Zwischenstand beim Projekt Öko2Huhn #Bioland Tagung 2022

Auf der diesjährigen Bioland Geflügeltagung wurden Zwischenergebnisse zum Projekt Öko2Huhn vorgestellt. Annemarie Kaiser (Hochschule Eberswalde) führte aus, dass aktuell etwa 30 Herkünfte auf zahlreichen Praxisbetrieben getestet werden.

Bei einige dieser Rassen lägen die Tageszunahmen bei nur ca. zehn Gramm, bei andere bis 25 g, ÖTZ-Hühner und Zweinutzungshybriden lägen zwischen 20 und 25 g (zum Vergleich Hubbard 40–45 g). ÖTZ-Hühner hätten etwas höhere Brustanteile (16 – 18 %) als die Rassehühner (14 – 16 %). „Die Legeleistungsprüfung ist noch nicht abgeschlossen, vor allem bei Rassehühnern; die ÖTZ-Tiere erreichten bislang ca. 65 – 73 %, Bresse ca. 55 – 60 %“ berichtete die Referentin von der Hochschule Eberswalde.

Das Sundheimer Huhn würde als schnellwüchsiges Zweinutzungshuhn mit guter Nutzung in Fleisch und Eiern beschrieben, sagte David Kohnke (Universität Hohenheim) zu Beginn seines Vortrags. Es stünde aber heute auf der „Roten Liste“, weil sich in den vergangenen Jahrzehnten die Hybridzucht durchgesetzt habe. Als reinrassige Tiere lassen sich die Sundheimer aber auf dem eigenen Betrieb nachzüchten und könnten deshalb gerade für Ökobetriebe interessant werden.

Im Versuch wurden die gemästeten Hähne mit knapp 17 Wochen bei einem durchschnittlichen Lebendgewicht von 2,1 kg geschlachtet. Die Futterverwertung lag bei 3,9 kg Futter pro kg Lebendgewicht. Allerdings zeigten die ersten Ergebnisse „eine große Varianz beim Lebendgewicht sowohl zwischen als auch teilweise innerhalb der Zuchtstämme“. Die als potenzielle Zuchthähne selektierten Tiere erreichten bis zur 17. Woche ein Lebendgewicht von durchschnittlich 2,3 kg, nach 21 Wochen betrug das Durchschnittsgewicht rund 2,8 kg.

Zur Legeleistung gibt es in der Literatur Angaben zwischen 143 und 220 braunen Eiern im Jahr. Das zeige, warum eine Erhebung aktueller, belastbarer Daten für eine Leistungsbestimmung wichtig ist, sagte David Kohnke. „Späterer Legebeginn und ein hoher Anteil an S-Eiern in den ersten Monaten im Vergleich zu Legehybriden“ hätten die Erwartungen bisher bestätigt.

Nächstes Jahr sollen zum Aufbau einer Zuchtpopulation die leistungsgeprüften Zuchttiere aus dem Schlupf 2021 und 2022 gezielt verpaart werden. In den Folgejahren lägen die Schwerpunkte dann auf der Weiterentwicklung dieser Zuchtpopulation und deren Stärkung in der Praxis.

SoundTalks – Boehringer Launch-Veranstaltung zu digitalem 24/7 Hustenmonitoring

Die Boehringer Ingelheim Vetmedica GmbH lädt am 11. Mai 2022 von 17.00 bis 19.00 Uhr zu einer Online-Veranstaltung zur Einführung von „SoundTalks“ ein. SoundTalks ist ein digitales 24/7 Überwachungssystem. Es funktioniert wie ein Hustenmonitoring für die Aufzucht und Mast, das den Landwirten per Push-Nachrichten einen Alarm direkt auf das Handy meldet, sobald sich die Atemgeräusche der überwachten Schweine verändern.

Prof. Hartung, Universität Kiel, wird einen Vortrag halten, in dem es darum geht, was eigentlich künstliche Intelligenz ist und was der Unterschied zur Digitalisierung ist. Er gibt einen Ausblick, wo die Reise in diesem Bereich in der Nutztierbranche hingeht.

Der zweite Vortrag beschäftigt sich direkt mit dem neuen System SoundTalks und der dritte Vortrag stellt Erfahrungen aus der Praxis mit dem System vor.

Die Teilnahme an diesem Online-Seminar ist kostenlos, es ist nur eine Anmeldung erforderlich unter www.boehringer.tv/register.

Weitere Informationen hierzu gibt Ihnen gerne Kim Schulze, Boehringer Ingelheim Vetmedica GmbH, Tel.: +49 (6132) 77-90218 oder kim.schulze@boehringer-ingelheim.com

Aufzucht von Junghennen unterschiedlicher Zweinutzungsherkünfte #Bioland-Tagung 2022

Das europäische Verbundprojekt PPILOW* untersucht Möglichkeiten zur Verbesserung des Tierwohls von Schweinen und Hühnern in ökologischer und extensiver Freilandhaltung. Anlässlich der Bioland-Geflügeltagung 2022 stellte Helen Pluschke (Thünen-Institut für ökologischen Landbau) erste Ergebnisse der Prüfung dreier neuentwickelter Zweinutzungsherkünfte vor. Insgesamt werden Mast- und Legeleistung, Verhalten und Tierwohlparameter unter ökologischen Bedingungen bewertet.

Auf dem Versuchsbetrieb des Instituts wurden dazu je 80 weibliche Eintagsküken von drei unterschiedlichen Zweinutzungsherkünften (A, B, C) sowie eine Kontrollgruppe Eintagsküken einer Legehybride (D) aufgezogen: Herkunft A = fleischbetonte, Herkunft B = ausgeglichene und Herkunft C = legebetonte Zucht.

Folgende Daten wurden erhoben:
Entwicklung der Lebendmasse
Wöchentlicher Futterverbrauch
Tierwohl Parameter mittels Bonitur (angelehnt an MTool)
Verhaltensbeobachtungen zu drei Tageszeiten

Erwartungsgemäß zeigte die fleischbetonte Herkunft A die höchste Zunahme mit durchschnittlich 2.299 g in LW 18 und die Legehybride D mit 1.697 g die niedrigste in LW 18. B (ausgewogen) kam auf 1.884 g und C (legebetont) auf 1.851 g.

Der Futterverbrauch unterschied sich nur in der dritten Fütterungsphase signifikant (Gramm Futtermasse pro Tag und Tier).

Bei den Bonituren (Schnabel, Schwungfedern, Zehen) zeigten alle drei Zweinutzungsherkünfte überwiegend keine Schäden (zwischen 82% und 91% am Gefieder; 96% bis 99% am Schnabel; 99% an den Zehen ohne Schäden) und entwickelten sich auch in der Aufzucht positiv.

Bis zur 18. LW hatte Herkunft D (Legehybride) die geringste Mortalität mit 1,0%, B (ausgeglichen) 2,4% und A (fleischbetont) 2,5%. Bei Herkunft C (legebetont) wurde eine Mortalitätsrate von 7,0% am Ende der Aufzucht verzeichnet.

Bei der Verhaltensbeobachtung wurde unterschieden zwischen Gefiederpflege, Picken und Scharren, Interaktion mit Beschäftigungsmaterial und Strecken/Flattern. 62-69 % ihrer Zeit verbrachten alle Gruppen mit Gefiederpflege sowie Picken und Scharren. Auffällig sind jedoch die Unterschiede beim aggressiven Verhalten. Für zwei Gruppen, A (fleischbetont) und D (Legehybride), wurden je 1% Aggression vermerkt, für Gruppe C (legebetont) dagegen 3%. Für die ausgeglichene Linie B aber 0%!

Der Versuch endete im März 2022 nach 72 LW. Neben dem on-station Versuch am Thünen-Institut läuft derzeit noch ein on-farm Versuch mit Tieren der Herkunft C bei Wendland Geflügel. Auf die Auswertung der Daten aus der Legeperiode darf man gespannt sein!

Die drei untersuchten Zweinutzungsherkünfte hätten sich insgesamt in der Aufzucht gut entwickelt, fasste die Referentin zusammen und „der Austausch über Ergebnisse aus dem PPILOW Projekt wird dazu beitragen, ein robustes und produktives Zweinutzungshuhn für ökologische und extensive Haltungssysteme weiter zu entwickeln und verbessern.“

*Poultry and Pig Low-Input and Organic Production Systems Welfare

Aufgepasst bei Ernährungsstudien – verschiedene Studienformen haben unterschiedliche Aussagekraft

Wissenschaftliche Erkenntnisse sind so bunt wie unsere Ernährung und Studienergebnisse können in vielen Punkten widersprüchlich sein. Das liegt unter anderem an den verschiedenen Studienformen und deren Aussagefähigkeit. Der Arbeitskreis Nahrungsergänzungsmittel (AK NEM) im Lebensmittelverband Deutschland klärt in der ersten Ausgabe seines neuen Newsletters „FOKUS Wissenschaft“ auf, welche Studientypen es überhaupt gibt und welche Aussagen anhand ihrer Ergebnisse getroffen werden können. Antje Preußker aus der Wissenschaftlichen Leitung im Lebensmittelverband erklärt: „In der breiten Öffentlichkeit kursieren viele Mythen rund um das Thema Ernährung. Diese kommen auch dadurch zustande, dass Studie gleich Studie behandelt wird und Ergebnisse falsch interpretiert werden. Dabei besteht ein erheblicher Unterschied, ob beispielsweise Kausalitäten oder Korrelationen abgebildet werden oder ob es sich um eine verblindete Studie handelt oder nicht. Wir sind deshalb sehr froh, dass wir für die erste Ausgabe unseres neuen Newsletters eine Expertin gewinnen konnten, die präzise und verständlich den Unterschied der diversen Studiendesigns erklärt“. Gastautorin Dr. Sandra Habicht, Institut für Ernährungswissenschaft der Justus-Liebig-Universität Gießen, schreibt über deskriptive und analytische Beobachtungsstudien, Interventionsstudien sowie Reviews und Meta-Analysen.

Deskriptive Beobachtungsstudien
Bei diesem Studientyp werden Gesundheitsdaten sowie ein oder mehrere Faktoren des Lebensstils der Probandinnen und Probanden „beobachtet“, also abgefragt, aber nicht von der Studie vorgegeben. Zu den deskriptiven Studien gehören die Fallbeschreibungen (engl. case studies), die sich für die Erforschung sehr seltener Erkrankungen eignen, sowie Querschnittstudien (engl. cross-sectional studies). Diese erfassen den Anteil der untersuchten Studienpopulation mit einer bestimmten Erkrankung oder einem bestimmten Lebensstilfaktor zu einem einzigen Zeitpunkt. Prävalenzen von Erkrankungen oder Daten wie der Vitamin-D-Status einer Bevölkerung können so untersucht werden. Führt man sie in unterschiedlichen Regionen durch, können regionale Unterschiede ermittelt werden. Auch lassen sich Querschnittstudien aus unterschiedlichen Jahren vergleichen und zeitliche Entwicklungen näherungsweise betrachten. Werden verschiedene Parameter erhoben, können diese als Korrelation miteinander in Beziehung gebracht werden, das lässt aber keine kausalen Aussagen zu.

Analytische Beobachtungsstudien
Beobachtungsstudien können retrospektiv sein und Informationen aus der Vergangenheit erheben oder prospektiv, d. h. in die Zukunft blickend. Kohortenstudien (engl. cohort studies) sind prospektive analytische Beobachtungsstudien mit einer Betrachtung der zukünftigen Erkrankungsmanifestation. Dieser Studientyp wird auch Längsschnittstudie genannt, da mindestens zu zwei Beobachtungszeitpunkten Erhebungen stattfinden. Bei Kohortenstudien werden gesunde Probandinnen und Probanden nach Lebensstilfaktoren in Kohorten eingeteilt und über einen definierten Zeitraum beobachtet. Von Interesse sind die Häufigkeiten klinischer Endpunkte (engl.outcome), z. B. bestimmte Erkrankungen in den jeweiligen Kohorten. Je länger die Beobachtungsdauer, je homogener die Gruppen und je größer der erwartete Effekt, desto eher sind Unterschiede in der Erkrankungshäufigkeit zwischen den Kohorten zu erwarten. Die Fall-Kontroll-Studien (engl. case control studies) verfolgen einen anderen Ansatz. Bei diesen Studien werden z. B. Personen mit Erkrankung (Fälle) und ohne Erkrankung (Kontrollen) nach Lebensstilfaktoren in der Vergangenheit befragt. Dieser Studientyp zählt daher zu den retrospektiven Studien. Um Zusammenhänge richtig darzustellen sollten Störfaktoren (engl. Confounder) untersucht und in die Analyse einbezogen werden.

Interventionsstudien
Hier erhalten Probandinnen und Probanden entweder eine Kontroll-Behandlung (meist ein Placebo) oder die zu untersuchende Behandlung (Intervention), z. B. eine Supplementation. Es gibt Interventionsstudien mit ein, zwei oder mehr Armen/Behandlungsgruppen oder z. B. mit oder ohne Cross-over-Design. Bei einem Cross-over können Probandinnen und Probanden erst die eine und dann die andere Behandlung erfahren. Jeder ist dadurch seine eigene Kontrolle, aber es bedarf einer passend langen Auswaschphase (engl. wash-out) zwischen den Behandlungen. Als Goldstandard unter den Interventionsstudien gelten die randomisiert-kontrollierten Studien (engl. randomized controlled trials, RCT). Das sind Studien mit zufälliger, also randomisierter Zuordnung der Probandinnen und Probanden in verschiedene Arme, von denen eine die Kontrollgruppe darstellt. Eine Studie gilt als verblindet, wenn die Probandinnen und Probanden nicht wissen, in welche Gruppe sie eingeteilt worden sind. Wenn das zusätzlich auch die Untersucher nicht wissen, ist die Studie doppel-blind. Mit diesem Design lässt sich die Wirkung einzelner Nahrungskomponenten auf die Gesundheit gut untersuchen. Bei Interventionsstudien wird die zu erforschende Behandlung bei einer Gruppe von Probandinnen und Probanden für einen definierten Zeitraum durchgeführt. Verglichen werden anschließend nicht nur Gesundheitsparameter, sondern auch, wie sich die Werte und die Veränderungen bei der Interventions- von denen der Kontrollgruppe unterscheiden. Ob eine mögliche oder postulierte Wirkung der Intervention in einer solchen Studie nachgewiesen werden kann, hängt u. a. von den gewählten Zielkriterien oder Endpunkten und der Studiendauer ab. Eine große Rolle spielen auch Confounder und die Compliance. Ein Merkmal für die Qualität einer klinischen Studie kann sein, an wie vielen Standorten, Studienzentren oder Kliniken sie durchgeführt wurde.

Reviews und Meta-Analysen
Auf der Suche nach Antworten zu einer bestimmten Forschungsfrage sollten immer mehrere Studien unterschiedlichen Typs betrachtet werden, und es sollte einen plausiblen ernährungsphysiologischen/biochemischen Ansatz z. B. aus Tier- und Zellstudien oder der Grundlagenforschung geben. In der Wissenschaft werden Ergebnisse mehrerer oder vieler Studien in Form von narrativen oder systematischen Reviews sowie Meta-Analysen zusammengetragen. Darüber hinaus gibt es auch die Form des Umbrella-Reviews.

Der „FOKUS Wissenschaft“ ist der neue Newsletter des AK NEM, in dem Hintergründe und wissenschaftliche Erkenntnisse rund um Mikronährstoffe erklärt werden. Die komplette erste Ausgabe kann unter www.nahrungsergaenzungsmittel.org heruntergeladen werden.

Quelle: Lebensmittelverband Deutschland e. V.
Der Lebensmittelverband Deutschland e. V. ist der Spitzenverband der deutschen Lebensmittelwirtschaft. Ihm gehören Verbände und Unternehmen der gesamten Lebensmittelkette „von Acker bis Teller“, aus Landwirtschaft, Handwerk, Industrie, Handel und Gastronomie an. Daneben gehören zu seinen Mitgliedern auch private Untersuchungslaboratorien, Anwaltskanzleien und Einzelpersonen.

Arbeitskreis Nahrungsergänzungsmittel (AK NEM)
Unter dem Dach des Lebensmittelverbands Deutschland ist der Arbeitskreis Nahrungsergänzungsmittel (AK NEM) eine Plattform für die Interessenvertretung sowie zum fachlichen Austausch über rechtliche und wissenschaftliche Fragestellungen zu Nahrungsergänzungsmitteln. Zu seinen Mitgliedern gehören neben den Herstellern von Nahrungsergänzungsmitteln auch Rohwarenhersteller sowie Dienstleister.

Neue Lernplattform für Tierwohl bei Milchkühen online

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Das Tierwohl-Check E-Learning ergänzt die bereits im Herbst 2021 erschienene App für die Tierwohl-Beurteilung von Milchkühen. Damit stehen Tierhalterinnen und Tierhaltern, die selbst Tierschutzindikatoren erheben möchten, Hintergrundwissen, Merkblätter, Anleitungen zur Datenerhebung, Ziel- und Warnwerte für die objektive Tierwohlbeurteilung sowie eine zugehörige App zur Verfügung. Zusätzlich steht für die Überprüfung der erworbenen Kenntnisse ein abschließender Online-Test zur Verfügung (hier wird die bereits im Herbst 2021 von uns veröffentlichte „Online-Schulung Tierschutzindikatoren“ genutzt, auf die aus dem E-Learning heraus verwiesen wird).

Die berits seit September 2021 zugängliche Plattform elearning.tierwohl-check.de verfügbare Lernplattform gibt in sechs Modulen umfangreiche Informationen zur Durchführung der betrieblichen Eigenkontrolle mithilfe der Tierwohl-Check-App. Mit dem passgenauen E-Learning erlernen Anwender*innen die Datenerhebung der Tierschutzindikatoren, erfahren viele nützliche Hinweise und vertiefende Hintergrundinformationen. Des Weiteren liefert das E-Learning praktische Merkblätter zu den Indikatoren, eine Anleitung zur Datenerhebung sowie Definitionen und Berechnungsgrundlagen.

Mit dem erlernten Wissen lässt sich die Tierwohlsituation objektiv ermitteln und bewerten; das Ergebnis liefert eine übersichtliche Schwachstellenanalyse für den Betrieb und erleichtert es den Landwirt*innen, der betrieblichen Eigenkontrolle im eigenen Betrieb nachzukommen. Auch für Tierärzt*innen und Berater*innen kann das E-Learning wertvolle Informationen für eine verlässliche Tierbeurteilung vermitteln.

Die Tierwohl Check-App und das kostenfreie E-Learning wurde im Rahmen des EIP Projektes Tierwohl-Check von vier aktiven Landwirt*innen aus Schleswig-Holstein zusammen mit dem Landeskontrollverband SH e.V. als Leadpartner, der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, der Rinderzucht SH eG, dem Deutschen Verband für Leistungs- und Qualitätsprüfung und dem Thünen-Institut für Ökologischen Landbau erarbeitet.

Quelle: Thünn Institut für Ökologischen Landbau

Sicherheitsrisiko fehlende Kontrollvorgaben

Bundesverband der beamteten Tierärzte fordert zügige Umsetzung des EU-Kontrollrechts durch die Länder

Der Präsident des Bundesverbandes der beamteten Tierärzte (BbT), Dr. Holger Vogel, fordert von den politisch Verantwortlichen Leitlinien für die Umsetzung der sog. risikoorientierten Überwachung, wie sie das EU-Recht verlangt. Hierfür gelte es, Grundlagen für eine vergleichbare Einschätzung der vorzuhaltenden Überwachungskapazitäten in allen Ländern insbesondere in den Bereichen Tier-gesundheit und Tierschutz zu schaffen. „Es kann nicht sein, dass Amtstierärztinnen und Amtstierärzte im wahrsten Sinne den Kopf dafür hinhalten müssen, dass sie ihre lokalen Betriebe mit angemessener Häufigkeit und Gründlichkeit überprüfen, ohne einen Vergleichsmaßstab zu haben,“ so Vogel. Sonst gehe man schnell selbst ein „Risiko“ ein. „Das richtige Maß bei der Kontrollintensität darf nicht einer Individualentscheidung überlassen bleiben, sondern ist gesellschaftspolitisch zu definieren“, so Vogel weiter. Schließlich hänge davon nicht zuletzt die Zahl des Kontrollpersonals ab. In der Lebensmittelüberwachung sei man deutlich klarer strukturiert.

In diesem Zusammenhang erneuert der BbT seine wiederholt erhobene Forderung, dafür eine belastbare Datengrundlage zu schaffen. Nur dann seien die Veterinärbehörden in der Lage, von Unternehmen ausgehende Risiken adäquat zu erfassen und zu bewerten, wobei es vor allem auf die fach-gebietsübergreifende Betrachtung ankomme. „Eine gute Tiergesundheit ist ein wichtiger Indikator für eine tiergerechte Haltung“, betont Vogel. Er setzt auf die Ankündigung der neuen Bundesregierung, damit endlich in dieser Legislaturperiode weiter voranzukommen. „Hier werden wir unterstützen, wo immer wir können“, so Vogel abschließend.

Der BbT widmet sich dieser Thematik in verschiedenen Vorträgen auf seinem 39. Internationalen Veterinärkongress in Bad Staffelstein.

Quelle: BbT

Bohnenanbau in vielfältigen Agrarlandschaften fördert Bienen und steigert Ertrag – Studie der Universität Göttingen

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Bestäubung durch Insekten ist essenziell für die Produktion vieler Nahrungspflanzen. Das Vorkommen von Bestäubern wie Bienen ist davon abhängig, ob Nistplätze und ausreichend Nahrung vorhanden sind. Fehlen diese Voraussetzungen, bleiben auch die Bestäuber aus und es leidet der Ertrag von blühenden Ackerkulturen, wie zum Beispiel Ackerbohnen und Raps. Ein Team der Universität Göttingen und des Julius Kühn-Instituts (JKI) in Braunschweig hat untersucht, wie sich die Landschaftszusammensetzung aus blühenden Kulturen und naturnahen Habitaten auf die Dichten von Bienen, deren Verhalten beim Sammeln von Nektar und die Erträge von Ackerbohnen (Vicia faba L.) auswirkt.

Die Forscherinnen zeigen, dass in Landschaften mit einem hohen Flächenanteil von naturnahen Habitaten und in Landschaften mit einem hohen Flächenanteil von Ackerbohnen mehr Hummeln in Ackerbohnenfeldern zu finden waren. Außerdem waren die Bohnenerträge in diesen Landschaften erhöht. Die Wissenschaftlerinnen erfassten und beobachteten das Sammelverhalten von Honig- und Wildbienen in Ackerbohnenfeldern in Agrarlandschaften mit unterschiedlicher Landschaftszusammensetzung. Außerdem ermittelten sie Ertragsparameter von Einzelpflanzen. „Insektenbestäubung wirkt sich positiv auf Ackerbohnenerträge aus. Unsere Untersuchungen ergaben rund 34 Prozent mehr Bohnen pro Hülse bei insektenbestäubten Pflanzen verglichen mit Pflanzen, die unzugänglich für Insekten waren“, erklärt Dr. Doreen Gabriel vom JKI.

„Für den Bestäubungserfolg bei Ackerbohnen ist nicht nur die Bienendichte im Feld wichtig, sondern auch, welche Bienenarten an den Blüten sammeln und wie sie das tun. Hummelarten mit kurzen Rüsseln rauben oft Nektar von Ackerbohnen, indem sie Löcher in die Blütenkelche beißen. Im Gegensatz dazu sammeln die meisten langrüsseligen Hummeln Nektar regulär von der Vorderseite der Blüte, was zu erhöhten Fremdbestäubungsraten führt. Es gibt allerdings kaum Studien, die untersucht haben, ob das Verhalten von Bienen beim Nektar sammeln auch von der Ressourcenverfügbarkeit in der Landschaft, also der Landschaftskomposition, beeinflusst wird“, so Erstautorin Dr. Nicole Beyer, die an der Universität Göttingen promoviert hat, und nun am Thünen-Institut in Braunschweig arbeitet. Die Studie zeigt, dass kurzrüsselige Hummeln vermehrt Nektar an Ackerbohnen raubten, wenn ein hoher Flächenanteil an Ackerbohnen in der Landschaft vorhanden war.

„Unsere Studie verdeutlicht, wie wichtig auch die Landschaftszusammensetzung für Erträge ist, wie am Beispiel der Ackerbohne gezeigt wurde. Die Verfügbarkeit von blütenreichen Lebensräumen kann die Dichte der Bienen in den Feldern, ihr Suchverhalten und ihre Bestäubungsleistungen verbessern“, schlussfolgert Prof. Dr. Catrin Westphal, Leiterin der Abteilung Funktionelle Agrobiodiversität der Universität Göttingen.

Die Ergebnisse der Studie sind in der Fachzeitschrift Basic and Applied Ecology erschienen.

Beyer, N., Gabriel, D. & Westphal, C. (2022). Landscape composition modifies pollinator densities, foraging behavior and yield formation in faba beans. Basic and Applied Ecology, doi: https://doi.org/10.1016/j.baae.2022.03.002

Quelle: Georg-August-Universität Göttingen

Imkertipp: CBPV bei Bienen: Ein Virus auf dem Vormarsch?

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Von Dr. Heike Engels

Das Chronische-Bienenparalyse-Virus (CBPV) trat in den letzten Jahren in Europa verstärkt auf. Die Erkrankung führt zu großen Verlusten unter den Arbeiterinnen und deutlichen Leistungseinbußen vor allem bei starken Bienenvölkern. CBPV befällt einzelne Gehirnregionen der Bienen und löst dort neurologische Symptome wie Paralyse, also Lähmungen, und Zittern aus. Daneben erscheinen betroffene Bienen durch Haarverlust schwarz und fettig glänzend, was als „Ansteckende Schwarzsucht“ bezeichnet wird. Beide Symptome können in einem Volk auftreten. Übertragen wird das Virus geschieht wohl direkt von Tier zu Tier über den Fäkal-oralen Weg. CBPV gilt als Varroa-assoziierte Erkrankung, da das Virus durch die Schwächung der Bienen, ausgelöst durch einen starken Varroabefall, leichteres Spiel hat.

Um die Verbreitung des CBPV in Bayern zu analysieren, wurden Analyseergebnisse des Tiergesundheitsdienstes Bayern e.V. von 302 Bienenvölkern hinsichtlich der Virusdiagnostik und klinischen Symptomatik mit Fokus auf CBPV untersucht. Die Analyse umfasste die Jahre 2018 bis 2020. Zusätzlich werteten die Forscher Daten aus Fragebögen aus von 105 labordiagnostisch CBPV-positiven und klinisch auffälligen Völkern.

Es konnte ein signifikanter Anstieg CBPV-positiver Proben von 2018 bis 2020 festgestellt werden mit ebenfalls steigender klinischer Symptomatik. Die Auswertung der Fragebögen ergab eine Häufung der ersten CBPV-Fälle im Frühjahr in den Monaten März bis Juni. Zwischen Oktober und Februar wurden kaum Fälle berichtet. Die meist mit vielfältigen Symptomen belasteten Völker erholten sich in 57 % der Fälle von der Erkrankung, wenn therapeutisch eingegriffen wurde. Wurde nicht eingegriffen, kam es in den meisten Fällen zum Tod des Volkes. Insgesamt war die Sterblichkeit bei den Völkern höher, die neben CBPV auch noch weitere Viren im Volk hatten. Bei 62 % der erkrankten und isolierten Völker konnte die Isolation die Weiterverbreitung am Bienenstand verhindern.

Eine eindeutige Therapieempfehlung können die Forscher nicht geben, aber auf jeden Fall den Rat, dass es besser ist, überhaupt etwas zu tun als einfach abzuwarten. Maßnahmen, die bisher zur Therapie erkrankter Völker durchgeführt wurden, entweder einzeln oder in Kombination:

• Austausch der Königin zur Veränderung der Genetik
• Kunstschwarmverfahren zur Senkung der Virenlast
• Varroabehandlung zur Reduktion des Milbenbefalls
• Fütterung einer dünnen Zuckerlösung zur Erhöhung des Bienenumsatzes
• Zuhängen von Brutwaben zum Ausgleich des Totenfalls

Hierbei handelt es sich um kurzfristig wirkende Maßnahmen und auch um langfristige Maßnahmen, wenn es an den Austausch der Königin geht.

Quelle: Dittes, Julia et al.: Chronisches-Bienenparalyse-Virus – quo vadis? Auftreten in Bayern und Betrachtung von Therapiemaßnahmen. Tierärztliche Praxis Großtiere Nutztiere 2021; 49: 326-335.

European PRRS-Research Award von Boehringer Ingelheim: Bewerbungsfrist läuft!

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Boehringer Ingelheim unterstützt seit vielen Jahren die anwendungsbezogene Forschung zur Bekämpfung der Schweinekrankheit PRRS (Porzines Reproduktives und Respiratorisches Syndrom). Im Rahmen des Europäischen PRRS-Research Awards vergibt Boehringer Ingelheim auch im Jahr 2022 drei Preise in Höhe von je 25.000 Euro zur Finanzierung der prämierten europäischen PRRS-Forschungsstudien. Das Unternehmen möchte Forschungsbeiträge finanzieren, die neue Daten sammeln und Erkenntnisse zu PRRS generieren. Ziel ist ein besseres Verständnis dieser verheerenden und kostenintensiven Krankheit sowie eine nachhaltige PRRS-Kontrolle.

Zum möglichen Kandidatenkreis gehören alle Personen, die in der europäischen Schweineindustrie tätig sind. Die Fachgebiete umfassen unter anderem Forschung, Diagnostik, Tierwissenschaften, Praxis, Produktion sowie Tiergesundheit und Tierwohl.

Ein unabhängiger Prüfungsausschuss wird jeden Vorschlag im Hinblick auf seine Bedeutung, das Wirkungspotenzial in der Schweinebranche, die Originalität und Neuartigkeit sorgfältig begutachten. Die Jury ist vertreten durch anerkannte ExpertInnen der Schweinebranche wie u.a. Prof. Andrea Ladinig, Prof. Enric Mateu und Dr. Torsten Pabst.

Einreichungsfrist ist der 1. Juli 2022.

Weitere Informationen und das Anmeldeformular gibt es hier.

Kolostrum und hohe Kälberverluste: Wie hängt das zusammen?

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Von Dr. Heike Engels

Kolostrum ist reich an Nährstoffen und Mineralien und enthält auch Abwehrstoffe gegen wichtige Krankheitserreger. Das Kalb ist auf diese erste Portion gesundheitsfördernder und stärkender Stoffe angewiesen, weil es immunologisch naiv auf die Welt kommt. Eine zügige und ausreichende Menge (mindestens 4 Liter, aufgeteilt in 2 Mahlzeiten) an Kolostrum rasch nach der Geburt ist daher extrem wichtig, denn der Dünndarm des Kalbs ist nur in den ersten 24 Stunden nach der Geburt durchlässig für die guten Inhaltsstoffe des Kolostrums. Innerhalb der ersten 4 Lebensstunden ist dieser Effekt am größten. In der Natur würde ein neugeborenes Kalb auch sogleich es stehen kann das Kolostrum durch den Euter der Kuh aufnehmen. Im Stall sollte zusätzlich oder ausschließlich Kolostrum über die Nuckelflasche gegeben werden, um die ausriechende Menge kontrollieren zu können. Viele Studien konnten bereits zeigen, dass ein direkter Zusammenhang mit Kolostrumversorgung und Kälbersterblichkeit besteht: Desto schneller und mehr Kolostrum ein Kalb erhält, desto widerstandsfähiger wird es und desto weniger oft leidet es an Kälberdurchfall.

Das Ziel der hier vorgestellten Studie war, in Milchkuhbetrieben mit erhöhten Kälberverlusten in Niedersachsen das bestandsspezifische Management der Kolostrumversorgung zu erfassen und Probleme aufzudecken. Die Untersuchungen fanden in 56 Milchkuhbetrieben in Niedersachsen statt, die im Jahr 2014 eine Kälberverlustrate von mindestens 20 % aufwiesen und mindestens 30 Milchkühe hielten (Auswahl durch die Tierseuchenkasse Niedersachsen). Untersucht wurden Kälber im Alter von 1 bis 14 Lebenstagen. Daten zu den Themen Kolostrummanagement und Kälbergesundheit wurden anhand eines standardisierten Fragebogens erfasst, der Betrieb wurde besichtigt und alle Kälber in Einzelhaltung unterlagen einer klinischen Untersuchung. Bei Kälbern im Alter von 1 bis 7 Lebenstagen wurde die Gesamteiweißkonzentration im Blutserum untersucht, um den Erfolg der Kolostrumversorgung zu bewerten. Kälber mit Durchfall wurden nicht untersucht. Nach dem Betriebsbesuch erhielten die Landwirte mündlich oder schriftlich Verbesserungsvorschläge für ihr Kolostrummanagement. Nach 8 bis 10 Monaten erfolgte ein weiterer Besuch und es wurde wieder ein Frageboden ausgefüllt und die Kälber untersucht.

In den Datensätzen der beiden Durchgänge unterschied sich das Antwortverhalten der Landwirte im Fragebogen nicht signifikant, sodass die Beratung offensichtlich keinen Einfluss auf das Kolostrummanagement hatte. Trotzdem zeigten die Daten, dass es in vielen Betrieben in Bezug auf den Zeitpunkt der Fütterung, die angebotene Menge und die Methode der Versorgung und Überprüfung des Erfolgs nicht optimal abläuft. Die anhand der Gesamteiweißkonzentration beurteilte Kolostrumversorgung wies ebenfalls darauf hin, dass zu beiden Besuchszeitpunkten nur wenige Betriebe alle Kälber ausreichend mit Kolostrum versorgten. Wichtig für die Interpretation der Daten ist allerdings, dass durch die Vorauswahl der Betriebe mit dem Kriterium „mind. 20 % Kälberverluste“ diese Ergebnisse nicht repräsentativ für alle Milchviehbetriebe ist.

Aber zumindest in dieser ausgewählten Gruppe von Milchviehbetrieben scheint die große Bedeutung der Kolostrumversorgung bei neugeborenen Kälbern noch immer nicht bewusst zu sein. In vielen der untersuchten Betriebe mit hohen Kälberverlusten sehen die Forscherinnen in diesem Punkt einen Verbesserungsbedarf.

Quelle: Korte, Anika et al.: Kolostrummanagement in Betrieben mit hohen Kälberverlusten in Niedersachsen. Tierärztliche Praxis Großtier Nutztier 2021; 49: 375-382.

Erhöhte Plattformen und Strohballen verbessern das Wohlbefinden von Broilern

Eine aktuelle französische Studie untersuchte, ob erhöhte Ebenen und Strohballen Wohlbefinden und Gesundheit von Broilern positiv beeinflussen. Lauffähigkeit, FPD (Foot Pad Dermatitis, Fußballendermatitis), HB (Hock Burn, Fersenhöckerveränderungen), Gewicht, Mortalität und Einstreuqualität wurden für knapp 15.000 Broiler in zwei unterschiedliche Besatzdichten (31 kg/m2 und 41 kg/ m2), mit oder ohne Anreicherung bewertet.

In einem Versuchsabteil wurde auf jeder Seite jeweils ein Strohballen platziert. Der Ballen wurde nicht erneuert, wenn er zerfiel. Im zweiten Abteil wurde, über die gesamte Dauer der Mast, eine erhöhte Plattform aus perforierte Kunststofflamellen zur Verfügung gestellt. Der Grad an FPD und HB wurde post mortem bewertet.

FPD war danach weniger schwerwiegend bei Broilern, die niedriger und in geringerer Besatzdichte, sowie mit Anreicherung gehalten wurden. Eine geringere Besatzdichte wirkte sich in beiden Anteilen auch positiv auf den HB-Score aus.

Masthühner in geringerer Besatzdichte mit Enrichment zeigten auch eine bessere Lauffähigkeit im Vergleich zu den Tieren in höherer Besatzdichte ohne Enrichment. Insgesamt kommen die Autoren zu dem Schluss, dass geringere Besatzdichte und Strohballen als Enrichment helfen können, Sprunggelenks und Fußballen-Gesundheit bei Broilern zu verbessern.

Mocz F, Michel V, Janvrot M et al (2022) Positive effects of elevated platforms and straw bales on the welfare of fast-growing broiler chickens reared at two different stocking densities. Animals 12(5), 542. (Link zur Studie)

Schafe: Mit der richtigen Geburtshilfe unterstützen

Von Imke Brammert-Schröder, Dipl.-Ing. agr., Fachjournalistin

Die meisten Schafe bringen ihre Lämmer ohne Unterstützung durch den Menschen auf die Welt. Kommt es aber zu Komplikationen, ist eine sachgerechte Geburtshilfe gefragt. Dr. Henrik Wagner, Fachtierarzt für kleine Wiederkäuer an der Justus-Liebig-Universität Gießen, führt an der Lehr- und Versuchsanstalt Neumühle in Rheinland-Pfalz regelmäßig Lehrgänge zur Geburtshilfe beim Schaf durch. Die Teilnehmer bekommen nicht nur viel theoretisches Wissen an die Hand, sondern können in praktischen Übungen am Phantom die richtige Hilfestellung üben.

Die Lammzeit ist die wichtigste Zeit für die Schafhalter. In den Herden werden viele Lämmer pro Tag geboren. Nicht immer überleben sie. Die Rate an Todesfällen nach der Geburt liegt zwischen 7 und 18 %. Für Dr. Henrik Wagner, Fachtierarzt für kleine Wiederkäuer an der Justus-Liebig-Universität Gießen, ist diese Rate zu hoch. „Die Betreuung in der Ablammphase ist häufig der Knackpunkt. Die Probleme nehmen zu, je mehr Lämmer am Tag geboren werden“, erklärte er den Teilnehmern des Seminars zur Geburtshilfe beim Schaf. Denn ein Lamm kommt ohne Immunschutz auf die Welt und braucht die Biestmilch der Mutter, um die schützenden Immunglobuline aufzunehmen und einen eigenen Immunstatus aufzubauen. „Das erklärt auch die hohen Todesraten“, so der Fachtierarzt, der selber seit 20 Jahren Schafe hält und neben Tiermedizin auch Landwirtschaft studiert hat. „Sie müssen gewährleisten, dass die Lämmer mit Biestmilch versorgt werden“, erklärte er den Seminarteilnehmern. 150 ml sind anzustreben. Es sei wichtig, für Notfälle einen Vorrat mit tiefgefrorener Biestmilch vorzuhalten, der dann langsam aufgetaut und auf 40 °C erwärmt werden kann.

Genügend Böcke in den Herden einsetzen
Eine gute Planung der Lammzeit hält Wagner für wichtig, diese beginnt schon mit den Überlegungen, wann die Schafe gedeckt werden sollen. Schafe zeigen kaum Brunstsymptome, der Bock in der Herde spielt eine wichtige Rolle. Je nach Rasse zeigen Schafe eine saisonale oder asaisonale Brunst. Zu den saisonal brünstigen Rassen gehören beispielsweise Texel oder Heidschnucke. Sie werden mit abnehmender Tageslichtlänge brünstig. Asaisonal brünstige Rassen wie Merino oder Dorper können das ganze Jahr trächtig werden. Die Zykluslänge beim Schaf beträgt 17 Tage, die Tragezeit dauert 150 Tage. „Der Bock sollte mindestens zwei Zyklen in der Herde sein. Achten Sie darauf, dass ausreichend Böcke in der Herde sind, damit die Ablammzeit komprimiert ist. Sonst kann sie sich über einen Zeitraum von drei bis vier Monaten hinziehen“, riet der Tierarzt. Unter den Seminarteilnehmern waren einige, die kleinere Herden haben. Ihnen empfahl Wagner, zwei Böcke zu halten, damit es nicht zu Schwierigkeiten kommt, wenn einer krank wird. Er appellierte an die Schafhalter, die Jungböcke im Alter von dreieinhalb bis vier Monaten von den Müttern abzusetzen, um ungewollte Trächtigkeiten zu vermeiden: Auch Trächtigkeitsuntersuchungen per Ultraschall hält der Tierarzt für sinnvoll, denn dadurch können nicht trächtige Tiere schnell herausgefunden werden. Wenn sie zwischen dem 50 bis 70. Tag erfolgten, könne auch erkannt werden, wieviel Lämmer das Schaf in sich trägt.

Wagner ging auf einige Krankheiten rund um den Geburtszeitraum ein. Er erläuterte, dass die Lämmer im Bauch der Mutter erst nach dem 100. Trächtigkeitstag verstärkt wachsen. Daraus resultiert ein erhöhter Energiebedarf der Muttertiere. „Füttern Sie im letzten Trächtigkeitsdrittel mehr Kraftfutter, die Energiezufuhr muss erhöht werden. Sonst droht eine Trächtigkeitsketose“, erklärte der Tierarzt. Ketose ist eine Stoffwechselstörung, die durch eine Überbeanspruchung des Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsels entsteht. Nimmt das Schaf nicht genügend Energie über das Futter auf, wird das Körperfett abgebaut und in der Leber umgebaut. Die Leberbelastung steigt, es kommt zu einer Ketose, die sich in Apathie, Fressunlust, Zähneknirschen und Schwäche bis hin zu Festliegen und Krampfanfällen zeigt. Der Tierarzt kann mit einer Glucoseinfusion in die Vene helfen. „Allerdings zeigen Schafe auch bei anderen Erkrankungen ähnliche Symptome wie bei einer Ketose.“ Deshalb ist es für den Tierarzt wichtig zu wissen, wann die Schafe ablammen. „Denn eine Kortisongabe, die auch bei einer Ketose als Therapie eingesetzt werden könnte, kann die Geburt auslösen“, so Wagner.

Ketose und Kalziummangel treten gemeinsam auf
Liegen die Schafe vor der Geburt fest, können sie auch an der Hypocalcämischen Gebärparese, auch einfach Calciummangel genannt, leiden. „Das Schaf liegt, kann aber den Kopf heben. Calciummangel ist mit einer Blutprobe leicht nachweisbar“, sagte Wagner. Das Schaf muss schnell Calcium subkutan, also unter die Haut, verabreicht bekommen, weil durch den Kalziummangel eine Wehenschwäche ausgelöst wird. „Das Muttertier kann nicht mehr pressen, die Gefahr ist groß, dass die Lämmer sterben“, erklärte der Tierarzt. „Ketose und Hypocalcämie treten bei kleinen Wiederkäuern meist vor der Geburt und gemeinsam auf“, machte Wagner deutlich. Entsprechend müsse auch beides behandelt werden. Er riet zu einer gut sortierten Stallapotheke, deren Inhalt mit dem betreuenden Tierarzt abgestimmt werden muss.
Dass die Geburt bevorsteht, kann der Schafhalter an verschiedenen Punkten erkennen: Die Scheide schwillt an und ist gerötet, die Schafe sind unruhig, sondern sich von der Herde ab. Die Beckenbänder lockern sich, die Schafe sehen eingefallen aus und die Zitzen füllen sich mit Milch. Die Geburt gliedert sich in mehrere Phasen. „Die Eröffnungsphase kann sich über Stunden hinziehen, aber die Austreibungsphase dauert nur eine Stunde“, erklärte Henrik Wagner. Die Nachgeburtsphase ist nach rund vier Stunden abgeschlossen. Um im Notfall eingreifen zu können, ist eine Geburtsüberwachung wichtig. „Das geht gut per Video oder Kamera mit Akustik im Stall“, berichtete der Tierarzt.

30-Minuten-Regel bei Geburten


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Fortschrittliches Monitoring von Kühen – MSD Tiergesundheit bringt neue Generation von Allflex® Ohrmarken-Sensoren auf den Markt

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• Monitoring mit neuartiger, LED-basierter Tierortungsfunktion
• Einzeltiere auch in großen Herden leicht auffindbar
• Optimierung des Herdenmanagements

Die neue Generation der Allflex® Ohrmarken zum Monitoring von Milchkühen und Rindern macht es Landwirten und Tierärzten noch einfacher, Einzeltiere in einer Herde zu finden. Zudem analysiert diese Monitoring-Technologie relevante Daten zu Fruchtbarkeit, Gesundheit und Fütterung der Kühe. So können beispielsweise brünstige Kühe und Tiere in Not schnell und zuverlässig aufgespürt werden.

„Mithilfe dieser neuen Generation von Ohrmarken erhalten die Landwirte in Echtzeit präzise Informationen darüber, welches ihrer Tiere besonderer Aufmerksamkeit bedarf. Das verbessert das Wohlergehen ihrer Rinder und Milchkühe und trägt auch zur Steigerung der Lebensqualität der Landwirte bei: Weniger Aufgaben und mehr Zeit für andere Dinge wie Freizeit und Familie.“, kommentiert Christian Vogelsberg, Leiter des Geschäftsbereichs Livestock Intelligence bei MSD Tiergesundheit.

Mit einem Gewicht von nur 25 g ist diese Ohrmarke besonders leicht und bietet den Kühen einen hohen Tragekomfort. Das Einziehen der Ohrmarke ist schnell und einfach und erfolgt in nur einem Schritt. Das spart Zeit und ist angenehmer für die Kühe. Die von Allflex® entwickelte Technologie sorgt dafür, dass die Ohrmarken sicher befestigt bleiben. Mit einer verlängerten Batterielebensdauer von bis zu 5 Jahren müssen die Sender seltener getauscht werden. Das reduziert Zeit und Kosten und optimiert zugleich das Herdenmanagement. Darüber hinaus können die Ohrmarken von einem Tier entfernt, an einem anderen Tier angebracht und wieder neu zugewiesen werden.

Die multifunktionale LED-Anzeige ermöglicht schnell und einfach bestimmte Milchkühe und Rinder ausfindig zu machen und deren unterschiedliche Bedürfnisse zu erkennen – selbst in einer großen Gruppe von Tieren. Die blinkende Leuchtdiode wird durch das Allflex® Monitoringsystem ausgelöst. Die Ohrmarken sind mit den bekannten Allflex® Monitoring Systemen SenseHubTM und Heatime Pro+ kompatibel. Sie können auch mit anderen Typen von Allflex® Sendern, wie beispielsweise Halsbandsendern auf einem Betrieb kombiniert werden.

Quelle: MSD Tiergesundheit

Tierschutzrelevante Probleme in der Milchviehhaltung -Teil 2: Kälber #DVG-Tierschutztagung 2022

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Linda Dachrodt (TiHo) stellte in ihrem Vortrag Ergebnisse der PraeRi-Studie vor, die Erkenntnisse aus zahlreichen früheren Studien untermauert haben.

Zum Beispiel leiden männliche Kälber in den ersten 14 Lebenstagen häufiger als weibliche Tiere unter Durchfall, Nebelentzündungen und Störungen des Bewegungsapparates und zeigen auch häufiger Symptome von mehr als einer Krankheit gleichzeitig. Bei Atemwegserkrankungen ließ sich bei PraeRi zwar kein Geschlechter-Unterschied feststellen, allerdings kamen Atemwegserkrankungen in den ersten zwei Lebenswochen auch generell seltener vor.

In den ersten Lebenswochen sei das Kolostrum-Management der wichtigste Faktor für Gesundheit und Überlebenschance des Kalbes und beeinflusse maßgeblich auch die spätere Milch- wie Mast-Leistung. Die Referentin zitierte eine kanadische Studie, der zufolge männlichen Kälbern häufig weniger (0,2 Liter) und auch öfter gepooltes Kolostrum angeboten wurde als weiblichen Kälbern. Eine zweite kanadischen Studie ergab, dass 9 % der dort Befragten männlichen Kälbern nicht immer Kolostrum verabreichen und 17 %, den Geschlechtern unterschiedliches Futter anbieten. Männliche Kälber erhielten häufiger bakteriell kontaminierte Biestmilch und würden öfter allein gehalten (dies allerdings auch damit sie nach 14 Tagen nicht quer durch den Betrieb gefahren werden müssen).

Die klinische Einzeltieruntersuchung im Rahmen von PraeRi habe deutlich gezeigt, dass männliche Kälber häufiger krank waren und speziell ab der zweiten Lebenswoche öfter Symptome von mindestens zwei verschiedenen Erkrankungen gleichzeitig zeigten. Diese Ergebnisse ließen vermuten, so Linda Dachrodt, dass in deutschen Milchkuhbetrieben häufiger als im Interview angegeben (5,7%), Unterschiede in der Versorgung von männlichen und weiblichen Kälbern gemacht werden.

Die zukünftig auf 28 Tage verlängerte Aufstallung im Milchviehbetrieb (ab 2023) ließe befürchten, dass gerade die Multimorbidität männlicher Kälber zunehmen und zu einem Anstieg der Mortalitätsrate im Herkunftsbetrieb führen könnte – gerade, wenn höhere Kosten für längere Aufzucht nicht durch höhere Verkaufserlöse für Mastkälber abgedeckt würden.

Deshalb empfahl Laura Dachrodt bereits jetzt eine optimale Erstversorgung mit Kolostrum, ein gutes Tränkemanagement, hohe tägliche Zunahmen und bestmögliche Haltungsbedingungen der Kälber im Milchviehbetrieb zu. Nicht zuletzt, weil nur gut entwickelte und gesunde Kälber kostendeckende Erlöse erzielen könnten und „gute Kälber“ zukünftig sicher stärker nachgefragt würden.

Dr. Laura Kellermann (LMU), die ebenfalls an der PraeRi-Studie mitgewirkt hat, ging anschließend auf postnatale Mortalitätsraten männlicher und weiblicher Kälber in deutschen Milchkuhbetrieben ein. Zwar konnte ein Einfluss der Betriebsgröße für die verschiedenen Regionen (Nord, Ost, Süd) nicht sicher nachgewiesen werden, insgesamt wurden aber auf größeren Betrieben höhere Mortalitätsraten ermittelt: Bei Höfen mit 1-40 Kühen im Mittel 3,10%, kontinuierlich ansteigend bis zu Betrieben mit mehr als 240 Kühen und 7,17% Kälbersterblichkeit.

Bei Betrieben mit 41-60 Kühen, die in etwa gleicher Zahl in allen Regionen an der Studie teilnahmen, konnten außerdem Deutsche Holstein und Fleckvieh verglichen werden. Hier zeigten sich nur geringe Unterschiede bei den Mortalitätsraten weiblicher Kälber bis zum 84. Lebenstag, Ein höheres Verlust-Risiko sei also nicht vorrangig auf die Rasse zurückzuführen.

In den ersten 14 Lebenstagen verstarben laut HI-Tier prozentual mehr männliche als weibliche Kälber in den Regionen Nord und Ost (N: 2,6% zu 2,2 %, O: 3,2% zu 2,8 %), im Süden konnte dagegen kein Unterschied festgestellt werden (jeweils 1,5%).

Wo können nun die Ursachen für erhöhte Mortalitätsraten männlicher Kälber liegen, fragte Dr. Kellermann, und warum unterscheidet sich der Süden von den Regionen Nord und Ost?

Frühere Studien hätten gezeigt, dass es wegen des höheren Geburtsgewichts bei männlichen Kälbern häufiger zu Komplikationen bei der Geburt käme und nach Schwergeburten auch die Kolostrumaufnahme häufig zu gering ausfalle. Deswegen wiederum steige das Erkrankungs- und Mortalitätsrisiko an. Da jedoch in der Region Süd männliche und weibliche Kälber die gleiche Mortalitätsrate hätten, läge nahe, dass ein höheres Geburtsgewicht nicht ausschlaggebend dafür sei, dass männliche Kälber sterben.

Hinter der tendenziell schlechteren Versorgung männlicher Kälber stecke aber keine Absicht, sondern vermutlich eher unbewusste, nicht strukturelle Vorgänge, etwa die Verzögerung intensive Behandlungen kranker Kälber oder eine nachlässigere Tierkontrolle.

Am Ende empfahl Dr. Laura Kellermann allen Milchviehhaltern bewusste Entscheidungen zu überdenken, wie etwa das Vertränken von Hemmstoffmilch an männliche Kälber oder Grippeimpfungen nur für die weibliche Nachzucht.

Generell solle jedes Kalb mindestens 3 Liter Kolostrum erhalten, in den ersten drei Lebenswochen täglich 9 l Vollmilch oder 1.440 g MAT (15,3 MJ ME/kg) und – ganz allgemein – müssten die Kosten der Kälberaufzucht einkalkuliert werden. Neben der moralischen gäbe es schließlich auch die gesetzliche Verpflichtung zur angemessenen Versorgung aller Tiere, unabhängig vom Verkaufserlös.

Über PraeRi:
Die drei Universitäten LMU München, TiHo Hannover und FU Berlin haben sich für eine Prävalenzstudie zu Milchkuhbetrieben in Deutschland zusammengeschlossen. Hierfür wurden 765 zufällig ausgeloste Milchkuhbetriebe untersucht und deren Besitzer befragt: in Niedersachsen/Schleswig-Holstein (n=253), Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen (n=252) und in Bayern (n=260). Untersucht wurden: Fütterung, Eutergesundheit, Lahmheit und weitere haltungsassoziierte Leiden und Schäden, Reproduktion, Stoffwechselgesundheit, Kälber und Jungtiere sowie Infektionskrankheiten und Biosicherheit.

Neue Podcastfolge „Der Darm Doc“ – Wie das Mikrobiom Verhalten steuert

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Viele Milliarden Bakterien leben im Darm und helfen bei der Zerlegung des Futters. Dieses Mikrobiom versorgt den Organismus mit lebensnotwendigen Nährstoffen, die teilweise nur durch die Bakterien bereitgestellt werden können. Doch wie stark das Darmmikrobiom unserer Schweine tatsächlich auch an deren Gesundheit und Wohlbefinden, an Tageszunahme, Futterverwertung und Verhalten beteiligt ist, ist vielfach noch unbekannt.

Die Tierärztin Dr. Ricarda Deitmer beschäftigt sich in der neuen Folge des Podcast „Der Darm Doc“ mit den Mikroben im Darm. Sie erklärt, was es mit der Darm-Hirn-Achse auf sich hat und warum das Mikrobiom auch Einfluss auf das Verhalten haben kann. Wussten Sie, dass ein überlasteter oder gereizter Darm die Stressreaktionen des Körpers verstärkt und unruhig macht? Oder dass ein bakterielles Ungleichgewicht zu Entzündungen im Darm führt, was im Gehirn Symptome wie Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Unwohlsein und erhöhtes Schmerzempfinden auslöst? Wie das alles mit Stress, Futter, E. coli, Lawsonien oder Salmonellen zusammenhängt, erklärt der Schweinepodcast von Boehringer Ingelheim einfach und verständlich.

„Folge 04 – Der Kopf isst mit“ und weitere Episoden von „Der Darm Doc“ von Boehringer Ingelheim – überall zu hören, wo es Podcasts gibt oder hier.

Quelle: Boehringer Ingelheim

Wohin mit den überzähligen Kälbern? #DVG-Tierschutztagung 2022

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Wohin mit den „überzähligen“ Kälbern, fragte Frigga Wirths vom Tierschutzbund in ihrem zweiten Vortrag. Dass ein Überangebot an Kälbern der Milchrassen (aus konventioneller wie aus Bio-Haltung) besteht, ist seit Jahren bekannt. Die Preise für Kälber unter 45 kg Körpergewicht liegen teilweise bei zehn Euro, Fleckviehkälber erlösen dagegen z. B. 150 bis 240 Euro erinnerte Wirths zu Beginn.

680.000 Kälber werden bisher jährlich vor allem in die Niederlande, nach Spanien und Italien exportiert. Hauptimporteur sind dabei die 1.600 Kälbermastbetriebe in den Niederlanden, aber (auch) dort stünde die Kälbermast in der Kritik. Die frühe Trennung von Kuh und Kalb, lange Transportstrecken, Emissionen durch Gülle, hohe Morbiditäts- und Mortalitätsraten und der Einsatz von Antibiotika würden negativ bewertet.

Der Marktanteil von Kalbfleisch aber gehe in den Niederlanden zurück, und dortige Mäster bezögen vermehrt Kälber von niederländischen Bauern, was die Nachfrage nach deutschen Kälbern, vor allem nach Kälbern der Milchrassen, verringert. Außerdem würde etwa die Hälfte des in Deutschland verzehrten Kalbfleisches importiert – zumeist aus den Niederlanden.

Würde man auch auf den Export der Kälber verzichten (oder fiele er komplett weg), blieben über 3 Mio. Kälber aus Milchviehbetrieben, die jedes Jahr in Deutschland geboren und vermarktet werden müssten.

Welche Lösungsansätze sieht nun die Frau vom Tierschutzbund, für die „überzähligen“ Kälber? Kurz gesagt: höhere Milchpreise, längere Zwischenkalbezeiten, insgesamt weniger Milchkühe und Zweinutzungsrassen.

Wenn die Milchleistung der Zweinutzungs-Kühe geringer sei als die der Hochleistungskühe, würde entsprechend die insgesamt erzeugte Milch-Menge geringer. Ein höherer Milchpreis könne dann die Folge sein, so dass der wirtschaftliche Druck für die Landwirte abnehme.

Grundsätzlich sei zu hinterfragen, ob die Haltung von Mutterkühen und reinen Fleischrassen zu rechtfertigen ist. In Deutschland würden 640 000 Mutterkühe mit ihren Kälbern zur Fleischerzeugung gehalten. Zu ihnen stünden die Kälber aus der Milchwirtschaft in Konkurrenz.

Insgesamt sei es nur logisch, weniger Tiere unter besseren Bedingungen zu halten. Milch – und Fleischerzeugung müssten mithilfe von Zweinutzungsrassen wieder miteinander verknüpft werden.

Es solle zukünftig auch nur Milch und Fleisch von Tieren verkauft werden, die in Deutschland geboren, unter hohen Tierschutzstandards aufgezogen, gehalten und geschlachtet wurden. Die Erzeugnisse müssten entsprechend vermarktet werden, damit ein höherer Verkaufspreis auch an die Landwirte weitergegeben werden kann.

Tierschutzrelevante Probleme in der Milchviehhaltung -Teil 1: Kühe #DVG-Tierschutztagung 2022

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Anlässlich der DVG-Tierschutztagung machte Frigga Wirths (Akademie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes) die hohen Abgangsraten bei Milchkühen zum Thema. Fast 2% der an den Schlachthof angelieferten Kühe wird dort verworfen und einige Hunderttausende sterben bereits in den Haltungsbetrieben, sagte Wirths und obwohl die Population an Rindern kontinuierlich sinkt, steige die Zahl der Falltiere (2016 bundesweit etwa 580 000 Rinder bei einem Gesamtbestand von 12,4 Mio. oder 4,7%).

Bei den Milchviehbetrieben, die an der PraeRi-Studie (2020) teilgenommen haben, lag die Abgangsrate bei ca. 3%, in den Empfehlungen des KTBL wird ein Zielwert von 2% und ein Alarmwert von 5% genannt.

Besonderes Augenmerk sollte in jedem Betrieb auf den Geburten liegen, die, speziell nachts, aus Kostengründen und Personalmangel häufig ohne Geburtsüberwachung und -hilfe stattfänden. Tierärztliche Geburtshilfe oder Kaiserschnitte würden heute seltener durchgeführt als in der Vergangenheit.

Vor allem bei Färsen müssten Geburten kontrolliert werden, denn bei ihnen träten Schwergeburten mit 2,5 % und Totgeburten mit 7,9 % doppelt so häufig auf wie bei Kühen, führte Wirths aus. Träten in einem Betrieb vermehrt Schwergeburten, Totgeburten und Mortalitäten nach der Geburt auf, bestehe dringender Handlungsbedarf, die Geburtsüberwachung zu verbessern.

Eine Abgangsrate von mehr als 25% der Herde während der Laktation sei ein Hinweis auf Probleme in der Herdengesundheit. Bei Abgängen in den ersten 60 Tagen nach der Geburt müssten akute Probleme vorliegen, sonst würde keine Kuh in der Laktationsspitze geschlachtet. Deswegen fordert Frigga Wirths neben den absoluten Abgangszahlen der Kühe, das Laktationsstadium und die Gründe, für die Schlachtung zu analysieren.

Für Betriebe, die nach den Richtlinien des Labels „Für Mehr Tierschutz“ des Deutschen Tierschutzbundes arbeiten, läge der Grenzwert für Abgänge bis zum Ende der Laktation bei 25% und für Abgänge bis zum 60. Laktationstag bei 6%. 2018 lagen die Abgangsraten bei HF-Kühen aber bundesweit bei 31,6% und beim Fleckvieh bei 29,3%. Eine Analyse aus Brandenburg zeige, dass der größte Teil der Tiere sogar im ersten Laktationsabschnitt geschlachtet wurde (5038 Kühe, Schären 2020).

Nach Daten aus Betrieben die der Milchleistungsprüfung angeschlossen sind, liegen bei den Gründen Fruchtbarkeitsstörungen mit über 20% vorn, gefolgt von Mastitiden, Lahmheiten und Stoffwechselstörungen. Bei einem Viertel werden jedoch „andere Krankheiten“ und „andere Gründe“ angegeben.

Die Schlachthof-Verwürfe und Schlachtkörpergewichte gäben wichtige Hinweise auf die Herdengesundheit und mögliche Tierschutzprobleme im Haltungsbetrieb. Die Schlachtabrechnungen sollten deshalb in Zukunft zusammen mit den Mortalitäten und Abgängen bewertet werden, forderte Frigga Wirths. Die Verwurfrate lag 2001 bei 0,9% und 1,9 % der angelieferten Kühe würden verworfen.

Besonderes Augenmerk müsse auch den P1-Kühen gelten, deren durchschnittliches Schlachtgewicht, nach einer Auswertung aus dem August 2021, in NRW nur 239,5 Kilogramm betrug. Rinder die wegen starker Abmagerung verworfen werden, wiegen also noch weniger!

Welche Wünsche hat die Bevölkerung an Milchrindhalter?

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Anlässlich des 31. Milchrindtages der Landesforschungsanstalt Mecklenburg-Vorpommern stellte Dr. Gesa Busch (Universität Göttingen) die Ergebnisse Ihrer aktuellen Repräsentativ-Befragung zu Verbraucher-Erwartungen an die Milchviehhaltung in Deutschland vor. Die wichtigsten Ergebnisse seien hier vorgestellt.

Nur 21,8 % der Befragten halten die Nutztierhaltung insgesamt für akzeptabel, 64,2 % glauben den deutschen Schweinen ginge es schlecht und 31,9 % denken, dies gelte ebenso für Milchkühe. Auch wenn viele angeben eigentlich keine Vorstellung von den Haltungsbedingungen zu haben, schätzen sie Kühe doch, weil sie Nahrungsmittel produzieren. Aber dass Kühe „dauerschwanger“ und überzüchtet sind, nur im Stall gehalten werden, dort auch noch zu wenig Platz haben und Kühe und Kälber früh getrennt werden, tauchte in den Antworten häufig auf.

Wichtige Themen der Milchbranche aus gesellschaftlicher Sicht, so Gesa Busch, seien:
Haltungssysteme, Kuh-/Kalb-Trennung, Umgang mit männlichen Kälbern, Zucht, Tiergesundheit und Medikamenteneinsatz sowie schmerzhafte Eingriffe (Enthornung) und Klimaauswirkungen der Milchviehhaltung.

Bei der Bewertung unterschiedlicher Haltungssysteme schnitt die reine Stallhaltung am schlechtesten und der Stall mit Weidegang am besten ab (und zwar für Kühe ebenso wie für Masthähnchen und Schweine). 27% der Befragten denken, dass Kälber in den meisten konventionellen Betrieben früh von der Kuh getrennt werden; 18,4% geben an, dazu keine Informationen zu haben. Nach dem Hinweis auf die Möglichkeit einer ammengebundenen Aufzucht, sprechen sich 43,4 % für diese Alternative aus – und 30,8 % dagegen.

Immerhin 58,4 % der Befragten haben schon mal gehört, dass männliche Kälber aus der Milchviehhaltung nicht gut für die Mast geeignet seien. Als Lösungsvorschläge wurden präsentiert: Spermasexing, Mast auf dem Herkunftsbetrieb bis 100 kg, Zweinutzungsrassen und eine verlängerte Zwischenkalbezeit. Die Mast wurde hier deutlich besser bewertet als das Spermasexing, die Zweinutzungsrasse dagegen nicht! Ebenso positiv wie Mast schnitt dagegen die längere Zwischenkalbezeit ab.

Auch sollten die Befragten den idealen Betrieb beschreiben und hierzu die Bedeutung von 12 Parametern bewerten. Sehr wichtig/eher wichtig finden hier 93,7% Tierschutz, 84,1% Umweltschutz und 78,0 % Klimaschutz. Könnten die Verbraucher selbst etwas an der Haltung von Milchkühen verbessern, würden 29,4 % den Weidegang an die erste und 22,2% an die zweite Stelle setzen.

Der „ideale Betrieb“ schließlich vereint für 2/3 der Befragten folgende Merkmale auf sich: er produziert traditionell in vielfältigen Betriebszweigen und verarbeitet und vermarktet seine Produkte auch noch selbst.

Auch wenn letzteres stark an „Bullerbü“ (und weniger an das tatsächliche Einkaufsverhalten) erinnert und an einigen Stellen eher nebulöse Vorstellungen zur Milchviehhaltung vorherrschen, zeigt die Befragung, dass „Natur“ (Weidegang) und „Emotion“ (Kuh/Kalb-Trennung) eindeutig affektiv besetzt sind. Sogar wenn man den Probanden erklärte, dass Kuh und Kalb aus gesundheitlichen Gründen getrennt werden, sprachen sie sich mehrheitlich trotzdem gegen diese Praxis aus; Haustierbesitzer waren hier tendenziell am kritischsten.

Für diese, wie für viele andere, Befragung gilt: das sind die Kunden, auf die sich Nutztierhalter einstellen müssen. Ihre laienhaften Vorstellungen lassen sich vielleicht n manchen Stellen korrigieren, ihre Emotionen aber eher nicht verändern.

Kranke Euter kosten Geld: Tipps zur Vorbeugung von Mastitis

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Von Dr. Michael Hubal, Landwirtschaftskammer Niedersachsen

Eine der wirtschaftlich bedeutendsten Erkrankungen der Milchkuh ist die Mastitis. Der ökonomische Druck im Bereich der Milchproduktion nimmt ständig zu, nicht zuletzt hervorgerufen durch eine kurze Nutzungsdauer von durchschnittlich 2,5 Laktationen. Ein Grund hierfür sind Mastitis bedingte finanzielle Einbußen, die insgesamt auf 150 bis 300 Euro pro gehaltener Kuh und Jahr geschätzt werden.

Die Ursachen für die Mastitis der Milchkuh sind vielfältig. Neben Haltungs- und Fütterungsmängeln spielen Probleme bei der Melktechnik und der Stall- und Melkhygiene eine Rolle. Weltweit werden in der Fachliteratur immer wieder Zahlen zu Einkommensverlusten durch Mastitis ermittelt. Dabei reicht die Spannweite von 150 bis 300 € je gehaltener Milchkuh und Jahr. Dies sind je nach Herdenleistung 2 bis 4 Cent je kg erzeugter Milch! Das ist unbestritten ein entscheidender Anteil des Ertrages, der die Rentabilität eines Milchviehbetriebes maßgeblich beeinflusst. In der Regel nimmt der Milcherzeuger die akuten Mastitisfälle wahr, bei denen hauptsächlich die Behandlungskosten und die verworfene Milch als Kosten bzw. als Verlust ins Auge fallen. Tatsächlich jedoch verursachen Milchverluste durch subklinische Mastitis 5 bis 10-mal höhere Einbußen, die jedoch nicht unmittelbar wahrgenommen werden. Bundesweit werden die Mastitis bedingten Verluste auf 1,4 Mrd. € geschätzt (DVG 2014).

Die direkten Verluste einer akuten Mastitis sind augenfällig: Zunächst erfährt die Kuh eine Behandlung, die Milch wird für mehrere Tage verworfen. Zusätzlich ist ein Mehraufwand an Arbeitszeit für dieses Tier notwendig. Die Angaben für die Behandlung belaufen sich auf ca. 20 € je Kuh und Jahr, was schon verdeutlicht, dass hier nicht der Schwerpunkt der Verluste liegt. Auch die verworfene Milch und der erhöhte Arbeitsaufwand führen letztlich zu Kosten von ca. 50 € bei einer akuten Mastitis. Bei ca. 50 % klinischen Fällen/Jahr wird jede gehaltene Kuh mit 25 €/Kuh und Jahr belastet. Was macht also die Kosten für mangelhafte Eutergesundheit hauptsächlich aus?

Folgeverluste und versteckte Verluste
Die Hauptverluste durch Mastitis werden verursacht durch verringerte Milchproduktion und erhöhte Bestandsergänzung. In Abbildung 1 ist deutlich zu erkennen, dass bei einem durchschnittlichen Zellgehalt von 220 000/ml (MLP-Durchschnitt Schleswig-Holstein 2018) bereits über 6 % der Milchleistung verloren geht. Dies entspricht bei einer durchschnittlichen Jahresleistung von 8700 kg über 500 kg/Kuh! Damit verursachen die Milchverluste durch erhöhten Zellgehalt bereits 60 bis 70 % der Gesamtverluste! Da subklinische Fälle weitaus häufiger sind als klinische, ist davon auszugehen, dass diese hohen Verluste unbemerkt auftreten. Dies legt die Behauptung nahe: vorbeugende Maßnahmen sind die richtige Investition!


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Gefährdete Nutztierrasse des Jahres 2022

Walachenschafe stammen aus dem Karpatenbogen (rumänische Walachei), wo sie noch im vergangenen Jahrhundert ausgehend von den walachischen Hirten in den Ländern Tschechien, Slowakei und Polen als Dreinutzungsschaf gehalten wurden. Optisch bestechen sie durch das lebhafte Erscheinungsbild, die lang abwachsende Wolle sowie die mächtigen seitlich gedrehten Hörner der Böcke. Auch die weiblichen Tiere haben zum größten Teil schöne seitlich geschwungene Hörner. Mit rund 40 bis 55 kg bei den Mutterschafen und 55 bis 75 kg Lebendgewicht der Böcke sind sie den leichteren Typus der Schafrassen zuzuordnen. In Deutschland existiert eine wichtige Zuchpopulation, der bundesweit 33 Züchterinnen und Züchter mit gesamt ca. 500 Walachenschafen angeschlossen sind.

Die meisten Walachenschafe werden im Nebenerwerb oder als Hobby gehalten, auch in Tierparks sind die attraktiven Tiere vertreten. Einsatzgebiet ist vor allem in der Landschaftspflege, wozu diese Schafsrasse exzellent geeignet ist. Trotz ihres eher scheuen Wesens und der ausladenden Hörner werden die charakterstarken Walachenschafe gerne in der tiergestützten Intervention eingesetzt.

Für die Zukunft des Walachenschafes ist es wichtig, die attraktive Schafrasse bekannter zu machen und weitere engagierte Herdbuchzüchter zu gewinnen. In der Landschaftspflege und auf kargen Standorten kann diese Rasse mit ihrer speziellen Anpassung sehr erfolgreich eingesetzt werden. Auch die internationale Vernetzung zu den Ursprungsländern steht im weiteren Fokus der Aktivitäten.

Die GEH ernennt seit nun 1984 Jahren alljährlich eine Nutztierrasse der Roten Liste zur „Gefährdeten Rasse des Jahres“ und macht damit deutlich, dass neben den Wildtieren und Wildpflanzen auch in der Landwirtschaft der Verlust der Vielfalt eingezogen ist. Vor dem Hintergrund der aktuell laufenden Diskussionen um Klimaveränderungen und Verlust der Biodiversität darf keine an spezielle Standorte angepasste Rasse verloren gehen.

Weitere Informationen zu gefährdeten Nutztierrassen auf der Website des Vereins.

Quelle: Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V.