FH-Projekt iCurS soll Stallklima für Tiere verbessern

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Im Forschungsprojekt iCurS vom Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik der FH Bielefeld soll mittels intelligenter Licht- und Lüftungsanlagen das Stallklima für Tiere optimiert werden. Neben der FH sind auch ATS Elektronik GmbH, das Versuchs- und Bildungszentrum Landwirtschaft Haus Düsse und DeLaval International AB am Projekt beteiligt.

Zunächst wirken die Ställe des Versuchs- und Bildungszentrums Landwirtschaft (VBZL) Haus Düsse wie andere Viehbetriebe in der Region. Erst auf den zweiten Blick wird deutlich: Die Ställe der etwa 130 Kühe werden genutzt, um die angehenden Landwirte auszubilden und um fortschrittliche Technik praxisnah zu testen. Sprinkleranlagen, die nur dort Wasser abgeben, wo sich Kühe aufhalten, eine Kuh-Toilette aus den Niederlanden, eine multivariable Leuchte in orange und blau: Hier wird ausgebildet und praxisnah getestet, denn Haus Düsse ist Partner im Forschungsprojekt „iCurS“. Gemeinsam mit dem Institut ITES der Fachhochschule (FH) Bielefeld, ATS Elektronik GmbH und DeLaval International AB wird hier an einem intelligenten Licht- und Lüftungssystem gearbeitet. Ziel des Projekts ist, ein bedarfsorientiertes Stallklima für Mensch und Tier zu schaffen.

Fokus des Projekts iCurS: das Wohl der Tiere
„Das Besondere an iCurS: Der Fokus liegt ganz klar auf dem Wohl der Tiere. „Wir wollen ein besseres Stallklima schaffen, damit es den Tieren so gut wie möglich geht. Die Milchleistung der Tiere spielt dabei keine Rolle“, betont der stellvertretende Projektleiter Michael Bentler vom Forschungsinstitut ITES der FH Bielefeld. Damit kommt das Projekt auch einem gesellschaftlichen Wandel nach, der deutlich zu erkennen ist: Immer mehr Menschen achten beim Kauf von Milch- und Fleischprodukten auf eine artgerechte Haltung der Tiere, viele ernähren sich mittlerweile vegetarisch oder vegan.

Erster Schritt: Welche Daten sind relevant für ein gesundes Stallklima?
„Die Idee des Forschungsprojektes entstand im Laufe des vorherigen Projekts I_LED_Milchvieh‘“, weiß der wissenschaftliche Mitarbeiter Christoph Döpke. Dabei ging es um eine tiergerechte Beleuchtung in Milchviehställen. Dieser Ansatz wurde im Projekt iCurS aufgegriffen und weiterentwickelt. Zu Beginn des Projekts stand somit die Frage, welche Daten im Milchviehstall relevant sind für ein gesundes Stallklima. Es galt, diese Daten zunächst zu erfassen und in einem zweiten Schritt darauf zu reagieren.

Bisheriges Problem: Die unterschiedlichen Systeme sind nicht miteinander verknüpft
Aber welche Daten sind das genau? Neben Schadgaswerten wie Ammoniak oder Methan soll das intelligente Licht- und Lüftungssystem auch die Temperatur im Stall regulieren und Lichtanlagen steuern, indem die entsprechenden Sensoren die Umgebungsparameter aufnehmen. So kann das Stallklima vom Landwirt gesteuert werden. Bentler erklärt: „Mittlerweile gibt es viele technische Anlagen in Milchviehställen, wie zum Beispiel Kühlsysteme oder Melkroboter. Das Problem ist jedoch häufig, dass die unterschiedlichen Systeme nicht miteinander kommunizieren. Wir wollen eine intelligente Systemeinheit schaffen, die auf verschiedene Situationen im Stall reagieren kann.“ So können mithilfe des entwickelten Systems beispielsweise Ventilatoren eingeschaltet werden, wenn ein Schadgaswert wie Ammoniak zu hoch ist, um die Gase aus dem Stall zu schaffen.

Gebündelt und übersichtlich: App soll Steuerung des Systems ermöglichen
Der Clou: Das Ganze soll perspektivisch mittels einer App funktionieren, die dem oder der Landwirtin die Umgebungsparameter aufzeigt. Mithilfe der App können dann auch die Ventilatoren, Sprinkler- und Sprühnebelanlagen zur Kühlung der Tiere im Sommer und die Gewebeplanen an den Traufseiten der Ställe, die sogenannten Curtains, gesteuert werden. Diese dienen zur Seitenlüftung und können, je nach Bedarf, ganz oder nur teilweise geöffnet werden, um die Temperatur im Stall zu senken.

Klassische Konditionierung: FH ist für Lichttechnik verantwortlich
Neben den klimatischen Bedingungen ist auch die Lichtsteuerung Teil des Projekts. Dafür verantwortlich sind Michael Bentler und Christoph Döpke, deren Expertise in der Lichttechnik und Mechatronik liegt. Derzeit läuft ein Versuch zur Konditionierung von Kälbern: Mittels einer multivariablen Leuchte, die sowohl blau als auch orange leuchten kann, sollen die Tiere zu einem Gang zum Futtertrog aufgefordert werden. Durch die wiederholte Verknüpfung von Licht und Futtergabe sollen die Tiere lernen, auf das Licht in der entsprechenden Farbe zu reagieren. Später könnte der Landwirt die Kühe so beispielsweise in zwei Gruppen aufteilen, wenn sie von der Weide geholt werden.

Motivation des FH-Teams: Bezug zu Tieren und Verbindung von Theorie und Praxis
Die beiden FH-Forscher haben neben ihrem fachlichen Interesse auch ein ganz persönliches für das Projekt. „Ich bin ländlich aufgewachsen und hatte dadurch immer einen starken Bezug zu Tieren“, erklärt Bentler. „Im Studium habe ich mich dann vor allem für Lichttechnik interessiert und hier meinen Schwerpunkt gelegt. Das Projekt verknüpft nun beide Interessen miteinander. Auch für die Lehre ist das Projekt sehr wertvoll – zum Beispiel konnte ein Student im Rahmen seiner Bachelorarbeit eine spezielle Leuchte für iCurS entwickeln, die multifunktional einsetzbar ist.“ Auch Döpke lobt den Ansatz des Projekts: „Mich motiviert vor allem, dass das Forschungsprojekt dazu beiträgt, das Wohl der Tiere zu verbessern. Außerdem können wir im Projekt Theorie und Praxis miteinander verbinden.“

Aktuell befindet sich das Projektteam in den letzten Zügen der Entwicklungsphase. Viele Prototypen wie die Bluetooth-Boxen, die intelligente Leuchte, die Ventilatoren und die Curtain-Steuerung sind auf Haus Düsse bereits im Einsatz. Der nächste Schritt: Die Verknüpfung der einzelnen Systeme und die Zusammenführung in der App.

Quelle: Fachhochschule Bielefeld

Tierfreundlich und schonend: Agroscope-Kapsel sammelt das Darm-Mikrobiom

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Forscher von Agroscope haben eine Kapsel entwickelt, die am lebenden Schwein unmerklich eine Darmprobe entnehmen kann. Diese tierfreundliche Erfindung ist für die Mikrobiomforschung revolutionär, teilt die Agroscope Schweizerische Eidgenossenschaft mit.

Im Darm leben Billionen von Bakterien und Mikroorganismen, beim Schwein wie bei uns Menschen auch. Gemeinsam bilden sie die Darmflora, die auch Mikrobiom genannt wird. Das Mikrobiom ist zentral für die Verdauung, aber auch für die Krankheitsabwehr. Auch beim Schwein heißt es: «Gesunder Darm, gesundes Schwein». Die Umwelt, die Genetik und die Fütterung – alles zusammen beeinflusst das Mikrobiom des Schweins. Eine ausgewogene Fütterung begünstigt eine stabile Darmflora. Medikamente und Krankheitserreger hingegen können das Mikrobiom aus dem Gleichgewicht bringen.

Darm-Mikrobiom wird fassbar
Um die Darmgesundheit zu fördern, müssen Forscher das Darmmikrobiom analysieren können. Bisher war dies nur mit Kotproben möglich, Aber das Mikrobiom im Darm ist nicht dasselbe Mikrobiom wie im Kot. Daher suchten sie nach Wegen, um eine Probe direkt aus dem Darm zu entnehmen.

Die neu entwickelte Kapsel wird dem Tier wie ein übliches Medikament in Pillenform verabreicht. Im Dünndarm angekommen, öffnet sie sich für weniger als zehn Sekunden und lässt den Darminhalt Einfließen. Danach wandert sie durch den Darm, wird mit dem Kot ausgeschieden und der Kapselinhalt ist bereit zur Analyse.

Im Agroscope Versuchsbetrieb in freiburgischen Posieux wurde die Kapsel an mehr als 100 Schweinen im Alter von ein bis sechs Monaten verabreicht. Die Forscher konnten nachweisen, dass die Kapselprobe dem Inhalt des Dünndarms entsprach. Damit ist klar: Die Kapsel ermöglicht eine tierfreundliche nichtinvasive Untersuchung des Darminhalts.

Darmgesundheit fördern
Diese Erfindung ist für die Mikrobiomforschung revolutionär. Damit lässt sich der Darm von gesunden und kranken Schweinen vergleichen. Der Einfluss von Fütterungsmaßnahmen auf das Darmmikrobiom kann damit präzis analysiert werden. Dies eröffnet ganz neue Möglichkeiten, um die Verdauungsprozesse im Darm zu verstehen. Die Forscher können Maßnahmen prüfen, die Verdauungsstörungen verhindern und so das Wohlbefinden der Schweine gezielt verbessern.

Damit ist die Forschung einen entscheidenden Schritt weiter. Das Ziel ist näher gerückt, dank der Fütterung Schweine mit einer geeigneten Darmflora aufzuziehen. Diese gesunden Tiere sind widerstandsfähiger und brauchen weniger tiermedizinische Unterstützung. Dieses Projekt wurde finanziell unterstützt durch das EU Forschungsprogramm Horizon 2020.

Dieses Video veranschaulicht den Vorgang.

Quelle: Agroscope Schweizerische Eidgenossenschaft, www.agroscope.ch

„Kälberverlusten vorbeugen – präventive Maßnahmen“ – #Bioland Fleischrindertagung 2022

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„Warum verlassen Kühe die auf Weiden gehalten werden die Herde und gebären ihre Kälber abseits der Gruppe?“, fragte Dr. Matthias Link und gab gleich die Antwort: „Um sie vor den Krankheitserregern der älteren Tiere zu schützen“, bis das Kolostrum seine Wirkung entfaltet hat. Und wie zahlreich Bakterien und Viren sind, die auf ein Kalb „warten“, führte der Rinderspezialist aus Varrel in seinem Vortrag anlässlich der „Bioland und Biokreis Fleischrinder- und Mutterkuhtagung 2022“ eindrucksvoll aus.

Dr. Matthias Link

Durchfall
In den allerersten Lebenstagen droht Kälbern Durchfall, sowohl ernährungsbedingte als auch durch Parasiten und Infektionen hervorgerufene Varianten. Ernährungsbedingter Durchfall kann z. B. seine Ursache in unerkanntem Milchmangel haben oder auch in einer Überversorgung mit Milch, wenn Kälber von hochleistenden Kühen zu viel auf einmal saugen und der Labmagen überläuft. Zu niedrige Temperatur der Milch macht (vor allem Tränkekälber) krank, wie auch die Konzentration (Wasserzusatz). Später kann auch die Weidequalität – junge Neuaussaat oder kleegrasreiche Weide – zum Problem werden.

Parasiten drohen schon nach wenigen Tagen: ab dem 3. bis 5. Lebenstag Cryptosporidien, Kokzidien in der 3. bis 8. Lebenswoche, die beide zu starkem Durchfall und schnellem Verfall führen können. Im 2. Lebensmonat sind es dann Würmer die Durchfall, Fressunlust und Abmagerung verursachen können.

Schließlich gibt es infektiöse Durchfälle, aus gelöst von E. coli (1. bis 4. Lebenstag,), Rota/Corona-Viren (4. bis 6. Lebenstag), Clostridien (2. Lebenswoche und älter) die alle zu schnellem Verfall des Kalbs führen können. Salmonellen schließlich greifen ab der 2. Lebenswoche an und verursachen oft blutige und schwere Verläufe.

Nach einer Kotprobenuntersuchung stehen folgende Maßnahmen zur Behandlung zur Verfügung:

* Tränkeplan/Flüssigkeitsersatz – 3 x Milch- und 2 x Elektrolytmahlzeit
* Tränkezusätze (Huminsäure, Tonerde, EM)
* Infusionstherapie
* Mutterblutübertragung
* Wärmezufuhr
* Antibiose
* Entwurmung, Kokzidiostatika

In einer Mutterkuhhaltung ist die Behandlung oft schwierig, da Mutterkälber häufig die zusätzliche Tränke ablehnen. Hier sind dann eher Infusionen Mittel der Wahl. Auf jeden Fall jedoch ist schnelles Handeln gefordert.

Lungenerkrankungen
Lungenkrankheiten treten bei Kälbern häufig als Gruppenerkrankung auf. Zu den Ursachen zählen: Viren (BRSV, Influenza, IBR, BVD), Bakterien (Pasteurellen, Mannheimien u. a.) sowie Lungenwürmer.

Husten, Fieber, Appetitlosigkeit und Schwäche sind die üblichen Symptome; Nasentupfer- und Kotprobe Diagnosemittel der Wahl. Bei der Behandlung stehen Kreislaufstärkung und Wärmezufuhr an erster Stelle, Antibiose, Notimpfung, Entwurmung folgen.

Nabel- und Gelenksentzündungen
Schutzinfektionen und offene Wunden sind Ursachen bei Entzündungen von Nabel und Gelenken (wobei über den Blutstrom Erreger vom Nabel auch in die Gelenke gelangen können). Trocknet der Nabel nicht schnell genug ab oder wird er vom Muttertier zu stark beleckt, ist eine Infektion oft die Folge. Nach Geburtshilfe – so der erfahrene Tierarzt – sollte man das kalb mit dem Rücken zur Mutter legen, damit sie nur diesen beleckt.

Symptomatisch sind Fieber, ein harter, geschwollener und schmerzempfindlicher Nabel. Schmerzhafte, geschwollene und heiße Gelenke. Zur Behandlung gehören Bewegungseinschränkung, Einreibungen, Antibiose und Schmerzlinderung.

Vorsorge
Die Gesundheitsvorsorge fürs Kalb beginnt bei der Mutter. Sie sollte weder zu fett noch zu mager sein und optimal mit Energie und Eiweiß versorgt. Minerale und Spurenelement (P, Na, Se, Cu, Zn) gehören ebenso dazu wie Vitamin E und Carotin. Auf der Weide fehlen Spurenelemente. Deswegen wandern Wildrinder nicht nur viel, sondern gerne auch mal in den Wald, um dort Laub zu fressen. Infektionen sollte das werdende Muttertier natürlich nicht haben und auch parasitenfrei sein.

Abkalbe-Hygiene ist auch bei Weidehaltung ein sensibles Thema. Die Kühe sollten nicht allzu verschmutzt sein und stressfrei gebären können.

In den ersten 2-6 Lebensstunden sollte jedes Kalb 2-4 Liter Kolostrum aufnehmen. Am besten von der der gesunden Mutter oder aus der Kolostrum-Reserve. Sollte überhaupt keine Kuh aus einer Mutterkuhherde melkbar sein, tut es zur Not auch Biestmilch vom nachbarlichen Milchviehbetrieb.

Bei der Weidehygiene spielen Besatzdichte, Weidepflege und Wechselweide mit Zwischennutzung die Hauptrollen. Im Stall die Einstreupflege, stabile Gruppen und ein Kälberschlupf, sowie Luftqualität, geringe Temperaturschwankungen und Vermeidung von Zugluft.

Impfungen
Die Impfprophylaxe erstreckt sich auf Mutterschutzimpfung gegen Durchfall und Schluckimpfung der neugeborenen Kälber. Gegen Rindergrippe empfiehlt sich eine Kombinationsimpfung – vor allem wenn Kälber gehandelt werden sollen. Mittelfristig sollten auch in der Mutterkuhhaltung Impfungen zum Standard werden, empfiehlt Dr. Matthias Link – auch im Dienst der Antibiotika-Minimierung.

Seit 2003 stoßen Nutztiere in Deutschland weniger Methan aus als im Jahr 1892

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Die Kühe und das Klima – historische Daten offenbaren Überraschendes

Zwei Wissenschaftler des Forschungsinstituts für Nutztierbiologie Dummerstorf (FBN) haben den Methanausstoß von landwirtschaftlichen Nutztieren am Ende des 19. Jahrhunderts mit heutigen Werten verglichen. Das Ergebnis überraschte: Seit 2003 sind die Methanemissionen geringer als 1892. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift „Science of The Total Environment“ veröffentlicht.

Methan ist als Treibhausgas für die Erderwärmung mitverantwortlich. Ein Großteil der Emissionen entstehen durch den Menschen, dabei entfällt ein erheblicher Anteil auf die Landwirtschaft und besonders die Nutztierhaltung. Deutschland verfolgt in seinem Klimaschutzgesetz das Ziel, bis 2045 Treibhausgasneutralität zu erreichen. Dafür müssen die Emissionen aller Bereiche bis 2030 um 65 Prozent gegenüber 1990 reduziert werden. Die Methanemissionen, die im Zuge der Verdauung durch Nutztiere entstehen, müssten bis 2030 demnach auf 853.000 Tonnen (2020: 927.000 Tonnen) gesenkt werden.

Methanemissionen von Nutztieren gestern und heute
Während wir heute die aktuellen Methanemissionen von Nutztieren recht genau kennen, wissen wir relativ wenig über Situation im 19. Jahrhundert, wo der Beginn der Erderwärmung bereits nachweisbar ist. Das haben Dr. Björn Kuhla und Dr. Gunther Viereck vom FBN zum Anlass genommen, zu schauen, ob es möglich ist, eine datenbasierte Aussage über die Methanemissionen von Nutztieren im Deutschen Kaiserreich zu treffen und sie mit heutigen Werten vergleichbar zu machen.

„Wir haben die Daten der deutschlandweiten Viehzählungen der Jahre 1872, 1883 und 1892 ausgewertet. Aus den Körpergewichten konnten wir die Futteraufnahme berechnen. In anderen Quellen fanden wir Angaben zur Fütterung und zur Fleisch- und Milchproduktion im 19. Jahrhundert. Mit diesen Informationen war die Berechnung des Methanausstoßes mit Hilfe von standardisierten Schätzgleichungen möglich. Dabei wurden auch die territorialen Veränderungen seit der Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871 berücksichtigt“, erläuterte Kuhla. „Dabei haben wir erstaunt festgestellt, dass die Methanemissionen aus der Verdauung von Nutztieren in Deutschland seit dem Jahre 2003 geringer sind als im Jahr 1892. Unsere Studie zeigt, dass die von der Bundesregierung angestrebten Klimaziele im Nutztierbereich in greifbarer Nähe sind.“

Die jährlichen Methanemissionen aus der Viehhaltung betrugen 1883 898.000 Tonnen und 1892 ganze 1.060.000 Tonnen. Das Emissionsziel von 853.000 Tonnen für 2030 liegt damit 207.000 Tonnen unter dem Emissionsniveau von 1892. Seit 2003 stoßen die Viehbestände in Deutschland im Vergleich zu 1892 sogar weniger Methan aus als 1892. Von 1990 bis 2021 gingen die Methanemissionen aus der Verdauung von Nutztieren um 390.000 Tonnen auf 930.000 Tonnen zurück.

Einen Grund dafür sehen die beiden Forscher in der starken Abnahme der Tierzahlen bei Rindern, Schafen und Ziegen. Obwohl die Bevölkerung auf dem heutigen Gebiet Deutschlands mit damals ca. 34 Millionen Menschen in den letzten 130 Jahren auf 84 Millionen deutlich gewachsen ist, konnte ihre Versorgung dank der höheren Leistung der Tiere und einer hohen Effizienz in der Tierhaltung mit einer geringeren Anzahl an Tieren gewährleistet werden, was mit einem Rückgang der Methanemissionen einherging.

So wurden im Jahr 1892 insgesamt 12,45 Millionen „Kühe und sonstige Rinder“, 8,93 Millionen Schafe, 2,53 Millionen Ziegen und 2,33 Millionen Pferde statistisch erfasst. In Deutschland werden derzeit 11 Millionen Rinder, 1,5 Millionen Schafe, 140.000 Ziegen und 1,3 Millionen Pferde gehalten (Quelle: bmel-statistik.de und AWA-Analyse).

Wie können die Emissionsziele in Deutschland erreicht werden?
Lösungsansätze für eine weitere erfolgreiche Senkung der Methanemissionen sehen die Forschenden am FBN vor allem in der Schweinehaltung. Zwar produzieren Schweine relativ wenig Methan, andererseits wird jedes fünfte Schwein in Deutschland nicht für die Ernährung der Bevölkerung gebraucht. Eine Reduzierung der Bestände um 20 Prozent würde 5.000 Tonnen Methan pro Jahr sparen. Hinzu kämen Einsparungen von mehreren tausend Tonnen Kohlendioxid – ebenfalls ein schädliches Treibhausgas – im Zusammenhang mit dem Import von Sojafutter. Da Soja auch für die menschliche Ernährung geeignet ist, würde ein verringerter Einsatz als Futtermittel die Konkurrenz zwischen Trog und Teller verkleinern.

Auch bei den Rindern gibt es Möglichkeiten, die Methanemissionen zu verringern. Der Selbstversorgungsgrad mit Milch beträgt in Deutschland 112 Prozent. Eine Reduzierung der Bestände würde weder die Ernährungssicherheit gefährden noch Ernährungsgewohnheiten in Frage stellen. Auch die Fütterung mit regional verfügbarer Biomasse, die für die menschliche Ernährung nicht geeignet ist, würde Emissionen durch den wegfallenden Futterimport reduzieren, ohne dabei in Nahrungskonkurrenz zum Menschen zu stehen.

Und die internationale Perspektive?
„Wir beobachten in Afrika, Asien und Südamerika einen starken Anstieg der Bevölkerungszahlen und parallel dazu der Nutztierbestände und ihrer Methanemissionen“, so Kuhla. „Gleichzeitig weisen Kühe, Schafe und Ziegen in diesen Regionen die geringste Effektivität bei der Produktion von Nahrungsmitteln auf. Durch eine Verbesserung der Effizienz ließen sich auch in diesen Regionen die Tierzahlen und die Emissionen reduzieren und die regionale Versorgung mit Nahrungsmitteln tierischer Herkunft gewährleisten.“

Originalpublikation
Science of The Total Environment B. Kuhla, G. Viereck (2022) Enteric methane emission factors, total emissions and intensities from Germany’s livestock in the late 19th century: A comparison with the today’s emission rates and intensities, Science of The Total Environment 848, 157754

Quelle: Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN)

One Health – Wichtiger denn je!

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Tierärzteschaft leistet wertvollen Beitrag für Gesundheit von Tier und Mensch

Anlässlich des Internationalen „One Health-Day“ am heutigen 3. November 2022 möchte die Bundestierärztekammer (BTK) darauf aufmerksam machen, welche wichtigen Ansätze die Tierärzteschaft verfolgt, um gemeinsame gesundheitliche Herausforderungen an der Schnittstelle zwischen Mensch, Tier und Umwelt anzugehen.

Die mit ausgewiesenen Expert:innen besetzten Ausschüsse und Arbeitsgruppen der BTK beschäftigen sich schon seit Jahrzehnten mit One Health-Themen, erarbeiten Lösungsvorschläge und informieren die zuständigen Bundesministerien darüber. So z. B. über den Zusammenhang zwischen Tiergesundheit und Lebensmittelsicherheit sowie den Umgang mit Antibiotikaresistenzen und Zoonosen, um nur einige der wichtigen Themenbereiche zu nennen.

Der One Health-Ansatz ist nicht neu, aber auch vor dem Hintergrund der Entstehung der SARS-CoV-2-Pandemie aktueller denn je. Er wurde durch die Tierärzteschaft maßgeblich gefördert mit dem Ziel, optimale Bedingungen für die Gesundheit aller Lebewesen zu schaffen. Es fehlt jedoch bundesweit an Austausch, Abstimmung und Kooperation. „Da sich die BTK über die Wichtigkeit der One Health-Thematik bewusst ist, fand auch der diesjährige 29. Deutsche Tierärztetag unter dem Generalthema „One Health – gemeinsam für die Gesundheit von Tier und Mensch“ statt“, erklärt BTK-Präsident Dr. Uwe Tiedemann.

Um bspw. die Bundesregierung auf dieses Thema aufmerksam zu machen, wurde u. a. vom Tierärztetag gefordert, dass die deutsche G7-Präsidentschaft genutzt wird, um Pandemieprävention im Sinne echter Vorbeugung von zoonotischen Infektionskrankheiten voranzubringen, d. h. insbesondere durch Förderung von Biosicherheit und Tierwohl, Impfungen und Hygiene im Umgang mit Tieren. Auch helfen würde die Einrichtung einer Koordinierungsstelle in der Bundesregierung, um Austausch, Abstimmung und gemeinsame Strategieentwicklung zwischen den Ressorts im Bereich One Health zu fördern. Außerdem sollte das One Health-Konzept als Querschnittsthema in die Lehrpläne von Schulen, Ausbildungsberufen und Studiengängen integriert werden.

Die BTK appelliert an alle Verantwortlichen in den Bereichen Tier-, Menschen- und Umweltgesundheit, sich den gemeinsamen Herausforderungen zu stellen und den Aufbau von entsprechenden Kapazitäten zu fördern.

Quelle: Bundestierärztekammer

Die Bedeutung der Nutztiere für eine nachhaltige Nahrungsmittelproduktion – #DAF-Tagung 2022 – Teil III

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Eindringlich schilderte Prof. Wilhelm Windisch (TUM) in seinem Vortrag welche Mengen Nahrung verloren gingen, würde die Menschheit auf tierisches Eiweiß verzichten. Denn, wie er bereits 2021 in einem ausführlichen Hoftierarzt-Interview vorrechnete, erzeugt 1 kg veganes Lebensmittel mindestens 4 kg nicht essbare Biomasse.

Betrachtet man die Verteilung der insgesamt in Deutschland geernteten Biomasse, ergibt sich folgendes Bild (zum Vergrößern bitte anklicken):

Daten aus Vorndran (2022)

Zum Beispiel lassen sich aus 1 kg Hafer 380 g Haferdrink gewinnen. Es bleiben aber 250 g Kleie und 370 g Reststoffe übrig. Aus 1 kg Soja können 200 g Öl gepresst werden, es bleiben 80 g Schalen und 250 g Reststoffe. 1 kg Lupine liefert 300 g Protein, aber auch 240 g Schalen, 410 g Reststoffe – und 50 g toxisches Öl.

Nutztiere jedoch liefern Nahrungseiweiß und Kilokalorien aus der begrenzten Fläche im Umfang von 50-100% der veganen Nahrung. Ohne Nahrungskonkurrenz, allein aus ohnehin anfallenden nicht-essbarer Biomasse und sie liefern wertvollen Dünger für die Kreislaufwirtschaft.

Der Nettogewinn aus 4 kg nicht-essbarer Biomasse beträgt (abzgl. Aufzuchtfutter):

• Grünland, Koppelprodukte (Wiederkäuer): mindestens 3 L Milch = 2.000 kcal = 100 g hochwertiges Eiweiß.

• Nebenprodukte (Schweine, Geflügel): mindestens 400 g Fleisch = 1.000 kcal = 90g Eiweiß.

• In-Vitro-Fleisch wird erst dann zur Alternative, wenn es mit nicht-essbarer Biomasse „gefüttert“ werden kann. Heute benötigt es noch höchstwertige Glucose, Aminosäuren etc., vergleichbar mir parenteraler Ernährung, und steht ebenso in Nahrungskonkurrenz zum Menschen.

Optimale Futtereffizienz und Pflanzenzüchtung auf hohen Futterwert, verarbeitungstechnologische Separierung, Kaskadennutzung und präzise Fütterung gehören ebenso zum Konzept.

Die in einem solchen Szenario begrenzte Futtermenge senkt allerdings automatisch die Gesamtproduktion an Rindfleisch und Milch deutlich, noch stärker beim Schweinefleisch und insbesondere bei Geflügelfleisch und Eiern. Der vielerorts geforderte Fleischverzicht wäre also unvermeidlich, würde die Nahrungsmittelversorgung so konsequent nach „Teller-Trog-Tank“ priorisiert. Ob allerdings eine Mehrheit etwa mit nur noch 10% der heutigen Eiermenge zufrieden wäre, ist eine andere Frage. Ein Stück Kuchen würde dann zum absoluten Luxusartikel.

Dünger für die Welternährung – #DAF-Tagung 2022 – Teil II

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Zusammenfassung des Vortrags von Prof. Dr. Achim Dobermann, International Fertilizer Association (IFA), Leipzig

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs hat die Landwirtschaft einen rasanten Anstieg des Düngemitteleinsatzes als eine der wichtigsten Triebkräfte für das Erreichen von Ernährungssicherheit durch gesteigerte Pflanzenproduktivität verfolgt. Rechnerisch ernähren Düngemittel mindestens die Hälfte der Weltbevölkerung und haben vielleicht auch Millionen Hektar Naturland vor der Umwandlung in Ackerflächen bewahrt.

Die IFA rechnet mit erheblich wachsender Nachfrage nach Stickstoffdüngern. Afrikas Bedarf allein wird sich demnach bis 2030 verdoppeln und bis 2040 sogar verdreifachen. Global ist mit jährlichen Steigerungen zu rechnen von

N = +0,7-1,1%
P = +1,0-1,3%
K = +1,1-1,8%

Wie eine Welt ohne Agrochemie und Düngemittel aussähe, verdeutlicht das Beispiel Sri Lankas. Nachdem dort am 6. Mai 2021 deren Import verboten wurde, sanken die Erträge schlagartig und drastisch:

Reis -42%
Mais -40%
Tee -19%

Die Freisetzung von Treibhausgasen und Umweltauswirkungen durch Nährstoffverluste verlangen jedoch nach einem neuen Paradigma für eine verantwortungsvolle Pflanzenernährung. Es muss einem Ernährungssystem- und Kreislaufwirtschaftsansatz folgen, bei dem mehrere sozioökonomische, ökologische und gesundheitliche Ziele erreicht werden müssen.

Die kommenden 10-20 Jahre werden entscheidend sein, für den Übergang zu einer globalen Nährstoffwirtschaft, als integralem Bestandteil einer kohlenstoffarmen, umweltfreundlichen Kreislaufwirtschaft, die den Ernährungsbedarf einer wachsenden Weltbevölkerung deckt.

Zu den wichtigsten Prioritäten zählen: 1) nachhaltigkeitsorientierte Nährstoff-Roadmaps und -Strategien, 2) klimaintelligente Düngemittel, 3) digitale Pflanzenernährungslösungen, 4) Nährstoffrückgewinnung und -recycling und 5) mit Nährstoffen angereicherte Pflanzen.

Die Anforderungen an neuartige Düngemittel lauten:

+ maßgeschneidert mit Mikronährstoffen
+ bioaktiv: langsam zugänglich für Mikroben u/o Nährstofffreisetzung durch die Pflanze
+ biobasiert, vollständig abbaubar
+ wirtschaftlich in Herstellung und Leistung
+ sicher

Eine neue Definition von Pflanzennährstoffen betont die Rolle des Managements zahlreicher mineralischer Elemente für die Pflanzenentwicklung, den Ertrag und die Qualität der Pflanzenprodukte. Die Bodenfruchtbarkeit steht immer noch im Mittelpunkt der Bodengesundheit und sollte nicht vernachlässigt werden, aber die alten Bewertungsmethoden unterliegen zahlreichen Einschränkungen.

Auf Grundlage der tatsächlich erzielten Ergebnisse müssen zukünftig datengesteuerte, selbstlernende Düngemittelempfehlungen für mehrere Nährstoffe entwickelt werden. Die Düngemittel der Zukunft werden einen viel geringeren CO2-Fußabdruck haben, aber sie müssen auch in Bezug auf die durch das Pflanzenwachstum ausgelöste Nährstoff-Freisetzung intelligenter sein. Die Rückgewinnung von Nährstoffen aus zahlreichen Abfallströmen bietet die Chance, Nährstoffkreisläufe zu schließen und die Düngemittelproduktion zu dezentralisieren.

Die Düngemittelindustrie habe sich bereits 2019 dieser neuen Vision verschrieben und befände sich in einem raschen Wandel hin zu einem nachhaltigkeitsorientierten Wirtschaftssektor, sagte Prof. Dobermann.

Ileitis-Schluckimpfung: Die Impfung, die Leistung schafft

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Mit einem Anteil von 50 % an den Direktkosten je geschlachtetes Schwein hat das Futter neben den Ferkelkosten den größten Einfluss auf eine rentable Schweineproduktion. Deshalb ist die optimale Futterverwertung in Zeiten explodierender Futterkosten wichtiger denn je.

Eine aktuelle Studie belegt erneut, dass die Ileitis-Schluckimpfung, unabhängig von der Verlaufsform der Erkrankung, die Futterverwertung verbessert. Die Studie ermittelte eine Steigerung der täglichen Zunahmen um 74 g/Tag, eine Reduktion der Mortalität von 1,5 % auf 0,5 % durch Beenden der PHE-Klinik, sowie eine 13 Tage kürzere Mastdauer. Der Gesamtnutzen der Impfung betrug 7,64 € pro Schwein (1) . Zusätzlich bewies die Studie die erfolgreiche Impfung übers Trinkwasser durch die Ileitis-Pumpe.

Ein gesunder Darm ist die Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung eines modernen Fütterungskonzeptes. Die Ileitis-Schluckimpfung verbessert signifikant die Darmgesundheit und damit die Rohproteinverdaulichkeit, Tageszunahmen und Futterverwertung. Die Ileitis-Pumpe stellt ein einfaches Werkzeug zur Absicherung der Tiergesundheit und des Tierwohls dar.

Einfach übers Flüssigfutter oder Trinkwasser schnell und stressfrei impfen.

(1) abzüglich Impfstoffkosten

Weitere Informationen gibt Ihnen gerne Kim Schulze, Boehringer Ingelheim Vetmedica, Tel.: +49-6132-77-90218, kim.schulze@boehringer-ingelheim.com.

Quelle: Boehringer Ingelheom

Welternährung: Quo vadis – #DAF-Tagung 2022 – Teil I

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Am 13. Oktober tagte der „Dachverband wissenschaftlicher Gesellschaften der Agrar-, Forst-, Ernährungs-, Veterinär- und Umweltforschung“ – kurz DAF – zum Thema Zukunft der Welternährung. Der Einführungsvortrag von Frau Prof. Dr. Regina Birner (Universität Hohenheim) ist im Folgenden zusammengefasst.

Bereits seit 2015 steigt der Anteil unterernährter Menschen auf der Welt prozentual und in absoluten Zahlen. 2021 hungerten etwa 828 Mio. oder 10,5% der Menschen, vor allem im globalen Süden. Asien steht an der Spitze der traurigen Statistik mit 425 Mio., gefolgt von Afrika mit 278 Mio. Nur 35% der Weltbevölkerung sind ausgewogen ernährt, 26% leiden unter Mikronähstoffmangel, 25% haben Übergewicht durch Fehlernährung und 11% der Kinder sind unterernährt.

In den letzten 60 Jahren stieg der Getreideertrag um ca. 200 %, dank Pflanzenzüchtung und Pflanzenschutz, Düngung und Mechanisierung. Doch die FAO schätzt, dass die Nahrungsmittelproduktion bis zum Jahr 2050 nochmals um 60-70% gesteigert werden muss, um Ernährungssicherung für dann 9,7 Mrd. Menschen zu erreichen. Vor allem in Afrika und Asien wären hier gewaltige Zuwächse von Nöten.

Zwar stehen vor allem in Latein Amerika und in Afrika südlich der Sahara noch hunderte von Millionen Hektar potentiellen Ackerlandes zur Verfügung, doch wäre dessen Nutzung ökologisch problematisch. In Süd-Asien dagegen gibt es kaum entsprechendes Potential, in Ost-Asien wäre eine Ausweitung um etwa 50% möglich.

Welche Wege aus dem Dilemma führen, ist allerdings umstritten. Sind es Innovationen in der Züchtung à la Borlaug oder ist es allgemeiner Verzicht, vor allem in den entwickelten Ländern und vor allem beim Fleischkonsum? Sind die Positionen der „industriellen“ oder modernen und der ökologischen Landwirtschaft vereinbar oder nicht? Der Weltagrarbericht von 2008 macht hier keine Hoffnung, die „Zukunftskommission Landwirtschaft“ dagegen hat einen Konsens bei Innovation und Konsumverzicht erreicht.

Prinzipiell sind Produktionszuwächse in der Landwirtschaft möglich durch: Ausweitung der Fläche oder der Bewässerung, der Steigerung des Betriebsmitteleinsatzes oder der Effizienz. Hoffnungsvoll stimmt hier, dass der Anteil der Produktivitätssteigerung am Produktionswachstum seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts drastisch zugenommen hat. Zwischen 2,0 % und 2,7 % stieg die Produktivität pro Dekade insgesamt, der Anteil der gestiegenen Produktivität lag dabei zwischen 0,5 % und 2,0 %.

Vergleicht man die Produktivität der Ackerflächen weltweit, so ist sie in Westeuropa und Teilen der USA, Japans und Chinas praktisch „ausgereizt“. In Afrika südlich der Sahara wird das Bodenpotential dagegen nur zu 30-40% genutzt.

Statt „nachhaltige Intensivierung“ und „Agrarökologie“ als Gegensätze zu begreifen, sollten zur Sicherung der Welternährung beide Ansätze verbunden werden: nachhaltige Steigerung der Produktivität und ein Umsteuern im Konsum.

Wird die Afrikanische Schweinepest auch durch Futtermittel übertragen?

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In einer „Gemeinsamen Mitteilung“ des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) und des Friedrich Loeffler-Instituts (FLI) vom 24. Oktober 2022 schreiben die beiden Institutionen:

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) hat sich in den vergangenen Jahren in Europa und anderen Teilen der Welt ausgebreitet und sich zu einer Panzootie (weltweit auftretende Tierseuche) entwickelt. Da der Erreger in der Umwelt teilweise sehr stabil ist, besteht der Verdacht, dass das Virus auch über Futtermittel, Wasser und andere unbelebte Materialien wie Einstreu in Hausschweinebestände übertragen werden könnte. Empirische Belege dafür gibt es bisher nicht. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) kam aufgrund theoretischer Annahmen zu dem Ergebnis, dass für bestimmte Futtermittel und Feldfrüchte ein geringes Risiko besteht, ASP-Viren zu enthalten. Es bestehen jedoch große Unsicherheiten wegen fehlender wissenschaftlicher Daten. Einige Wissenslücken sollen nun in einem internationalen Forschungsprojekt geschlossen werden.

An dem von der EFSA geförderten Forschungsprojekt beteiligt sind das Friedrich LoefflerInstitut (FLI), das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und die schwedische Statens Veterinärmedicinska Anstalt (SVA). Virologen des FLI und Futtermittelexperten des BfR werden dabei gemeinsam mit den schwedischen Partnern die Stabilität von ASP-Viren auf verschiedenen Futtermitteln und Einstreumaterialien unter praxisnahen Lagerbedingungen untersuchen.

Vor Beginn der Untersuchung haben BfR und FLI gemeinsam in einer Literaturstudie bislang bekannte wissenschaftliche Erkenntnisse zu Futtermitteln als Infektionsquelle ausgewertet. Berücksichtigt wurden dabei auch der Einfluss von Verarbeitung, Transport und Lagerung auf eine mögliche Verunreinigung von Futtermitteln mit dem ASPVirus.

Die Fachleute kamen zu dem Schluss, dass bei verarbeiteten Nebenprodukten, Getreide, Extraktionsschroten und Mischfuttermitteln durch die Verarbeitungsschritte eventuell eingebrachte ASP-Viren weitestgehend inaktiviert werden. Allerdings könnte durch eine unsachgemäße Handhabung der Produkte nach der Herstellung eine erneute Kontamination mit ASPViren erfolgen. Werden die allgemein geltenden Hygienevorschriften und vorbeugende Maßnahmen zum Umgang und zur Produktion von Futtermitteln (HACCP-Konzepte) eingehalten, ist dieser Übertragungsweg jedoch eher unwahrscheinlich. Bei Futtermitteln, die keiner weiteren Behandlung unterzogen und direkt verfüttert werden, ist eine Übertragung der ASP nicht ganz auszuschließen.

Die Untersuchungen, wie sie jetzt im Forschungsprojekt der drei Institutionen FLI, SVA und BfR geplant sind, werden dringend erforderliche Daten zu ASP-Viren während der Verarbeitung und Lagerung in Futtermittelausgangsprodukten für Hausschweine liefern.

Quelle: BfR

Imkertipp: Varroabekämpfung trotz hoher Temperaturen

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Im vergangenen Somer haben sich viele Imkerinnen und Imker die Frage gestellt, ob es überhaupt möglich ist, eine Sommerbehandlung gegen die Varroamilbe durchzuführen. Auf Grund der hohen Tagestemperaturen, die teilweise weit über 30°C hinausgingen, war es Wochen lang schwierig, mit Ameisensäure oder Thymolprodukten zu arbeiten. Diese Produkte dürfen für einen guten Behandlungserfolg sowie zum Schutz der Bienen nur bei moderaten Temperaturen angewendet werden.

Anwender der biotechnischen Varroabehandlung wie „Komplette Brutentnahme“, „Bannwabenverfahren“ und „Käfigen und Behandeln“ hatten da keine Probleme, schreibt das Fachzentrum für Bienen und Imkerei in Mayen in seinem Infobrief. Sie konnten ungeachtet der hohen Temperaturen schon seit Juni für eine Entlastung der Bienenvölker sorgen.

Wer keine Biotechnik einsetzen möchte, muss eine andere Art der Varroabehandlung wählen. Als die klassische Sommerbehandlungsmethode gilt noch immer das Verdampfen von Ameisensäure. Oberstes Ziel muss es sein, die Bienenvölker mit gesunden, gut gepflegten Winterbienen in den Winter zu bringen. Deshalb sollte man mit der Sommerbehandlung nicht zu lange warten.

Wer im September erst anfängt zu behandeln, ist zu spät dran. Die Bienenvölker können dann zwar von Milben entlastet werden, bei hohem Befall wachsen aber schon viele Winterbienen parasitiert heran und sind dadurch in ihrer Vitalität und Langlebigkeit eingeschränkt. In der Folge können Bienenvölker bis zur Auswinterung sehr schwach werden oder gar schon vorher eingehen.

Wie stark der Befall mit der Varroamilbe ist, kann mit der Bodenschiebermethode ermittelt werden. Sie wird als Diagnosemöglichkeit schon lange eingesetzt. Sie ist in den letzten Jahren am Bieneninstitut Kirchhain weiterentwickelt worden, um die Aussagekraft über den Milbenbefall zu verbessern. Der Bodenschieber wird für drei Tage, beschichtet mit Bio-Sägekettenhaftöl, unter den offenen Gitterboden geschoben und die Varroamilben dann ausgezählt. Durch die Beschichtung erreicht man, dass der Bodenschieber vollflächig mit einem Ölfilm behaftet ist, der Ameisen und Co. davon abhält, Milben wegzutragen bzw. zu fressen. Auch der Wind kann die Milben nicht von der Bodeneinlage blasen. Hier gibt es die Anleitung dazu.

Der Behandlungszeitpunkt richtet sich nach dem Zeitpunkt des Abschleuderns, dem Befallsgrad der Bienenvölker und den Umweltbedingungen. Die Temperaturen sollten 30°C nicht überschreiten, aber durchschnittlich auch nicht unter 10°C liegen. Hohe Luftfeuchtigkeit und Regenwetter beeinträchtigen die Verdampfung der Säure ebenfalls. Sehr hilfreich ist die Beachtung des „Varroawetters“ (www.varroawetter.de). Dort gibt man seine Postleitzahl ein und erhält neben der örtlichen Wetterprognose auch Behandlungsempfehlungen zu verschiedenen Behandlungsmethoden.

Quelle: Dr. Heike Engels, mit Informationen aus Bienen@Imkerei 22/2022 des Fachzentrums für Bienen und Imkerei in Mayen

Zuerst erschienen im E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 4/2022. Zum kostenfreien Abo bitte einfach hier anmelden.

Gene beeinflussen Erkrankungsrisiko bei Mortellaro

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Zwei Punktmutationen im Erbgut von Rindern führen wahrscheinlich dazu, dass manche Tiere deutlich anfälliger für die Krankheit Dermatitis Digitalis (auch Mortellaro genannt) sind. Sie ist bei Rindern in Stallhaltung weitverbreitet und äußerst schmerzhaft. Die beiden „Kandidatengene“ hat nun ein internationales Forschungsteam der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU), der Universität Göttingen und der University of Wisconsin-Madison in den USA gefunden. Dafür analysierten die Forscherinnen und Forscher die Daten von mehr als 5.000 Milchkühen. Die Erkenntnis könnte dabei helfen, die Züchtung von resistenten Tieren zu verbessern.

Dermatitis Digitalis ist eine von Bakterien der Gattung Treponema ausgelöste Erkrankung bei Rindern. Betroffen ist der Übergang zwischen Klauenhorn und behaartem Teil des Beins an der Rückseite der Füße. „Obwohl die Krankheit erst 1974 in Italien erstmalig beschrieben wurde, hat sie sich derart verbreitet, dass sie heute weltweit in nahezu jedem Rinderstall in unterschiedlichem Ausmaß anzutreffen ist“, sagt Prof. Dr. Hermann Swalve vom Institut für Agrar- und Ernährungswissenschaften der MLU. Er leitete die Arbeit gemeinsam mit Prof. Dr. Bertram Brenig von der Universität Göttingen. Unterstützung erhielten sie von Prof. Dr. Dörte Döpfer aus den USA.

Da nie alle Tiere einer Herde an der Krankheit leiden, geht man davon aus, dass es genetisch resistente Tiere geben muss. Die genetischen Grundlagen dafür untersuchte das Team aus Deutschland und den USA nun anhand von DNA-Daten und Untersuchungsbefunden von rund 5.000 Milchkühen aus 13 ostdeutschen Großbetrieben. Mit Hilfe umfangreicher statistischer Analysen war es so möglich, für die Erkrankung wichtige Bereiche im Erbgut der Kühe zu identifizieren. Als potenzielle Kandidatengene blieben demnach CMPK2 und ASB16. Beide spielen eine wichtige Rolle in Signalwegen immunologischer zellulärer Prozesse, also zum Beispiel bei bakteriellen Infektionen wie Dermatitis Digitalis. Durch weitere Sequenzanalysen der Kandidatengenregionen fand das Team an zwei Stellen Punktmutationen, sogenannte SNP, die beide einen signifikanten Einfluss auf die Erkrankungsanfälligkeit und die Ausbildung eines chronischen Krankheitsverlaufs zeigten.

„Die Ergebnisse waren durchaus überraschend“, so Brenig, „da CMPK2 und ASB16 zwar in vielen Geweben mehr oder weniger stark hergestellt werden, aber gerade in der Haut eher in sehr geringen Konzentrationen anzutreffen sind“. Das Team plant, seine Arbeit mit Untersuchungen mit Zellkulturen fortzusetzen, um die bisherigen Ergebnisse zu untermauern und womöglich auch den Mechanismus zu klären, den die gefundenen Punktmutationen beeinflussen. Bereits heute könnten die Ergebnisse dabei helfen, die Züchtung zu verbessern und durch umfangreiche Tests eine mögliche Anfälligkeit für Dermatitis Digitalis bereits im Vorfeld zu reduzieren.

Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Frontiers in Genetics veröffentlicht.

Die Arbeit wurde teilweise durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie den Förderverein Bioökonomieforschung e.V. gefördert.

Quelle: Georg-August-Universität Göttingen

Zuerst erschienen im E-Magazin „Der Hoftierarzt 4/2022. Hier geht’s zum kostemfreien Abo.

Sollte uns PCV3 Sorge bereiten?

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Von Dr. Heike Engels

Neben PCV2 gibt es mittlerweile auch schon PCV3 und PCV4, wie Dr. Elisabeth Streckel, Tierärztin bei Boehringer Ingelheim, kürzlich auf einer online-Fortbildungsveranstaltung informierte. „PCV1 war das erste entdeckte porzine Circovirus, es ist aber nicht krankmachend. Gut 20 Jahre später wurde PCV2 entdeckt, mittlerweile sind neun verschiedene Genotypen bekannt (PCV2a-i). In der Praxis häufig zu finden und damit im Feld relevant sind aber nur PCV2a, b und d, vor denen z.B. der bewährte marktführende Impfstoff verlässlich schützt. PCV3 wurde 2015 erstmals beschrieben und konnte mittlerweile schon in vielen Ländern nachgewiesen werden, man kann von einer weltweiten Verbreitung sprechen. Der „Neuling“ PCV4 wurde 2019 in China nachgewiesen, bis jetzt ist über dieses Virus aber wenig bekannt. Ein Nachweis in Europa ist bislang noch nicht gelungen.“

PCV3 stimmt nur gering mit PCV2 überein
Zu PCV3 liegen bereits diverse Veröffentlichungen vor. Es ist in mehrere Genotypen eingeteilt, hat eine geringe Mutationsrate und stimmt mit PCV2 im Kapsidprotein genetisch nur zu 26 % überein. Die beschriebenen Symptome von PCV3 gehen über Fruchtbarkeitsstörungen, eine gestiegene Mortalität bei Sauen und Hautflecken wie bei PDNS bis zu multisystemischen Entzündungen bei Ferkeln. PCV3 ist offenbar weit verbreitet, in vielen Probenmaterialien zu finden und auch bei gesunden Tieren nachzuweisen.

„Es ist noch unklar, ob PCV3 ein relevantes Pathogen ist bzw. ob das Virus ursächlich ist oder assoziiert mit einem anderen Pathogen oder Kofaktor für die Erkrankungen verantwortlich ist. Bisher gibt es noch keine Untersuchung, ob die Impfstoffe wirken. Da PCV3 aber so unähnlich ist zu PCV2, ist eine Kreuzprotektion der bestehenden PCV2-Impfstoffe sehr unwahrscheinlich. Für die Zukunft ist deshalb zu klären, in welcher Art PCV3 tatsächlich Krankheiten auslösen kann“, so Dr. Streckel.

Zuerst erschienen im E-Magazin „Der Hoftierarzt 4/2022. Hier geht’s zum kostemfreien Abo.

Dringender Appell der Initiative Tierwohl

Am morgigen 12. Oktober 2022 soll der Referentenentwurf des Gesetzes zur Einführung einer verbindlichen Tierhaltungskennzeichnung (TierHaltKennzG) im Kabinett beraten werden. Die Initiative Tierwohl appelliert an alle Kabinettsmitglieder, den Entwurf abzulehnen. Das beabsichtigte Gesetz sei „in weiten Teilen lückenhaft, so nicht erforderlich“ und berge „große Risiken für das Tierwohl in Deutschland.“

Rückschritt beim Tierwohl
Der Entwurf erfasst nur frisches, deutsches Schweinefleisch, aber lediglich, wenn es im LEH, Metzgereien oder online verkauft wird. Der Verkauf von Wurst und Schinken sowie die Gastronomie werden nicht berücksichtigt, womit mehr als zwei Drittel des Schweinefleischabsatzes aus Deutschland ohne Kennzeichnung bleiben würden. Zudem wurden nur die Mast, nicht Sauen und Ferkelhaltung gekennzeichnete und auch Rind und Geflügel nicht einbezogen.

Eine Differenzierung zwischen frischem Schweinefleisch (mit staatlicher Kennzeichnung) und Fleisch anderer Tierarten (ohne staatliche Kennzeichnung) führe „zu einer fortschreitenden Verschiebung des Marktes weg vom Schweinefleisch und fügt damit der Schweinehaltung in Deutschland schweren strukturellen Schaden zu.“

Unzureichende Kontrolle
Eine planmäßige, strukturierte und wiederkehrende Überwachung der teilnehmenden Betriebe sieht der Gesetzentwurf nicht vor und bleibt damit deutlich hinter den privatwirtschaftlichen Standards und Systemen, die für regelmäßige neutrale Kontrollen schon vor der Nutzung von Kennzeichen, stehen. Eine derart laxe Überwachungspraxis gefährde die vielfältigen Standards und Systeme der Wirtschaft in ihrem Fortbestand, meint die ITW

Bürokratie-Monster
Das Verfahren zur Anzeige und Registrierung von Betrieben nutze bestehende Kennnummern und Datenbanken nicht. Stattdessen müssten die zuständigen Behörden personell aufgestockt werden, um den Prozess zu bewältigen. „Der sehr begrenzte Nutzen steht in keinem vernünftigen Verhältnis zu dem enormen Aufwand und den hohen Kosten, den diese Systematik auslöst.“

Benachteiligung deutscher Landwirte
Wenn nur ein kleiner Teil der Lebensmittel tierischen Ursprungs nach dem derzeitigen Entwurf gekennzeichnet werden soll, könnte ausländische Ware ggf. unter niedrigeren Standards produziert und ohne Kennzeichnung vermarktet werden. Die Verbraucher erwarte ein „Kennzeichnungs- Flickenteppich“, während gleichzeitig eine steigende Anzahl von Tierhaltern in Deutschland den Betrieb einstellen

Appell: Auf Bewährtes setzen
Über 10.000 landwirtschaftliche Betriebe nehmen bereits an der Initiative Tierwohl teil. Ihre Labels sind bei den Verbrauchern bekannt, umfassen alle gängigen Tierarten sowie die verarbeitete Ware und sind außerdem im In- und Ausland anwendbar.

„Tritt das Gesetz wie geplant in Kraft, sind die Erfolge der vielen privatwirtschaftlichen Standards und Systeme gefährdet. Tierhalter, die bereits seit Jahren durch diese Systeme mehr Tierwohl umsetzen konnten, wären dann die Leidtragenden. Wir appellieren daher an alle Politiker, dieses Gesetz abzulehnen und regen eine stärkere Zusammenarbeit mit bestehenden Systemen der Wirtschaft an, um im Sinne des Tierwohls und der Landwirte an einem Strang zu ziehen. Die Initiative Tierwohl ist dazu bereit!“

Eutergesundheit im Fokus

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Von Alexandra Koch, LWK Niedersachsen

Für Milchviehhalter sind die wirtschaftlichen Verluste durch eine Erkrankung des Euters enorm: Jede einzelne Euterentzündung belastet das Betriebsergebnis durchschnittlich mit über 400 €. Auch das Tierwohl wird auf Grund der auftretenden Schmerzen beeinträchtigt. Für den Betriebsleiter entsteht außerdem ein zusätzlicher Arbeitsaufwand. Zudem werden die Möglichkeiten der antibiotischen Mastitisbehandlung künftig noch stärker eingeschränkt, denn als Reaktion auf das zunehmende Auftreten resistenter Krankheitserreger strebt die EU eine deutliche Reduktion des Einsatzes von Antibiotika in der Tierhaltung an. Eutererkrankungen müssen daher zukünftig noch stärker durch eine optimale Vorbeugung vermieden werden. Um Landwirte dahingehend fit zu machen, bot die Landwirtschaftskammer Niedersachsen im Rahmen des Projektes Netzwerk Fokus Tierwohl zwei Online Seminare zum Thema „Eutergesundheit im Fokus“ an. Bei beiden referierte Dr. Andreas Steinbeck, Fachreferent für Rindergesundheit bei Boehringer Ingelheim.

Das richtige Trockensteher-Management
Im ersten Teil wurde die Trockenstehphase genauer beleuchtet. Hierzu wurden einleitend die bedeutendsten Erregerstämme vorgestellt sowie auf Risikofaktoren zur Ausbildung einer Mastitis eingegangen. Zum einen spielt dabei die Haltungsumwelt eine entscheidende Rolle, aber auch Parameter wie die Jahreszeit, die Fütterung der Kühe oder die Methode zum Trockenstellen sind einflussgebend. Darüber hinaus gibt es auch Kuh-individuelle Prävalenzen für das Ausbilden einer Euterentzündung. Ausschlaggebend sind dabei unter anderem das Alter, die Erkrankungshistorie, die Höhe der Milchproduktion zum Trockenstellen oder auch die teilweise rassebedingten Unterschiede beim Ausbilden des Keratinpropfes im Strichkanal.

Im weiteren Verlauf ging der Experte auf die verschiedenen Strategien zum Trockenstellen sowie deren Vor- und Nachteile ein. Das generelle antibiotische Trockenstellen stellt dabei die historische Methode dar. Zwar können damit bestehende Infektionen ausheilen und auch das Risiko einer Neuinfektion wird reduziert, allerdings wird der routinemäßige Einsatz von Antibiotika heutzutage gesellschaftlich weitestgehend abgelehnt. Eine Ausbildung von Resistenzen kann begünstigt werden. Darüber hinaus besteht bei gesunden Tieren keine Notwendigkeit für den Einsatz eines Antibiotikums zum Trockenstellen, für einen vorbeugenden Einsatz fehlt die Legitimation. Einzelne Betriebe sowie Lehr- und Forschungseinrichtungen wenden bereits das sogenannte viertelselektive Trockenstellen an, bei dem nur infizierte Viertel antibiotisch behandelt werden. Ein genaues Wissen um die Gesundheit der einzelnen Euterviertel wird hier in der Regel durch Viertelgemelksuntersuchungen im Labor abgesichert. Muss eine antibiotische Trockenstellbehandlung durchgeführt werden, erfolgt die Auswahl des Wirkstoffs nach Antibiogramm (Resistogramm).

Aufpassen bei der Eutertubenspitze


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DLG-Innovation Award in Silber: Clean & Fill Station von Förster Technik

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Förster Technik GmbH (Stand 13 D35)
Sachgebiet 4: Haltungs- und Fütterungstechnik Rind

Die Erhaltung der Kälbergesundheit hat in der Milchviehhaltung einen hohen Stellenwert. Infektionen durch mangelnde Hygiene müssen konsequent verhindert werden. Seit einigen Jahren setzen sich vor allem aus arbeitswirtschaftlichen Aspekten immer mehr mobile Kälbertränkesysteme mit größerem Milchbehälter durch, die nach der Nutzung von Hand oder mit halbautomatischer Reinigung aufwendig zu reinigen und zu desinfizieren sind.

Bei der Clean & Fill Station der Förster Technik GmbH kann der mobile Milchbehälter nun zur Reinigung mit wenigen Handgriffen angeschlossen werden. Das Reinigungsprogramm läuft vollautomatisch ab und reinigt alle Flächen und auch die sensiblen Bereiche.

Eine weitere Neuheit liegt darin, dass der Behälter über das eingestellte Programm zum benötigten Zeitpunkt automatisch wieder mit Wasser befüllt und auf die vorgegebene Tränketemperatur aufgeheizt wird. Vom Landwirt muss damit nur noch die benötigte Menge Milchaustauscher zugegeben werden und die Kälbertränke ist einsatzbereit.

Die Clean & Fill Station schließt damit Hygienemängel nahezu aus und führt zu einer deutlichen Arbeitszeitersparnis.

Quelle: EuroTier

DLG-Innovation Award in Silber: The Dreamstall von Cowhouse International

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Cowhouse International B.V. (Stand 12 C57)
Sachgebiet 4: Haltungs- und Fütterungstechnik Rind

Liegen ist wichtig für die Klauen-, Gelenk- und Eutergesundheit der Kuh und fürs Wiederkäuen essenziell – im Normalfall liegt das Tier mehr als zwölf Stunden am Tag. Liegeboxen sollen ein komfortables und störungsfreies Liegen ermöglichen. Dabei haben die verschiedenen Elemente die Aufgabe, die Tiere so zu steuern, dass sich kleine Tiere nicht umdrehen und die Boxen verschmutzen können, gleichzeitig große Tiere aber nicht so sehr eingeschränkt werden, sodass sie die Boxen gar nicht mehr nutzen.

Der Liegeboxenbügel Dreamstall ermöglicht es den Kühen, in den Liegeboxen nahezu frei zu stehen und sich in ihren Bewegungen natürlicher zu verhalten. Die Besonderheit liegt darin, dass bei diesem Liegeboxendesign auf das klassische Nackenrohr und die herkömmlichen, klassischen Trennbügel verzichtet wird. Das Nackenrohr wird durch zwei flexible, kugelförmige Körper ersetzt, die die stehende Kuh im Schulterbereich steuern. Dies ermöglicht es der Kuh, in einer „Lücke“ frei und mit erhobenem Kopf auch in der Liegebox zu stehen. Die herkömmlichen Trennbügel wurden durch zwei horizontale und flexible Führungsrahmen ersetzt, die die stehende Kuh in eine zentrale Standposition führen.

Somit können die Kühe beim Abliegen die Liegefläche vollständig und ungestört nutzen. Beim Aufstehen werden die Kühe nicht durch ein waagerechtes Nackenrohr, sondern durch die nach oben flexiblen Kunststoffkörper in die richtige Standposition geführt. Der Dreamstall fördert so die arttypische Verhaltensweise der Kühe und fördert somit Tierwohl und Tiergesundheit.

Quelle: EuroTier

DLG-Innovation Award in Silber: AKO WolfStop von Kerbl

Albert Kerbl GmbH (Stand 11 C43)
Sachgebiet 13: Transport-, Hof- und Weidetechnik

Für Weidetiere ist ein optimaler Herdenschutz durch ordnungsgemäße Schutzzäune essenziell. Diese müssen einen ausreichenden Schutz sowohl gegenüber einem Untergraben als auch gegenüber einem Überspringen durch Wildtiere, wie z. B. Füchse und Wölfe, bieten. Die zurzeit in der Regel genutzten Netze haben hierbei oft das Problem, dass zum einen die unterste Litze bzw. die Netzkante nicht unter Strom gesetzt werden kann, weil dadurch die Gefahr von Kurzschlüssen besteht und somit die gesamte Netzzaunanlage nicht funktionsfähig ist sowie der Zaun auch untergraben werden kann. Zum anderen verfügen die Netze oft nicht über eine ausreichende Höhe, sodass sie übersprungen werden können.

Genau hier setzt der AKO WolfStop an. Seine Haltestange kann nachträglich und flexibel an bestehende Netzzäune in einem definierten Abstand bzw. einer geeigneten Höhe angebracht werden und kann so als Schutz vor dem Untergraben der Netze beziehungsweise zum Erhöhen der Netze und damit als Überspringschutz dienen. Am Ende der Haltestange befindet sich jeweils ein Litzenhalter, d. h. eine Aufnahme für einen elektrischen Leiterdraht bzw. eine Litze. Einmal angebracht, können die Haltestangen inklusive der Litze auch einfach hochgestellt werden, um das Netz zum Versetzen oder zum Transport so arbeitseffizient wie bisher zusammenrollen zu können.

Mit dem Einsatz des AKO WolfStop ist eine wesentliche Verbesserung der Funktion und des Verfahrens von Schutzzäunen für Weidetiere zu erwarten.

Quelle: EuroTier

DLG-Innovation Award in Silber: Thermochrome Ferkelnestheizung Thermo WE von MIK

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MIK INTERNATIONAL GmbH & Co. KG (Stand 17 G11)
Sachgebiet 5: Haltungs- und Fütterungstechnik Schwein

Geheizte Ferkelnester sorgen für einen optimalen Liegekomfort der Ferkel und insbesondere während der ersten Lebenstage auch für eine verbesserte Überlebensfähigkeit der Tiere. Die Temperaturüberwachung bzw. -kontrolle von Fußbodenheizungen im Ferkelnest wurde bislang über eine punktuelle Messung per Infrarot-Thermometer oder flächendeckend mithilfe einer Thermografie-Kamera vorgenommen. Eine visuelle Temperaturüberwachung der Ferkelnestheizungen gab es bislang nicht. Daher war es vergleichsweise schwierig, den Ausfall einzelner oder auch mehrerer Heizplatten schnell zu erkennen.

Durch die Firma MIK International GmbH & Co. KG wurde ein neuer innovativer Ansatz gefunden, eine optimierte Ferkelnesttemperatur kurzfristig und unmittelbar visuell zu identifizieren. Hierzu sind die Elemente der Fußbodenheizung an ihrer sichtbaren Oberseite mit reversibel-thermochromatischen Pigmenten beschichtet, die bei vorbestimmten Minimal- bzw. Maximaltemperaturen einen Farbumschlag aufweisen. Über diese neue Möglichkeit der einfachen und visuellen Überwachung der Oberflächentemperatur einer Fußbodenheizung kann der Betreiber sehr schnell bestimmen, ob ein eventueller Fehler vorliegt.

Neben arbeitswirtschaftlichen Vorteilen führt die Innovation auch zu deutlichen Verbesserungen hinsichtlich eines optimierten Liegeverhaltens in der Kleinklimazone Ferkelnest.

Quelle: EuroTier

Die Mauser – was ist aus tierärztlicher Sicht zu beachten?

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Von Dr. Ferdinand Schmitt, Geflügelgesundheitsdienst Bayern

Das Verbot des Tötens der männlichen Eintagsküken im Legehennensektor hat nicht nur Zoos und Falknereien vor Probleme gestellt, sondern auch die Legehennenhalter. Da bisher keine praxistaugliche Lösung zum Sexen im Ei weitverbreitet ist, werden die männlichen Küken in Deutschland, Österreich und Osteuropa aufgezogen. Da die Aufzucht und Vermarktung der Bruderhähne nicht kostendeckend sind, muss die Legehenne die Bruderhahnhaltung mitfinanzieren. Aus diesem Grund sind die Legehennenpreise in diesem Jahr stark angestiegen und die Landwirte gezwungen – da der Eierpreis zudem niedrig ist – nach Einsparmöglichkeiten und Alternativen zu suchen.

Eine Möglichkeit, die Kosten zu senken, ist die Mauser. Diese wurde aus diversen Gründen in der Vergangenheit immer seltener durchgeführt und war eher im Bereich der Direktvermarkter verbreitet. Nun gerät sie jedoch bei zahlreichen Landwirten wieder in den Fokus. Mit diesem Artikel sollen aus tierärztlicher Sicht die Vor- und Nachteile der Mauser beleuchtet und praxisnahe Ratschläge für eine erfolgreiche Mauser gegeben werden.

Mauser hat viele Vorteile
Schon länger wird von Seiten des Tierschutzes die „kurze“ Lebensdauer der Henne moniert. Durch die Mauser kann diese verlängert werden, was durchaus im Sinne des Tierschutzes ist.

Für den Legehennenhalter hat die Mauser jedoch ebenfalls Vorteile. Hierzu zählt zum einen die Kostenersparnis, da der Junghenneneinkauf entfällt. Zum anderen legen die Hennen nach der Mauser sofort große Eier, was vor allem für die Direktvermarkter von Interesse ist. Auch die Eiqualität verbessert sich deutlich, was sich in einer besseren Eischalenstabilität bemerkbar macht. Bei richtiger Futtermischung wird auch der Dotter wieder dunkler. Zudem erfährt die Legeleistung nach der Mauser zunächst keinen weiteren Abfall wie sonst üblich. Im Gegenteil, die Legeleistung kann sich nach einer gut durchgeführten Mauser sogar um ein bis zwei Prozentpunkte verbessern. Vereinfacht gesprochen, „geht“ die Henne mit der Legeleistung aus der Mauser, mit der sie „hineingegangen“ ist.

Da durch die Mauser zahlreiche Stoffwechselprozesse heruntergefahren werden und dem Körper die Möglichkeit gegeben wird, sich zu erholen, verbessert sich auch die Tiergesundheit. Zusätzlich kann man bei einigen Erkrankungen feststellen, dass die Tiere die Mauser genutzt haben, um eine Immunität aufzubauen. Ein Beispiel hierfür sind Mycoplasma synoviae- und Egg-Drop-Syndrom-Infektionen.

Wo liegen die Stolpersteine?
Die Mauser hat jedoch nicht nur Vorteile, sondern auch einige Nachteile, auf die im Folgenden eingegangen werden soll.


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