzustellen, dass keine Feldinfektionen auftreten, und die Typisierung nachgewiesener Feldvirusstämme zur Verbesserung der Impfstoffentwicklung sind gleichermaßen erforderlich.

Überwachungsstrategien, die auf die epidemiologische Situation eines Landes und die Art des verwendeten Impfstoffs zugeschnitten sind, müssen sorgfältig geplant und durchgeführt werden. Beim großflächigen Einsatz von Impfungen spielen aktive Überwachungskomponenten (z. B. serologische Untersuchungen geimpfter Bestände zur Überwachung der Herdenimmunität oder zur Bewertung des Impfschutzes, Umweltprobenahmen auf Lebendmärkten) eine wichtige Rolle für den wirksamen Nachweis von HPAI-Virus oder die Bestätigung der Freiheit der Bestände von Infektionen. Die passive Überwachung (d. h. virologische Analysen von erkranktem oder verendetem Geflügel) bleibt zur Früherkennung eines Impfversagens von Bedeutung, da unzureichend geschützte, infizierte Impfbestände klinische Anzeichen einer Infektion zeigen.

Wissenschaftler aus Deutschland, den Niederlanden, Italien, Indonesien und Hongkong stellen ihre Ergebnisse in der aktuellen Ausgabe von „Biologicals“ vor.

Publikation:
Harder, T., de Wit, S., Gonzales, J.L., Ho, J.H.P., Mulatti, P., Prajitno, T.Y., Stegeman, A. (2023). Epidemiology-driven approaches to surveillance in HPAI-vaccinated poultry flocks aiming to demonstrate freedom from circulating HPAIV aiming to demonstrate freedom from circulating HPAIV

Quelle: Friedrich-Loeffler-Institut

Tierfreundlich und zukunftsfähig: Strategien für eine ökologische Hühnerhaltung – Forschungsprojekt GreenChicken wird mit zwei Millionen Euro gefördert

In der nachhaltigen Landwirtschaft wird die ökologische Nutztierhaltung immer wichtiger. Die Verbraucherinnen und Verbraucher legen zunehmend Wert auf eine besonders tierfreundliche Haltung – auch bei Hühnern. Die Geflügelhaltung steht dabei vor verschiedenen Herausforderungen: Einerseits dürfen Bio-Hühner laut EU-Verordnung nur mit Rohstoffen gefüttert werden, die zu 100 Prozent aus ökologischer Erzeugung stammen, was die Versorgung mit essentiellen Aminosäuren wie Methionin und Cystein erschwert. Andererseits spielt die Zucht von sogenannten Zweinutzungshühnern – bei denen weibliche Tiere für die Eierproduktion und männliche Tiere für die Fleischproduktion gezüchtet werden – eine immer größere Rolle.

An dieser Stelle setzt das Projekt GreenChicken an, das vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau (BÖL) über vier Jahre mit einer Summe von rund zwei Millionen Euro gefördert wird. Das Ziel des Forschungsverbunds von Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU), Probenda GmbH und Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) ist es, zukunftsfähige Fütterungsstrategien für die ökologische Hühnerhaltung zu entwickeln und dabei die Umwelt- und Klimawirkungen zu verbessern. Zudem soll der gesamte Lebenszyklus vom Küken über das Jungtierstadium bis zur Legehenne bzw. zum Junghahn betrachtet werden. Dabei werden bestehende Erkenntnisse aus der Praxis und Beratung berücksichtigt, um praxisnahe Lösungen zu entwickeln.

In Freilandexperimenten wird die Wirkung verschiedener Fütterungsstrategien in mobilen Hühnerställen in der Lehr- und Forschungseinrichtung Oberer Hardthof der JLU untersucht. Dabei werden drei verschiedene Hühnerrassen mit unterschiedlichen Futterrationen über alle Fütterungsphasen untersucht. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Anpassungsfähigkeit an verschiedene Proteinquellen. Zudem werden Umweltindikatoren wie Treibhausgas- und Ammoniakgasemissionen, Wasser- und Flächenverbrauch sowie Nitratverluste gemessen und analysiert.

Das agrarwissenschaftliche Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Dr. Andreas Gattinger (Professur für Ökologischen Landbau) und Dr. Petra Engel (Mitarbeiterin der Professur für Tierzüchtung) testet auch neue Futtermittel für die ökologische Hühnerhaltung in Form von Insektenmehl beziehungsweise verarbeiteten tierischen Proteinen aus Nutzinsekten. Dabei werden zugelassene Reststoffe der landwirtschaftlichen Produktion genutzt, um Futtermittel aus Nutzinsekten zu gewinnen, die eine möglichst geringe Flächenkonkurrenz zur Humanernährung haben.

Auf der Basis von Daten von Öko-Erzeugerbetrieben, Tierzuchtbetrieben und Futtermittelherstellern wird eine umfassende Nachhaltigkeitsbewertung der aktuellen ökologischen Hühnerhaltung entlang der gesamten Prozesskette durchgeführt. Besonderes Augenmerk liegt auf der Bewertung der alternativen Futtermittel aus verarbeiteten tierischen Proteinen aus Nutzinsekten. Darauf basierend werden Handlungsempfehlungen für zukunftsfähige Fütterungsstrategien abgeleitet.

Das Projekt GreenChicken baut auf dem Projekt GreenDairy auf, das im Rahmen des LOEWE-Programms des Landes Hessen gefördert wird. Beide Projekte zielen darauf ab, integrierte Pflanze-Tier-Agrarökosysteme zu entwickeln, um die Ressourceneffizienz sowie die Umwelt- und Klimawirkungen in der ökologischen wie auch in der konventionellen Landwirtschaft weiter zu verbessern. Die JLU baut damit ihre Kapazitäten im Bereich nachhaltige, zirkuläre Tierhaltungssysteme (Green Livestock) weiter aus.

Quelle: Justus-Liebig-Universität Gießen

Was steckt hinter der Dynamik der Vogelgrippe?

KAPPA-FLU-Konsortium gestartet

Lachmöwen in Deutschland, Basstölpel im Vereinigten Königreich, Grizzlys in den USA, Seelöwen in Chile und Geflügel in vielen Ländern – noch nie hat das hochpathogene aviäre Influenzavirus (HPAIV) des Subtyps H5 in einem solchen Ausmaß zirkuliert und so viele Spillover-Infektionen bei Säugetieren verursacht. Das Virus, das sich von einer saisonalen Epidemie insbesondere bei Wildvögeln zu einer Panzootie entwickelt hat, beschäftigt Wissenschaftler, Landwirte, Ornithologen und Behörden. Mit dem Kick-off-Meeting am 14. Juli hat das vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) koordinierte Konsortium KAPPA-FLU herausragender Experten aus 10 internationalen Forschungsinstituten seine Arbeit zum Thema HPAIV H5 aufgenommen.

Ziel von KAPPA-FLU ist es, die Dynamik und den Zusammenhang von HPAI H5-Viren in Wildvögeln, Geflügel und der Umwelt zu verstehen, einschließlich der Auswirkungen des Klimawandels und zoonotischer Risiken. Die Konsortialpartner aus drei Kontinenten und verschiedenen Disziplinen ermöglichen diesen wichtigen One-Health-Ansatz.

Ziel von KAPPA-FLU ist es, die risiko- und wissensbasierte Überwachung zu verbessern sowie neue und kosteneffiziente Präventions- und Bekämpfungsmöglichkeiten (einschließlich Impfungen) für HPAIV bei Geflügel und Wildtieren zu ermitteln, die die menschliche Gesundheit, den Tierschutz, die Erhaltung der Wildtiere und die Nachhaltigkeit der Geflügelproduktion verbessern.

Martin Beer, Leiter des Instituts für Virusdiagnostik des FLI und Koordinator des Kappa-FLU-Konsortiums: „In dieser Zeit dramatischer H5N1-Ausbrüche ermöglicht uns KAPPA-FLU, eine Fülle von Forschungskompetenzen zu bündeln, um dringende Forschungsfragen wie die Faktoren, die die Ausbreitung dieser Viren vorantreiben, oder das Risiko einer zoonotischen Übertragung anzugehen“.

Weitere Informationen

Partner
Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), Deutschland
Abteilung für Virowissenschaften des ERASMUS University Medical Center (ERASMUS MC), Niederlande
Linnaeus-Universität (LNU), Schweden
Istituto Zooprofilattico Sperimentale delle Venezie (IZSVE), Italien
Schweizerische Vogelwarte (SWISS OI), Schweiz
Agentur für Tier- und Pflanzengesundheit (DEFRA-APHA), Vereinigtes Königreich
Royal Veterinary College (RVC), Vereinigtes Königreich

Assoziierte Partner
Universität Hongkong
St. Jude Children’s Research Hospital, USA
Kanadische Lebensmittelaufsichtsbehörde

Quelle: Friedrich-Loeffler-Institut